Christliche Apologetik go home?

Die Internetseite „Worthaus“ hat einen Vortrag der Theologin Christiane Tietz mit dem Thema „Glaube und Zweifel“ veröffentlicht. Frau Tietz äußert sich darin kritisch zu Gottesbeweisen im Allgemeinen und speziell zum Ansatz des „Intelligent Design“, den sie in der Tradition des teleologischen Gottesbeweises von Thomas von Aquin sieht. Die Ausführungen von Frau Tietz laufen auf eine Abschaffung von Apologetik hinaus. Denn sie argumentiert – in der Tradition von Karl Barth (und damit auch Kierkegaards) stehend – gegen apologetische Arbeit, die positiv für die Wahrheit des biblischen Schöpfungszeugnisses eintritt. Dagegen sollte man den Verstand nutzen, um das Geglaubte zu durchdenken, aber auch um die Lehren des Christentums kritisch zu hinterfragen. 

Reinhard Junker hat den Vortrag analysiert und etliche Rückfragen:

Nach diesen Ausführungen über die Distanziertheit und die vermeintliche Gefahr der Irreleitung durch Gottesbeweise wirft Frau Tietz die Frage auf: „Wenn es so ist, dass das Denken diesen Gott nicht beweisen kann, … gibt es dennoch die Möglichkeit, nachzudenken über Gott, ohne dass der Glaube dabei verloren geht?“ Diese Frage wird bejaht, denn zum christlichen Glauben gehöre auch das Verstehen. Es gehe um ein Hinterherdenken dem, was man glaubt, um eine kritische Reflexion über das, was man glaubt. Sie akzeptiert ein Nachdenken dem, was vorgegeben ist, nämlich Gottes Selbstoffenbarung in Christus. Man könne über den Glauben nachdenken; wie das im Glauben Geglaubte zu verstehen ist. Aber was ist, wenn genau dagegen unter Berufung auf Wissenschaft Einwände erhoben werden? Dann muss man wohl oder übel sich doch apologetischer Arbeit unterziehen. Frau Tietz fragt selber: „Wenn man behaupten würde, man darf noch nicht einmal anfangen, die Lehren des Christentums zu hinterfragen, sonst geht der Glaube kaputt, dann würde man den Menschen zwingen, seinen Verstand quasi vor der Kirchentür anzugeben, und das kann langfristig nicht gut gehen, weil der Mensch auch ein Verstandeswesen ist.“ Ja, natürlich soll niemand von kritischem Nachdenken abgehalten oder dafür getadelt werden. Aber auf solche kritische Fragen gibt es in vielen Fällen gute apologetische Antworten. Warum Frau Tietz, wie es scheint, einer positiv argumentierenden Apologetik nichts abgewinnen kann, ist unverständlich. Denn mit demselben Verstand, mit dem wir das Geglaubte denkerisch durchdringen und der dabei Fragen aufwirft, können wir auch versuchen, Antworten zu geben, die die Glaubwürdigkeit der Bibel auch in ihren historischen  Aussagen stützen und den Glauben zu stärken, dass die Bibel Gottes verlässliches Wort an uns ist. Genau aus diesem Grunde ist christliche Apologetik unverzichtbar. Und ein wichtiger Teil von ihr ist der Design-Ansatz.

Der vollständige Text wurde im Blog von Markus Till veröffentlicht: blog.aigg.de.

Kommentare

  1. Apologetik ist zwar Pflicht.
    Doch wer glaubt, glaubt nicht aufgrund der Argumente.
    Glaube ich jedenfalls nicht.
    Das Problem des Menschen ist ja kein erkenntnistheoretisches, sondern ein ethisches.
    Es ist ja nicht so, dass er die Wahrheit nicht erkennen könnte.
    Sondern so, dass er die Wahrheit nicht annehmen will.
    credo ut intelligam

  2. Ernst: Ja, das ist so. Dennoch sollten wir die Argumente nicht kleinreden. Ihre Überzeugungskraft entfalten sie in der Tat erst durch glauben. Aber sie können die Blockaden einreißen, die dem Glauben im Weg stehen.

    Liebe Grüße, Ron

  3. Theophil Isegrim meint:

    @ Ernst: Der Artikel von Reinhard Junker ist sehr ausführlich, da braucht man etwas Zeit zum Lesen. Aber genau das kommt auch darin vor. Gute Argumente schaffen keinen Glauben. Aber Menschen, die sich unsicher sind oder die noch keine rechte Meinung haben, wo Argumente Hürden für den Glauben sein können, da sind sie sehr hilfreich.

  4. Markus Jesgarz meint:

    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage im viertletzten Satz:
    Warum Frau Tietz, wie es scheint, einer positiv argumentierenden Apologetik nichts abgewinnen kann, ist unverständlich.
    Meine Meinung ist:
    1.
    Gott verwendet Beweise, um Menschen davon zu überzeugen, gerettet zu werden.
    Im kostenlose Kurs „Christian Apologetic“ von Dr. Norman Geisler https://academy.ses.edu/courses/introduction-to-christian-apologetics/
    in dem Beitrag:
    Lesson 1: Why Apologetics?
    steht auf der Folie zum Zeitpunkt 34:50 von 45:11:
    III. How to Respond to Objections
    Objection 1: Only the Holy Spirit can
    save, not apologetics?
    Respond: True, but God can use
    evidence to convince them to be saved.
    1. Almost no one believes because he
    thinks it is irrational and without
    evidence.
    2. Almost everyone who believes is
    convinced that it is the most reasonale
    thing for him to do.
    Note: Apologetics can lead the horse to
    the water, but only the Holy Spirit can
    persuade him to drink it!
    2.
    Eine positiv argumentierende Apologetik ist hilfreich.

  5. Helge Beck meint:

    Da geht ja einiges durcheinander. Zunächst wäre ein Link zum Vortrag hilfreich. Hier
    https://www.youtube.com/watch?v=x0H6WFZuWeU
    Um zur Verwirrung noch beizutragen 🙂 ein Vortrag von Prof. Bernhard Uhde:
    https://www.youtube.com/watch?time_continue=15&v=6A1avNEBrHI
    Er nimmt als Bezug ebenfalls Descartes, der Punkt des neuzeitlichen Atheismus wäre, dass das Konzept „Gott“ nicht mehr notwendig sei.

  6. @Ernst

    Das Problem des Menschen ist ja kein erkenntnistheoretisches, sondern ein ethisches.

    In der Bibel gibt es diesen angeblichen Gegensatz nirgendwo. Das Problem aller Nichtchristen ist nicht „nur“ ein ethisches, sondern eben immer auch ein erkenntnistheoretisches. Nimm als Beispiel nur mal 1. Johannes 4,8: „Wer nicht liebt, der hat Gott nicht erkannt ; denn Gott ist Liebe.“

    Es ist ja nicht so, dass er die Wahrheit nicht erkennen könnte. Sondern so, dass er die Wahrheit nicht annehmen will.

    Noch einmal: Diesen angeblichen Gegensatz gibt es in der Bibel nicht. Der Verstand des Menschen ist ja auch gefallen. Oder siehst Du das anders?

  7. @ Ernst
    Es gibt viele Menschen, die auf Grund der Lehre ihrer Gemeinde ein Leben mit Jesus führen. Nur, was ist wenn ihre Hinwendung zu Jesus unter, wie es gerade sehr oft geschieht, nicht schriftgemäßen Prämissen zustande kommt? Es kann dann sein, dass der Wahrheit ein entscheidener Punkt fehlt. Vielleicht hätte er bei richtiger Verkündigung die Wahrheit nicht angenommen oder umgekehrt.
    Für eine gesunde Verkündigung und eine gute Glaubensbasis ist Apologetik deshalb so wichtig

  8. Helge Beck meint:

    Herr Junker fragt:
    „Warum Frau Tietz, wie es scheint, einer positiv argumentierenden Apologetik nichts abgewinnen kann, ist unverständlich.“
    Hat er den Vortrag nicht gehört/gesehen? Sie sagt doch ganz klar dar, warum Gottes“beweise“ ihrer Meinung nach verlorene Liebesmüh sind.

  9. @Helge Beck
    Apologetik besteht nicht (nur) aus Gottesbeweisen. Apologetik stellt auch die innere Logik des Glaubens dar.

  10. Roderich meint:

    @Helge Beck,

    Sie sagt doch ganz klar dar, warum Gottes“beweise“ ihrer Meinung nach verlorene Liebesmüh sind.

    Sie hat aber keine guten Gründe dafür, und es ist auch einsichtig warum: sie folgt in ihrem Ansatz stark Barth, der wiederum stark auf Kant rekurrierte, und der Ansatz von Kant ist nicht besonders überzeugend (u.a. wegen der Inkohärenz des Transzendentalen Idealismus).
    Sonst formulieren Sie doch gerne mal, was Ihrer Meinung nach die besten 3-5 Argumente von Frau Tietz gegen Gottesbeweisen sein sollen?

  11. Helge Beck meint:

    PeterG
    Frau Tietz spricht sich doch nicht gegen Apologetik als Darstellung der „inneren Logik des Glaubens“ aus? In dieser Hinsicht scheint mir die Unterstellung der Verneinung einer Apologetik durch Frau Tietz schon als ein Strohmann? Die innere Logik einer „Unverständlichkeit“ von Frau Tietz erscheint mir immer noch fragwürdig.

  12. Markus Jesgarz meint:

    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage unter
    II. Zum Vortrag „Glaube und Zweifel“ von Christiane Tietz
    unter „Das Design-Argument in biologischer Sicht“ ab dem 2. Satz:
    Die Referentin weist zunächst unter Berufung auf Kant den teleologischen Gottesbeweis von Thomas von Aquin (siehe Kasten) zurück. Dessen Beweisführung gelte nach Kant nur in der sinnlichen Welt. Den Rückschluss auf Gott könne man nicht machen, weil er kein Gegenstand der sinnlichen Welt (in Raum und Zeit) ist. Dieser Rückschluss sei prinzipiell nicht möglich.
    Meine Meinung ist:
    Herr Kant irrt.
    1.
    In dem Beitrag:
    THE PERNICIOUS INFLUENCES OF IMMANUEL KANT
    fbcweb.org/Doctrines/Kant.pdf
    am 28. November 2011 vom Donald Ray Hargrove steht auf der Seite 8
    und der Seite 9 von 31 in der Anzeige ab der 3. Zeile:
    As far as the actual cosmological and teleological arguments for the existence of God, a Kantian influence would lead one to being very skeptical about any proof of God from creation as such. This is in stark contrast to Scripture and its Christ-centered human writers who explicitly teach that creation demonstrates the existence of God (Psa. 19; 1-4; Acts 14:15-17; 17:23-31;Rom. 1:18-20).
    2.
    In Psalm 19,2-5 steht:
    https://www.bibleserver.com/text/SLT/Psalm19
    2 Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände.
    3 Es fließt die Rede Tag für Tag, Nacht für Nacht tut sich die Botschaft kund.
    4 Es ist keine Rede und es sind keine Worte, deren Stimme unhörbar wäre.
    5 Ihre Reichweite erstreckt sich über die ganze Erde, und ihre Worte bis ans Ende des Erdkreises. Er hat der Sonne am Himmel ein Zelt gemacht.

  13. Es kommt auf den Begriff eines >Beweises< an. Augenscheinlich ein Streit um Begriffe, nicht um Worte. Es ist eine Verhexung des Verstandes mit den Mitteln der Sprache.

  14. Markus Jesgarz meint:

    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage unter
    II. Zum Vortrag „Glaube und Zweifel“ von Christiane Tietz
    unter „Das Design-Argument in biologischer Sicht“ im 5. Absatz im 2. Satz:
    Es sei nur noch angemerkt, dass es zahlreiche andere Arten von Design-Argumenten in der Biologie gibt: Das Argument der nichtreduzierbaren Komplexität ist sicher besonders populär, aber nur eines unter vielen.
    Meine Meinung ist:
    Es gibt mindestens zwei Arten von Design-Argumenten in der Mikrobiologie.
    Im kostenlosen Kurs „Christian Apologetic“ von Dr. Norman Geisler
    https://academy.ses.edu/courses/introduction-to-christian-apologetics/
    steht in dem Beitrag:
    Lesson 4: It is True that the Theistic God Exists
    auf der Folie zu dem Zeitpunkt
    1.
    32:30 von 1:08:46:
    Teleological Argument
    A. From Astronomy (Anthropic Principle)
    1. Anticipatory design shows an intelligent Designer.
    2. Human life shows anticipatory design.
    3. Hence, human life shows an intelligent Designer.
    B. From Micro Biology (Argument 1)
    1. Specified complexity has an intelligent designer.
    2. First life had specified complexity.
    3. Hence, first life had an intelligent Designer.
    2.
    32:50 von 1:08:46:
    Teleological Argument
    C. From Micro Biology (Argument 2)
    1. Irreducible complexity has an intelligent designer.
    2. First life had irreducible complexity.
    3. Hence, first life had an intelligent Designer.

  15. Markus Jesgarz meint:

    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage unter
    II. Zum Vortrag „Glaube und Zweifel“ von Christiane Tietz
    unter „Das Design-Argument in theologischer Sicht“
    und unter „Viertens.“ im 4. Satz:
    Frau Tietz zitiert in diesem Zusammenhang auch den Theologen Rudolf Bultmann, wonach wir von Gott nur reden könnten, wenn wir von uns selber reden[17] und das mache ein Gottesbeweis nicht.
    http://blog.aigg.de/?p=4589&fbclid=IwAR0pjazJESv5Mc89pH0yo-FHvWNytoUGsf1YMro0akMCYHB1wSz30cpjFW4#_ftnref17
    [17] Das ist eine mindestens sehr missverständliche Formulierung.
    Meine Meinung ist:
    1.
    Herr Immanuel Kant maßte sich an sich selbst auf der Ebene von Gott zu befinden. In dem Beitrag:
    THE PERNICIOUS INFLUENCES OF IMMANUEL KANT fbcweb.org/Doctrines/Kant.pdf
    am 28. November 2011 vom Donald Ray Hargrove steht auf der Seite 22
    und der Seite 23 von 31 in der Anzeige im 2. Absatz ab dem 2. Satz:
    Kant arrogated himself to the level of God Himself. Gilson’s words are incisive: Having proved in his youth that we know nothing about God, old Kant was beginning to suspect that he himself might be God: ‘God is not a being outside me, but merely a thought in me. God is the morally practical self-legislative reason. Therefore, only a God in me, about me, and over me. . . . God can be sought only in us . . There is a Being in me which, though distinct from me, stands to me in relations of causal efficacy, and which, itself is free . . . and as man, am myself this Being.’74
    74 Etienne Gilson, The Unity of Philosophical Experience (San Francisco, CA: Ignatius Press, 1999), 192.
    2.
    Die Aussage von Herr Rudolf Bultmann ist nicht eine missverständliche Formulierung: Herr Rudolf Bultmann maßte sich an sich selbst auf der Ebene von Gott zu befinden.
    3.
    Leider argumentiert Frau Christiane Tietz in der Tradition von
    1. Herr Immanuel Kant und
    2. Herr Rudolf Bultmann.

  16. Markus Jesgarz meint:

    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage unter
    II. Zum Vortrag „Glaube und Zweifel“ von Christiane Tietz
    und unter „Das Design-Argument in theologischer Sicht“ am Ende:
    Gute Apologetik versucht, Menschen auf Jesus Christus hin zu lenken und zu seinem Wort zu führen. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb Apologetik hierfür in irgendeiner Weise hinderlich sein soll.[18]
    blog.aigg.de/?p=4589&fbclid=IwAR0J0js3ofBnahbOfvjdqaNF_J8mcn2DCZN7KMpB00kxPLoPOCSEkaQHlAc#_ftn18
    [18] Frau Tietz betont, dass Gott und Glaube zusammen gehören. Das ist natürlich richtig, aber es ist irrelevant für das Thema Gottesbeweise. Was Gott für jeden einzelnen Menschen bedeutet, ist eine weiterführende Frage, die von der Frage der Gottesbeweises nicht tangiert wird.
    Meine Meinung ist:
    Gute Apologetik besteht auf Gottesbeweise, die Argumente für die Existenz Gottes.
    1.
    In dem Interview:
    Professor, Was Jesus Really Born to a Virgin?
    https://www.nytimes.com/2018/12/21/opinion/sunday/christmas-christian-craig.html
    besteht der Apo­lo­get William Lane Craig auf die Argumente für die Existenz Gottes.
    2.
    Im Beitrag:
    Dr. William Lane Craig answers questions about Jesus in the New York Times
    https://winteryknight.com/2018/12/25/dr-william-lane-craig-answers-questions-about-jesus-in-the-new-york-times/
    am 25.12.2018 von „Wintery Knight“ steht im 2. Absatz:
    Before we start looking at the questions and answers, I want to mention one important point. When discussing Christianity, it’s very important that Christians not allow the atheist to nitpick about minor details of Christian history or Christian theology. The Christian needs to ALWAYS redirect the discussion to the question of God’s existence. There, we are strongly supported by mainstream science. Only when the skeptic accepts a Creator and Designer can we allow ourselves to be moved on to specific points of theology or history.
    3.
    In dem Wikipedia-Beitrag zu „Überblick über Geislers apologetisches System“
    https://en.wikipedia.org/wiki/Norman_Geisler#Outline_of_Geisler's_apologetic_system
    steht, dass Herr Norman Geisler in seinem apologetischen System die Argumente für die Existenz Gottes benutzt.

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