Barth, „der rote Pfarrer“

Karl Barth war bereits in seiner frühen Schaffensperiode, also noch vor der „dialektischen Wende“, vom Sozialismus sehr angetan.

Die Einflüsse auf dem Weg zu dieser Mission sind vielfältig. Das Reich Gottes als ethische Aufgabe war das große Thema der Liberalen Theologie, die er in Berlin oder Marburg gehört hatte. Durch Eduard Thurneysen lernte Barth Hermann Kutter kennen, der als Pfarrer am Zürcher Neumünster predigte, die Verheißungen Gottes würden mit der Sozialdemokratie in Erfüllung gehen. Beachtlichen Einfluss entwickelten freilich auch die Erfahrungen in der Arbeiterstatt Safenwill, in der Karl Barth zwischen 1911–1921 ein Pfarramt übernahm. Er konnte dort mit eigenen Augen sehen, unter welch schwierigen Bedingungen gearbeitet wurde (ähnliches erlebten ja auch Karl Marx und Friedrich Engels).

Wer glaubt, die „Himmel auf die Erde“-Theologie sei erst durch das neue Missionsparadigma erfunden oder bedeutsam geworden (z.B. N.T. Wright: „In der Bibel bedeutet Erlösung nicht: Gott errettet die Menschen aus der Welt heraus, sondern Erlösung ist die Errettung der Welt an sich.“), braucht nur auf Leute wie Walter Rauschenbusch oder eben Karl Barth zurückblicken. Christiane Tietz schreibt in ihrer Barth-Biographie in dem Kapitel „Der rote Pfarrer“ (Karl Barth, 2018, S. 82):

Die Nähe lag für Barth in dem, was die soziale Bewegung und die Sozialdemokratie wollen: Das, «was sie wollen,… das wollte Jesus auch». Deshalb könne man auch «als Atheist und Materialist und Darwinist ein echter Nachfolger und Jünger Jesu sein». Der Sozialismus als proletarische Bewegung sei eine Bewegung von unten. Ganz ähnlich war Jesus Arbeiter und wandte sich an die Armen und Unterdrückten. Wer behaupte, Jesu Botschaft habe sich nur auf Geist und Innerlichkeit gerichtet, verleugne diese Botschaft. Für Jesus habe es nicht zwei Welten von Geist und Materie, von Himmel und Erde gegeben, «sondern nur die eine Realität des Gottesreichs»; die Erlösung bestand für Jesus darin, «daß Gottes Reich zu uns komme in die Materie und auf die Erde». Pointiert gesagt: «Nicht wir sollen in den Himmel, sondern der Himmel soll zu uns kommen.»

Deshalb müsse die Kirche endlich den Mut haben auszusprechen: «die soziale Not soll nicht sein, um dann ihre ganze Kraft für dieses es soll nicht sein einzusetzen». Diesen Mut wandte Barth gleich an. Er fragte rhetorisch: «Gehn die beiden zusammen: Jesus und der Kapitalismus, das System des schrankenlos wachsenden Privateigentums?» Und er zog die Konsequenz: «Dieses Erwerbssystem muß … fallen vor allem seine Grundsäule: … das Privateigentum an Produktionsmitteln».

Obwohl die Wende hin zur „Wort Gottes“-Theologie diese Schwärmerei abmilderte, bliebt Barth dem Sozialismus sein Leben lang verbunden. Er verteidigte nach dem Krieg sogar Stalin, weil er hoffte, diesem sei es im Kern um die „soziale Frage“ gegangen. Bis zu seinem Lebensabend blieb er ein Kirchenmann, der für die „soziale Bewegung“ warb.

Rudolf Bultmann, der ja eine Zeit lang an der Seite von Barth für die Wende kämpfte, durchschaute schon früh die Irrtümer des Sozialen Evangeliums. Über die „Reich Gottes“-Theologie der Ritschlianer sagte er (Glauben und Verstehen, Bd. 1, 1961, S. 15):

Wenn man meint, daß soziale Arbeit als solche, d.h. Arbeit, die sich — ob sozialistisch orientiert oder nicht — um die Schaffung menschenwürdiger sozialer Zustände müht, als solche Reichsgottesarbeit, christliches Tun sei, so kennt man das σκάνδαλον des Wortes Gottes nicht. Und das σκάνδαλον ist um so größer, um so deutlicher, als hier gegenüber solchem Tun, das an sich pflichtmäßig, ehrenwert, bitter notwendig ist, hart gesagt wird: es ist kein christliches Tun. Denn es gibt kein Tun, das sich direkt auf Gott und sein Reich beziehen könnte. Jede Form menschlichen Gemeinschaftslebens, die schlimmste wie die idealste, steht in gleicher Weise unter dem göttlichen Gericht.

E21-Regionalkonferenz Schweiz 2019 – „Und er schuf sie als Mann und Frau“

Unter dem Thema „Und er schuf sie als Mann und Frau“ veranstaltet Evangelium21 vom 1. bis 2. Februar 2019 die Regionalkonferenz Schweiz in Riehen (bei Basel). Das Netzwerk möchte den Themenkomplex „Mann und Frau“, der heute höchstumkämpft ist, aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Zu Wort kommen anthropologische, medizinischen und selbstverständlich biblisch-exegetische sowie pastorale Aspekte.

Unter anderem werden Dr. Kai Soltau, Prof. Dr. Harald Seubert, Dr. Stefan Felber und Dr. Peter Prock untersuchen, wofür die Gemeinde angesichts einer heftigen Geschlechtsdebatte in Gesellschaft und Kirche einstehen soll. Abgerundet wird die Konferenz durch eine Podiumsdiskussion mit den Referenten sowie einem Resümee des Veranstalters.

Weiter Informationen können dem Flyer entnommen werden.

Die Konferenz wendet sich vor allem an Prediger, Älteste, Gemeindemitarbeiter sowie Männer und Frauen, die sich für das Thema interessieren. An dieses Stelle kann man sich ab sofort anmelden!

Reclaiming the West: Liberty in Equality or Constraint

Das Acton Institute wird am 29. November in München eine Konferenz zum Thema „Reclaiming the West: Liberty in Equality or Constraint“ abhalten. Zum Anliegen schreiben die Veranstalter:

On September 12, 1848, Alexis de Tocqueville delivered a speech in which he argued that “democracy and socialism are not interdependent concepts,” but “opposing philosophies.” In part he argued, “Democracy and socialism have but one thing in common—equality. But note well the difference. Democracy aims at equality in liberty. Socialism desires equality in constraint and in servitude.”

170 years later in the West there is still tension between those who understand liberty in these fundamentally different ways. In the face of mounting crises like rising debt, youth unemployment, terrorism, demographic decline, and an influx of refugees, the diagnoses of the causes and the prescription for the solutions come from different foundational perspectives that diverge substantially.

This one day event will explore the foundational commitments that have shaped the political, economic, and cultural landscape of the Western world and the prospects for Western society as we wrestle with these two conflicting concepts of liberty.

John D. Wilsey, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts und außerordentlicher Professor für Kirchengeschichte am The Southern Baptist Theological Seminary in Louisville (USA) gehört auch zu den Rednern der Konferenz. Dr. Wilsey schreibt für Public Discourse, das 9Marks Journal, The Gospel Coalition und andere Medien.

Mehr Informationen zur Konferenz hier: acton.org.

VD: RH

Das Erbe des Theologen Karl Barth

Er gilt als der wichtigste evangelische Theologe des 20. Jahrhunderts: der Schweizer mit dem deutschen Pass, Karl Barth. Er starb vor 50 Jahren im Dezember 1968.

In einem DLF-Beitrag wird sein Werk besprochen und dabei kommt auch sein letzter Assistent, Eberhard Busch, zu Wort. Eine kritische Auseinandersetzung fehlt freilich.

Hier:

 

Alle Dinge sind relativ

Während der Vorbereitungen für einen Vortrag zum Thema „Francis Schaeffer: Apologet zur Ehre Gottes“, bald zu halten auf der Bibelbund-Konferenz 2018 in Rehe (allerdings nicht, wie geplant, am Samstag, sondern am Montag), habe ich wieder einige Texte von Schaeffer gelesen. Es ist schon erstaunlich, wie klar er Probleme auf den Punkt gebracht hat, mit denen wir noch heute zu kämpfen haben.

Ein Beispiel:

Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der alle Dinge relativ sind und in der der letztgültige Wert in dem besteht, was das Individuum oder die Gesellschaft „glücklich“ macht oder was einem gerade ein momentanes Wohlgefühl vermittelt. Nicht nur der hedonistische junge Mensch tut das, was ihm gerade gefällt, sondern die Gesellschaft als Ganzes verhält sich so. Dies hat viele Aspekte, einer davon besteht in dem Zusammenbruch jeglicher Stabilität innerhalb der Gesellschaft.

Nichts steht fest, es gibt keine letztgültigen Normen; es zählt nur, was einen „glücklich“ macht. Dies gilt sogar für das menschliche Leben. Die Titelgeschichte der Newsweek vom 11. Januar 1982 bestand aus einem sechs- oder siebenseitigen Artikel, der überzeugend darstellte, daß das menschliche Leben mit der Empfängnis beginnt. Jeder Student der Biologie hätte dies alles schon längst wissen sollen. Wenn man dann die Seiten umblättert, stößt man auf den nächsten Artikel mit der Überschrift: „Aber ist es schon eine Person?“ Die Schlußfolgerung dieser Seite lautet: „Das Problem besteht nicht darin zu entscheiden, wann wirkliches menschliches Leben beginnt, sondern darin, wann der Wert dieses Lebens andere Überlegungen verdrängt, wie z. B. die Gesundheit oder sogar das Glück der Mutter.“ Der erschreckende Satzteil besteht in „oder sogar das Glück“.

Also kann und wird selbst anerkanntes menschliches Leben um des Glücks einer anderen Person willen beendet. Ohne feste Werte ist nur mein eigenes oder das momentane Glück der Gesellschaft von Bedeutung … Es wird natürlich zunehmend akzeptiert, daß ein neugeborenes Baby immer dann, wenn es eine Familie oder die Gesellschaft vermutlich unglücklich macht, sterben darf. Sie brauchen bloß den Fernseher anzuschalten, so kommt es zunehmend wie eine Flut über Sie.

Generation der Lustlosen

Der jungen Generation in Deutschland geht es einerseits glänzend. Es gibt  attraktive Ausbildungsmöglichkeiten oder Jobperspektiven und natürlich unglaublich fasziniernde Freizeitangebote. Sie erhalten mehr Aufmerksamkeit als wahrscheinlich jemals zuvor junge Leute sie bekommen haben. Trotzdem muss man, wie Göttinger Wissenschaftler herausfanden, seit 2005 einen Anstieg von Depressionen um 76 Prozent im Segment der 18- und 25-Jährigen verzeichnen. Jeder sechste Studierende quält sich mit Gefühlen von Hoffnungs- und Lustlosigkeit, Resignation und innerer Leere.

Woran das liegt, danach fragt die Psychotherapeutin Astrid von Friesen. Einige Antworten mögen überraschen. Nicht nur die Smartphones spielen eine Rolle, sondern auch die oft instabilen Familienverhältnisse:

Liegt es am früh einsetzenden gesellschaftlichen, durch die Eltern transportierten Leistungsdruck, der viele in die Universitäten drängt, obwohl sie zur Theorie wenig befähigt sind? Liegt es an den prekären Arbeitsverhältnissen, die Ohnmachtsgefühle evozieren und zermürben? Tiefenpsychologisch lässt sich Folgendes konstatieren: Das Trauma von hässlichen Scheidungen ebenso wie das vom Vaterverlust. Wenn zudem Eltern, besonders alleinerziehende, den eigenen Entwicklungsschritt weder des emotionalen, finanziellen noch des putztechnischen Loslassens bewältigen, kann eine hermetische Abwehr aus Bequemlichkeit und Anspruchsdenken entstehen. Fällt der vor allem durch gute Väterlichkeit geprägte gesunde Ehrgeiz aus, wird die emotionale Unterversorgung durch passiv-aggressive Dauerausbeutung der Eltern als „Muttersöhnchen“ oder „Prinzessin“ sowie durch Leistungsverweigerung beantwortet.

Hier der volle DLF-Beitrag:

 

Gab es ein einheitliches palästinensisches Judentum?

Aus: Der neue Paulus: Handreichung zur „Neuen Paulusperspektive“, S. 42–43):

Obwohl die Kritik am Zerrbild des Judentums zu begrüßen ist, hat sich inzwischen gezeigt, dass Sanders seine Quellen einseitig gewählt und über-systematisiert sowie polemisch ausgewertet hat. Während Sanders das Gemeinsame des Judentums in Palästina betont (Common Judaism), sind die religiösen und sozialen Unterschiede zwischen den jüdischen Gruppen weniger klar präsentiert worden. Martin Hengel und Roland Deines schreiben etwa, dass Sanders’ Darstellung des Judentums nur eine Außenansicht ist. „In Palästina haben die Menschen die beachtlichen Unterschiede und Spannungen“ damals viel deutlicher zur Kenntnis genommen. Der jung verstorbene Friedrich Avemarie hat nachgewiesen, dass die rabbinische Soteriologie nicht nur als Gnadenlehre verstanden werden kann, wie das Sanders behauptet. Vielmehr gab es innerhalb des palästinensischen Judentums divergierende Gnadenlehren. Sowohl Billerbeck als auch Sanders haben die Texte jeweils einem soteriologischen Prinzip untergeordnet. Nach Avemarie lassen sich jedoch Werkgerechtigkeit und Bundesnomismus in der frührabbinischen Literatur gleichrangig und nebeneinander nachweisen. Aus etlichen jüdischen Texten geht zudem hervor, dass die soteriologische Bedeutung des Gesetzes und ihrer Erfüllung höher eingeschätzt wird, als Sanders meint. Selbst wenn es stimmt, dass die Tora nicht gegeben wurde, um in den Bund hineinzugelangen, bleibt ja die Frage nach dem Heil. Es ist dem Volk nämlich nicht gelungen, das Gesetz zu halten; und so droht bei einem Gericht nach den Werken eben doch die Verurteilung. Der eben schon erwähnte John Barclay zeigt im zweiten Kapitel seines großen Paulusbuches, dass in etlichen jüdischen Texten (er untersucht fünf Überlieferungen akribisch) etwas zu finden ist, was sich „sehr deutlich von Sanders’ Bild des ‚Bundesnomismus‘ unterscheidet“. Der Neutestamentler Jörg Frey schreibt zu Sanders Sicht des Judentums:

„Methodisch führt die Abstraktion auf Grundstrukturen zu einer Einebnung der je spezifischen Differenzen, zu einem vermeintlich einheitlichen Judentum hinter den Texten, das mit der historischen Wirklichkeit nicht mehr übereinstimmt. Neuere Untersuchungen zeigen, dass das Judentum jener Zeit in seiner Zuordnung von Tora und Heil vielfältiger und weniger schematisch war, als Sanders zugesteht.“

Die Kategorien des rabbinischen Judentums sind also weitaus flüssiger, als wie sich die Vertreter der NPP es sich wünschen.

Heideggers Universitätskritik

Ich habe mehrfach darüber berichtet, dass der Wissenschaftsbetrieb an den Universitäten teilweise sehr „glattgebügelt“ worden ist. Besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften wird die Suche nach Wahrheit zugunsten der „Diversität“ vernachlässigt (vgl. hier). Wir haben inzwischen eine politisch korrekte Monokultur im Forschungsbetrieb. Anstatt Wahrheitsansprüche zu prüfen, suchen Studierende Aussagen ihrer Professoren, die emotional verletzen könnten. Lehrende und Kommilitonen werden in den USA wegen sogenannter „Mikroaggressionen“ inzwischen sogar denunziert.

In diesem Zusammenhang viel mir eine Aussage auf, die Peter Trawny in seinem frischen Heidegger-Buch zur Universitätskritik des Freiburger Philosophen gemacht hat (Heidegger Fragmente, 2018, S. 51):

Heidegger und die „Forschung“? Wer kann sich ernsthaft Heideggers Vorlesungen übers „faktische Leben“ oder über „Hölderlins ‚Ister‘“ an einer aktuellen Universität vorstellen?

Daher hat Heideggers Universitätskritik einen Punkt. Was, „wenn die Universität selbst keine Möglichkeit mehr bietet, einen Raum der Gefährlichkeit des eigentlichen Denkens freizugeben“? Gefahr meint hier intellektuelles Risiko, Lust zum Experiment, zum Abwegigen, zum Randständigen, philosophische Kreativität, Abstand zu den konformistischen Techniken, die nicht nur die Studierenden, sondern die Dozierenden selbst langweilen.

Ein paar Jahre später hat sich Heideggers Betroffenheit kanalisiert. „Lange Vermutetes“ bestätige sich „immer deutlicher durch die Organisation der Wissenschaften aus der Organisation ihrer Probleme“. Die Wissenschaften seien „während der letzten hundert Jahre auf das sichere Geleise ihres technischen Wesens gekommen“. Noch einmal der Hinweis auf die Gefahr-Reduzierung und Verharmlosung, d. h. auf die Unterdrückung improvisatorischer Spontaneität zugunsten bräsiger Forschungsprojekte („sichere Geleise“), die es im Philosophieren ohnehin nicht gibt.

John Frame im Gespräch

Matthew Barrett hat kürzlich mit John Frame über sein Leben und seine kürzlich erschienene Biographie gesprochen. Hier der Podcast:

 

Von der Gebetslosigkeit in den Gemeinden

John Onwuchekwa schreibt über das Gebet:

Ich habe in den letzten zehn Jahren in zwei Gemeinden pastoral gearbeitet. Ich war in Netzwerken, Organisationen, Seminaren, Kollektiven und anderen christlichen Gruppen tätig. Ich habe mit visionären Leitern zusammengesessen, die Gemeinden haben, die mit großartigen Strategien vorangehen. Ich habe auch mit Leitern zusammengesessen, die nicht besonders visionär sind und die Gemeinden mit schlechten Strategien betreuen. Ich habe mit begabten Menschen gearbeitet, mit Menschen mit durchschnittlichen Gaben und Menschen mit eher wenigen Gaben oder Fähigkeiten. Ich habe mit attraktiven Kirchen, Missionskirchen, Megakirchen, mittleren Kirchen und mageren Kirchen zusammengearbeitet.

Aus meiner Erfahrung heraus habe ich gelernt, dass diese Unterscheidungen nicht die wichtigsten sind, sondern unwesentlich und sekundär. Wenn ich eine Grenze ziehen müsste, um zwei Kategorien von Kirchen zu schaffen, würde sie sich nicht an diesen Unterschieden entlang ziehen. Ich habe gelernt, zwischen Kirchen die beten und solchen, die nicht beten, zu unterscheiden. Die Verpflichtung einer Gemeinde zum Gebet ist einer der wichtigsten Faktoren im Blick auf ihre Wirksamkeit im Dienst. Das Gebet ist Sauerstoff für den Christen. Es unterstützt uns. Daraus folgt, dass das Gebet eine Quelle des Lebens für jede Gemeinschaft von Christen sein muss.

Mehr: credomag.com.

Calvins Kommentar zum Römerbrief

Hier gibt es Johannes Calvins Kommentar zum Römerbrief:

Fake News in den Wissenschaften

James Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose haben sich den Spass erlaubt, bei angesehenen Wissenschaftsjournalen Aufsätze mit völlig unsinnigen Thesen einzureichen. So behaupten die Autoren etwa in einem Forschungsprojekt, dass es in Hundeparks besonders oft zu sexuellen Übergriffen zwischen Hunden komme. Der eigene anthropozentrische Erkenntnishorizont habe es zunächst erschwert, diese Übergriffe zu identifizieren. Letztlich sei es aber gelungen, zu zeigen, dass diese Parks eine Vergewaltigungskultur fördern. Etliche der eingereichten Projekte wurden akzeptiert und in den Fachzeitschriften veröffentlicht.

Die drei eher linkslastigen Akademiker wollten mit dem Experiment zeigen, dass die Wissenschaften rund um Feminismus, Rassismus, Sexualität, Gender oder die Kulturwissenschaften besonders leicht korrumpiert werden können. Es reiche dafür aus, gewisse (postmoderne) Erwartungshaltungen zu bedienen. Setzten sich Autoren beispielsweise für Frauen- oder Minderheitenrechte ein, stiegen die Chancen auf Veröffentlichung. Ergebnisse, die hingegen diesen Erwartungen nicht entsprechen, würden herausgefiltert. Mit Wissenschaft habe das wenig zu tun. Doch so ein korrupter Forschungsbetrieb, der von den Medien auch noch dankbar aufgenommen und popularisiert würde, entwickle eine starke politische und kulturelle Prägekraft.

Die publizierten Aufsätze gibt es mit weiteren Hintergrundinformation hier. WJS hat über das Experiment berichtet. Siehe zum Thema auch den Beitrag „Evidenzparadogma“.

Und nun unbedingt dieses lustige Video genießen:

Auch Politiker können sich irren

Recep Tayyip Erdogan hat die Eröffnung der großen Moschee in Köln-Ehrenfeld als Bühne für sich benutzt. Politiker zeigten sich überrascht und enttäuscht. Allen voran der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der sich vor rund 10 Jahren vehement für den Bau der Moschee ins Zeug gelegt hatte.

Musste er wirklich überrascht sein? Als der jüdische Schriftsteller Ralph Giordano vor 10 Jahren auf das Problempotential der Ditib aufmerksam machte und – wie wir im Nachhinein festellen können – in vielen Punkten schlicht und einfach richtig lag, fiel dem damaligen Integrationsminister Armin Laschet nichts anderes ein, als den Juden Giordano in die rechte Ecke zu stellen.

Laschet hätte lieber auf die Argumente Giordanos hören sollen. Die Kölnerin Hildegard Stausberg, die beim Einkaufen hin und wieder mit Giordano klönen konnte, erinnerte im Februar 2017 in DER WELT an den 2014 verstorbenen Schriftsteller:

Auch zeigt sich immer klarer, dass enge strukturelle Verflechtungen zwischen Ditib und den türkischen Generalkonsulaten einen direkten Zugriff Ankaras hier in Deutschland ermöglichen. Was für ein Horrorszenario: Moscheen in Deutschland als servile Unterstützungszentren für die Machtfantasien eines Recep Tayyip Erdogan. Musste das alles so kommen? Mussten wir so blauäugig sein?

Giordano hat das Problempotenzial mit schonungsloser Weitsicht prognostiziert. Schon Mitte 2006 sagte er in Richtung Ditib, es gebe in den islamischen Verbänden in Deutschland Funktionäre, „die den liberalen Rahmen und die Toleranz der freiheitlichen Verfassung nutzen, um totalitäre Ansichten von Staat und Religion in ihren Enklaven durchzusetzen“.

Hier mehr: www.welt.de.

3 Fragen für Alistair Begg

Alistair Begg hat drei Fragen zu seinem Dienst beantwortet. Die erste Frage lautet: „Was ist Ihre Methode der Predigtvorbereitung?“.

Die Antwort:

Wann immer ich gebeten werde, meine eigene Vorbereitungsmethode zusammenzufassen, erwähne ich die folgenden Punkte, die ich von einem alten Pfarrer gelernt habe, als ich noch Theologiestudent war. Fünf Schritte oder Hinweise, die ich gerne im Hinterkopf behalte: Denke dich leer, lese dich voll, schreibe dich klar, bete dich heiß und sei du selbst, aber predige dich nicht selbst.

Diese Hinweise helfen mir, mich von Anfang bis Ende zu konzentrieren. Abgesehen von der wesentlichen Ermächtigung des Heiligen Geistes, ist dieser eine Aspekt der Predigtvorbereitung am engsten mit der Redegewandtheit und der Wirkung bei der Präsentation verbunden ist: Die Freiheit auf der Kanzel hängt von einer sorgfältigen Organisation des Textstudiums ab. Ein guter Lehrer macht den Weg frei, erklärt den Weg und geht dann auf dem Weg.

Die anderen Antworten gibts hier: equip.sbts.edu.

Offenbarung: Klar oder unklar?

Mit „Weiterglauben“ hat Thorsten Dietz von der Hochschule Tabor ein Buch zu zentralen Fragen des christlichen Glaubens veröffentlicht. Er will mit dem Projekt den Horizont seiner Leser aus evangelikaler Engstirnigkeit herausführen.

Gelungen ist ihm das nicht. Ich habe bereits auf eine Rezension zum Buch von Thomas Jeising aufmerksam gemacht, die Schwächen von „Weiterglauben“ aufdeckt (siehe hier). Thomas Lauterbach hat in der empfehlenswerten Zeitschrift PERSPEKTIVE ebenfalls eine Besprechung veröffentlicht (erschienen in der Ausgabe 05/2018, www.cv-perspektive.de) und geht dort besonders auf das Offenbarungsverständnis des Autors ein.

Er schreibt:

Auch wenn wir einen angemessenen Umgang mit Zweifeln in unseren Gemeinden anstreben sollen – „Seid barmherzig mit denen, die ins Zweifeln gekommen sind!“ (Jud 22) – wird Zweifel in Gottes Wort nie als Wert in sich gesehen oder als Tugend beschrieben. Vielmehr soll Zweifel überwunden werden und zu neuem Vertrauen zu Gott führen. Und zwar zu einem Gott, wie er sich selbst offenbart, nicht, wie wir ihn gerne hätten. Weil sich Gott offenbart, können wir ihn kennen und mit diesem unvergleichlichen Gott leben. Wir sind nicht im Unklaren über sein Erbarmen, seine unermessliche Gnade und die Vergebung, die er hoffnungslosen Rebellen und Sündern in Jesus zukommen lässt (1Tim 1,12-13). Weil wir all dies wissen, können wir dankbar in das Lob von Paulus einstimmen: „Ihm, der mit seiner ´unerschöpflichen` Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen“ (Eph 3,20-21).

Hier die vollständige Rezension (mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Redaktion): Perspektive 05 _ Lautberbach Rez Dietz.pdf.

Diversität zählt mehr als Wahrheit

Axel Meyer, Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz, beklagt in einem Beitrag für die NZZ die postmoderne Bildungskultur an den amerikanischen Universitäten. Besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften habe man die Suche nach Wahrheit mehr oder weniger aufgegeben. Was zählt, ist die „Diversität“.

Laut Poststrukturalismus – verkürzt auch Postmodernismus genannt – gibt es nicht eine Wahrheit, sondern viele Wahrheiten, die sich in einem Machtspiel durchsetzen oder nicht. In einigen besonders politisierten Fachbereichen, die sich mit Gender, Afrika oder anderen identitätspolitischen Themen befassen, gelten die Wahrheit und die wissenschaftliche Methode als von dem Patriarchat oktroyierte Konzepte. Der weisse Mann – da wird unverhohlen rassistisch argumentiert, als ob alle weissen Männer identisch dächten und tickten – ist der Feind, den es zu bekämpfen gilt.

Das neue Mantra in den Geisteswissenschaften heisst Diversität. Dabei wird ausgeblendet, wie rassistisch Diversitätsdenken per se sein kann, denn seit wann ist es denn wieder in Ordnung, Menschen nach Hautfarbe einzuteilen? Als ob alle Afrikaner gleich wären oder alle Hispanics gleich dächten. Man sagt, dass man mehr Diversity wolle, allerdings nur in Hautfarbe, aber nicht in Meinungen oder Fähigkeiten oder Talenten.

Obwohl Meyer in der Bewertung von Obama meines Erachtens irrt, kann ich den Artikel sehr empfehlen: www.nzz.ch.