Die Zeit ist kurz

Dietrich Bonhoeffer (Nachfolge, 2013, S. 209):

Die Zeit ist kurz. Die Ewigkeit ist lang. Es ist Entscheidungszeit. Wer hier am Wort und am Bekenntnis bleibt, bei dem wird in der Stunde des Gerichts Jesus Christus stehen. Er wird ihn kennen und sich zu ihm stellen, wenn der Verkläger sein Recht fordern wird. Alle Welt wird Zeuge sein, wenn Jesus unsern Namen nennen wird vor seinem himmlischen Vater. Wer sich im Leben zu Jesus gehalten hat, zu dem wird sich Jesus in der Ewigkeit halten. Wer sich aber dieses Herrn und dieses Namens schämt, wer ihn verleugnet, dessen wird sich auch Jesus in der Ewigkeit schämen, den wird er verleugnen.

Diese letzte Scheidung muß schon auf Erden anheben. Der Friede Jesu Christi ist das Kreuz. Das Kreuz aber ist Gottes Schwert auf dieser Erde. Es schafft Entzweiung. Der Sohn gegen den Vater, die Tochter gegen die Mutter, die Hausgenossen gegen den Hausvater, und das alles um des Reiches Gottes und seines Friedens willen, das ist Christi Werk auf Erden! Ist es verwunderlich, daß die Welt ihn, der die Liebe Gottes den Menschen brachte, des Menschenhasses schuldig spricht? Wer darf denn über Vater- und Mutterliebe, über die Liebe zum Sohn und zur Tochter so sprechen, wenn nicht entweder der Zerstörer alles Lebens oder aber der Schöpfer eines neuen Lebens? Wer kann die Liebe und das Opfer der Menschen so für sich allein in Anspruch nehmen, als der Menschenfeind oder aber der Menschenheiland? Wer wird das Schwert in die Häuser tragen als der Teufel oder Christus, der Friedefürst? Gottes Liebe zum Menschen und der Menschen Liebe zu ihrem eigenen Geschlecht sind gar zu verschieden. Gottes Liebe zum Menschen heißt Kreuz und Nachfolge, aber eben darin Leben und Auferstehung. „Wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden“. In dieser Zusage spricht der, der die Macht hat über den Tod, der Sohn Gottes, der zum Kreuz und zur Auferstehung geht und die Seinen mitnimmt.

Nachfolge: Kart. Ausgabe der Dietrich Bonhoeffer Werke, Band 4 von Dietrich Bonhoeffer

Preis: EUR 19,95

41 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 15,26

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Wer kann dann noch selig werden?
    Wer spricht sich dann noch Heilsgewissheit zu?
    Wer?
    Wer hat den Mut zu sagen: Ich habe mich zu ihm bekannt?
    Wer hat den Mut zu sagen: Ich habe ihn bekannt?
    Wer wird sagen dürfen: Ich habe ihn bekannt gemacht?
    Woher kommt uns Erlösung?

  2. Leider haben nicht alle den Mut ihr physisches Leben zu opfern.
    Lediglich fundament. Moslems erwarten ja die Jungfrauen im Himmel und sterben frohen Mutes.

  3. Theophil Isegrim meint:

    In zwei relativ kurzen Absätzen so viel ausgedrückt!

    „Ist es verwunderlich, daß die Welt ihn, der die Liebe Gottes den Menschen brachte, des Menschenhasses schuldig spricht?“

    Wer es wagt gegen Abtreibung und Homo-Ehe etc. zu widersprechen, dem wird Lieblosigkeit unterstellt.
    Wer es wagt, Christus und sein Erlösungswerk durch Glaube zu verkünden, der grenzt andere nur ab und er ist, selbstverständlich, lieblos.

    Was Bonhoeffer so abstrakt beschreibt, können wir mit unzähligen Beispielen ausmalen. Ich bin etwas verwundert, daß ich ihn so schnell verstehe, was er meint, ob wohl er in einer vollkommen anderen Zeit lebte. Die Feindschaft bleibt immer, sie hat wohl nur andere Gesichter.

  4. Bonhoeffer schrieb die „Nachfolge“ unter dem Eindruck der Sprach- und Gedankenlosigkeit der damaligen Christen im Blick auf die unsäglichen Geschehnisse im Dritten Reich. Er war sich der Radikalität (@schandor: und auch der Missverständlichkeit) des von ihm Geschriebenen durchaus bewusst. Aber es braucht manchmal sehr deutliche Worte, um aus dem Schlaf zu reißen.

    Vielleicht können wir deshalb seine Worte heute wieder so gut verstehen (hoffentlich?).

  5. Eine der Ursachen ist sicherlich die, dass die Schrift nicht mehr in ihrer Gesamtheit gesehen wird. Gott ist die Liebe, aber auch heilig. Uns sind große Dinge als seine Kinder verheissen, aber auch Leiden. Wir sind Erben, aber auch wie Sklaven, die ihre Plicht tun. Dabei ist die Gefahr immer da, auf eine der beiden Seiten vom Pferd zu fallen. Die einen meinen, dass alles toleriert und akzeptiert werden muß aus dem Liebesgebot heraus. Die anderen verfallen in Gesetzlichkeit. Wobei die Tendenz heute mehr auf dem ersten liegt.
    Es geht nur so, dass wir versuchen nahe an der Schrift zu bleiben. Herausforderung ist, wie wir die Haltung aus der Abhängigkeit von Jesus zu leben in ein postmodernes Umfeld hinein glaubhaft zeigen können.

  6. @ Matze: Danke. Besser kann man die Dinge nicht auf den Punkt bringen.

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