Praktische Theologie

Menschenfischen & Schafeweiden

 

 

Vor rund 25 Jahren hatte ich das Vergnügen, Wolf Christian-Jaeschke bei der Veröffentlichung des wunderbaren Buches Adolph Zahn: Von Gottes Gnade und des Menschen Elend (#ad, 2. Aufl., 2005) zu unterstützen.

Dr. Bernhard Kaiser schrieb damals über das Werk:

Lange muß man suchen, bis man in der Theologenwelt des neunzehnten Jahrhunderts mit ihrem Fortschrittsoptimismus und ihren Illusionen vom Menschen einen Mann des biblischen Realismus findet. Wolf-Christian Jaeschke, der Leiter der Navigatoren-Arbeit in Deutschland, ist fündig geworden und hat uns Adolph Zahn vorgestellt. Dafür ein herzliches Dankeschön vorab. Biblischer Realismus ist das Markenzeichen der Theologie, die in diesem Buch präsentiert wird. Adolph Zahn (1834-1900) war Pfarrer in Halle, Wuppertal und Stuttgart, ein Kämpfer für die Wahrheit und Irrtumslosigkeit der Schrift und gegen die Bibelkritik, ein Vetter von Theodor Zahn und Adolf Schlatter. Er lebte und wirkte in einer Zeit, in der der Heils- und Heiligungsoptimismus und die Illusionen vom neuen, wiedergeborenen Menschen der frommen und ansonsten bibelgläubigen Welt in den Kopf stiegen. Realismus dagegen heißt, daß Zahn in großer Klarheit vom vollbrachten, stellvertretenden Heil in Christus sprach, jener geistlichen Realität, die für uns nicht sichtbar ist, aber die doch so wirklich und wahr ist, wie Christus gestorben, auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist.

Von Gottes Gnade und des Menschen Elend steht immer noch in meiner Handbibliothek, sodass ich bei Bedarf schnell darauf zurückgreifen kann. Die Anhänge zu lutherisch-reformierten Lehrdifferenzen, zur Heiligen Schrift oder zur Eschatologie sind ungemein hilfreich.

In den zurückliegenden Monaten, also 25 Jahre später, durfte ich Wolf Christian Jaeschke erneut bei der Herausgabe eines Buches unterstützen. Vor wenigen Tagen ist Menschenfischen und Schafeweiden: Die doppelte Berufung der Jesus-Nachfolger (#ad, 1. Aufl., 2026) erschienen.

Das Buch beschreibt die Ausbreitung des Evangeliums. Es bietet einen einprägsamen Gesamtüberblick über die beiden zentralen Handlungsfelder, die Jesus in seiner bildhaften Sprache als „Menschenfischen” und „Schafeweiden” bezeichnete. Beim ersten geht es darum, dass Menschen den Glauben für sich entdecken, beim zweiten darum, dass sie in diesem Glauben gestärkt und vertieft werden.

Theologische Fragen, die sich bei der Ausbreitung des Evangeliums stellen, aber oft ausgeblendet bleiben, werden in verständlicher Weise erläutert. So entsteht eine „Theologie für unterwegs“. Sie soll all jenen dienen, die mit anderen im Gespräch über den Glauben stehen oder diese im Glauben begleiten.

Die Praxis dieses Unterwegsseins wird in ihrem weit gefächerten Spektrum dargestellt. Wer mehr über Evangelisation und Nacharbeit, Apologetik und Zweierschaft, Tutoring und Mentoring und vieles andere mehr wissen möchte, findet hier reichlich Material.

Der Autor stützt sich dabei auf seine langjährige Erfahrung im „Menschenfischen und Schafeweiden“ sowie auf eine Fülle von Literatur zum Thema. Wer dieses Buch liest, lernt durch Überblicke und Originalzitate zahlreiche weitere Publikationen kennen.

In drei Anhängen wird zudem betrachtet, was C. S. Lewis, Francis Schaeffer und der Chinamissionar John Nevius zur Glaubensvermittlung und -vertiefung zu sagen hatten.

Meiner Meinung nach ist es ein wichtiges Buch, das zur richtigen Zeit erschienen ist. Es erinnert uns an unseren Auftrag, das Evangelium mutig zu bezeugen; und es zeigt uns, wie wir unseren Glauben im öffentlichen Raum und in der persönlichen Begegnung vertiefen können. Gerade Themen wie Mentoring oder Tutoring bleiben in christlichen Kreisen oft theologisch unterbelichtet. Dabei geht es nämlich nicht nur um neutrale, offene Entwicklungsprozesse, Begleitung und Stärkung, sondern auch um eine am Evangelium orientierte „Unterweisung“.

Fehlt diese Vertiefung, bleiben wir geistlich unmündig und laufen Gefahr, vom Wind falscher Lehren mitgerissen zu werden. Paulus schrieb an die Epheser: „Wir sollen keine unmündigen Kinder mehr sein; wir dürfen uns nicht mehr durch jede beliebige Lehre vom Kurs abbringen lassen wie ein Schiff, das von Wind und Wellen hin und her geworfen wird“ (Eph 4,14 NGÜ). „Stattdessen sollen wir in einem Geist der Liebe an der Wahrheit festhalten, damit wir im Glauben wachsen und in jeder Hinsicht mehr und mehr dem ähnlich werden, der das Haupt ist, Christus“ (Eph 4,15 NGÜ).

Das Buch vermittelt keine neuen Programme, sondern macht Mut, Verantwortung zu übernehmen und eine Kultur des Jüngermachens und Jüngerstärkens zu fördern.

Bei Verlag gibt’s mehr Informationen; außerdem kann dort das Buch auch bestellt werden: verbum-medien.de.

Ich taufe im Namen der „Heiligen Geistkraft“

Die Evangelische Kirche in Rheinland hat kein Problem damit, Menschen im Namen der „Heiligen Geistkraft“ zu taufen. SELK-Bischof Hans-Jörg Voigt widerspricht völlig zurecht: 

Die Frage nach der Gültigkeit von Taufen taucht in Gemeinden der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) gelegentlich bei Übertritten aus anderen Gemeinden oder Kirchen auf. Ich erinnere mich an eine Taufe, die in einer freikirchlichen Gemeinde „auf den Namen Jesus“ vollzogen worden war und nicht unter Verwendung der trinitarischen Formel, die im Taufbefehl Jesu (Matthäus 28,19) genannt wird: „Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes…“ In diesem Fall wurde die Taufe nachgehend gültig durch den SELK-Pfarrer vollzogen. Es hat in einer älteren Generation in der Zeit der „Deutschen Christen“ Taufen gegeben, die, statt mit Wasser, mit Blumen vollzogen wurden. Auch in diesem Fall wurde die Taufe nachgehend gültig vollzogen. Die lutherische Kirche spricht in solchen Fällen sehr bewusst nicht von einer „Wiederholung der Taufe“, da die Taufe unwiederholbar ist. Eine Taufe, in der bei der Taufformel anstelle des Heiligen Geistes eine „Heilige Geistkraft“ benannt wurde, muss nachgehend gültig vollzogen werden, damit die betreffende Person kraft ihrer Taufe ihrer Seligkeit absolut gewiss sein kann. Paulus schreibt, dass Gott uns selig machte „durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist“ (Titus 3,5).

Die Rede von einer „Heiligen Geistkraft“ ist gegen das Bekenntnis der Kirche. Im Athanasianischen Glaubensbekenntnis, einem der ältesten christlichen Bekenntnisse, heißt es: „Eine andere Person ist der Vater, eine andere der Sohn, eine andere der Heilige Geist.“ Auf das Personsein der Dreifaltigkeit wird besonderer Wert gelegt. Der Heilige Geist hat Kraft, aber er ist nicht als „Kraft“ anzureden. 

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.idea.de.

In Christus

Sinclair Ferguson (Union with Christ, 2025, S. 32):

Das Neue Testament beleuchtet viele verschiedene Aspekte des Lebens und sagt uns: „Christ, all diese Dinge erlebst du in Christus.“ In Christus wird uns vergeben. In Christus werden wir von unserer Knechtschaft in der Sünde befreit. In Christus leben wir zum Lob der Herrlichkeit Gottes. In Christus sollen wir heiraten, sprechen und Weisheit haben. In Christus werden wir sterben. Es sind die Toten in Christus, die auferstehen werden. „Eure Leiber selbst sind Glieder Christi geworden“, ruft Paulus aus (vgl. 1 Kor 6,15). Dies wird in einer unverwechselbaren, möglicherweise einzigartigen Sprachform ausgedrückt. Paulus spricht nicht nur davon, „an Christus“ zu glauben oder „auf Christus“ zu glauben, sondern „in Christus“ zu glauben: pisteuō (das Verb „glauben“) gefolgt von eis (der Präposition „in“). Dies scheint eine einzigartige Sprachverwendung zu sein. Autoren der Antike schrieben nicht davon, dass eine Person in eine andere Person hineinglaubt. Paulus könnte diese Formulierung durchaus geprägt haben, um die Einzigartigkeit der Beziehung des Gläubigen zu Christus zu verdeutlichen. Lebendiger Glaube führt uns „in Christus“, in die Vereinigung und Gemeinschaft mit ihm.

Starke Männer?!

Seit Jahrzehnten wird christlichen Männern eingeredet, ihre Stärke sei ein Problem, ihr Ehrgeiz eine Sünde und Macht sei grundsätzlich gefährlich. Stattdessen wird ihnen ein Glaube angeboten, der Untätigkeit und Passivität hochstilisiert. Nettsein ist zur höchsten Tugend geworden. In seinem Buch Offensive Christianity (#ad, Founders Press, 2026) plädiert Chase Davis dafür, dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen.

Scott Yenor beschreibt in seiner Rezension das Anliegen des Buchs, wobei er einige Schwächen meiner Meinung nach hätte deutlicher herauskehren können:

Die Kirchen haben kaum eine Vorstellung davon, was einen christlichen Mann ausmacht, und missverstehen daher ihre Mission. Vieles davon geht auf den Pietismus zurück. Indem sie persönliche Frömmigkeit und Heiligkeit in den Vordergrund stellten, zogen sich die Pietisten aus der öffentlichen Theologie zurück und lehnten konkrete Belange wie Arbeit, Haushalt, Vermächtnis und Politik als weltliche Ablenkungen von der spirituellen Erfahrung ab. Durch ihre Betonung der inneren Welt neigen die Pietisten dazu, traditionell männliche Eigenschaften zu stigmatisieren, die für ein aktives Eintreten für Christus notwendig sind.

Das andere Extrem, vertreten durch Friedrich Nietzsche und seine Epigonen, besteht darin, ohne Verankerung in christlichen Idealen in die Offensive zu gehen. Davis setzt sich in seinem Buch eingehend mit Nietzsches Kritik am Christentum auseinander. Er stimmt der Diagnose des deutschen Philosophen zu, die eine sentimentale, entmannte Religion beschreibt, und teilt dessen Verachtung für die endlosen Kompromisse eines defensiven Christentums. Dennoch lehnt Davis Nietzsches Lösung unmissverständlich ab. Christus allein ist „der einzige wahre Übermensch“, das Vorbild für – und der einzige Weg zu – wahrer Herrlichkeit. Wo Nietzsche den rohen Willen zur Macht forderte, ruft Davis die Menschen zu einer von Christus geprägten Stärke auf: sanftmütig, aber nicht schwach, ehrgeizig im Hinblick auf Gottes Reich statt auf Selbstverherrlichung. Alfred der Große, Konstantin und Ambrosius sind Beispiele für kühne Eroberer und Kulturstifter, die ihre Männlichkeit der göttlichen Autorität unterordneten.

Davis geht über die Kritik hinaus und skizziert die Pflichten des Mannes, der ein offensives Christentum praktiziert. Der offensive christliche Mann nimmt die Berufung zu Stärke, Versorgung, Schutz und sogar Herrschaft an. Er bringt sich in Form, um in einem schwachen Zeitalter ein Bild von recht geordneter Ambition zu vermitteln. Er kleidet sich und trägt sich mit Ernsthaftigkeit. Er stellt sich den Übeltätern entgegen und führt seinen Haushalt mit Autorität und Dienstbereitschaft. Er ist eine Säule seiner Gemeinschaft.

Hier: firstthings.com.

Sinclair Ferguson: Alle Segnungen in Christus

Sinclair Ferguson schreibt in Union with Christ: The Blessings of Being in Him (#ad, 2025, S. 26):

Was bedeutet es, „in Christus“ zu sein? Dazu gehören zweifellos die Segnungen des Evangeliums, wie Rechtfertigung, Kindschaft Gottes und Heiligung.

Oft werden Christen diese Segnungen so vermittelt, als kämen sie in einer Art geradliniger chronologischer Reihenfolge zu uns – zuerst erhält man die Rechtfertigung, die zur Erfahrung der Kindschaft führt, und dann, im Laufe der Zeit, die Heiligung. Dies wird manchmal als die goldene Kette der Erlösung beschrieben – eine Redewendung, die zumindest in England auf den großen elisabethanischen Prediger und Theologen William Perkins aus Cambridge (1558–1602) zurückgeht.

Denken Sie an die Worte des Paulus in Römer 8,30: „Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt; die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht.“ Diese Segnungen sind wie Glieder, die in einer Kette miteinander verbunden sind. Viele Christen haben diesen Ansatz als hilfreich empfunden, um darüber nachzudenken, wie das Evangelium auf uns angewendet wird. Doch er birgt ein potenzielles Risiko. Zum einen erwähnt Paulus keine „Kette“. Diese Metapher wird in den Text eingeschleust; sie entspringt nicht aus ihm selbst. Und wenn ich sage, dass „die Rechtfertigung zur Kindschaft führt und dann weiter zur Heiligung“, habe ich etwas Wichtiges ausgelassen.

Was fehlt?

Es geht nicht so sehr um das „Was“, sondern um das „Wer“. Man kann über diese Kette so sprechen, als ob diese Segnungen objektiv existierten, fast wie Güter, die Gott uns schenkt. Aber beachten Sie, dass wir bei der Aufzählung noch nicht einmal den Herrn Jesus Christus erwähnt haben. Doch nur in ihm gehören diese Segnungen uns. Die Gefahr, in die wir hier geraten können, besteht darin, die Segnungen des Evangeliums von der Person zu trennen, die selbst das Evangelium ist und in der allein, durch den Glauben an ihn, diese Segnungen uns zuteilwerden. Wir können sie nicht losgelöst von Christus erfahren. Und wenn wir Christus haben, dann gehören uns in ihm alle Segnungen.

Kyla Gillespie: Jesus hat mich gerettet

Kyla Gillespie erfuhr in ihrer eigenen Familie viel Ablehnung, die sie durch Alkohol und andere Dinge zu kompensieren suchte. Auch die Trans-Ideologie wirkte verlockend. Als Frau geboren, lebte sie sechs Jahre lang als Mann. Dann zeigte Gott ihr ihre wahre Identität.

Mit 19 begann ich, meinen Stress im Alkohol zu ertränken. Es folgten Filmrisse, Partys, Glücksspiel und eine Reihe gescheiterter gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Es dauerte nicht lange, bis mein Glaube fast nicht mehr existierte. Ich wählte das Leben, von dem ich glaubte, es zu wollen, über meine Beziehung zu Gott. Doch als der Alkohol eine gefährliche Abwärtsspirale auslöste, entschied ich mich, in ein christliches Rehabilitationszentrum zu gehen.

Dort wurde ich trocken, doch mein Kampf mit gleichgeschlechtlicher Anziehung und Geschlechtsdysphorie ging weiter. Um den Krieg in meinem Inneren zu gewinnen, beschloss ich, von weiblich zu männlich zu wechseln. Zwei Jahre später, nach Hormontherapie, Operationen und tiefgreifenden Veränderungen meines Lebensstils, konnte ich endlich unbemerkt als Mann durch die Welt gehen.

Ich änderte meinen Namen von Kyla zu Brycen. Ich war am Ziel angekommen. Bei jedem Schritt dieses Prozesses wartete ich sehnsüchtig auf die Zufriedenheit und Erleichterung, die sicherlich folgen würden. Doch sie kamen nie. Die Veränderung meines Körpers hatte die Zerbrochenheit in meinem Inneren nicht geheilt.

Mein ganzes Leben lang hatte ich nach Einklang gesucht, nach einer Art tiefem, dauerhaftem Frieden. Und ich fand ihn nur in Jesus, dem, der rettet.

Mehr: www.christianitytoday.com.

Spurgeon: Jesus allein

Charles Haddon Spurgeon schreibt in Die Tür ist offen (#ad, 2022, S. 13–14):

Es kann gar nicht oft und deutlich genug gesagt werden, dass die einzige Hoffnung auf Errettung in dem Herrn Jesus Christus liegt. Jesus genügt, um von der Schuld und der Macht der Sünde zu erretten. Sein Name wird Jesus genannt, „denn er wird sein Volk erretten von seinen Sünden“. „Der Sohn des Menschen hat Vollmacht, auf der Erde Sünden zu vergeben.« Er ist erhöht, „Buße und Vergebung der Sünden zu geben“. Es hat Gott gefallen, einen Heilsplan zu entwerfen, der sich ganz und gar in Seinem eingeborenen Sohn erfüllen sollte. Jesus wurde um unseres Heils willen Mensch, Er wurde „gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz“. Wäre eine andere Weise der Befreiung möglich gewesen, so hätte Gottes eigener Sohn nicht sterben müssen, um uns zu erretten. Die unendliche Gnade ersann das große Opfer; die unendliche Liebe unterwarf sich um unseretwillen dem Tod. Wie können wir meinen, dass es einen anderen Weg geben könne als den, den Gott mit solchen Kosten vorbereitet und uns in der Heiligen Schrift so einfach und so dringend dargestellt hat? „Es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir errettet werden müssen“ – das ist ganz gewiss wahr.

Anzunehmen, dass Jesus die Menschen nur unvollkommen errettet hätte und dass von unserer Seite noch irgendein Werk oder Gefühl nötig wäre, um Sein Werk zu vollenden, ist verwerflich. Was könnten wir denn auch Seinem Blut und Seiner Gerechtigkeit hinzufügen?

„All unsere Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid.“ Selbst wenn wir irgendwelche Gerechtigkeiten hätten, auf die wir stolz sein könnten, wenn unsere Feigenblätter noch so groß und breit wären, so wäre es doch weiser, sie abzulegen und jene Gerechtigkeit anzunehmen, die Gott viel wohlgefälliger sein muss als unsere eigene. Ich, der ich diese Zeilen schreibe, möchte damit frei bekennen, dass kein Faden an mir gut ist. Ich könnte nicht einmal einen Lumpen daraus machen, nicht ein Lumpenstück. Ich bin vollständig entblößt. Aber wenn ich das schönste Gewand von guten Werken hätte, das ich mir im Stolz nur vorstellen kann, so würde ich es zerreißen und nichts anziehen als die »Kleider des Heils«, die mir von Jesus aufgrund Seiner eigenen Verdienste umsonst gegeben werden.

Es verherrlicht unseren Herrn Jesus am meisten, wenn wir alles Gute von Ihm allein erhoffen. Dadurch ehren wir Ihn, wie Er geachtet zu werden verdient. Denn da Er Gott ist und niemand außer Ihm, können wir nichts anderes tun, als auf Ihn zu blicken, um errettet zu werden. Er erwartet von uns, dass wir so zu Ihm kommen, denn Er lädt alle, die mühselig und beladen sind, zu sich ein, damit Er ihnen Ruhe geben kann.

Das Kind, das in Feuergefahr ist, klammert sich an den Feuerwehrmann, der es auf dem Arm trägt, und vertraut ihm allein. Es fragt nicht nach seiner körperlichen Kraft oder nach der Aufrichtigkeit seiner Absicht, zu retten, sondern es hängt sich an ihn. Die Hitze ist furchtbar, der Rauch erstickend, aber der Retter trägt es schnell in Sicherheit. Hänge dich mit demselben kindlichen Vertrauen an Jesus, der dich aus den Flammen der Sünde heraustragen kann und will!

Spurgeon: Warum im Dunkeln bleiben?

Charles Haddon Spurgeon schreibt in Die Tür ist offen (#ad, 2022, S. 10–11):

Unsere Erweckung kann dem Werk Christi nichts hinzufügen, sondern sie soll uns zu unserem Retter treiben. Wie abwegig ist es doch, mir einzubilden, dass mein Gefühl der Sünde dazu beitragen kann, sie hinwegzunehmen! Es ist, als wenn ich sagen würde, Wasser könne mein Gesicht nicht reinigen, wenn ich nicht noch länger in den Spiegel sehen und die Schmutzflecken in meinem Gesicht zählen würde. Das Gefühl, dass man die Errettung nötig hat, ist sehr gesund; aber man hat Weisheit nötig, um mit diesem Gefühl richtig umzugehen und nicht einen Götzen daraus zu machen.

Manche Leute scheinen förmlich verliebt in ihre Zweifel, Befürchtungen und Nöte zu sein. Man kann sie nicht davon abbringen. Wenn ein Pferdestall brennt, dann besteht, wie man sagt, die größte Schwierigkeit darin, die Pferde aus ihren Ständen herauszubekommen. Wenn sie nur dem Befehl ihres Besitzers folgten, könnten sie den Flammen entfliehen; aber sie scheinen vor Furcht gelähmt. So hindert die Angst vor dem Feuer ihre Flucht vor dem Feuer. Sollte auch uns die Furcht vor dem zukünftigen Zorn daran hindern, ihm zu entrinnen?

Einer, der lange im Gefängnis gesessen hatte, war nicht bereit, herauszukommen. Die Tür stand offen; aber er bat unter Tränen um die Erlaubnis, an dem Ort bleiben zu dürfen, wo er so lange gewesen war. Das Gefängnis zu lieben! An den eisernen Schlössern und der Gefangenenkost zu hängen! Dieser Gefangene kann ganz gewiss nicht richtig im Kopfe gewesen sein. Doch du, du willst ein Erweckter bleiben und nichts weiter, statt sofort Vergebung zu erlangen? Wenn du in Angst und Furcht verharren willst, dann musst auch du gewiss etwas von Sinnen sein. Wenn Friede zu haben ist, suche ihn ohne Umwege! Warum in der Dunkelheit der Grube bleiben, wenn deine Füße im Schlamm versinken?

Es gibt Licht, wunderbares und himmlisches Licht; warum im Dunkel liegen und in der Angst sterben? Du weißt nicht, wie nah dir das Heil ist. Wenn du es wüsstest, so würdest du sicher die Hand ausstrecken und es nehmen, denn es ist da, und es ist zu haben; du brauchst es nur zu nehmen.

Simone Beck: christliche Märtyrerin im Jahr 2017

In dem von Helmut Moll veröffentlichten Booklet Christliche deutschsprachige Märtyrer (2000–2024), das 2025 im Dominos-Verlag erschienen ist, wird auch die Ermordung von Simone Beck geschildert. Simone ist eine ehemalige Studentin, vgl. dazu die Rezension „Ermodet in Kabul“

Ich zitiere aus dem Booklet (S. 33):

Im Jahre 2003 begann ihr Einsatz in Afghanistan. Ihr Alltag war eine Herausforderung: In Nordafghanistan wurde die Kälte auf 3.000 Metern Höhe zu einer seelischen und körperlichen Belastung. Ihr Tagesablauf war minutiös geplant: Sie stand von Frühling bis Herbst gegen 4.30 Uhr auf und hielt sich durch einen Morgenlauf körperlich fit. Im März 2004 hatte sie einen Sprachkurs erfolgreich abgeschlossen. In Afghanistan sind etwa 30 bis 40 Sprachen geläufig. Die Landessprache war die sog. „Mittel-Sprache“, die sie beherrschen musste, wenn sie die Heilige Schrift in diese Sprache übersetzen wollte. Im Anschluss daran wurde Simone Beck Leiterin der Schule in Kabul.

Von Oktober bis Dezember 2006 nahm sie an einer Weiterbildung für Spracherkundung teil. Ab 2007 war sie Mitglied einer Gruppe, die sich in Faizabad niederließ, um an einem Spracherkundungsprojekt mitzuarbeiten. Gleichzeitig arbeitete sie als Entwicklungshelferin, um den Einwohnern die Schriftsprache beizubringen. Träger dieser Aktivitäten war eine christliche Organisation, um die Botschaft von Jesus Christus zu verkünden. Ein Mitarbeiter befürchtete, das offene Zeugnis für den christlichen Glauben können [sic!] Unfrieden in dem politisch zerrissenen Land fördern.

Ab dem Jahre 2015 pendelte Simone zwischen Deutschland und Kabul hin und her. Sie antwortete auf die Frage, warum sie sich bei dieser schier gefährlichen Lage für Jesus einsetzte, mit dem Bekenntnis:

„Weil Jesus Christus alles in allem ist und weil es sich lohnt, mit ihm zu leben und mit ihm zu sterben – egal wo.“

Am 20. Mai 2017 machten sich die Mitarbeiterinnen Sorgen, weil sie Simone telefonisch nicht erreichten. Als sie beschlossen, zu ihrer Wohnung zu gehen, stand die Eingangstür offen. Simone lag leblos auf dem Boden in ihrem Blut. Sie war von Islamisten brutal ermordet worden. Eine Kollegin, die von den Tätern verschleppt wurde, aber später freikam, bekundete, Simone habe vor ihrem Tod dreimal den Namen Jesus ausgerufen. Sie wurde nur 44 Jahre alt. Nach dem Wort des Evangeliums wurde sie zu einem „Weizenkorn“, das „in die Erde fällt und stirbt“, damit es „reiche Frucht bringt“ (Joh 12,24).

Francis Schaeffer: Das Kreuz und wahre Geistlichkeit

Bruce A. Little beschreibt in seinem Buch Why Truth Matters (DeWard Publishing, 2026, #ad), wie Francis Schaeffer geistliches Leben verstand (S. 74–75): 

Schaeffer erklärte: „Wenn wir etwas von der Wirklichkeit des christlichen Lebens, etwas von wahrer Geistlichkeit erfahren wollen, müssen wir ‚täglich unser Kreuz auf uns nehmen‘.“ Jesus sagte: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14,27). Schaeffer wies darauf hin, dass Jesus „nicht sagt, dass ein Mensch ohne dies nicht gerettet werden kann, sondern dass man nicht zu Christus gehört, im Sinne der Nachfolge.“ Die Vorstellung von unserem Kreuz ist nicht irgendeine Unannehmlichkeit oder Widrigkeit im Leben, vielmehr ist das Kreuz ein Instrument des Todes, wie Schaeffer in Geistliches Leben – was ist das? deutlich machte. Es bedeutet, die eigenen egoistischen Wünsche zu verleugnen und die eigenen Wünsche im Interesse Gottes zu ordnen.

Die Frage, täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen, ist keine einfache Angelegenheit; tatsächlich ist es schwer, wie Schaeffer erklärte: „Wir sind von einer Welt umgeben, die zu nichts ‚Nein‘ sagt. Wenn wir von dieser Art von Mentalität umgeben sind, in der alles nach Größe und Erfolg beurteilt wird, dann muss es schwer erscheinen, plötzlich zu erfahren, dass es im christlichen Leben diesen starken negativen Aspekt gibt, zu Dingen und zu sich selbst ‚Nein‘ zu sagen. Und wenn es sich uns nicht schwer anfühlt, lassen wir es nicht wirklich auf uns wirken.“ Es bedeutet, „Nein“ zu den Wegen der Welt und zur Verführung durch die eigenen egoistischen Wünsche zu sagen. Wie bereits erwähnt, sagt die Bibel, dass dies möglich ist, weil wir der Welt gekreuzigt sind und die Welt uns. Dieses Aufnehmen unseres Kreuzes ist jedoch keine einmalige Entscheidung; es ist Teil eines Lebens von Augenblick zu Augenblick in der Realität von Christi Tod und Auferstehung, und es erfordert Opfer und Hingabe. Wie Schaeffer zugab, ist es schwer.

Schaeffer betitelte Kapitel zwei von Geistliches Leben – was ist das? mit „Die Zentralität des Todes“. Dort untersuchte er die Schriftstellen bezüglich der Rolle des Todes für das Verständnis der Botschaft vom Wandeln in der Neuheit des Lebens – der wahren Geistlichkeit.

Im Zusammenhang mit dem „Wandeln in der Neuheit des Lebens“ lesen wir: „So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leib, dass ihr seinen Begierden gehorcht“ (Röm 6,12). Es ist schwer, „Nein“ zu den Dingen der Welt zu sagen, die uns anziehen, doch sie führen Krieg gegen die Seele. Das zuvor erwähnte Lied „Moment by Moment“ drückt es so aus: „Mit Jesus sterben, den Tod als meinen annehmen, für Jesus ein neues göttliches Leben leben.“ Die Idee des Kreuzes besteht darin, alles abzulehnen, was den Wunsch untergräbt, für Christus zu leben, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Joh 14,6). Christen sollen aus der Realität von „Christus in mir“ leben und ihren Anspruch auf ein autonomes Leben aufgeben. Laut Schaeffer muss diese Wahrheit verwirklicht werden, wenn Selbstverleugnung mehr sein soll als bloßer Legalismus. Dies ist der Kern von Schaeffers Lehre über wahre Geistlichkeit.

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