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Das Video vom Papst

Eine Videobotschaft von Papst Franziskus, die vor einigen Tagen veröffentlicht wurde, löst selbst unter katholischen Christen Ratlosigkeit und Verwirrung aus. Verschiedene Religionen, der Buddhismus, das Judentum, der Islam und das Christentum, werden in dem Gebetsaufruf nebeneinander gestellt. Viele Menschen dächten und fühlten anders, suchten und fänden Gott auf unterschiedliche Weise. Bei aller religiösen Vielfalt sei jedoch eines klar: „Wir alle sind Kinder Gottes!“, so Papst Franziskus in seiner Botschaft.

Hier das Video:

Ist der Papst häretisch?

Zwischen einem lockeren Gespräch und theologischen Verlautbarungen zu unterscheiden, ist eine gute Sache. Trotzdem finde ich es beunruhigend, mit was für einer Selbstverständlichkeit Redakteur Guido Horst den amtierenden Papst Franziskus verteidigt, der kürzlich wieder davon sprach, dass alle Religionen zu Gott führen und jeder Mensch ein Kind Gottes ist. Wie kann ich einem Papst vertrauen, der dies offensichtlich glaubt und dennoch hinter den Dekreten der Kirche stehen muss? Furchtbar! Zumal solche Äußerungen ja keine Versehen sind (vgl. hier und hier).

Trotzdem meint Guido Horst:

Auf Deutsch klingt der entscheidende Satz von Franziskus auf der offiziellen Homepage des Vatikans so: „Alle Religionen sind ein Weg, um zu Gott zu gelangen. Sie sind – ich mache einen Vergleich – wie verschiedene Sprachen, verschiedene Idiome, um dorthin zu gelangen. Aber Gott ist Gott für alle. Und weil Gott der Gott für alle ist, sind wir alle Kinder Gottes.“

Ja, kann man missverstehen. Besonders dann, wenn man Papst Franziskus schon seit geraumer Zeit böse Absichten unterstellt. Die „sprungbereite Feindseligkeit“, über die sich schon Benedikt XVI. beklagte, muss Franziskus besonders aus dem Lager der Konservativen und Traditionalisten erfahren. Aber bitte: einmal durchatmen und sich abregen – es war nur ein Gespräch! Kein theologischer Vortrag und erst recht kein „ex-cathedra“-Spruch. Zumal Franziskus kein Theologe, sondern ein Mann der Seelsorge ist. Er hat mit mehreren Jugendlichen gesprochen – so wie vielleicht vier vernünftige Leute in einem Zugabteil sitzen, feststellen, dass ein Hindu, ein Christ, ein Muslim und ein Buddhist zusammen sind, und anfangen, über das Miteinander der Religionen zu reden. Da wird der Christ auch nicht aufstehen und die anderen ultimativ zu Bekehrung und Taufe auffordern. 

Mehr: www.die-tagespost.de.

Hat der Papst die Mafia exkommuniziert?

Als ich in Samstagabend auf der Autobahn einen Radiobericht über die mutigen Worte des Papstes in der Camorra-Hochburg Caserta hörte, erklärte der Moderator selbstsicher, Papst Franziskus habe kürzlich in einer Predigt die Mafia exkommuniziert. Schon als ich das erste Mal von der Exkommunikation hörte, meldeten sich bei mir einige Fragen: Kann der Papst ohne Anhörung und Verfahren exkommunizieren? Kann er eine juristische Organisation oder gar eine Geheimorganisation aus der Kirche ausschließen? Was meint er mit „Mafia“, denkt er beispielsweise auch an die vielen minderjährigen Kinder (vgl. Can. 1323), die im Auftrag der Camorra unterwegs sind, oder nur an die Chefs? Was sagt das katholische Kirchenrecht dazu? Wie kann so ein allgemeiner Ausschluss überprüft werden?

Also: Das Kirchenrecht unterscheidet zwischen zwei Arten von Exkommunikation, nämlich der Exkommunikation als Tatstrafe „poena latae sententiae“ und der als Spruchstrafe „poena ferendae sententiae“.
Im ersten Fall tritt die Exkommunikation automatisch ein, zum Beispiel bei einer Abtreibung. Im Can. 1398 lesen wir: „Wer eine Abtreibung vornimmt, zieht sich mit erfolgter Ausführung die Tatstrafe der Exkommunikation zu.“ Die allermeisten Strafen sind jedoch Spruchstrafen (vgl. Can. 1314). Spruchstrafen werden durch einen ausdrücklichen Urteilsspruch seitens des Bischofs oder des Papstes nach einem ordentlichen Prozess verhängt.

Die Machenschaften der Mafia verlangen eine Spruchstrafe. Der Papst hat demnach die Mafiosi nicht aus der Kirche ausgeschlossen, sondern sie zur Umkehr aufgerufen.

Radio Vatikan stellt klar:

Um zu verstehen, was der Papst meint, muss der erste Teil des Satzes in den Blick genommen werden: Wer so handelt, ist nicht in Gemeinschaft mit Gott! Es geht also vor allem um den moralischen Charakter der Sünde, und – zumindest zuerst einmal – nicht um die Rechtsfolgen. Der Papst wollte also sagen: Mafiosi stellen sich außerhalb der Gemeinschaft der Kirche, die die Familie Gottes ist. Das mindert aber keineswegs die Schärfe des Appells. Denn höchstwahrscheinlich hatte der Papst nicht so sehr kirchenrechtliche Spitzfindigkeiten im Blick (siehe unten), sondern es ging ihm um die Ungeheuerlichkeit der Verbrechen der Mafia und ihre absolute Unvereinbarkeit mit dem Glauben. Mutig hat er die Menschen aus dem Glauben heraus zum Widerstand gegen dieses Krebsgeschwür nicht nur der süditalienischen Gesellschaft aufgerufen.

Papst Benedikts XVI: Kreuzzug gegen die Moderne?

Zu Gast im »Philosophischen Quartett« sind heute Abend Daniel Deckers, Kirchenexperte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und mit dem Vatikan eng vertraut, sowie der bekennende Papstkritiker Alan Posener, Korrespondent für Die Welt und Welt am Sonntag. Sie diskutieren mit Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski über den deutschen Papst-Professor und dessen Bild unserer heutigen Welt. Befindet er sich tatsächlich auf einem »Kreuzzug gegen die Moderne«, wie seine Gegner behaupten?

Das ZDF schreibt:

Papst Benedikt XVI., der Heilige Vater in der weißen Soutane, sieht schwarz, wenn er an Europa denkt, wo die Aufklärung ihren Ursprung hat und die Säkularisierung und der Liberalismus am weitesten gediehen sind. Für den Papst scheint es eine seelenlose Gesellschaft zu sein, diese westliche Moderne mit ihrem wissenschaftlichen Denken, der Emanzipation der Frau, der sexuellen Revolution, der Profitmaximierung, den 68ern und den Befreiungstheologen, die für ihn nichts anderes sind als marxistische Missionare im Priestergewand.

Leider haben inzwischen die öffentlich-rechtlichen Sender anspruchsvollere Beiträge in die Nacht verlegt:

  • ZDF: Das Philosophische Quartett , Sonntag, 29.11.2009, 23:50 – 00:55 Uhr

Papst setzt ein Signal gegen Konservative

US-Präsident Joe Biden, ein engagierter Kämpfer für die Abtreibung und die LTBGQ-Bewegung, sei laut Papst Franziskus ein guter Katholik und soll die Kommunion empfangen. Dabei will er die Abtreibungen bis zur Geburt erleichtern und sogar das Grundrecht auf Abtreibung einführen. Zu einer Kirche, die offiziell für den Lebensschutz eintritt, passt das nicht. Matthias Rüb schreibt für die FAZ: 

Auf die Frage, ob in dem Gespräch mit dem Papst vom Freitag auch das Thema Abtreibung zur Sprache gekommen sei, antwortete Biden am Samstagmittag vor amerikanischen Journalisten: „Nein, es kam nicht zur Sprache. Wir haben nur darüber gesprochen, dass er froh darüber ist, dass ich ein guter Katholik bin und dass ich weiter die Kommunion empfangen soll.“

Nach dem Gottesdienst vom Samstagabend sagte Pater Joe Ciccone, Hauptzelebrant der Abendmesse und Spender der Sakramente für die Bidens: „Die Kommunion vereint uns in Gott, unserem Herrn. Keiner von uns ist rein und perfekt. Wir alle haben Kämpfe zu bestehen in unserem Leben. Wir sind Heilige und Sünder zugleich.“ Damit brachte Pater Ciccone genau die Haltung von Papst Franziskus im Streit um die Kommunion für katholische Politiker zum Ausdruck, die sich entgegen der Lehre ihrer Kirche für das Recht auf Abtreibung einsetzen. So wie Joe Biden und Nancy Pelosi etwa.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Das mysteriöse Schweigen von Papst Pius XII.

Tausende von Menschen baten den Papst im Zweiten Weltkrieg, gegen das Unrecht der Nazis Stellung zu nehmen. Alle wurden mit der gleichen Antwort abgefertigt. Hubert Wolf fasst für die NZZ die neuesten Erkenntnise zum Schweigen des Vaticans in der Judenfrage zusammen. In dem Artikel „Papst Pius XII. wusste Bescheid über die Shoah – und schwieg: Jetzt zeigen die vatikanischen Archive, weshalb“ heißt es: 

Alle Versuche, das Schweigen Pius’ XII. mit seinem mangelnden Wissen über den Holocaust zu entschuldigen, werden durch die vatikanischen Akten eindeutig widerlegt. Der Papst war auf dreifache Weise über die Entwicklung der Judenverfolgung in Europa genau informiert.

Erstens durch Hunderte von Berichten seiner diplomatischen Vertreter aus den einzelnen Ländern, den Nuntien und Delegaten. Zweitens durch rund 10 000 bisher unbekannte Bittschreiben jüdischer Menschen aus ganz Europa von 1939 bis 1945, die Pius XII. um Hilfe baten und ihre Not und Verfolgung minuziös schilderten – und denen Papst und Kirche tatsächlich nicht selten zu helfen versuchten. Und schliesslich durch ein geheimes jesuitisches Informationsnetzwerk, dessen Fäden beim Geheimsekretär des Papstes, dem Jesuiten Pater Robert Leiber, zusammenliefen. Er legte die entsprechenden Schriftstücke im Privatarchiv von Pius XII. ab.

Hier findet sich auch ein Brief von Leibers Ordensbruder Lothar König vom 14. Dezember 1942, in dem es heisst: «Die letzten Angaben über ‹Rawa Ruska› mit seinem SS-Hochofen, wo täglich bis zu 6000 Menschen, vor allem Polen und Juden, umgelegt werden, habe ich über andere Quellen bestätigt gefunden. Auch der Bericht über Oschwitz (Auschwitz) bei Kattowitz stimmt.»

Ende 1942 wusste der Papst also Bescheid über die Existenz der Massenvernichtungslager Belzec und Auschwitz. König konnte Angaben, die er in einem früheren, leider nicht erhaltenen Brief an Leiber gemacht hatte, bestätigen. Im Winter 1942/43 wurde die «Endlösung» der Judenfrage im Vatikan schreckliche Gewissheit. In einer internen Notiz des Staatssekretariats vom 5. Mai 1943 kann man lesen: «Juden. Schreckliche Situation.» Von den ehemals 4,5 Millionen Juden in Polen seien nur noch 100 000 am Leben. Und es wird klar festgehalten: «Spezielle Todeslager in der Nähe von Lublin (Treblinka) und bei Brest-Litowsk.»

Warum also schwieg Papst Pius XII.?

Das Schweigen zum Genozid an katholischen Polen lässt sich dezidiert nicht mit einem «Antisemitismus» von Pius XII. erklären. Es muss andere Gründe haben. Diese erhellen aus innervatikanischen Diskussionen, die sich in internen Aktennotizen niedergeschlagen haben: Der Papst wollte über den Parteien stehen und strikte Neutralität wahren, zumal er nach seinem Selbstverständnis als «Padre comune» für Katholiken auf allen Seiten der Fronten da sein musste.

Er fürchtete, seine Äusserungen könnten von einer Kriegspartei instrumentalisiert werden. … Ein weiterer Grund, der in den Quellen zumindest immer wieder angedeutet wird, lautet: Öffentliche Proteste des Papstes machten die Lage der Juden, die sich in der Hand der Nationalsozialisten befanden, nur noch schlimmer und päpstliche Hilfe im Verborgenen auch im Einzelfall noch viel schwieriger.

Mehr: www.nzz.ch.

Wie der Papst in Wirtschaftsfragen irrt

Dankenswerter Weise hat die FAZ einen Aufsatz von Robert Grötzinger über das Verhältnis von Christentum und Marktwirtschaft veröffentlicht (siehe auch hier). Es geht um Fragen wie: Ist das Christentum eine marktfeindliche Religion? Ist es eine Religion für die Armut, gegen die Reichen? Welche Rolle spielen die staatlichen Eingriffe in den Markt?

Grötzinger, Sympathisant der Österreichischen Schule und Gary North-Leser, schreibt:

Das Grundproblem mit Aussagen wie denen des Pontifex ist, dass keine konkreten Ursachen für die genannten strukturellen Probleme der Weltwirtschaft dargelegt werden, sondern sie sich in einer vagen Klage gegen allzu freie Märkte erschöpfen, die aber Unkenntnis offenbaren. Es ist nämlich keinesfalls die „Wirtschaft“, die tötet, wenn, wie der Papst beklagt, „es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht“.

Der Schuldige, wenn man denn einen Schuldigen pauschal nennen will, ist vielmehr der Staat. Jener Staat, der zum Beispiel in Argentinien, dem Heimatland des Papstes, durch interventionistische und Eigentumsrechte willkürlich bedrohende Politik Investoren verschreckt und die Wirtschaft so in Stagnation und Niedergang führt. Ein Staat, der Mindestlöhne festlegt und damit Schwache aus dem produktiven Erwerbsleben ausschließt und sie abhängig von einer Wohlfahrt macht, die er ebenfalls reguliert und beherrscht. Der Höchstmieten festlegt und damit den Wohnungsmarkt einschränkt. Ein Staat, der Unternehmen reglementiert und besteuert, bis sie auswandern oder schließen und damit empfindliche Wohlfahrtsverluste für die bisherigen Arbeitnehmer und deren Gemeinden verursacht. Der andere, unproduktive Unternehmen subventioniert, so dass Ressourcen unproduktiv verwendet werden und der Kapitalstock einer Nation dahinschrumpft.

Hier: www.faz.net.

Papst befürwortet homosexuelle Partnerschaften

Der Papst Franziskus hat einen Preis für unklare Kommunikation verdient. Mit Aussagen, die er in einer am Mittwoch in Rom vorgestellten Dokumentation gemacht hat, setzt er die Katholische Kirche und die Welt allgemein in Erstaunen. Domradio meldet:

In einer Szene sagt er: „Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu leben.“ Sie seien Kinder Gottes. „Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht.“ Betroffene sollten rechtlich abgesichert sein. Dafür habe er sich auch eingesetzt.

Während der Papst schon in früheren Aussagen eine Duldung eingetragener Partnerschaften für Homosexuelle signalisierte, spricht er sich dieses Mal ausdrücklich für eine solche rechtliche Form der Partnerschaft aus. Eine gleichgeschlechtliche Ehe hingegen lehnt er weiterhin ab.

Zuvor hatte er 2010 als Erzbischof von Buenos Aires anlässlich der Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe in seinem Heimatland Argentinien von einem „Schachzug des Teufels“ gesprochen. Die zuvor dort geltende eingetragene Partnerschaft duldete er hingegen.

Was meint Franziskus nun, wenn er von dem Recht spricht, in einer Familie zu leben? Will er damit auch das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partner einfordern? Was genau meint er mit: „Sie sind Kinder Gottes?“.

Klar ist bei allen offenen Fragen, dass sich der Papst von der Auffassung verabschiedet hat, die die von ihm geleiteten Kirche offiziell vertritt. In den „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“ aus dem Jahr 2003 heißt es unter Punkt 11:

Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen. Das Gemeinwohl verlangt, dass die Gesetze die eheliche Gemeinschaft als Fundament der Familie, der Grundzelle der Gesellschaft, anerkennen, fördern und schützen. Die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften oder deren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu einem Modell in der gegenwärtigen Gesellschaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören. Die Kirche kann nicht anders, als diese Werte zu verteidigen, für das Wohl der Menschen und der ganzen Gesellschaft.

Ich gehe mal davon aus, dass in der Katholischen Kirche in den nächsten Wochen viel diskutiert wird.

Papst Franziskus beruft Abtreibungsbefürworter

Falls die Meldung stimmt, wäre das ein herber Rückschlag für die Befürworter des Lebensrechts und eine „Überschreitung“ innerhalb des Vatikans. Die Nachrichtenagentur kath.net meldet, dass Papst Franziskus den Anglikaner Nigel Biggar an die Päpstliche Akademie für das Leben berufen habe. Biggar vertritt die Auffassung, Abtreibung bis in die 18 Woche könne legalisiert werden. Er sagte in einem Gespräch mit Peter Singer:

I would be inclined to draw the line for abortion at 18 weeks after conception, which is roughly about the earliest time when there is some evidence of brain activity, and therefore of consciousness. In terms of maintaining a strong social commitment to preserving human life in hindered forms, and in terms of not becoming too casual about killing human life, we need to draw the line much more conservatively.

Kath.net meldet:

Mit dem anglikanischen Geistlichen Nigel Biggar hat Papst Franziskus einen Wissenschaftler an die Päpstliche Akademie für das Leben berufen, der die Ansicht vertritt, Abtreibung solle bis 18 Wochen nach der Empfängnis legal sein.

Biggar ist Professor für Moral- und Pastoraltheologie an der Universität Oxford und leitet deren Zentrum für Theologie, Ethik und das öffentliche Leben. Er ist außerdem Kanoniker an der Christ Church Cathedral.

In einem Dialogforum mit dem australischen Ethiker Peter Singer sagte Biggar im Jahr 2011, ein ungeborenes Baby sei nicht dasselbe wie ein Erwachsener oder ein voll entwickelter Mensch. Es sei daher auch anders zu behandeln. Er würde die Grenze für Abtreibungen bei 18 Wochen nach der Empfängnis ansetzen. Dies sei der „früheste Zeitpunkt, zu dem Gehirntätigkeit und damit Bewusstsein nachgewiesen“ werden könne, sagte Biggar.

Ein Jahr später sagte er bei einer Rede an der Mayo Klinik in Minnesota, Abtreibung sei nicht in jedem Fall Mord.

Mehr: www.kath.net.

Regis Martin zu Papst Franziskus: „Legen Sie das Amt nieder“

Regis Martin, Professor für Theologie und Fakultätsmitglied des Veritas-Zentrums für Ethik im öffentlichen Raum an der Franziskaner-Universität von Steubenville (Ohio, USA), hat angesichts „Fiducia Supplicans“ scharfe Kritik an Kardinal Manuel Fernandez (Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre) und Papst Franziskus geübt: 

Was sollen Sie also dem Papst raten? Wenn ich es wäre, würde ich Folgendes sagen: „Eure Heiligkeit, bei allem Respekt, es gibt zwei Dinge, die Sie tun müssen, und zwei weitere, die Sie tun könnten. Die ersten beiden sind ziemlich einfach. Werden Sie Fernandez los; dann werfen Sie die Erklärung weg. Was die beiden anderen angeht, so sind sie optional, aber ich würde beides dringend empfehlen. Legen Sie das Amt nieder, das Ihnen so zur Qual geworden ist, und gehen Sie ins nächste Kloster, um ein Leben in Gebet und Buße zu führen.“ 

Hier der lesenswerte Artikel: crisismagazine.com.

Der universelle Heilsoptimismus von Papst Franziskus

Papst Franziskus hat am Mittwoch eine Ansprache über das Gute gehalten (reinhören kann man beim Radio Vatikan hier). Er sagte dort (Quelle:):

Gott hat uns nach seinem Abbild geschaffen, und wir haben deswegen im Herzen dieses Gebot: Tue das Gute und tue nicht das Böse. Alle. ‚Aber Pater, der da ist doch nicht Katholisch, der kann doch gar nicht Gutes tun! Doch, das kann er. Das muss er! Aber Pater, der da ist doch kein Christ, der kann doch gar nichts Gutes tun! Doch, das kann er. Das muss er! Nicht können, sondern müssen! Weil er das Gebot Gottes in sich trägt. Dieses sich Abschließen gegen den Gedanken, das auch andere Gutes tun können, ist eine Mauer, die uns zu Krieg führt und dazu, wie einige in der Geschichte gedacht haben: Töten im Namen Gottes. Das ist Gotteslästerung. Zu sagen, dass man im Namen Gottes töten dürfe, ist Gotteslästerung.

Bis hier hin kann ich ihm völlig zustimmen. Heiden können in einem bestimmten Sinne sogar die besseren Menschen sein. Obwohl in den „himmlischen Dingen“ blind, sind sie in den „irdischen Angelegenheiten“ oft ehrbar. Nicht selten sind sie pflichteifrige Bürger. In einem Bereich, den die Reformatoren justitia civilis genannt haben, können sie sich tugendhafter als Christen benehmen. Der Sünder ist fähig, Einzelsünden, wie z. B. das Stehlen oder Betrügen, zu meiden. Allerdings ist er unfähig, kein Sünder zu sein, also Gott versöhnt mit ganzem Herzen zu lieben.

Deshalb muss ich Papst Franziskus deutlich widersprechen, wenn er weiter sagt (Quelle):

Der Herr hat uns alle erlöst, uns alle, mit dem Blut Christi: alle von uns, nicht nur die Katholiken. Jeden! „Vater, und die Atheisten?“ Auch die Atheisten, jeden, und das Blut macht uns zu Kindern Gottes der ersten Klasse! Wir sind Kinder in dem Bilde Gottes geschaffen und das Blut Christi hat uns alle erlöst! Und wir alle haben die Pflicht, Gutes zu tun.

Hier vermischt nun Papst Franziskus die allgemeine mit der besonderen Gnade. Die letztere schenkt Gott denen, die Jesus Christus vertrauen (siehe dazu hier). Wer aus Gott geboren ist und an den Sohn Gottes glaubt, ist ein Kind Gottes. So heißt es im Johannesevangelium (Joh 1,9–13):

Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.  Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht.  Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.  Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.

In den letzten Monate wurde viel darüber gerätselt, wo denn der neue Papst theologisch verortet sei. Ist er ein Befreiungstheologe, ein Charismatiker oder ein evangelikaler Katholik? Am Mittwoch ist er dem Denken Karl Rahners gefolgt. Dieser hat sich in seinem Aufsatz „Die bleibende Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils“ (StdZ 12/1979, S. 795–806) ausdrücklich gegen Augustinus gewandt und dem „Zweiten Vatikanischen Konzil“ einen universellen Heilsoptimismus zugeschrieben (S. 804):

Das Konzil aber sagt, daß selbst der, der meint Atheist sein zu sollen, mit dem österlichen Geheimnis Christi verbunden ist, wenn er nur seinem Gewissen folgt, daß jeder Mensch in einer Weise, die nur Gott kennt, mit dessen Offenbarung in Berührung steht und wirklich, im theologischen Sinn einer heilshaften Tat, glauben kann. Da wird gesagt, daß auch die, die in Schatten und Bildern den unbekannten Gott suchen, dem wahren Gott nicht fern sind, der will, daß alle Menschen gerettet werden, wenn sie nur ein rechtes Leben zu führen sich bemühen. Da wird betont, daß die Kirche nicht so sehr die Gemeinschaft der allein Geretteten ist, sondern das sakramentale Ur-Zeichen und die Keimzelle des Heils für die ganze Welt.

VD: BS

Papst Franziskus: „Alle Menschen sind fundamental gut“

Papst Franziskus hat ein Interview gegeben und wieder einmal ist nicht so recht klar, was er sagen will. Ich empfehle, ab Minute 12 reinzuhören. Einmal: Alle Menschen sind Sünder. Und dann: Alle Menschen sind fundamental gut. Es gibt ein paar Sünder, aber das Herz selbst ist gut.

Der Papst und das schwarze Loch

Der katholische Journalist Dan Hitchens hat für FIRST THINGS die Erklärung Fiducia supplicans über die pastorale Sinngebung von Segnungen untersucht. Nimm man die Erklärung ernst, so Hitchens, haben bisher die Christen missverstanden, was ein Segen ist:

Offensichtlich hat jeder bisher ein unzureichendes Verständnis von Segnungen gehabt. Dieser neue Text bietet „einen spezifischen und innovativen Beitrag zur pastoralen Bedeutung des Segens“ (Kursivdruck im Original). Es folgen 2.800 Wörter mit Überlegungen zu Segnungen – Segnungen in der Bibel, warum Menschen, die um Segen bitten, eine „aufrichtige Offenheit für die Transzendenz“ zeigen, die Feststellung, dass Priester manchmal Pilgerreisen ebenso segnen wie „ehrenamtliche Gruppen und Vereine“.

Nichts von alledem ist merklich innovativ oder gar spezifisch. Wiederum schreiten wir in völliger Dunkelheit zu einer zuversichtlichen Schlussfolgerung: „Innerhalb des hier skizzierten Horizonts erscheint die Möglichkeit von Segnungen für Paare in irregulären Situationen“ usw. Welcher Horizont soll das sein? Zu spät merken Sie, worum es geht: Es ist der Ereignishorizont. Sie befinden sich wieder im schwarzen Loch.

Nun, wenn das Dokument mit der katholischen Lehre und sogar mit sich selbst nicht in Einklang zu stehen scheint, sollte man vielleicht überlegen, ob das Problem bei den eigenen Annahmen liegt. Immerhin korrigiert das Dokument mit Nachdruck ein offenbar häufig anzutreffendes Missverständnis. „Von denjenigen, die den Segen suchen“, so heißt es darin, „sollte nicht verlangt werden, dass sie zuvor moralisch vollkommen sind“.

Nur: Wer hat denn diesen Irrtum verbreitet? Wer hat behauptet, dass nur moralisch perfekte Menschen gesegnet werden können, und was hat das eigentlich mit dem vorliegenden Thema zu tun? Aber schon beginnt man den Halt zu verlieren und fühlt sich hilflos an den Rand gedrängt … 

Angesichts der Tatsache, dass es nun zwei widersprüchliche päpstliche Lehren gibt – das Dokument von 2021 und das von 2023 – ist es logisch unmöglich zu leugnen, dass Päpste, wenn sie nicht ex cathedra sprechen, manchmal irren können. 

Mehr: www.firstthings.com.

Auf Sand gebaut

Papst.jpgPapst Benedikt XVI. kommentierte die Finanzkrise während der Bischofssynode in Rom mit folgenden Worten:

Wir sehen jetzt durch den Zusammenbruch der großen Banken, dass Geld einfach verschwindet, dass es nichts bedeutet, und dass alle Dinge, die uns so wichtig erscheinen, in Wirklichkeit zweitrangig sind … Wer das Haus seines eigenen Lebens nur auf sichtbare und materielle Dinge – wie Erfolg, Karriere und Geld – aufbaut, der baut auf Sand.

Nur das Wort Gottes sei die einzig dauerhafte Realität, fügte der Papst laut n-tv hinzu.

Mehr Infos bei: www.n-tv.de.

„Krieg zur Zerstörung der Ehe“

Papst Franziskus hat mit überraschend deutlichen Worten die Gendertheorie verurteilt. Sie werde in französischen Schulen unterrichtet, obwohl sie gegen die Ordnung der Natur sei. Die FAZ berichtet:

Papst Franziskus hat auf dem Rückflug vom Kaukasus die „hinterlistige Indoktrinierung mit der Gendertheorie“ kritisiert. In seiner fliegenden Pressekonferenz berichtete er am Sonntagabend von einem französischen Vater, der ihm erzählt habe, wie der zehnjährige Sohn eines Tages auf die Frage, was er einmal werden wolle, geantwortet habe: „Ein Mädchen.“ Da sei dem Vater klar geworden, „dass in Schulbüchern weiterhin die Gendertheorie unterrichtet wird, obwohl diese gegen die natürliche Ordnung ist“, sagte der Papst und warf den Schulen den Willen zur „Änderung der Mentalitäten“ und eine „ideologische Kolonisierung“ vor. Die Gendertheorie geht davon aus, dass Geschlechter lediglich soziale Konstruktionen sind.

Mehr: www.faz.net.

Warum Kondome das AIDS-Problem nicht lösen können

Als Papst Benedikt XVI. vor einigen Wochen während seiner ersten Afrika-Reise erwähnte, dass die Verteilung von Kondomen das AIDS-Problem in Afrika nicht behebe, sondern eher verschlimmere, löste er eine Welle bitterer Empörung aus. Fachleuten, Journalisten, Politikern und der breiten Öffentlichkeit war sofort klar, dass der Papst eine lebensfeindliche Dogmatisierung der Sexualethik betreibt. Der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, erklärte der Hamburger Morgenpost: »Bei allem Respekt vor dem Papst, und ich bin selbst Katholik, aber diese Position halte ich für absurd.« Als »höchst unverantwortlich« bezeichnete auch Claudia Roth von den Grünen die Haltung Benedikts. »Der Papst setzt damit eine kontraproduktive, destruktive, lebensfremde und liebesfeindliche Politik fort, die jeglichen vernünftigen Ansatz bei der Bekämpfung der HIV- und Aids- Epidemie zunichte macht«, erklärte sie der Zeitung (Belege).

Inzwischen hat sich ein wirklicher Experte zu Wort gemeldet und der Zeitschrift CT erklärt, dass der Papst richtig liegt und die Kritik an seiner Äußerung unfair war. Edward C. Green, Direktor des AIDS-Präventionszentrums an der Harvard-Universität, gesteht:

This is hard for a liberal like me to admit, but yes, it’s unfair because in fact, the best evidence we have supports his comments — at least his major comments, the ones I have seen.

Hier das vollständige Interview: www.christianitytoday.com.

Die ignatianischen Qualitäten des Papstes

Der aus Kanada stammende katholische Priester und Journalist Thomas Rosica hat einen vielbeachteten Artikel über Papst Franziskus geschrieben. Er reiht den Argentinier Jorge Mario Bergoglio voll Dankbarkeit und Erwartung in die ignatianische Linie ein und spricht sogar von einer neuen Phase in der Entwicklung der Katholischen Kirche (Hervorhebung von mir):

Papst Franziskus bricht katholische Traditionen, wann immer er will, weil er „frei von ungeordneten Bindungen“ ist. Unsere Kirche ist in der Tat in eine neue Phase eingetreten: Mit dem Erscheinen dieses ersten Jesuitenpapstes wird sie offen von einem Individuum regiert, nicht nur von der Autorität der Schrift allein oder von ihrem eigenen Diktat der Tradition plus Schrift. Papst Franziskus hat einen jesuitischen Intellektualismus ins Büro des Petrus gebracht. Indem er den Namen Franziskus gewählt hat, bekräftigt er auch die Kraft der Demut und Einfachheit. Papst Franziskus, der argentinische Jesuit, bezeugt nicht nur die Komplementarität des ignatianischen und des franziskanischen Weges. Er weist jeden Tag darauf hin, wie sich Geist und Herz in der Liebe Gottes und der Nächstenliebe begegnen. Und vor allem erinnert er uns jeden Tag daran, wie sehr wir Jesus brauchen und wie sehr wir einander auf der Reise brauchen.

Hier der vollständige Artikel: saltandlighttv.org.

Neue Enzyklika: Universelle Geschwisterlichkeit

Papst Franziskus hat mit der neuen Enzyklika „Fratelli tutti“ eine – theologisch eher blutleere – gesellschaftspolitische Utopie auf die Reise geschickt. Zum ersten Mal nennt ein Papst einen führenden Vertreter der islamischen Religion als Inspirationsquelle für seine Enzyklika: den Großscheich der Al-Azhar-Universität in Kairo.

Thomas Jansen meint:

Das Neue des Schreibens liegt ohnehin nicht in der Kapitalismus-Kritik oder den Willkommenskultur-Appellen. Bemerkenswert ist etwas Anderes: … Es hat große Symbolkraft, dass die Enzyklika in der Wiedergabe einer gemeinsamen Erklärung mündet, die der Papst und der führende sunnitische Gelehrte im Februar 2019 unterzeichnet haben. „Fratelli tutti“ könnte so ein Meilenstein im katholisch-islamischen Dialog werden – wenn die muslimische Seite reagiert.

Zugriff auf den päpstlichen Entwurf der Geschwisterlichkeit gibt es hier: www.vatican.va.

Die Kultur der Vorläufigkeit

Papst Franziskus hat kürzlich erklärt, dass wir in einer Kultur der Vorläufigkeit leben und viele Menschenkinder nicht wüßten, was sie sagen, wenn sie sich bei einer Trauung versprechen, beieinander zu bleiben, bis der Tot sie scheidet. Kurz: Das Eheversprechen dürfe nicht so ernst genommen werden, weil die Leute, die es ablegen, nicht wissen, was sie tun.

Christian Geyer hat den Vorfall für die FAZ gewohnt bissig kommentiert und beobachtet beim derzeitigen Papst die für das emergente Christentum bezeichnende Verhältnisbestimmung von Kultur und Glauben. Die Kultur erscheint als das Salz der Erde, welches den Sauerteig des Glaubens durchdringt.

Hier:

Denn Fragen, wie es Franziskus letztlich gemeint hat, ob so oder doch ganz anders, verbieten sich wegen der gewollten Unschärfe seiner Worte generell, einer Unschärfe, die für das argentinische Pontifikat mittlerweile strukturbildend ist. Aufschlussreich ist doch aber die päpstliche Verhältnisbestimmung von Kultur und Glauben, die hier durchscheint. Da erfährt das biblische Gleichnis vom Sauerteig seine Inversion: Kultur erscheint demnach als Salz der Erde, welches den Sauerteig des Glaubens durchdringt – statt umgekehrt. In dieser Blickumkehr liegt das Überraschungsmoment sämtlicher Auftritte von Papst Franziskus. Er selbst spricht, medial gut vermittelbar, vom pastoralen Mehrwert, den die barmherzige Weiterentwicklung der Tradition abwerfe. Aber ist das wirklich so? Wir Ehebrecher, wir sündiges Geschlecht, fühlen uns auf den Arm genommen. Wir lehnen es ab, uns ferndiagnostisch nachträglich für unzurechnungsfähig erklären zu lassen. Wenn wir dem Versprochenen später nicht gerecht werden, dann wollen wir das bitte so nennen dürfen: Ich bin meinem Versprechen nicht gerecht geworden, hier nicht und da nicht. Aber uns doch nicht von einem Papst spontan einreden lassen, wir hätten gar kein Versprechen abgeben können, als wir es taten (da wir doch zu den kulturell Vorläufigen gehören). Warum erwartet Franziskus von uns ein Normenvollbewusstsein (wer hat das schon im ganz normalen Wahnsinn der Liebe?) und stuft gleichzeitig die Norm zur Bewusstseinstatsache herunter? Weiß der Papst, was er sagt?

Mehr: www.faz.net.

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