Theologie

Mensch als Mann und Frau

Herman Bavinck über die Schöpfung des Menschen als Mann und Frau (zitiert aus Denny Burk, Mere Complementarianism, 2026. #ad): 

Gott ist der Schöpfer des Menschen und zugleich auch der Urheber der Sexualität und des geschlechtlichen Unterschieds. Dieser Unterschied ist nicht aus der Sünde hervorgegangen; er bestand von Anfang an, hat seinen Ursprung in der Schöpfung, ist eine Offenbarung von Gottes Willen und Souveränität und ist daher weise, heilig und gut. Daher darf niemand diesen geschlechtlichen Unterschied missverstehen oder verachten, weder in Bezug auf die eigene Identität noch auf die eines anderen Menschen. Er ist von Gott gewollt und in der Natur begründet. Er war damals und ist auch heute noch von Gott gewollt; Gott ist der souveräne Gestalter des Geschlechts; Mann und Frau verdanken Gott nicht nur ihre menschliche Natur, sondern auch ihre unterschiedlichen Geschlechter und Wesensarten. Beide sind gut, da sie beide aus Gottes Hand hervorgegangen sind.

Ist das Neugeborene autonom?

Jürgen Kaube hat das neue Buch Wahl und Wahrheit (2026)von Frauke Brosius-Gersdorf gelesen und kritisiert ihr Würdekonzept, demgemäß Würde und Freiheit zusammenfallen. Er schreibt

Für Brosius-Gersdorf ist Menschenwürde gleichzusetzen mit der Ausübung von Freiheit. Hier hat sie durchaus Sätze aus Karlsruher Urteilen auf ihrer Seite. Kann es dann einen Freiheitsgebrauch geben, der andere nicht schädigt und dennoch Würdefragen aufwirft? Brosius-Gersdorf verneint das. Hieraus entspringt ihre Ablehnung des Verbots von Leihmutterschaft. Wenn Würde und Freiheit zusammenfallen, müsste auch der freiwillige Verzicht auf Freiheit durchweg würdevoll erfolgen können. Zwischen üblichen Arbeitsverträgen, Prostitution, Mitgliedschaft in einem Orden, Organhandel und Selbstversklavung gäbe es keinen Unterschied.

Der Embryo, der durch die Abtreibung maximal geschädigt wird, kann Freiheit selbst nicht ausüben. Wenn Würde allgemein an eine Praxis der Selbstdarstellung gebunden wird, ist es bedeutsam, dass auch dieser Aspekt für ihn ausfällt. Gerade weil er sich nicht äußern kann, soll er geschützt werden. Das macht die Argumentationen in der Frage der Abtreibung zusätzlich schwierig. Wer, wie Brosius-Gersdorf, Würde erst ab Geburt gegeben sieht, muss sich fragen lassen, weshalb sie im Kreißsaal schon vorliegen soll. Inwiefern ist das Neugeborene denn autonom? Es liegt auf der Hand, dass wir auch hier mit Fiktionen arbeiten und dass an die Abtrennung der Nabelschnur oder die akustische Präsenz der Neugeborenen nur schwer „denklogische“ Folgerungen geknüpft werden können.

Was bei dem Verständnis von Frauke Brosius-Gersdorf fehlt, ist die Differenzierung von Person und Persönlichkeit, die von dem Bonner Ethiker Ulrich Eibach herausgestellt wurde. Ich zitiere hier aus Thomas Schirrmacher u. Ron Kubsch, „Die Alpträume des James D. Watson“, in: Tabuthema Tod?, hrsg. v. Roland Jung, Frank Koppelin, Thomas Schirrmacher, Bonn: VKW, 2004, S. 87–92,  hier S. 90–91):

Der evangelische Bonner Ethikprofessor Ulrich Eibach hat treffend zwischen Person und Persönlichkeit unterschieden. Persönlichkeit ist das, was uns konkret von einem anderen Menschen entgegentritt. Person jedoch ist der unzerstörbare Wesenskern, den auch Personen haben, deren „Persönlichkeit“ für uns nur schwer feststellbar ist: z.B. Ungeborene, geistig Behinderte oder im Koma Liegende. Die unantastbare Würde der Person hängt gerade nicht am Beweis ihrer Persönlichkeit, also an dem Vorhandensein aller Körperteile, an bestimmten geistigen Fähigkeiten oder an der Fähigkeit, sich selbst verteidigen zu können.

Nach biblischem Verständnis ist ein Mensch auch dann eine unantastbare Person, die als „Ebenbild Gottes“ geschaffen wurde, wenn das Menschliche kaum noch zu erkennen ist. So war die Persönlichkeit des besessenen Geraseners, der wie ein Tier lebte, fraß und brüllte, kaum noch menschlich zu nennen. Der Teufel hatte die Persönlichkeit fast völlig zerstört. Doch Jesus sah in ihm die Person, das Geschöpf und Ebenbild Gottes. Durch die Befreiung aus der Macht des Bösen erschien die Persönlichkeit des Mannes wieder und er saß da und redete vernünftig mit Jesus, als wäre nie etwas gewesen. Hätte man ihn als Tier einstufen dürfen, nur weil das Menschliche kaum noch zu erkennen war? Und wer legt dann fest, welche äußeren Kennzeichen und Verhalten einen Menschen zum Menschen zu machen. Ob ein Watson die Embryos zu Unmenschen erklärt, Hitler die Juden oder ein Arzt einen Schwerkranken: Es läuft immer darauf hinaus, dass der Mensch definiert, wer Mensch sein darf und wechselnde Kriterien dafür festlegt.

In der biblischen Ethik ist dem Menschen die Definitionsgewalt dafür, wer Mensch ist und Menschenwürde genießt, völlig entzogen.

David Hume (1711–1776)

David Humes Todestag hat sich am 25. August zum 205. Mal gejährt. Er wurde im Mai 1711 in Edinburgh (Schottland) geboren und als Kind von seiner Mutter gewissenhaft in den Lehren des Calvinismus unterrichtet (sein Vater starb, als er ca. 2 Jahre alt war). Als junger Mann verwarf Hume allerdings den christlichen Glauben und entwickelte sich zu einem der schärfsten Aufklärer und Religionskritiker der Neuzeit. Er widmete sich dem Ziel, die Autorität von Offenbarung, Wundern und den klassischen Gottesbeweisen philosophisch zu erschüttern.

Es scheint so, dass ihm eine unter Frommen manchmal verbreitete Doppelmoral tief aufgestoßen ist. Ja er ging sogar davon aus, dass religiöse Menschen besonders unmoralisch leben. In seiner Naturgeschichte der Religion schreibt er (Meiner Verlag, 2000, S. 70–71):

Was für ein edles Vorrecht ist es doch für die menschliche Vernunft, die Erkenntnis des höchsten Wesens zu erlangen und von den sichtbaren Naturwerken auf ein so erhabenes Prinzip wie das ihres höchsten Schöpfers schließen zu können! Aber man betrachte einmal die Kehrseite der Medaille. Wenn man die meisten Völker und Jahrhunderte überblickt und diejenigen religiösen Prinzipien untersucht, die tatsächlich in der Welt geherrscht haben, so wird man kaum zu der überzeugung gelangen, daß sie etwas anderes als die Träume kranker Menschen sind; es sei denn, man zöge es vor, sie eher für übermütige Grillen von Affen in Menschengestalt als für ernsthafte, bestimmte und dogmatische Überzeugungen eines sich selbst mit dem Namen „vernünftig“ schmückenden Wesens zu halten.

Hört man die verbalen Beteuerungen der Leute an, so ist nichts so gewiß wie die Lehre ihrer Religion; untersucht man jedoch ihren Lebenswandel, so wird man kaum annehmen, daß sie das geringste Vertrauen in sie setzen. Der größte und aufrichtigste Eifer gewährt uns keine Sicherheit vor der Heuchelei; die offensichtlichste Gottlosigkeit ist von geheimer Furcht und Gewissensbissen begleitet.

Es gibt keine noch so schreienden theologischen Unsinnigkeiten, die nicht bisweilen von Leuten mit größtem und gebildetstem Verstand angenommen, und keine noch so strengen religiösen Vorschriften, die nicht von den wollüstigsten und lasterhaftesten Menschen befolgt worden wären. „Unwissenheit ist die Mutter der Frömmigkeit“: ein Satz der sprichwörtlich ist und durch allgemeine Erfahrung bestätigt wird. Man halte nach einem Volk Ausschau, das ohne jede Religion ist. Wenn sich ein solches überhaupt findet, dann darf man sicher sein, daß die Menschen dort nur wenige Grade von den Tieren entfernt sind.

Was ist so rein wie manche Sittenlehren, die in einigen theologischen Systemen enthalten sind? Was ist so verderbt wie einige der Handlungen, die von diesen Systemen veranlaßt werden? Die tröstenden Aussichten, die uns der Glaube an ein zukünftiges Leben eröffnet, sind entzückend und herrlich. Wie schnell aber vergehen sie angesichts seiner Schrecken, die fester und dauerhafter Besitz von dem menschlichen Gemüt ergreifen?

Hume wollte daher eine Morallehre entwickeln, die ohne göttliches Gesetz auskommt. Ob ihm das gelungen ist, hat James N. Anderson in seiner Einführung zu Hume untersucht (#ad):

  • James N. Anderson, David Hume, R&P Publishing, 2019.

Nancy Guthrie und die Reformation der Frauenarbeit

Nancy Guthrie, die von 18. bis 19. September 2026 in Bad Oeynhause sprechen wird, hat die Frauenarbeit verändert. Was sich genau geändert hat, beschreibt Sarah Eekhoff Zylstra in dem Artikel „Nancy Guthrie und die Reformation der Frauenarbeit“. 

Hier ein Auszug:

Vor fast 20 Jahren saß Nancy Guthrie an Deck eines Kreuzfahrtschiffs und las Collin Hansens Buch Young, Restless, Reformed. Darin wurde das wachsende Interesse an reformierter Theologie dokumentiert, das an Orten wie dem Southern Baptist Theological Seminary, den Together for the Gospel-Konferenzen und der Bethlehem Baptist Church aufkam.

Nancy war fasziniert. Einflussreiche Christen waren ihr keineswegs fremd – sie war mit einem Vizepräsidenten des renommierten Unternehmens Word Music verheiratet und hatte ihre ganze berufliche Laufbahn in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit für christliche Verlage sowie bekannte evangelikale Autoren wie Kay Arthur und Anne Graham Lotz verbracht. Aus ihrer Perspektive begann sie dieselbe Bewegung zu sehen wie Collin.

„Ich habe Collin einen Brief geschickt“, schildert Nancy. „Darin habe ich vieles über das Buch geschrieben – wie interessant ich es fand. Aber ich hatte auch eine Frage an ihn: Wo sind die Frauen?“

Im Jahr 2008 war der Großteil der Frauenarbeit in evangelikalen Gemeinden geprägt von prominenten Persönlichkeiten, unterhaltsamen Geschichten und emotionaler Rhetorik. Auslegung von Bibeltexten gab es kaum. Die erste Frauenkonferenz von The Gospel Coalition (TGC) sollte erst vier Jahre später stattfinden. Jen Wilkins erstes Buch, Frauen studieren die Bibel, erschien erst 2014. Jackie Hill Perry hatte sich noch nicht zu Christus bekehrt.

Trotzdem war sich Nancy unsicher, ob sie Collin den Brief schicken sollte. Sie war ihm noch nie begegnet und wollte nicht forsch oder aufdringlich wirken. Deshalb entschied sie sich dagegen. „Ich fing gerade erst an, mich mit der reformierten Welt vertraut zu machen“, sagt sie.

Mehr: www.evangelium21.net.

Die Abschaffung der Kinderarbeit

Was ich bei der Lektüre von Das Kapitel sehr bewegend fand, ist die Schilderung der Kinderarbeit in England. Die eindringlichste Schilderung findet sich in Kapitel 13 in Abschnitt 3a „Weiber- und Kinderarbeit“ (Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1, 1959, S. 416 ff.). Auch christliche Fabrikanten werden in England oder Deutschland von der Kinderarbeit provitiert haben. Allerdings wäre es falsch, zu vermuten, dass die Christen im 19. Jahrhundert grundsätzlich über die Kinderarbeit erfreut waren. Ganz im Gegenteil waren es Christen, die z.B. in England für die Abschaffung der Kinderarbeit wirkten.

Alvin Schmidt schreibt in seinem Buch Wie das Christentum die Welt veränderte (#ad, 2009) dazu (S. 169–172):

Im Laufe der Geschichte des Christentums kam es immer wieder vor, dass viele seiner Anhänger wie das Saatgut in Jesu Gleichnis vom Sämann waren, das unter die Dornen fiel; sie waren so mit dieser Welt und dem, was sie ihnen bot, beschäftigt, dass sie den Geist Christi erstickten und unfruchtbar wurden (Matthäus 13,22). Dieses Gleichnis ist ein treffendes Bild für die vielen Menschen bzw. Staaten, die in der Frühzeit der Industriellen Revolution in Westeuropa dem Namen nach Christen bzw. christlich waren, aber das, was Christus über die Barmherzigkeit und Nächstenliebe geboten hatte, schlicht weg ignorierten. Ein solches Land war England im 19. Jahrhundert.

Einer der großen Missstände der damaligen Zeit war der weit verbreitete Missbrauch der Kinderarbeit. Jungen und Mädchen im Alter von sieben bis vierzehn Jahren arbeiteten in Kohlebergwerken, wo sie oft auf allen Vieren durch die niedrigen Stollen krochen, um die Loren mit Kohle zu beladen. Ihre Kleidung war oft mangelhaft und zerlumpt und von dem Wasser in den Schächten durchnässt. Viele dieser Kinder hungerten. Eine Untersuchung bringt folgendes Beispiel: „Man zog zwei Jungen aus der Grube heraus … das Wasser tropfte an ihnen herunter, sie sahen so elend aus wie zwei ertränkte Ratten.“ Eine andere Form der Kinderarbeit bestand darin, dass kleine Jungen von offenen Kaminen aus den Schornstein hochklettern mussten, um ihn für den Schornsteinfeger, in dessen Dienst sie standen, zu reinigen. Solche und ähnliche Beispiele waren im frühindustriellen England an der Tagesordnung.

Diese Praktiken blieben nicht ohne Widerstand. Etliche mutige, integre Männer begannen, im Britischen Parlament für Gesetze zur Abschaffung der Kinderarbeit für Kinder unterhalb eines bestimmten Alters zu kämpfen. Zu den bekannteren gehörten u.a. William Wilberforce, Charles Dickens und Thomas Carlyle, aber der unermüdlichste Verfechter von Gesetzen gegen die Kinderarbeit war Anthony Ashley Cooper, auch bekannt als Lord Shaftesbury (1801-1885), der etliche Jahre Abgeordneter im englischen Parlament war. Die Triebfeder dieses unverdrossenen Kämpfers war die christliche Nächstenliebe. Mit 26 Jahren schrieb er: „Ich möchte nichts, als für Gott und mein Land nützlich zu sein.“ Der berühmte Prediger Charles Spurgeon sagte über seinen Zeitgenossen Shaftesbury: „Einen Mann, der so fest im Evangelium Jesu Christi steht und so aktiv ist für Gott und die Menschen, habe ich kein zweites Mal gefunden. In Jahren intensiver Bemühungen, mit zahllosen Reden, persönlichen Opfern und unermüdlicher Beharrlichkeit, konnte Shaftesbury die Verabschiedung mehrerer Gesetze erreichen, die das Los der arbeitenden Kinder spürbar verbesserten. Das erste solche Gesetz war der Factory Act von 1833, der die Arbeitszeit von Kindern unter 13 Jahren auf 48 Stunden pro Woche begrenzte. Weitere Gesetze folgten in den 1840-er Jahren. Drei neue Factory Acts wurden 1864, 1867 und 1871 Gesetz, 1875 schließlich (als Antwort auf das Ubel der Schornsteinfeger-Kinderarbeit) der Chimney Sweep Act – alle eine Frucht von Shaftesburys unermüdlicher Arbeit. Diese neuen Gesetze waren gewaltige Fortschritte, auch wenn sie noch nicht ausreichten, um die Kinderarbeit gänzlich abzuschaffen.

Im Laufe der Jahre führten weitere Gesetze schließlich zur Abschaffung aller Kinderarbeit in Fabriken, Mühlen und Bergwerken. Länder wie die USA, Deutschland und Frankreich folgten dem englischen Beispiel und erließen ebentalls Gesetze zur Verbesserung der Situation der Kinder. Noch 1938 verbesserten die USA den Schutz der Kinder durch den Fair Labor Standards Act. Heute ist die Kinderarbeit in den westlichen Ländern illegal, doch in China, Thailand, Bangladesh, Westafrika, Mexiko und anderen Ländern arbeiten heute noch bereits Siebenjährige in Fabriken, in der Textilindustrie und in der Landwirtschaft. 1997 schätzte die UNICEF, dass 2 bis 4 Millionen Kinder in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft Mexikos arbeiteten. 345 Wenn heute die Menschen im Westen schockiert reagieren, wenn sie hören, dass die Kinder arbeit noch in so vielen Ländern üblich ist, tun sie das, weil sie unbewusst von eben der Tradition christlicher Nächstenliebe geprägt sind, die die treibende Kraft im Lchen von Lord Shaftesbury war. Es war der Christ Shaftesbury, und nicht, wie manchmal behauptet wird, der Atheist Karl Marx, der das soziale Gewissen der Briten für das Übel der Kinderarbeit sensibilisierte. Als das englische Parlament 1833 aut Betreiben Shaftesburys den Factory Act verabschiedete, war Marx erst 15 Jahre alt.

Politikertin CDU wirbt für die Streichung des § 218

Wiebke Winter, Spitzenkandidatin der Bremer CDU, setzt sich für die Streichung des Paragrafen 218 aus dem Strafgesetzbuch ein. Bislang war dies eine Domäne der Linken und Grünen. Nun hat sich erstmals auch eine CDU-Politikerin für die Streichung ausgesprochen und sich für eine andere gesetzliche Regelung vorgeburtlicher Kindstötungen eingesetzt.

DIE TAGESPOST berichtet: 

In dem von dem Netzwerk „Frauen100“ verantworteten Podcast „You can sit with us“ sagte die Vorsitzende der Bremischen Bürgerschaft, Wiebke Winter, der Moderatorin Clara Pfeffer: „Ich finde das Selbstbestimmungsrecht der Frau total wichtig und ich finde es gut, wenn wir 218 abändern würden, nicht in dem, was geregelt wird, sondern dass wir es in ein anderes Gesetz überführen. Wir haben andere Gesetze, die es aus meiner Sicht genauso gut regeln könnten, dass wir weiterhin den Schutz des ungeborenen Lebens garantieren, aber auch das Selbstbestimmungsrecht der Frau ohne dieses scharfe Schwert des Strafgesetzbuches.“

Mehr: www.die-tagespost.de.

Was lehrt die Bibel über Nationen?

Kevin DeYoung hat sich mit der Frage beschäftigt, was die Bibel über die Nationen lehrt. Sein Fazit:

Das Ethnos, um das es Gott im Plan des neuen Bundes in erster Linie geht, ist die Gemeinde. Der multinationale Leib Christi ist ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk und das Israel Gottes. Darüber hinaus haben wir an mehreren Stellen gesehen, dass die nationale Identität zwar durch die Hinwendung zu Christus nicht aufgehoben wird, die Völker aber nicht als Völker zu Christus kommen. Die Völker treten ihren himmlischen Besitz als erlöste, jubelnde, bekehrte, gläubige, wiedergeborene Einzelpersonen an, um ihren ewigen Lohn zu empfangen. Erinnern Sie sich an die Präposition „aus“, die in Offenbarung 5,9 und 7,9 zu finden ist. Um den Thron versammelt sind nicht liberale Demokratien oder dynastische Monarchien oder konstitutionelle Republiken als solche, sondern erlöste Menschen aus jedem Stamm, jeder Sprache, jedem Volk und jeder Nation. Die Völker schreiten in das neue Jerusalem ein, und die Könige der Erde bringen ihre Herrlichkeit in die himmlische Stadt, indem sie dem Ruf des Engels Folge leisten, der mit dem ewigen Evangelium jedem Volk, jedem Stamm, jeder Sprache und jeder Nation verkündet: „Fürchtet Gott und gebt ihm Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen, und betet den an, der Himmel und Erde, das Meer und die Wasserquellen geschaffen hat“ (Offb 14,7).

Mehr: clearlyreformed.org.

Was Augustinus über Irrlehren dachte

Heindrikje Kuhs, die derzeit an einer Dissertation über Augustinus arbeitet, hat freundlicherweise das hier schon erwähnte Buch De haeresibus von Vanessa Bayha besprochen. Auf Anfrage des karthagischen Diakons Quodvultdeus verfasste Augustinus parallel zu seinen berühmten Retractationes in den Jahren vor seinem Tod einen sogenannten „Häretikerkatalog“, in dem er insgesamt 88 Gruppierungen unter dem Oberbegriff der Irrlehre klassifizierte und beschrieb.

Heindrikje Kuhs schreibt: 

So zeigt sich, dass für Augustinus Häresien ein breites Spektrum haben: Sie betreffen sowohl den dogmatischen als auch den ethischen Bereich. Hinsichtlich moralischen Fehlverhaltens benennt Augustinus unter anderem den Bereich der Ehe und Sexualität, Hochmut, Arbeitsscheu, Geldliebe und Heuchelei. Auch im Bereich der Lehre tauchen einige Themen immer wieder auf – eine systematische Zusammenfassung bietet aber weder Augustinus noch Bayhas Kommentar. Häresien betreffen die Schöpfungslehre und Kosmologie, astrologische Spekulationen, die Notwendigkeit der Gesetzesbefolgung, die Leugnung der Göttlichkeit von Jesu Christus, heterodoxe Trinitätsvorstellungen, die Leugnung der leiblichen Auferstehung, die Zurückweisung der materiellen Welt und eine damit einhergehende Ablehnung von Wein und Ehe bis hin zur radikalen Askese der Selbstkastration. Besonders das Thema Ehe ist für Augustinus bedeutsam, da er sich zur Abfassungszeit von haer. in einer Kontroverse mit Julian von Aeclanum befand, die sich immer wieder um diese Problematik drehte. Daher ergreift Augustinus die Gelegenheit, seine Position zu verdeutlichen und stellt klar, dass die Ehe ‚gut‘, die Enthaltsamkeit ‚besser‘ und das Problem nicht diese noch jene, sondern die Begierde ist.

Für heutige Leser skurril klingen einige Sakramentspraktiken: So habe die Gruppe der Ophiten die Schlange für Christus gehalten, verehrt und bei ihrem ‚Abendmahl‘ eine lebendige Schlange das Brot zur Konsekration anlecken lassen. Andere Häretiker feierten die Eucharistie mit Brot und Käse oder mit Wasser statt Wein. Darüber hinaus finden sich in Augustins Katalog Lehren, die einem heutigen Christen nie als Irrlehre in den Sinn kommen würden, wie die fehlende Unterscheidung zwischen Bischofs- und Priesteramt, exzessives Schweigen oder die Leugnung der dauerhaften Jungfräulichkeit Marias. Hier wird deutlich, dass ein Kompendium der Häresien stets ein zeitgebundenes Dokument ist. Augustinus kommt zuweilen zu einem anderen Schluss als seine Quellen, was als Häresie zu bewerten ist – ebenso verfahren moderne Leser mit seinem Text. Bis heute besteht die Tradition fort, Häresien zusammenzustellen, um Pastoren und Gemeindegliedern eine Handreichung zu bieten.

Mehr: www.evangelium21.net.

Die vergebliche Suche der Moderne nach einem guten Leben

Im vergangenen Jahr wurde ich im Rahmen des Projekts „Forming a Christian Mind“ von einer Gruppe Studenten der Universität Cambridge eingeladen, um mit ihnen einige drängende Fragen zu klären. Erstens: Was bedeutet es, ein „gutes Leben“ zu führen? Zweitens: Würden Christen in der heutigen westlichen Welt diese Frage anders beantworten als ihre säkularen Nachbarn? Zu diesem Thema gibt es kaum ein aufschlussreicheres Buch als Charles Taylors umfangreiches und brillantes Werk Quellen des Selbst.

James Eglinton schreibt dazu:

Es stellt sich natürlich die Frage, warum man zur Beantwortung der genannten Fragen ein so komplexes Buch über moderne Identitätsbildung zurateziehen sollte. Taylor argumentiert, dass wir das „gute Leben“ erst dann begreifen können, wenn wir verstanden haben, wie unsere Identität überhaupt entsteht. Worauf meine Identität gründet, bestimmt letztlich auch, ob ich mein Leben als „gut“ empfinde.

Das Buch Quellen des Selbst beginnt mit einer provokanten Behauptung. Im modernen Westen beschreiben wir unsere Kernidentitäten trotz aller Fokussierung auf unser komplexes Innenleben anhand erstaunlich einfacher Begriffe. Wir betrachten und präsentieren uns – und andere – auf eindimensionale Weise. Wenn wir fragen „Wer sind wir?“, reduzieren wir alles auf ein einziges Etikett und schreiben ihm eine tragende Rolle bei unserer Identitätsbildung zu. Für die einen ist dieses Etikett die Nationalität, für andere der Beruf, die Geschlechtsidentität, die sexuelle Orientierung, die soziale Klasse oder eine gesellschaftliche Rolle. In den sozialen Medien wird dieser Reduktionismus besonders deutlich: Wer sich auf einer Plattform wie X registriert, muss als Erstes in seiner Bio schreiben, wer er ist – und das in maximal 160 Zeichen.

Eine der Leitideen in Quellen des Selbst ist jedoch, dass unsere Identität weitaus komplexer ist, als unsere reduktionistischen Tendenzen vermuten lassen. Die menschliche Identität ist alles andere als geradlinig. Um dies zu verdeutlichen, knüpft Taylor Verbindungen über weite Zeiträume hinweg – von Homer bis Platon, von Augustinus bis Calvin, von Descartes über Herder bis Kant und schließlich bis zu uns. Auf diese Weise entwirft er ein Bild der modernen westlichen Identität. Wenn man für diese generische westliche Person eine X-Bio schreiben müsste, würde sie in etwa so lauten: #UniverselleGerechtigkeit #GutesTunInDerWelt #Gleichheit #Freiheit #LeidenVermeidenWollen.

Diese Werte sind insofern typisch westlich, als dass sie nicht von allen Kulturen zu allen Zeiten geteilt wurden. Die alten Spartaner sahen im Leiden etwas Charakterbildendes und im Schmerz ein nützliches Werkzeug. Die konfuzianische Kultur bejaht Hierarchien – statt Gleichheit – als natürlich und notwendig. In ihrer vorchristlichen Vergangenheit war der nordischen Kultur ein würdevoller Tod wichtiger als ein moralisches Leben. Und die heidnische römische Kultur betrachtete eine Sklavenklasse als notwendig, um das Aufblühen ihrer freien Bürger überhaupt erst zu ermöglichen.

Im Gegensatz dazu empfindet die moderne westliche Identität die Werte dieser alten Kulturen als völlig fremd und rückschrittlich. Allerdings ist unsere eigene Identität laut Taylor keineswegs einheitlich. Vielmehr unterscheidet sich die Art und Weise, wie wir unsere Intuitionen in Bezug auf Gerechtigkeit, Gleichheit, Nächstenliebe, Freiheit und Leiden begründen, von Mensch zu Mensch drastisch. Das liegt daran, dass wir keinen homogenen moralischen Orientierungsrahmen mehr teilen.

Wie also würden zwei Menschen, die in der westlichen Kultur aufgewachsen sind – der eine christlich, der andere säkular –, die Frage „Was ist ein ‚gutes Leben‘?“ beantworten? Quellen des Selbst kommt zu einer beachtlichen Erkenntnis: In beiden Fällen, so Taylor, sei das Konzept eines „guten Lebens“ von den Vorstellungen von Rechtfertigung und Heiligung bestimmt. Ich möchte mich im Folgenden darauf konzentrieren, wie genau diese Konzepte Christen eine einzigartige Perspektive auf die moderne Identitätsbildung eröffnen.

Mehr: www.evangelium21.net.

Menschenfischen & Schafeweiden

 

 

Vor rund 25 Jahren hatte ich das Vergnügen, Wolf Christian-Jaeschke bei der Veröffentlichung des wunderbaren Buches Adolph Zahn: Von Gottes Gnade und des Menschen Elend (#ad, 2. Aufl., 2005) zu unterstützen.

Dr. Bernhard Kaiser schrieb damals über das Werk:

Lange muß man suchen, bis man in der Theologenwelt des neunzehnten Jahrhunderts mit ihrem Fortschrittsoptimismus und ihren Illusionen vom Menschen einen Mann des biblischen Realismus findet. Wolf-Christian Jaeschke, der Leiter der Navigatoren-Arbeit in Deutschland, ist fündig geworden und hat uns Adolph Zahn vorgestellt. Dafür ein herzliches Dankeschön vorab. Biblischer Realismus ist das Markenzeichen der Theologie, die in diesem Buch präsentiert wird. Adolph Zahn (1834-1900) war Pfarrer in Halle, Wuppertal und Stuttgart, ein Kämpfer für die Wahrheit und Irrtumslosigkeit der Schrift und gegen die Bibelkritik, ein Vetter von Theodor Zahn und Adolf Schlatter. Er lebte und wirkte in einer Zeit, in der der Heils- und Heiligungsoptimismus und die Illusionen vom neuen, wiedergeborenen Menschen der frommen und ansonsten bibelgläubigen Welt in den Kopf stiegen. Realismus dagegen heißt, daß Zahn in großer Klarheit vom vollbrachten, stellvertretenden Heil in Christus sprach, jener geistlichen Realität, die für uns nicht sichtbar ist, aber die doch so wirklich und wahr ist, wie Christus gestorben, auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist.

Von Gottes Gnade und des Menschen Elend steht immer noch in meiner Handbibliothek, sodass ich bei Bedarf schnell darauf zurückgreifen kann. Die Anhänge zu lutherisch-reformierten Lehrdifferenzen, zur Heiligen Schrift oder zur Eschatologie sind ungemein hilfreich.

In den zurückliegenden Monaten, also 25 Jahre später, durfte ich Wolf Christian Jaeschke erneut bei der Herausgabe eines Buches unterstützen. Vor wenigen Tagen ist Menschenfischen und Schafeweiden: Die doppelte Berufung der Jesus-Nachfolger (#ad, 1. Aufl., 2026) erschienen.

Das Buch beschreibt die Ausbreitung des Evangeliums. Es bietet einen einprägsamen Gesamtüberblick über die beiden zentralen Handlungsfelder, die Jesus in seiner bildhaften Sprache als „Menschenfischen” und „Schafeweiden” bezeichnete. Beim ersten geht es darum, dass Menschen den Glauben für sich entdecken, beim zweiten darum, dass sie in diesem Glauben gestärkt und vertieft werden.

Theologische Fragen, die sich bei der Ausbreitung des Evangeliums stellen, aber oft ausgeblendet bleiben, werden in verständlicher Weise erläutert. So entsteht eine „Theologie für unterwegs“. Sie soll all jenen dienen, die mit anderen im Gespräch über den Glauben stehen oder diese im Glauben begleiten.

Die Praxis dieses Unterwegsseins wird in ihrem weit gefächerten Spektrum dargestellt. Wer mehr über Evangelisation und Nacharbeit, Apologetik und Zweierschaft, Tutoring und Mentoring und vieles andere mehr wissen möchte, findet hier reichlich Material.

Der Autor stützt sich dabei auf seine langjährige Erfahrung im „Menschenfischen und Schafeweiden“ sowie auf eine Fülle von Literatur zum Thema. Wer dieses Buch liest, lernt durch Überblicke und Originalzitate zahlreiche weitere Publikationen kennen.

In drei Anhängen wird zudem betrachtet, was C. S. Lewis, Francis Schaeffer und der Chinamissionar John Nevius zur Glaubensvermittlung und -vertiefung zu sagen hatten.

Meiner Meinung nach ist es ein wichtiges Buch, das zur richtigen Zeit erschienen ist. Es erinnert uns an unseren Auftrag, das Evangelium mutig zu bezeugen; und es zeigt uns, wie wir unseren Glauben im öffentlichen Raum und in der persönlichen Begegnung vertiefen können. Gerade Themen wie Mentoring oder Tutoring bleiben in christlichen Kreisen oft theologisch unterbelichtet. Dabei geht es nämlich nicht nur um neutrale, offene Entwicklungsprozesse, Begleitung und Stärkung, sondern auch um eine am Evangelium orientierte „Unterweisung“.

Fehlt diese Vertiefung, bleiben wir geistlich unmündig und laufen Gefahr, vom Wind falscher Lehren mitgerissen zu werden. Paulus schrieb an die Epheser: „Wir sollen keine unmündigen Kinder mehr sein; wir dürfen uns nicht mehr durch jede beliebige Lehre vom Kurs abbringen lassen wie ein Schiff, das von Wind und Wellen hin und her geworfen wird“ (Eph 4,14 NGÜ). „Stattdessen sollen wir in einem Geist der Liebe an der Wahrheit festhalten, damit wir im Glauben wachsen und in jeder Hinsicht mehr und mehr dem ähnlich werden, der das Haupt ist, Christus“ (Eph 4,15 NGÜ).

Das Buch vermittelt keine neuen Programme, sondern macht Mut, Verantwortung zu übernehmen und eine Kultur des Jüngermachens und Jüngerstärkens zu fördern.

Bei Verlag gibt’s mehr Informationen; außerdem kann dort das Buch auch bestellt werden: verbum-medien.de.

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