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Die Grenzen der kontextuellen Theologie

Die kontextuelle Theologie akzeptiert sozio-politische, religiöse, ökonomische und kulturelle Bedingtheiten einer Gesellschaft als nicht hintergehbaren Bezugsrahmen ihrer Reflexion. Entsprechend will die radikale Kontextualisierung nicht nur die Anpassung der in jüdisch-hellenistischer Umwelt formulierten christlichen Botschaft an ein neues kulturelles Umfeld, sondern einen Dialog dieser Botschaft mit der Kultur. Der kontextuellen Theologie geht es also um mehr als um ein Verstehen des lebensweltlichen Kontextes, denn der Kontext wird zum Text.

Nach Wilfried Härle überschreitet die kontextuelle Theologie deshalb eine Grenze. Wenn die Kultur neue Inhalte des Glaubens einspeist, wird der Glaube verfremdet (vgl. Dogmatik, S. 182). Allerdings lässt sich dieser Verfremdung meist nicht so ohne weiteres aufdecken. Denn diese Theologien treten, „(sei es aus Überzeugung, sei es aus taktischen Überlegungen) in der Regel mit dem Anspruch auf, nichts anderes als sachgemäße und zeitgemäße Interpretation der christlichen Botschaft für die gegenwärtige Lebenswelt zu sein“ (S. 182).

Härle gibt drei Hinweise im Blick auf Fremdeinspeisung in die Theologie (S. 182):

• Das kann in subtiler Weise schon dort geschehen, wo nur solche Aussagen des christlichen Glaubens zugelassen werden, die sich als Antworten auf Fragen ausweisen lassen, die im jeweiligen lebensweltlichen Kontext tatsächlich gestellt werden.

• In deutlicherer Form geschieht das dort, wo die in der Lebenswelt anerkannten Überzeugungen und Standards den unhinterfragbaren Rahmen abgeben, innerhalb dessen sich die christlichen Glaubensaussagen zu bewegen haben.

• Unübersehbar ist das dort der Fall, wo nur einzelne Elemente des christlichen Glaubens ausgewählt und zugelassen werden, sofern sie sich als Versatzstücke mit einem anderswoher gewonnenen (z. B. faschistischen, marxistischen, humanistischen) Wirklichkeitsverständnis verbinden lassen und dieses komplettieren, verstärken oder illustrieren.

Es lohnt sich, theologische Werke der letzten Jahrzehnte entsprechend dieser Hinweise zu befragen.