Die große Big-Data-Illusion

Sarah Spiekermann in ihrer ausgezeichneten Laudatio, die sie bei der Verleihung des Big Brother Awards (erschienen in der FAZ vom 26,05.2018):

Was heißt das? Der Secondhand-Eindruck von uns, der heute mit dem Begriff Big Data beschrieben wird, ist zwar umfassend, aber er zeichnet ein Bild von uns, das nicht unbedingt mit unserer Realität übereinstimmt. Während uns die Schöne-neue-Welt-Spezialisten aus dem Silicon Valley glauben lassen wollen, sie würden virtuelle Spiegelwelten schaffen, lassen uns klügere Leute wie Jaron Lanier wissen, was sie davon halten: „Die tiefe Bedeutung des menschlichen Daseins wird reduziert auf eine Illusion von Bits.“

Die RAF hat euch lieb

Jörg Thadeusz hat für WDR2 ein phantastisches Interview mit Bettina Röhl über ihr Buch Die RAF hat euch lieb geführt. Frau Röhl weist in ihrem Buch nach, dass es den 68ern nicht nur gelungen ist, einen Paradigmenwechsel in der deutschen Gesellschaft herbeizuführen. Die Linken haben auch die Deutungshoheit im Blick auf die „Revolution“ und die RAF an sich gerissen. Der „lange Marsch“ durch die Institutionen ist, so könnten wir sagen, gelungen.

Ich empfehle, mindestens das Interview von ca. 25 Minuten zu hören:

 

„Die RAF hat euch lieb“: Die Bundesrepublik im Rausch von 68 - Eine Familie im Zentrum der Bewegung von Bettina Röhl

Preis: EUR 24,00

49 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 20,82

 

D.A. Carson: Christus im Mittelpunkt?

2018 Konferenz Banner Home 4e176b98Dr. D.A. Carson ist renommierter Neutestamentler und unterrichtet seit 1978 an der Trinity Evangelical Divinity School. Carson ist Gründungsmitglied der Gospel Coalition, einem reformierten Netzwerk in Nordamerika. Außerdem ist er weltweit als Gastdozent und Redner unterwegs. Dr. Carson ist Herausgeber der Pillar-Kommentarreihe über das Neue Testament sowie Autor zahlreicher anderer Bücher. Unter anderem hat er das empfehlenswerte Buch Herr, wie lange noch?!, verfasst.

Bei der diesjährigen E21-Hauptkonferenz wird er einer der Hauptredner sein. Er spricht etwa zu dem Thema „Christus-zentriert oder trinitarisch?“. In einer kurzen Videobotschaft erklärt er, womit er sich in seinen Vorträgen auf der Konferenz befasst. Das komplette Programm und die Anmeldung ist im Internet abrufbar unter URL: www.evangelium21.net/konferenz2018.

Siehe auch:

Ach, Herr, wie lange noch?: Gedanken über das Leiden und andere Nöte (Biblisch & Praktisch) von Donald A Carson

Preis: EUR 5,90

1 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 5,90

 

Quo vadis, EAD?

Jonas Erne hat die überarbeitete Glaubensbasis genau gelesen und seine Gedanken in einen Artikel gepackt. Sein Fazit:

Und jetzt … wie weiter? Diese Frage wird sich in den nächsten Jahren jede Gemeinde, jeder Gemeindebund, jedes christliche Werk stellen müssen. Es gibt starke Tendenzen an vielen Orten, welche in dieselbe Richtung weisen wie diese Neuverfassung der Glaubensbasis. Es ist mein Gebet, dass wir aufwachen mögen und uns ganz neu dem Herrn Jesus weihen, und Ihm furchtlos und mutig, aber kompromisslos und mit Klarheit der Wahrheit nachfolgen.

Hier der vollständige Text: Quo_vadis_EAD.pdf.

„Die Sache mit der Schlange“ (Teil 2)

Die Jungs von Lutheristisches Lärmen haben jetzt nachgelegt und den Teil 2 der Analyse eines Worthausvotrages zur Schlange in der Urgeschichte veröffentlicht. Danke! Teil 1 gibt es auch.

Hier:

 

Sex und Fortpflanzung

Abigail Rine Favale hat das Buch Love Thy Body von Nancy Pearcey besprochen:

Love Thy Body ist ein verheißungsvolles Zeichen dafür, dass Christen effektiver auf beunruhigende kulturelle Trends reagieren, indem sie versuchen, eine teleologische Vision des Kosmos, der Sexualität und des Körpers wiederzugewinnen. Aber so eine eine Wiedergewinnung wird unvollständig bleiben, wenn Evangelikale nicht bereit sind, Praktiken wie Verhütung oder In-vitro-Fertilisation zu überdenken, die den Dualismus, auf den Pearcey hinweist, als selbstverständlich ansehen. Die Akzeptanz der homosexuellen Ehe gewinnt bei jungen Evangelikalen an Bedeutung. Wenn die Bezogenheit von Sex und Fortpflanzung schwach bleibt, ist es schwer zu erkennen, warum sich dieser Trend ändern sollte. Man kann sich leicht eine Zukunft vorstellen, in der die gleichgeschlechtliche Ehe so wie bereits die künstliche Empfängnisverhütung von den Evangelikalen begrüßt wird.

Mehr: www.firstthings.com.

Love Thy Body: Answering Hard Questions about Life and Sexuality von Nancy R Pearcey

Preis: EUR 18,49

9 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 16,32

 

Verleumdung und Niederbrüllen von Wissenschaft

Zara Riffler studiert an der Universität Frankfurt/Main Kunstgeschichte und Klassische Archäologie. Sie hat die Berichterstattung und Ereignisse rund um den Kongress „Familienkonflikt gewaltfrei austragen“ (siehe a. hier) genauer unter die Lupe genommen und hat dabei frappierende Entdeckungen gemacht:

Die Vorwürfe der Medien brachten es so weit, dass sogar zwei Demonstrationen an der Goethe-Universität stattfanden. Auch hier haben wir es bei „AStA“ und dem „Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt“ mit Veranstaltern zu tun, die nur abschreiben, ohne zu prüfen. Mehr noch. Das, was sie lesen, überspitzen sie mit dem Titel „Homosexuellen-Therapeut“: „Sie glauben Homosexualität ließe sich behandeln und möchten diese Vorstellung auf ihrer Konferenz […] verbreiten“. Wie weiland die berühmten Waschweiber am Dorfbrunnen, Gerüchte werden nicht nur unbesehen weiter verbreitet, sondern angereichert.

Aus Sicht der Jäger der verbotenen Forschung ist es also gelungen, eine „umstrittene Veranstaltung“ endgültig in eine „rechtsradikale“ umzuinterpretieren. Das ist ein klarer Fall von Rufmord und hat rein gar nichts mit dem Kongress zu tun. Auch hier versuchte ich mittels telefonischer Anfrage eine Stellungnahme des „Bündnisses für Akzeptanz und Vielfalt“ zu bekommen, welche ausblieb. Wer argumentiert verliert. Einschalten des Gehirns ist verboten.

Mehr: www.tichyseinblick.de.

Die „Weinerlichkeit“ in den Universitäten

Von 13.–14. April fand an der Universität Frankfurt ein Kongress zum Thema „Familienkonflikte gewaltfrei austragen” statt. Gegen das Auftreten des Soziologen Gerhard Amendt wurde – erwartbar – Stimmung gemacht. Allein die Tatsache, dass Amendt zu Fragen von Homosexualität oder Männerrechtsbewegungen eine Meinung vertritt, die sich vom Mainstream abhebt, gibt einigen die Legitimation, vor ihm zu warnen. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung verbreitete Clara Mißbach vom Asta: „Homofeindliche und reaktionäre Positionen dürfen an der Universität keinen Raum bekommen, auch nicht unter einem vermeintlich wissenschaftlichen Deckmantel.“

Die Universität hat dem Druck nicht nachgegeben. Joybrato Mukherjee, Präsident der Uni Gießen und Sprecher der Konferenz hessischer Universitätspräsidien, hat erfreulicherweise erklärt, dass es im wissenschaftlichen Diskurs nicht nur um Befindlichkeiten gehen darf.

Die FAZ schreibt:

Der Uni-Präsident beteuert, er wolle solche Konflikte aushalten. Einen Hang zum Vermeiden von Auseinandersetzung durch Ausgrenzung sieht er nicht nur, wenn es um das Einladen umstrittener Gäste geht. Als Anglistikprofessor verfolgt Mukherjee aufmerksam die Entwicklungen an amerikanischen und englischen Universitäten. Kollegen haben ihm berichtet, in manchen Hochschulen bekämen die Dozenten Listen mit Wörtern, die im Umgang mit Studenten zu vermeiden seien, weil sich bestimmte Gruppen dadurch angegriffen fühlen könnten.

Mukherjee, in Deutschland geborener Sohn indischer Eltern und SPD-Mitglied, hält das für Irrsinn. Er beklagt eine zunehmende „Weinerlichkeit“ in den Universitäten, einhergehend mit dem Unwillen, Ansichten, die den eigenen entgegenstehen, überhaupt zur Debatte zuzulassen. Sein Kollege Dievernich hat überlegt, wie das zu erklären ist: „Wir leben in einer Gesellschaft, in der ständig das Individuum angesprochen wird und Selbstinszenierung eine große Rolle spielt.“ Dadurch gerate die Fähigkeit zur Selbstkritik in Gefahr, meint der Betriebswirt und Soziologe. „Auf der anderen Seite gaukelt die Digitalisierung dem Menschen vor, er sei Herr seines Wissens, obwohl sie ihn in Wahrheit komplett überfordert. Das alles kann dazu führen, dass jemand sich nichts mehr sagen lassen will und sich von allem und jedem verletzt fühlt.“

Neuformulierte Glaubensbasis der Deutschen Evangelischen Allianz

Die Evangelische Allianz in Deutschland hat die Glaubensbasis überarbeitet. Der neue Text lautet wie folgt:

Wir glauben an den dreieinen Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Er hat die Welt erschaffen, er liebt sie und erhält sie. Darin zeigt er seine Souveränität und Gnade.

Der Mensch besitzt als Ebenbild Gottes eine unverwechselbare Würde. Er ist als Mann und Frau geschaffen. Er ist durch Sünde und Schuld von Gott getrennt.

Jesus Christus, der Mensch gewordene Sohn Gottes, ist stellvertretend für alle Menschen gestorben. Sein Opfertod allein ist die Grundlage für die Vergebung von Schuld, für die Befreiung von der Macht der Sünde und für den Freispruch in Gottes Gericht. Jesus Christus, durch Gott von den Toten auferweckt, ist der einzige Weg zu Gott. Der Mensch wird allein durch den Glauben an ihn durch Gottes Gnade gerecht gesprochen.

Durch den Heiligen Geist erkennen Menschen Gott. Der Heilige Geist schafft durch die Wiedergeburt neues Leben und befähigt die Gläubigen, nach Gottes Willen zu leben. Er schenkt ihnen Gaben zum Dienen.

Jesus Christus baut seine weltweite Gemeinde. Er beruft und befähigt die Gläubigen, das Evangelium zu verkündigen und liebevoll und gerecht zu handeln.

Jesus Christus wird für alle sichtbar in Macht und Herrlichkeit wiederkommen, die Lebenden und die Toten richten und das Reich Gottes vollenden. Er wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen.

Die Bibel, bestehend aus den Schriften des Alten und Neuen Testaments, ist Offenbarung des dreieinen Gottes. Sie ist von Gottes Geist eingegeben, zuverlässig und höchste Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung.

Hier zum Vergleich die 1972 überarbeitete Glaubensbasis:

Wir bekennen uns:

• zur Allmacht und Gnade Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in Schöpfung, Offenbarung, Erlösung, Endgericht und Vollendung;

• zur göttlichen Inspiration der Hl. Schrift, ihrer völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung;

• zur völligen Sündhaftigkeit und Schuld des gefallenen Menschen, die ihn Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen;

• zum stellvertretenden Opfer des menschgewordenen Gottessohnes als einziger und allgenugsamer Grundlage der Erlösung von der Schuld und Macht der Sünde und ihren Folgen;

• zur Rechtfertigung des Sünders allein durch die Gnade Gottes aufgrund des Glaubens an Jesus Christus, der gekreuzigt wurde und von den Toten auferstanden ist;

• zum Werk des Heiligen Geistes, welcher Bekehrung und Wiedergeburt des Menschen bewirkt, im Gläubigen wohnt und ihn zur Heiligung befähigt;

• zum Priestertum aller Gläubigen, welche die weltweite Gemeinde bilden, den   Leib, dessen Haupt Christus ist, und die durch seinen Befehl zur Verkündigung des Evangeliums in aller Welt verpflichtet ist;

• zur Erwartung der persönlichen, sichtbaren Wiederkunft des Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit; zum Fortleben der von Gott gegebenen Personalität des Menschen; zur Auferstehung des Leibes zum Gericht und zum ewigen Leben der Erlösten in Herrlichkeit.

Prof. Christoph Raedel hat den neuen Text kommentiert. Kritische Anfragen lauten:

Einige Anfragen an den neuen Text bleiben jedoch. So ist es zwar theologisch ganz richtig, den Menschen als Geschöpf und Ebenbild Gottes wahrzunehmen, doch muss diese Aussage (wie die britische Fassung belegt) nicht durch Streichung von Aussagen zur Sündhaftigkeit des Menschen erkauft werden. Ist der Mensch, wie es auch weiterhin heißt, „durch Sünde und Schuld von Gott getrennt“, dann steht er unter „Gottes Zorn und Verdammnis“ – was nun nicht mehr gesagt wird. Problematisch ist dies vor allem in Verbindung mit der Beobachtung, dass von einem doppelten Ausgang der Weltgeschichte (also der Gemeinschaft mit oder Trennung von Gott) nicht die Rede ist. Doch wenn der Glaube an Christus rettet, dann hat es doch wohl auch Konsequenzen, nicht an ihn zu glauben.

Das Bekenntnis zur Bibel ist in der Neufassung ganz ans Ende gerückt. Damit durchbricht der Artikel zur Bibel nicht mehr die trinitarische Struktur am Anfang, wo er bisher zwischen dem Bekenntnis zum Vater und zum Sohn stand. Doch wäre das Bekenntnis zur Bibel an den Beginn und nicht, wie jetzt geschehen, ans Ende gerückt worden, würde vermutlich weniger Aufmerksamkeit finden, dass aus der „völligen Zuverlässigkeit“ ein „zuverlässig“ wurde. Auch hier wird ein Signalwort, das deutsch- und englischsprachige Fassungen bisher verband, aufgegeben.

Am heutigen Sprachempfinden gemessen, ist der neue Text sicherlich gelungen. Doch muss die Frage gestellt werden, ob der Maßstab einer Glaubensbasis sein kann, dass sie allgemein, also „auch von säkularen Menschen besser verstanden werden kann“. Wenn das tatsächlich so sein sollte, bleibt unklar, warum „Rechtfertigung“, „Heiligung“ und „Inspiration“ durch andere Formulierungen ersetzt werden, „Wiedergeburt“ oder „Opfertod“ dagegen nicht. Sprachlich verdichtete Grundüberzeugungen bedürfen doch grundsätzlich der näheren Erklärung, und zwar nach innen wie nach außen.

Fazit: Der Text verdeutlicht einige Anliegen der evangelikalen Bewegung stärker als vorherige Fassungen, während Punkte wie Gotteszorn und Verdammnis noch stärker zurücktreten. Zu bedenken bleibt: Sich am Sprachempfinden von Jugendlichen und säkularen Zeitgenossen zu orientieren, nötigt dazu, den Text der Glaubensbasis in immer kürzeren Abständen anzupassen. Das aber scheint mir als Form der Beschäftigung mit sich selbst wenig verheißungsvoll.

Der vollständige Kommentar kann bei IDEA abgerufen werden: www.idea.de.

– – –

Nachtrag: Moritz Vollmayr hat freundlicherweise die Dokumente von 1972, 2005 (England) und 2018 gegenübergestellt. Ich stelle das Dokument mit freundlicher Genehmigung hier zur Verfügung:Basis EA Vergleich.pdf.

Christus als Schlüssel zum Verständnis der Schrift

Augustinus beschreibt Christus als den hermeneutischen Schlüssel in seinem Traktat zum Johannesevangelium (zitiert aus: Michael Fiedrowicz, Handbuch der Patristik: Quellentexte zur Theologie der Kirchenväter,  Freiburg; Basel; Wien: Herder, 2010, S. 186–187, übrigens erhältlich in einer digitalen Ausgabe für die Logos Bibelsoftware):

Seht, was er sagt: dass in Christus erfüllt werden musste, was über ihn geschrieben steht (vgl. Lk 24, 25–27). Wo steht es geschrieben? „Im Gesetz“, sagt er, „in den Propheten und in den Psalmen“ (Lk 24, 27). Nichts von den alten Schriften ließ er aus. Das war Wasser; und deswegen wurden jene vom Herrn unverständig genannt, weil es ihnen noch als Wasser schmeckte, nicht als Wein. Wie aber machte er aus Wasser Wein? Indem er ihnen den Sinn erschloss und ihnen die Schriften auslegte, beginnend bei Mose durch alle Propheten hindurch. Daher sprachen sie, bereits trunken geworden: „Brannte nicht unser Herz auf dem Wege, da er uns die Schriften erschloss?“ (Lk 24,32). Denn sie verstanden Christus in diesen Büchern, in denen sie ihn nicht erkannt hatten. Es verwandelte also unser Herr Jesus Christus Wasser in Wein, und es schmeckt, was nicht schmeckte, es berauscht, was nicht berauschte.

Handbuch der Patristik: Quellentexte zur Theologie der Kirchenväter von Michael Fiedrowicz

Preis: EUR 42,00

19 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 35,10

 

Die Vertreibung der Zauberer aus der Universität

Bernhard Pörksen hat kürzlich bemerkt, die Geisteswissenschaftler in Deutschland seien viel zu sehr darauf fixiert, Aufsätze zu publizieren. Da hat er recht!

Der heimliche Lehrplan, der sich hier offenbart, lautet: Vergiss die Inhalte, investiere in Quantität! Und bediene die offiziellen Indikatoren im Dienste eines Selbstmarketings, das Erkenntnishunger lediglich simuliert.

Wie kommt man da raus? Vielleicht müssen die Geistes- und Sozialwissenschaften auf dem Weg zu mehr Relevanz ihre opportunistische Imitation naturwissenschaftlicher Exaktheitsideale ablegen. Vielleicht müssen sie, wie beispielsweise Thea Dorn, Carolin Emcke, Manfred Geier und Rüdiger Sanfranski – allesamt im Übrigen außerhalb der Universität beheimatet – den Mut des Erzählens und die intellektuellen Produktivkräfte der Zuspitzung erst wieder entdecken.

Denn eines ist sicher: Die gegenwärtige Selbstabschottung der Geistes- und Sozialwissenschaften schadet nicht nur diesen selbst. Sie macht auch die öffentliche Welt blasser und ideenärmer.

Hier im O-Ton:

 

Das Kreuz falsch verstehen

Ich bin dankbar, dass Stephen J. Wellum ein bei evangelikalen sehr beliebtes Buch zur Sühnetheologie gründlich gelesen hat. Seine Rezension zu The Crucifixion: Understanding the Death of Jesus Christ von Fleming Rutledge ist fair, bringt aber eklatante Schwächen zur Sprache. So deutet sie beispielsweise mit Hermann Cremer und Ernst Käsemann die Gerechtigkeit als überwiegend horizontalen Begriff und die Gerechtigkeit Gottes als Bundestreue.

In chapter 3, Rutledge rightly argues that God’s justice/righteousness is central to a correct view of the cross. Yet she does not think of divine justice first as an essential attribute of God so that in relation to sin, God, as the moral standard of the universe and the offended party, stands against sin in holy wrath that must be satisfied. She does not think that for sin to be forgiven, God must first satisfy his own righteous demand against sin. Instead, Rutledge views divine justice more “horizontally,” namely, as “rectification” or God making things right (133-134). God is truly outraged against sin (129-130) but more in terms of the effects of sin. Rutledge rejects any view of God as a “remote judge” who hands down pronouncements “according to some legal norm” (136).

Instead, God declares his “enmity against everything that resists his redemptive purposes” (136) so that his justice “is not retributive but restorative” (136). Similar to the New Perspective on Paul, Rutledge argues that divine justice “is not so much that God isrighteous but that he does righteousness” (137)—a display of “covenant faithfulness” (137). God’s wrath or outrage is really a display of his mercy because in the cross, God has taken injustice into himself and begun to make all things right in Christ’s resurrection. In fact, God has so rectified injustices in the cross that seemingly all wrongs are righted so that either “unrepentant monsters of history… will be either utterly transfigured or annihilated altogether, for no one is beyond the reach of God’s power” (603). In Christ, then, God rectifies all wrongs, obliterates any memory of injustices, and annihilates any unrepentant people (who seemingly are few) (610-12). Christ, as the “representative of all humanity” (including the elect and the reprobate [607]), suffers “condemnation in place of all humanity” and destroys the Power of Sin and Death and inaugurates a new creation (610-11).

Mehr: credomag.com.

Die neosexuelle Revolution

DIE ZEIT hat mit Volkmar Sigusch über seine hohen Erwartungen an die neosexuelle Revolution gesprochen. So gibt der Sexualwissenschaftler, der von 1973 bis 2006  an der Uni Frankfurt am Institut für Sexualwissenschaft gearbeitet hat, Einblicke in das postmoderne Geschlechterlabor.

Auszüge:

ZEIT Campus: Im amerikanischen Facebook kann man nicht nur zwischen „Mann“ und „Frau“, sondern zwischen fast 60 verschiedenen sexuellen Identitäten wählen. Wie viele unterschiedliche Geschlechter kennen Sie?

Sigusch: Unsere sprachlichen Einteilungen in Mann, Frau, Agender, Intergeschlechtliche, Transgender, Liquid Gender und so weiter ist immer noch grob. Ich sage: Es gibt so viele Geschlechter, wie es Menschen gibt.

ZEIT Campus: Wie meinen Sie das?

Sigusch: Keine Geschlechtlichkeit eines Menschen ist mit der eines anderen Menschen identisch. Das ist einzigartig wie ein genetischer Fingerabdruck. Wir sind auch grundsätzlich alle in der Lage, alle Formen des Sexuellen zu praktizieren, hetero-, homo-, bisexuell und so weiter. Wir sind alle polysexuell.

ZEIT Campus: Wohin wird sich die Sexualität in den kommenden Jahren noch entwickeln?

Sigusch: Das weiß kein Wissenschaftler.

ZEIT Campus: Gibt es Entwicklungen unseres Sexualverhaltens, die zunehmen werden?

Sigusch: Ich sage: Die Polyamorie wird kommen. Seit Jahren wird sie in den westlichen Ländern behutsam erprobt, oft abgelegen in einem Dorf. Da wir immer älter werden und alles, was möglich ist, auch besitzen möchten, wird sich die Polyamorie ausbreiten. Zum Beispiel werden sich alte Paare junge Liebhaber und Liebhaberinnen in ihr Haus holen und das Liebes- und Sexualleben dadurch wieder beleben. Noch aber sind das recht seltene Ereignisse. Manchmal ist das auch sehr überraschend. So erfuhr ich im Juni, dass in Kolumbien drei Männer geheiratet haben. Ein älteres Männerpaar holte sich einen jungen Mann in die gleichgeschlechtliche Ehe. So wird es auch bei uns demnächst sein, sagen wir in den nächsten 20 bis 30 Jahren.

ZEIT Campus: Ist die neosexuelle Revolution mit der Ausbreitung der Polyamorie an ihrem Ziel angekommen?

Sigusch: Nein. Denken Sie nur an den Internet- oder Robotersex. Da stehen wir ja noch fast am Anfang.

ZEIT Campus: Robotersex?

Sigusch: Unsere Personal Computer werden sicher bald durch Personal Robots ergänzt werden, im Haushalt, in der Pflege und so weiter. Erste Sexroboter sind bereits auf dem Markt. Sie kosten etwa 10.000 Euro und werden alte Liebes- und Sexpuppen ablösen. Als neue Sonderbarkeit, früher Perversion genannt, wird sich eine Robotophilie etablieren. Schließlich wird immer mehr Menschen das Zusammenleben mit einem Roboter sehr viel angenehmer sein als mit einem komplizierten, eigenwilligen und bösartigen Menschen.

Hier mehr von den düsteren Visionen: www.zeit.de.

Klimaschutz als Religion

Die Kirche soll vor allem Gläubigen eine Heimat geben und das Wort Gottes verbreiten. Für Wärmedämmung und Elektroautos sind andere zuständig, meint Gunnar Schupeliu von der BERLINER ZEITUNG:

Das kann sich die Kirche eigentlich nicht leisten. Sie spart an allen Ecken und Enden. Sie hat Pfarrstellen gestrichen und Gemeinden zusammengelegt. Sie hat sogar die meisten Küster eingespart. Vor diesem Hintergrund wirkt das Engagement gegen CO2 etwas unverhältnismäßig. Das soll man den Mitgliedern mal erklären, dass dafür so viel Kirchensteuergeld ausgegeben wird.

Der Klimaschutz wird in der evangelischen Kirche fast wie eine Religion gehandelt. Hier geht alle Energie hinein. Das „Klimaschutzkonzept“ umfasst 172 Seiten. Dazu kommt noch ein „Umweltschutzkonzept“ mit 189 Seiten. Beide Texte zusammen sind länger als das Neue Testament.

Man würde sich wünschen, dass sich die Kirche auch mit anderen Themen so intensiv befasst wie mit dem Klimaschutz, zum Beispiel mit dem Schutz des ungeborenen Lebens. Dafür hat sie gar kein Konzept. Die Kirche soll Gläubigen eine Heimat geben und das Wort Gottes verbreiten. Für Wärmedämmung und Elektroautos sind andere zuständig.

Mehr: www.bz-berlin.de.

VD: MT

Die Sünden sind erlassen

Martin Luther:

„Die Sünden sind erlassen, wenn du glaubst, dass sie erlassen sind, weil die Zusage des Retters Christus gewiss ist.“

Zum 73. Todestag von Dietrich Bonhoeffer

Vor 73. Jahren starb Dietrich Bonhoeffer. Aus diesem Anlass habe ich für die Herausgeber der deutschsprachigen Logos-Editionen beschrieben, wie ich im Laufe der Jahre Bonhoeffer schätzen gelernt habe:

„Dietrich Bonhoeffer ist darum glaubwürdig, weil sein Denken und Leben eine Einheit bilden“, haben die Herausgeber eines Buches über den deutschen Theologen einmal gesagt. Das stimmt. Ich selbst bekam Zugang zu Bonhoeffers Schriften, weil sein Lebenszeugnis eine bemerkenswerte Anziehungskraft auf mich ausübte. Der Mann, der 1906 in eine gut situierte Professorenfamilie hineingeboren wurde, hat später unter dem nationalsozialistischen Régime nicht nur über die „Nachfolge“ geschrieben, sondern sie selbst unter schwierigsten Bedingungen durchbuchstabiert. Als Adolf Hitler 1933 die Macht ergriff, erkannte er auf Anhieb die Bedrohung und reihte sich in den kirchlichen Widerstand ein. Er bezog Stellung zur „Judenfrage“ und übernahm eine leitende Funktion bei der Predigerausbildung innerhalb der Bekennenden Kirche. Im April 1943 wurde er wegen seiner Einlassungen in die Widerstandsbewegung verhaftet und in das Wehrmachtsgefängnis Berlin-Tegel gesteckt. Am 9. April 1945, vor genau 73 Jahren, also einen Monat vor der Kapitulation der Wehrmacht, ist er schließlich zusammen mit anderen Widerstandskämpfern im KZ Flossenbürg am Galgen hingerichtet worden.

Mehr hier: deutsch.logos.com.

Die professionelle Bibelsoftware Logos wird die historisch-kritische Ausgabe der Werke Dietrich Bonhoeffers mit 16 Bänden und einem Registerband erfreulicherweise in die digitale Bibliothek aufnehmen. Das dürfte Bonhoeffer-Liebhaber sehr freuen!

Mehr Informationen dazu gibt es an dieser Stelle: de.logos.com.