Politische Geschlechtsumwandlung

Wir haben hier schon mehrfach über die Bedeutung von „Gender Mainstreaming“ diskutiert (z.B. hier). Ich empfehle an dieser Stelle ein Büchlein, das Volker Zastrow vor 11 Jahren herausgebracht hat. Die These des FAS-Redakteurs:

Die Gender-Theorie ist eine sozialrevolutionäre Ideologie, die darauf zielt, die Geschlechterrollen zu zerstören – weil sie diese Rollen für künstlich, also beliebig formbar hält. Und das „Mainstreaming“-Konzept ist eine politische Technik, die das durchsetzen soll. Die EU hat sie sich zu eigen gemacht, die Bundesrepublik Deutschland inzwischen auch. Was heute die Politik bestimmt, begann vor vierzig Jahren in Baltimore mit einem unverantwortlichen Menschenversuch …

Ein längeres Zitat (Gender: Politische Geschlechtsumwandlung, 4. Aufl., 2016, 60 S., S. 14–17):

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Auf der Internetseite des Familienministeriums wird das zuvor noch zurückhaltend dargebotene Gender Mainstreaming inzwischen prominenter präsentiert. Bei flüchtiger Lektüre gewinnt man den Eindruck, es gehe darum, Frauen wie Männern gleichermaßen zur Durchsetzung ihrer Wünsche zu verhelfen; bunte Bildchen wie aus Immobilienprospekten zeigen junge Fotomodelle mit glücklichen Zähnen. Forscht man ein wenig weiter, wird man damit vertraut gemacht, daß der Begriff „Gender“ sowohl „gesellschaftlich als auch sozial und kulturell geprägte Geschlechtsrollen“ bezeichne, die als „veränderbar“ charakterisiert werden.

Daß sie verändert werden sollen, schwingt mit, wird aber zunächst nicht gesagt. Der Sinn bleibt dunkel, denn die Reihung der Adjektive ist abstrus: „gesellschaftlich“ und „sozial“ bedeutet dasselbe, während „kulturell“ und „sozial“ nicht gegeneinander abgegrenzt werden kann. In einschlägigen Gender-Texten wird hier das Adjektiv „traditionell“ benutzt: gemeint sind also offenbar herkömmliche oder überkommene Vorstellungen vom Geschlecht.

Sodann erfährt man, daß vom Familienministerium aus das „Gender Mainstreaming“ als sogenannte „geschlechtersensible Sichtweise“ ressortübergreifend in die Arbeit der Bundesregierung „implementiert“, eingespeist, worden ist. Dabei ist das schon erwähnte „GenderKompetenzZentrum“ behilflich. Doch auch dessen öffentliche Selbstdarstellung macht es nicht einfach, einen Begriff davon zu bekommen, was „Gender Mainstreaming“ eigentlich bedeuten soll, wie man es übersetzen könnte, wer diesen Begriff oder seine Theorie eigentlich erdacht hat. Erst wenn man tiefer hinabtaucht, stößt man auf Material zur feministischen Theorie und „aktuelle Erkenntnisse der Geschlechterforschung zum Beispiel zu Männlichkeit, Weiblichkeit und Intersexualität“.

Die bedeutendsten intellektuellen Leitfiguren dieser Forschung sind der 1984 an Aids-Folgen verstorbene französische Philosoph Michel Foucault (geboren 1926) sowie die in Berkeley lehrende Amerikanerin Judith Butler (1959). Foucaults Aneignung durch den Feminismus ist verschiedenthch bemerkt worden, in erster Linie handelt es sich dabei aber um die Übernahme der Körper- und Identitätstheorien eines homosexuellen Mannes durch homosexuelle Frauen. Judith Butler ist auch dabei maßgeblich, spätestens seit Beginn der neunziger Jahre hat sie sich als eine Meisterdenkerin des Gender-Begriffs und seiner Fortentwicklung in der „Queer-Theorie“ etabliert. Diese wird treffend als „inclusive umbrella label for all gendernauts and sexual outlaws, a cover-all term for lesbians, bisexuals, gays and transgendered people“ beschrieben: als ein gemeinsamer Schirm für alle „Gendernauten“ und sexuell Gesetzlosen, ein Dach für Lesben, Bisexuelle, Schwule und „Hinübergeschlechtliche“, wie „transgendered people“ in der Szene scherzhaft übersetzt wird — die Ausdrücke „Transvestit“ und „Transsexueller“ sind dort verpönt.

Und damit endlich ist man beim theoretischen Kern des „Gender“-Begriffs. Er meint nämlich keineswegs die Existenz sozialer Geschlechterrollen und deren Merkmale: also eine Banalität, an die feministische Klassikerinnen wie Betty Friedan noch anknüpften. Vielmehr behauptet „Gender“ in letzter Konsequenz, daß es biologisches Geschlecht nicht gebe. Die Einteilung der Neugeborenen in Jungen und Mädchen sei Willkür, ebensowohl könnte man sie auch nach ganz anderen Gesichtspunkten unterscheiden, etwa in Große und Kleine. Daher hege bereits in der Annahme der Existenz von Geschlecht eine letztlich gewalthafte Zuweisung von Identität: die „heterosexuelle Matrix“.

Als einführendes Traktat kann ich Gender: Politische Geschlechtsumwandlung sehr empfehlen! Es ist bedrückend, zu lesen, wie sich die von John Money behauptete strenge Unterscheidung zwischen „gender identity“ und „gender role“ durchgesetzt hat, obwohl seine Forschungen kläglich und tragisch gescheitert sind und eine Begründung bis heute fehlt. In Deutschland haben u.a. Feministinnen wie Alice Schwarzer,  Barbara Herlfferich oder Ursula von der Leyen mit ihrer nachhaltigen Lobbyarbeit der sozialrevolutionären Ideologie zum Durchbruch verholfen. Die derzeit so gefeierte „Ehe für alle“ ist da nur ein Meilenstein, dem weitere folgen werden.

Kommentare

  1. Jutta meint:

    “ Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) beklagte, das Thema sei „im Hauruckverfahren“ im Bundestag behandelt worden. „Der Umgang mit diesem so wichtigen Thema ist unangemessen.“ Außerdem gebe es erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken wegen der Änderung im BGB anstatt im Grundgesetz. Bayern werde nun Juristen mit der Klärung der Rechtslage beauftragen. So, wie das Gesetz jetzt ausgestaltet sei, widerspreche es der bisherigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Die Ehe sei nach einem über Jahrhunderte geprägten Verständnis die Verbindung zwischen Mann und Frau.“
    aus:
    Deutsches Anwaltsregister – DAWR >Homosexuelle dürfen bald heiraten – „Ehe für alle“ Gesetz nimmt letzte Hürde.

    Und ich bin gespannt, auf den Frau Merkel im Herbst vereidigt werden wird.
    Ob der Gottesbezzug bestehen bleibt.

  2. Jutta meint:
  3. https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2017/londons-u-bahn-ansprachen-ab-sofort-geschlechtsneutral/

    .. ich kann nur noch den Kopf schütteln und versuche zu lernen: dass wir die Häupter erheben dürfen, denn die Erlösung ist nahe … die Wiederkunft des Herrn !!!
    Man möchte mittlerweile allen zurufen: nur weiter so !!! .. dann hat der Spuk schneller ein Ende … wobei ich natürlich weiss, wer das letztendlich bestimmt ..

  4. ..ach ja, und ein Mann der ein Holzkreuz trug ist von Jugendlichen angegriffen worden , in Berlin .. steht auch in der Jungen Freiheit und noch so ein paar „rechtspopulistischen“ Zeitungen.

  5. Schandor meint:

    Ooch, wegen ein paar Spinnern geht die Welt nicht gleich unter, Jutta.
    Auch im 2. Weltkrieg hamse ständig von Entrückung und Weltuntergang geredet.
    Nur mal langsam. Davor wirds wohl noch zu einigen anderen Dingen kommen.
    Zum Beispiel, dass sich Deutschland ganz abgeschafft hat. Ist ja fast fertig, das Ding.

  6. .. vielleicht gehört das eben dazu .. ?? .. ich fände es nicht so tragisch, wenn die Welt tatsächlich unterginge bzw untergehen wird … irgendwann ist es soweit .. aber ich vergesse immer, dass „hier“ auf diesem Blog das 2. Kommen nicht geglaubt wird .. und das Tausendjährige Friedensreich …

    … ich weiss, es gibt viele verschiedene Theorien und Theologien darüber .. aber genauso wenig wie ich den Calvinismus / Vorherauswahl – Prädestination glaube, glaube ich das Nichtwiederkommen..

    .. empfehle Pfr Heiko Krimmer – Wenn ihr das alles kommen seht ..

  7. Roderich meint:

    @Jutta,
    jeder Christ glaubt an das Wiederkommen Jesu. So auch jeder seriöse Christ hier auf dem Blog.
    Vielleicht verwechselst Du das mit „Entrückung“? Die ist in der Tat umstritten. (Ist auch eher eine neuere Erfindung von Scofield etc.)

    Ich glaube, Jesus kommt ein mal wieder – zum Gericht. Es gibt kein „geteiltes“ Wiederkommen, oder keine Entrückung, dann 1000 Jahre warten, dann erst käme Jesus wieder oder so.

  8. Markus Jesgarz meint:

    @Roderich
    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage:
    Die „Entrückung“ ist auch eher eine neuere Erfindung von Scofield.
    1.
    In dem Beitrag von „Christliche Literatur-Verbreitung und Verlag Mitternachtsruf“:
    Dispensationalismus von Charles C. Ryrie (336 Seiten)
    http://clv.de/clv-server.de/wwwroot/pdf/256348.pdf
    steht unter „4. Die Ursprünge des Dispensationalismus“
    auf der Seite 99 die Tabelle „Repräsentative haushaltungsgemäße Entwürfe“:
    1.
    Pierre Poiret (1646 – 1719)
    2.
    John Edwards (1637 – 1716)
    3.
    Isaac Watts (1674 – 1748)
    4.
    J. N. Darby (1800 – 1882)
    5.
    James Brookes (1830 – 1897)
    6.
    James M. Gray (1851 – 1935) 1901 veröffentlicht
    7.
    C. I. Scofield (1843 – 1921) 1909 veröffentlicht
    2.
    In dem Beitrag von „Christliche Verlagsgesellschaft“:
    Bibel und Zukunft von J.D. Pentecost (474 Seiten)
    http://www.bibelkreis.ch/Themenpdf/Bibel und Zukunft I_ D_ Pentecost_1.pdf
    (Wenn der Link nicht funktioniert, dann suchen Sie bitte das pdf-Buch mittels „Google“.)
    steht unter „c) Das Ende des gegenwärtigen Zeitalters“
    auf der Seite 102:
    Chafer schreibt:
    … es muß unterschieden werden zwischen den „letzten Tagen“ für Israel – den Tagen der Herrlichkeit seines irdischen Reichs (vg l. Jes.2,1-5) – und den „letzten Tagen“ für die Gemeinde, die eine böse Zeit des Abfalls sind (vgl. 2.Tim.3,1-5). Ebenso ist eine Unterscheidung zwischen den „letzten Tagen“ für Israel sowie die Gemeinde und dem „letzten Tag“ nötig, der im Hinblick auf die Gemeinde der Tag der Auferstehung derjenigen ist, die in Christus gestorben sind (vgl. Joh.6,39 – 40.44.54).
    3.
    Meiner Meinung nach gibt es Indizien, die belegen:
    Die biblische Lehre von der „Entrückung“ ist keine „eher neuere Erfindung“ von Scofield.

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