Warum sich alle Christen möglichst frei in der Heiligen Schrift umtun sollen

Philipp Melanchthon schreibt in den Loci Communes von 1521 (1997, S. 15):

Denn im allgemeinen halte ich nicht viel von den Kommentaren, nicht einmal von denen der alten [Väter]. Ich bin weit davon entfernt, daß ich irgend jemand durch eine meiner längeren Schriften vom Studium der kanonischen Schrift abhalten will. Im Gegenteil wünschte ich nichts so sehr, als daß ‐ wenn irgend möglich ‐ alle Christen sich möglichst frei nur in der heiligen Schrift umtun und völlig in ihre Wesensart umgestaltet werden. Denn da die Gottheit ihr ihr vollkommenstes Bild eingeprägt hat, wird sie anderswoher weder sicherer noch näher erkannt werden.

Kommentare

  1. Schandor meint

    Ja, Kommentar ist Kommentar. Und trotzdem, lieber Philipp, danke ich dir schön für deine Apologie, in dem du über 180mal betonst, dass wir propter Christum erlöst werden. Mir selbst hilft das Studium dogmatischer Werke doch sehr, ein Bild der Bibel zu erhalten, wie ich es durch das Lesen derselben so nie bekäme, da ich dann Gefahr liefe, meinen Blickwinkel für den einzigen zu halten. Ja, du hast sicher recht, dass man sich in der heiligen Schrift umtun soll, aber bedenke, die meisten von uns können die Grundsprachen nicht und sind auf mehr oder weniger gute Übersetzungen angewiesen. Die ungeheure Spannung, die das NT durchzieht (Imperative/Indikative), die ist ja dir auch nicht entgangen. Da finde ich die Arbeit der Dogmatiker schon sehr hilfreich, muss ich sagen. Mich nämlich will die Lektüre des NT schier zerreißen, weil ich nicht sehe, welche Stellen mehr und welche weniger Gewicht haben, insonderheit dort, wo die einzelnen Autoren verschiedene Aussagelinien verfolgen, wie die Theologen sagen.

  2. (1) Ja, Das Wort selbst ist die ERSTE und VORZÜGLICHSTE, uns allen frei verfügbare Quelle unseres Wachsens und Erkennens, mit der wir uns beständig füttern sollten. Ein kurzer Beitrag, der mir dazu hängengeblieben ist, ist:
    https://jesaja662.wordpress.com/2012/01/07/notwendigkeit-des-bibelstudiums/
    (2) DANACH ist es aber oft auch hilfreich, die eigenen Ergebnisse des Studierens und Lesens mit den Ergebnissen anderer treuer, gottesfürchtiger Brüder zu vergleichen oder zu ergänzen – auch um zu sehen, ob ich völlig auf einem Abweg gelande bin.
    (>) PRIMÄR aber ist das Wort selbst die kostbare Quelle des göttlichen Redens, die wir studieren, durchdenken, beten und anwenden sollten (2Tim 3:15-17), wie Melanchton ja schreibt.
    Der abschließende Vers aus o.a. Beitrag ist mir da täglich eine besondere Ermutigung…
    Danke für das gute Zitat.

  3. @Schandor: Ja, lieber Schandor, da stimme ich Dir durchaus zu. Deshalb habe ich ja die Loci Communes geschrieben. Ich wollte nur, besonders in der Ausgabe von 1521, klarstellen, dass ich das nicht getan habe, „um die Studenten von der Schrift wegzurufen zu manchen dunklen und schwierigen Disputen, sondern um sie, wenn ich kann, zur Schrift einzuladen“ (LC, S. 15).

    Herzlichst, Dein Philipp

  4. Schandor meint

    Nun, Philippus, du weißt ja, wie froh wir über euch sind: Wir Kämmerer brauchen immer einen Philippus, der zu ihnen auf den Wagen steigt, um ihnen zu erklären, was sie nicht verstehen. 😉
    Ich stürz mich also mal in die Primärlektüre … und freu mich schon auf die Sekundärliteratur LC 🙂

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