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Pfarrer werden oder nicht werden – das ist die Frage

Während die meisten jungen Menschen heute mit der Kirche nicht mehr viel anfangen können, binden angehende Pfarrer ihre gesamte berufliche Existenz an die Kirche. Der Dokumentarfilm Pfarrer werden begleitet junge Männer und Frauen aus dem Osten Deutschlands durch das einjährige Vikariat, eine Art „Probezeit“ nach dem Studium.

Der Film eröffnet Einblicke in die Seelenzustände der Vikare und in den Aufbau der Ausbildung. Was den Film besonders macht, ist – neben der ästhetische Kameraführung und dem grandiosen Schnitt – die Tatsache, dass die Filmemacher Atheisten sind und den angehenden Pastoren einige kritische Fragen stellen.

Nun ist das so eine Sache mit den Dokumentationen. Die Macher haben bekanntermaßen ein journalistisches Erkenntnisinteresse, wollen oft eine herbeigewünschte Welt abbilden. Die Macher dieses Films versuchen – so jedenfalls mein Eindruck – sich offen auf die Welt der Studenten einzulassen. So ergeben sich helle, bewegende und wundervoll ehrliche Momente (z.B. ab 01:05), freilich eben (möglicherweise unfreiwillig) auch Skizzen einer geistlichen und geistigen Krise innerhalb der Kirche.

Besonders bitter fand ich die Versuche, das Evangelium in bestimmte Situationen hineinzusprechen (ca. ab 00:50). Die Antworten auf die Fragen des Journalisten waren – das muss ich leider so sagen –, gänzlich frei vom Evangelium. Ehrlich, aber tief traurig ebenfalls der Moment, indem einer der Studierenden seine Zweifel an der Allmacht Gottes ausspricht.

Naja – so denkt jetzt vielleicht jemand: das sind die Landeskirchler in Sachsen oder Thüringen! Nicht so vorlaut, mein Freund! Bestellt euch doch mal findige Atheisten in eure Gemeinde oder in euren Studentenkreis. Nur zu!

Zurück zum Film. In der Beschreibung der Dokumentation heißt es:

… Warum entscheidet sich ein junger Mensch für ein langwieriges, anspruchsvolles Studium, um schließlich für eine kleine Gemeinde in der Provinz rund um die Uhr erreichbar zu sein? Was sind das für Männer und Frauen, die in einem Talar auf der Kanzel stehen werden, von denen Trost und Zuversicht erwartet wird und deren persönlicher Lebenswandel Vorbildfunktion haben soll?

Die Macher der Dokumentation sind selbst nicht gläubig. Gerade deshalb waren sie von den angehenden Pfarrern und Pfarrerinnen fasziniert. Sie haben einekleine Gruppe während der letzten und entscheidenden Phase ihrer Ausbildung begleitet: durch das Vikariat. Bisher haben sie auf der Universität theoretisches Wissen gesammelt – tote Sprachen, Dogmatik. Jetzt werden sie das erste Mal in real existierenden Kirchengemeinden mit der Arbeitswelt eines Pfarrers konfrontiert, müssen ihren Glauben mit Worten und Gesten zu vermitteln lernen.

In regelmäßigen Abständen kommen sie im Predigerseminar in Wittenberg zusammen, um ihr Wissen zu vertiefen und diese Erfahrungen zu verarbeiten. Die Filmemacher sind dabei: Wenn der Segen geübt, eine Predigt erarbeitet wird, aber auch bei gemeinsamen Festen und privaten Momenten. Ein intensiver Einblick in eine von Traditionen geprägte Welt. Die filmische Begleitung über mehr als ein Jahr beschreibt den Enthusiasmus und die Begeisterung der zukünftigen Pfarrer und Pfarrerinnen, aber auch die Irritationen und Krisen, die sie zu meistern haben.

Hier gibt es den Trailer:

Für ein paar Tage kann der gesamte Film noch bei arte abgerufen werden: www.arte.tv.

VD: CH