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Gott ohne Leidenschaften

Klassische Bekenntnisse beschreiben Gott als leidenschaftslos, was mit der Unveränderlichkeit Gottes zusammenhängt. So sagt etwa das Westminster Bekenntnis in Artikel 2.1:

Es ist nur ein einziger, lebendiger und wahrer Gott, der unendlich in Wesen und Vollkommenheit ist, ganz reiner Geist, unsichtbare, ohne Körper, Körperteile und Leidenschaften … [engl. without passions]

Viele moderne Theologen behaupten, dass die traditionelle Sichtweise der göttlichen Unveränderlichkeit durch die griechische Philosophie inspiriert worden und somit vom Zeugnis der Schrift über den wahren Gott abgewichen sei. Craig A. Carter etwa, stand lange unter dem Einfluss von Karl Barth, John Howard Yoder, Mirosalav Volf oder Stanley Grenz (und damit auch unter dem Einfluss von Jürgen Moltmann). In der Gotteslehre der Revisionisten wird (grob gesprochen) die Beziehung als grundlegend für die Natur Gottes als Dreieinigkeit angesehen, indem die drei Personen als Einzelpersonen mit eigenem Willen betrachtet werden, die wie eine Familie zusammenarbeiten.

Als Carter begann, die Kirchväter gründlich zu studieren, führte das zu der für ihn überraschenden Einsicht, dass der klassische Theismus den Schriftbefund deutlich klarer repräsentiert als die Gotteslehre der Revisionisten.

In dem Buch, das ich gerade beende, verteidige ich den klassischen Theismus als die wahre Lehre der Schrift. Ich versuche, ebenfalls zu erklären, warum die Theologie des 20. Jahrhunderts dies nicht tat. Ich glaube, es hat mit einem massiven Wandel der Metaphysik in der Moderne zu tun, von der theologischen Metaphysik, die durch die nizänische Lehre Gottes hervorgerufen wurde, hin zu einer neo-paganen Metaphysik des philosophischen Naturalismus, die die Moderne dominierte. Der heute so verbreitete neue Soziale Trinitarismus und Relationale Theismus ist ein Versuch, die christliche Gotteslehre so zu revidieren, dass sie in die naturalistische Metaphysik passt, die in der Spätmoderne nach Kant und Hegel weit ausgebreitet hat.

Als ich über dieses Problem nachdachte, kam ich zu dem Schluss, dass die Revisionisten des zwanzigsten Jahrhunderts, die den klassischen Theismus einer solchen vernichtenden Kritik unterwarfen, selbst in fragwürdige, modernistische, metaphysische Annahmen verwickelt waren und Gefahr liefen, den Kontakt zur orthodoxen Tradition und den biblischen Wurzeln dieser Tradition zu verlieren. Es war ziemlich ironisch, denn der typische Zug der Revisionisten war, die Schrift zu benutzen, um die Tradition zu widerlegen und zu revidieren. Aber es begann für mich so auszusehen, als ob die moderne Hermeneutik von bestimmten philosophischen Annahmen gesteuert würde, die sich aus der postkantischen und hegelschen Metaphysik ableiten. Die Revisionisten befürworteten die „Hellenisierungsarbeit“, wonach die Kirchenväter in die Falle traten, die griechische Philosophie in die Schrift hinein zu lesen und damit den „reinen“ hebräischen Gedanken der Bibel zu verfälschen. Aber es scheint mir, dass die modernen Kritiker selbst die kantische und hegelsche Metaphysik benutzten, um die Bibel weitaus mehr zu interpretieren, als die Väter den Gedanken an Platon und Aristoteles dafür genutzt hatten.

Wir dürfen auf das Buch von Carter sehr gespannt sein. Sein vollständiger Artikel und viele andere hilfreiche Beiträge über die Leidenschaftslosigkeit Gottes sind in der aktuellen Ausgabe des Magazins CREDO zu finden: credomag.com.