Klaus Vollmer: Grundentscheidung

Klaus Vollmer, Gebet  (Alte Wege – neu entdeckt, 1975, S. 19–20):

So stehen wir vor einer Grundentscheidung, die jedem Mitarbeiter vorgelegt ist: Soll aus dem eigenen Wollen und Erkennen die Erneuerung der Gemeinden und Kirchen kommen, oder wollen wir allem Eigenem absagen, um nur die Macht des auferstandenen Christus zu erbitten? — Was glauben wir im Tiefsten unseres Herzens und unseres Wesens? Glauben wir, daß Werbung und Methoden, Evangelisationen und Vortragswochen, professorale Unterstützung und Großraumredner, Appelle an alle möglichen Hilfeleistungen usw. das Leben bringen, oder glauben wir, daß der Geist Gottes allein neues Leben schafft?

Kommentare

  1. schandor meint

    Bleibt die Frage, ob das ein Widerspruch sein muss.

    Erinnert mich ein bisschen an die fundamentalistische Zwiebel:

    Theologiestudium oder Heiliger Geist

  2. Christian meint

    Hallo Schandor,
    ich sehe das etwas anders. So wie Vollmer die letzte Frage schreibt ergeben sich für mich tatsächlich zwei Alternativen. Diese Frage lautet zusammengefasst: Wer/Was schafft neues Lebens? Sind es die Methoden, oder ist es Gott? Auf diese Frage, so denke ich, gibt es eine eindeutige Antwort aus der Schrift: Leben schaffen, neues Leben schenken, Tote auferwecken, das kann nur Gott. Das schließt ein Handeln unsererseits, die Nutzung unserer Kreativität (und damit auch guter neuer Methoden) nicht aus. Es besagt zunächst nur, dass unser Handeln nicht das Leben schafft. Und nun stellt sich die Frage von Vollmers Grundentscheidung: Vertraue ich auf mein Handeln, meine Ideen, meine Methoden? Oder vertraue ich auf Gott und handle dann im Vertrauen auf den, der allein Leben schafft? Das Handeln wird nach außen vielleicht kaum unterschiedlich erscheinen. Und doch ist die erste Alternative zugespitzt Götzendienst, denn der Mensch/die Kirche erwartet dort Heilung und Neubelebung von eigenen Anstrengungen und Methoden.
    Ich durfte gerade erst wieder Mitarbeiter schulen, die sich in Gemeinden für die junge Generation engagieren. Und diese Botschaft („Tools bringen keine Leben, das kann nur Gott“) ist bei jeder Schulung so immens wichtig. Wir Menschen – und da stelle ich mich sofort mit drunter – möchten es im Zweifel immer gerne alleine stemmen. Und das ist es, was Vollmer unbedingt vermeiden wollte.

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