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	Kommentare zu: Jürgen Habermas’ Warnung vor Verflachung der christlichen Glaubensgehalte zieht Kreise	</title>
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	<description>Die Welt sehen – aus einer reformatorischen Perspektive</description>
	<lastBuildDate>Mon, 08 Jun 2026 09:16:10 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Tanja Frei		</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Tanja Frei]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jun 2026 09:16:10 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Manchmal ist es ausgerechnet der Blick von außen, der einen daran erinnert, was im Innersten verloren zu gehen droht. Habermas ist kein Kirchenvater und kein Prediger – gerade deshalb wiegt seine Beobachtung schwer. Wenn christliche Hoffnung nur noch als freundlicher Optimismus, als gesellschaftlicher Zusammenhalt oder als moralische Ermutigung verstanden wird, wird sie zwar leichter anschlussfähig, aber auch dünner.
Denn christliche Hoffnung ist nicht einfach das Gefühl, dass am Ende „alles irgendwie gut“ wird. Sie hat einen Namen. Sie hat eine Geschichte. Sie hat ein Kreuz, ein leeres Grab und eine Verheißung. Sie spricht nicht nur von besseren Verhältnissen, sondern von Erlösung. Nicht nur von Trost, sondern von Auferstehung. Nicht nur von Menschlichkeit, sondern von Gott, der handelt.

Liebe Grüße,
Taja]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal ist es ausgerechnet der Blick von außen, der einen daran erinnert, was im Innersten verloren zu gehen droht. Habermas ist kein Kirchenvater und kein Prediger – gerade deshalb wiegt seine Beobachtung schwer. Wenn christliche Hoffnung nur noch als freundlicher Optimismus, als gesellschaftlicher Zusammenhalt oder als moralische Ermutigung verstanden wird, wird sie zwar leichter anschlussfähig, aber auch dünner.<br />
Denn christliche Hoffnung ist nicht einfach das Gefühl, dass am Ende „alles irgendwie gut“ wird. Sie hat einen Namen. Sie hat eine Geschichte. Sie hat ein Kreuz, ein leeres Grab und eine Verheißung. Sie spricht nicht nur von besseren Verhältnissen, sondern von Erlösung. Nicht nur von Trost, sondern von Auferstehung. Nicht nur von Menschlichkeit, sondern von Gott, der handelt.</p>
<p>Liebe Grüße,<br />
Taja</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Kommentator		</title>
		<link>https://theoblog.de/juergen-habermas-warnung-vor-verflachung-der-christlichen-glaubensgehalte-zieht-kreise/46789/comment-page-1/#comment-92505</link>

		<dc:creator><![CDATA[Kommentator]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Nov 2025 07:07:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[&lt;blockquote&gt;&lt;span&gt;Ist ein inhaltlich nicht näher bestimmtes Konzept „Hoffen auf die Hoffnung“, auf ein besseres Leben, auf eine gerechtere Welt begrifflich schon als „religiöse Glaubenspraxis“ ausweisbar?&lt;/span&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;span&gt;Durchaus. Alle Merkmale einer Religion sind erfüllt. Die vielfältige religöse Glaubenspraxis indigener Völker mitsamt ihrer vielfältigen Opferrituale richtet sich primär auf diesseitige Hoffnungen. Als Beispiel sei mal der bekannte Cargo Cult benannt, der darauf zielt, dass die westlichen Flugzeuge mit den Versorgungsgütern wieder landen.&lt;/span&gt;

&lt;span&gt;Dass in der Dämmerung einer Hochkultur ihre eigenen religiösen Inhalte verflachen, nicht mehr verstanden werden und schließlich zu Karikaturen werden, findet sich in der Geschichte untergegangener Reiche regelmäßig wieder. So wurden die einstigen Heilskirchen mit einer Vielzahl von schwierigen Rechtfertigungslehren schließlich zu kirchensteuer-wirkt(punkt)de vereinfacht. Und aus der einst sprachprägenden Lutherbibel wurde die Basisbibel für den Pöbel.&lt;/span&gt;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><span>Ist ein inhaltlich nicht näher bestimmtes Konzept „Hoffen auf die Hoffnung“, auf ein besseres Leben, auf eine gerechtere Welt begrifflich schon als „religiöse Glaubenspraxis“ ausweisbar?</span></p></blockquote>
<p><span>Durchaus. Alle Merkmale einer Religion sind erfüllt. Die vielfältige religöse Glaubenspraxis indigener Völker mitsamt ihrer vielfältigen Opferrituale richtet sich primär auf diesseitige Hoffnungen. Als Beispiel sei mal der bekannte Cargo Cult benannt, der darauf zielt, dass die westlichen Flugzeuge mit den Versorgungsgütern wieder landen.</span></p>
<p><span>Dass in der Dämmerung einer Hochkultur ihre eigenen religiösen Inhalte verflachen, nicht mehr verstanden werden und schließlich zu Karikaturen werden, findet sich in der Geschichte untergegangener Reiche regelmäßig wieder. So wurden die einstigen Heilskirchen mit einer Vielzahl von schwierigen Rechtfertigungslehren schließlich zu kirchensteuer-wirkt(punkt)de vereinfacht. Und aus der einst sprachprägenden Lutherbibel wurde die Basisbibel für den Pöbel.</span></p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Kommentator		</title>
		<link>https://theoblog.de/juergen-habermas-warnung-vor-verflachung-der-christlichen-glaubensgehalte-zieht-kreise/46789/comment-page-1/#comment-92491</link>

		<dc:creator><![CDATA[Kommentator]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2025 16:11:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Auf den aufgeklärten Menschen wirkt die beschriebene Diesseitspiritualität erkennbar offensichtlich als Stellensicherungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für eine gut vernetzte Clique.

Flexibel werden auch einst unverrückbare Regeln umdefiniert, um zielsicher noch mehr Funktionär*innen aus dem eigenem Milieu unterzubringen und von der Allgemeinheit bezahlen zu lassen. Das Kirchenmitglied ist ja wie jüngst in der FAZ festgestellt eher obrigheitshörig und ohne nennenswerte Arbeiternehmerrechte. Die Aufgabe der Kanzel ist es, primär dafür zu sorgen, dass der fleißige Schwabe weiterhin schafft, damit er in den Himmel kommt.

Dass dieses System Ewigkeitsgarantie hat, ist wohl der einzige &quot;Glaube&quot;, der in diesen &quot;Kirchen&quot; überhaupt noch lebt. Irgendwelche Amerikaner dazu zu befragen, ist da wenig hilfreich - die haben nämlich überhaupt keine Staatskirche. Der Gründung der USA ging die Befreiung von den Fesseln der englischen Monarchie voraus, was wiederum erst die Voraussetzung für Entstehung eines echten neuzeitlichen Christentums war.

Dementsprechend kann es letztes in Europa auch (noch) gar nicht geben. Das ist ein Entwicklungsschritt, den Entwicklungsländer erst mal vollziehen ziehen - bis dahin stecken sie halt weiter im Mittelalter fest.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf den aufgeklärten Menschen wirkt die beschriebene Diesseitspiritualität erkennbar offensichtlich als Stellensicherungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für eine gut vernetzte Clique.</p>
<p>Flexibel werden auch einst unverrückbare Regeln umdefiniert, um zielsicher noch mehr Funktionär*innen aus dem eigenem Milieu unterzubringen und von der Allgemeinheit bezahlen zu lassen. Das Kirchenmitglied ist ja wie jüngst in der FAZ festgestellt eher obrigheitshörig und ohne nennenswerte Arbeiternehmerrechte. Die Aufgabe der Kanzel ist es, primär dafür zu sorgen, dass der fleißige Schwabe weiterhin schafft, damit er in den Himmel kommt.</p>
<p>Dass dieses System Ewigkeitsgarantie hat, ist wohl der einzige &#8222;Glaube&#8220;, der in diesen &#8222;Kirchen&#8220; überhaupt noch lebt. Irgendwelche Amerikaner dazu zu befragen, ist da wenig hilfreich &#8211; die haben nämlich überhaupt keine Staatskirche. Der Gründung der USA ging die Befreiung von den Fesseln der englischen Monarchie voraus, was wiederum erst die Voraussetzung für Entstehung eines echten neuzeitlichen Christentums war.</p>
<p>Dementsprechend kann es letztes in Europa auch (noch) gar nicht geben. Das ist ein Entwicklungsschritt, den Entwicklungsländer erst mal vollziehen ziehen &#8211; bis dahin stecken sie halt weiter im Mittelalter fest.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Markus Jesgarz		</title>
		<link>https://theoblog.de/juergen-habermas-warnung-vor-verflachung-der-christlichen-glaubensgehalte-zieht-kreise/46789/comment-page-1/#comment-92487</link>

		<dc:creator><![CDATA[Markus Jesgarz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Nov 2025 22:01:31 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://theoblog.de/?p=46789#comment-92487</guid>

					<description><![CDATA[&lt;span&gt;Meine Meinung ist:&lt;/span&gt;
&lt;span&gt;Zum Glück schlägt Herr&#160;&lt;/span&gt;&lt;strong&gt;Robert P. George&#160;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;eine&#160;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;theologisch konsistente Metaphysik vor.&#160;&lt;/span&gt;
https://albertmohler.com/2025/07/16/robert-p-george-2/
&lt;strong&gt;Albert Mohler:&lt;/strong&gt;
Ich wollte mit der Ontologie beginnen, weil sie hier offensichtlich grundlegend ist. Ich denke, Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, diese Kategorien wieder in den konservativen Diskurs einzubringen. Sie finden sich übrigens nicht mehr nur in juristischen Schriftsätzen wieder, und so diskutieren intelligente, insbesondere christliche Konservative diese Themen. Wenn man sich diese Diskussionen vor 30 Jahren anhört, fällt auf, dass die ontologischen Fragen der Schöpfungsordnung heute im Mittelpunkt stehen.
&#160;
&lt;strong&gt;Robert P. George:&lt;/strong&gt;
Ja, das habe ich mir zur Aufgabe gemacht, Al. Ich möchte das Naturrecht im religiösen Diskurs, also im Diskurs unter Gläubigen, wiederbeleben oder stärken. Ich möchte es auch im allgemeinen akademischen Diskurs wiederbeleben oder stärken, wenn ich mich nicht nur mit Glaubensgenossen, sondern auch mit säkularen Philosophen auseinandersetze. Die Idee des Naturrechts war in der akademischen Welt gewissermaßen in Vergessenheit geraten, bis mein Doktorvater, John Finnis, die Tradition des naturrechtlichen Denkens Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre mit der Veröffentlichung seines Buches „&lt;em&gt;Natural Law and Natural Rights“&lt;/em&gt;&#160;für ein säkulares philosophisches Publikum wiederbelebte. Ich habe mich ihm angeschlossen und diese Sache weitergeführt, und glücklicherweise hat mir Princeton eine hervorragende Plattform geboten, um die säkulare philosophische Welt mit diesen Ideen herauszufordern. Und ich&#160;glaube, viele Menschen waren überrascht von der Kraft dieser Ideen und der Schwierigkeit, sie zu widerlegen. Wenn Sie also meine bisherige Arbeit betrachten – und die reicht nun 40 Jahre zurück –, werden Sie feststellen, dass ich mich gegen den Moralskeptizismus ausgesprochen habe. Zu Beginn meiner akademischen Laufbahn war diese Position weit verbreitet, ist heute aber in Vergessenheit geraten. Man findet kaum noch jemanden, der behauptet, es gäbe kein Richtig und Falsch, selbst in der akademischen Philosophie nicht. Diese Position ist heute stark umstritten, obwohl sie zu meinen Anfängen hoch angesehen war. Nun kritisiere ich diejenigen, die ein utilitaristisches Verständnis von Richtig und Falsch vertreten, oder – obwohl ich diesen Ansatz für etwas plausibler halte, hat er doch seine Schwächen – den sogenannten deontologischen oder kantischen Ansatz. Als Alternative, die der kritischen Prüfung durch die Anhänger dieser anderen Ansichten standhält, schlage ich das Naturrecht&#160;des Betrachters vor, die Auffassung, die Sie als Schöpfungsordnung bezeichnen würden.&#160;
Ich schätze meine eigenen Studierenden und einige hervorragende Nachwuchswissenschaftler, die leider nicht meine Studierenden sind, sehr, die so viel leisten. Sie greifen auf meine Arbeit, auf die Arbeit von Professor Finnis und auf die Arbeiten anderer Wissenschaftler meiner Generation in diesem Fachgebiet zurück, um die Argumente weiterzuentwickeln und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

&lt;span&gt;Ich möchte insbesondere Andrew Walker, Ihren Kollegen am Southern Baptist Theological Seminary, loben. Er hat hervorragende Arbeit geleistet, indem er die Argumente zum Naturrecht und zur Schöpfungsordnung weiterentwickelt und sichergestellt hat, dass ontologische Fragen, insbesondere innerhalb der christlichen Gemeinschaft, ernst genommen werden. Er versucht, die Menschen davon zu überzeugen und ihnen die Bedeutung dieser Themen zu verdeutlichen. Ein Beispiel für eine sehr wichtige Frage, über die ein typischer Christ zunächst keinen Anlass hätte nachzudenken, die sich aber als entscheidend erweist, ist die Frage, ob wir unser Körper sind, was auch immer wir sonst noch sind, oder ob wir immaterielle Substanzen sind, die Körper lediglich bewohnen und benutzen. Der cartesianische oder ein anderer Dualismus, der den Körper als untergeordnetes Instrument für Geist, Seele oder Spirit betrachtet, identifiziert die wahre Person nicht mit dem physischen Wesen, das Sie gerade auf dem Bildschirm sehen, sondern mit dem mentalen Zustand oder dem bewussten und begehrenden Aspekt des Selbst.&#160;&lt;/span&gt;

Nun, es stellt sich heraus, dass diese Frage – ob man sich dessen bewusst und explizit ist oder nur implizit, ohne jemals wirklich darüber nachgedacht zu haben – weitreichende Konsequenzen für die Abtreibungsdebatte hat. Wann beginnt das Leben eines Menschen, wann gilt er als Person? Das hat enorme Auswirkungen auf die Transgender-Frage. Könnte eine Person eine spirituelle oder psychologische Frau sein, die einen männlichen Körper bewohnt? Und was ist mit Fragen der Ehe? Wenn Menschen tatsächlich nur die begehrenden oder mentalen Aspekte des Selbst sind und der Körper keine Rolle spielt, was wird dann in der Ehe tatsächlich vereint? Es sind nicht die Körper. Die Ehe ist keine Einheit. Die fleischliche Gemeinschaft, wie die Bibel in Genesis 2 lehrt, ist die Ehe lediglich die Verbindung zweier Menschen auf psychologischer Ebene. Nun, zwei beliebige Menschen beiderlei Geschlechts können sich auf psychologischer Ebene vereinen, und ebenso können drei oder fünf Menschen in einer polyamoren Beziehung zusammenleben. Dies ist also ein Beispiel für eine tiefgreifende ontologische und metaphysische Frage mit enormen Auswirkungen auf sehr praktische politische und moralische Fragen.
&#160;
&lt;strong&gt;Albert Mohler:&lt;/strong&gt;
Um es in diesem Gespräch ganz klar zu sagen: Man würde nicht reduktionistisch behaupten, wir seien unsere Körper.

&lt;strong&gt;Robert P. George:&lt;/strong&gt;
Nein, was auch immer wir sonst sind, wir sind unser Körper und besitzen ihn nicht nur. Wir sind unser Körper, unabhängig von allem anderen, aber wir bewohnen ihn nicht nur. Die Ansicht, die ich vertrete – und ich denke, sie entspricht der historischen Auffassung der christlichen Kirche –, erklärt auch Dinge wie die Lehre von der Auferstehung des Leibes. Denn wenn der wahre Mensch nur die Seele wäre, die körperlose Seele, und der Körper nur eine Hülle aus Fleisch, dann würde man im Himmel nur als Geist existieren. Man wäre wie ein Engel, nicht in seinem körperlichen Zustand. Aber die christliche Kirche hat sich von Anfang an vehement dafür eingesetzt. Es wäre so viel einfacher gewesen, dies nicht zu tun und einfach zu behaupten: „Jesus ist geistig bei uns. Sein Leib verwest im Grab im Heiligen Land, aber er ist geistig bei uns.“

Das taten sie nicht. Sie setzten sich vehement für die Lehre von der Auferstehung Jesu ein, für die leibliche Auferstehung Jesu und letztlich auch für unsere leibliche Auferstehung als Menschen, denn wir sind nicht bloß körperlose Wesen. Wir sind verkörperte Geschöpfe. Wir haben sowohl einen Körper als auch eine Seele. Der Fachbegriff für diese Ansicht lautet Hylomorphismus. Es ist die Vorstellung, dass wir eine dynamische Einheit von Körper und Seele bilden. Wir sind nicht, wie im Dualismus, eine Seele, die lediglich einen materiellen, aber unpersönlichen oder subpersonalen Körper bewohnt und nutzt. Descartes, der frühneuzeitliche Philosoph, beispielsweise, vertrat die Ansicht, dass wir spirituelle Wesen seien, im Grunde Geister, die Körper bewohnen und nutzen. Der Geist ist die eigentliche Person, der Körper hingegen ein subpersonales Instrument. Und obwohl Descartes die Pro-Abtreibungs-Ansicht nicht vertrat, kann man sehr leicht den Weg von dieser dualistischen Sichtweise zu einer Position wie der meines berühmten oder berüchtigten Princeton-Kollegen Peter Singer erkennen, der meinte, dass man selbstverständlich von den frühesten Momenten der Schwangerschaft an ein menschliches Wesen habe.
Peter Singer kritisiert seine Mitstreiter in der Abtreibungsdebatte, wenn sie sagen: „Wir wissen nicht, wann das Leben beginnt, oder wir wissen nicht, ob es ein Mensch ist oder nicht.“ Singer entgegnet: „Natürlich ist es ein Mensch. Was denken Sie denn? Natürlich ist es ein Mensch, aber noch keine Person, weil es noch keine geistigen Fähigkeiten besitzt.“ Tja, so ist es eben, nicht wahr? Das sind die Konsequenzen dieses Dualismus. Die Alternative ist natürlich die eben beschriebene hylomorphe Sichtweise, die besagt, dass die Person eine dynamische Einheit von Körper und Seele ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span>Meine Meinung ist:</span><br />
<span>Zum Glück schlägt Herr&nbsp;</span><strong>Robert P. George&nbsp;</strong><span>eine&nbsp;</span><span>theologisch konsistente Metaphysik vor.&nbsp;</span><br />
<a href="https://albertmohler.com/2025/07/16/robert-p-george-2/" rel="nofollow ugc">https://albertmohler.com/2025/07/16/robert-p-george-2/</a><br />
<strong>Albert Mohler:</strong><br />
Ich wollte mit der Ontologie beginnen, weil sie hier offensichtlich grundlegend ist. Ich denke, Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, diese Kategorien wieder in den konservativen Diskurs einzubringen. Sie finden sich übrigens nicht mehr nur in juristischen Schriftsätzen wieder, und so diskutieren intelligente, insbesondere christliche Konservative diese Themen. Wenn man sich diese Diskussionen vor 30 Jahren anhört, fällt auf, dass die ontologischen Fragen der Schöpfungsordnung heute im Mittelpunkt stehen.<br />
&nbsp;<br />
<strong>Robert P. George:</strong><br />
Ja, das habe ich mir zur Aufgabe gemacht, Al. Ich möchte das Naturrecht im religiösen Diskurs, also im Diskurs unter Gläubigen, wiederbeleben oder stärken. Ich möchte es auch im allgemeinen akademischen Diskurs wiederbeleben oder stärken, wenn ich mich nicht nur mit Glaubensgenossen, sondern auch mit säkularen Philosophen auseinandersetze. Die Idee des Naturrechts war in der akademischen Welt gewissermaßen in Vergessenheit geraten, bis mein Doktorvater, John Finnis, die Tradition des naturrechtlichen Denkens Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre mit der Veröffentlichung seines Buches „<em>Natural Law and Natural Rights“</em>&nbsp;für ein säkulares philosophisches Publikum wiederbelebte. Ich habe mich ihm angeschlossen und diese Sache weitergeführt, und glücklicherweise hat mir Princeton eine hervorragende Plattform geboten, um die säkulare philosophische Welt mit diesen Ideen herauszufordern. Und ich&nbsp;glaube, viele Menschen waren überrascht von der Kraft dieser Ideen und der Schwierigkeit, sie zu widerlegen. Wenn Sie also meine bisherige Arbeit betrachten – und die reicht nun 40 Jahre zurück –, werden Sie feststellen, dass ich mich gegen den Moralskeptizismus ausgesprochen habe. Zu Beginn meiner akademischen Laufbahn war diese Position weit verbreitet, ist heute aber in Vergessenheit geraten. Man findet kaum noch jemanden, der behauptet, es gäbe kein Richtig und Falsch, selbst in der akademischen Philosophie nicht. Diese Position ist heute stark umstritten, obwohl sie zu meinen Anfängen hoch angesehen war. Nun kritisiere ich diejenigen, die ein utilitaristisches Verständnis von Richtig und Falsch vertreten, oder – obwohl ich diesen Ansatz für etwas plausibler halte, hat er doch seine Schwächen – den sogenannten deontologischen oder kantischen Ansatz. Als Alternative, die der kritischen Prüfung durch die Anhänger dieser anderen Ansichten standhält, schlage ich das Naturrecht&nbsp;des Betrachters vor, die Auffassung, die Sie als Schöpfungsordnung bezeichnen würden.&nbsp;<br />
Ich schätze meine eigenen Studierenden und einige hervorragende Nachwuchswissenschaftler, die leider nicht meine Studierenden sind, sehr, die so viel leisten. Sie greifen auf meine Arbeit, auf die Arbeit von Professor Finnis und auf die Arbeiten anderer Wissenschaftler meiner Generation in diesem Fachgebiet zurück, um die Argumente weiterzuentwickeln und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.</p>
<p><span>Ich möchte insbesondere Andrew Walker, Ihren Kollegen am Southern Baptist Theological Seminary, loben. Er hat hervorragende Arbeit geleistet, indem er die Argumente zum Naturrecht und zur Schöpfungsordnung weiterentwickelt und sichergestellt hat, dass ontologische Fragen, insbesondere innerhalb der christlichen Gemeinschaft, ernst genommen werden. Er versucht, die Menschen davon zu überzeugen und ihnen die Bedeutung dieser Themen zu verdeutlichen. Ein Beispiel für eine sehr wichtige Frage, über die ein typischer Christ zunächst keinen Anlass hätte nachzudenken, die sich aber als entscheidend erweist, ist die Frage, ob wir unser Körper sind, was auch immer wir sonst noch sind, oder ob wir immaterielle Substanzen sind, die Körper lediglich bewohnen und benutzen. Der cartesianische oder ein anderer Dualismus, der den Körper als untergeordnetes Instrument für Geist, Seele oder Spirit betrachtet, identifiziert die wahre Person nicht mit dem physischen Wesen, das Sie gerade auf dem Bildschirm sehen, sondern mit dem mentalen Zustand oder dem bewussten und begehrenden Aspekt des Selbst.&nbsp;</span></p>
<p>Nun, es stellt sich heraus, dass diese Frage – ob man sich dessen bewusst und explizit ist oder nur implizit, ohne jemals wirklich darüber nachgedacht zu haben – weitreichende Konsequenzen für die Abtreibungsdebatte hat. Wann beginnt das Leben eines Menschen, wann gilt er als Person? Das hat enorme Auswirkungen auf die Transgender-Frage. Könnte eine Person eine spirituelle oder psychologische Frau sein, die einen männlichen Körper bewohnt? Und was ist mit Fragen der Ehe? Wenn Menschen tatsächlich nur die begehrenden oder mentalen Aspekte des Selbst sind und der Körper keine Rolle spielt, was wird dann in der Ehe tatsächlich vereint? Es sind nicht die Körper. Die Ehe ist keine Einheit. Die fleischliche Gemeinschaft, wie die Bibel in Genesis 2 lehrt, ist die Ehe lediglich die Verbindung zweier Menschen auf psychologischer Ebene. Nun, zwei beliebige Menschen beiderlei Geschlechts können sich auf psychologischer Ebene vereinen, und ebenso können drei oder fünf Menschen in einer polyamoren Beziehung zusammenleben. Dies ist also ein Beispiel für eine tiefgreifende ontologische und metaphysische Frage mit enormen Auswirkungen auf sehr praktische politische und moralische Fragen.<br />
&nbsp;<br />
<strong>Albert Mohler:</strong><br />
Um es in diesem Gespräch ganz klar zu sagen: Man würde nicht reduktionistisch behaupten, wir seien unsere Körper.</p>
<p><strong>Robert P. George:</strong><br />
Nein, was auch immer wir sonst sind, wir sind unser Körper und besitzen ihn nicht nur. Wir sind unser Körper, unabhängig von allem anderen, aber wir bewohnen ihn nicht nur. Die Ansicht, die ich vertrete – und ich denke, sie entspricht der historischen Auffassung der christlichen Kirche –, erklärt auch Dinge wie die Lehre von der Auferstehung des Leibes. Denn wenn der wahre Mensch nur die Seele wäre, die körperlose Seele, und der Körper nur eine Hülle aus Fleisch, dann würde man im Himmel nur als Geist existieren. Man wäre wie ein Engel, nicht in seinem körperlichen Zustand. Aber die christliche Kirche hat sich von Anfang an vehement dafür eingesetzt. Es wäre so viel einfacher gewesen, dies nicht zu tun und einfach zu behaupten: „Jesus ist geistig bei uns. Sein Leib verwest im Grab im Heiligen Land, aber er ist geistig bei uns.“</p>
<p>Das taten sie nicht. Sie setzten sich vehement für die Lehre von der Auferstehung Jesu ein, für die leibliche Auferstehung Jesu und letztlich auch für unsere leibliche Auferstehung als Menschen, denn wir sind nicht bloß körperlose Wesen. Wir sind verkörperte Geschöpfe. Wir haben sowohl einen Körper als auch eine Seele. Der Fachbegriff für diese Ansicht lautet Hylomorphismus. Es ist die Vorstellung, dass wir eine dynamische Einheit von Körper und Seele bilden. Wir sind nicht, wie im Dualismus, eine Seele, die lediglich einen materiellen, aber unpersönlichen oder subpersonalen Körper bewohnt und nutzt. Descartes, der frühneuzeitliche Philosoph, beispielsweise, vertrat die Ansicht, dass wir spirituelle Wesen seien, im Grunde Geister, die Körper bewohnen und nutzen. Der Geist ist die eigentliche Person, der Körper hingegen ein subpersonales Instrument. Und obwohl Descartes die Pro-Abtreibungs-Ansicht nicht vertrat, kann man sehr leicht den Weg von dieser dualistischen Sichtweise zu einer Position wie der meines berühmten oder berüchtigten Princeton-Kollegen Peter Singer erkennen, der meinte, dass man selbstverständlich von den frühesten Momenten der Schwangerschaft an ein menschliches Wesen habe.<br />
Peter Singer kritisiert seine Mitstreiter in der Abtreibungsdebatte, wenn sie sagen: „Wir wissen nicht, wann das Leben beginnt, oder wir wissen nicht, ob es ein Mensch ist oder nicht.“ Singer entgegnet: „Natürlich ist es ein Mensch. Was denken Sie denn? Natürlich ist es ein Mensch, aber noch keine Person, weil es noch keine geistigen Fähigkeiten besitzt.“ Tja, so ist es eben, nicht wahr? Das sind die Konsequenzen dieses Dualismus. Die Alternative ist natürlich die eben beschriebene hylomorphe Sichtweise, die besagt, dass die Person eine dynamische Einheit von Körper und Seele ist.</p>
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