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Blut muss fließen

Mit Gewalt und Sadismus buhlen Kriminalromane und Kinofilme erfolgreich um ihr Publikum. In der herrschenden Ästhetik der Verrohung ist kein Platz mehr für Schönes, Subtiles oder Zwischentöne. Jürgen Bräunlein hat einen bemerkenswerten Kommentar über die »Kultur der Abstumpfung« geschrieben.

Das Problem einer Gesellschaft, die sich schleichend in einer Abstumpfungskultur eingerichtet hat, in der nur mehr die Schläge mit dem Holzhammer zählen, liegt im Verlust aller Differenzierungen. Die Zwischentöne und die Nuancen, der Feinsinn und das bloß Angedeutete gehen verloren. Am Ende wird nur Aufsehenerregendes überhaupt noch registriert. Wie der Philosoph Christoph Türcke in seinem Buch „Erregte Gesellschaft“ feststellt, wird die Wahrnehmung des Spektakulären, die Sensation, zur Wahrnehmung schlechthin. Wo der Extremfall von Wahrnehmung zum Normalfall geworden ist, wird das Subtile in der Kultur ausgelöscht. Es benötigt Zeit, Konzentration und Anstrengung. Genau das ist dem Schock und der Überwältigung fremd.

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