Hunderte Missbrauchsvorwürfe gegen Baptistenverband

Amerikanische Zeitungen berichten über Hunderte sexuelle Missbrauchsvorwürfe gegen den Baptistenverband. Der Präsident der Kommission für Ethik und Religionsfreiheit im Baptistenverband, Russell Moore, lobte die Enthüllungsartikel. Zurecht. Missbrauch gibt es nämlich auch in Freikirchen. Die FAZ schreibt:

In den vergangenen zwei Jahrzehnten seien 380 Pastoren und Kirchenhelfer beschuldigt worden, hieß es in den Zeitungsberichten. Die Vorwürfe gelten als glaubwürdig. Rund 200 Beschuldigte wurden den Angaben zufolge bereits verurteilt. Die Zeitungen sprachen von insgesamt 700 Missbrauchsopfern. Die Zeitungen berichteten zudem über zahlreiche Vorfälle, bei denen Verantwortliche in der Kirche Vorwürfe nicht ernst genommen und Beschuldigte gedeckt hätten.

Die Analyse von Al Mohler trifft den Nagel auf den Kopf. Ich hoffe, dass auch Gemeinden in Deutschland sich den Appell zu Herzen nehmen:

Unsere erste Sorge muss den Opfern gelten. Die dunkle Realität dieser Art von Missbrauch führt viele Opfer dazu, ihr Trauma zu verbergen – sie sitzen still in ihren Bänken, während ihre Täter öffentlich Gottes Wort predigen. Südliche Baptisten, ja alle Konfessionen, müssen sicherstellen, dass konfessionelle Strukturen und Politiken sichere Orte fördern, an denen die Opfer ihren Missbrauch bekannt machen können. Wenn dies nicht geschieht, wird nicht nur grobe Ungerechtigkeit für die Missbrauchten begangen, sondern es wird auch ein Umfeld geschaffen, in dem Missbraucher ihre sexuellen Gewaltakte in anderen unschuldigen Leben fortsetzen können. Wenn die Kirchen vor dieser dringenden Verantwortung kapitulieren, sind sie schuldig, den Kreislauf des Missbrauchs zu tolerieren, der die Kirchen Jesu Christi empört.

Dieser Bericht wirft eine Vielzahl von Fragen auf. Eine drängende Frage konzentriert sich auf das Versagen der südlichen Baptisten, die volle, ungemilderte Grausamkeit des sexuellen Missbrauchs zu sehen. Warum ist es nicht gelungen, die Auswirkungen dieses räuberischen Verhaltens zu erkennen? Die Schrift ist klar, dass ein solches Verhalten in keiner Weise das Volk Jesu Christi kennzeichnet.

Kommentare

  1. @ Ron:
    schlimm dass dies gerade bei den südlichen Baptisten passiert, aber ich denke dass Al Mohler den Nagel nicht auf den Kopf trifft
    Denn: Es muß doch nicht in erster Linie darum gehen, dass dem Mißbrauchten geholfen wird, sondern dass kein Mißbrauch geschieht und wenn dies dann doch geschieht, in der Ortsgemeinde schnell für Klärung gesorgt wird
    Um dies zu erreichen gehört aus meiner Sicht u.a.
    – klare Theologie: Diese muß beinhalten eine klare Lehre zur Sünde (kein Bagatellisieren), zur Sexualität, Ehe und alles rund um Gemeindezucht ( + wie ist in der Gemeinde bei Mißständen vorzugehen und zu diesen Regeln müssen sich die Ältesten klar bekennen und darunter stellen. Dazu gehört aber natürlich auch, dass die Gemeindeglieder damit genauso entsprechend der Schrift umgehen).
    – Älteste: Es darf keinen Leiter geben, der sich als nicht angreifbar bezeichnet sondern es sollte an der Spitze jeweils ein Gremium geben, wo die Einzelnen in gegenseitiger Verantwortung stehen („bekennet einander eure Sünden“ muß bei den Leitern beginnen)
    – Was nützt ein Gremium wie bei der EAD, das nachweislich so gut wie keine Wirkung entfaltet. (https://www.deutschlandfunk.de/geistlicher-missbrauch-keine-widerrede-erlaubt.886.de.html?dram:article_id=420859) Auch das aktuelle Beispiel beim Gospel Forum Stuttgart, wo es ja nicht um sexuellen Mißbrauch geht zeigt doch überdeutlich, was passieren kann, wenn die beiden ersten von mir genannten Punkte nicht beachtet werden. Eine der besten Aussagen dazu in der letzten Zeit ist von Ulrich Parzany aus idea online von vorgestern: „Im evangelikalen Milieu, wo man intensiv Verbindlichkeit zu leben versuche, gebe es allerdings auch „unsäglichen Machtmissbrauch“, bis hin zum sexuellen Missbrauch. Viele hätten „die Schnauze voll vom Gemeindeleben, weil sie Gemeindezucht in Form von Machtausübung erlebt haben“.“, wo er mir voll aus der Seele spricht
    Es hilft nur eines: Wo noch nicht passiert ein eindeutiger Paradigmenwechsel zurück zum Wort

  2. @Matze: Danke. Ja, diese Transparenz in der Ortsgemeinde ist wichtig und giftige Machstrukturen ein wichtiges Thema. Aber darüber hinaus braucht es viel Prävention und Prozeduren, die im Fall von Straftaten die Behörden mit einschließen. Täter haben ja keine Probleme, von einer Gemeinde in eine andere zu ziehen, wenn es keine Schutzkonzepte gibt.

    Mohler schreibt etwa:

    Dieser Bericht aus dem Houston Chronicle vergrößert jedoch die Notwendigkeit eines Mechanismus, der verurteilte und dokumentierte Sexualstraftäter identifiziert, die für Führungspositionen innerhalb der Kirchen in Frage kommen. Grundlegende Werkzeuge wie Background Checks und Sex-Offender-Registrierungen sind bereits vorhanden. Wehe der Gemeinde, dem Dienst oder dem Arbeitgeber, die jetzt nicht handelt und handelt. Der Bericht enthält überwältigende Beweise: Viele Kirchen des SBV sind gescheitert und seine Leiter müssen eine Strategie zur Umkehrung der Missbrauchswellen in unseren Kirchen verabschieden

    Liebe Grüße, Ron

  3. Lieber Ron
    vielen Dank. Matth 5,25 habe ich bis jetzt immer so verstanden, wenn man diesen Vers weiter fasst, dass wir unter Christen selbst im Geist Christi unsere Herausforderungen lösen und es die staatliche Gewalt nicht braucht, weil die Furcht des Geistes und prägt.
    Für mich ist das ein geistlicher Offenbarungseid, bin ich leichtgläubig oder läuft es in Europa ähnlich und ich kriege es nur nicht mit?

    Viele Grüße Matze

  4. Eine hervorragende Doku von katholischer Seite, die aufzeigt, dass die Hauptschwierigkeit die Machtfülle ist, die einzelne Personen in einer Organisation haben: https://www.youtube.com/watch?v=PfF_ArkQzFY

  5. @Matze: Danke!

    Sexueller Missbrauch ist ja auch ein Verstoß gegen das Strafrecht. Insofern sollte man sich nicht so einfach auf interne Gerichtsbarkeit zurückziehen, auch wenn keine Anzeigepflicht besteht. Es geht hier besonders um Opferschutz. Das Opfer bzw. die Eltern entscheiden. Jedenfalls sollte eine weltliche Bestrafung erwogen werden, wenn die Beweislage und der Wille der Betroffenen da zulässt.

    Wichtig ist zudem, dass es viele Wiederholungstäter gibt, die nur dann zu stoppen sind, wenn Transparenz und Schutz gewährleistet sind.

    Liebe Grüße, Ron

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