Der Begriff „Apologetik“ im NT

Der Begriff „Apologetik“ leitet sich vom griechischen apologia ab, das auch in 1Petr 3,15b–16, dem neutestamentlichen locus classicus der christlichen „Verteidigungswissenschaft“, zu finden ist. Wir lesen dort:

„Aber wenn ihr auch leiden solltet um der Gerechtigkeit willen, glückselig seid ihr! Fürchtet aber nicht ihren Schrecken, seid auch nicht bestürzt, sondern haltet den Herrn, den Christus, in euren Herzen heilig! Seid aber jederzeit bereit zur Verantwortung [griech. apologian] jedem gegenüber, der Rechenschaft [griech. logon] von euch über die Hoffnung in euch fordert, aber mit Sanftmut und Ehrerbietung! Und habt ein gutes Gewissen, damit die, welche euren guten Wandel in Christus verleumden, darin zuschanden werden, worin euch Übles nachgeredet wird.“

Wie hier überwiegt auch bei anderen Verwendungen des Begriffs im NT der prozessuale Anklang. Das Verb apologeomai bedeutet so viel wie „sich vor Gericht verteidigen“ (übliche dt. Übersetzungen lauten: „sich verteidigen“, „verantworten“ o. a. „Verhör“. Siehe: EWNT, S. 330). In einer klassischen gerichtlichen Verhandlung wurde der Angeklagte zuerst seiner Vergehen beschuldigt. Anschließend bekam der Beschuldigte die Gelegenheit, zu den Anklagepunkten Stellung zu nehmen. Der Versuch, die Anschuldigungen abzuweisen, wurde apologia genannt. (Von der Präposition apo mit der Bedeutung „von“ und logion mit der Bedeutung „Wort, Spruch“. Das zusammengesetzte Wort heißt also soviel wie: „wegsprechen der Anschuldigung“.)

Das älteste uns überlieferte Beispiel für eine Verteidigung diese Art ist die Rede des Sokrates (469–399 v. Chr.) vor dem Gericht in Athen im Jahre 399 v. Chr., als ihm Gotteslästerung (Einführung neuer Götter) und Verführung der athenischen Jugend vorgeworfen wurde. Da wir keine Schriften des Philosophen besitzen, kennen wir die Verteidigungsrede nur aus einem Dialog seines berühmten Schülers Platon. Der nannte die Verteidigung einfach Apologie.

Das Wort erscheint im NT als Verb oder Substantiv insgesamt 18-mal, davon 10-mal allein bei Lukas im Evangelium bzw. in der Apostelgeschichte (das Verb kommt im NT 10-mal vor (Lk 12,11; 21,14; Apg 19,33; 24,10; 25,8; 26,1f.24; Röm 2,15; 2Kor 12,19), das Substantiv 8-mal (Apg 22,1; 25,16; 1Kor 9,3; 2Kor 7,11; Phil 1,7.16; 2Tim 4,16; 1Petr 3,15)). Gegenüber Anklägern und Andersdenkenden wird der hoffnungsvolle Christusglaube gerechtfertigt. Anfeindungen oder Inhaftierung wegen des Bekenntnisses werden dabei in der Regel vorausgesetzt.

So benutzt Lukas den Begriff, um eine Verteidigungsrede des Paulus in Jerusalem wiederzugeben (Apg 21,27–28). Der Apostel wurde durch die Juden der Volksverhetzung bezichtigt. Als sie versuchten, ihn zu töten, wurde er durch die Römer festgenommen und stand damit unter ihrer Schutzmacht. Paulus bekam die Erlaubnis, Hebräisch mit dem Volk zu sprechen und rief ihnen zu: „Ihr Männer, Brüder und Väter! Hört, was ich euch zu meiner Verteidigung [griech. apologia] zu sagen habe“ (Apg 22,1).

Paulus selbst gebraucht das Wort vielförmig. In 1Kor 9,3 hält er es für angebracht, sich gegenüber seinen Kritikern als autorisierter Apostel zu verteidigen: „Meine Verteidigung [griech. apologia] vor denen, die mich kritisch überprüfen, ist diese: …“. In Röm 2 behandelt er die Ungerechtigkeit aller Menschen vor Gott. Alle Menschen sind vor dem gerechten Gott schuldig. Maßstab der Gerechtigkeit ist für die Juden unter dem Gesetz das Gesetz. Die Heiden ohne Gesetz sind sich selbst ein Gesetz, da das moralische Gesetz in ihre Herzen eingeschrieben ist und durch das Gewissen gespiegelt wird. Ihre Gedanken klagen einander an oder „verteidigen“ (griech. apologemenōn) sich (Röm 2,15).

Bisweilen erwächst aus einer ursprünglichen Verteidigungsrede Verkündigung. So schrieb Paulus am Ende seines Lebens beispielsweise in 2Tim 4,16–17 an seinen Mitarbeiter Timotheus (s. a. Apg 22,1ff; Phil 1,7):

„Bei meinem ersten Verhör [griech. apologia] stand mir niemand bei, sondern sie verließen mich alle. Es sei ihnen nicht zugerechnet. Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich, damit durch mich die Botschaft ausgebreitet würde und alle Heiden sie hörten, so wurde ich erlöst aus dem Rachen des Löwen.“

In einem seiner Gefangenschaftsbriefe teilt der Apostel mit, dass er sich selbst als jemand versteht, der durch Gott zur Verteidigung des Evangeliums eingesetzt wurde (Phil 1,16):

„Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums [griech. apologian toun euiaggeliou] hier liege; …“

Es gibt neben apologia noch weitere relevante Begriffe. 10-mal finden wir das Verb dialegomai im NT, das meist so viel wie „argumentierend reden“ bedeutet. Der Evangelist benutzt den Begriff in Mk 9,34, um uns eine Debatte im Jüngerkreis darüber zu schildern, wer wohl der Größte unter ihnen sei. Von dem Apostel Paulus heißt es, dass er in Ephesus frei und offen drei Monate lang durch Unterredungen (griech. dialegomenos) die Menschen in der Synagoge „von den Dingen des Reiches Gottes zu überzeugen suchte“ (Apg 19,8 nach Schlachter). Lukas verwendet das Wort auch, um in Apg 20,7 mitzuteilen, dass Paulus in Troas am Sonntag in einer Synagoge mehrere Stunden predigte. Es ist offensichtlich eine argumentierende Verkündigung oder ein auf Gründe zurückführendes Gespräch gemeint. Schon die griechischen Logiker benutzten das Wort dialegomenos im Zusammenhang logischer Schlussverfahren.

Das Verb peithō ist 52-mal belegt und wird vorzugsweise von Lukas und Paulus benutzt. Im Passiv bedeutet es „vertrauen“ oder auch „gehorchen“. Bei aktivem Gebrauch kann es (eher negativ) mit „beschwatzen“ übersetzt werden.

Einige Verse gebrauchen das Verb allerdings im Sinne von „überzeugen“. So schreibt Lukas in Apg 18,4, dass Paulus in der Synagoge an den Sabbaten lehrte und Juden und Griechen „überzeugte“ (griech. epeiten, 3. Pers. Sing. Impf. akt. Ind.). In Apg 26,28 sagt Herodes Agrippa II. zu Paulus: „Es fehlt nicht viel, so wirst du mich noch überreden (griech. peiteis, 2. Pers. Sing. Präs. akt. Ind.) und einen Christen aus mir machen.“(Apg 26,28 ist textkritisch allerdings nicht ganz unproblematisch, da der Codex Alexandrinus peithē liest: „Du glaubst (o. denkst), Du kannst aus mir einen Christen machen.“)

Nach Apg 21,14 lies Paulus sich von Mitarbeitern und Einheimischen nicht „überreden“ (griech. peitomenou), wegen einer drohenden Gefangenschaft die Reise nach Jerusalem abzubrechen. Das Verb findet sich ebenfalls in dem bereits zitierten Vers aus Apg 19,8. Paulus versuchte in Ephesus seine Zuhörer durch „Überredungen“ (griech. dialegomenos) von den Dingen des Reiches Gottes zu „überzeugen“ (griech. peitōn).

Diese Textstellen zeigen neben vielen anderen, dass es den Aposteln bei ihren evangelistischen Bemühungen zwar nicht ausschließlich um gute Argumente ging, sie jedoch sehr an einer verständlichen und logisch nachvollziehbaren Verkündigung interessiert waren. Treffend schreibt Michael Green in seinem Klassiker Evangelisation zur Zeit der ersten Christen:

„Natürlich hat weder Paulus, noch irgend jemand sonst in der urchristlichen Mission daran gedacht, daß man durch Debatten allein Menschen ins Reich Gottes bringen könnte. Aber man wußte, daß sich dadurch Schranken niederreißen ließen, die den Menschen nicht erkennen ließen, was sich in sittlicher und persönlicher Hinsicht für ihn daraus ergab, wenn er Christus annahm oder nicht.“(M. Green, Evangelisation, 1970, S. 237)

Kommentare

  1. Seinen Glauben verteidigen oder rechtfertigen zu müssen, begegnet Christen immer wieder. Der Aufforderung dies zu tun kann man nur nachkommen, wenn man sich über das was man glaubt gründlich informiert hat.

    Eine lebendige Beziehung zu Christus und umfangreiches Bibelwissen, sind für die apologia unerlässlich. Während ersteres wohl unumstritten ist, trifft man beim zweiten Punkt oft auf Unverständnis und Kritik. Wissen um die Bibel wird von weiten Teilen der Christen wenn nicht als Zeitverschwendung, dann doch als von geringer Priorität angesehen.

  2. Roderich meint:

    @FrankS,

    ja, beides (lebendige Beziehung zu Christus (gelebter Glaube) und umfangreiches Bibelwissen) sind sehr wichtig. Aber darüber hinaus sollte man sich noch bestimmte Argumente aneignen:
    – Argumente für die Existenz Gottes
    – Argumente für die Zuverlässigkeit der Bibel
    – Argumente für die Auferstehung Jesu.

    Fast kein Christ kennt diese, dabei wäre es unabdingbar, dass gerade junge Christen lernen, ihren Glauben auch intellektuell zu verteidigen, auch angesichts des aktuellen wissenschaftlichen Stands (in Naturwissenschaft, Geschichte, Theologie, Philosophie). Nur dann können wir hoffen, dass das Christentum wieder Einfluss in der Gesellschaft gewinnt.

    Manche Leute glauben, dass das Christentum wieder Boden gewinnen kann, wenn Christen einfach in der Vollmacht Jesu leben – damit wäre in der Tat auch schon sehr viel gewonnen. Aber ohne ein erneuertes Denken (ohne eine christliche Weltsicht) ist es erstens sehr schwierig, in einer engen Beziehung mit Gott zu leben (denn dann haben wir eine Spaltung in unserem Denken), und zweitens schwierig, das Evangelium mit der Außenwelt zu kommunizieren. Denn das muss u.a. im Vokabular, mit dem sich die Welt unterhält, geschehen – dafür muss man aber die diesem Vokabular zugrundeliegenden Weltanschauungen zuerst verstehen und aus christlicher Sicht kritisch durchdacht haben.
    Und abgesehen von einer weltanschaulichen Analyse sind gewisse Fakten einfach sehr wichtig: Fakten, die für die Zuverlässigkeit der Bibel sprechen, Fakten, die für die Auferstehung Jesu sprechen, sowie Fakten aus der Naturwissenschaft (Feinabstimmung, Kosmologie) für die Existenz Gottes, oder Argumente aus der Philosophie (z.B. Moral-Argument für die Existenz Gottes).

  3. Schandor meint:

    @Roderich

    Das betrifft nicht den Normalo unter den Christen.
    Denn der trifft so gut wie nie auf Menschen, die interessiert sind und auch noch zuhören. Beides ist absolute Seltenheit.

    Apologie ist nur theoretisch wichtig. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen gegen Argumente immun sind. Ich stimme Dir zwar inhaltlich zu, aber de facto hat das alles keinen Sinn (mehr).

    Willst du Menschen überzeugen, brauchst du etwas ganz anderes als Argumente, nämlich Charisma, Ausstrahlung. Hast du das nicht, gewinnst du nichts. Hast du das aber, kannst du Menschen alles glauben machen, buchstäblich alles. So genannte Fakten sind dagegen leider nichts. Ich spreche nicht vom Elfenbeinturm herunter, sondern vom Boden weg, von dort, wo die Menschen leben. Philosophische Argumente überzeugen niemand.

  4. @Schandor

    Denn der trifft so gut wie nie auf Menschen, die interessiert sind und auch noch zuhören. Beides ist absolute Seltenheit.

    Falsch! Es gibt viel mehr interessierte Menschen, als Du denkst. Sprich sie doch einfach mal an.

    Apologie ist nur theoretisch wichtig. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen gegen Argumente immun sind. Ich stimme Dir zwar inhaltlich zu, aber de facto hat das alles keinen Sinn (mehr).

    Du irrst Dich sehr! Mach nicht den Fehler, von Deinen individuellen Erfahrungen auf die Allgemeinheit zu schließen.

    Philosophische Argumente überzeugen niemand.

    Oh doch!

  5. Kommt vermutlich auf das Umfeld an, in dem man sich befindet oder begibt. Grundsätzlich scheint die Apologetik dazu zugehören, sonst gäbe es keine Aufforderung zur Bereitschaft.

  6. Schandor meint:

    Selbst wenn alle möglichen apologetischen Fragen beantwortet sind, sind unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt.

  7. @Schandor, Roderich, Adler
    Zwischen Euren Aussagen sehe ich keine Widersprüche, sondern unterschiedliche Seiten derselben Sache
    – natürlich gibt es viele Menschen die desinteressiert sind am Glauben und aber auch viele die für alles offen sind und Fragen haben
    – damit die Menschen wirklich angesprochen werden und eine wirkliche Umkehr erleben braucht es das Wirken des Heiliegn Geistes, was wir nicht machen können und wo wir uns aber als Werkzeug zur Verfügung stellen können. Wenn wir darum bitten wird Gott auch Gelegenheiten schenken
    – es ist aber notwendig, dass den Menschen ein biblisches Evangelium verkündet wird. Dazu braucht es einen klaren geistlichen Stand, gute Schriftkenntnis und damit… Apologetik

  8. Christ meint:

    @ Matze @Roderich

    wobei
    – Argumente für die Existenz Gottes
    – Argumente für die Zuverlässigkeit der Bibel
    – Argumente für die Auferstehung Jesu
    eher bei der Auseinandersetzung mit Irrlehren oder Liberalität hilfreich sein können und weniger bei der Bezeugung unserer Hoffnung (1. Petr. 3). Paulus hatte es in seinen apologetischen Gesprächen wohl auch mehr mit gläubigen Juden und weniger mit ungläubigen Heiden zu tun. Ich halte es für weniger wahrscheinlich, dass sich Menschen, die nicht glauben, durch sog. „Beweise“ zum Glauben bewegen lassen. Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Wäre mal interessant, ob C.S.Lewis durch seine logisch bestechende Apologetik eher Christen im Glauben bestärkt oder Ungläubigen den Glauben nähergebracht hat.

  9. Auf bestimmte Fragen sollte tatsächlich wie aus der Pistole geschossen antworten können (allezeit bereit). Werner Gitt hat zu diesem Thema ein Buch geschrieben: Fragen, die immer wieder gestellt werden. Auch ich habe beobachtet, dass diese Fragen am häufigsten gestellt werden und oft dieselben sind. Mit dem Buch hätte man ein breites Spektrum an Antworten abgedeckt

    http://www.sermon-online.de/search.pl?lang=de&id=2136&title=&biblevers=&searchstring=&author=0&language=0&category=0&play=0&tm=2

    Beim Alter der Erde bin ich mir nicht so sicher, ob sich die Bibel dazu so genau äußert, wie Gitt sagt …

  10. Schandor meint:

    Dass man antworten können soll, ist klar. Dagegen ist nichts zu sagen.

    Aber jemanden mit Apologetik zu missionieren? Nein. Du musst schon auf offene Ohren stoßen, will sagen: der, der mehr wissen will, glaubt schon, weiß es nur noch nicht. Glaube ist unverfügbar. Und wird auch nicht durch Apologetik verfügbar gemacht. Man versteht nie, warum jemand glaubt, der glaubt.

    Freilich kann man von der Notwendigkeit des HG sprechen, und ich bin der letzte, der sie leugnet. Aber man trägt da nichts zur Sache bei. Wer glaubt, dem kann durch Apologetik geholfen werden, wer nicht glaubt, dem nicht. Daran ändern auch andere Meinungen nichts.

    Das GRUNDPROBLEM ist ein völlig anderes. Es besteht in der grundsätzlichen Gottesfinsternis und prinzipiellen Verschlossenheit des geistlich toten Menschen. Er hört nichts und versteht nicht. Er weiß noch nicht mal, weshalb du ihn behelligst mit deinen Privatansichten (so empfindet er das).

    Wer sich aber auf Apologetik einlässt, der soll Argumente bekommen! Habe ich mich nicht seit Jahrzehnten immer wieder mit dieser Thematik beschäftigt und sie geliebt? Ja, habe ich. Ich rede aber nicht nur aus meiner eigenen Erfahrung, sondern habe mit vielen Leuten gesprochen, uns deren Erfahrungen sind sehr ähnlich.

  11. »Der Mensch ist im Grunde immer derselbe geblieben …
    Als Jesus vor 2000 Jahren am Kreuz starb, war jeder Mensch ein von Gott geliebter und gesuchter Sünder. Und genau das ist er heute auch noch – ein verlorener, aber von Gott gesuchter und in Jesus geliebter Sünder.
    Darum wollen wir endlich Schluss machen, die Modernität des heutigen Menschen wie eine unüberschreitbare Barriere vor unserem Zeugnis aufzubauen, sonst müssten wir alle zuerst Psychologie, Soziologie und was weiß ich alles
    studieren, ehe wir den Mund für unsere Botschaft auftun könnten.«
    Wilhelm Busch

  12. Niemand missioniert vermutlich mit Apologetik, allerdings ist sie fast immer darin involviert, was ja auch ganz normal ist. Fast jeder Mensch hat Fragen, eigene Vorstellungen und Ansichten die sich entweder nicht mit dem biblischen Zeugnis decken, oder deren biblisches Zeugnis dem Fragenden noch gar nicht bekannt sind. Daran ändert es auch nicht, dass bereits vom Vater zum Sohn gezogen wird.

  13. Schandor meint:

    Dennoch muss der Mensch zuerst ein Bedürfnis spüren, sonst empfindet er es als Zumutung.
    Ist das Bedürfnis da, hat der Mensch Fragen, kann man ihm antworten.
    Der heutige Mensch ist gesättigt mit Milliarden von Aussagen. Unsere ist für ihn nur eine (belanglose) weitere dazu. Ein innerer Filter lenkt es in die Kategorie SmallTalk.
    Die Postmodernität des heutigen Menschen ist eine unüberschreitbare Barriere vor unserem Zeugnis – ich kann es bestätigen.
    Darum ist unser Zeugnis auch kein Unternehmen, das auf Erfolg zu hoffen hat,
    sondern Aufgabe, die nicht nach Erfolg fragt, sondern hofft. Das Gebet geht auch nicht um Bekehrung, sondern um Begnadigung. In letzterem Fall bleibt viel zu hoffen, in ersterem nicht.

  14. Roderich meint:

    @Schandor,
    meine Erfahrung ist nicht, dass die Leute alle „postmodern“ denken. (Jedenfalls nicht, wenn sie einen Fehler auf ihrem Gehaltszettel oder auf der Rechnung im Restaurant entdecken; auch nicht, wenn jemand sie ungerecht behandelt; und auch nicht, wenn sie zum Chirurg oder zur KFZ-Werkstatt gehen: da nehmen die Leute es immer ganz genau).

    Kannst Du mal ein konkretes Beispiel nennen, wie so der Gesprächsverlauf war, als Du das letzte Mal Zeugnis gegeben hast?
    (Evangelisierst Du denn oft, und wenn ja, wie?)

  15. Schandor meint:

    Au weh, mit der Kirche …
    Nein, es kann ja jeder glauben, was er meint.
    Glaube ist Privatsache.
    Naja, es glaubt ja jeder was …
    Ja, das kann man alles nicht so genau wissen …
    Von mir aus kann jeder …
    Wenn man allein bedenkt, was die Kirche …
    .
    .
    .

    Die Leute denken postmodern immer dann, wenn es nicht um die von dir angeführten Dinge geht. Denn glauben kann jeder, was er will.
    Dass es halt ein paar Ausnahmetalente gibt, deren apologetisch-missionale Fähigkeiten offenbar nicht ausreichen, eine kritische Masse zu erzeugen, hilft eben auch nicht weiter.
    In der Apologetik geht es freilich nicht um Evangelisation, sondern darum, gegebenenfalls auf Menschen zu treffen, die gerne wissen möchte, wie ich hoffen könne, was ich hoffe. (Petrusstelle!)
    Ich gebe übrigens nicht Zeugnis (bin ja kein Lehrer), sondern bekenne mich zu etwas oder stelle Fragen.

  16. @Schandor
    Der Postmodernismus (der natürlich niemals konsequent sein kann) ist zweifellos eine der größten und schlimmsten Irrlehren aller Zeiten. Doch gerade, weil immer mehr Menschen diesen gefährlichen Unsinn vertreten, gerade deswegen ist Apologetik umso wichtiger. Apologetik war wahrscheinlich niemals in der Menschheitsgeschichte wichtiger als heute. Es ist unverzichtbar, den postmodernen Menschen deutlich zu machen, wie inkonsequent sie sind.

    Roderich hat doch schon wunderbare Beispiele gebracht mit dem Gehaltszettel oder der Rechnung. Apologetik ist ein geistlicher Kampf! Ist doch klar wie Kloßbrühe, dass es da Widerstand gibt. In manchen Ländern besteht der Widerstand in Gewalt und in unserem Kulturraum besteht er halt in Gleichgültigkeit und Relativismus. Aber der schlimmste Fehler, den wir machen können, ist aufzugeben und zu resignieren. Genau das will der Teufel! Meinst Du ernsthaft, unsere Glaubensgeschwister in den islamischen Ländern sind nicht auch oft entmutigt? Sollten sie deswegen aufhören zu kämpfen? Apologetik ist ein geistlicher und intellektueller Kampf. Wir müssen auch und gerade intellektuell kämpfen. Die Pietisten weigern sich bis heute, diesen Kampf zu führen. Die Folgen sehen wir heute.

  17. Schandor meint:

    Ich habe nie Kapitulation insinuieren wollen, Adler.
    Ja, es gilt zu kämpfen, wenn der Kampf auch aussichtslos ist.
    Meinst du ernsthaft, ich meinte (Konjunktiv I) ernsthaft, unsere Glaubensgeschwister in den islamischen Ländern seien nicht auch oft entmutigt? Willst du mir so einen Gedanken unterschieben? Ernsthaft? Was versuchst du da?
    Was die Pietisten betrifft, hast du wahrscheinlich ins Schwarze getroffen. Aber glaube mir: ich bin alles andere als ein Pietist.
    Es will nur niemand über Apologetik reden. Ich bin geistiger Eremit, auf einem Außenposten. Jedem Christen geht es wie jenem einsamen Tollen Nietzsches, der mit seiner Laterne ––– Menschen sucht.

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