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	Kommentare zu: Philip: Rieff: Die Gefahren der therapeutischen Kultur	</title>
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	<description>Die Welt sehen – aus einer reformatorischen Perspektive</description>
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		Von: Markus Jesgarz		</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Jesgarz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 May 2026 19:26:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Meiner Meinung nach gibt es sehr starke Parallelen zwischen Philip Rieff und Franz Werfel in ihrer Gesellschaftsanalyse. Obwohl beide aus unterschiedlichen geistigen und literarischen Zusammenhängen stammen, diagnostizieren sie dieselbe geistige Krise der Moderne: den Verlust des Heiligen und die Ersetzung der Transzendenz durch Funktion, Konsum und Selbstoptimierung.

Werfel formuliert diese Kritik in seinem Werk Der veruntreute Himmel besonders eindringlich. Im Epilog beschreibt er, dass die moderne Welt nicht einfach atheistisch wird, sondern Gott durch neue Absolutheiten ersetzt. Seine Formulierung von der modernen „Dreieinigkeit“ aus „Zeit, Arbeit, Geld“ bringt diese Entwicklung präzise auf den Punkt. Der Mensch lebt nicht mehr aus der Beziehung zum Ewigen, sondern aus Produktivität, ökonomischem Nutzen und permanenter Beschäftigung.

Genau dieselbe Diagnose findet sich bei Rieff, besonders in seinem Hauptwerk The Triumph of the Therapeutic. Dort beschreibt er die Entstehung einer „therapeutischen Kultur“, in der nicht mehr Wahrheit, Heiligkeit oder moralische Ordnung im Zentrum stehen, sondern psychisches Wohlbefinden und subjektive Bedürfnisse. Rieff zeigt, dass moderne Gesellschaften die religiösen Grundlagen zerstören und dadurch ihre moralische Stabilität verlieren. Sein berühmter Gedanke, dass jede Kultur auf einem „sacred order“ beruht, macht deutlich: Verschwindet das Heilige, zerfällt auch die kulturelle Ordnung.

Beide Autoren kritisieren deshalb den Naturalismus und Materialismus der Moderne. Werfel zeigt literarisch, wie der Mensch auf ein biologisches und ökonomisches Wesen reduziert wird. Rieff analysiert denselben Vorgang sozialphilosophisch: Ohne Transzendenz bleiben nur noch Triebe, Bedürfnisse und psychologische Selbstdeutung übrig. Der Mensch verliert dadurch seine geistige Orientierung und wird leichter manipulierbar.

Ebenso betonen beide den inneren Zerfall einer Gesellschaft ohne religiöses Fundament. Sinnverlust, Identitätskrisen, Konsumismus und die Auflösung gemeinsamer moralischer Maßstäbe erscheinen bei beiden nicht als Zufälle, sondern als direkte Folgen der Entheiligung der Kultur.

Deshalb ergänzen sich Werfel und Rieff in bemerkenswerter Weise. Werfel beschreibt poetisch und existentiell, was Rieff später kultursoziologisch analysiert: Die moderne Welt ersetzt Gott durch Arbeit, Konsum, Psychologie und Selbstoptimierung — und verliert dabei ihre geistige Mitte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Meiner Meinung nach gibt es sehr starke Parallelen zwischen Philip Rieff und Franz Werfel in ihrer Gesellschaftsanalyse. Obwohl beide aus unterschiedlichen geistigen und literarischen Zusammenhängen stammen, diagnostizieren sie dieselbe geistige Krise der Moderne: den Verlust des Heiligen und die Ersetzung der Transzendenz durch Funktion, Konsum und Selbstoptimierung.</p>
<p>Werfel formuliert diese Kritik in seinem Werk Der veruntreute Himmel besonders eindringlich. Im Epilog beschreibt er, dass die moderne Welt nicht einfach atheistisch wird, sondern Gott durch neue Absolutheiten ersetzt. Seine Formulierung von der modernen „Dreieinigkeit“ aus „Zeit, Arbeit, Geld“ bringt diese Entwicklung präzise auf den Punkt. Der Mensch lebt nicht mehr aus der Beziehung zum Ewigen, sondern aus Produktivität, ökonomischem Nutzen und permanenter Beschäftigung.</p>
<p>Genau dieselbe Diagnose findet sich bei Rieff, besonders in seinem Hauptwerk The Triumph of the Therapeutic. Dort beschreibt er die Entstehung einer „therapeutischen Kultur“, in der nicht mehr Wahrheit, Heiligkeit oder moralische Ordnung im Zentrum stehen, sondern psychisches Wohlbefinden und subjektive Bedürfnisse. Rieff zeigt, dass moderne Gesellschaften die religiösen Grundlagen zerstören und dadurch ihre moralische Stabilität verlieren. Sein berühmter Gedanke, dass jede Kultur auf einem „sacred order“ beruht, macht deutlich: Verschwindet das Heilige, zerfällt auch die kulturelle Ordnung.</p>
<p>Beide Autoren kritisieren deshalb den Naturalismus und Materialismus der Moderne. Werfel zeigt literarisch, wie der Mensch auf ein biologisches und ökonomisches Wesen reduziert wird. Rieff analysiert denselben Vorgang sozialphilosophisch: Ohne Transzendenz bleiben nur noch Triebe, Bedürfnisse und psychologische Selbstdeutung übrig. Der Mensch verliert dadurch seine geistige Orientierung und wird leichter manipulierbar.</p>
<p>Ebenso betonen beide den inneren Zerfall einer Gesellschaft ohne religiöses Fundament. Sinnverlust, Identitätskrisen, Konsumismus und die Auflösung gemeinsamer moralischer Maßstäbe erscheinen bei beiden nicht als Zufälle, sondern als direkte Folgen der Entheiligung der Kultur.</p>
<p>Deshalb ergänzen sich Werfel und Rieff in bemerkenswerter Weise. Werfel beschreibt poetisch und existentiell, was Rieff später kultursoziologisch analysiert: Die moderne Welt ersetzt Gott durch Arbeit, Konsum, Psychologie und Selbstoptimierung — und verliert dabei ihre geistige Mitte.</p>
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