Genderforschung und Antisemitismus

In seinem Beitrag „Wie Genderforschung und Antisemitismus sich die Hand reichen“ beschreibt Walter Krämer für Die Welt, wie zahlreiche Genderforschungsinstitute aus den USA zur Solidarität mit Palästina aufgerufen haben, ohne sich irgendwie kritisch mit dem Hamas-Regime zu befassen:

In den USA haben 149 Departments der Gender Studies, Departments of Women, Gender and Sexuality Studies oder Departments of Feminist and Gender Studies an 149 Colleges und Universitäten zur Solidarität mit palästinensischen Antisemiten aufgerufen. Außer Stanford waren keine Spitzenplätze dabei, weder aus Harvard, Yale oder Princeton waren dergleichen Verirrungen zu vernehmen, aber die reine Menge beeindruckt auch so.

Ebenfalls beteiligt war das Center for Race and Gender an der Universität Berkeley, das Center for the Study of Gender and Sexuality an der New York University oder das Center for the Study of Women an der University of California, Los Angeles, neben verschiedenen ähnlichen Instituten in England, Island, Norwegen, Australien oder Argentinien … Man könnte aber auch mal anfangen, darüber nachzudenken, ob nicht eine intensive Beschäftigung mit Genderfragen zu viel Energie von anderen Bereichen des Gehirns abzieht und zu systematischen Fehleinschätzungen von wahren Verhältnissen und Fakten führt. 

Überraschend ist das übrigens nicht. Denn die Genderkönigin Judith Butler, die selbst Jüdin ist, verbreitet seit Jahren israelfeindliches Gedankengut

Mehr (allerdings hinter der Bezahlschranke): www.welt.de.

Vor 100 Jahren starb Herman Bavinck

Mit freundlicher Genehmigung darf ich hier einen Artikel wiedergeben, den Dr. Jan Gerrit Beuker für die Zeitschrift Der Grenzbote verfasst hat (Nr. 5, 30. Mai 2021, S. 47–48):

Vor 100 Jahren starb Herman Bavinck

Herman Bavinck (1854 – 1921) ist der älteste Sohn von Jan Bavinck (1826 – 1909), der aus Bentheim stammte. Jan Bavinck war von 1848 bis 1853 der erste altreformierte Pastor, anfangs für die gesamte Niedergrafschaft, 1849 nur für Wilsum und Uelsen und 1850 bis 1853 nur für Uelsen. Von Uelsen aus wurde Jan Bavinck Dozent an der Theologischen Schule in Ruinerwold/Hoogeveen, wo er schon in seiner Studienzeit wie auch später in Uelsen angehende Theologen unterwiesen hatte.Eine Ernennung als Professor an der 1854 neu gegründeten Theologischen Schule in Kampen lehnte er ab. Er ließ über diese Entscheidung das Los den Ausschlag geben. Er arbeitete von 1853 bis 1857 zusätzlich als Pastor in Hoogeveen und von 1857 bis 1862 in Bunschoten. Nach zehn Jahren als Pastorin Almkerk-Nieuwendijk (1862 bis 1873) betreute er von 1873 bis 1903 die Gemeinde Kampen. Gleichzeitig gehörte er viele Jahrzehnte zur Leitung der Theologischen Schule Kampen. Jan Bavinck starb am 28. November 1909 in Amsterdam. WeitereInformationen über Jan Bavinck sind derBiografie zu entnehmen, die im Internet abrufbar ist: biografien/Biogr-Bavink-J-.pdf.

Sein Sohn Herman studierte 1873 in Kampen und 1874 bis 1880 in Leiden, wo er sein Studium mit der Promotion abschloss.1881/82 war er kurz Pastor in Franeker, 1882 wurde er Dozent an der Schule in Kampen, 1902 übernahm er einen Lehrstuhl an der Freien Universität (VU) in Amsterdam. Seine vierbändige Dogmatik ist in verschiedene Sprachen übersetzt, eine deutsche Übersetzung wird seit vielen Jahren vorbereitet. Seine Ethik ist vor kurzem in den Niederlanden neu erschienen.

Sein Buch Christliche Weltanschauung wurde 2007 in deutscher Sprache neu herausgegeben. Herman Bavinck schreibt darin über Fragen der Philosophie: Wie verhalten sich Denken und Sein und wie Sein und Werden zueinander? Oder: Welche Normen gibt es für rechtes Handeln? Bavinck meint, allein der christliche Glaube gibt befriedigende Antworten. Die englische Übersetzung war 2020 die Nummer eins der Amazon-Bestsellerliste für christliche theologische Literatur in den USA und in England. Allein vier verschiedene dicke Bücheraus den Jahren 1921, 1966, 2010 und 2020 beschreiben das Leben und die Wirkung von Herman Bavinck.

Die letzte Biografie von James Eglinton (Jg. 1982) zählt 2021 schon drei Auflagen und erscheint gerade in Chinesisch und Koreanisch. Die Monatsschrift „Protestants Nederland“ widmet Herman Bavinck die gesamte Nummer vom Februar 2021 mit etwa 60 Seiten. Autoren aus Korea, England, den USA und natürlich auch den Niederlanden würdigen seine Weitsicht. Er schrieb neben Dogmatik und Ethik auch über Pädagogik, Psychologie und Philosophie. Man nennt ihn wohl einmal einen „calvinistischen Alleskönner“.

Herman Bavinck versuchte im Dialog mit Abraham Kuyper, den christlichen Glauben und die moderne Welt miteinander ins Gespräch zu bringen. Er behielt die pietistische Einstellung seines Elternhauses, für die Wiedergeburt und Bekehrung wichtige Themen waren und wo man Gottes Willen mit dem Los erforschte und bestimmte Bibeltexte „bekam“, die einen Menschen versicherten, Gottes Kind zu sein. Diese abgeschiedene Frömmigkeit verband Bavinck schon in seinem Studium und dann auch lebenslang mit den Fragen der modernen Welt. Es war übrigens 1874 „unerhört“, dass der Sohn eines altreformierten Pastors nicht in Kampen, sondern in Leiden Theologie studierte. Bavinck wollte mehr als nur das eigene Seelenheil, das viele Altreformierte bekümmerte. Er wollte in einem guten Sinn die Welt mit dem christlichen Glauben gewinnen. Wenn Jesus Herr der ganzen Welt ist, dann ist unser ganzes Leben von ihm geprägt und nicht nur unsere Frömmigkeit oder unsere Gottesdienste.

In den USA, Korea, Asien oder auch Schottland ist Bavinck heute bekannter als in Mitteleuropa. Bavinck ruft dort bis heute auf, die Welt mit dem christlichen Glauben zu durchdringen. Es würde Europa gut tun, seine Stimme neu zu hören.

Dr. Gerrit Jan Beuker, Neuenhaus

VD: UN

Sexualethik im Umbruch

In dem Bulletin Nr. 26 des Instituts für Jugend und Gesellschaft sind mehrere empfehlenswerte Beiträge erschienen. Írisz Sipos erörtert in ihrem Aufsatz „Coming-out im Lockdown: ein Paradigmenwechsel“ Martin Grabes Buch: Homosexualität und christlicher Glaube ausführlich (S. 4–20) und nimmt dabei durchaus auch das „konservative Lager“ innerhalb der Evangelikalen Bewegung in die Pflicht. Sie überzeugt mich, wenn sie darauf hinweist, dass die neuen Diskurse im Grunde widerspiegeln, was uns Menschen schon immer beschäftigt hat. Anstatt uns von den inneren Trieben ungezähmt bestimmen zu lassen, sollten wir die revolutionäre uns im Evangelium zugesprochene Hoffnung ernst nehmen. Sie schreibt (S. 15):

Die sexualethischen Diskurse, die mit konstruktivistischen Gender- und Queerperspektiven angereichert die evangelikalen Gemüter erregen, sind weder neu noch originell. Sie ventilieren die alten Fragen, Ängste und Sehnsüchte des Menschen um Fruchtbarkeit, Liebe, Ehe, Sex, Moral und Macht. In deren Dickicht von kleinmütigen Kompromissen und enthemmtem Größenwahn schlägt das biblische Zeugnis mit den Geschichten der Väter und Mütter des Glaubens sowie den Lebensregeln des alten und des neuen Bundes eine Schneise der lebendigen Hoffnung und der Verheißung von Frieden und Fülle. Dieses Zeugnis dürfen wir neu hören und vernehmen lernen, wie schon Israel am Sinai und die Gemeinde in Rom. Nicht als Verwalter tradierter Gewissheiten und abgehangener Idealbilder unserer selbst, sondern als ernstlich Fragende und Suchende, die sich der erbarmungswürdigen Realität der eigenen Existenz bewusst sind.

Angesichts der realen Nöte und der seelischen wie spirituellen Verwahrlosung unserer Gattung erscheint es alles andere als trivial, dass die Menschheit aus „Männern“ und „Frauen“ besteht, und dass Männer Frauen und Frauen Männer begehren, oder dass ein Mann nur eine Frau zu begehren hat und sie sogar liebt – und umgekehrt. Es versteht sich nicht von selbst, dass überhaupt jemand jemanden liebt; es ist vielmehr ein Wunder, ein Mysterium, oder zumindest ein unverdientes Geschenk.

Trivial hingegen ist, dass der Homo sapiens, ausgestattet mit Sexualtrieb und einer schier grenzenlosen Phantasie, ihn zu realisieren, frustriert zur Kenntnis nehmen muss, dass seine Libido nicht allein durch seine verwundbare, beschämbare, letztlich dem Tod anheimgegebene Physis begrenzt wird, sondern auch von einem menschlichen Umfeld voller Ambivalenzen und Antagonismen.

Erhellend und analytisch wertvoll ist ebenfalls der Beitrag „Die Macht, das Subjekt und das Sexualdispositiv: Michel Foucaults Diskurs der Gegenaufklärung“ von Silke Edelmann (S. 21–31). Dort ist im „Fazit“ zu lesen:

Man könnte meinen, die Geschichte gäbe ihm Recht: Diejenigen, die sich auf ihn berufen, Foucaults Nachfolger, scheinen sich nicht nur im wissenschaftlichen Diskurs, sondern auch im politischen Alltag zunehmend durchzusetzen. Man könnte meinen, eine neue Episteme stehe vor der Tür. Foucaults Traum von einer Gesellschaft, in der der Einzelne sich seine Identität selber konstruieren kann und die Zweigeschlechtlichkeit keine Rolle mehr spielt, spiegelt sich in den Medien, der Politik und Zukunffstrends: „Innovation schlägt Tradition, das Geschlecht verliert das Schicksalhafte, die Zielgruppe an Verbindlichkeit. Noch nie hat die Tatsache, ob jemand als Mann oder Frau geboren wird und aufwächst, weniger darüber ausgesagt, wie Biografien verlaufen werden. Der Trend veränderter Rollenmuster und aufbrechender Geschlechterstereotype sorgt für einen radikalen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft. Das starke Ich schlägt das alte Frau/Mann-Schema und schafft eine neue Kultur des Pluralismus.“

Die foucaultsche Denke manifestiert sich etwa in einer Bildungspolitik, die Kinder so früh wie möglich mit diversen sexuellen Empfindungen und Identitäten in Berührung bringt, damit sie als Erwachsene in der Lage sind, „die eigenen Lüste und die Lüste der anderen zur Erfindung einer neuen Sozialität zu benutzen“55. Das „Regenbogenportal“ des Bundesfamilienministeriums, bei dem sich junge Menschen darüber informieren können, dass „Geschlecht, Sexualität und Begehren auf vielfältige Weise gelebt werden, wird gesellschaftlich und politisch immer mehr anerkannt.“56 Und dass sich die Zweigeschlechtlichkeit nur durchsetzen konnte, weil zwar die Natur, nicht aber die Gesellschaft die Vielfalt mochte.

Auch Foucaults Feststellung, dass neue Episteme, wenn sie sich durchsetzen, alte zum Schweigen bringen, scheint sich zu bewahrheiten: gesellschaftspolitische Positionen, die vor wenigen Jahren noch selbstverständlich schienen, werden mit großer Vehemenz aus dem Diskurs gedrängt. Es gilt die Räume
der Auseinandersetzung, auch angesichts sich ideologisch verhärtender Fronten, im Glauben an Vernunft, Dialog und Werte, die konstruierte Episteme überdauern, offenzuhalten.

Das Bulletin kann hier – übrigens kostenlos – bestellt werden: www.dijg.de.

Katholische Kirche veröffentlicht umstrittenes Papier zur Prävention von Kindesmissbrauch

Die katholische Kirche in Deutschland hat ein Papier zur Prävention von Kindesmissbrauch veröffentlicht. Der Elternverein NRW e.V. schlägt allerdings Alarm. Zurecht. Denn in dem Papier werden ausgerechnet solche Pädagogen in Anspruch genommen, denen eine Nähe zur Pädosexualität nachgesagt bzw. nachgewiesen wurde: nämlich Uwe Sielert und Michel Foucault.

In dem Schreiben heißt es:

Als Vertreter der Elternschaft stehen wir ohne jedes Verständnis und zutiefst besorgt vor der Tatsache, dass die katholische Kirche ihre Präventionsarbeit auf dieser im Ansatz pädophilen „sexuellen Bildung“ aufbauen will. Nicht nur werden dort mögliche Täter geradezu dazu eingeladen, Kinder frühzeitig sexuell zu stimulieren. Hinter diesem Sielert`schen Begriff verbirgt sich darüber hinaus eine bewusste Umerziehung der Kinder und Jugendlichen: „Das heißt also auch, Heterosexualität, Generativität und Kernfamilie zu `entnaturalisieren´ und Sexualpädagogik daraufhin zu überprüfen, inwiefern sie die Möglichkeit zur selbstbestimmten Lebensführung einschränkt, wenn durch ihre Intentionen und Maßnahmen explizit oder implizit nahe gelegt wird, heterosexuell und in Kernfamilien mit leiblichen Kindern zu leben.“ Das nennt man Indoktrination. Entsprechend nennt das Positionspapier „Klischees und gesellschaftliche Bilder, die Normen schaffen.“ Die Kernfamilie aus Vater, Mutter und Kindern, ein Familienbild, das in unserem Land von der Mehrheit der Familien gewünscht und gelebt wird, wird hier als Klischee und einschränkendes Lebenskonzept abgewertet. Im Blick auf die Prinzipien Sielerts verwundert es dann leider auch nicht, dass in diesem „katholischen“ Papier zur Prävention und sexueller Bildung die Worte Ehe, Familie, Liebe und Sexualität als Sprache der Liebe und Kraft der Bindung, sowie Quelle des Lebens nicht vorkommen.

Wir Eltern sind zutiefst beunruhigt über diesen Paradigmenwechsel der Katholischen Kirche im Verständnis von Sexualität, betrifft es doch die Arbeit der Kirche in ihren vielfältigen Jugendgruppen, aber auch in katholischen Kindergärten und Schulen – es geht also um Millionen von Kindern. Wir wünschen unseren Kindern ein glückliches Leben, ein Leben, das ihnen ermöglicht, ihren Traum vom Glück zu verwirklichen: nach wie vor wünschen sich zwischen 70 und 80 Prozent der Jugendlichen eine auf Dauer angelegte Beziehung zwischen Mann und Frau und eigene Kinder.

Zur Verwirklichung dieses Traumes bedarf es seelischer Ressourcen, nämlich der Bindungsfähigkeit, der Selbstdisziplin, der Treue und der Verantwortungsfähigkeit. Wer seine Sexualität isoliert als Quelle der Lust lebt, also Unverbindlichkeit und sofortige Bedürfnisbefriedigung einübt, wird sich den Traum von einer glücklichen Familie kaum erfüllen können.

Die WELT schreibt dazu:

Als heikel kann das Papier der katholischen Kirche auch gelten, weil der einflussreiche französische Philosoph Michel Foucault darin als Experte zitiert und eines seiner Bücher als weiterführende Literatur empfohlen wird.

Foucault verstarb 1984; jüngst gab es aber Aufruhr um ihn. Der Vorwurf: Ende der 1960er-Jahre soll er sich bei seinen Aufenthalten in Tunesien an kleinen Jungen vergangen haben. Das behauptete der Essayist Guy Sorman in einem Buch und in zwei Interviews. Die französische Journalistin Chantal Charpentier bekräftigte diese – nicht bewiesenen – Vorwürfe in einem Interview mit der „Zeit“.

Fakt ist: 1977 unterzeichnete er einen Aufruf gegen ein Gesetz, dass Sex mit Kindern unter 15 Jahren unter Strafe stellen sollte. Seine Erklärung „Jedenfalls hat eine gesetzlich festgelegte Altersgrenze keinen Sinn. Noch einmal, man kann dem Kind zutrauen, selbst zu sagen, ob ihm Gewalt angetan worden ist oder nicht.“

Weiter sagt er, der moderne Staat stilisiere Pädophile zu gefährlichen Individuen und benutze sie, um immer tiefere Eingriffe in das Sexualleben der Bürger zu rechtfertigen. Dies ist etwa im Buch „Die Grünen und die Pädosexualität“ beschrieben.

Etschenberg widerspricht Foucault: „Kinder können überhaupt nicht abschätzen, was bei einem Erwachsenen, der mit ihnen sexuell aktiv wird, passiert.“

Auf Anfrage heißt es seitens der Bischofskonferenz, dass die Vorwürfe gegen Foucault zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Positionspapiers noch nicht bekannt gewesen seien: „Wie damit im Weiteren umzugehen ist, beobachten wir aufmerksam und werden ggf. Konsequenzen ziehen.“ Das stimmt zwar bezogen auf die jüngsten Pädophilie-Vorwürfe. Seine Aussagen sind aber seit den späten 70er-Jahren bekannt.

Hans Rookmaaker: How to Explore The Meaning Of Art

Hans Rookmaaker (1922–1977) war einer der engsten Freunde von Francis Schaeffer. Als Kunstkritiker hat er Schaeffer in seinen kunsthistorischen Studien unübersehbar beeinflusst. Leider gibt es nicht so viele Leute, die der göttlichen Offenbarung vertrauen und zugleich große künstlicher Kompetenz mitbringen. Bei Rookmaaker finden wir eine große Liebe zur Heiligen Schrift und zur Kunst und zugleich hervorragende analytische Fähigkeiten. Sein Buch Modern Art and the Death of a Culture wird seit Jahrzehnten geschätzt und wurde erst vor wenigen Wochen neu aufgelegt.

Rookmaakers Bücher zur lesen, ist eine feine Sache und ich kann es nur sehr empfehlen. Ein noch größeres Erlebnis ist es aber meines Erachtens, einen Vortrag von ihm zu hören. Byrne Power hat sich erfreulicherweise die Mühe gemacht, einige der Vorträge, die Hans Rookmaaker gehalten hat, aufwendig zu digitalisieren und mit Bildern zu hinterlegen.

Hier gibt es den Vortrag „How to Explore The Meaning Of Art“, den Rookmaaker im Januar 1976 am Westminster Seminary in Philadelphia gehalten hat:

Der ÖRR als Propagandamaschine

Die NZZ macht in einem aktuellen Beitrag darauf aufmerksam, dass die vom Öffentlichen Rundfunk betriebenen Jungendkanäle junge Menschen indoktrinieren und dabei einfachste journalistische Standards, wie z.B. die Unterscheidung zwischen Fakten und Gefühlen, ignoriert. Ich habe hier im Blog schon mehrfach über die Botschaften, die über diese Formate ausgesendet werden, berichtet (siehe dazu hier, hier und hier).

Die NZZ schreibt: 

Überhaupt ist Männlichkeit auf den Jugend-Kanälen des öffentlichrechtlichen Rundfunks nicht wohlgelitten. Wenn sie ausnahmsweise nicht in Verbindung mit dem Wort «toxisch» vorkommt, wird bei Funk schon mal gegen «Hetero-Männer mit zu viel Geld» geschossen. An anderer Stelle werden im Rahmen einer Themenwoche zu Männlichkeit ein Balletttänzer, ein Mann mit Erektionsstörungen, zwei Männer in Röcken und ein männliches Opfer von häuslicher Gewalt aufgeboten. Männlichkeit, so scheint man jungen Menschen vermitteln zu wollen, lässt sich nur in ihrer Negation zeitgemäss ausleben.

Auch viele der Funk-Beiträge über Sexualität lassen Zweifel aufkommen, ob man sich wirklich, wie im Medienstaatsvertrag vorgegeben, an der Lebenswirklichkeit und den Interessen 14- bis 29-Jähriger orientiert. Mal sollen Sexspielzeuge erraten werden, mal bekennt ein Pärchen: «Wir sind ein Paar und pädophil.» Eine Themenwoche zu sexuellen Vorlieben regt dazu an, eigene Wünsche zu äussern, ohne sich dafür zu schämen; im Folgenden geht es um Amputationsfetische, um «Peitschen, Nippelklemmen und Analplugs», um «Sex zu dritt oder zu viert», so dass es schliesslich scheint, als sei einzig Sex zu zweit eine Absonderlichkeit. Dass die Rundfunkbeiträge eigentlich die Unabhängigkeit von Zuschauerquoten garantieren sollen, muss man sich bei einem solchen Angebot erst wieder in Erinnerung rufen.

Mehr hier: www.nzz.ch.

Spiritualisierung oder Psychologisierung? 

Der Band Spiritualisierung oder Psychologisierung? enthält eine Reihe von Aufsätzen, die größerenteils auf die Vorträge des 6. Symposiums des Marburger Instituts für Religion und Psychotherapie (Evangelische Hochschule Tabor) im November 2018 zurückgehen. Die Beiträge beleuchten ein breites Spektrum an Themen, die im weiteren Sinne als „außergewöhnliche religiöse Erfahrungen“ gedeutet werden können.

Tanja Bittner hat das Buch gelesen und kommst zu einem ernüchternden Ergebnis: 

Die Autoren benennen eine ganze Reihe von tatsächlich vorhandenen Problemen, die Folge einer unangemessenen Spiritualisierung in christlichen Kontexten sind. Hier ist noch viel differenzierende Arbeit zu tun – es ist aber fraglich, wie viel Hilfestellung das Buch hier bieten kann. Man könnte aufgrund des Titels erwarten, hier das Ringen innerhalb eines Spannungsfelds vorzufinden: Inwiefern werden psychische Problematiken in christlichem Umfeld fälschlicherweise „spiritualisiert“ (etwa Dämonen zugeschrieben), inwiefern werden geistliche Erfahrungen fälschlicherweise „psychologisiert“, und wie könnte eine sinnvolle Kooperation der beiden Perspektiven aussehen? Doch solches Ringen sucht man vergebens. Im Grundtenor herrscht unter den Autoren offenbar große Einigkeit, dass ein personhaftes transzendentes Böses (sprich: Teufel oder Dämonen) – wenn auch in der Bibel so dargestellt – als Erklärungsmuster prinzipiell nicht in Frage kommt. Der Leser darf also lernen: Eine Spiritualisierung in dem Sinn, unerklärlich scheinende Vorgänge dem Wirken personaler transzendenter Mächte zuzuschreiben, ist grundsätzlich unangebracht, auch wenn man um des Behandlungserfolges willen das Weltbild des Betreffenden respektieren sollte.

Die Argumentation bleibt also insgesamt einem Paradigma verhaftet, das Transzendenz innerweltlich zu zähmen sucht, sie letztendlich in „Anschauung und Gefühl“ auflöst – aber warum eigentlich? Sicherlich mag es beruhigend sein, auf diesem Weg das nicht Händelbare, Unerklärliche (mag man dabei an den Teufel oder vielleicht auch an Gott denken), das immerhin beängstigend persönlich sein könnte, zu entpersonifizieren, als außergewöhnliche Leistung der Psyche händelbar zu machen. Aber ist das schlüssig?

Die vielleicht erstaunlichste Wahrnehmung beim Lesen des Buches war für mich, dass man auf 150 Seiten wieder und wieder darlegt, wie universal die Überzeugung von der Existenz einer transzendenten und dabei häufig auch personal verstandenen Welt verbreitet ist – biblisch, historisch, geografisch, auch nach wie vor als starke Strömung in unserem aus der Aufklärung hervorgegangenen Westen –, dass man teils nur noch gefühlte Millimeter davon entfernt ist, die eigene Voreingenommenheit zu entlarven (vgl. S. 128: „Im Blick auf westlich-entmythologisierende Exegese stellt sich die Frage, ob nicht die Menschen in Kamerun, die an eine unsichtbare Welt glauben, gegenüber westlich-säkularisierten Christen einen hermeneutischen Vorsprung haben.“) – und dennoch gerade diese eine Möglichkeit von vornherein kategorisch ausschließt. Ob nicht vielleicht doch eine gewisse Betriebsblindheit vorliegen könnte?

Mehr: www.evangelium21.net.

Der „LGBTIQ-Freiheitsraum“

Das Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie informiert über eine wenig überraschende Neigung im EU-Raum. Der Monat Mai, der traditionell der Familie gewidmet war, wird inzwischen exzessive dafür genutzt, um die „normale Familie“ infrage zu stellen. Auch die Kommission der Bischofskonferenzen der EU beteiligt sich an der indirekten Förderung der Gender-Community. Sie lud nämlich zum ökumenischen Gebet für die Einheit der Christen und die Zukunft Europas am 21. Mai ausgerechnet die politische Vorkämpferin der LGBT-Abtreibungs-Agenda im EU-Parlament, Roberta Metsola, als Vorbeterin ein.

Hier:

Der Monat Mai ist traditionell der Familie gewidmet. Durch die Entschließung A/RES/47/237 der Vollversammlung der Vereinten Nationen wurde der Internationale Tag der Familie zum offiziellen Gedenk- und Aktionstag weltweit. Familienorganisationen können sich auf dieser Grundlage öffentlich engagieren, ohne als „Hassredner“ von der lauten aber kleinen Minderheit der politisch korrekten Gender-Fanatiker diskreditiert zu werden. Die scheinen nämlich in internationalen Gremien aus dem Gender-Baukasten ein neues Konzept zu entwickeln: die Hetero-Diskriminierung.

Beispiele aus Brüssel: In diesem Jahr gab es keine institutionellen Veranstaltungen zu Ehren des ganz normalen Lebensmodells „Familie“, welches ja immer noch in allen Mitgliedsstaaten der EU vorherrscht, und das auf der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau aufbaut, die mit ihren eigenen Kindern zusammenleben. Es gab keine Pressemitteilung des Präsidenten des EU-Parlaments und auch keine Videobotschaft von Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen. Dabei organisierte die CDU-Politikerin als Bundesfamilienministerin 2006 den „Ersten Deutschen Familientag“ als „sichtbares Signal für die Wende in der Familienpolitik“. Offenbar vergessen. Wahrscheinlich war die Kommissionspräsidentin intensiv damit beschäftigt, eine Videobotschaft für den Deutschen Frauenrat zum Thema „10 Jahre Istanbul-Konvention: wo stehen wir? wohin gehen wir?“ aufzuzeichnen. Mediales Stillschweigen am Familientag, aber prominente Teilnahme zugunsten der Istanbul-Konvention: das zeigt deutlich die Verschiebung der Prioritäten in der Führungsetage der EU-Institutionen.

Die Brüsseler Gender-Community hingegen feierte selbstsicher die verschiedenen Bausteine einer neuen Agenda zur Diskriminierung der Hetero-Familie. Die sind ja nicht neu. Man denke nur an die Antidiskriminierungsklauseln in Artikel 13 des Amsterdamer Vertrags (1999), die Charta der Grundrechte der EU (2004), und die Gründung der Agentur für die Grundrechte der EU (2007).  Wie bei einer Domino-Kette reihen sich auch seitens des EU-Parlaments die jüngsten Entschließungen Stein für Stein aneinander: die Verabschiedung einer Entschließung zur Ausrufung der EU zum LGBTQI Freiheitsraum durch das EU-Parlament am 11. März (P9_TA(2021)0089), die Veranstaltungen zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie bzw. -feindlichkeit am 17. Mai, die Annahme der Position des EU-Parlaments für das neue Mandat der Grundrechte-Agentur im Plenum am 19. Mai, und die Veröffentlichung eines neuen Entschließungsantrags zu Abtreibung durch den Frauenausschuss des EU-Parlaments am 21. Mai. Auch die Kommission der Bischofskonferenzen der EU (ComECE) beteiligt sich an der indirekten Förderung der Gender-Community. Sie lud zum ökumenischen Gebet für die Einheit der Christen und die Zukunft Europas am 21. Mai ausgerechnet die politische Vorkämpferin der LGBT-Abtreibungs-Agenda im EU-Parlament, Roberta Metsola (EVP, Malta), als Vorbeterin ein. Präsident der ComECE ist der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich. Der teilt mit seinem ComECE-Stellvertreter in Brüssel, dem „Ruhr-Bischof“ Franz-Josef Overbeck, das Privileg, Mitglied mehrerer katholischer Studentenverbindungen im Cartellverband (CV) zu sein.

Der nichtssagende Begriff „LGBTIQ-Freiheitsraum“ erschließt sich erst, wenn man die 27 Erwägungsgründe durchgeht, von denen sich jeder einzelne als Anklage gegen die heterozentrierte Gesellschaftsordnung jedes einzelnen Mitgliedsstaats versteht. Für das EU-Parlament wird jede nationale Regierung, die das hetero-ehe-basierte Familienmodell fördert, an den Pranger der Geschlechterbeliebigkeit gestellt.

Mehr hier: Brief_aus_Bruessel/iDAF_Brief_aus_Bruessel__Juni_2021.pdf.

Schöner wohnen: Was aus den Kirchengebäuden wird

Überall im Land stehen Gotteshäuser leer. Die Kirchen müssen sich von tausenden Gebäuden trennen. Judith Lembke schreibt für die FAS (30.05.2021, Nr. 21, S. 56):

Gerade mal etwas mehr als die Hälfte der Deutschen ist Kirchenmitglied – Tendenz stark fallend. Forscher der Universität Freiburg sagen voraus, dass die beiden großen Kirchen im Jahr 2060 nur noch etwa 23 Millionen Mitglieder haben werden. Schon heute besuchen etwa zehn Prozent der Katholiken und nur knapp fünf Prozent der Protestanten sonntags den Gottesdienst. Neben anderen Folgen dieser Entwicklung ist eine besonders offensichtlich: Viele Kirchen werden kaum noch genutzt oder stehen ganz leer.

Diese Leere wird in Zukunft noch deutlich mehr Gebäude treffen. „Etwa ein Drittel der Kirchengebäude wird 2060 nicht mehr gebraucht“, sagt Thomas Erne. Der Theologe ist Direktor des Instituts für Kirchenbau an der Universität Marburg, und für ihn steht fest, dass sich die Kirche von vielen Gotteshäusern trennen muss. Sie ließen sich mit sinkenden Einnahmen schlicht nicht mehr finanzieren. Erne treibt daher die Frage um, wie die Kirche diese Schrumpfung möglichst klug gestaltet, ohne dabei allzu viele Menschen vor den Kopf zu stoßen.

Was aus den Kirchen wird, illustriert der Artikel ebenfalls: Kindergärten, Kletterhallen, Studentenwohnungen usw.

Mein Rat an lebendige und wachsende Freikirchen: Kauft Euch ein leerstehendes Kirchengebäude. So werden aus den Häusern keine Moscheen, Kletterhallen oder Banken.

Der „Matić-Bericht“: EU-Abgeordnete wollen Recht auf Abtreibung etablieren

Die „Aktion Lebensrecht für Alle“  (ALfA e.V.) informiert darüber, dass voraussichtlich am 7. oder  23. Juni 2021 das Europäische Parlament über den sogenannten „Matić-Bericht“ abstimmen wird. Dieser Bericht ist eine Neuauflage des Estrela-Berichts, der nur auf Grund der Intervention europäischer Lebensrechtsorganisationen verhindert werden konnte. Der neue Anlauf wird vom Ausschuss für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter initiiert und versucht, den gewaltsamen Schwangerschaftsabbruch als Menschenrecht zu etablieren.

Doch nicht nur das. ALfA schreibt:

Nun gibt es eine Neuauflage – den Matic Bericht. Diesmal wird nicht nur gefordert, ein Recht auf Abtreibungen als Menschenrecht anzuerkennen. Diesmal ergeht auch die dringende Aufforderung an die Mitgliedsstaaten, dafür zu sorgen, dass Lebensrechtsorganisationen nicht weiter informieren und aufklären dürfen, und dafür zu sorgen, dass in allen Mitgliedsstaaten Sexualerziehung bereits in der Grundschule nach den Vorgaben der WHO verpflichtend wird. Eine staatliche Finanzierung der Abtreibung ebenso wie ein Ende der Möglichkeit für medizinisches Personal, aus Gewissensgründen die Mitwirkung an  Abtreibungen zu verweigern, sind ebenfalls Teil des Forderungskatalogs dieses Berichts.

ALfA empfiehlt, sich umgehend via Schreiben an die EU-Abgeordneten zu wenden, um diese Entwicklung noch abwenden zu können und liefert konkrete Argumentationshilfen.

Mehr hier: www.alfa-ev.de. Ich empfehle auch den ALfA-Podcast zum Thema:

Die Auferstehung Jesu Christi – das Streitgespräch zwischen Ernst Fuchs und Walter Künneth

Einleitung

Am 12. Oktober 1964 ereignete sich in Sittensen bei Hamburg eine bemerkenswerte Disputation über das richtige Verständnis der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Mehr als 2000 Zuhörer, unter ihnen Lehrer, Pfarrer, Ärzte, Bischöfe und Studenten, verfolgten den ganzen Tag lang in der Kirche das Streitgespräch zwischen zwei renommierten Theologen und die sich anschließende Plenumsdiskussion.

Der Neutestamentler Ernst Fuchs (1903–1983) vertrat die sogenannte „hermeneutische Theologie“ des 20. Jahrhunderts. In Marburg hatte er Vorlesungen von Martin Heidegger und Rudolf Bultmann gehört und wurde schließlich mit einer von Bultmann begleiteten Dissertation über Das Verhältnis des Glaubens zur Tat im Hermasbuch von der Theologischen Fakultät 1929 promoviert. (Über die Hintergründe informiert detailliert: Konrad Hammann, Rudolf Bultmann: Eine Biographie, 2012, S. 232–233. Bultmann hielt Fuchs für sehr begabt, beklagte sich aber darüber, dass er sich sprachlich und stilistisch zu sehr von der existentialanalytischen Begrifflichkeit Heideggers abhängig gemacht habe.) Fuchs plädierte für eine existenzialistische Interpretation des Auferstehungsgeschehens.

Der Systematiker Walter Künneth (1901–1997) verteidigte in der Diskussion um das Entmythologisierungsprogramm Bultmanns eine wortlautorientierte Bibelauslegung und hielt mit Nachdruck an einer leibhaftigen Auferstehung Jesu fest. Künneth vertrat in der Debatte die Anliegen einer „bekenntnisorientierte Theologie“ (Künneth war 1966 neben Peter Beyerhaus, Paul Deitenbeck, Rudolf Bäumer, Gerhard Bergmann und Wilhelm Busch Mitbegründer der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“).

Die Debatte wurde damals als Tonbandaufzeichnung mitgeschnitten. Der Mittschnitt ist Grundlage für die im Jahr 1973 erschienene Dokumentation Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten (Dokumentation eines Streitgesprächs. Nach einer Tonbandaufzeichnung hrsg. von Christian Möller, 1973). Im Vorwort dieser Dokumentation schrieb der Herausgeber Christian Möller Folgendes:

So genau und umfassend die Disputation von Sittensen auch dokumentiert sein mag, so wenig darf doch verschwiegen werden, wieviel Unmittelbarkeit, Bewegung und Farbigkeit gerade diesem Streitgespräch durch die Übertragung aus der Mündlichkeit in die Schriftlichkeit verloren gegangen ist. Das gilt zuerst für die Argumentation von Ernst Fuchs, die ganz auf Mündlichkeit, auf die konkrete Situation, auf das Gegenüber und auf die Gegenwart der Teilnehmer bezogen ist. Das gilt aber auch für das Engagement von Walter Künneth und das lebendige Mitgehen der Zuhörer während des ganzen Tages. Immerhin hat die Tonbandniederschrift einige besonders auffällige Reaktionen der Zuhörer mit knappen Angaben wie etwa „Lachen in der Gemeinde“ oder „Zischen in der Gemeinde“ wiederzugeben versucht … Eine Bewegung der Teilnehmer ist in der Disputation von Sittensen besonders an den Stellen zu bemerken, an denen die Frage nach der Auferstehung Jesu Christi nicht nur im Horizont richtiger Formeln, sondern im Blick auf lebendige Erfahrung und konkrete Wahrheit vorangetrieben wird. Da entdeckt der Zuhörer, daß er mit seiner eigenen Erfahrung in die Frage nach der Auferstehung Jesu Christi einbezogen wird und von der Wahrheit der Auferstehung selbst betroffen ist. (S. 6)

Die Tonbandaufzeichnungen gelangten über Johann Martens aus Sittensen an Pastor Peter Heinrich. Dieser hat die Aufnahmen digitalisiert und tontechnisch so bearbeitet, dass sie angenehm hörbar sind.

Ich habe bei Peter Heinrich angefragt, ob er einer Veröffentlichung der Aufnahmen im Internet zustimmen kann. Erfreulicherweise hat er dies bejaht, insofern keine Rechte anderer verletzt werden. Johann Martens konnte ich nicht mehr fragen, da er am 10. März 2019 heimgegangen ist. Andreas Späth, der den Nachlass von Walter Künneth verwaltet, hat einer Veröffentlichung zugestimmt. Sollte trotz bestmöglicher Prüfung dennoch Rechte anderer verletzt werden, bitte ich darum, sich mit mir in Verbindung zu setzen, um eine Lösung zu finden. 

Ich glaube, diese Disputation sollte als theologiegeschichtliches Ereignis interessierten Laien und Theologen zugänglich gemacht werden. Die Aufnahmen nehmen den Hörer mit hinein in die damals leidenschaftlich geführte Auseinandersetzung um die Entmythologisierung der biblischen Botschaft. Ich danke allen, die das möglich gemacht haben, besonders Peter Heinrich für die aufwendige Bearbeitung. 

Die vorgelegten Thesen

Die zur Disputation vorgelegten Thesen werden hier anhand der schriftlichen Dokumentation wiedergeben (S. 12–13):

Professor D. Dr. Walter Künneth

  1. Die apostolische Botschaft bezeugt die „Auferstehung Jesu Christi von den Toten“ (1. Kor. 15, 3-7) als die Erscheinung der neuen pneumatisch-leibhaften Wirklichkeit des gekreuzigten und begrabenen Jesus von Nazareth (1. Kor. 15,8; 1. Kor. 9, 1; Gal. 1,16; 1. Kor. 15, 42–53), in welcher eine neue Schöpfungswelt ihren Anfang genommen hat (2. Kor. 5,17; Röm. 8,1; Gal. 6,15; 1. Petr. 1, 3).
  2. Die Auferstehung Jesu Christi stellt das grundlegende Heilsereignis dar (1. Kor. 3,11; 1. Petr. 2,4.7–8; Röm. 9,33), so dass sowohl die christliche Verkündigung zentral durch dieses vorausgegebene Geschehen bestimmt wird (1. Kor. 15,2.14) als auch christlicher Glaube sich wesensmäßig als „Osterglaube“ versteht (1. Kor. 15,17; Röm. 10,9).
  3. Die Auferstehung Jesu Christi ist Ermöglichungsgrund und Realgrund der christlichen Gemeinde und damit der einzelnen christlichen Existenz als einer Gemeinschaft mit dem erhöhten lebendigen Herrn (Gal. 2,22; Phil. 1,21; 3,20; Kol. 3,1-3), die konsekutiv sich in „Glaube, Liebe, Hoffnung“ (1. Kor. 13,13) manifestiert.

Professor Dr. Ernst Fuchs

  1. Die paulinischen Aussagen in 1. Kor. 15 sind die im Neuen Testament ältesten authentischen Aussagen über das Thema „Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“ und von Paulus selbst durch 1. Kor. 13 ausgelegt: Wer von Auferstehung spricht, der muß sich an die Einheit von Leben und Tod in der Liebe halten.
  2. Die Einheit von Leben und Tod in der Liebe ist der Welt in der Liebe Jesu erschienen und wird vom Glauben an Jesus als Gottes Herrschaft erfahren und erwartet (Röm. 4,25).
  3. Gottes Herrschaft bedient sich des Todes, der Leiden und der Schwachheit als ihrer Mittel und des Glaubens als Arznei und Teilgabe an einem Dasein vor Gott, in Gott und aus Gott (Röm. 8).

Leo Scheffczyks Bewertung des Disputs

Sowohl Fuchs als auch Künneth erhielten erwartungsgemäß während und nach dem Gespräch Zuspruch und Kritik. Ich schließe mich dem Urteil von Prof. Dr. Leo Scheffczyks an, der in der Münchner Theologische Zeitschrift sagte (Nr. 24/4 (1973), S. 372–374, hier S. 373):

Gegenüber den eindeutigen Aussagen Künneths muten die Ausführungen von E. Fuchs merkwürdig fließend und schwebend an. Die einleitenden Hinweiseauf die zwischen den theologischen Disziplinen obwaltenden Sprachschwierigkeiten, die Ablehnung der Rede von einer „apostolischen Botschaft“ (wo es sich beim ältesten Zeugnis angeblich nur um „paulinische Aussagen“ handele) und die Unzuständigkeitserklärungan die Adresse der Versammlung, die die Rede von der Auferstehung nicht erfassen könne, weil sie nicht in der Situation des Todes stehe: das alles ist mehr der fromme Ausdruck einer unbestimmten „Gläubigkeit“ als die denkerische Auslegung eines kernhaften „Glaubens“. So kommt es dann auch nicht zu einer genaueren Erklärungder vorangestellten These, sondernes wird nur wiederholt, daß die Rede von der Auferstehung die „Einheitvon Leben und Tod in der Liebe“ meine. Die Behauptung, daß das 15. Kapitel von 1 Kor nach dem Maßstab von 1 Kor 13 (das Hohelied der Liebe) erklärt werden müsse, kann auch exegetisch nicht anders denn als gewaltsam angesehen werden.

In der Diskussion stellte Künneth u.a. die Frage, ob das von Fuchs Gesagte nicht auch Goethe oder Jaspers hättensagen können. Auf diese mehr vorbereitende Frage gibt Fuchs genausowenig eine Antwort wie auf die zentralere,ob die Auferstehung als eigene Wirklichkeit dem Glauben und der Liebe vorausgehe oder ob sie eine Folgedes Glaubens sei. Fuchs hält die Feststellung einer solchen „Reihenfolge“ für „juristisch“, „philosophisch“ und dogmatisch. Er gibt zwar zu, daß er keine Schwierigkeit hätte, diese vorausgehende Wirklichkeit anzuerkennen. Aber als wirklich Glaubender könne er nicht nach ihr fragen, sondern eben nur in der „Selbstvergessenheit des Kindes“ glauben und lieben. Die Frage nach der dahinterliegenden Wirklichkeit ginge den Glauben nichts an, denn „was braucht der Glaube noch von Kreuzund Auferstehung zu reden“, wenn er ohnehin, „voll davon“ sei (95). Demgegenüber repliziert Künneth zu recht,daß das ganze Neue Testament geradeso rede, d.h. daß es den Glauben auf diese anderen Wirklichkeiten des Kreuzes und der Auferstehung gründe.

Die Audiodateien

Nachfolgend die Aufnahmen im mp3-Format: 

Teil 1: Morgenandacht und Begrüßung durch Pastor Hartig. Eröffnung durch Landessuperintendent Hoyer. Prof. Dr. W. Künneth und Prof. D.E. Fuchs erläutern jeweils ihre Thesen:

Teil 2: Disputation Teil 1:

Teil 3: Disputation Teil 2 und Diskussion im Plenum:

Teil 4: Disputation im Plenum sowie Schlusswort von Prof. D.E. Fuchs:

Teil 5: Schlusswort von Prof. Dr. W. Künneth und Fazit durch Landesbischof D. Dr. H. Lilje:

Was du über den Buddhismus wissen solltest

Heute feiern Buddhisten auf der ganzen Welt den Geburtstag Buddhas. Es handelt sich dabei um das Vesakh-Fest (oder Wesak), das zum ersten Vollmond im Mai begangen wird. An diesem höchsten buddhistischen Feiertag erinnern sich Religionsanhänger weltweit an Ereignisse wie die Geburt, die Erleuchtung und den Tod von Gautama Buddha.

Eine gute Gelegenheit, um mehr über den Buddhismus zu lernen. Joe Carter hat einige Informationen zusammengestellt zeigt die Herausforderungen, die es gibt, wenn wir mit Buddhisten über das Evangelium sprechen: 

Der geistliche Hintergrund des Buddhismus macht es sehr herausfordernd, Buddhisten das Evangelium zu verkündigen. Viele christliche Apologeten empfehlen, nach Gemeinsamkeiten zu suchen, so z.B. Alex Kocman: „Die Vier edlen Wahrheiten können für Christen vier nützliche Sprungbretter in ein Gespräch darstellen, in dem man dann die biblische Sicht von Leben, Tod und Errettung erklären kann.“ Justin Caudill betont zudem, wie wichtig Zeugnisgeben und echte Beziehungen sind: „Unsere Zeugnisse funktionieren auch dann, wenn bei Buddhisten andere Methoden versagen, und wir denken, dass es dafür verschiedene Gründe gibt“, sagt er. „Zeugnisse sind wirksam, weil es sich dabei um Geschichten handelt, und Geschichtenerzählen ist die wahre Herzenssprache von Buddhisten.“ Sam Chan fügt hinzu, dass Buddhisten sich nach zwei Dingen sehnen: nach Macht und Kontrolle in ihrem Leben und nach Frieden und Schalom. „Jesus ist der Einzige, der uns Macht geben kann, z.B. über böse Geister, und die Macht, geheilt zu werden“, betont Chan. „Und Jesus schenkt uns Frieden. Er nimmt das Leiden nicht weg, aber er zeigt uns, dass es Weisheit gibt, einen Plan und ein Ziel, eine Richtung, die dieses Universum nimmt. Und deswegen können wir einen Frieden genießen, unseren Schalom, den sonst niemand genießen kann.

Mehr: www.evangelium21.net.

Bullinger: Ganze Bibelbücher predigen

Heinrich Bullinger schreibt über den Wert der fortlaufenden Bibelauslegung (Schriften V, 2006, S. 186):

Aus den Schriften der alten Bischöfe geht hervor, dass es in jener alten, glückseligen und gottgefälligen Kirche Brauch war, den Gemeinden nicht nur einzelne Teile oder ausgewählte Stellen der biblischen Bücher, sondern ganze Bücher des Neuen und des Alten Testaments auszulegen. Und daraus ist für die Kirchen kein geringer Nutzen erwachsen. So machen wir auch heute noch die Erfahrung, dass die Gemeinden nicht besser unterrichtet und nicht stärker bewegt werden können als durch die Worte Gottes selbst und durch eine zuverlässige Auslegung der Bücher des Evangeliums, des Gesetzes, der Propheten und der Apostel.

An dieser Stelle will ich nebenbei daran erinnern, dass eine Auslegung der Heiligen Schrift nicht dem Verlangen entspringt, sich irgendetwas auszudenken und die Schriften hin und her zu biegen, sondern dass sie ein erfurchtsvolles Vergleichen der Heiligen Schriften und eine besondere Gabe des Heiligen Geistes ist. Denn der heilige Petrus hat gesagt (2 Petr 1,20): »Keine Weissagung der Schrift kommt durch der Propheten eigene Deutung zustande.« Deshalb hat niemand die Vollmacht, die Heiligen Schriften nach seinem eigenen Gutdünken auszulegen. Die bessere Auslegung ist auch nicht von einer Mehrheit abhängig, als ob eine bessere Auslegung die sei, der eine Mehrheit zustimmt.

Augustinus: Niemand sagt: „Herr ist Jesus“ außer im Heiligen Geist

Augustinus über den Heiligen Geist (lo. eu. tr. 74,2; CCL 36,513):

„Niemand sagt: Herr ist Jesus“ (1Kor 12,3) im Geist, im Wort, in der Tat, im Herzen, im Mund, im Werk, „niemand sagt: Herr ist Jesus außer im Heiligen Geist„ (1Kor 12,3), und niemand spricht so, außer er liebt. So sagten die Apostel schon: „Herr ist Jesus“, und wenn sie es in der Weise sagten, daß sie es nicht heuchelten, indem sie es mit dem Mund bekannten, im Herzen jedoch und in ihren Taten leugneten, wenn sie es also durchaus wahrhaftig sagten, dann liebten sie zweifelsohne. Wie also liebten sie außer im Heiligen Geist? Und doch wurden sie vorher schon geheißen, ihn zu lieben und seine Gebote zu halten, um den Heiligen Geist zu empfangen, ohne den sie in der Tat nicht lieben und die Gebote halten könnten. Es bleibt also nichts anderes übrig, als daß wir begreifen, daß der den Heiligen Geist hat, welcher liebt, und dadurch, daß er ihn hat, verdient, ihn noch mehr zu haben, und dadurch daß er ihn mehr hat, mehr liebt.

Regenbogen-Figuren bei Lego

Die Firma Lego produziert seit vielen Jahren Kinderspielzeug, und zwar ziemlich gutes. Jetzt bemüht sich die Firma darum, schon die Kinder wir die sexuellen Vorlieben der LGBTQIA-Community zu begeistern. Die FAZ schreibt:

Mit elf Figuren, jede von den Haarspitzen bis zu den Füßen komplett einfarbig, ist das Set der LGBTQIA+-Community gewidmet. Die Buchstabenfolge steht als Abkürzung für lesbische, schwule, bisexuelle, trans-, queer-, inter- und asexuelle Menschen. In einer Reihe bilden die Figuren die Farben des Regenbogens ab, dazu kommen hellblau, weiß und rosa sowie Schwarz und Braun. Damit werden auch die Symbolfarben der LGBTQIA-Gemeinde abgebildet, es soll also die Vielfalt der Hautfarben und der sexuellen Orientierungen abgebildet werden. Das Motto der neuen Packung lautet: „Everyone is awesome“, jeder ist wunderbar.

„Ich wollte ein Set entwerfen, das die Inklusivität symbolisiert und jeden zelebriert – egal, wie er sich identifiziert und wen er liebt“, zitiert der Konzern den Produktentwickler Matthew Ashton. Der gehört nach eigenen Angaben selbst der LGBTQIA-Bewegung an und hat das Set zunächst für den eigenen Schreibtisch entworfen. Es habe aber schnell intern Aufmerksamkeit erregt. Dass der Bausatz zum 1. Juni auf den Markt kommt, ist nun kein Zufall. Der Juni ist für Gruppen verschiedener sexueller Orientierungen der „Pride Month“ (Monat des Stolzes), in dem sie für ihre Rechte demonstrieren.

Es ist bezeichnend, dass die LGBTQIA-Gemeinde auf die Kinder zugeht, um sie für ihre Anliegen zu gewinnen.

Al Mohler kommentiert die Strategie von Lego in diesem Podcast (ab 2:23):