Warum Mathematik rassistisch ist

Ich bin ganz dankbar, dass die postmoderne Theorie mit ihrer Identitätsschwärmerei immer buntere Blüten treibt. Das stärkt meine Hoffnung, dass doch mehr und mehr Menschen aufwachen und sich vor dem König, der keine Kleider trägt, nicht mehr verbeugen.

Worum geht es diesmal? Ausnahmsweise nicht um die Dekonstruktion des biologischen Geschlechts, sondern um die der Mathematik. Die Idee, dass die Mathematik objektiv sei, zeige nämlich, dass es sich um eine Wissenschaft der „weißen Vorherrschaft“ handelt. Das berichtet die heute Ausgabe der FAZ (02.03.2020, Nr. 51, S. 7):

Den Anfang machte Brittany Marshall. „Die Idee von 2 + 2 = 4 hat kulturelle Gründe. Als Folge von westlichem Imperialismus/Kolonisierung halten wir sie für das einzig Richtige“, twitterte die Studentin der Rutgers-Universität im vergangenen Sommer – und brach in den Vereinigten Staaten die Debatte über Mathematik, Hautfarbe und Herkunft los. Marshall, laut ihrem Profil Lehrerin, Kämpferin für sozialen Wandel und Anhängerin der Bewegung „Black Lives Matter“, machte öffentlich, was nur gelegentlich und verhalten in Schulverwaltungen und bei Bildungskonferenzen diskutiert wurde: die These, dass nichtweiße Schüler in Mathematik benachteiligt würden, da sich das Fach auf westliche Werte stütze.

Ideen haben Konsequenzen. In Oregon kam die Idee offenbar gut an. Denn:

Zumindest in Oregon schien die Warnung zunächst nicht angekommen zu sein. Das Kultusministerium des Pazifikstaats forderte seine Lehrer auf, sich in einem Kursus für „Ethnomathematik“ weiterzubilden. Der Bildungstrend, so der Rundbrief, gehe davon aus, dass der Fokus auf das korrekte Resultat im Mathematikunterricht ein Zeichen „weißer Vorherrschaft“ sei. Ein Ziel der Fortbildung solle daher sein, für jede Aufgabe mindestens zwei Ergebnisse zu erarbeiten. Auch das Vorführen von Rechenwegen durch die Schüler vertrage sich nicht länger mit den Vorstellungen des Kultusministeriums in Portland. Es sei ein Signal für die Infiltration des Klassenzimmers mit „White Supremacy Culture“.

„Das Konzept, dass Mathematik rein objektiv ist, ist eindeutig falsch. An der Idee festzuhalten, dass es immer richtige und falsche Antworten gibt, schreibt diese Objektivität und die Furcht vor offenem Konflikt fort“ – mit diesen Worten warf das Department of Education den bisherigen Ansatz über den Haufen. Auch Objektivität, heißt es in dem Begleitbuch zur neuen Lehrmethode unter dem Titel „Abbau von Rassismus“, sei ein charakteristisches Zeichen für „weiße Vorherrschaft“.

Dann hoffen wir mal, dass die Vertreter der Ethnomathematik keine Brücken bauen.

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3 Kommentare
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Micha

Da hat sich wohl Brittany Marshall von der 2017 erschienen Parodie „Alternative Mathematics“ inspirieren lassen:

https://m.youtube.com/watch?v=Zh3Yz3PiXZw

Stephen

Da hat jemand gewiss 02.03 mit 01.04 gewechselt, oder? Denn sowohl 2+3 als auch 1+4 waren bis vor Kurzem zumindest 5 … . Hoffe ich.

Anon

Mit diesem Konzept sind nicht Inder, Araber oder Afrikaner in den USA gemeint sondernAfroamerikaner und Latinos was in den USA keine Ethnien sind sondern Kasten vor allem die Ex Sklaven der Afroamerikaner, das dieses schwarz sind ist nicht das wesentliche. Im Prinzip das gleiche wie bei anderen auch ethnisierren Kasten wie den Roma oder den Dalit in Indien, all diese Kasten haben gemein dass sie extrem bildungsfern sind.
In Osteuropa gibt es ja auch unzählige Roma Förderprogramme oft werden sie nichtmal in die gleichen Schulen geschickt wie die sonstige Tschechische oder rumänische Bevölkerung.
Mit dem milleu afrikanischer Immigranten aus Nigeria, Ghana oder Ethlopien oder jenem aus Indien oder China im den USA hat das überhaupt nichts zu tun. Diese Gruppen sind nicht gemeint sondern solche unterpriviligierten Kasten.
Ghanesen oder Nigerianer sind in GB oder UK genauso Rind model minority wie Inder oder Chinesen, in allen Bereichen