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Gott ist nicht einfach die Liebe

Emil Brunner schreibt in seinem Werk Der Mittler über die Liebe Gottes (Tübingen: Mohr Siebeck, 1927):

Gott ist nicht einfach die Liebe. Gottes Wesen soll nicht mit einem einzigen Wort ausgesagt werden können. Der Vater geht nicht in den Sohn über, wie das Vorläufige in das Definitive übergeht. Der dunkle Hintergrund hinter der Gestalt des Sohnes darf nicht verschwinden, sonst verfallen wir im Glauben einer falschen Sicherheit. Aus der certitudo wird die securitas. Wir sollen es als das große unergründliche Wollen Gottes und niemals als Selbstverständlichkeit wissen, daß Gott die Liebe ist. Gott liebt wen er lieben will. Von seiner Liebe wissen, heißt sich erwählt wissen. Gott hört auch in der Liebe nicht auf, der freie Herr zu sein. Daß wir hier nicht an die Stelle der Bewegung den Ruhezustand, das platte, selbstverständliche Sosein setzen, das ist das andere entscheidend wichtige Anliegen, das die Trinitätslehre zum Ausdruck bringt. Gott ist der Vater und der Sohn. Wir sollen an Gott als die Liebe glauben, das heißt, wir sollen die Einheit in der Zweiheit, als die im Glauben stets neu zu überwindende Zweiheit haben. Gott ist nicht einfach die Liebe, er bestimmt sich als Liebe. Liebe ist sein Wille, nicht seine Natur, ob auch sein ewiger Wille. Als seine Natur aber müssen wir, auch in Christus, seine majestätische Souveränität und Heiligkeit verehren. Dieses Doppelte muß in der Bewegung bleiben: Gott ist die Liebe; aber auch: Gott ist die Liebe.