Ein glattes Fehlurteil

Das Amtsgericht Bremen hat den Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung verurteilt. Die Strafe beträgt drei Monate Haft, umgewandelt in eine Geldstrafe zu 90 Tagessätzen à 90 Euro (siehe dazu hier und hier).

Der idea-Redakteur David Wengenroth, promovierter Jurist und Prädikant der Evangelischen Kirche von Westfalen, erkennt in dem Richterspruch des Amtsgerichts Bremen ein klares Fehlurteil:

Das Urteil des Amtsgerichts Bremen gegen Olaf Latzel ist ein glattes Fehlurteil. Die Urteilsbegründung, die Richterin Ellen Best am 25. November in dem Konzertsaal „Die Glocke“ ablieferte, strotzte von juristisch-handwerklichen Fehlern, falschen Behauptungen und logischen Widersprüchen. So sagte Best gleich zu Beginn ihrer Ausführungen, die Entscheidung sei „nicht einfach“ gewesen, weil es „kaum obergerichtliche Rechtsprechung“ gebe, an der sie sich hätte orientieren können. Das ist, mit Verlaub, Quatsch. Mit den Urteilen verschiedener Ober- und Bundesgerichte zum Tatbestand der Volksverhetzung, kann man Regalmeter füllen. Wie wenig Latzels Äußerungen in die Reihe der „volksverhetzenden“ Äußerungen passen, wäre ihr klar geworden, wenn sie sich auch nur eine Handvoll davon angesehen hätte. Tat sie aber nicht.

Ich folge der Einschätzung von David Wengenroth und hoffe sehr, dass ein höheres Gericht angerufen wird und es zu einem fairen Urteil kommt.

Hier der ganze Artikel: www.idea.de.

„Für Freiheit in Forschung und Lehre“ und die Ideologien der Ungleichwertigkeit

Sandra Kostner hat eine brillante Analyse der Stellungnahme „Für Freiheit und Forschung in der Lehre“ vorgelegt  (FAZ vom 25.11.2020, Nr. 275, S. N4). Worum geht es? Die Forschungsstelle für Interkulturelle Studien (FiSt) der Universität Köln veröffentlichte im Sommer ein Positionspapier, indem vordergründig mehr Freiheit in Forschung und Lehre eingeklagt wird. Es heißt dort etwa:

An Universitäten und Hochschulen gilt die Freiheit von Forschung und Lehre. Auf dieser Basis haben wir als Professor*innen oder Dozent*innen das Recht und die Pflicht, unsere Schwerpunkte in Forschung und Lehre frei zu wählen, Forschung und Lehre im Sinne guter wissenschaftlicher Praxis zu gestalten und im Rahmen wissenschaftlich fundierter Debatten Meinungen, die Ideologien der Ungleichwertigkeit beinhalten, zu widersprechen. 

Das klingt vordergründig zunächst ganz gut, so wie auch der folgende Auszug:  

Die Geschichte der Meinungsfreiheit zeigt, wie sich unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit Rassismus artikulieren und in Institutionen einschreiben konnte, der dazu beigetragen hat, bestimmte Sichtweisen und Menschen systematisch auszuschließen. Meinungsfreiheit ist eine Freiheit, die historisch hart erkämpft wurde und um die auch heute immer wieder neu gerungen werden muss.

Erstaunlich dabei ist, dass genau die Stellungnahme, die für mehr Freiheit in Forschung und Lehre eintritt, den Ausschluss bestimmter Sichtweisen fordert.

Wie geht das? Dies geht, indem bestimmte Positionen unter Ideologieverdacht gestellt werden. Das Dokument lässt beispielsweise vermuten, dass aus der Perspektive der „Initiator*innen“ bereits diejenigen Ideologen sind, die eine strenge gendergerechte Sprache z.B. aus ästhetischen, philosophischen oder ökonomischen Gründen meiden. Tatsächlich geht es den fünfzehn Strategen nämlich darum: Argumente, Thesen und Meinungen, die im Widerspruch zu ihrer eigenen Weltanschauung stehen, sollen aus dem Raum der universitären Diskurse herausgedrängt werden. Methodisch lässt sich diese Ziel dadurch erreichen, dass bestimmte Auffassungen als „rassistisch“, „rechtsextrem“ oder „menschenverachtend“ eingeordnet werden. Auf diese Weise wird im Namen der Toleranz die Freiheit Andersdenkender beschnitten. So lässt sich sehr schön zeigen, dass die Neue Toleranz doktrinär ist.

Sandra Kostner schreibt: 

Die in Anschlag gebrachte Begründung lautet: Grenzen der Freiheit sind notwendig, um Diskriminierung und menschen verachten de Äußerungen zu bekämpfen und dergestalt die Menschen- und Grundrechte zu verteidigen. Konkrete Beispiele für „diskriminierende bzw. menschenverachtende Äußerungen“ werden nur an einer Stelle genannt. Umso aussagekräftiger legen die angeführten Beispiele die Weltanschauung und Ziele der Autorengruppe offen. Die Beispielsätze lauten „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ und „Das Kopftuch ist ein Zeichen der Unterdrückung“. 

Mit Diskriminierung und Menschenverachtung werden schwere juristische und ethisch-moralische Geschütze aufgefahren, um inopportune Äußerungen als nicht unter den Schutz der Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit fallend zu delegitimieren. Die Autorengruppe geht aber noch einen Schritt weiter und versucht sich an einer aktivistisch motivierten Instrumentalisierung der Grundrechte. Wie viele andere Antirassismus-Aktivisten nehmen sie Artikel 1 und Artikel 3 des Grundgesetzes ins Visier. So legen sie nahe, dass ein Satz wie „Das Kopftuch ist ein Zeichen der Unterdrückung“ eine Verletzung der in Artikel 1 verankerten Würde des Menschen sowie einen Verstoß gegen die in Artikel 3 festgeschriebene Gleichberechtigung der Geschlechter und gegen das Benachteiligungsverbot aufgrund der Religion darstelle. 

Mit dieser Vorgehensweise ist es sehr leicht möglich, bestimmte Akteure daran zu hindern, überhaupt Teilhaber kommunikativen Handels an den Hochschulen zu werden. Vielleicht deshalb, weil sie sachlich nicht widerlegt werden können? Wissenschaft muss offen bleiben für Anfragen, die nicht mit der eigenen Weltanschauung im Einklang stehen.

Suzanne Moore verlässt Guardian

Der Guardian sieht sich selbst als eine der liberalsten Zeitungen der Welt. Doch vor allem junge Mitarbeiter haben die sehr erfahrene Journalistin Suzanne Moore so lange unter Druck gesetzt, bis sie schließlich hingeschmissen hat. Der Grund für das Mobbing: Sie hat in Artikel das Konzept der Transsexualität infrage gestellt:

Moore argumentierte in ihrem Beitrag zu dem Thema, dass es bedenklich sei, wenn Frauen zum Schweigen gebracht würden. Dann schrieb sie, dass das Geschlecht biologisch bestimmt und nicht nur ein „Gefühl“ sei. Wörtlich heißt es: „Weiblich ist eine biologische Klassifikation, die für alle lebenden Arten gilt… Selbst wenn sie ein Frosch sind.“

Der Konflikt wird sich meiner Meinung nach in den nächsten Jahren massiv verschärfen. Die EU hat etwa gerade unter der Federführung von Frau Ursula von der Leyen die LGBTIQ Equality Strategy 2020–2025 veröffentlicht. Ein Blick in das Dokument lohnt sich. Die Partei der Grünen hat zudem erst am letzten Wochenende das queerste Parteiprogramm überhaupt verabschiedet. Möglicherweise zählen bald diejenigen, die es anders sehen als der politischen und kulturelle Mainstream, zu den am stärksten unter Druck gesetzten Leuten.

Ich empfehle die Lektüre dieses Welt-Artikels: www.welt.de.

„Stimme sein und stärken“

Das Netzwerk Evangelium21 stellt sich hinter das „Kasseler Memorandum“, das Bibel und Bekenntnis in Kassel auf der letzten Konsultation verabschiedet wurde (siehe hier). Wer wissen möchte, was für Fragen und Perspektiven auf dem Online-Treffen erörtert wurden, sollte sich z.B. den Vortag von Markus Till anhören:

„Anders Amen“ – Die Vermarktung einer verstaubten Institution

Die FAS berichtet in dem ganzseitigen Beitrag „Die Sinnfluencer“ (FAS vom 22.11.2020, Nr. 47, S. 13) über ein Pastorinnenpaar, das vom Kirchenfunk damit beauftragt ist, einer verstaubten Institution frischen Wind einzuhauchen:

Produziert werden die Videos von „Anders Amen“ vom evangelischen Kirchenfunk Niedersachen/Bremen. „Sinnfluencer“ nennt die evangelische Kirche ihre digitalen Helden. Die Kirche hat viel nachzuholen in Sachen digitales Storytelling, in Sachen Nachwuchs und vor allem: in Sachen Diversität …

Die beiden Pastorinnen, so unterschiedlich sie auch sind, eignen sich hervorragend für die positive Vermarktung einer verstaubten Institution. Die evangelische Kirche als eine Heimat für queere Personen, für Regenbogenfamilien, für alle eben.

Mit welchen Themen will denn die Kirche Menschen an sich binden? Siehe hier:

  • Hanky Code vs. Kirchenjahr – Wer hat von wem geklaut?
  • Mein Outing & unser Kennenlernen
  • Sex in der Kirche?! Queere Pastorinnen über Sex vor der Ehe, Pornos & Lecktücher
  • My Roots – unsere Coming-out-Storys mit Anders Amen, Jolina Mennen, Kostas Kind und vielen mehr …
  • Was ist SÜNDE? Glaubensfragen
  • Sexy Barbara Schöneberger & queere Wahrheiten
  • Was ist LGBTIQA*?
  • Ehe für ALLE?! Die große Trau-Pfarrschule

Hier mal eine nicht jugendfreie Beispielsendung von „Anders Amen“:

Bemerkenswert finde ich, dass die FAS den missionarischen Eifer des evangelischen Kirchenfunks nicht im Ansatz hinterfragt. Kann man nicht wenigstens mal darüber nachdenken, ob ein plansexuelles Bravo-TV das ist, was der Kirche weiterhilft? Ausgeholt wird freilich gegen Leute, die das noch so sehen, wie – sagen wir mal – die meisten Leute in Europa vor 20 Jahren. Denn:

In einem Ethik-Seminar, das sie zusammen im Studium besuchten, gab es etwa den Prof, der es immer wieder fertigbrachte, Homosexualität in die Nähe von Pädophilie zu rücken, wie sie es empfanden. Im Namen des evangelischen Glaubens wurden gerade in Freikirchen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder sogenannte Konversionstherapien vorgenommen, die seit Juni 2020 für unter Achtzehnjährige verboten sind.

Ellen Radtke sagt an einer Stelle (Minute 12:49): „Je mehr man sich damit beschäftigt, desto weniger überfordert das“. Ich gehe fast davon aus, die beiden Pastorinnen beschäftigen sich kaum noch mit etwas anderem.

Themelios 45 (2/2020)

Themelos2 2020In der aktuellen Ausgabe von Themelios gibt es erneut interessante Artikel und Buchbesprechungen. Ich empfehle besonders den Aufsatz „Is ‚Online Church‘ Really Church? The Church as God’s Temple“ von Ronald L. Giese. Er kommt zu dem Ergebnis: 

Online-Kirche ist keine Kirche. Das ist ein Widerspruch, kein Oxymoron. Einige der Dinge, die eine Kirche tut, kann man sicherlich online durchführen. Vielleicht lassen sich einige Teile in bestimmten Kontexten besser online erledigen als durch persönliche Begegnungen. Andere lassen sich vielleicht am besten in einem hybriden Modell verwirklichen. Der Grund dafür, dass eine Online-Kirche keine Kirche ist, ist mindestens ein doppelter. Erstens sind alle Indikatoren, sowohl die historischen (die vergangenen und zukünftigen Tempel) als auch die bildlichen (die Verzweigungen der Kirche als heutiger Tempel), dass Gottes Wohnung in der Kirche an einem Ort ist. Und die Indikatoren sind, dass sich dieser Ort an einem Ort befindet, nämlich in der Ortsgemeinde.

Der Inhalt: 

  • Pursuing Scholarship in a Pandemic: 227 Reflections on Lewis’s “Learning in War-Time” – Brian J. Tabb
  • Praise and Polemic in Our Global Pandemic – Daniel Strange
  • The Use of Leviticus 18:5 in Galatians 3:12: Redemptive-Historical Reassessment – Jason S. DeRouchie
  • Celebration and Betrayal: Martin Luther King’s Case for Racial Justice and Our Current Dilemma – James S. Spiegel
  • Christ and the Concept of Person – Lydia Jaeger
  • The “Epistle of Straw”: Reflections on Luther and the Epistle of James – Martin Foord
  • Interpreting Faith in the Reformation: Catholic and Protestant Interpretations of Habakkuk 2:4b and Its New Testament Quotations – Mario M.C. Melendez
  • The Resurgence of Two Kingdoms Doctrine: A Survey of the Literature – Michael N. Jacobs
  • Why Not Grandchildren? An Argument against – Reformed Paedobaptism – Gavin Ortlund
  • Is “Online Church” Really Church? The Church as God’s Temple – Ronald L. Giese, Jr.
  • PASTORAL PENSÉES: Text-Criticism and the Pulpit: Should One Preach about the Woman Caught in Adultery? – E. Miller

Hier gibt es die Ausgabe im PDF-Format oder für die Bibelsoftware Logos: themelios.thegospelcoalition.org.

Verachtung für das eigene Fremde

Pseudohistorische Serien und Romane feiern einen Erfolg nach dem anderen. Doch darin zeigt sich nur ein neues Unverständnis gegenüber der Geschichtlichkeit menschlicher Existenz. Das historische Bewusstsein wurde längst durch ein moralisches Besserwissertum ersetzt, meint Alexander Grau in einem Beitrag für die NZZ:

Doch allem scheinbaren Interesse am Historischen zum Trotz fremdeln die westlichen Gesellschaften mit der Geschichte – insbesondere mit ihrer eigenen.

Denkmäler werden geschleift, Institutionen und Strassen umbenannt, alte Texte überarbeitet und Museumsbestände kritisch durchforstet. Nie zuvor in der Geschichte stand eine Gesellschaft ihrer eigenen Vergangenheit mit so viel Reserviertheit gegenüber. Gilt das 19. Jahrhundert als das Zeitalter des Historismus, also des Bewusstseins für die eigene Geschichtlichkeit und von deren Verklärung, so droht das 21. Jahrhundert eine Epoche der vollständigen Enthistorisierung zu werden, der Preisgabe des historischen Denkens.

Mehr: www.nzz.ch.

VD: FL

Jay E. Adams 1929–2020

Jay Adams ist am 14. November 2020 in die ewige Ruhe bei seinem Herrn eingetreten. Er wurde 91 Jahre alt.

Adams war vor allem als Begründer der modernen biblischen Beratungsbewegung bekannt, die mit der Veröffentlichung seines bahnbrechenden Buches Competent to Counsel im Jahr 1970 ins Leben gerufen wurde. Er war ein Vorkämpfer für die Sache der biblischen Suffizienz in der Seelsorge und kämpfte gegen das Vordringen der säkularen Psychologie in die Beratungsräume von Pastoren und christlichen Laien an.

In den 80-er Jahren war die Seelsorge nach Adams in Deutschland recht verbreitet, da viele seiner Bücher übersetzt wurden. Seine Seelsorge musste allerdings auch sehr viel Kritik über sich ergehen lassen.

Jay Adams arbeitete zuletzt für das The Institute for Nouthetic Studies. Die Christian Counseling & Educational Foundation (CCEF) hat viele Impulse von Adams aufgenommen und gründlich weiterentwickelt.

Hier ist ein Rückblick auf sein Leben zu finden: nouthetic.blog.

Homosexualität und christlicher Glaube

In dem Beitrag „Der Kreis schließt sich“ habe ich im Juli 2020 die Hoffnung ausgesprochen, dass demnächst Beiträge erscheinen werden, die die offensichtlichen und weniger offensichtlichen Schwachpunkte des Buches Homosexualität und christlicher Glaube: Ein Beziehungsdrama, erörtern. Tatsächlich sind inzwischen mehrere sehr hilfreiche Rezensionen erschienen. Eine Auswahl:

Die meines Erachtens förderlichste Besprechung stammt von Thomas Jeising und erschien ursprünglich in der Zeitschrift Bibel und Gemeinde (4/2020, S. 27–39). Nun ist sie auch als Rezension bei Evangelium21 veröffentlicht worden. Zum Einstieg heißt es:

Es ist beinahe unmöglich, eine gewöhnliche Buchbesprechung zu dem vorliegenden Titel1 abzuliefern. Das hat eine Reihe von Gründen, die ich darlegen werde. Es wäre vielleicht sogar ungerecht, wenn man das Werk nur wie ein Buch beurteilen würde. Denn der Leser bekommt ungefragt auf 96 Seiten eine Therapiestunde bei einem Facharzt für Psychotherapie und Psychosomatik zum Discounterpreis, allerdings wird die Krankenkasse die Kosten nicht übernehmen.

Das Werk ist also irgendwie besonders, anders lassen sich seine Wirkung und die Aufregung darum auch gar nicht deuten. Denn das Buch, das Homosexualität unter Christen als positive Lebensform qualifizieren will, enthält kein einziges neues Argument, keine neue Idee, auch fasst es nicht die jahrzehntelange Diskussion zusammen. Und nicht einmal für den Vorschlag an evangelikale und konservative Gemeinden, eine Trauhandlung für zwei Menschen gleichen Geschlechts einzuführen, die nicht nur treu und verbindlich zusammenleben wollen, sondern auch für eine gegenseitige sexuelle Befriedigung eintreten, kann es ein Copyright beanspruchen.

Na, wenn das nicht neugierig macht. Die vollständige Buchbesprechung gibt es hier: www.evangelium21.net.

Abraham Kuyper: Ein christlicher pluraler Demokrat

Abraham Kuyper starb vor 100 Jahren. Der DLF informiert über den Vater des Neo-Calvinimus. Zu Wort kommt neben Victor D’Assonville vom RTS auch der Kirchengeschichtler Hans-Georg Ulrich, der das Buch:

veröffentlich hat.

 

Sprachverordnung

Die Frankfurter Stadtverwaltung will durch die Verwendung von „geschlechtergerechter Sprache“ Klischees und Stereotype überwinden, so etwa eine binäre Sicht auf das menschliche Geschlecht. Die Handreichung soll sich auch an die Öffentlichkeit richten. Damit schreibt die Behörde vor, wie Menschen zu sprechen und damit auch zu denken haben:

Wie es in der Broschüre heißt, soll eine geschlechtersensible Sprache traditionelle Normen und Rollenbilder in Frage stellen und zur Überwindung von Klischees und Stereotypen beitragen. Frauen und Männer sollten sich gleichermaßen angesprochen fühlen, aber auch diejenigen sollten einbezogen werden, die sich nicht eindeutig einem biologischen oder sozialen Geschlecht zuordnen könnten oder wollten. Zu den „überholten Sprachgewohnheiten“, die geändert werden müssten, zähle das generische Maskulinum. Weil es Frauen und nichtbinäre Personen nur „mitmeine“, aber nicht eindeutig benenne, sei es für „eine der Sorgfalt und Genauigkeit verpflichtete Kommunikation nicht geeignet“.

Einer der Tipps lautet deshalb, sogenannte Doppel-Kurzformen wie „Liebe Mitarbeiter*innen“, „liebe Mitarbeiter:innen“ oder liebe „Mitarbeiter_innen“ zu verwenden. Das Sternchen, der Doppelpunkt und der Unterstrich verwiesen auf die Vielfalt diverser Geschlechtsidentitäten: „Auch intergeschlechtliche, trans* und queere Personen fühlen sich hiervon angesprochen und repräsentiert.“ Beim Sprechen könnten die Zeichen durch ein kurzes Innehalten kenntlich gemacht werden.

Mehr hier: www.faz.net.

Warum „cooles Christentum“ noch nie eine gute Idee war

Brett McCracken, Autor des Buches Hipster Christianity: When Church And Cool Collide, rechnet mit dem progressiven Christentum ab:

Anfang des 21. Jahrhunderts war „Relevanz“ zum wichtigsten Schlagwort der westlichen evangelikalen Christenheit geworden. Pastoren, Gemeindeleiter und andere christliche Schlüsselpersonen empfanden eine neue Dringlichkeit, das Evangelium für die nächste Generation ansprechender zu gestalten – immerhin zeigten Umfragen, dass sich junge Leute in nennenswerter Zahl vom Glauben abwandten. Also versuchte man, dem Glauben ein neues Image zu verpassen. Das war die Zeit, in der das Magazin Relevant [in den USA] ins Leben gerufen wurde, Donald Millers Buch Blue like Jazz erschien und Rob Bell zu einer Art evangelikalem Steve Jobs aufstieg. Karos, Röhrenjeans, Bart und Tattoos wurden zur inoffiziellen Standarduniform eines Pastors. Es ging darum, den Glauben neu zu vermarkten, einen weniger gesetzlichen, dafür kultur-freundlicheren, „emergenten“ Glauben zu propagieren, der anders war als die angestaubte Religion unserer Großeltern.

In meinem vor zehn Jahren erschienenen Buch Hipster Christianity: When Church and Cool Collide habe ich diese problematische Zeit mit großer Genauigkeit nachgezeichnet. In vieler Hinsicht ist dieses Buch inzwischen nur noch ein nostalgisches Relikt – ein Zeitzeuge eines bestimmten Segments des Evangelikalismus an der Schwelle zum neuen Jahrtausend. Doch die Tatsache, dass es sich um ein Buch mit Ablaufdatum handelt, bestätigt den springenden Punkt, auf den ich damals hinwies: dass „cooles Christsein“ – wenn kein Oxymoron – zumindest vergebliche Mühe ist. Ein auf Relevanz ausgerichtetes Christentum sät selbst den Samen dafür, eines Tages überholt zu sein. Statt das Christentum zu retten oder wiederzubeleben, wird es durch Hipster-Glauben auf die Ebene eines Konsumguts reduziert – ebenso schnelllebig und vergänglich wie die Mode der neuesten Laufsteg-Kollektion. Wenn man die Relevanz des Christentums an seiner Fähigkeit festmacht, die Gunst der „Coolen“ zu erlangen – die doch nur die derzeitigen sind in einer langen Geschichte der evangelikalen Vorliebe für Prestige –, dann führt das ernsthaft in die Irre.

Mehr: www.evangelium21.net.

Glaubt nicht so an die Kirche wie an Gott

Heinrich Bullinger (Schriften, Bd. III , 2006, S. 185):

Der heilige Augustin sagt in seiner Schrift über den Glauben und das Glaubensbekenntnis Folgendes: „Ich glaube, dass es eine heilige Kirche gibt.“ Er sagt nicht: „Ich glaube an die heilige Kirche.“ Außerdem werden seine Worte an die Neubekehrten im ‚Dekret‘, Teil ‚Über die Weihung‘, Distinktion 4, Kapitel „In der ersten“, so angegeben: „Ich habe nicht gesagt, dass ihr an die Kirche wie an Gott glauben sollt, vielmehr sollt ihr einsehen, dass ich gesagt habe, ihr sollt in der heiligen allgemeinen Kirche wandeln und dabei an Gott glauben.“

Abraham Kuyper starb vor 100 Jahren

De Ware Jacob 3e jaargang nr 16 16 januari 1904 Tekening van Albert HahnVor 100 Jahren, am 8. November 1920, starb Abraham Kuyper in Den Haag (Niederlande). Der Theologe und Politiker ist in Deutschland nur einer eingefleischten Subkultur vertraut. In den Niederlanden hatte er bereits zu Lebzeiten eine große Gefolgschaft. Dort, sowie in den USA und in Südafrika, gilt er bis heute als einer der bedeutendsten Vertreter einer calvinistischen Theologie, die sich unter den Bedingungen der Moderne bewährt. Sein Todestag bietet eine günstige Gelegenheit, sich mit dem Vater des Neo-Calvinismus und seiner Weltanschauung vertraut zu machen.

Mehr dazu gibt es hier: www.evangelium21.net.