Ausbildung

Tabor beruft Martin Grabe zum Professor

Das Buch Homosexualität und christlicher Glaube: ein Beziehungsdrama gehört zu den schwächsten theologischen Büchern, die ich bisher gelesen habe. Nun wurde der Autor Martin Grabe von der Evangelischen Hochschule Tabor zum Professor für Religion und Psychotherapie berufen. 

IDEA meldet: 

Die Evangelische Hochschule Tabor in Marburg hat den Psychiater und Psychotherapeuten Martin Grabe (Oberursel bei Frankfurt am Main) zum Professor für Religion und Psychotherapie berufen. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur bestätigte die Berufung Anfang des Jahres, wie der Rektor der Hochschule, Prof. Torsten Uhlig, der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA mitteilte. Mit Grabe ist eine seit mehreren Jahren vakante Professur wiederbesetzt worden, so Uhlig.Grabe war Chefarzt der DGD Klinik Hohe Mark in Oberursel – einer christlichen Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin – und später deren Ärztlicher Direktor. Am 1. April 2025 ging er in den Ruhestand. Insgesamt stand er 32 Jahre im Dienst der Klinik. Seit September 2025 ist er Direktor des Marburger Instituts für Religion und Psychotherapie, das an der Hochschule Tabor angesiedelt ist.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.idea.de.

Hilfe: „Wir mussten ein ganzes Buch lesen!!!“

Für ein Land wie Deutschland, dessen wichtigste Ressource Bildung ist, ist es selbstverständlich von enormer Bedeutung, dass Menschen gut ausgebildet werden. Tatsächlich schneidet das Land der Dichter und Denker im internationalen Vergleich schlecht ab. Es belegt Platz 21 im Bereich Lesen, Platz 25 im Bereich Mathematik und Platz 22 im Bereich Naturwissenschaften.

Professor Michael Sommer hat für DIE WELT beschrieben, was er im Hörsaal für Beobachtungen macht. 20 Prozent der Studenten sind wirklich gut. Sie werden das Studium meistern und sich später im Beruf bewähren. 20 Prozent der Studenten hätten nie an einer Hochschule ankommen dürfen. Und was ist mit dem Mittelfeld, also mit den verbleibenden 60 Prozent? Früher hat die Mitte alles in allem gut abgeliefert. Aber diese Mitte gibt es inzwischen nicht mehr.

Zitat: 

Die neue Mitte ist eine andere. Es beginnt beim Elementaren. In Klausuren schreiben Studenten „warnehmen“ und „erklähren“. Du kriegst die Kriese, denke ich mir beim Korrigieren. Sind denn alle Opfer von „Schreiben nach Gehör“? Die neue Mitte kapituliert vor mittelschweren Texten. Schon so mancher hier veröffentlichte Artikel würde ihre Aufmerksamkeitsspanne überfordern. Dass sie den Zugang zu ideengeschichtlicher oder wissenschaftlicher Literatur finden, ist von diesen Studenten nicht zu erwarten. „Wir mussten ein ganzes Buch lesen“, drei Ausrufezeichen, hat vor drei Semestern ein Namenloser empört in die Kommentarspalte zu meiner Vorlesung geschrieben. Es handelte sich, wohlgemerkt, um eine Einführung ins Studium der Alten Geschichte auf Oberstufenniveau.

Wer wenig oder nicht liest, dessen Sprache verarmt – oder besser: Dessen Sprache ist ein Armutszeugnis, denn sie war ja nie reich. Allerweltswörter wie „allenthalben“ oder „ehedem“ kennen von zwanzig Studenten in einem Seminar vielleicht drei. Dafür kommt ihnen der gendersensible Glottisschlag unfallfrei über die Lippen. Die Sprache von Hausarbeiten ist normalerweise hölzern, bürokratisch, unidiomatisch. Eigentlich wünscht man sich, die Verfasser würden sich bei Gemini oder ChatGPT Hilfe holen. Dafür bräuchte es aber erst einmal das Bewusstsein, dass man sprachlich defizitär unterwegs ist.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Die Abwärtsspirale bei den Bildungsleistungen

Was Heiko Schmoll heute in der FAZ schreibt, klingt schon wie ein Offenbarungseid. Die Reformpädagogik mit ihrer Bedürfnisorientierung und dem Kompetenzetwicklungswahn hat den Weg frei gemacht für die Verblödung und Infantilisierung der Gesellschaft. Und sie hat auch den wirtschaftlichen Absturz vorbereitet, der nämlich sehr viel mit Neugier und Leistungswilligkeit zu tun hat. 

Hier ein Auszug aus „Abwärtsspirale im Deutschunterricht“ (FAZ, 20.01.2026, Nr. 16, S. 1):

Eigentlich waren die Klassiker in einfacher Sprache für den Deutschunterricht an allen Schulen gedacht, aber nicht für die Gymnasien. Inzwischen nutzen Deutschlehrer sie auch für die Oberstufe des Gymnasiums. Denn das in vielen Ländern mehr oder weniger zugangsfreie Gymnasium ist längst zu einer Art Einheitsschule geworden, die mit unterschiedlichsten Schülern und Sprachniveaus zurechtkommen muss. Wie sehr auch die Gymnasien in den Sog der Abwärtsspirale bei den Bildungsleistungen geraten sind, hat der letzte Ländervergleich des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen gezeigt.

Im Unterschied zum Englischunterricht, den Schüler wegen der vielen filmischen und aktuellen Zugänge attraktiv finden, wird der Deutschunterricht als langweilig und angestaubt empfunden. In beiden Fächern ist die Lektüre von bestimmten Klassikern in vielen Ländern nicht mehr verpflichtend. Goethes Faust I (von Faust II ganz zu schweigen) ist häufig aus den Lehrplanempfehlungen ebenso verschwunden wie Shakespeare – selbst im Leistungsfach Englisch.

Oft genug wird Literatur nicht als eigener Inhalt oder ästhetische Kategorie gesehen, sondern funktionalisiert. Literarische Texte werden analysiert, um sprachliche, kommunikative und mediale Fähigkeiten einzuüben. Hinzu kommt, dass der Deutschunterricht als Querschnittsfach gesehen wird. So steht etwa im Kernlehrplan Nordrhein-Westfalens nicht nur Literatur im Mittelpunkt, sondern auch Menschenrechtsbildung, Werteerziehung, Demokratieerziehung, Bildung für die digitale Welt oder für nachhaltige Entwicklung.

Dabei bietet die Schule für die meisten Schüler die einzige Möglichkeit, die Hürde zu einer fremd wirkenden sprachlichen Welt zu überwinden. Die erste Lektüre eines klassischen literarischen Textes erfordert Anstrengung, mehrfaches Lesen, Sicheinlassen auf eine andere, neue Welt, sich auf eine gedankliche Erkundung zu begeben.

Warum eigentlich trauen Lehrer ihren Schülern immer weniger zu, obwohl die Bildungsforschung erwiesen hat, dass niedrigere Erwartungen auch zu schwächeren Leistungen führen? Warum entwickeln viele so wenig Phantasie, wenn es darum geht, Schülern Zugänge zu Klassikern zu schaffen?

Was ist aus der Vrije Universiteit Amsterdam geworden?

Roelof Bouwman beschreibt in einem Artikel, was aus der von Abraham Kuyper gegründeten Freien Universtität von Amsterdam (VU) geworden ist:

Geblieben ist die Freie Universität, Alma Mater einer Reihe prominenter Politiker – von Pieter Sjoerds Gerbrandy bis Jan Peter Balkenende und von Pim Fortuyn bis Dilan Yeşilgöz – aber auch von Geert Mak, Linda de Mol und Lale Gül. Auf den ersten Blick scheint Kuyper nicht vergessen zu sein. Anlässlich des 140-jährigen Bestehens der Universität wurde 2020 sogar ein echtes Kuyper-Jahr ausgerufen. Bei dieser Gelegenheit wurde der Gründer der VU vor allem als „sozialer Unternehmer“ und „Verfechter der Vielfalt“ gepriesen, Charakterisierungen, die seine Zeitgenossen sehr überrascht hätten.

In Wirklichkeit gibt es an der VU keine Affinität mehr zu Kuyper. Die 1879 in der Satzung festgeschriebene „vollständige und ausschließliche Erziehung auf der Grundlage reformierter Grundsätze“ ist längst als Ziel gestrichen worden, und auch die ökumenisch-christlichen Ambitionen, die eine Zeit lang als Zugeständnis an die Anhänger dienten, wurden über Bord geworfen.

Seit 2015 ist ein brahmanischer Hindu als Rector magnificus im Amt, und seit 2016 heißt es in der Satzung lediglich, dass die VU „christliche Wurzeln“ hat. Das eigene Akademische Krankenhaus (ab 2001: VUmc) fusionierte 2018 mit dem Akademischen Medizinischen Zentrum (AMC), und 2023 wurde das Votum bei akademischen Zeremonien abgeschafft: weil es nicht „inklusiv“ genug wäre.

Kürzlich berichteten die Zeitungen, dass die VU die Fakultäten für Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften und Religion & Theologie zusammenlegen wird. Sie werden zu drei Schulen – auf Englisch ausgesprochen – innerhalb einer Fusionsfakultät, die ab 2025 den Namen ‚Social Sciences and Humanities ‚ tragen wird. Der Name der neuen Fakultät wird das Wort ‚Theologie‘ nicht enthalten, berichtete Trouw, „weil die beiden anderen Fusionspartner nichts wollen, was an Theologie erinnert“.

Und das an der Universität von Kuyper, für den die Theologie die Krone der Wissenschaften war und an der die theologische Fakultät – die über Generationen hinweg als „Vikarsfabrik“ fungierte und die ältesten Papiere besitzt. Sollte jemals der Niederländer gewählt werden, dessen publizistisches, politisches und theologisches Erbe am gründlichsten vergeudet wurde, so steht der Sieger fest.

Aus dem Wikipedia-Artikel zur VU geht außerdem hervor, dass die Hochschule zwischenzeitlich unter dem Einfluss Chinas stand. 

Mehr: www.wyniasweek.nl.

Bonhoeffer: „Eine Theologie gibt es hier nicht“

Als Dietrich Bonhoeffer 1930 Vorlesungen am Union Theological Seminary in New York besuchte, war er von der schlechte Qualität der Lehre an dieser liberalen Hochburg erschüttert. An seinen Superintendenten, Max Diestel, schrieb er am 19. Dezember 1930 (Barcelona, Berlin, Amerika 1928–1931, DBW (Logos-Ausgabe), Bd. 10, S. 220–221):

Zunächst, das Leben im Seminar ist sehr anregend und lehrreich, soweit der persönliche Verkehr in Betracht kommt, der auch mit den Professoren sehr freundschaftlich ist. Auch der Professor muß eben ein good fellow sein. Man muß sich fast hüten, daß das viele gegenseitige Sichbesuchen und schwatzen nicht zuviel von der Zeit nimmt. Denn – sachlich kommt so gut wie nie etwas aus diesen Gesprächen heraus. Und damit komme ich auf den tristen Punkt der Sache. Eine Theologie gibt es hier nicht. Ich habe im wesentlichen dogmatische und religionsphilosophische Seminare und Kollegs, aber der Eindruck bleibt vernichtend. Es wird das Blaue vom Himmel heruntergeschwatzt ohne die geringste sachliche Begründung und ohne daß irgendwelche Kriterien sichtbar werden. Die Studenten – durchschnittlich 25–30 Jahre alt – sind restlos ahnungslos, worum es eigentlich in der Dogmatik geht. Sie kennen nicht die einfachsten Fragestellungen. Man berauscht [sich] an liberalen und humanistischen Redensarten, belächelt die Fundamentalisten und ist ihnen im Grund nicht einmal gewachsen. Man interessiert sich für Barth und macht ab und zu auch ein wenig ‚in Pessimismus‘. Das ist dann ganz schlimm. Im Gegensatz zu unserem Liberalismus, der doch ganz zweifellos eine durchaus kräftige Erscheinung in seinen guten Vertretern war, ist hier drüben das alles so schauerlich sentimentalisiert und dabei mit einer geradezu naiven Rechthaberei. Es geht mir oft innerlich durch und durch, wenn man hier im Kolleg Christus erledigt und unverfroren lacht, wenn ein Zitat von Luther über Sündenbewußtsein gegeben wird. Die James’sche Weisheit vom endlichen Gott steckt tief in den meisten Theologen und Pastorenköpfen drin. Sie finden das tiefsinnig und modern und spüren garnicht den frechen Leichtsinn in all diesem Gerede.

Pastorenmangel

Deutschland steht vor einem „katastrophalen“ Nachwuchsmangel für den geistlichen Dienst. Das befürchtet der Rektor der Freien Theologischen Hochschule (FTH) in Gießen, Prof. Stephan Holthaus. Die Zahl der Theologiestudenten sei in den letzten 40 Jahren auf den niedrigsten Stand aller Zeiten gesunken. Die Nachrichtenagentur idea meldet weiter:

Holthaus kritisierte zudem die „Enttheologisierung“ in Gemeinden, Ausbildungsprogrammen und christlichen Zeitschriften: „Wer meint, man könne auf Theologie verzichten und nur noch auf Performance, einige Kurse in Leiterschaft und Erfahrungsberichte setzen, baut ein Haus auf Sand.“ Die biblische Lehre sei das Fundament des Glaubens.

Den Theologen schrieb er ins Stammbuch, ihre Erkenntnisse alltagsrelevanter zu formulieren. Er wünsche sich bei jungen Menschen einen neuen Aufbruch hin zum geistlichen Dienst und in den Kirchen und Gemeinden eine Begeisterung für Gott und sein unfehlbares Wort.

Zutreffende Diagnose!

Mehr hier: www.idea.de.

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