Theologie

In Christus

Sinclair Ferguson (Union with Christ, 2025, S. 32):

Das Neue Testament beleuchtet viele verschiedene Aspekte des Lebens und sagt uns: „Christ, all diese Dinge erlebst du in Christus.“ In Christus wird uns vergeben. In Christus werden wir von unserer Knechtschaft in der Sünde befreit. In Christus leben wir zum Lob der Herrlichkeit Gottes. In Christus sollen wir heiraten, sprechen und Weisheit haben. In Christus werden wir sterben. Es sind die Toten in Christus, die auferstehen werden. „Eure Leiber selbst sind Glieder Christi geworden“, ruft Paulus aus (vgl. 1 Kor 6,15). Dies wird in einer unverwechselbaren, möglicherweise einzigartigen Sprachform ausgedrückt. Paulus spricht nicht nur davon, „an Christus“ zu glauben oder „auf Christus“ zu glauben, sondern „in Christus“ zu glauben: pisteuō (das Verb „glauben“) gefolgt von eis (der Präposition „in“). Dies scheint eine einzigartige Sprachverwendung zu sein. Autoren der Antike schrieben nicht davon, dass eine Person in eine andere Person hineinglaubt. Paulus könnte diese Formulierung durchaus geprägt haben, um die Einzigartigkeit der Beziehung des Gläubigen zu Christus zu verdeutlichen. Lebendiger Glaube führt uns „in Christus“, in die Vereinigung und Gemeinschaft mit ihm.

„Beta-Couples“

Heterofatalismus, Chatbots und „Beta-Couples“: Wer sich auf Social Media, dem Buchmarkt oder in großen Magazinen umschaut, könnte glauben, die Zweierbeziehung sei in Gefahr. Stimmt das?

Thomas Lindemann beschreibt, wie aus der Sicht von Ratgeberautorinnen und Trendforscherinnen „die Bindung auf Dauer“ immer unbeliebter wird. Zweierbeziehungen sind immer häufiger Optionen, werden also ständig neu ausgehandelt. 

Zitat: 

„Seit gut zehn Jahren erodiert die bürgerliche Kleinfamilie merklich“, sagt Eike Wenzel, Medienwissenschaftler und Gründer des Heidelberger Instituts für Trend- und Zukunftsforschung. Eine Ursache ist der demographische Wandel: „Die Menschen werden älter, fühlen sich jünger. Wer heute 60 wird, hat meist noch mindestens 25 gesunde Jahre vor sich“, erklärt Wenzel. „Viele fragen sich dann, ob der Lebensweg noch richtig ist, besonders Frauen. Sie sind heute gut oder sogar besser ausgebildet, sind kommunikativ und teamfähig, in der Gesellschaft verankert. Sie haben zersplitterte Arbeitskarrieren auf sich genommen, sich viel mehr um Haushalt und Kinder gekümmert, wollen nun dafür entschädigt werden. In Zweierbeziehungen werden die Positionen immer wieder neu verhandelt. Auch wenn die Kinder das Haus verlassen oder wenn die Rente beginnt.“

In der Haltung der Generationen habe sich regelrecht etwas umgekehrt: Während die Jungen ängstlicher sind und Sicherheit suchen, fühlen die Alten sich frei und haben die Mittel, sich auszuleben. „Die heute 20- bis 30-Jährigen nennen wir Bumerang-Generation“, erklärt Wenzel. „Weil sie teilweise noch mal ins Elternhaus zurückkommen, die wollen das Erwachsenwerden lange aufschieben.“

Und die etwa 30- bis 50-Jährigen binden sich, sind aber immer auf dem Sprung. „In dieser Gruppe sind Frauen schon gleichberechtigt, selbst in unteren Einkommensgruppen. Die binden sich vorsichtig, leben in sogenannten Beta-Couples, das heißt, alles ist auf Probe.“ Der soziologische Begriff ist von „Beta-Versionen“ einer Software abgeleitet. Diese Versionen stehen kurz vor der Veröffentlichung, sind aber noch nicht endgültig.

Eine solche Bindungshaltung sieht man nicht unbedingt an den Zahlen der Statistik. Aber sie verändert viel – etwa dass eine Trennung immer eine Option ist. Anders als in früheren Generationen. Autorin Lewina sieht noch ein psychologisches Phänomen in diesem Zusammenhang: „Wir haben höhere Ansprüche an eine Liebesbeziehung als früher. Unter anderem wollen manche auch nach vielen Jahren noch ein Sexleben – das entspricht aber nicht unbedingt der Biologie.“

Ich möchte dieser Wahrnehmung gar nicht widersprechen. Das passt zum kulturellen Klima, in dem zunehmend nur noch Interessen ausgehandelt werden. Beim radikalen Individualismus stehen das eigene Wohlbefinden und Glücksgefühl im Vordergrund. In persönlichen und manchmal auch seelsorgerlichen Gesprächen stelle ich allerdings auch etwas anderes fest: Viele Menschen sind aufgrund von Verratserfahrungen verletzt und enttäuscht. Sie haben Angst, sich zu binden, da sie nicht noch einmal schwer enttäuscht werden möchten. Doch genau das wünschen sie sich: eine sichere Bindung an einen verlässlichen Partner.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

„Radikale Hoffnung“

Am Mittwoch, den 13. Mai, sprach der Theologe und Jüngel-Schüler Ingolf U. Dalferth über „Radikale Hoffnung“ in der Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München. Die FAZ berichtet:

Schon das „Menschsein selbst ist ein unvollendetes Projekt“, sagte Dalferth pointiert (nicht erst die Moderne). Nietzsche legte dar, dass der Mensch als das noch nicht festgestellte Tier gezwungen ist, sich selbst zu etwas zu machen – Kierkegaard demgegenüber, dass uns auch dies als unverfügbare Möglichkeit zugespielt ist. Und dieser Mangel des Mängelwesens Mensch ist zugleich seine Größe, weil er dadurch auch zum Möglichkeitswesen wird. Und er lässt seinen Anti-Climacus sagen: „Gott ist dies, dass alles möglich ist.“ Dalferth denkt dies radikal zu Ende: Gott ist nicht eine erst noch zu beweisende Möglichkeit, sondern umgekehrt die unvordenkliche, einzigartige Wirklichkeit, ohne die es überhaupt nichts gäbe und nichts möglich wäre, auch niemand, der denkt. Gott zu beweisen, ist daher ganz unnötig, ihn zu bestreiten, sogar noch unsinniger, als die eigene Existenz zu leugnen – ein Gedankengang, der an philosophische Letztbegründungsstrategien erinnert beziehungsweise diese noch überbietet. Schöpfungsrede ist unweigerlich selbstinvolvierend. Da christliches Hoffen-auf-Gott sich auf den richtet, ohne den es die Möglichkeit des Guten, die Hoffbarkeit von etwas überhaupt gar nicht gäbe, ist sie etwas ganz anderes als sonstiges Hoffen-dass oder Hoffen-auf, sie ist nicht nur auf Gehofftes ausgerichtet, sondern ein auf alles bezogener Existenzvollzug.

Ein Glanzstück des Vortrags war sicherlich die genaue Würdigung eines auch an dieser Stelle schon viel beachteten letzten Textes von Jürgen Habermas, „Ein Geburtstagsgruß“ in einer Festschrift für Thomas Schmidt, in dem Habermas noch einmal die Verteidigung der Moralressourcen von Religionen unternimmt. Er bezweifelt dort die Möglichkeit eines „reduzierten“ Hoffens und Glaubens ohne Festlegung auf Inhalte. Dem stimmte Dalferth so weit zu, aber da Habermas auch bei religiösem Hoffen nur propositionales und personales Hoffen sehe, übersehe er das Spezifische des Hoffens-auf-Gott.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Die Stellung der Trinitätslehre in der Dogmatik

Der Lutheraner Wilfried Joest (1914–1995) schreibt über die Stellung der Trinitätslehre im Gesamtzusammenhang der Dogmatik bis hin zu Karl Barth (Wilfried Joest u. Johannes von Lüpke, Dogmatik I: Die Wirklichkeit Gottes, 5., völlig neu überarbeitete Auflage, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, S. 287–288):

Die Trinitätslehre hatte in der alten Dogmatik ihren festen Platz innerhalb der Gotteslehre (De Deo), und zwar als deren zweiter Teil (De Deo trino oder auch De sanctissimo trinitatis mysterio), nachdem zuerst über Gottes Wesen und Eigenschaften im Allgemeinen gehandelt worden war (De deo uno oder auch De natura Dei et attributis divinis). Damit war die theologia im engeren Sinn der Lehre von Gott selbst abgeschlossen; die oeconomia, d.h. die Geschichte der Heilszuwendung Gottes in Christus und im Heiligen Geist, wurde erst danach entfaltet.

Aber gerade in ihr hat das christliche Bekenntnis zu dem dreieinigen Gott sachlich und geschichtlich seine Wurzel. Fragt man nach der theologischen Begründung und Notwendigkeit der Trinitätslehre, so bleibt ihre gleichsam fertige Vorwegnahme in einer der Entfaltung des Heilsgeschehens vorangestellten Gotteslehre unbefriedigend. Rationalistische Dogmenkritik hat freilich diese Frage gar nicht mehr gestellt; sie war bereit, die Trinitätslehre als spekulatives Hirngespinst überhaupt zu streichen und eine ›vernünftige‹ Gotteslehre auf das Thema De Deo uno zu reduzieren.

Zu diesem Verzicht auf das Kernstück der altkirchlichen Lehr- und Bekenntnisbildung hat sich allerdings die Theologie der neueren Zeit im Allgemeinen nicht bereit gefunden. Auch wo man der Trinitätslehre in ihrer überlieferten Gestalt kritisch gegenüberstand, wollte man sie doch berücksichtigen und suchte ihr interpretierend einen Sinn abzugewinnen. Aber der Ort, an dem sie innerhalb des dogmatischen Systems zu behandeln ist, wurde nun unsicher. Manche stärker der Tradition verpflichteten Theologen verhandeln sie nach wie vor an der alten Stelle.

Bei Schleiermacher erscheint sie dagegen, in erheblicher Umdeutung ihres überlieferten Inhalts, ganz am Ende seiner Glaubenslehre (§§ 170–172) und wirkt hier fast wie ein Anhang, der von dem Duktus des Gesamtwerkes her auch hätte entbehrt werden können. Auch Paul Althaus, Edmund Schlink und Gerhard Ebeling stellen sie ans Ende der Dogmatik, aber inhaltlich in engerem Anschluss an die Tradition und mit stärkerer Gewichtung; sie erscheint hier als zusammenfassender Ausdruck christlichen Gotteszeugnisses. Für die Stellung am Ende spricht auch, dass sich hier von der Eschatologie her der vorläufige Charakter aller Theologie verdeutlichen lässt: Auch und gerade als Trinitätslehre weist sie über sich hinaus auf den Lobpreis Gottes, von dem sie ausgeht und auf den sie hinführen will.

Andere Theologen behandeln die Trinitätslehre innerhalb der Soteriologie in unmittelbarem Anschluss an die Lehre vom Heiligen Geist (so auch Paul Tillich zum Abschluss des vierten Teils seiner Systematischen Theologie). Solche Einordnungen an späterer Stelle können für sich geltend machen, dass sie es ermöglichen, den Sinn der Trinitätslehre von Gottes Selbstmitteilung in Christus und im Geist her zu erhellen, ohne zu Vorwegnahmen der christologischen und pneumatologischen Thematik genötigt zu sein. Nachteilig ist aber, dass die Trinitätslehre nun als ein von der eigentlichen Gotteslehre weit entfernter Nachtrag zu ihr erscheint.

Im Gegensatz dazu stellt Karl Barth sie an den Anfang seiner Kirchlichen Dogmatik. Er entfaltet sie bereits im Zusammenhang seiner Offenbarungslehre: Nur in Christus und nur durch den Heiligen Geist wird Gott erkannt; seine Selbstoffenbarung ist trinitarisches Geschehen und setzt also das dreieinige Sein des Gottes, der sich so und nicht anders erschließt, voraus. Die Trinitätslehre wird hier geradezu zur fundamentaltheologischen Grundlegung der Dogmatik und tritt damit an die Stelle der sonst üblichen Grundlegungen, die zunächst von einer Erwägung des Gottesgedankens an sich und im Allgemeinen ausgehen. 

Die Menge-Lesebibel — AT & NT in 5 Bänden

Alle 5 Bände.

Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum der Erstveröffentlichung der Menge-Bibel (1926) erscheint in der „edition predigt.archiv“ eine Neuausgabe des Neuen Testaments (sowie des Alten Testaments in weiteren Bänden). Es handelt sich dabei um die originale, unrevidierte Textfassung von 1939 (Ausgabe letzter Hand).

Diese Edition unterscheidet sich in zwei wesentlichen Punkten von klassischen Ausgaben, was sie zu einem besonderen Werkzeug für die theologische Textarbeit macht:

  • Ein durchgehender Fließsatz ohne Verszählung: Der Verzicht auf die Versziffern im Text lenkt den Blick zurück auf den literarischen und theologischen Gesamtzusammenhang. Gerade die neutestamentlichen Lehrbriefe lassen sich so wieder als fortlaufende Gedankengänge und Argumentationslinien erfassen, ohne die Gefahr einer atomistischen Fragmentierung des Textes. Zur Orientierung sind lediglich die Kapiteleinteilungen dezent erhalten geblieben.
  • Ein echter Schreibrand von 4,5 cm: Um dem Anspruch einer echten Arbeitsbibel gerecht zu werden, bietet das einspaltige Layout knapp 5 Zentimeter freien Außenrand auf jeder Seite. Dieser Platz ist ideal für exegetische Notizen, Strukturierungsentwürfe für Predigten oder eigene Wortstudien, ohne dass Notizen in den Bundsteg gedrängt werden.

Abgerundet wird die Ausgabe durch ein klares, ruhiges Schriftbild mit klassischen Schmuck-Initialen und einer hochwertigen Umschlaggestaltung aus dem Hause 2K/DENMARK. 

Wer war der Bibelübersetzer Dr. Hermann Menge und welche Schwerpunkte legte er bei seiner Bibelübersetzung? Joannes Otto hatte anlässlich seines 75. Todestags den Artikel „Suche Jesum und sein Licht …“ geschrieben, der diese Fragen beantwortet und hier heruntergeladen werden kann: Menge.pdf.

Eine Leseprobe der neuen Bibelausgabe mit einem durchgehenden Fließsatz gibt es hier: Bibel_Menge_1939_NT_Leseprobe.pdf.

Bestellt werden können die Bände beispielsweise bei Amazon (#ad): 

Selbstlosigkeit (in der Ehe)

Guter Punkt: 

Mein wichtigstes Gebet für mich selbst – ich glaube, mein am häufigsten vorgebrachtes Gebet für mich selbst – ist Vers 4: dass Gott so tief in mir wirkt, dass ich nicht nur „auf [meine] eigenen Interessen, sondern auch auf die Interessen der anderen“ achte (Phil 2,4). Ich möchte einfach weniger egoistisch sein. Ich möchte mich mehr auf andere ausrichten. Ich möchte, dass dies für mich mehr zur Selbstverständlichkeit wird. Ich möchte mich nicht mehr so sehr darum anstrengen müssen. Ich möchte, dass es in mir heranwächst, denn ich glaube: Wenn wir als Gemeinde Vers 4 verkörpern könnten, wären wir einfach so weise. Gott schenkt gerne Weisheit darüber, wie man leben soll, wenn Vers 4 in einer Gemeinde gelebt wird.

Mehr: www.desiringgod.org.

Warum konvertieren Evangelikale zum römisch-katholischen Glauben?

In einer Folge von „White Horse Inn“ aus dem Jahr 1996 spricht Tim Staples, ein ehemaliger Evangelikaler, der zum römisch-katholischen Glauben konvertiert ist, gemeinsam mit Michael Horton, Kim Riddlebarger und Rod Rosenbladt darüber, was ihn und andere an Rom so anzieht. Dabei wird deutlich, dass psychologische Bedürftigkeiten eine große Rolle spielen. Die „Mutter Kirche“ bietet seelische Heimat und Wärme.

Hier das Gespräch: 

 

Im Gespräch wird deutlich, dass auch die Sehnsucht nach historischer Anschlussfähigkeit wichtig ist. Viele Evangelikale sind der Meinung, die Kirche habe mit der Reformation ganz von vorn angefangen. Dass Martin Luther das anders sah, wird in seiner Schrift Grund und Ursach aller Artikel (1521) sehr deutlich. In dieser groß angelegten Selbstverteidigung gegen die päpstliche Bannandrohungsbulle „Exsurge Domine“ begründet er seine zentralen Lehrthesen aus der Schrift systematisch. Er schrieb sie, um Rom und der Öffentlichkeit zu zeigen, dass die von der Bulle verurteilten Artikel weder willkürliche Neuerungen noch subjektive Meinungen sind, sondern aus der Bibel und der altkirchlichen Tradition abgeleitete Positionen.

Er schreibt dort (WA 7, 315): 

Damit ich auch denen will antwortet haben, die mir Schuld geben, ich vorwerfe alle heilige Lehrer der Kirchen. Ich vorwirf sie nit. Aber dieweil jedermann wohl weiß, dass sie zuweilen geirret haben als Menschen, will ich ihn nit weiter Glauben geben, denn so fern sie mir Beweisung ihrs Vorstands aus der Schrift tun, die noch nie geirret hat. Und das heißet mich Sankt Pauel i. Tessal. ult. da er sagt: ‚Prufet und bewähret zuvor alle Lehre; wilche gut ist, die behaltet‘. Desselben gleichen schreibt Sant Augustin zu Sant Hieronymo: ‚Ich hab erlernet allein denen Bucher, die die heiligen Schrift heißen, die Ehre zu tun, dass ich festiglich gläube, keiner der selben Beschreiber habe je geirret, alle ander aber lese ich der maßen, dass ichs nit fur wahr hab, was sie sagen, sie beweisen mirs denn mit der Heiligen Schrift oder offentlicher Vornunft.

VD: AR

„Danke, Felix Nmecha!“ 

Nach dem Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Curaçao am 14. Juni versammelten sich die Spieler beider Teams am Mittelkreis, um gemeinsam zu beten. Der Dortmunder Mittelfeldspieler Felix Nmecha und der Verteidiger vom FC Bayern München, Jonathan Tah, bildeten mit mehreren Profis der gegnerischen Mannschaft einen Kreis, legten die Arme umeinander und senkten die Köpfe. Im anschließenden ARD-Interview erklärte Nmecha: „Wir sind im Spiel Gegner, nach dem Spiel sind wir alle Christen und Brüder.“ Man habe gemeinsam gebetet, da alle dankbar seien. „Vom Ergebnis her ist es natürlich schön für uns, aber wir glauben alle, dass Jesus durch das Spiel verherrlicht wird.“ Fußball-Experte und Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger pflichtete ihm im TV mit einem „Amen“ bei (mehr hier).

Ein schöner Abend mit einer friedlichen Geste christlicher Fußballer. Und was fällt dem bürgerfinanzierten Deutschlandfunk dazu ein? Die hauen mal so richtig drauf und warnen vor den gefährlichen evangelikalen Christen. Wer es nicht glaubt, kann es hier in dem Beitrag „Gott und Kicker – Evangelikale im Fußballhören“, veröffentlicht am 14. Juni 2026 von Deutschlandfunk Kultur, hören: 

 

Ich halte es da mit Ulf Poschardt und sage: „Danke, Felix Nmecha!“ 

Während auf evangelischen und katholischen Kirchentagen eine arrogante Theologie der Woken verehrt wird und sich die meisten Normalbürger vorkommen, als müssten sie einem Zirkus wildgewordener Identitätspolitik zusehen, hat der Fußballnationalspieler, kein Akademiker, gezeigt, was die eigentliche Botschaft des Christentums ist: Nächstenliebe – und das Gebet als Akt der Liebe. Für Dietrich Bonhoeffer galt: „Beten ist Atemholen aus Gott; beten heißt, sich Gott anvertrauen.“

Diese einfachen Wahrheiten sind in der Bullshittisierung der Theologie in den vergangenen 20 Jahren verloren gegangen. Christlicher Glaube ist in seiner Vermittlung – sei es im „Wort zum Sonntag“ oder in irgendwelchen Radiopredigten, in denen linksradikale Terroristen als Nachfolger Jesu verklärt werden – vollkommen absurd geworden. Noch schlimmer als die Linksradikalisierung des Christentums ist die Verleugnung der christlichen Wurzeln. Die Abschaffung der Weihnachtsmärkte und Adventskränze zugunsten steriler säkularer Traditionen, die es gar nicht gibt, gehört dazu.

Mehr: www.welt.de.

Wir brauchen mehr Theologen wie Ralf Frisch

Theologieprofessor Ralf Frisch provoziert gerne mit steilen Thesen und spitzer Zunge und erntet dafür hin und wieder scharfe Kritik. Sogar seine eigene Hochschule hat sich kürzlich von ihm distanziert. Schade. Denn wir brauchen dringend mehr Leute, die ihre Kirche darauf hinweisen, worauf es eigentlich ankommt (vgl. a. hier). 

Nachfolgend zwei Auszüge aus einem aktuellem Interview mit Ralf Frisch (siehe a. Mehr Opium fürs Volk , #ad, Claudius, 2026):

Sobald man dieses Kombimodell fährt – der gute Mensch und der gute Gott -, oxidiert der „gute Gott“ an der Luft der Aufklärung sofort zu einer Metapher für Zwischenmenschlichkeit. Übrig bleibt meist nur der gute Mensch. Als Lutheraner ist mir diese Form der Zuversicht auf das harmonische Zusammenspiel von Gott und Mensch nicht gegeben. Die Grundfrage ist: Glauben wir an eine rettende Transzendenz, an ein Geheimnis, das die Welt im Innersten und Äußersten zusammenhält, oder glauben wir nur noch daran, dass der gute Mensch die Antwort auf alles ist?

Ihre Kritik richtet sich oft gegen die Kirchenleitung. Aber die Kirche ist doch viel breiter, von ultrakonservativ bis superliberal. Warum sehen Sie immer nur den „Wellness-Einheitsbrei“, der Sie so triggert?

Es ist auch ein medialer Kulturkampf. In den Verlautbarungen des Protestantismus habe ich oft das Gefühl, ich lese Texte vom Deutschen Gewerkschaftsbund DGB, der SPD oder den Grünen. Mir geht es nicht darum, dass ich mir etwas politisch Konservativeres wünsche. Mir geht es darum, dass das Narrativ primär nicht ein politisches Narrativ, egal welcher Couleur, sondern ein religiöses sein sollte. Wenn wir als Kirche nur noch moralische Kommunikation betreiben, weil wir glauben, die Sprache der Ethik werde immer verstanden, dann verlieren wir unseren ureigensten Kern.

Das begann massiv mit der Aufklärung. Für aufgeklärte Christen schien nach der alles zermalmenden Metaphysikkritik Immanuel Kants nur noch das übrigzubleiben, was durch den Filter des kategorischen Imperativs gelaufen war. Dogmatik galt als „Fantasy“. Faktisch wurden die reformatorischen Bekenntnisse dem Bekenntnis an ethisch vorbildliche Menschen geopfert. Die Kirche dachte, es sei Erfolg versprechender, in dieser Währung zu kommunizieren. Heute managen wir eine humanistische Kirche eigentlich mit drei Bibelstellen: mit der Goldenen Regel, dem Gebot der Nächstenliebe und dem Satz „Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“ Dafür braucht man keine Bibel mehr, die dicker ist als eine Postkarte.

Mehr: www.sonntagsblatt.de.

Starke Männer?!

Seit Jahrzehnten wird christlichen Männern eingeredet, ihre Stärke sei ein Problem, ihr Ehrgeiz eine Sünde und Macht sei grundsätzlich gefährlich. Stattdessen wird ihnen ein Glaube angeboten, der Untätigkeit und Passivität hochstilisiert. Nettsein ist zur höchsten Tugend geworden. In seinem Buch Offensive Christianity (#ad, Founders Press, 2026) plädiert Chase Davis dafür, dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen.

Scott Yenor beschreibt in seiner Rezension das Anliegen des Buchs, wobei er einige Schwächen meiner Meinung nach hätte deutlicher herauskehren können:

Die Kirchen haben kaum eine Vorstellung davon, was einen christlichen Mann ausmacht, und missverstehen daher ihre Mission. Vieles davon geht auf den Pietismus zurück. Indem sie persönliche Frömmigkeit und Heiligkeit in den Vordergrund stellten, zogen sich die Pietisten aus der öffentlichen Theologie zurück und lehnten konkrete Belange wie Arbeit, Haushalt, Vermächtnis und Politik als weltliche Ablenkungen von der spirituellen Erfahrung ab. Durch ihre Betonung der inneren Welt neigen die Pietisten dazu, traditionell männliche Eigenschaften zu stigmatisieren, die für ein aktives Eintreten für Christus notwendig sind.

Das andere Extrem, vertreten durch Friedrich Nietzsche und seine Epigonen, besteht darin, ohne Verankerung in christlichen Idealen in die Offensive zu gehen. Davis setzt sich in seinem Buch eingehend mit Nietzsches Kritik am Christentum auseinander. Er stimmt der Diagnose des deutschen Philosophen zu, die eine sentimentale, entmannte Religion beschreibt, und teilt dessen Verachtung für die endlosen Kompromisse eines defensiven Christentums. Dennoch lehnt Davis Nietzsches Lösung unmissverständlich ab. Christus allein ist „der einzige wahre Übermensch“, das Vorbild für – und der einzige Weg zu – wahrer Herrlichkeit. Wo Nietzsche den rohen Willen zur Macht forderte, ruft Davis die Menschen zu einer von Christus geprägten Stärke auf: sanftmütig, aber nicht schwach, ehrgeizig im Hinblick auf Gottes Reich statt auf Selbstverherrlichung. Alfred der Große, Konstantin und Ambrosius sind Beispiele für kühne Eroberer und Kulturstifter, die ihre Männlichkeit der göttlichen Autorität unterordneten.

Davis geht über die Kritik hinaus und skizziert die Pflichten des Mannes, der ein offensives Christentum praktiziert. Der offensive christliche Mann nimmt die Berufung zu Stärke, Versorgung, Schutz und sogar Herrschaft an. Er bringt sich in Form, um in einem schwachen Zeitalter ein Bild von recht geordneter Ambition zu vermitteln. Er kleidet sich und trägt sich mit Ernsthaftigkeit. Er stellt sich den Übeltätern entgegen und führt seinen Haushalt mit Autorität und Dienstbereitschaft. Er ist eine Säule seiner Gemeinschaft.

Hier: firstthings.com.

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