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Die Ursachen des geistlichen Niedergangs

Den Geistlichen Niedergang beschreibt der englische Prediger Octavius Winslow (1808–1878) als Schwinden des geistlichen Lebens und der Gnade im Leben eines Gläubigen. Geistliche Regression beginnt latent und oft unbemerkt. Winslow möchte Christen mit seinem Buch Geistlicher Niedergang dabei helfen, Nachlässigkeiten rechtzeitig zu erkennen. Ein typisches Kennzeichen für die Schwächung der geistlichen Kraft ist für ihn ein entschwundenes Gebetsleben (S. 103–104):

 Was hat Ihr Auge getrübt, Ihre Hand gelähmt und Ihren Wandel im Glauben geschwächt? Vielleicht Wochen und Monate ohne Gemeinschaft mit Gott gelebt. Es gab kein beständiges und kostbares Aufsuchen Ihres Kämmerleins, kein Ringen mit Gott, keine Verbundenheit mit Ihrem Vater. Verwundern Sie sich nicht, Geliebter, dass Ihr Glaube verschmachtet, erschlafft und verwelkt. Das größere Wunder ist, dass Sie überhaupt Glauben haben, dass er nicht völlig tot ist, ausgerissen mitsamt der Wurzel! Und gäbe es nicht die mächtige Kraft Gottes und die unaufhörliche Fürsprache von Jesus zu seiner rechten Hand, hätte er seit langem aufgehört, zu existieren. Doch was wird ihn erwecken? Eine unverzügliche Rückkehr zum Gebet! Suchen Sie neu Ihr Kämmerlein auf, richten Sie den zerstörten Altar wieder her. Zünden Sie das erloschene Feuer wieder an. Suchen Sie Ihren Gott, den Sie verlassen haben. Oh, wie kann bei der Vernachlässigung des täglichen, alleinigen und ringenden Gebets vor Gott Glaube erweckt werden und wachsen? Der ewige Geist, der Ihnen dies aufs Herz gelegt, Ihnen Ihr furchtbares Versäumnis gezeigt und Ihnen neu den Geist der Gnade und des Gebets eingehaucht hat, wird einen neuen und gesegneten Anstoß zum Glauben gewähren.

Der Leser muss bei dieser Art Literatur natürlich aufpassen. So manchen kann diese Form der andächtigen Lektüre zu einer übertriebenen Selbstbeobachtung anleiten, die dem geistlichen Wachstum eher im Weg steht. Wer jedoch lauwarm geworden ist, bekommt mit dem Buch Geistlicher Niedergang ziemlich schonungslos den Spiegel vorgehalten.

Winslow zeigt auch einen Weg heraus. Wer spürt, dass sich Nachlässigkeit im Glauben eingeschlichen hat, finden bei Jesus Christus Zuflucht und Hilfe. Der Prediger schreibt: „Oh, gesegnete Tür der Umkehr, offen und niemals geschlossen für den, der von Gott abgewichen ist! Wie herrlich, wie frei, wie zugänglich! Hierher kann der Sündige, der Schändliche, der Schuldige, der Unwürdige, der Arme, der Mittellose kommen. Hierhin kann auch der beladene Geist seine Last, der gebrochene Geist seinen Kummer, der schuldige Geist seine Sünde und der abtrünnige Geist sein Abweichen bringen. Alle sind hier willkommen.“