Wissenschaft

„Sexuellen Bildung“

In einem IDEA-Beitrag zeichnet der Publizist Martin Voigt nach, wie die Ideen Helmut Kentlers (siehe hier) noch heute die Sexualerziehung in den Bildungseinrichtungen prägen. 

Entscheidend für die Überführung von Kentlers Ansatz in die Schulen und Kitas war sein Meisterschüler, der Pädagoge Uwe Sielert. Er gründete 1988 das Institut für Sexualpädagogik (isp) und brachte Kentlers emanzipatorische Sexualpädagogik unter dem neuen Begriff „sexuelle Bildung“ in den Bildungsbetrieb ein. Über seinen Einfluss auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und mittelbar auch auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO), über Fortbildungen für zahlreiche Pädagogen und den Aufbau eines weit verzweigten sexualpädagogischen Netzwerks schuf Sielert nach und nach ein ganzes sexualpädagogisches Universum im Sinne Kentlers.

Nachdem die pädokriminelle Vergangenheit Kentlers publik wurde, distanzierte sich Sielert von Kentler. An der inhaltlichen Ausrichtung der Kentler-Sielert-Schule hat sich jedoch nichts geändert. Die Sexualpädagogik der „Falken“ entspricht dieser Kentler-Sielert-Schule. Sie steht ideologisch in einer Reihe mit der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ (BELTZ), jenem von Elisabeth Tuider, Stefan Timmermanns, Mario Müller, Carola Koppermann und Petra Bruns-Bachmann erstellten Praxisbuch der „sexuellen Bildung“, das ab 2014 für bundesweite Aufregung sorgte.

So empfiehlt etwa eine Sexualpädagogik-Broschüre der „Falken“ eine Grabbelsack-Übung, bei der Achtjährige Sex-Spielzeug, „Lecktücher“, Kondome, Gleitgel, Holzpenisse und Vibratoren herausziehen und dazu etwas sagen sollen. Weitere Spiele wie „Sex-Salat“ oder „Schwul-Lesbisches Bingo“ zielen ebenso auf die Sexualisierung der Kinder.

Mehr: www.idea.de.

Darf man öffentlich noch „Trans-Identitäten“ hinterfragen?

Eine Professorin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf möchte Trans-Identitäten in einer Vorlesung kritisch hinterfragen. Studentenverbände rufen zu einer Demonstration auf und fordern den Rauswurf der Professorin. Es ist nicht mehr zu übersehen: Aktivisten beschränken die Forschungs- und Meinungsfreiheit zunehmend.

DIE WELT berichtet: 

Ein wissenschaftlicher Vortrag sorgt einmal mehr für eine Kontroverse an einer deutschen Universität. Die Professorin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), die sich kritisch mit „Trans-Identitäten“ auseinandersetzen will, ist ins Visier linker Studentenverbände geraten. Die Aktivisten fordern nicht weniger als den Rauswurf der Professorin und ein Campusverbot.

Die Professorin im Bereich Entwicklungspsychologie lehrt seit 2007 an der HHU. Zuvor forschte und unterrichtete sie fast zwei Jahrzehnte an renommierten US-Hochschulen. Es geht um einen Vortrag unter dem Titel „Entwicklung von Trans-Identität“.

„Die Psychologie-Professorin plant am Dienstag im Rahmen ihrer Veranstaltung Entwicklungspsychologie darüber zu sprechen, warum die Existenz von Trans*Identitäten wissenschaftlich nicht haltbar sei und die Verbreitung von ‚Trans-Ideologie‘ Kinder und Jugendliche gefährden würde“, heißt es in einem Demo-Aufruf, den unter anderem der sozialistisch-demokratische Studiverband Düsseldorf, die örtliche Juso-Hochschulgruppe und der Ring Christlich-Demokratischer Studenten verbreiten. „Diese Aussagen sind nicht nur menschenfeindlich, sondern auch wissenschaftlich falsch.“ Die Veranstaltung habe „somit nichts an einer Universität zu suchen“.

Mehr: www.welt.de.

VD: TJ

Die moralische Neuordnung Europas

Rodney Stark schreibt (Der Sieg des Abendlandes, 2019, S. 54–55):

Die Segnungen, die die Theologie der Vernunft mit sich brachte, waren nicht nur auf die Wissenschaften beschränkt. Von Beginn an zeigte sich das Christentum ebenso erfinderisch in seinen Entwürfen der menschlichen Natur und in Fragen der Moral. An erster Stelle standen Entwürfe grundlegender Menschenrechte, etwa der Freiheit. Im Hintergrund solcher Ideen und Vorschläge gab es aber etwas noch Fundamentaleres: die „Entdekkung“ des Individualismus, letztlich des menschlichen Selbst.
Die Aussage, dass der Individualismus überhaupt erst entdeckt werden musste, erscheint dem modernen Geist absurd, und in gewissem Maß ist sie das auch. Alle normalen Menschen sehen sich als Einzelwesen mit einem je singulären Blick auf die Welt und einem völlig singulären Nervensystem. Dennoch betonen manche Kulturen die persönliche Eigenständigkeit, während andere die Kollektivität hervorheben und das Gespür für das Ich unterdrücken. Im zweiten Fall, der sich weltgeschichtlich weitaus häufiger findet, ist die Wahrnehmung des eigenen „Seins“ vielmehr ins Kollektive verlagert: jedes individuelle Recht, das jemand besitzt, wird nicht ihm selbst gewährt, sondern seiner Gruppe. Gleichzeitig ist sie es, die ihm Rechte überträgt und gewährt. Unter diesen Bedingungen glaubt niemand daran, dass er allein „der Meister seines Schicksals“ sei. Vielmehr drängt sich ihm der Fatalismus-Gedanke auf: denn das eigene Schicksal scheint nicht der eigenen Kontrolle zu unterliegen, sondern voll und ganz von äußeren Kräften bestimmt zu sein.

Selbst die griechischen Philosophen besaßen noch kein Konzept, das unserer Vorstellung einer „Person“ entsprochen hätte. So lag Platons Augenmerk, als er den Staat schrieb, auf der Polis, der Stadt, und nicht auf ihren Bürgern – er stellte sogar den Privatbesitz in Abrede. Im Gegensatz dazu legte das christliche politische Denken stets den Schwerpunkt auf den individuellen Bürger, und dieser Umstand prägte ganz entschieden die Ansichten späterer europäischer politischer Philosophen wie Hobbes und Locke. Hieran lag etwas ganz entschieden Revolutionäres, da die christliche Betonung des Individualismus letztlich eine „kulturelle Exzentrizität“ darstellte. Auch das Konzept der Freiheit gibt es in vielen, vielleicht sogar den meisten Kulturen überhaupt nicht. Sehr viele nicht-europäische Sprachen besitzen für Freiheit nicht einmal ein Wort.

Bibel als Weltliteratur

Die neue Lektüreliste für texanische Schüler hat viel Kritik auf sie gezogen – auch, weil die Bibel in der Schule gelesen werden soll. Kritiker erkennen darin einen weiteren Schritt hin zu einer schleichenden Aushöhlung der Trennung von Staat und Religion, die in den USA vorgeschrieben ist. Doch sie erweist sich die Liste in manchen Aspekten als sinnvoll, wenn es um die Vermittlung literarischer Kompetenz geht – meint Reinhard Zöllner. 

Er schreibt (FAZ, 11.07.2026, Nr. 158, S. Z2): 

Wer sich jedoch die Mühe macht, die siebzehnseitige Liste für die Jahrgangsstufen von Kindergarten bis Oberstufe tatsächlich zu lesen, stößt auf ein überraschend anderes Bild. Zweifellos ist der Lektüreplan insgesamt deutlich konservativer als vergleichbare Curricula in Europa. Er betont die amerikanische Gründungsgeschichte, die Verfassung, George Washington, Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und die Geschichte von Texas. Daneben finden sich auch konservativ-libertäre Autoren wie die Atheistin Ayn Rand oder der schwarze Ökonom Thomas Sowell, der sich gegen Affirmative Action ausspricht. Der politische Akzent ist klar zu erkennen.

Aber für die Auswahl der biblischen Texte lässt sich eine solche Tendenz nicht ohne Weiteres behaupten. Der Kanon behandelt die Bibel nicht als Katechismus, sondern als Weltliteratur. Selbst wer den Lehrplanschreibern christlich-nationale Motive unterstellt, muss feststellen, dass das Ergebnis erstaunlich säkular und bildungsbürgerlich wirkt. Aufgenommen wurden insgesamt vierzehn biblische Geschichten und Texte, darunter aus dem Alten Testament die Geschichten von Noah, David und Goliath, Daniel in der Löwengrube, Psalm 23, Prediger 3 („Alles hat seine Zeit“), Hiob sowie der Sündenfall. Aus dem Neuen Testament kommen unter anderem die Seligpreisungen aus der Bergpredigt, das Gleichnis vom Verlorenen Sohn und das Hohelied der Liebe aus dem 1. Korintherbrief hinzu. Fast sämtliche ausgewählten Bibelstellen behandeln universale menschliche Fragen: Wie geht man mit Angst, Leid und Schuld um? Wie lebt man demütig? Was ist Liebe? Dies sind Themen, die man in Deutschland heute wohl als „Lebenskunde“ verstehen würde. Besonders aufschlussreich ist, was nicht auf der Liste steht. Ausgerechnet die Schöpfungsgeschichte fehlt. Wer in dem Lehrplan einen Versuch vermutet, den Kreationismus durch die Hintertür in den Englischunterricht einzuführen, dürfte überrascht sein. Statt Genesis 1 begegnen den Schülerinnen und Schülern erst Adam und Eva – als eine der großen Erzählungen über Freiheit, Schuld und menschliche Selbstüberschätzung. Die Zehn Gebote sind nicht dabei, ebenso keine Texte, die klassische christliche, aber konfessionell strittige Themen wie Rechtfertigung und Gnade, Kreuzigung, Auferstehung und Apokalypse behandeln. Nicht einmal Weihnachten kommt vor. Die Auswahl folgt insgesamt erkennbar nicht theologischen, sondern literarischen Kriterien. Viele der zu lesenden Texte sind zudem außerordentlich wirkmächtig; sie wurden in der Literatur- und Kulturgeschichte unzählige Male aufgegriffen.

Die Normalität des Progressiven

Leider gibt es nur wenige Soziologen, die eine traditionssensible Gesellschaft verteidigen. Der jüdische Philip Rieff ist da eine rühmliche Ausnahme. Aber woran liegt das? Warum sind die allermeisten Soziologen progressiv? 

James Manzi ist dieser Frage im englischen Sprachraum nachgegangen und zu dem Ergebnis gekommen, dass unter den Soziologen neunzig Prozent dem linken und nur fünf Prozent dem rechten politischen Spektrum zuzurechnen sind. Sein Vorgehen wirft sicher Fragen auf und am Ende ist das nichts anderes als ein „Eindruck“. Aber es scheint so, als ob es Verstärker gibt: „Wenn ein Großteil der Sozialwissenschaftler politisch nach links neigt, so ist nur folgerichtig, dass sich das in Summe auch auf ihre Forschung auswirkt. Man muss den Wissenschaftlern selbst keinen Strick daraus drehen. Vor persönlichen Vorannahmen ist niemand gefeit. Vielleicht begünstigt die Forschung mit dem ihr inhärenten Drang nach dem Neuen auch per se politisch progressive statt bewahrende Einstellungen. Problematisch ist jedoch, dass sich der Effekt ohne Gegenmaßnahmen mit der Zeit selbst zu verstärken droht, wie etwa der Soziologe Neill Gross gezeigt hat: Als links geltende Disziplinen ziehen mit der Zeit immer mehr linksgerichtete Nachwuchswissenschaftler an, was die Disziplinen wiederum linker macht.“

Hier ein weiterer Auszug aus einem FAZ-Artikel (27.05.2026, Nr. 120, S. N4):

In diesem Zusammenhang sorgt nun eine Studie für Aufsehen, die eine signifikante und seit Jahrzehnten zunehmende Linksorientierung der angelsächsischen Sozialwissenschaften nachweisen möchte. Anders als viele vor ihm hat ihr Verfasser James Manzi, ein Doktorand der Soziologie an der University of Oxford, dafür nicht die persönlichen Einstellungen der Wissenschaftler in den Blick genommen, sondern ihre Forschung. Dieser Unterschied ist entscheidend. Denn wo ein Anthropologe oder ein Ökonom in der Wahlkabine sein Kreuzchen setzt, ist zunächst einmal ebenso gleichgültig wie die Frage, was sein Lieblingsessen ist. Sein politischer Standpunkt wird erst dann erheblich, wenn er sich auf seine Arbeit auswirkt. Dann führt eine Homogenität der Einstellungen womöglich zu Homogenität in der Forschung.

Für seinen Aufsatz „The ideological orientation of academic social science 1960-2024”, der im Fachjournal „Theory and Society” erschienen ist, hat Manzi die Abstracts von knapp sechshunderttausend englischsprachigen Aufsätzen aus den Sozialwissenschaften untersucht. Zunächst fütterte er ein sogenanntes Large Language Model (LLM), also eine Art Künstliche Intelligenz, mit den Texten von amerikanischen Politikern, Medien und Thinktanks, die gemäß Manzis Vorannahmen einen bestimmten Punkt auf einer Rechtslinks-Skala von 0 bis 10 repräsentieren sollten. So verband er den Wert 3 („conservative“) mit Ron DeSantis, der Zeitschrift „National Review“ und dem Thinktank „Heritage Foundation“, den Wert 7 („progressive“) wiederum mit Elizabeth Warren, der „New York Times“ und dem „Center for American Progress“. Sodann forderte Manzi die KI auf, die sozialwissenschaftlichen Abstracts auf dieser so definierten Skala zu verorten.

Das Ergebnis: Von den rund dreißig Prozent der Abstracts, die das LLM als „politisch relevant“ einstufte, ordnete es neunzig Prozent dem linken und nur fünf Prozent dem rechten politischen Spektrum zu. Jede einzelne der elf untersuchten Disziplinen neigt politisch nach links, von einem Durchschnittswert von 5,7 in den Wirtschaftswissenschaften über 6,9 in der Soziologie bis hin zu 7,6 in den Gender Studies. Diese Tendenz hat sich über die Jahrzehnte kontinuierlich verstärkt, nur in den politiknahen Disziplinen (wie Kriminologie oder Politologie) gab es in den Siebziger- und Achtzigerjahren, der Thatcher- und Reaganära, eine leichte Gegenbewegung nach rechts. Die am weitesten nach links tendierenden Disziplinen waren zugleich auch die politisch homogensten, diejenigen also mit der geringsten Streuung der politischen Standpunkte.

Welchen Stellenwert hatte das Christentum im frühen Amerika?

Die USA feiern ihren 250. Geburtstag am 4. Juli 2026 – dem 250. Jahrestag der Annahme der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776. Eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, welchen Stellenwert das Christentum im frühen Amerika hatte? Ist „christlicher Nationalismus“ vielleicht ein Anachronismus?

Die Historiker Miles Smith und Darryl Hart vom Hillsdale College diskutieren gemeinsam mit Michael Horton über die Geschichte des Christentums im frühen Amerika:

Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen nicht „wegzuerziehen“

Aus einem FAZ-Leserbrief zum Thema „Diskriminierung von Jungen“ (06.06.2026, Nr. 128, S. 7):

Kaum ein gesellschaftlicher Bereich wurde seit den späten Sechzigerjahren derart von politischen Glaubenssätzen durchdrungen wie das Bildungswesen. Die Vorstellung, geschlechtsspezifische Unterschiede seien weitgehend soziale Konstruktionen, gehört längst zum unhinterfragbaren Dogma vieler Bildungsfunktionäre. Die Folgen sind sichtbar: Jungen scheitern häufiger in der Schule, verlieren früher die Motivation und geraten häufiger in problematische Entwicklungen. Bemerkenswert ist dabei die Gleichgültigkeit, mit der dies oft hingenommen wird – nicht selten mit dem Hinweis, Männer würden später im Berufsleben ohnehin wieder profitieren. Man stelle sich vor, über schulische Benachteiligungen von Mädchen würde in vergleichbarer Weise gesprochen.

Der modische Begriff der „toxischen Männlichkeit“ spiegelt diese Geisteshaltung inzwischen auch sprachlich wider. Er steht sinnbildlich für ein kulturelles Klima, in dem männliche Eigenschaften zunehmend unter Generalverdacht geraten. Wer Jungen über Jahre vermittelt, sie seien zugleich privilegiert, problematisch und letztlich selbst schuld an ihrem Scheitern, darf sich über Frustration, Entfremdung und politische Radikalisierung eines Teils junger Männer nicht wundern.

Der Versuch, erkennbare Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen durch eine zunehmend feminisierte Pädagogik gleichsam „wegzuerziehen“, ist zum Scheitern verurteilt. Wirklichkeit lässt sich auf Dauer nicht ideologischen Wunschbildern unterordnen. Vielleicht sollte man deshalb endlich aufhören, die Dinge zu beschönigen, und das Kind beim Namen nennen: Vieles spricht dafür, dass wir es inzwischen mit einer ideologisch motivierten Diskriminierung von Jungen zu tun haben.

Paul Liessmann: Wissenschaft spricht nicht mit einer Stimme

In einer kürzlich gehaltenen Festrede über Wissenschaft hat der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann sehr anschaulich darauf hingewiesen, dass der Aktivismus der Gegenwart nichts mit Wissenschaft zu tun hat. Die zunehmende Verzahnung von Wissenschaft und Politik verenge die Erkenntnis. Das gilt übrigens auch für die sogenannten Wissenschaftssendungen, die uns im Fernsehen „eineindeutige“ Handlungsanweisungen verkaufen.

Hier einige Auszüge aus der Rede von Prof. Liessmann (FAZ, 03.06.2026, Nr. 126, S. N4):

Das Verhältnis von Wissenschaft und Politik schien einmal so einfach. Sie erinnern sich: Kaum ein Imperativ erfuhr so viel begeisterte Zustimmung wie die schlichte Aufforderung: „Follow the science!“ – „Folgt der Wissenschaft!“. Das war eine der Parolen, mit denen Greta Thunberg die Klimabewegung enthusiasmierte, und der zeitweilige Schulterschluss zwischen „Scientists for Future“ und umweltbesorgten Aktivisten schien ein durchaus Erfolg versprechendes Bündnis zur Bekämpfung des globalen Klimawandels zu sein. Allen, die diesem Ruf nicht bereitwillig folgen wollten, konnte man Ignoranz, Wissenschaftsskepsis, Anfälligkeit für Verschwörungstheorien oder Schlimmeres vorwerfen. Aus den eindeutigen wissenschaftlichen Befunden schien doch klar hervorzugehen, was getan werden muss, nur beharrende Kräfte und renitente Bürger hatten die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt.

An dieser vermeintlich plausiblen Argumentation ist jedoch einiges höchst fragwürdig. Allein die Annahme, es gäbe „die“ Wissenschaft, ist irrig. Abgesehen von den methodischen und atmosphärischen Welten, die Geistes- und Naturwissenschaften trennen, ist die neuzeitliche Wissenschaft durch Kontroversen, nicht durch Uniformität gekennzeichnet. Einander widersprechende Hypothesen und Theorien erzeugen eine Dynamik, die wohl gut bestätigte von eher unseriösen Konzepten unterscheiden lässt, aber keine Gewissheit geben kann.

Man darf sich nichts vormachen. Die Logik des politischen Aktivismus ist der Logik der Wissenschaften diametral entgegengesetzt. Es liegt im Wesen der modernen Wissenschaft, dass aus ihren Erkenntnissen tatsächlich keine unmittelbaren Handlungsanleitungen folgen. Wissenschaft beschreibt, erklärt, experimentiert, formuliert Hypothesen, entwirft Theorien und entwickelt Modelle, die unterschiedliche Szenarien antizipieren. Was dann getan, wie im Ernstfall gehandelt werden soll, ist keine Frage der Wissenschaft mehr, sondern eine politische Entscheidung. Man kann der Wissenschaft also gar nicht folgen, man kann bestenfalls Forschungsergebnisse in die Motive seines Handelns einfließen lassen.

Dem Aktivismus geht es deshalb nicht um Wissenschaft, sondern um deren Instrumentalisierung. Die Wissenschaft wird vorgeschoben, um politische Ziele über außerparlamentarische Verfahren durchzusetzen und um spektakuläre und medienwirksame Interventionen zu rechtfertigen.

Ein anderes Geschlecht, trotzdem unglücklich

Jungen Menschen mit Genderdysphorie geht es nach der Therapie nicht besser – womöglich weil ihre psychischen Probleme damit gar nicht gelöst sind. Hier ein Auszug aus einem Artikel von Felicitas Witte aus der FAZ:

Kinder und Teenager mit Genderdysphorie fühlen sich in ihrem Geschlecht als Mädchen oder Junge nicht wohl, leiden darunter und möchten so aussehen und behandelt werden, als gehörten sie zum anderen Geschlecht. Manche nehmen irgendwann Hormone und lassen sich operieren, um ihrem „Wunschgeschlecht“ zu entsprechen. Medizinische Transition nennt sich das. Logisch wäre, wenn es den Betroffenen danach besser ginge und sie glücklicher ihr „wahres Selbst“ leben könnten. Doch eine Studie aus Finnland lässt daran zweifeln. Denn auch nach Hormonen und Operation brauchen viele weiterhin Hilfe vom Psychiater, sogar mehr als vor der Transition.

Die Autoren werteten Daten von 18.726 Menschen unter 23 Jahren aus dem finnischen Gesundheitsregister aus. Darunter waren 2083, die sich zwischen 1996 und 2019 in der Genderdysphorie-Sprechstunde zweier Unikliniken vorgestellt hatten. Schon davor ging es ihnen psychisch deutlich schlechter als ihren Altersgenossen: Sie waren dreimal so häufig in psychiatrischer Behandlung gewesen. Jeder Zweite hatte sich einer Psychotherapie unterzogen, in der Vergleichsgruppe war es nur gut jeder Sechste. Es ist schon länger bekannt, dass junge Menschen mit Genderdysphorie häufig psychische Probleme haben. Je nach Studie sind davon 20 bis über 80 Prozent betroffen. Am häufigsten treten Angststörungen, Depressionen, ADHS, Essstörungen oder selbstverletzendes Verhalten auf.

„Die Studie zeigt erneut, wie wichtig es ist, zu klären, was Kinder oder Teenager psychisch belastet, bevor man eine eingreifende Therapie startet“, sagt Alexander Korte. Er war bis März 2026 leitender Oberarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität in München und arbeitet aktuell als Gutachter. 

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Kika – eine Politikschleuder

Geschlechterrollen, Rassismus, Kriminalität: Der öffentlich-rechtliche Kinderkanal Kika transportiert am laufenden Band politische Botschaften an die Kinder – will sie quasi erziehen:

Die Kika-Beiträge zählen laut Rundfunkstaatsvertrag zu Bildungsbeiträgen. Sie müssen regulär laut Medienstaatsvertrag nach fünf Jahren gelöscht werden. Die Länder wollen mit unterschiedlichen Löschfristen verhindern, dass die Mediatheken von ARD und ZDF private Streaming-Anbieter ausstechen. Bei keinem der von WELT ausgewerteten Beiträge war die Löschfrist abgelaufen.

Allen gemeinsam ist ihre unübersehbare Parteinahme. Das gilt auch für den 2023 erstmals veröffentlichten Beitrag über „Nick“, das Mädchen, das im falschen Körper geboren sei. „Besonders problematisch ist, dass die Sendung medizinische Eingriffe in ‚Nicks‘ Körper inklusive chemischer Kastration und Testosteronspritzen in eine kindgerechte Glückserzählung einbettet, an deren Ende Nick glücklich und akzeptiert ist“, kommentiert die Biologin Vollbrecht. Die Botschaft des Films nennt sie „fatal“: „Wer als Mädchen keine Barbies mag, bekommt die medizinisch animierte Erlösung als Junge.“

Meine Meinung: KiKA gar nicht erst einschalten. Das Programm hemmt die Kreativität von Kindern ohnehin.

Mehr: www.welt.de.

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