Abschied von den Superfrommen

In der ZEIT beschreibt ein junger Mann unter dem Pseudonym Samuel seine Entkehrung vom superfrommen Glauben der Baptisten. Alte Klamotten. Zwar begründet Samuel seine Abwendung vom Glauben und der Gemeinde mit der wissenschaftlichen Vernunft, tatsächlich scheinen es vor allem emotionale Gründe und eine defizitäre Glaubenslehre gewesen zu sein, die ihn in den Zweifel geführt haben:

Meine Abwendung vom Glauben hat viel damit zu tun, dass ich mich wissenschaftlich und rational damit beschäftigt habe. An der Uni bin ich Argumenten von Muslimen begegnet, die ich genau so fünf Jahre vorher auch noch gebracht hätte. Ich habe gemerkt, dass religiöses Denken immer gleich ist, unabhängig davon, an welchen Gott jemand glaubt.

Im Studium haben wir auch diskutiert, wie heilige Texte entstehen. Ich habe zum Beispiel den Koran kulturwissenschaftlich betrachtet, nicht als heiliges Buch. Erst dadurch wurde mir klar, dass man genau so auch auf die Bibel gucken muss. Ich konnte die Bibel einfach nicht mehr als Wort Gottes verstehen.

Heute würde ich sagen, ich bin Agnostiker. Ich glaube nicht, dass sich die Frage, ob es einen Gott gibt, eindeutig beantworten lässt. Über diese Entwicklung habe ich vor allem mit meiner Frau gesprochen. Sie hat auch an ihrem Glauben gezweifelt. Aber aus anderen Gründen. Bei ihr war es eher etwas Zwischenmenschliches. Sie konnte es zum Beispiel nicht mit ihrem Glauben zusammenbringen, dass Gott Menschen dafür verurteilt, wen sie lieben.

Ich war dann derjenige von uns beiden, der zuerst gesagt hat: Ich kann mich nicht mehr als Christ bezeichnen. Meine Frau und ich sind diesen Weg zusammen gegangen. Vor zwei Jahren haben wir uns trotzdem getrennt. Für meine Eltern ist das die Folge davon, dass wir aus der Kirche ausgetreten sind. Ein einfacher Kausalzusammenhang: Weil wir keine Beziehung mehr zu Gott mehr, löst sich auch unsere Beziehung auf. Für uns ist das eine andere Logik: Wenn wir nicht mehr zusammen glücklich sind, dann trennen wir uns halt.

Mein Leben ist viel individualistischer, seit ich nicht mehr Teil der Gemeinde bin. Ich treffe Entscheidungen nicht mehr im Kollektiv. Gott oder die Beziehung zu Gott fehlt mir überhaupt nicht.

Warum verweise ich überhaupt auf den Beitrag? Aus zwei Gründen. Einmal gibt es die Möglichkeit, sich bei der ZEIT mit konstruktiven und herausfordernden Kommentaren zu Wort zu melden. Darüber hinaus gehört der Beitrag zu der Serie „Jung und Gott“, in der junge Leser (zu denen ich nicht mehr gehöre) sich zum Thema „Glauben“ melden können. Das wäre doch mal eine schöne Übung für Christen, die gern Rechenschaft über ihre Hoffnung ablegen!

Hier der Link: www.zeit.de.

Kommentare

  1. Theophil Isegrim meint:

    Er ist zum Studieren nach Heidelberg und dann in eine offene, junge freikirchliche Gemeinde gegangen. Das könnte die FeG oder die Karlstorgemeinde gewesen sein. Vielleicht bin ich ihm mal übern Weg gelaufen.

    Er kommt mir etwas vor wie Torsten Hebel. Ist überall vorne mit dabei gewesen, aber er hat eigentlich nicht erfaßt, worum es geht. Ich lese von ihm immer nur, wie er in der Gruppe aufging. Dann war er zum ersten Mal von seiner Gruppe weg und schwupps konnte er mit dem Glauben nicht mehr viel anfangen und ihm fehlt auch nichts. Jesus Christus taucht im Text nicht einmal auf. Nur die geistlichen Übungen wie Bibellese etc.

    Mir würde ohne Jesus Christus jede Menge fehlen. Wenn man vor seiner eigenen Sünde erschrickt, aber seine Gnade noch größer ist. Wenn die Welt so langsam aus den Rudern geht und im Chaos zu versinken droht, er ist der Herr, der regiert. Wenn ich durch mein fortschreitendes Alter meinen körperlichen Verfall spüre, der im Tod endet, dann ist er es, der neues Leben gibt. Mein Ziel ist nicht das kalte Grab, wo meine körperlichen Überbleibsel langsam verrotten. Die Finternis der Gottesferne. Echtes Leben wartet. Ohne Leid, Krankheit und Tod. Und alles nur, weil ich ihm vertraue. Nicht auf mich und meine Leistungen, da wäre nicht viel, sondern auf seine Gnade vertraue ich.

    Es ist nicht immer einfach mit diesem Glauben zu leben. Zumal er oftmals zu oberflächlich ist. Ich zu sehr von den Möglichkeiten, die die Welt uns bietet abgelenkt bin. Aber dennoch ist dieser Glaube ein fester Anker. Nein, ohne diesen Glauben, ohne Jesus, könnte ich nicht mehr leben. Und ich bin erst mit 18 Jahren Christ geworden. Ich weiß, wie ein Leben ohne Gott ist.

  2. evastochter gegen sexismus meint:

    Gott sei Dank ist Gott wirklich da und hat alles geschaffen,wenn man dies nachvollziehen w i l l,wird man bestätigt von Gott,wenn man Ihn bittet,eben weil Gott gut ist.Er läßt einen nicht im Regen stehen,nie.Er gibt immer Trost, immer Hoffnung,außerdem :wer Bibel liest ,ist in der Gegenwart Gottes! Und was sagte Theresa von Avila noch :Gott und ich,wir beide sind immer in der Mehrheit 😉 Und :Christen können enttäuschen,Christus nicht…..Noch irgendwelche Fragen?? ;))Dürfte man eigentlich nicht mehr haben,wenn man vertrauensvoll und aufrichtig mit Jesus Christus redet und die Schrift liest und für andere betet(und nicht n u r
    sich im Kopf hat)und dankbar ist für Gottes Zuwendung.Sehr erhellend sind doch auch Bücher von Werner Gitt,Josh Mcdowell,John Lennox,alles von Schaeffer,C.S.Lewis,Michael Green,Eta Linnemann:Original und Fälschung“,Roger Liebi und Wilhelm Busch(nicht den mit Max und Moritz)außerdem Ouweneel ,dann“ Exodus“ wegen der Geschichte der Juden,und die Zeitschrift“ factum“.Es besteht allerdings kein Grund zur Überheblichkeit,wenn man/frau nun keine oder wenig G l a u b e n s zweifel hat,es ist Geschenk,unverdient.

  3. Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging davon. Als nun die Saat wuchs und Frucht ansetzte, da zeigte sich auch das Unkraut. Und die Knechte des Hausherrn traten herzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen in deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? Er aber sprach zu ihnen: Das hat der Feind getan! Da sagten die Knechte zu ihm: Willst du nun, daß wir hingehen und es zusammenlesen? Er aber sprach: Nein! damit ihr nicht beim Zusammenlesen des Unkrauts zugleich mit ihm den Weizen ausreißt. Laßt beides miteinander wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, daß man es verbrenne; den Weizen aber sammelt in meine Scheune!

    Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte. Dieses ist zwar unter allen Samen das kleinste; wenn es aber wächst, so wird es größer als die Gartengewächse und wird ein Baum, so daß die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten. Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Reich der Himmel gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und heimlich in drei Scheffel Mehl hineinmischte, bis das Ganze durchsäuert war. (Mt 13,24-33)

  4. Timotheus meint:

    Ob die Zeit einen solchen Artikel eines Christen, der Rechenschaft seiner Hoffnung ablegt, veröffentlichen würde.. ich weiß es nicht! Aber dennoch lohnenswert es auszuprobieren. 🙂 Danke für den Hinweis!

  5. Roderich meint:

    @Timotheus,
    in sehr seltenen Fällen geschieht das, wie z.B. hier: http://www.zeit.de/2012/32/Glaube-Suedafrika-Religion

    Ich glaube, Ron ging es mehr um Kommentare unter dem Artikel.

    Aber man kann die ZEIT ruhig mal auf ihr Bekenntnis zur Diversität ansprechen und dass eine anti-evangelikale Monokultur nicht unbedingt dazu passt. 🙂

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