Was ist Apologetik?

Apologetik ist eine systematisch-theologische Disziplin, die den Gläubigen dabei hilft, den in 1Petr 3,15 formulierten Auftrag in die Tat umzusetzen. Apologetik ist demnach denkerische Rechtfertigung und Verteidigung der christlichen Hoffnung.

Ihren besonderen Charakter gewinnt die Apologetik dadurch, dass sie Fragen (und Klagen) Andersdenkender aufgreift und für diese formal nachvollziehbar zu beantworten sucht. Petrus erwartet von den Christen, dass sie den Grund für ihre Hoffnung vernünftig kommunizieren können. Ein Apologet glaubt nicht nur, er kann auch erklären und begründen, warum und woran er glaubt. Ein Apologet versucht plausibel darzulegen, warum ein Christ Christ ist und Nicht-Christen Nachfolger von Jesus Christus werden sollten.

Apologetik ist keine Disziplin für Spezialisten. Bei allen denkbaren Gelegenheiten und gegenüber jedermann (vgl. 1Petr 3,15) sollen Christen zur Rechenschaftslegung bereit sein. Somit ist nicht nur die akademische Auseinandersetzung Forum für die Apologetik, sondern das gesamte Gemeindeleben einschließlich der Katechese, Verkündigung, Seelsorge oder Evangelisation.

Wir können zwischen reflektierender, defensiver und offensiver Apologetik unterscheiden. (In der Literatur findet sich manchmal die Unterscheidung zwischen negativer und positiver Apologetik. Ich ziehe defensive und offensive Apologetik dieser traditionellen Bezeichnung vor, da sprachlich präziser.)

(a) Reflektierende Apologetik. Sie richtet sich nach innen, also an die Gemeinde der Christusgläubigen. Diese Form der Apologetik liefert den Gläubigen einsichtige und prüfbare Gründe für ihren Glauben. Auch Gläubige haben Zweifel und werden durch leere und verführerische Gedankengebäude angefochten (vgl. Kol 2,8). Jesus und die Apostel haben den Gläubigen überzeugende und tragfähige Gründe für ihre Nachfolge gezeigt (vgl. z. B. Joh 20,24–31; 1Kor 15,1–11). Reflektierende Apologetik hilft dabei, Vernunftsschlüsse, die sich gegen die Erkenntnis Gottes richten, aufzudecken und alles Denken in den Gehorsam gegenüber Christus zu führen (vgl. 2Kor 10,5).

Reflektierende Apologetik klärt also Fragen des Glaubens und Unglaubens im Kreis der Kirche. Defensive und offensive Apologetik wendet sich vor allem an den Kreis der Menschen, die (noch) nicht an Jesus Christus glauben.

(b) Defensive Apologetik. Sie liefert Belege und Argumente für die Verteidigung des christlichen Glaubens gegenüber Einwänden und Angriffen. Sie reagiert auf Argumentationen, die von außen an die Kirche herangetragen werden. Einige Reden des Apostels Paulus gehören zu dieser Form der Apologetik, da er das Evangelium gegenüber Anklagen von Juden und Griechen verteidigte. Ebenso wurden viele Reden Jesu durch verbale Angriffe der Pharisäer und Schriftgelehrten provoziert (vgl. Abschnitt „Adressaten der Apologetik im Neuen Testament“). Wie wir bereits gesehen haben, sind Apologien überwiegend defensiv ausgerichtet. Theologen bemerken, dass die Gläubigen in den Gemeinden durch populäre Geistesströmungen verunsichert werden und bei ihren evangelistischen Bemühungen Überzeugungskraft verlieren. Um Zweifel auszuräumen und die Gemeinden geistlich, intellektuell und ethisch zu stärken, verteidigen sie das historische Christentum durch eigene Schriften.

(c) Offensive Apologetik. Sie präsentiert Argumente für die Wahrheit des christlichen Glaubens mit dem Ziel, die weltliche Weisheit als Torheit zu überführen (vgl. Spr 9,6; Ps 53,2; 1Kor 1,18–21). Offensive Apologetik ist also „angriffslustig“, sie attackiert die gottlosen Denksysteme und Lebensentwürfe mit der Offenbarung Gottes. Nicht-christliches Denken ist dem Wahn verfallen (Röm 1,21). Offensive Apologetik will nun dieses verfinsterte Denken aufdecken und überzeugende Denkalternativen entfalten. Apologetik in diesem Sinn zeigt, dass der Glaube an Christus wahr ist.

Kommentare

  1. Großartig erklärte!! Danke Ron!

  2. Konrad Kugler meint:

    Ja, daran hapert es gewaltig.
    Man kann doch einen müden Hund nicht einmal hinter einem kalten Ofen hervor locken mit der unendlichen Liebe Gottes zu uns Menschen. Ein nachlaufender Gott ist so lästig wie ein unattraktives Weib oder ein stalkender Mann. Einfach uninteressant.

    Gottes Liebe und Seine Gerechtigkeit gehören zusammen.

    Erst dann kommt eine gewisse Spannung ins Spiel.

  3. Konrad Kugler meint:

    Entschuldigung:
    Ich habe meinen Dank für diesen Artikel vergessen.

  4. FrankS meint:

    Das Problem ist halt, dass (nicht nur) die Apologetik meist als Aufgabe derer gesehen wird, die ein Theologiestudum haben. In den Landeskirchen ist die Situation noch viel ausgeprägter als in den freien und kleineren Kirchen.

    Christen die es lediglich dem Namen nach sind, fehlt jegliche Grundlage für Apologetik. Darüber muss man sich nicht wundern. Aber auch vor engagierten Christen macht die genannte Einstellung nicht halt.

    Einfach ablesen kann man diesen Zustand, wenn man nach dem Gottesdiesnt fragt, wie denn die Predigt bewertet würde. Wenn als Antwort etwas in der Art von „Och, ich fand den Pastor nett.“ kommt, weiß man, woran man ist.

  5. @ Ron
    vielen Dank, und wenn man dies m.E. dann für das Reich Gottes reflektiert, werden man feststellen, dass für die gesunde geistliche Entwicklung jedes einzelnen, von Gemeinden und übergemeindlichen Organisationen eine gute Apologetik unerlässlich ist

  6. Markus Jesgarz meint:

    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage:
    Apologetik ist keine Disziplin für Spezialisten.
    Meine Meinung ist:
    Die Entwicklung von guten Apologetik-Programmen ist wichtig für die Zukunft.
    In dem Beitrag:
    (Mit Google Übersetzer wurden die Texte übersetzt.)
    Die Top 10 Graduate Programme in der christlichen Apologetik
    thebestschools.org/rankings/top-10-graduate-programs-christian-apologetics/
    steht im dritten Absatz:
    Apologetik ist seit dem Aufstieg des Christentums populär und hat sich an verschiedenen Stellen in der Kirchengeschichte stark verbreitet. Nichtsdestoweniger hat die moderne Wissenschaft es weitgehend vernachlässigt. Das könnte sich jedoch ändern. Die Bachelorabsolventen können jetzt eine Reihe von Master- sowie Doktor- Apologetik-Programme finden.

  7. Das ist gelebte, nicht theoretisierte Apologetik: Mitsuo Fuchida war der japanische Pilot, der im Dezember 1941 den Angriff auf Pearl Harbor leitete. Er war es, der nach Tokio »Tora, Tora, Tora« meldete, um den vollkommenen Erfolg der Mission mitzuteilen. Er war trunken vom Sieg, bis der Krieg sich wendete. Schließlich musste sein Land die Waffen strecken. Zerschmettert durch die Niederlage beschloss Fuchida die Sieger vor ein internationales Kriegsverbrechertribunal zu ziehen. Um Beweise zu sammeln, interviewte er japanische Soldaten, die in den Vereinigten Staaten in Kriegsgefangenschaft gewesen waren. Anstatt Gräueltaten zu erfahren, hörte er wiederholt von einer Christin, die das Gefangenenlager besuchte, sie freundlich behandelte und ihnen ein christliches Buch schenkte, Neues Testament genannt. Als die Gefangenen die Frau fragten, warum sie so gut zu feindlichen Gefangenen sei, erzählte sie ihnen, dass ihre Eltern Missionare auf den Philippinen gewesen und von Japanern
    hingerichtet worden waren. Aber bevor sie starben, hatten sie ein bestimmtes Gebet gesprochen. Wegen dieses Gebets hatte sie beschlossen, hilfsbedürftige japanische Gefangene zu lieben und für sie zu sorgen.
    Mitsuo Fuchida konnte die Geschichte von diesem geheimnisvollen Gebet nicht vergessen. Andauernd bohrte es in ihm. Er machte ein Neues Testament ausfindig und fing an zu lesen. Als er zu Lukas 23,34 kam, wusste er sofort, dass er das Gebet entdeckt hatte: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.«
    Da dachte er nicht mehr an die Amerikanerin, nicht an die japanischen Kriegsgefangenen, sondern an sich selbst. Er war ein glühender Feind Christi, und doch erkannte er, dass Gott bereit war,Seine ihm als Antwort auf dieses Gebet des gekreuzigten Erlösers zu vergeben. Im gleichen Augenblick suchte und fand er Vergebung und das ewige Leben durch den Glauben an Christus. Mitsuo Fuchida verbrachte den Rest seines Lebens damit, auf der ganzen Welt den unerschöpflichen Reichtum Christi zu predigen.

    William MacDonald

  8. Schandor meint:

    @ali

    Wo hast denn die Geschichte her? Von McDonald? Hasts schön erzählt – gibts da ein Buch?

  9. Markus Jesgarz meint:

    @Schandor:
    In dem pdf-Buch:
    Seiner Spur folgen
    clv.de/clv-server.de/wwwroot/pdf/255988.pdf
    Anleitung zur Jüngerschaft
    von William MacDonald steht
    1.
    auf den Seiten 36-37 von 432 das Zitat mit der Anmerkung 4.
    2.
    unter „Anmerkungen“ auf der Seite 427 von 432:
    4 Entnommen aus einer Predigt von Harry Foster, einem Bibellehrer aus England.

  10. Markus Jesgarz meint:

    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage:
    Petrus erwartet von den Christen, dass sie den Grund für ihre Hoffnung vernünftig kommunizieren können.
    Meine Meinung ist:
    Apologetik ist wichtig für jeden Christen.
    1.
    In 1. Petrus 3,15 steht:
    bibleserver.com/text/SLT/1.Petrus3
    sondern heiligt vielmehr Gott, den Herrn, in euren Herzen!
    Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann,
    der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist,
    und zwar mit Sanftmut und Ehrerbietung;
    2.
    In dem Beitrag:
    (Mit Google Übersetzer wurden die Texte übersetzt.)
    5 Gründe, warum Sie 2018 ein Apologetik-Training erhalten sollten
    seanmcdowell.org/blog/5-reasons-you-should-get-apologetics-training
    am 5.1.2018 von Sean McDowell steht:
    1. Apologetik wird Ihnen helfen der Kirche zu dienen.
    2. Apologetik-Training wird helfen Ihr Vertrauen aufzubauen.
    3. Apologetik-Training kann Spaß machen.
    4. Apologetik-Training hilft die Kirche vor der Ketzerei zu schützen.
    5. Apologetik-Training ist verfügbar.

  11. Roderich meint:

    @Markus,
    danke, das sind gute Gründe. Ich empfehle da übrigens das Buch „Christian Apologetics“ von Douglas Groothuis. Am Anfang geht es auch um die biblische Rechtfertigung von Apologetik.

    Interessant auch: „Jesus – philosopher and apologist“ von Doug Groothuis:
    http://www.equip.org/article/jesus-philosopher-and-apologist/

    „Jesus the Philosopher“:
    http://christianapologeticsalliance.com/2012/11/27/jesus-the-philosopher/

    „Jesus, the Master of Critical Thinking“ von Juan Valdes:
    https://www.rforh.com/resources/know-it/diving-deeper/jesus-the-master-of-critical-thinking

    Ein kleines Beispiel:

    1) Jesus’ Use of A Fortiori Arguments

    Jesus often used a fortiori arguments. The latin phrase ‘a fortiori’ means, “from something stronger.” These are very persuasive arguments that build the case for a particular proposition by showing that it has even stronger support than other related propositions commonly accepted as true. The structure is as follows:

    Premise 1: Proposition “X” is widely accepted.

    Premise 2: Support for proposition “Y” is even stronger than the support for proposition “X”

    Conclusion: Therefore, if proposition “X” is accepted, then proposition “Y” should be accepted all the more.

    Consider the exchange found in Luke 13:14-16. Jesus was continually attacked for supposed violations of the Sabbath. In this passage, Jesus presents an a fortiori argument in his defense as follows:

    Premise 1: Loosening the cattle from their stall to taking them out to water on the Sabbath is widely practiced and accepted by the Pharisees.

    Premise 2: This woman, a daughter of Abraham, (far more valuable than cattle) has been bound by Satan for 18 years and has also been loosed on the Sabbath.

    Conclusion: Therefore, if it is acceptable to loosen the cattle on the Sabbath, then it should be even more acceptable to loosen a daughter of Abraham.

  12. @Matze: Da stimme ich gern zu. Wir sollten auch bedenken, dass sich die Systematische Theologie in gewisser weise aus der Apologetik entwickelt hat und sie über lange Zeit Teil der Theologie war. Sie hat sich erst verselbständigt, als sie zu umfangreich wurde (ähnlich wie sich die Religionsphilosophie aus der Philosophie gelöst hat).

    Liebe Grüße, Ron

  13. Markus Jesgarz meint:

    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage im 3. Absatz:
    Apologetik ist keine Disziplin für Spezialisten. Bei allen denkbaren Gelegenheiten und gegenüber jedermann (vgl. 1Petr 3,15) sollen Christen zur Rechenschaftslegung bereit sein. Somit ist nicht nur die akademische Auseinandersetzung Forum für die Apologetik, sondern das gesamte Gemeindeleben einschließlich der Katechese, Verkündigung, Seelsorge oder Evangelisation.
    Meine Meinung ist:
    In der Sonntagsschule soll auch Apologetik unterrichtet werden.
    In dem Beitrag:
    (Mit Google Übersetzer wurden die Texte übersetzt.)
    Die Schließung der Hintertür: Die Notwendigkeit der christlichen Bildung
    normangeisler.com/closing-the-back-door-the-need-for-christian-education/
    am 21.10.2009 von Dr. Randy Douglass steht unter
    „Zweiter Teil: Wann verlassen Jugendliche die Kirche?“
    und „3. Umschulen durch Sonntagsschule.“ im 1. Absatz:
    1.
    Die Kirchen müssen die Lehrer, die die Sonntagsschule unterrichten, bewerten und sicherstellen, dass sie wissen, wie sie die skeptischen Fragen zu ihrem Thema beantworten können.
    2.
    Jede Kirche sollte zumindest ihren Lehrern der Mittelschule und aufwärts eine apologetische Ausbildung anbieten.

  14. Markus Jesgarz meint:

    Dies ist ein Kommentar zu der Aussage im 1. Satz:
    Apologetik ist eine systematisch-theologische Disziplin, die den Gläubigen dabei hilft, den in 1Petr 3,15 formulierten Auftrag in die Tat umzusetzen.
    Meine Meinung ist:
    Gott möchte, dass Christen den Glauben vernünftig verteidigen.
    In dem Beitrag:
    (Mit Google Übersetzer wurden die Texte übersetzt.)
    Eine Apologetik für Apologetik
    normangeisler.com/a-apologetic-for-apologetics/
    von Norman L. Geisler steht unter
    „II. Die Gründe für die Notwendigkeit, den Glauben zu verteidigen“
    und „A. Gott befiehlt den Gebrauch der Vernunft“
    in den letzten beiden Absätzen:
    In 2. Timotheus 2, 24-25 erklärt Paulus: „Der Knecht des Herrn darf nicht streitsüchtig sein, sondern freundlich zu allen, fähig zu lehren, geduldig, wenn Unrecht getan wird, mit Sanftmut, der diejenigen, die in Opposition sind, korrigiert, wenn Gott ihnen vielleicht Reue gewährt zur Erkenntnis der Wahrheit.“ Jeder, der versucht, die Fragen von Ungläubigen zu beantworten, wird sicherlich getäuscht und versucht sein, die Geduld zu verlieren, aber unser letztendliches Ziel ist, dass sie zu der Erkenntnis gelangen, dass Jesus für ihre Sünden gestorben ist.
    Tatsächlich ist der Befehl, die Vernunft zu gebrauchen, Teil des größten Befehls. Denn Jesus sagte: „`Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt.’ Dies ist das erste und größte Gebot“ (Mt. 22: 37-38).

  15. @Markus Jesgarz,

    das Original steht ja hier:
    https://normangeisler.com/an-apologetic-for-apologetics/

    „to wrong someone“ heißt eher „jemandem Unrecht tun“, nicht „jemanden täuschen“.

    Also besser so übersetzen:

    „Jeder, der versucht, die Fragen von Ungläubigen zu beantworten, dem wird sicherlich Unrecht getan werden, und er wird versucht sein…“

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