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Luther: Wahrer Gottesdienst

Gudrun Neebe schreibt über den wahren Gottesdienst nach Luther (Apostolische Kirche, 1997, S. 118–119):

Nachdem Luther das entscheidende Kriterium für die Differenzierung zwischen wahrem und falschem Gottesdienst bereits benannt hat, geht er dann an den Zehn Geboten entlang und konkretisiert und detailliert anhand dieser jenes Kriterium noch, weil s.E. in den Zehn Geboten zusammengefaßt ist, was es heißt, Gott zu dienen, so daß allein derjenige Gott dient, der Gottes Gebote hält. 

Luther bezeichnet mit dem Terminus Gottesdienst folglich nicht ausschließlich die Versammlung und Feier der Christen im Gotteshaus, sondern das gesamte Leben des Menschen vor dem Angesicht Gottes, wie seine Bezugnahme auf die Zehn Gebote deutlich macht.

Gott recht zu dienen, heißt nach der Auffassung Luthers:

1. Gott alle Zeit zu ehren und von ganzem Herzen zu lieben, sowie alle Zuversicht und alles Vertrauen auf ihn zu setzen. (Dies ist der Hauptgottesdienst und das höchste Stück.)

2. Gott in Not anzurufen und sich jederzeit öffentlich zu ihm zu bekennen.

3. Bereit zu sein, für dieses Bekenntnis zu Gott, Leid und Verfolgung auf sich zu nehmen.

Glauben, Bekennen und Leiden fordere die erste Tafel der Gebote. Auf diese Weise werde der Welt und diesem Leben entsagt und allein Gott gelebt. Gott recht zu dienen, heißt nach der zweiten Tafel der Gebote:

4. Vater und Mutter gehorsam zu sein, sie zu ehren und ihnen zu helfen.

5. Niemandem Schaden zuzufügen und statt dessen jedermann wohl zu tun.

6. Keusch und gemäßigt zu leben.

7. Niemanden zu betrügen und zu übervorteilen, sondern jedermann auszuhelfen und vor Schaden zu bewahren.

8. Keinen Menschen durch Worte zu verletzen und jeden zu schonen und zu entschuldigen.

9. u. 10. Niemandes Weib noch Gut zu begehren.

Ausschließlich dies verlange Gott, so daß überall dort, wo mehr oder anderes gefordert werde, Gott nicht recht gedient, sondern ein falscher Gottesdienst erfunden werde, so meint Luther.