Die evangelische Theologie will vor allem politisch korrekt sein. Der Glaube stört da nur, behauptet der Nachwuchswissenschaftler Sebastian Moll in seiner Streitschrift:
Christ & Welt hat mit dem Autor gesprochen. Herausgekommen ist ein provokantes Interview. Hier ein Auszug:
C & W: Wer verzerrt die Bibel?
Moll: Im Moment tun sich da die protestantischen Theologen und Vertreter der evangelischen Kirche besonders hervor. George Orwell schreibt in „1984“: „Freiheit ist die Freiheit zu sagen, dass zwei plus zwei vier ist. Wenn das gewährt ist, folgt alles Weitere.“ Ich erlebe zunehmend, dass wir uns zu einer Gesellschaft hinbewegen, in der man nicht mehr sagen darf, dass zwei plus zwei vier ist.
C & W: Um es konkret zu machen: Ist es tatsächlich verboten, die Frauenordination zu kritisieren?
Moll: Verboten ist es nicht, aber es ist schwierig. Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich habe gar kein Problem damit, dass in der evangelischen Kirche Frauen geweiht werden. Mich stört aber, wenn man die Fakten der Schrift dahingehend verdreht, dass sich Christus und Paulus bewusst für die Belange der Frauenbewegung eingesetzt hätten, wie das heute in Positionspapieren der EKD geschieht. Man kann doch nicht behaupten, dass Christus und Paulus Männer und Frauen gleich behandelt haben. Sie hatten damals ganz andere Probleme als die Gleichstellung der Geschlechter.
C & W: Und was folgt daraus?
Moll: Man muss den Mut haben zu entscheiden: Will ich die Tradition anerkennen oder nicht? Die evangelische Kirche muss klar sagen: Gilt die Schrift noch oder nicht? Aber man kann doch nicht so tun, als halte man an der Bibel fest und bricht zugleich in allen praktischen Fragen mit der Schrift. Diese Heuchelei wird die evangelische Kirche nicht überleben.
…
C & W: Was ist das Wesentliche?
Moll: Die Botschaft der Erlösung, der Triumph des Lebens über den Tod, die Vergebung der Sünden. Das weiterzutragen ist die Aufgabe jedes Christen, aber erst recht jedes Predigers. Wenn das die Hauptbotschaft bleibt, kann ich mich auch um Vegetarismus oder Frauenfragen kümmern. Aber ich kann diese zentrale Botschaft nicht mehr erkennen. In theologischen Vorlesungen müssen sich Studenten stundenlang anhören, welche Briefe nun von Paulus sind und welche nicht. Der nächste Schritt wäre doch, mit den Erkenntnissen produktiv umzugehen. Aber dieser Schritt bleibt aus. Früher gab es drei produktive Wissenschaften: Die Jurisprudenz diente der Gerechtigkeit, die Medizin der Gesundheit, die Theologie dem Glauben. Daran sollte sich die Theologie erinnern, sie kann nicht nur die Schrift dekonstruieren.
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VD: EP