Die schlimmste Versuchung

Martin Luther in seiner Auslegung von Psalm 78 (Digitale Bibliothek Band 63: Gesammelte Werke, Bd. 1, 100–101).

So ungläubig und widerspenstig sind sie, dass sie lieber die ganze Schrift leugnen oder zuschanden machen und gegen die Kirche so vieler Geschlechter kämpfen, als dass sie ihre Gedanken gefangen nähmen unter den Gehorsam Christi (2. Kor. 10, 5). Alles ziehen sie in Zweifel und in Frage, was durch so viele Jahrhunderte hindurch bewahrt wurde und wofür so viele Märtyrer gestorben sind … Nicht glauben zu wollen also und alles in Zweifel zu ziehen und immer nach einer anderen Lehre zu suchen, das ist die schlimmste Versuchung, die der Herr schicken kann. Hüte dich also, Mensch, lerne lieber in Demut weise zu sein und überschreite nicht in deiner Neuerungssucht die Grenzen, die deine Väter gesetzt haben.

Kommentare

  1. Naja, wenn das so einfach wäre. Es sterben auch Menschen für Unwahrheiten, und unfehlbar waren die Väter eben auch nicht – was Luther ja eigentlich nur zu gut weiß.

  2. Wir suchen Lehrer, die uns erzählen, was wir hören wollen,
    suchen Erfahrungen, auf die wir bauen können,
    suchen Herausforderungen, die wir erfüllen sollen,
    und große Dinge, die wir tun müssen.

    Das Wunder eines Bekehrten ist uns nicht genug;
    wir wollen Gelähmte geheilt und Blinde sehend sehen,
    wollen fremde Sprachen im Gebet,
    wollen Zeichen und Mirakel.

    Nur gerechtfertigt aus Zurechnung?
    Das ist uns zu wenig.
    Wir wollen mehr als das.
    Wir wollen Nicht-Sündigen und Sündlosigkeit,
    wollen nicht auf dem Stand des bloßen Gerechtfertigtseins stehenbleiben,
    sondern wollen darüber hinaus, hin zur Heiligung und bis zur Heiligkeit selbst.

    Wir wissen, wie man Gottes Wort in die Praxis zu setzen hat,
    und unseren Kindern werden wir das schon einbläuen.
    Wir wissen es besser als die Reformatoren,
    die im Grunde noch grün waren hinter den Ohren.

    Wir sind die Riesen, die auf den Schultern jener Zwerge stehen –
    das sagen wir Ketzer, wir Hochmütigen und Zweifler,
    denn Gott muss uns allen etwas Besonderes machen. ––

    Möge Gott uns vom Schlaf erwecken, damit er uns nicht wie ein Dieb überraschen muss und zu einem Zeitpunkt kommt, mit dem wir nicht rechnen.

    Jesus von Nazareth, sei uns gnädig und lehre uns,
    das Kleid nicht zu beschmutzen, das du selbst uns gegeben hast!
    Bitte.

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