John Stott: Das Geheimnis der Erwählung

John Stott schreibt über die Erwählung (Romans: God’s Good News for the World, Downers Grove: InterVarsity Press, 1994, S. 268): Viele Geheimnisse umgeben die Lehre von der Erwählung. Theologen sind unweise, wenn sie diese so systematisieren, dass keine Rätsel, Enigmas oder Fragen mehr offenbleiben. Gleichzeitig müssen wir uns neben den Argumenten, die in der Darbietung […]

Johannes Calvin: Wie öffentliche Irrtümer entstehen

Johannes Calvin war ein guter  Beobachter des öffentlichen Lebens (aus dem Widmungsschreiben der Institutio von 1536): Was man nämlich die Menge tun sieht, das behauptet sich als Gewohnheitsrecht. Und es hat kaum jemals so gut mit der Menschheit gestanden, daß das Bessere den Beifall der Mehrheit gefunden hätte. So entsteht aus den persönlichen Fehlern vieler […]

Glänzendes System der Weltweisheit

Der Erlanger D. Thomasius schreibt in seiner Dogmengeschichte der Alten Kirche (Bd. 1, 1874, S. 85) über das 2. Jahrhundert: „Es ist die religionsphilosophische Weltanschauung der Gebildeten jener Zeit des zu Ende gehenden Heidenthums, die in dem Gnosticismus an das Christenthum, von dessen Strahlen sie bereits berührt ist, herantritt, um es sich zu assimiliren; es […]

Bullinger: Es ist eine Sünde, von Gott und seiner Wahrheit zu reden

Man kann das nachfolgende Zitat von zwei Perspektiven gleichzeitig her deuten. Einmal im Sinne von: Vor einhundert Jahren war auch nicht alles Gold, was glänzt. Und zugleich: Bullinger spricht geradezu prophetisch in unserer Zeit hinein. Allerdings gehe ich davon aus, dass Bullinger sich damals nicht vorstellen konnte, wie sich diese Dinge entwicklen können. Er schreibt („Der […]

Jonathan Edwards: Der christliche Glaube ist vernünftig

Jonathan Edwards schreibt über die vernünftige Basis des christlichen Glaubens (zitiert aus: Gott allein!, Herold Verlag, 2019, S. 89–90): [Jonathan Edwards] war davon überzeugt, dass Gottes Herrlichkeit, wenn sie mit den geistlichen Augen gesehen wird, auch als majestätisch und überzeugend angesehen wird. Edwards schlägt aber noch einen anderen Weg ein. Er betont zudem noch, dass […]

Dreht sich die Liebe wirklich um Christus?

John Piper schreibt über ein menschenzentriertes Verständnis der Liebe (Gott allein!, Herold Verlag, 2019, S. 2–3): Wir […] haben Gottes Liebe und das Evangelium von Jesus Christus in etwas verkehrt, bei dem es vorrangig darum geht, dass Gott uns wertvoll findet und wir unsere Freude in Dingen finden sollen, die im Vergleich zu Gott eigentlich […]

Heinrich Heine: Meine Erleuchtung

In der Vorrede zur 2. Auflage der Geschichte der Religion und Philosophie gibt der deutsche Dichter Heinrich Heine Auskunft, wie er zu Gott zurückfand. Er wies neugierige Fragen zu seiner Bekehrung ab,  gibt jedoch eine Antwort, die es in sich hat. Er schrieb 1852 in Paris (zitiert aus: W.R. Brauer, Heinrich Heines Heimkehr zur Gott, […]

Selbstgerechtigkeit passt nicht zur Guten Nachricht

John Stott schreibt in einem Buch Die große Einladung über die Befreiung durch Christus (Brunnen, 2004, S. 126–128): «Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken» (Matthäus 11,28). Diese Einladung richtet sich ausdrücklich an alle Menschen, auch an uns. Mit der Einladung macht uns Jesus nicht gerade ein […]

Von Selbstbejahung und Selbstverleugnung

John Stott schreibt in einem Buch Die große Einladung über die Selbstliebe (Brunnen, 2004, S. 81–82): Was die psychologischen Konsequenzen des menschlichen Paradoxes betrifft [dass wir voller Würde und zugleich Verdorbenheit sind, Anm. RK], so wissen wir alle, wie wichtig ein ausgewogenes Selbstbild für unsere seelische Gesundheit ist. Manche Menschen leiden unter entsetzlichen Minderwertigkeitsgefühlen und […]

„Er hat alle Fülle himmlischer Güter zur Erde herniedersteigend mit sich gebracht“

Johannes Calvin (Christliche Glaubenslehre: Erstausgabe der „Institutio“ von 1536, 2. Auflage, Bonn: VKW, Logos Edition, S. 25): Er hat alle Fülle himmlischer Güter zur Erde herniedersteigend mit sich gebracht, um dieselbe mit reichlich spendender Hand auf uns auszugießen (Joh 1,14.16; 7,38; Röm 8,32). Dies sind aber die Gaben des Heiligen Geistes, durch welchen wir wiedergeboren, […]

Freie Rede im freien Fall

Niall Ferguson ist Senior Fellow am Zentrum für europäische Studien in Harvard und forscht gegenwärtig als Milbank Family Senior Fellow an der Hoover Institution in Stanford, Kalifornien (USA). In einem Essay, der kürzlich in der SUNDAY TIMES erschienen ist, prangert er die politische Zensur durch große Technologiekonzerne in der westlichen Welt an. Im Internet können […]

„Alle drei Personen sind gleich ewig und gleichartig“

Heinrich Bullinger schrieb 1549 etwas über die Trinität, was angesichts heutiger Debatten über die „Sohnschaft“ als vorzüglich gelten kann (Schriften, Bd. 3, 2006, S. 52–53): Der Vater wurde von niemand gemacht noch geschaffen noch gezeugt. Der Sohn ist vom Vater allein, nicht gemacht und auch nicht erschaffen, sondern gezeugt; der Heilige Geist ist vom Vater […]

Die Aufgabe der Exegese bei Calvin

Marjus Lange von Ravensburg fasst in seiner Dissertation Augustinus totus noster (Göttingen, 1990, S. 122) Calvins Exegeseverständnis wie folgt zusammen: Obwohl nur der Heilige Geist allein nach freier Wahl ein wirkliches Verstehen des Wortes für den Menschen zu bewirken und die Schrift als Gottes Wort pro me zu bezeugen vermag, so bleibt doch auch schon […]

Endlich spricht Gott zum Herzen

In Predigten und in Blog-Beiträgen habe ich mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass einige Voraussetzungen des sogenannten „Hörenden Gebets“ problembehaftet sind. Zum Beispiel: Jenes uns in der Bibel überlieferte Wort Gottes wird als allgemein und abstrakt betrachtet und deshalb der göttlichen Anrede nachgeordnet. Die „persönliche Offenbarung“ ist eine höhere Offenbarung, da sie die Seele auf einer […]

Das Gebetbuch der Bibel

Dietrich Bonhoeffe schreibt:  (Gemeinsames Leben; Das Gebetbuch der Bibel, Logos-Sonderausgabe, Bd. 5, S. 108). Gottes Sprache in Jesus Christus begegnet uns in der Heiligen Schrift. Wollen wir mit Gewißheit und Freude beten, so wird das Wort der Heiligen Schrift der feste Grund unseres Gebetes sein müssen. Hier wissen wir, daß Jesus Christus, das Wort Gottes, […]

Bullinger über die Predigerausbildung

Heinrich Bullinger über die Auslegung der Schrift (Schriften, Bd. II, 2006, S. 198–199): Und Paulus sammelte von überall her begabte und gelehrte junge Leute um sich und gab sie den Gemeinden zu Vorstehern, sooft es die Umstände verlangten [vgl. 1 Kor 4,17; Phil 2,25; Kol 4,7—9]. Er empfahl sie überall sehr dienstbereit den Bischöfen und […]

Gott verteidigt seine Schafe

Philipp Melanchthon (Nunc denuo cura et diligentia Summa recogniti multisque in locis copiose illustrati 1559, Bd. 1, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2018, S. 29): Denn wenn auch der Teufel, der ein Menschenmörder ist, mit außerordentlichen Fallen die Einzelnen bestürmt, um sie von Gott loszureißen und zu vernichten, so verteidigt doch Gott im Gegenteil seine Schafe, wenn […]

Die Leiblichkeit der Gemeinde

Dietrich Bonhoeffer schreibt über die Leiblichkeit der Gemeinde (Nachfolge, 2015, Sonderausgabe, Bd. 4, S. 241–242): Eine Wahrheit, eine Lehre, eine Religion braucht keinen eigenen Raum. Sie ist leiblos. Sie wird gehört, gelernt, begriffen. Das ist alles. Aber der menschgewordene Sohn Gottes braucht nicht nur Ohren oder auch Herzen, sondern er braucht leibhaftige Menschen, die ihm […]

Warum sich alle Christen möglichst frei in der Heiligen Schrift umtun sollen

Philipp Melanchthon schreibt in den Loci Communes von 1521 (1997, S. 15): Denn im allgemeinen halte ich nicht viel von den Kommentaren, nicht einmal von denen der alten [Väter]. Ich bin weit davon entfernt, daß ich irgend jemand durch eine meiner längeren Schriften vom Studium der kanonischen Schrift abhalten will. Im Gegenteil wünschte ich nichts […]

Dorothy Sayers über den Anspruch an christliche Kunst

Dorothy Sayers schreibt in The Man Born to be King (S. 24): Meine Absicht [beim Schreiben von „The Man Born to be King“] war, die Geschichte mit meinem Medium so gut zu erzählen, wie ich konnte –kurz gesagt: ein so gutes Kunstwerk zu schaffen, wie es mir möglich war. Denn ein Kunstwerk, das nicht als […]