Jüngerschaft

Menschenfischen & Schafeweiden

 

 

Vor rund 25 Jahren hatte ich das Vergnügen, Wolf Christian-Jaeschke bei der Veröffentlichung des wunderbaren Buches Adolph Zahn: Von Gottes Gnade und des Menschen Elend (#ad, 2. Aufl., 2005) zu unterstützen.

Dr. Bernhard Kaiser schrieb damals über das Werk:

Lange muß man suchen, bis man in der Theologenwelt des neunzehnten Jahrhunderts mit ihrem Fortschrittsoptimismus und ihren Illusionen vom Menschen einen Mann des biblischen Realismus findet. Wolf-Christian Jaeschke, der Leiter der Navigatoren-Arbeit in Deutschland, ist fündig geworden und hat uns Adolph Zahn vorgestellt. Dafür ein herzliches Dankeschön vorab. Biblischer Realismus ist das Markenzeichen der Theologie, die in diesem Buch präsentiert wird. Adolph Zahn (1834-1900) war Pfarrer in Halle, Wuppertal und Stuttgart, ein Kämpfer für die Wahrheit und Irrtumslosigkeit der Schrift und gegen die Bibelkritik, ein Vetter von Theodor Zahn und Adolf Schlatter. Er lebte und wirkte in einer Zeit, in der der Heils- und Heiligungsoptimismus und die Illusionen vom neuen, wiedergeborenen Menschen der frommen und ansonsten bibelgläubigen Welt in den Kopf stiegen. Realismus dagegen heißt, daß Zahn in großer Klarheit vom vollbrachten, stellvertretenden Heil in Christus sprach, jener geistlichen Realität, die für uns nicht sichtbar ist, aber die doch so wirklich und wahr ist, wie Christus gestorben, auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist.

Von Gottes Gnade und des Menschen Elend steht immer noch in meiner Handbibliothek, sodass ich bei Bedarf schnell darauf zurückgreifen kann. Die Anhänge zu lutherisch-reformierten Lehrdifferenzen, zur Heiligen Schrift oder zur Eschatologie sind ungemein hilfreich.

In den zurückliegenden Monaten, also 25 Jahre später, durfte ich Wolf Christian Jaeschke erneut bei der Herausgabe eines Buches unterstützen. Vor wenigen Tagen ist Menschenfischen und Schafeweiden: Die doppelte Berufung der Jesus-Nachfolger (#ad, 1. Aufl., 2026) erschienen.

Das Buch beschreibt die Ausbreitung des Evangeliums. Es bietet einen einprägsamen Gesamtüberblick über die beiden zentralen Handlungsfelder, die Jesus in seiner bildhaften Sprache als „Menschenfischen” und „Schafeweiden” bezeichnete. Beim ersten geht es darum, dass Menschen den Glauben für sich entdecken, beim zweiten darum, dass sie in diesem Glauben gestärkt und vertieft werden.

Theologische Fragen, die sich bei der Ausbreitung des Evangeliums stellen, aber oft ausgeblendet bleiben, werden in verständlicher Weise erläutert. So entsteht eine „Theologie für unterwegs“. Sie soll all jenen dienen, die mit anderen im Gespräch über den Glauben stehen oder diese im Glauben begleiten.

Die Praxis dieses Unterwegsseins wird in ihrem weit gefächerten Spektrum dargestellt. Wer mehr über Evangelisation und Nacharbeit, Apologetik und Zweierschaft, Tutoring und Mentoring und vieles andere mehr wissen möchte, findet hier reichlich Material.

Der Autor stützt sich dabei auf seine langjährige Erfahrung im „Menschenfischen und Schafeweiden“ sowie auf eine Fülle von Literatur zum Thema. Wer dieses Buch liest, lernt durch Überblicke und Originalzitate zahlreiche weitere Publikationen kennen.

In drei Anhängen wird zudem betrachtet, was C. S. Lewis, Francis Schaeffer und der Chinamissionar John Nevius zur Glaubensvermittlung und -vertiefung zu sagen hatten.

Meiner Meinung nach ist es ein wichtiges Buch, das zur richtigen Zeit erschienen ist. Es erinnert uns an unseren Auftrag, das Evangelium mutig zu bezeugen; und es zeigt uns, wie wir unseren Glauben im öffentlichen Raum und in der persönlichen Begegnung vertiefen können. Gerade Themen wie Mentoring oder Tutoring bleiben in christlichen Kreisen oft theologisch unterbelichtet. Dabei geht es nämlich nicht nur um neutrale, offene Entwicklungsprozesse, Begleitung und Stärkung, sondern auch um eine am Evangelium orientierte „Unterweisung“.

Fehlt diese Vertiefung, bleiben wir geistlich unmündig und laufen Gefahr, vom Wind falscher Lehren mitgerissen zu werden. Paulus schrieb an die Epheser: „Wir sollen keine unmündigen Kinder mehr sein; wir dürfen uns nicht mehr durch jede beliebige Lehre vom Kurs abbringen lassen wie ein Schiff, das von Wind und Wellen hin und her geworfen wird“ (Eph 4,14 NGÜ). „Stattdessen sollen wir in einem Geist der Liebe an der Wahrheit festhalten, damit wir im Glauben wachsen und in jeder Hinsicht mehr und mehr dem ähnlich werden, der das Haupt ist, Christus“ (Eph 4,15 NGÜ).

Das Buch vermittelt keine neuen Programme, sondern macht Mut, Verantwortung zu übernehmen und eine Kultur des Jüngermachens und Jüngerstärkens zu fördern.

Bei Verlag gibt’s mehr Informationen; außerdem kann dort das Buch auch bestellt werden: verbum-medien.de.

Glaubensvertiefung als Handwerk

Bei Evangelium21 ist ein Artikel von Wolf Christian Jaeschke und mir über das Thema „Glaubensvertiefung“ erschienen. Dabei wird hervorgehoben, dass „Jüngerschaft“ zwar immer noch gern gelehrt wird, aber oft die praktische Hinführung fehlt. Zitat:

Um die andere Seite allerdings, die des gemeinsamen Unterwegsseins im Alltag und der persönlichen Begleitung in der praktischen Nachfolge Jesu, ist es oft weniger gut bestellt.

Ja, wir lehren Jüngerschaft, und das ist sehr wichtig. Aber wir zeigen nicht unbedingt, wie sie konkret im Alltag aussieht. Bildlich gesprochen: Bei der Vertiefung des Glaubens ist uns das Schulmodell wesentlich vertrauter als das Modell des ausbildenden Handwerksbetriebs.

Checkfrage: Was hilft einem am meisten, wenn man irgendetwas Kompliziertes ausfüllen, zusammenbauen, reparieren, programmieren usw. muss? Schriftliche Instruktionen sind ein guter Anfang. Noch besser ist ein Video aus dem Internet, in dem ein freundlicher Mensch das Ganze Schritt für Schritt vormacht. Und am liebsten wäre es uns wohl, dieser freundliche Mensch säße sogar leibhaftig neben uns und könnte uns zeigen, wie man’s macht.

Auch im praktischen Christenleben ist hier ein großer Bedarf. Und gerade weil es um Praxis geht, ist hier der ideale Einsatzort für Ehrenamtler. Nicht alle Christen sind begabte Prediger, Katecheten, Evangelisten und Apologeten. Aber (fast) jeder Christ kann sich über das, was er täglich im Glauben erlebt, mit jüngeren Christen austauschen. Dies ist dann weniger ein zusätzlicher Programmpunkt im sowieso schon angefüllten Gemeindeleben, sondern Bestandteil einer informellen Gemeindekultur.

Der bekannte kanadische Neutestamentler Don Carson schrieb einmal:

„Du, der du älter [im Glauben] bist, solltest dich umschauen nach jüngeren Leuten und ihnen … sagen: ‚Schau mir zu!‘ Komm – ich zeige dir, wie man Familienandachten hält. Komm – ich zeige dir, wie man die Bibel studiert. Komm – ich erkläre dir ein paar Grundlagen des Glaubens. Komm – ich zeige dir, wie man betet. Komm – ich zeige dir, wie man ein gläubiger Ehemann und Vater, eine gläubige Ehefrau und Mutter ist. An einem bestimmten Punkt des Lebens sollte der ältere Mentor anfangen, auch andere Dinge zu sagen, zum Beispiel: Ich zeige dir, wie man stirbt. Schau mir zu.“

Das alles geschieht in unseren Gemeinden offenbar zu wenig. Es hatte sicher seinen Grund, dass Carson es thematisiert. Er zählt hier eine ganze Palette an Themen auf, die von allen möglichen Seiten an einen herangetragen werden können. Sie stammen aus den verschiedensten Entwicklungsphasen des Christseins, ein buntes Durcheinander von „Anfängerfragen“ und „weiterführenden Fragen“.

Mehr: www.evangelium21.net.

Übrigens wird es zu dem Thema ein zweitägiges Seminar auf der E21-Hauptkonferenz vom 30. April bis 2. Mai 2026 in der Arche-Gemeinde in Hamburg geben. Für die Konferenz mit dem Oberthema „Glaube, der bleibt – von Generation zu Generation“ kann man sich hier anmelden.

John Mark Comers Ansatz

John Mark Comer ist Gründungspastor der Bridgetown Church in Portland. Sein Ziel es ist, Ressourcen für Jüngerschaft und Ausbildung in Ortsgemeinden zur Verfügung zu stellen. Und er hat schon allerlei publiziert. Manches davon ist hilfreich, anderes gewöhnungsbedürftig. Und wieder anderes bedenklich. Noah Senthil hat sich das genauer angeschaut: 

Comer scheint eine gemeindeähnliche Gemeinschaft ohne solide Ekklesiologie anzustreben. Er behauptet, Protestant zu sein, ignoriert aber (und beklagt manchmal auch) einen Großteil des traditionellen Protestantismus. Er bezieht sich oft auf mystische Christen in der östlich-orthodoxen, katholischen und quäkerischen Tradition. Und viele Evangelikale werden es mehr als nur ein wenig verdächtig finden, dass das Eingangszitat des Buches („Mögest du mit dem Staub deines Rabbiners bedeckt sein“) der Titel einer Predigt von Rob Bell ist, die später im ersten Kapitel zitiert wird. Was auch immer es bedeutet, das „Leben vom Meister [zu] lernen“, es scheint nicht zu bedeuten, Wort und Sakrament sowie Beichte und Bekenntnis in den Vordergrund zu stellen. Natürlich leugnet Comer nicht den Wert dieser Dinge. Sie sind nur nicht wichtig genug, sie zu berücksichtigen.

Vielleicht geht Comer nur auf Nummer sicher und versucht, so viele Menschen wie möglich anzusprechen, indem er (sozusagen als Einstieg) mit einer flexiblen und individuellen Regel beginnt. So weit, so gut. Aber der interessanteste Teil des Buches kommt in einer Nebenbemerkung: „Wenn irgend möglich, solltest du das in Gemeinschaft tun, mit ein paar Freunden, deiner Kleingruppe oder Tischgemeinschaft, oder – in einer Traumwelt – mit deiner ganzen Gemeinde.“ Die darauffolgende Fußnote präsentiert eine Version von Comer, die an keiner anderen Stelle des Buches auftaucht: „An meine Pastorenkollegen: Ich träume davon, dass die Gemeinden der Zukunft (wie die Gemeinden der Vergangenheit) sich um eine Lebensregel herum organisieren – eine Art des Zusammenseins, die ihrer Zeit, ihrem Ort und ihren Menschen angepasst ist. Das ist möglich. Würdet ihr darüber nachdenken?“

Zu behaupten, dass „die Gemeinden der Vergangenheit“ um eine Lebensregel herum organisiert waren, hat mehr mit anachronistischer Phantasie als mit historischer Realität zu tun. Aber die Kirchen der Zukunft könnten genau das tun. Stell dir vor, das ganze Buch würde diese Fußnote entfalten.

Es ist nicht falsch, darüber nachzudenken, wie man seine Zeit strategisch nutzen kann. Aber zuerst müssen wir anerkennen, dass es dabei nicht nur darum geht, eine alte Vision zurückzugewinnen – denn schließlich sprechen wir hier von einer Vision, die sich von der unserer monastischen Vorväter unterscheidet. Zweitens müssen wir erkennen, dass der Weg nach vorn darin besteht, ineinandergreifende und sich gegenseitig verstärkende Sphären ekklesiologisch-gemeindlicher, familiärer und individueller Gewohnheiten zu etablieren und aufrechtzuerhalten. Nenn mich einen Träumer, aber diese unterentwickelte Idee, die in Comers Arbeit angedeutet wird, könnte wirklich etwas Gutes bewirken.

Mehr: www.evangelium21.net.

E21-Regionalkonferenz Süd 2018: „Machet zu Jüngern“

Was würden wir tun, wenn wir drei Jahre Zeit hätten, um die Welt mit dem Evangelium vertraut zu machen? Jesus suchte sich zwölf Männer, mit denen er sein Leben teilte und die er auf den Bau seiner Gemeinde vorbereitete. Nachdem er von den Toten auferstanden war, trat er vor seine Jünger und sprach (Matthäus 28,18–20): „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Dieser Auftrag zur Mission, Taufe und Jüngerschaft gilt auch uns.

In der der Zeit vom 23. bis 24. März 2018 veranstaltet Evangelium21 in München die E21-Regionalkonferenz Süd zum Thema: „Machet zu Jüngern: Jüngerschaft, wie sie Jesus gelehrt hat.“ Die Redner Matthias Lohmann, Christian Wegert und Ron Kubsch werden auf der Grundlage von Matthäus 28,18 – 20 verschiedene Vorträge halten.

Anmeldungen werden auf der Website von Evangelium21 entgegen genommen. Weitere Informationen rund um die Konferenz finden Sie im Konferenz-Flyer. Gedruckte Flyer können über das Kontaktformular bestellt werden.

Buch über Jüngerschaft gratis

Das Buch:

  • Winfield Bevins: Grow – Reproducing through Organic Discipleship, 2009

kann hier gratis herunter geladen werden: theresurgence.com.

Ed Stetzer schreibt zum Buch:

Winfield Bevins provides pastors and church planters with a great tool for developing an organic discipleship process that is gospel-centered and missional. Organic Discipleship will help your church rediscover the lost art of disciple-making for the 21st century. If you want to help transition your church from programs to a natural process for disciple-making, this book is for you.

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