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Betreuungswahn: „Ich bleibe lieber zu Hause“

Für Brigitte MOM erklärt eine Redakteurin, weshalb sie sich dafür entschieden hat, ihre Kinder zu Hause zu erziehen. Richtig: Was für Menschen der Betreuungswahn hervorbringt, werden wir erst in ein paar Jahren wissen. Erahnen können wir es jetzt schon.

Hier ein Auszug:

Ich bin in den Siebzigern geboren. Meine Mutter ist Apothekerin und richtete ihre Arbeitszeiten nach uns Kindern, nicht umgekehrt. Das hat auch keiner von ihr erwartet. Um eins war sie immer zu Hause. Dort gab es Mittagessen, dann Hausaufgaben und Holunderblütenmatsche.

30 Jahre später bin auch ich um eins zu Hause und koche. Wie herrlich altmodisch! Alles wie früher. Nur dass ich im Gegensatz zu meiner Mutter gar nicht arbeite, weil mich mit 15 Stunden pro Woche keiner will. Und noch etwas ist anders: Meine Töchter sind nachmittags die einzigen Kinder im Hof. Wie die ganz alten Menschen verschwinden auch die ganz jungen aus dem Stadtbild. Sie sind immer betreut. Die Alten im Heim, die Jungen im Kindergarten und in der Schule. Wohin führt dieser Weg? Dass wir irgendwann mit unbequemen Schreihälsen und Bettflüchtern gar nicht mehr umgehen können? Hauptsache, untergebracht und bespaßt? Kinder brauchen auch Leerlauf und Langeweile. Ein Gefühl, aus dem sie Kraft und Ideen schöpfen. Ich liebe dieses Gewurstel in den Kinderzimmern: Fünfmal hintereinander dasselbe Buch angucken, fünfmal hintereinander denselben Pfosten runterspringen, fünfmal hintereinander denselben Satz sagen – das ist das Privileg der Kindheit. Luxus, den sich viele Familien heute nicht mehr leisten können, ich weiß, wie gut wir es da haben.

Mehr: mom.brigitte.de.

VD: BK