Hans Joas: „Gefahr der moralischen Selbstgefälligkeit“

Der Religionssoziologe Hans Joas warnt vor der „Gefahr der moralischen Selbstgefälligkeit“. Der Autor des 2016 erschienenen Essays „Kirche als Moralagentur?“ kritisierte im DLF die Haltung „Ich habe die Moral ganz auf meiner Seite“. Ein hochinteressantes Gespräch über Spuren des Religiösen in der Kultur, wenn man so, auch über die Säkularisation der Religion, freilich aus der […]

Die Meinungsdiktatur des Regenbogens

Selbst die deutschen Universitäten haben inzwischen ihre Unabhängigkeit weitgehend an den Nagel gehangen, während die hypermoralische Kultur des Regenbogens totalitäre Züge entwickelt und Gehorsam einfordert. Der Historiker Andreas Rödder hat in der NZZ eine bedenkenswerte Analyse veröffentlicht: Die Postmoderne frisst ihre Kinder. Die Kultur des Regenbogens ist aus der postmodernen Dekonstruktion traditioneller westlich-bürgerlicher Ordnungsvorstellungen in […]

Knapp daneben ist auch vorbei

Das Buch Knapp daneben ist auch vorbei: Holzwege post-evangelikalen Glaubens setzt sich kritisch mit aktuellen Entwicklungen innerhalb der evangelikalen Bewegung auseinander. Seit einigen Jahren wird nämlich versucht, inhaltliche Positionen, die aus der liberal-bibelkritischen Theologie stammen, mit Grundüberzeugungen evangelikaler Theologie zu versöhnen. Im Ergebnis erscheint der „alte“ Glaube selbst an zentralen Stellen veraltet und deshalb erneuerungsbedürftig. […]

Von Opferansprüchen und Schuldbekenntnissen

Sandra Kostner meint, die starre Einteilung in Träger von Opfer- und Schuldidentitäten führe die Gesellschaft nicht zusammen, sondern treibe sie weiter auseinander. Die Läuterungsagenda rege dazu an, immer neue Gründe dafür zu suchen, um den Läuterungsdruck aufrechterhalten zu können. In der NZZ schreibt sie: Dass die negativen Folgen der Läuterungsagenda gerade in den letzten Jahren immer […]

Joker: Das Lachen der Postmoderne

„I used to think that my life was a tragedy but now I realize it’s a comedy.“ Joker Dieser Film ist brutal Das Setting ist Gotham City im Jahre 1981 während eines Müllstreikes. Der Protagonist heißt Arthur Fleck (gespielt von Joaquin Phoenix), ist Anfang dreißig, wohnt bei seiner kranken Mutter (die er pflegt) und arbeitet […]

Gegenwartsliteratur: Ich will Ich

Daniel Schreiber thematisiert in einem Essay die allgegenwärtige Ich-Perspektive in journalistischen und literarischen Texten. Die Beobachtungen sind interessant. Anders als Schreiber würde ich allerdings sagen, dass derzeit eine große Erzählung wieder die vielen kleinen Erzählungen einfängt, nämlich die von der universellen ökologischen Krise.  Das erzählte Ich läuft außerdem der Haltung der Objektivität zuwider, mit der […]

Wer der Sprache Gewalt antut

Die Schriftstellerin Olga Martynova hat sich in der FAZ (hinter der Bezahlwand) sehr klug zur gendergerechten Spracherziehung geäußert: Wenn ich von Kulturbeamten unterschriebene Flyer bekomme, wo Dichter*innen und Teilnehmende begrüßt werden, fühle ich mich unter Druck gesetzt. Für mich als jemanden, der in der Sowjetunion aufgewachsen ist, ist das besonders seltsam, eigentlich ein Déjà-vu: Ich […]

Menge-Bibel wird neu herausgegeben

Der CLV-Verlag hat für November 2019 eine überrarbeitete Fassung der Menge-Bibel angekündigt. Johannes Otto stellt den Übersetzer Menge für Evangelium21 vor: Hermann Menge pflegte schon zu Studienzeiten 14 Stunden täglich zu arbeiten. Dieser Fleiß prägte sein Lebenswerk. In seinem Unterricht entwickelte er neue Lehrmethoden, die den Schülern das Sprachwissen in einer Kombination von Fragen und Antworten […]

Märchen für Erwachsene

Claas Relotius nannten manche in der SPIEGEL-Redaktion einen „Jahrhundertjournalisten“.  Über 40 Auszeichnungen hat er erhalten. Er galt unter den Journalisten als Supertalent. Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen hat für die NZZ beschrieben, warum das wirklichkeitsfremde Storytelling so erfolgreich war und wie es schließlich – trotz massiver Widerstände in der Redaktion – von Juan Moreno aufgedeckt wurde. Es […]

Nadia Bolz-Weber: Unverschämt schamlos

Ich habe im Februar unter „Warum Pastorin Nadia Bolz-Weber für das Abtreibungsrecht kämpft“ den Verdacht geäußert, dass ihr desaströses Buch über die Sexuelle Revolution im Christentum bald in Deutschland erscheinen wird. Nun ist es soweit. Unverschämt schamlos ist im christlichen Brendow-Verlag erschienen und wird mit folgenden Worten beworben: Sex sollte etwas Besonderes und Erfüllendes sein. Doch […]

Transphober Feminismus

In den USA und England werden die Weichen dafür gestellt, dass die vom Einzelnen gewählte Gender-Identifikation zwingend anzuerkennen ist. Ein Mensch, der von sich behauptet, eine Frau zu sein, müsste dann rechtlich wie eine Frau behandelt werden. Bisher muss so eine Identität ärztlich attestiert und behördlich genehmigt werden. Das führt zu allerlei Problemen, auf die […]

JETZT

Ich habe in der letzten Zeit indirekt mehrere Beiträge zur „Ethischen Nicht-Monogamie“ gepostet. „Ethische Nicht-Monogamie“ ist ein Überbegriff für verschiedene Beziehungsmodelle, darunter Polyamorie, offene Beziehungen, sexuelle Begegnungen mit mehr als zwei Menschen usw. Oberflächlich mögen diese Modelle attraktiv erscheinen. Aber hinter dem bunten Schaufenster lassen sich viel Schmerz, Vertrauensverlust, Aggressionen und selbstredend Erkrankungen finden.  Ich […]

Ethische Nicht-Monogamie

Durch ein halbes Jahrhundert sexueller Umwälzungen galt im Westen die Monogamie als Fels in der Brandung verschiedenster Beziehungsmodelle. Die Tradition, gleichzeitig nur einen Partner zu haben, bröckelt zunehmend. Die NEW YORK TIMES berichtet darüber, dass an den meisten Wochenenden in New York Veranstaltungen angeboten werden, die einen nicht-monogamen Lebensstil favorisieren. Es gibt Vortragsreihen, Workshops und […]

Save the Date: Kevin DeYoung 2020 in München

Facebook stuft Augustinus als Hassredner ein

Der katholische Journalist Domenico Bettinelli berichtet über merkwürdige Löschaktionen bei Facebook. Das soziale Netzwerk hat wiederholt ein Zitat von dem Kirchenvater Augustinus blockiert. Es handelte sich nicht um  irgendein „Feuer und Schwefel“-Zitat wie: „Sünder kommen in die Hölle!“, sondern im Gegenteil um einen Text, der zur Selbstkritik aufruft. Hier der besagte Augustinus-Text in einer Übersetzung.  […]

Induktives Bibelstudium

Die nachfolgende Rezension zu dem Buch: Richard Alan Fuhr u. Andreas J. Köstenberger. Induktives Bibelstudium: Beobachtung, Auslegung und Anwendung aus dem Blickwinkel der Geschichte, Literatur und Theologie. Precept Ministries International, 2018, 352 S. € 24,95.. erschien in der Zeitschrift GLAUBEN UND DENKEN HEUTE 1/2019 (Nr. 23), S. 56–57: Das Induktive Bibelstudium ist eine praxisorientierte Methode, um […]

Aufbaukurs I:„Christozentrische Seelsorge“

Vom 17.–22. November 2019 werden wir in Friedrichshafen am Bodensee einen Aufbaukurs zur „Christozentrischen Seelsorge“ anbieten. Folgende Themen sind geplant: Biblische Seelsorge I-III (Michael Martens) Kommunikation I-II (Karsten Kranzmann) Der ganze Mensch vor Gott: Leiblichkeit als vernachlässigte Dimension der Seelsorge (Thomas Jeising) Die Gedanken- und Gefühlswelt als Thema in der Seelsorge (Lilia Stromberger) Es sind […]

Wieso die Welt Jordan Peterson braucht

Rassist, Frauenhasser, Chauvinist: Der kanadische Star-Intellektuelle kommt in den Feuilletons für gewöhnlich schlecht weg. Ein genauerer Blick in seine Bücher und Interviews zeigt: zu Unrecht. In der NZZ ist ein fairer Artikel über Peterson erschienen: Damit lebt Peterson das aus, was im Zeitalter der Identitätspolitik immer mehr verloren geht: dass Menschen wieder auf die eigene […]

Grün ist die Redaktion

Der Politologe Wolfgang Bok beobachtet und beschreibt die Schieflage im deutschen Journalismus: Während Interviews mit liberalen oder konservativen Politikern inquisitorischen Verhören gleichen, muss das grüne Spitzenpersonal kaum fürchten, dass sein moralischer Rigorismus mit praktischen Einwänden blossgestellt wird. Schliesslich entstammt man oft genug demselben postmaterialistischen, städtischen Milieu und teilt die grünen Ängste. Sorgen der Rechten, etwa wegen […]

Dorothy Sayers über den Anspruch an christliche Kunst

Dorothy Sayers schreibt in The Man Born to be King (S. 24): Meine Absicht [beim Schreiben von „The Man Born to be King“] war, die Geschichte mit meinem Medium so gut zu erzählen, wie ich konnte –kurz gesagt: ein so gutes Kunstwerk zu schaffen, wie es mir möglich war. Denn ein Kunstwerk, das nicht als […]