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Jesus als Schlüssel zur Freiheit

John Stott schreibt in einem Buch Die große Einladung über die Freiheit (Brunnen, 2004, S. 84–86):

Ich habe festgestellt, dass Jesus Christus der Schlüssel zur Freiheit ist. Und das ist der fünfte Grund, weshalb ich Christ bin. Viele Menschen sind regelrecht getrieben von der Suche nach Freiheit. Bei den einen geht es um die nationale Freiheit, um die Emanzipation von einem kolonialen oder neokolonialen Joch. Für andere ist es die bürgerliche Freiheit, die Freiheit von Armut, Hunger und Arbeitslosigkeit. Doch für uns alle kennzeichnend ist vor allem die Suche nach persönlicher Freiheit. Selbst diejenigen, die am entschiedensten für jene anderen Freiheiten kämpfen, wissen oft, dass sie persönlich nicht frei sind. Sie fühlen sich frustriert, unausgefüllt und unfrei. John Fowles, der gefeierte britische Romanautor, wurde einmal gefragt, ob es in seinen Büchern ein besonderes Thema gebe. «Ja», erwiderte er, «Freiheit. Wie man Freiheit erlangt. Das beschäftigt mich. Davon handeln alle meine Bücher.»

Und Freiheit ist ein großartiges christliches Wort. Jesus Christus wird im Neuen Testament als der große Befreier der Welt gerühmt. Er sagte: «Ich rufe Freiheit aus für die Gefangenen» (Lukas 4,18), und fügte später hinzu: «Wenn euch also der Sohn Gottes befreit, dann seid ihr wirklich frei» (Johannes 8,36). Ähnlich schrieb der Apostel Paulus: «Durch Christus sind wir frei geworden, damit wir als Befreite leben» (Galater 5,1).

Im Grunde ist «Freiheit» lediglich ein moderneres Wort für «Erlösung». Durch Jesus Christus erlöst zu sein, heißt nichts anderes, als befreit zu sein. Wenn man allerdings in einem Gespräch das Wort «Erlösung» fallen lässt, wird es manch einem schlichtweg peinlich, und er wechselt schnell das Thema. Andere reagieren gelangweilt. Sie gähnen, statt rot zu werden. Für sie gehören Ausdrücke wie «Sünde» und «Erlösung» zu einem religiösen Wortschatz, der ihrer Meinung nach heute antiquiert und überholt ist. Vielleicht fragt sich manch einer aber auch verwirrt, was denn um alles in der Welt wohl unter «Erlösung» zu verstehen ist. Bei «Freiheit» sind hingegen alle sofort und mit ganzem Interesse bei der Sache.

Es gibt eine schöne Geschichte über B. F. Westcott, einen angesehenen Professor für Neues Testament an der Universität Cambridge. Er war ab 1890 Bischof von Durham und wurde eines Tages im Bus von einer jungen Soldatin der Heilsarmee angesprochen. Ohne sich von den Gamaschen Seiner Exzellenz (wie sie die Bischöfe damals noch trugen!) abschrecken zu lassen, fragte sie ihn ungeniert, ob er erlöst sei. Mit einem Augenzwinkern antwortete der Bischof: «Nun, meine Liebe, das kommt darauf an, was Sie meinen. Meinen Sie sōzomenos oder sesōsmenos oder sōthesomenos?» (Das sind Gegenwarts-, Vergangenheits- und Zukunftsform des griechischen Verbs sōzō – «retten, erlösen».)

Meine Hoffnung ist, dass ich Sie mit diesem Kapitel weder in Verlegenheit bringe noch langweile, noch verwirre. Ich wünschte, wir könnten dieses herrliche Wort «Erlösung» wiedergewinnen und ihm seinen Platz zurückgeben; denn es ist ein zentraler biblischer Begriff (wir können ihn nicht einfach über Bord werfen) und ein umfassender Ausdruck (er beinhaltet die ganze Absicht Gottes). Der Apostel Paulus bekannte: «Ich schäme mich nicht für die rettende Botschaft. Sie ist eine Kraft Gottes, die alle befreit [erlöst/rettet], die darauf vertrauen; zuerst die Juden, aber auch alle anderen Menschen» (Römer 1,16).

Ich erinnere mich noch gut, wie ich als frisch gebackener Christ diesen Vers vorgelesen bekam und man mir die so genannten «drei Zeitformen der Erlösung» erklärte.

Das hörte sich so an:

Erstens bin ich in der Vergangenheit erlöst (oder befreit) worden von der Strafe der Sünde durch den gekreuzigten Erlöser.

Zweitens werde ich in der Gegenwart erlöst (oder befreit) von der Macht der Sünde durch den lebendigen Erlöser.

Drittens werde ich in der Zukunft erlöst (oder befreit) werden von der Gegenwart der Sünde durch den kommenden Erlöser.