Lesen am Bildschirm

Immer höre ich Leute sagen: „Ich lese meine Bibel lieber analog auf Papier gedruckt!“ Dafür kann es gute Gründe geben. Schon im März berichtete Fridtjof Küchemann über Vor- und Nachteile der digitalen Lesegeräte. Jetzt hat er mit der Psychologin Rakete Ackerman vom Israel Institut of Technology über das Lesen am Bildschirm gesprochen.

Unsere Untersuchungen legen nahe, dass die Menschen digitale Geräte mit oberflächlichem Lesen verbinden. Grundsätzlich sehen wir eine Unterlegenheit von Bildschirmen bei Lern- und Problemlöseergebnissen, bei der Selbsteinschätzung der Leistung und der Effektivität im Umgang mit Zeit. Interessanterweise ist das allerdings nicht durchgehend der Fall.

Heißt das nun, dass wir die Tablets lieber beiseitelegen sollen? Nein! Jüngste Untersuchungen deuten an, dass man mit der richtigen Einstellung auch auf digitalen Lesegeräten vertieft studieren kann:

Unsere jüngste Untersuchung zeigt, dass es am Bildschirm ganz besonderer Aufgabenstellungen bedarf, damit Menschen effektive Problemlösung betreiben, während es auf Papier ihre grundsätzliche Vorgehensweise ist. Wenn eine Aufgabe zum Beispiel als das eigentliche Ziel und nicht als Training zur Vorbereitung auf eine andere Aufgabe vorgestellt wird, erreichen die Menschen am Bildschirm und auf Papier gleiche Werte. In einer früheren Studie konnten wir zeigen, dass die Aufgabe, beim Lesen den Inhalt eines Textes mit Stichwörtern zusammenzufassen, die gleiche Wirkung hat. Es gibt also ganz einfache Verfahren, um die Unterlegenheit des Bildschirmlesens auszugleichen. Allerdings stammen unsere Erkenntnisse aus Untersuchungen mit Studienanfängern im Labor. Sie sind also nur ein erster Schritt. Wir müssen die Bedingungen erforschen, wie solche Verbesserungen auch in alltäglichen Lebenssituationen möglich werden.

Ich finde es gut, dass die Untersuchungen zum digitalen Leseverhalten Schwung aufnehmen.

Hier: www.faz.net.

Kommentare

  1. Wenn eine Aufgabe zum Beispiel als das eigentliche Ziel und nicht als Training zur Vorbereitung auf eine andere Aufgabe vorgestellt wird, erreichen die Menschen am Bildschirm und auf Papier gleiche Werte.

    Das ist m. E. ein entscheidender Punkt. Er besagt damit, dass das Lernen durch digitales Lesen im Nachteil ist. Die Prüfung aber durch das digitale Lesen erfolgen kann.
    Wenn in der Studie behauptet wird, dass durch entsprechende Techniken (Stichwortbildung) es keinen Unterschied zw. analog und digital gibt, ist es m. E. Augenwischerei, denn digitales Lesen ist keine Neuheit. Was eine neue Entwicklung ist, ist das digital oberflächliche Lesen. Dieses Leseverhalten wird durch die neuen Medien gefördert, ist also erst durch diese entstanden. Neue Lesetechniken für ein nachhaltiges digitales Leseverhalten einzuführen heißt, Techniken verwenden, die den neuen Medien widersprüchlich gegenüber stehen.

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