<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	
	>
<channel>
	<title>
	Kommentare zu: Das Ende von Schuld und Sühne?	</title>
	<atom:link href="https://theoblog.de/das-ende-von-schuld-und-suhne/5405/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://theoblog.de/das-ende-von-schuld-und-suhne/5405/</link>
	<description>Die Welt sehen – aus einer reformatorischen Perspektive</description>
	<lastBuildDate>Wed, 03 Aug 2011 13:15:09 +0000</lastBuildDate>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>
	<item>
		<title>
		Von: Helmut		</title>
		<link>https://theoblog.de/das-ende-von-schuld-und-suhne/5405/comment-page-1/#comment-7696</link>

		<dc:creator><![CDATA[Helmut]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Nov 2009 18:17:19 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://theoblog.de/?p=5405#comment-7696</guid>

					<description><![CDATA[Hier mein Leserbrief an die SZ:

Liebe Redaktion der SZ,

danke für den informativen Artikel über G. Roths Vorschläge, zumal auch Gegenpositionen mit erwägenswerten Argumenten zum Zuge kommen. Die philosophische Ebene wird in diesem Versuch, das „Schuldprinzip“ abzuschaffen, aber nicht erreicht.

Ich sehe hier die utopische Sehnsucht einer Überwindung der Trennung von Natur und Zivilisation, von Wille und Recht am Werke. Mit naturwissenschaftlich-empirischen Methoden den freien Willen nachweisen oder widerlegen zu wollen ist dabei eine scientistische Naivität, ja Dummheit. Solches „dahinter“-Wissen ist konstruiert: Der weltanschaulich vorausgesetzte Naturdeterminismus wird in die Ergebnisse hinein projiziert.

Vielmehr ist die Unterstellung des eigenen freien Willens durch jeden Akteur die Bedingung von Zivilisation überhaupt, und damit Bedingung für die Anstrengung jedes Einzelnen, sich zivilisiert zu verhalten. Wo immer Lebenswelt aktiv gestaltet wird, ist die in Anspruch genommene Willensfreiheit implizite Voraussetzung. Das Vertrauen in die eigene Freiheit (wieder) herzustellen ist ja auch der Kern jeder sinnvollen Therapie.

&quot;Psychiatrisierung statt Kulpabilisierung&quot; wird hier naiv gefordert. „Ohne Schuld keine Freiheit, keine Gesundheit“ läge näher bei der Wahrheit. Wenn die Naturbefangenheit absolut nicht überwindbar wäre, würde die schreckliche Folge der Psychiatrisierung sehr schnell für alle &quot;Abweichler&quot; – auch die politischen – gelten müssen. Denn mit der Würde der Schuldfähigkeit (Immanuel Kant) wäre auch das Recht zur kreativen Individualität – also die persönliche und politische Freiheit, die auf der Unterstellung der Willensfreiheit beruht! – gegenstandslos. Dann wäre nur noch eine Kategorie von Menschen frei: Die Therapeuten, die beanspruchen, alle anderen zu therapieren, welche sie per definitionem für freiheitsunfähig halten.

Fazit: Die Trennung von Natur und Zivilisation kann nur von der freien Person selbst vermittelt werden, niemals aber durch Abschaffung von Freiheit und Schuld.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier mein Leserbrief an die SZ:</p>
<p>Liebe Redaktion der SZ,</p>
<p>danke für den informativen Artikel über G. Roths Vorschläge, zumal auch Gegenpositionen mit erwägenswerten Argumenten zum Zuge kommen. Die philosophische Ebene wird in diesem Versuch, das „Schuldprinzip“ abzuschaffen, aber nicht erreicht.</p>
<p>Ich sehe hier die utopische Sehnsucht einer Überwindung der Trennung von Natur und Zivilisation, von Wille und Recht am Werke. Mit naturwissenschaftlich-empirischen Methoden den freien Willen nachweisen oder widerlegen zu wollen ist dabei eine scientistische Naivität, ja Dummheit. Solches „dahinter“-Wissen ist konstruiert: Der weltanschaulich vorausgesetzte Naturdeterminismus wird in die Ergebnisse hinein projiziert.</p>
<p>Vielmehr ist die Unterstellung des eigenen freien Willens durch jeden Akteur die Bedingung von Zivilisation überhaupt, und damit Bedingung für die Anstrengung jedes Einzelnen, sich zivilisiert zu verhalten. Wo immer Lebenswelt aktiv gestaltet wird, ist die in Anspruch genommene Willensfreiheit implizite Voraussetzung. Das Vertrauen in die eigene Freiheit (wieder) herzustellen ist ja auch der Kern jeder sinnvollen Therapie.</p>
<p>&#8222;Psychiatrisierung statt Kulpabilisierung&#8220; wird hier naiv gefordert. „Ohne Schuld keine Freiheit, keine Gesundheit“ läge näher bei der Wahrheit. Wenn die Naturbefangenheit absolut nicht überwindbar wäre, würde die schreckliche Folge der Psychiatrisierung sehr schnell für alle &#8222;Abweichler&#8220; – auch die politischen – gelten müssen. Denn mit der Würde der Schuldfähigkeit (Immanuel Kant) wäre auch das Recht zur kreativen Individualität – also die persönliche und politische Freiheit, die auf der Unterstellung der Willensfreiheit beruht! – gegenstandslos. Dann wäre nur noch eine Kategorie von Menschen frei: Die Therapeuten, die beanspruchen, alle anderen zu therapieren, welche sie per definitionem für freiheitsunfähig halten.</p>
<p>Fazit: Die Trennung von Natur und Zivilisation kann nur von der freien Person selbst vermittelt werden, niemals aber durch Abschaffung von Freiheit und Schuld.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
	</channel>
</rss>
