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Phänomenologie religiöser Erfahrung

Das im Jahr 1902 publizierte Buch Die Vielfalt religiöser Erfahrung von William James ist ein epochales Werk. Für eine Generation von Intellektuellen erwies sich die Begegnung mit ihm als prägendes Erlebnis. Spuren lassen sich in Deutschland bei Heidegger, Wittgenstein, Scheler, Simmel, Troeltsch und Weber nachweisen. Bis heute hat das brillant geschriebene Buch nichts von seiner Frische verloren.

Vergangenes Jahr hat der Verlag Mohr Siebeck die Habilitationsschrift Religion im Denken von William James von Christoph Seibert veröffentlicht. Hans Joas schreibt dazu:

In Seiberts Buch wird James‘ enorm reichhaltige und existentiell bewegende Phänomenologie religiöser Erfahrungen keineswegs unkritisch nachgezeichnet. Zum einen distanziert der Autor sich von den pantheistischen Tendenzen des späten James, die sich ja von seiner zuvor dezidiert theistischen Anschauung deutlich unterscheiden. Zum anderen zeigt er auf, dass bei James »die Frage nach den Wahrheitspotentialen weltanschaulich-religiöser Deutungssysteme zwar durchgehend mitläuft«, aber nirgends systematisch behandelt wird. Da Wahrheitsansprüche aber zum Kern religiöser Überzeugungen gehören, würde die Selbstauslegung des religiösen Bewusstseins in der Tat verfehlt, wenn diese nicht berücksichtigt würden.

Hier eine Rezension zum Buch von Hans Joas: www.faz.net.