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Wider die digitale Scheinwelt

Der Schriftsteller Nicol Ljubic hat in einem ausgezeichneten DLF-Beitrag für das Leben im Realen plädiert. Leute, die sich wie er dafür entschieden haben, sozialen Netzwerken fernzubleiben, machen bereits die Erfahrung der sozialen Ausgrenzung. Ihnen wird der Eindruck vermittelt, sie gehörten nicht dazu. Ljubic fragt, ob hier nicht die digitale Welt mit der wirklichen verwechselt wird. Gibt es nichts Wichtigeres als das Netz?

Die Freiheit im Netz scheint für viele längst existentieller als die Freiheit im Leben jenseits des Netzes. Mir fällt kein anderes gesellschaftspolitisches Anliegen ein, für das sich junge Menschen in letzter Zeit so ins Zeug gelegt haben. Ich frage mich, ob das wirklich so gut ist für uns alle.

Da ist etwas dran. Der digitalen Welt wird zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Ich formuliere nachfolgend deshalb mal einige Empfehlungen für den Umgang mit Smartphones & Co.

(1) Ziehe das Gespräch von Angesicht zu Angesicht dem digitalisierten Austausch vor, insofern das möglich ist.

(2) Verzichte beim realen Gespräch auf die gleichzeitige Nutzung digitaler Geräte. Deine „Spielzeuge“ haben die Aufmerksamkeit, die du deinem Gesprächspartner schuldest, nicht verdient.

(3) Die Art und Weise, wie du deinen Tag beginnst, entscheidet über den Tagesverlauf mit. Wenn du gleich nach dem Aufwachen deine E-mails checkst oder die Kontostände prüfst, holst du dir den Stress zu früh ins Herz. Versuche, die kostbare erste Stunde mit wichtigeren Dingen zu füllen. Ich habe gute Erfahrungen mit fortlaufender Bibellektüre und einer Gebetszeit mit Dank- und Fürbitten gemacht.

(4) Was wir vor dem Einschlafen tun, beschäftigt uns oft noch im Schlaf. Das grenzenlose Surfen kann nicht nur mehrere Stunden Schlaf rauben, sondern auch die Reizverarbeitung im Schlaf stimulieren. Bedenke das bei dem, was du beim Einschlafen tust. Ich selbst schlafe mit einem gediegenen Buch, zum Beispiel mit einer Biographie, viel besser ein als mit einem Tablet.

(5) Achte darauf, dass die vielen Impulse, die du durch die digitalen Welten empfängst, nicht dein Denken destrukturieren. Denke selbst und sortiere entsprechend diesem Denken die Impulse ein oder aus. Das schützt vor Fremdbestimmung.

(6) Eine Welt, in der jeder erzählt, was er gerade tut oder fühlt, ist noch ärmer als eine Welt, die Anteilnahme nur simuliert. Kommuniziere auch von dir weg über Inhalte.

(7) Das Leben ist kurz. Deshalb handeln wir klug, wenn wir Wichtiges von Trivialem unterscheiden. Vieles, was durch das Netz geistert, ist nicht einmal trivial, sondern unnütz. Verschenke dein Herz nicht an das Unnütze.

(8) Worte sind wichtiger als bewegte Bilder. So unterhaltsam Filme auch sein mögen, sie können das Lesen nicht ersetzen. Ziehe die Lektüre dem entbehrlichen Glotzen vor.

(9) Plane Zeiten der Abstinenz ein. So entwickelst du ein Gefühl dafür, wie schön das Leben ohne diese Spielzeuge ist. Vielleicht zeigt dir die Lebendigkeit, die dadurch entsteht, dass Technik den Blick für das Wesentliche sogar versperren kann. Vielleicht wirst du sie gar nicht vermissen, diese digitale Scheinwelt.

Die Liste darf gern kritisiert und erweitert werden.