Fake News in den Wissenschaften

James Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose haben sich den Spass erlaubt, bei angesehenen Wissenschaftsjournalen Aufsätze mit völlig unsinnigen Thesen einzureichen. So behaupten die Autoren etwa in einem Forschungsprojekt, dass es in Hundeparks besonders oft zu sexuellen Übergriffen zwischen Hunden komme. Der eigene anthropozentrische Erkenntnishorizont habe es zunächst erschwert, diese Übergriffe zu identifizieren. Letztlich sei es aber gelungen, zu zeigen, dass diese Parks eine Vergewaltigungskultur fördern. Etliche der eingereichten Projekte wurden akzeptiert und in den Fachzeitschriften veröffentlicht.

Die drei eher linkslastigen Akademiker wollten mit dem Experiment zeigen, dass die Wissenschaften rund um Feminismus, Rassismus, Sexualität, Gender oder die Kulturwissenschaften besonders leicht korrumpiert werden können. Es reiche dafür aus, gewisse (postmoderne) Erwartungshaltungen zu bedienen. Setzten sich Autoren beispielsweise für Frauen- oder Minderheitenrechte ein, stiegen die Chancen auf Veröffentlichung. Ergebnisse, die hingegen diesen Erwartungen nicht entsprechen, würden herausgefiltert. Mit Wissenschaft habe das wenig zu tun. Doch so ein korrupter Forschungsbetrieb, der von den Medien auch noch dankbar aufgenommen und popularisiert würde, entwickle eine starke politische und kulturelle Prägekraft.

Die publizierten Aufsätze gibt es mit weiteren Hintergrundinformation hier. WJS hat über das Experiment berichtet. Siehe zum Thema auch den Beitrag „Evidenzparadogma“.

Und nun unbedingt dieses lustige Video genießen:

Kommentare

  1. Roderich meint:

    Super Aktion!
    Aber leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Man muss leider konstatieren: Durch diese postmoderne und feministische Dominanz in den Sozialwissenschaften zerstört sich die USA selber (oder allgemein: die westliche Welt zerstört sich selber), und man kann dabei zuschauen.

    Denn es gibt keine angemessene Gegenbewegung, die auf gleichem Level der Theorie dagegenwirkt.

    Peter Boghossian (der grauhaarige Herr von den Dreien) ist übrigens einer der radikalsten „Neuen Atheisten“ überhaupt, Autor von „A Manual for Creating Atheists“ und Initiator der atheistischen Straßeneinsätze, die unter dem Stichwort „Street Epistemology“ laufen. – Insofern steht er jedenfalls nicht unter dem Verdacht, nur aus religiösen Gründen gegen postmodernen Feminismus zu sein.

  2. Roderich meint:

    Au weia…:

    „Afilia, a peer-reviewed feminist journal, accepted one of their papers, “Our Struggle Is My Struggle: Solidarity Feminism as an Intersectional Reply to Neoliberal and Choice Feminism,” which is a rewrite of one chapter of “Mein Kampf.”“

    https://www.nationalreview.com/news/academics-expose-grievance-studies-field-by-submitting-hoax-papers-to-journals/

  3. Ron Hongsermeier meint:

    Danke, Ron!

    Ich hab ein über die letzten Wochen etwas davon mitbekommen, aber noch nicht bis gestern abends etwas Ausführliches. Ben Shapiro hat auf die Daily Wire Show so einen Lachanfall bekommen, daß er beinahe vollständig die Kontrolle über sich vorlöre.

  4. Stephan meint:

    Eigentlich müßte jeder einen Lachanfall bekommen. Und danach müßte einem das Lachen im Halse stecken bleiben. Denn all diese Papiere sind durch Peerreviews gegangen und da erfolgreich durchgekommen. Und würden wahrscheinlich weiterhin von der Zielgruppe derartiger Publikationen ernst genommen, wenn die Verfasser das nicht selbst entlarvt hätten.
    Das zeigt mehrere Dinge:
    – die meisten Leute (auch oder gerade aus der Wissenschaft) trauen sich nicht mehr, feministische Papiere / Gender“forschung“ als den Unsinn zu entlarven, der sie tatsächlich sind. Die drei Hauptakteure dieses Hoax gehen laut anderen Quellen davon aus, dass ihre wissenschaftliche Karriere nunmehr beendet ist – der Gendermob wird über sie herfallen.
    – man kann nach ähnlichen Fällen googeln wie den jüngsten Vorgängen am CERN, bei denen ein Wissenschaftler anhand von Zahlen und Fakten nachgewiesen hat, dass Frauenförderung in den Wissenschaften Geldverbrennung ist.
    – wer heute nicht ideologisch feministisch / genderistisch verseucht ist, bekommt man schnell den „Kachelmann“ gemacht, wenn sich eine Frau überlegt, vor 40 Jahren mal angeblich sexuell belästigt worden zu sein. Außerdem ist es im Rahmen von #metoo ein gesellschaftliches Muss, mal irgendwie belästigt worden zu sein, aber nicht durch Hinterherpfeifen eines Bauarbeiters auf der Straße, es muss schon ein Politiker, Manager oder irgendeine andere standesgemäße Person, zumindest Akademiker, sein.
    – Wer sich mit Opensource-Software beschäftigt, stellt eine Korrelation zwischen Eingehen des Projektes und der Einführung des CoC (Code of Conduct) fest. Leute, deren Gelderwerb ausschließlich darin besteht, sich ständig diskriminiert zu fühlen, und die sonst nichts auf die Reihe bekommen, entern Projekte (oder die Piratenpartei) und spielen sich als Hüter der Moral und des anständigen Umgangs auf und vertreiben damit gute Programmierer, die sich aus Effizienzgründen nunmal gegenseitig anders fachlich beharken als es die schneeflockige Jugend noch ertragen kann. Über ein so elementar wichtiges Projekt wie den Linuxkernel machen sich nun die SJWler her …

    Und denken wir mal weiter und rechnen uns den Gegenwind aus, wenn man diesen Menschen erzählt, dass sie Jesus brauchen, weil ansonsten nur das Gericht auf sie wartet.

  5. Florian meint:

    Ich finde diese Aktion überhaupt nicht super. Es ist nicht so schwer mit erfundenen Ergebnissen peer-reviewed Journale zu täuschen. Und wenn das Thema brisant ist, fällt dies umso leichter. Wenn man ein Journal nicht mehr seriös findet, dann sollte man es nicht mehr lesen – und nicht mehr zitieren.

  6. Roderich meint:

    Florian, nicht so humorlos. Warum ist es denn so einfach, diese speziellen Journale zu täuschen? Weil sie ihren „review“-Job einfach nicht ernstnehmen und das Prädikatsurteil „peer-reviewed“ nicht verdienen; weil sie nicht auf Basis von Qualität entscheiden, was abgedruckt wird, sondern von „richtiger Meinung“.

  7. Stephan Wiilk meint:

    Florian, schau Dir mal die eingereichten Themen an. Dass da Stuss eingereicht worden ist, sieht jeder Menschen mit etwas Lebenserfahrung. Der „Erfolg“ der gefakten Publikationen stellte sich deshalb ein, weil Ideologie höher bewertet wird als Fakten und gesunder Menschenverstand. Passt ein Papier in den ideologischen Kram, dann wird es akzeptiert, egal wie widersprüchlich, unlogisch, oder beknackt die Inhalte auch sein mögen. Die Bibel sagt sinngemäß dazu, dass die Leute sich Lehrer suchen, nach deren Worten ihnen die Ohren jucken.
    Peer Review heißt, dass Wissenschaftler nachprüfen, im Idealfall Ergebnisse überprüfen. Bei dem Blödsinn, den die Geisteswissenschaften und in Deutschland die mehr als 200 Lehrstühle für Gender Studies an Papier erzeugen, wird nichts mehr geprüft. Das hat alles mit Wissenschaft nichts mehr zu tun, sondern mit dem Abgreifen von Professuren und Geldern, die der Steuerzahler erwirtschaften muss.
    Und wenn es Deiner Ansicht nach nicht so schwer ist, mit erfundenen Ergebnissen ein Journal zu täuschen, dann verfass einfach mal eine Abhandlung über die Stringtheorie und versuche die in eine Zeitschrift zu bekommen.

  8. Roderich meint:

    Hier noch ein ausführlicherer Hintergrundbericht zu dem Projekt von den drei Autoren:

    https://areomagazine.com/2018/10/02/academic-grievance-studies-and-the-corruption-of-scholarship/

  9. Roderich meint:

    Dieser Twitter-thread ist auch sehr lohnend:
    https://twitter.com/RealPeerReview

Ihre Meinung ist uns wichtig

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.