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Kritiker der geschlechtergerechten Sprache sind kleinbürgerliche Würstchen

Hundert deutsche Intellektuelle haben eine Petition mit dem Titel „Schluss mit dem Gender-Unfug!“ gestartet (siehe hier). Im Interview erklärt Walter Krämer vom Verein Deutsche Sprache, warum er für die Gleichberechtigung von Mann und Frau und gegen Sternchen in Wörtern ist.

Sprache soll effizient sein. Wenn sich die Länge eines Textes verdoppelt, handelt es sich um eine überflüssige und kommunikationshemmende Änderung. Stellen Sie sich vor, Sie sehen abends im Fernsehen Werbung, und dann kommt der Hinweis: «Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin oder Ihren Apotheker oder Ihre Apothekerin.» Natürlich ist mit dem Arzt auch die Ärztin gemeint. In meinem Bekanntenkreis sind die meisten Mediziner Frauen. Und wenn deutsche Kinder, die heute zwölf Jahre alt sind, den Begriff «Bundeskanzler» hören, denken sie auch an eine Frau. Die kennen es gar nicht, dass dieses Amt auch ein Mann ausüben kann. Ob mit einem Wort ein Mann oder eine Frau gemeint ist, entscheidet nicht die Obrigkeit, sondern die soziale Wirklichkeit. Angela Merkel hätte keinen Tag früher Regierungschefin werden können, wenn im Grundgesetz das Wort «Kanzlerin» gestanden hätte. Da steht aber nur zwanzigmal «Kanzler». Ihren Aufstieg hat das in keiner Weise behindert.

Hochinteressant kommentiert die TAZ den Aufruf des Vereins Deutscher Sprache. Daniel Kretschmar, Chef vom Dienst bei der Zeitung, nennt die Unterzeichner „lauter Witzfiguren und Wutbürger“. Und er sagt Folgendes:

Traurig an dieser jämmerlichen Parade kleinbürgerlicher Würstchen ist der Zuspruch einzelner Künstler*innen, deren Sprachverständnis doch jenseits bürokratisch-nationalistischer Selbstvergewisserung liegen sollte. Schreibt und denkt doch was ihr wollt, Katja, Judith, Reiner, Günter, aber macht anderen keine Vorschriften, sondern Mut. Mut, Konventionen zu brechen. Mut, sich vom Kollektiv zu lösen, dabei auch Fehler zu machen, albern oder lächerlich zu sein.

Das muss man sich mal vorstellen. Ein Interessenvertreter genau jener Bewegung, die einen „Neusprech“ an den Hochschulen und Behörden verbindlich machen möchte, also die Menschen zwingen will, eine neue Sprache zu benutzen, beschwert sich darüber, dass die Initiatoren sich gegen solche Vorschreibungen zur Wehr setzen.

Ich kann Studenten, Schülern, Lehren, Sozialarbeitern, Professoren nur ermutigen, sich von dieser arroganten, linken Pseudoelite in den Redaktionen, Behörden, Schulen und Politbüros nichts vorschreiben zu lassen. Habt den Mut, die Konventionen und Gesetze der Genderlogen zu brechen!

Hier das NZZ-Interview: www.nzz.ch.