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„In Cafés sitzen keine Frauen mehr“

Michaela Wiegel hat für die FAS mit der französischen Philosophin Elisabeth Badinter und der deutschen Journalistin Alice Schwarzer über Antisemitismus und Islamismus in Frankreich gesprochen (FAZ vom 10.12.2017, Nr. 49, S. 5). Beide Frauen zählen zur linken feministischen Szene. Einige Antworten sind bemerkenswert und sollten die Politiker in der EU alarmieren. Auszüge:

Elisabeth Badinter: Es gibt heute in Frankreich keine andere Bevölkerungsgruppe, die wie die Juden ausschließlich aufgrund ihrer Religion schikaniert, gefoltert und sogar getötet wird. Diese Straftaten wer- den immer von Personen mit muslimischem Einwanderungshintergrund begangen, die sich dem Islamismus verschrieben haben.

Badinter: Seit viele sozial benachteiligte Familien unter dem Einfluss der Salafisten oder der Muslimbruderschaft stehen, wiegt das Wort der Imame schwerer als das der Lehrer. In zahlreichen Klassenzimmern in den Vorstädten kann die Geschichte des Holocausts nicht mehr unterrichtet werden, so stark ist die Ablehnung der Schüler. Das Wort des Lehrers gilt als Ausdruck der dominanten Mehrheitsgesellschaft, von der sich manche Schüler ausgegrenzt fühlen.

Schwarzer: Die Herausforderung liegt darin, die Probleme nicht zu leugnen. Deutschland hat eine massive Zuwande- rung von jungen Männern erlebt, die aus Ländern kommen, in denen Frauen völlig rechtlos sind, die tief patriarchale Traditionen haben und außerdem seit Jahren einer radikalislamischen Propa- ganda ausgesetzt sind. In ihrem Gepäck bringen sie, wie es der algerische Schrift- steller Kamel Daoud so treffend gesagt hat, all dies mit zu uns.

Badinter: Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Noch vor fünf Jahren konnte ich mich in Aubervilliers oder La Courneuve als Frau unbesorgt in ein Straßencafé setzen. Das ist vorbei. In den Cafés sitzen einfach keine Frauen mehr.

Hier online: www.faz.net.