Entscheidungschristentum

Reinhard Bingener in der FAZ (15.08.2018, Nr. 188, S. 1):

Die Evangelische Kirche in Deutschland wartete vor kurzem mit einer bemerkenswerten Rechnung auf. Bei der Vorlage ihrer jährlichen Statistik rechnete die EKD vor, mit 180 000 Taufen und 25 000 Eintritten seien im Jahr 2017 abermals mehr Menschen in die evangelische Kirche eingetreten als aus ihr ausgetreten. Formal betrachtet, ist diese Rechnung korrekt. Der Sache nach handelt es sich aber um Schönfärberei, die einer Kirche unwürdig ist. Der tatsächliche Saldo wird nämlich erst sichtbar, wenn man den 25 000 Eintritten die 200 000 Austritte entgegenhält und den 180 000Taufen die 350 000 Todesfälle. Dann wird auch erkennbar, dass die evangelische Kirche von zwei etwa gleich starken Entwicklungen in die Zange genommen wird: von einer stark negativen demographischen Entwicklung und von der weiterhin hohen Zahl von Austritten.

Die ignatianischen Qualitäten des Papstes

Der aus Kanada stammende katholische Priester und Journalist Thomas Rosica hat einen vielbeachteten Artikel über Papst Franziskus geschrieben. Er reiht den Argentinier Jorge Mario Bergoglio voll Dankbarkeit und Erwartung in die ignatianische Linie ein und spricht sogar von einer neuen Phase in der Entwicklung der Katholischen Kirche (Hervorhebung von mir):

Papst Franziskus bricht katholische Traditionen, wann immer er will, weil er „frei von ungeordneten Bindungen“ ist. Unsere Kirche ist in der Tat in eine neue Phase eingetreten: Mit dem Erscheinen dieses ersten Jesuitenpapstes wird sie offen von einem Individuum regiert, nicht nur von der Autorität der Schrift allein oder von ihrem eigenen Diktat der Tradition plus Schrift. Papst Franziskus hat einen jesuitischen Intellektualismus ins Büro des Petrus gebracht. Indem er den Namen Franziskus gewählt hat, bekräftigt er auch die Kraft der Demut und Einfachheit. Papst Franziskus, der argentinische Jesuit, bezeugt nicht nur die Komplementarität des ignatianischen und des franziskanischen Weges. Er weist jeden Tag darauf hin, wie sich Geist und Herz in der Liebe Gottes und der Nächstenliebe begegnen. Und vor allem erinnert er uns jeden Tag daran, wie sehr wir Jesus brauchen und wie sehr wir einander auf der Reise brauchen.

Hier der vollständige Artikel: saltandlighttv.org.

Gebot oder Gnade?

Wie gehen wir als Gemeinde oder als Christen mit unserem Versagen um? Meine erste Empfehlung lautet: Wir brauchen das Gebot und die Gnade.

Etliche Gemeinden, die mit bewundernswerter Sorgfalt am biblischen Gebot festhalten, verschließen die Augen vor den Nöten und Kämpfen ihrer Mitglieder. Wenn etwa mit Gesten der Selbstverständlichkeit sexuelle Reinheit eingefordert wird, entsteht schnell der Eindruck, unter Christen gäbe es so etwas wie Versagen in diesem Bereich nicht. Da das Thema sowieso sehr schambesetzt ist, findet kaum jemand den Mut, die persönlichen Nöte ans Licht zu bringen. Das Brodeln unter der Oberfläche wird gar nicht wahrgenommen. Offiziell scheint alles in Ordnung zu sein. So kann sich eine pharisäische Gesinnung etablieren, ein doppelter Standard. Vordergründig ist alles geklärt, aber hinter dem Vorhang sieht das Leben anders aus. Das Sollen wird so stark betont, dass das Sein nur noch verzerrt wahrgenommen wird.

Es gibt aber auch die gegenteilige Reaktion: die einseitige Betonung der Gnade. Der Fixpunkt ist dann nicht mehr das biblische Gebot, sondern die eigene Erfahrung mit allen Höhen und Tiefen. Leider ist es nicht unüblich, dass die Normen den gesellschaftlichen oder gemeindlichen Wirklichkeiten angepasst werden. Die Spannung zwischen Sollen und Sein wird abgebaut, indem die Forderungen des göttlichen Gebots abgeschwächt werden.

Ich habe hier zwei Beispiele aus dem Bereich Sexualethik (mehr zu dem Thema hier):

Ein kirchlicher Eheberater macht in einem seiner Bücher folgendes Angebot:

„Es erscheint mir unmöglich, alle nichtehelichen Geschlechtsbeziehungen als Unzucht zu bezeichnen, während hier doch z. B. eine Tiefe der seelisch und geistigen Liebe vorhanden ist, die sehr vielen Ehen fehlt. Ich bin mir sehr wohl bewußt, hier etwas sehr Revolutionäres auszusprechen; indessen glaube ich, daß sehr viele Seelsorger in der Praxis bereits so empfinden und so urteilen. Warum dann nicht unseren Maßstab revidieren?“

Oft wird diese Neujustierung der Maßstäbe hinter sehr fromm klingenden Formulierungen versteckt. In einer Gemeinde, die den Evangelikalen nahe steht, wird vom dynamischen Christsein gesprochen. „Beim dynamischen Verständnis des Christseins gibt es durchaus auch eine Grenze. Sie wird aber nur von einem Kriterium bestimmt: Ob mein Leben auf Jesus hin ausgerichtet ist. … Nicht ein Verhalten mach[t] Menschen zu Christen, sondern ihr Verhältnis zu Jesus Christus. Hier [gilt] das Wort des Kirchenvaters Augustinus: „Liebe, und tu was du willst!“

Versteckt hinter sehr fromm klingenden Formulierungen wird – wie wir hoffentlich merken – einer billigen Gnade das Wort geredet, die nicht den Sünder, wohl aber die Sünde rechtfertigt.

Diese beiden Strategien im Umgang mit unseren Verfehlungen sollten bei uns eine tiefe Traurigkeit hervorrufen. Sie antworten weder auf die Forderungen Gottes, noch auf die Nöte der Menschen. Wir brauchen deshalb eine Kultur, die von dem Gebot und der Gnade geprägt ist, also eine evangeliumsgemäße Kultur.

Wenn wir Gott lieben, dann wollen und können wir die biblische Forderung nach einem heiligen Leben nicht verabschieden. Wir wollen tun, was Gott gefällt. Wir wissen, dass das, was Gott von uns fordert, ihn ehrt und und uns gut tut. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit Jesus Christus haben, „und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit“, heißt es in 1Joh 1,6.

Auf der anderen Seite gehört die Erfahrung des eigenen Versagens leider auch dazu. Wir finden in der Bibel keine Idealisierungen, sondern den Realismus einer gefallenen Schöpfung. Der gleiche Johannes, der den Christen zuruft, dass diejenigen, die Jesus Christus kennen und lieben, auch seine Gebote halten (vgl. 1Joh 2,3), weiß darum, dass wir in Sünde fallen: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns“ (1Joh 1,8).

Deshalb brauchen wir eine Gemeindekultur, die vom Gebot und von der Gnade geprägt ist. Das Gebot zeigt uns unsere Übertretungen und treibt uns zum Kreuz. Die Gnade macht uns Mut, dass wir mit unseren Nöten und Sünden in das Licht treten und Vergebung, Erneuerung und Zurüstung empfangen und den Willen des Vaters immer mehr lieben lernen.

Die Mütter der Pille

Die Zeitschrift EMMA erzählt online „die ergreifende Geschichte der beiden Frauen, denen wir die Pille verdanken“. Die Krankenschwester Margaret Sanger (1879-1966) und die Biologin Katharine McCormick (1875-1967) engagierten sich – so das feministische Kampfblatt – unermüdlich für das Verhütungsmittel und damit für die Befreiung der Frau.

Die Aktivistin Margaret Sanger wird erwartungsgemäß in allerhöchsten Tönen gelobt. Fast kann der Leser den Eindruck bekommen, hier würde jemand heiliggesprochen. Tatsächlich fand ein religiös aufgeladener Begriffe wie „das Erweckungserlebnis“ Eingang in den Text. Sanger, eine Kämpferin für die Freiheit. Endlich Sex ohne Kinderfluch:

Am 16. Oktober 1916 eröffnet Margaret Sanger gemeinsam mit ihrer Schwester Ethel und einer Bekannten in einer Mietwohnung in Brooklyn ihre Klinik. „Mütter! Könnt ihr euch eine große Familie leisten? Wollt ihr weitere Kinder? Wenn nicht, warum bekommt ihr sie dann?“ steht auf den Flugblättern, die die Eröffnung der Klinik auf Englisch, Jiddisch und Italienisch ankündigen. Am Ende des Tages haben 140 Frauen an der Tür der Wohnung in der Amboy Street 46 geklingelt.

Obwohl ich bereits vor einigen Jahren auf problematische Anschauungen von Margaret Sanger hingewiesen habe, will ich erneut auf einige Ereignisse aus dem leben der Aktivisten aufmerksam machen. Ich beziehe mich dabei auf Punkte, die Coe Carter zusammengetragen hat:

  1. 1916 eröffnete Sanger in New York City die weltweit erste Klinik für Geburtenkontrolle.
  2. Auf der First American Birth Control Conference 1921 gründete Sanger die American Birth Control League (ABCL). 1942 änderte die ABCL ihren Namen in 1942 Planned Parenthood Federation of America (in Deutschland pro familia).
  3. Sanger war die führende Verfechterin der Eugenikbewegung, insbesondere der negativen Eugenik, die die Reduzierung der sexuellen Reproduktion und Sterilisation von Menschen mit unerwünschten Eigenschaften oder wirtschaftlichen Bedingungen förderte.
  4. Sanger glaubte, dass der Einsatz von Geburtenkontrolle – wie Jyotsna Sreenivasan erklärt – nicht nur für das Wohl der einzelnen Frau notwendig sei, sondern auch für die Wirtschaft als Ganzes. In ihrem Pamphlet „Family Limitation“ von 1931 schrieb Sanger: „Die arbeitende Frau kann direkt handeln, indem sie sich weigert, den Markt mit Kindern zu versorgen, die ausgebeutet werden sollen, indem sie sich weigert, die Erde mit Sklaven zu bevölkern. . . . Gib diese Information an deine Nachbarn und Genossen weiter.“
  5. In Woman and the New Race schloss Sanger ein Kapitel ein, um die Frage zu beantworten: „Wann sollte eine Frau es vermeiden, Kinder zu bekommen?“ Auf ihrer Liste steht die Ermahnung, dass „keine Kinder mehr geboren werden sollten, wenn die Eltern, obwohl sie selbst gesund sind, feststellen, dass ihre Kinder körperliche oder geistige Mängel haben“ und „es auf jeden Fall keine Kinder geben sollte, wenn entweder Mutter oder Vater an Krankheiten wie Tuberkulose, Gonorrhö, Syphilis, Krebs, Epilepsie, Wahnsinn, Trunkenheit und psychischen Störungen leiden“.
  6. In einer Radiosendung soll Sanger gesagt haben, dass „Idioten, Geisteskranke, Epileptiker, Analphabeten, Arme, Arbeitslose, Kriminelle, Prostituierte und Drogenabhängige“ chirurgisch sterilisiert werden sollten.
  7. Sangers Motivationen über rassistischen Völkermord werden häufig übertrieben, missverstanden oder verfälscht. Jedoch besteht kein Zweifel daran, dass Sanger an die Überlegenheit der weißen Rasse und die Unterlegenheit anderer Rassengruppen glaubte.
  8. 1939 half Sanger durch die Birth Control Federation of America (BCFA), das Negro-Projekt zu initiieren. Anders als viele ihrer Mitarbeiter wollte sie, dass die am Projekt beteiligten Ärzte schwarz sind, um das Vertrauen der afroamerikanischen Gemeinschaft zu gewinnen.
  9. Sanger blieb ihren eugenischen Ansichten bis zu ihrem Tod treu. In einem Interview von 1957 fragte Mike Wallace Sanger, ob sie an die Sünde glaubt. Die größte Sünde sei es – so Sanger – Kinder mit Erkrankungen usw. zur Welt zu bringen.

Von diesen prekären Einlassungen lesen wir bei Emma leider nichts. Als im Jahr 2015 bekannt wurde, dass die Planned Parenthood Federation of America Körperteile abgetriebener Kinder zu Forschungszwecken kommerziell vertreibt, schwieg Emma ebenfalls. Zu den gesundheitlichen Risiken der Pille habe ich bei Emma auch keine substanziellen Beiträge gefunden.

Schwangerschaftsabbruch: Fakten und Entscheidungshilfen (Kurz und bündig) von Ute Buth, Prof. Dr. mult. Thomas Schirrmacher

Preis: EUR 3,95

17 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 0,62

 

Richtig gendern: Von (un)gerechter Sprache

Heike Schmoll hat kürzlich für die FAZ erklärt, dass der Duden als dritte orthographische Instanz während der insgesamt gescheiterten Rechtschreibreform alles unternommen habe, um seine Autorität zu verspielen. Der Verlag kompensiere seinen Autoritätsverlust, indem er krampfhaft nach anderen Alleinstellungsmerkmalen suche.

Was dabei herauskommt ist, sind Broschüren wie Richtig gendern. Daniel Vullriede hat das Büchlein für GLAUBEN UND DENKEN HEUTE gelesen. Ich darf die Rezension mit freundlicher Genehmigung hier wiedergeben:

  • Diewald, Gabriele/ Steinhauer, Anja, Richtig gendern: Wie Sie angemessen und verständlich schreiben, Berlin: Verlag Bibliographisches Institut GmbH (Duden), 2017. ISBN: 978-3-411-74357-5, Paperback, 128 Seiten, 12,00 Euro.

Von (un)gerechter Sprache

Buch genderViele Menschen im Saarland werden den Namen Marlies Krämer nicht mehr so schnell vergessen. Die 80-jährige Seniorin geriet Anfang 2018 in die Schlagzeilen, weil sie eine juristische Auseinandersetzung mit der Sparkasse Saarbrücken führte. Frau Krämer hatte Klage eingereicht, weil in den Vordrucken ihrer Bank die weibliche Anrede fehlte und sie als selbstständige Frau somit praktisch totgeschwiegen wurde. Das Argument bankenrechtlicher Vorgaben oder der Hinweis auf den normalen Sprachgebrauch überzeugte die Rentnerin nicht. Sie ging durch alle Instanzen, bis hin zum Bundesgerichtshof.

Sprache ist für das menschliche Leben unverzichtbar und meist gebrauchen wir sie wie selbstverständlich. Schwierig wird es natürlich, wenn Menschen durch Worte abgewertet und ausgegrenzt werden, oder gar Schaden erleiden. Wer will schon eine ‚ungerechte‘ Sprache?

Der Wunsch nach Gerechtigkeit

Die Autorinnen Gabriele Diewald (Professorin für Germanistische Linguistik an der Leibniz Universität Hannover) und Anja Steinhauer (Lektorin und promovierte Germanistin) bieten mit dem vorliegenden Duden-Büchlein den ersten umfassenden Ratgeber zum Gendern. Einerseits gehen sie damit auf zahlreiche Anfragen an die Dudenredaktion ein, andererseits spiegelt sich hier eine gewichtige, gesellschaftliche Entwicklung wider. Menschen in Institutionen, Verwaltungen und Firmen sollen nun eine praktische Hilfestellung zum gendergerechten Schreiben erhalten.

In der Einleitung werden zunächst konzeptionelle Grundlagen erläutert: Die Bedeutung des Wortes Gendern als die Anwendung geschlechtergerechter Sprache; die gesetzlichen Grundlagen zur Gleichberechtigung; die Funktion menschlicher Sprache und ihr Einsatz als ein Mittel für mehr Gendergerechtigkeit in der Gesellschaft.

Die Autorinnen beleuchten v.a. die schriftliche Kommunikation und folgen in ihrem Buch einer pragmatischen Grundhaltung: Weil die Menschen im deutschen Sprachraum aktuell in Männer und Frauen unterteilt werden, gehen sie vom „Prototyp der Zweigeschlechtlichkeit“ (S. 8) aus. Dennoch möchten sie die Möglichkeit oder die Legitimität anderer Geschlechteridentitäten nicht in Abrede stellen. Ihr Anliegen ist zunächst deskriptiv: ‚Richtig gendern‘ bedeutet für sie, situations- und sachangemessen, verständlich und gemäß der eigenen Absichten geschlechtergerecht zu kommunizieren.

Im Kapitel ‚Sprachliche Grundlagen‘ werden vier Ebenen von Worten und Personenbezeichnungen unterschieden: Das grammatische Geschlecht (Genus), das semantische Geschlecht (auf der Bedeutungsebene), das soziale Geschlecht (als kulturelle Kategorie) und das biologische Geschlecht. In einem Unterabschnitt erklären die Autorinnen das generische Maskulinum, das sie schließlich als sexistisch, sachlich unzutreffend und irreführend ablehnen. In einem Exkurs beleuchten sie anhand von Gegensatzpaaren eine sprachliche Alternative und sprechen sich u.a. für die Verwendung von neutralen Oberbegriffen aus (Person: Frau – Mann; Studierende: Studentin – Student).

Das Kapitel ‚Richtig gendern auf der Wortebene‘ präsentiert weitere Möglichkeiten gendergerechter Formulierungen: ausführliche Doppelnennungen von weiblichen und männlichen Personen (Kolleginnen und Kollegen), Sparschreibungen wie Schrägstrich mit Bindestrich, das große Binnen-I, Klammern, der Genderstern oder der Gendergap. Insgesamt sprechen sich die Germanistinnen dafür aus, Texte gut lesbar zu halten und Ersatzformen bzw. Neutralisierungen zu nutzen, wie z.B. Substantivierungen, Kurzwörter, direkte Anrede, das Passiv und Adjektiv-Formulierungen (Rat des Arztes – ärztlicher Rat).

Im Abschnitt ‚Richtig gendern in Satz und Text‘ beleuchten die Autorinnen sprachtheoretische Grundlagen von Sätzen und Texten. Sie definieren dazu vier Ebenen, die einzeln eine mäßige, eine hohe oder die höchste Genderrelevanz haben können. Dazu gehören Referenztypen (Klassen, Gruppen und Personen, auf die man Bezug nimmt), syntaktische Funktionen im Satz (Verhältnis von Subjekt und Prädikat), textuelle Funktionen (Ersterwähnung und Wiederaufnahme von Personen und Gruppen im Text) und der Wortstatus (je direkter der Personenbezug eines Wortes, desto höher seine Genderrelevanz). Zahlreiche Beispiele unterstreichen dabei den Gedankengang der Autorinnen.

Ein eigenes Kapitel machen die ‚Beispielanalysen‘ aus. Hier besprechen und revidieren die Germanistinnen unterschiedliche Texte, die sie als gut oder ungünstig gegendert ansehen. Im letzten Kapitel liefern sie noch einen knappen, historischen Abriss über moderne feministische Strömungen und deren Sprachkritik. Maßgebliche Personen, Buchtitel und Hauptargumente werden kurz genannt, ebenso die Ansätze und Absichten der heutigen Gender Studies. Ein weiterführendes Literaturverzeichnis und ein Register runden das Duden-Büchlein ab.

Kompetente Antworten, aber noch mehr Fragen

Zunächst einmal ist den Autorinnen eine kompetente Einführung gelungen – sowohl in die Möglichkeiten und Nuancen der deutschen Sprache, als auch in das grundsätzliche Anliegen einer nichtdiskriminierenden Sprache. Dabei ging es ihnen nicht um einen kanonischen Leitfaden, sondern um einen Ratgeber und um Impulse zur reflektierten Anwendung des Gelesenen. Ihre Argumente stellen sie nachvollziehbar dar, und trotz des heiklen Themas wird ein polemischer Tonfall fast durchweg vermieden. Beim Lesen kann man den Autorinnen ein persönliches Anliegen für die Gleichberechtigung aller Menschen abspüren.

Trotz der Fachkenntnis und einer gewissen Ausgewogenheit wirft das Duden-Büchlein Fragen auf. Bei der Lektüre wird ersichtlich, dass auch die Autorinnen nicht ‚neutral‘ sind. Stattdessen vertreten sie ein klares Weltbild und haben konkrete gesellschaftspolitische Absichten, die sich im Sprachgebrauch niederschlagen sollten. Viele ihrer Schlagwörter (z.B. geschlechtergerechte Gesellschaft, systematische Ungleichbehandlung aufgrund des biologischen Geschlechts) sind bereits ideologisch gefüllt, was eine offene Debatte zum Thema nicht unbedingt erleichtert. Auch der historische Abriss am Ende des Buches hat einen klar apologetischen Charakter und verschweigt die markanten Unterschiede bzw. Reibungspunkte zwischen den LGBT-, Queer- und feministischen Communitys.

Ein Schlüsselargument betrifft den Unterschied zwischen dem grammatischen und dem semantischen Geschlecht eines Wortes, der sich höchst unterschiedlich interpretieren lässt. Während manche im generischen Maskulinum eine grobe Diskriminierung sehen, sprechen sich andere mit derselben Argumentation für sein Inklusionspotenzial aus – gerade weil das semantische Geschlecht nicht automatisch das grammatische, soziale oder biologische Geschlecht bezeichnen muss.

So hat auch der Bundesgerichtshof die Klage von Frau Krämer (siehe oben) am Ende abgewiesen, weil die grammatikalisch ‚männliche‘ Formularsprache weder gegen das Gleichbehandlungsgesetz noch gegen Artikel 3 des Grundgesetzes verstoße, d.h. auf der Bedeutungsebene keine Geringschätzung des anderen Geschlechtes ausdrücke. Was ist nun Diskriminierung und wo beginnt sie? Reicht bereits eine ungeschickte Formulierung oder muss eine konkrete Absicht bestehen? Wie weit darf man anderen ihre Sprache vorschreiben?

Symptome für ein größeres Problem

So wichtig diese und ähnliche Fragen für das gesellschaftliche Miteinander auch sein mögen, sie wirken letztlich symptomatisch. Bereits vor über 50 Jahren wiesen christliche Denker wie Carl F. H. Henry oder Francis Schaeffer auf ein größeres Problem hin, nämlich dass unserer westlichen Welt die Verstehens- und Lebensgrundlage abhandengekommen sei.

Trotz alter und neuer Ideologien umgibt uns heute eine immense Ratlosigkeit: Was genau ist die Realität? Worauf gründet sie sich und wie kann man sie erkennen? Was macht den Menschen aus und wie sollte man letztlich leben? So ist es verständlich, wenn Gesellschaften die Frage nach der Realität, nach der eigenen Identität und nach der Ethik psychologisieren und individualisieren. Man komponiert sich selbst und muss alle störenden Hürden auf dem Weg dahin überwinden.

Christen werden gut daran tun, diese Anfragen ernst zu nehmen und sie auf der Grundlage der Bibel zu beantworten. Sie sollten erklären, was Mann und Frau wertvoll macht und zugleich voneinander unterscheidet. Sie sollten Diskriminierung und Missbrauch aufdecken und angehen, ohne jedoch unüberlegt die Methoden oder Denkkategorien einer nichtchristlichen Gesellschaft zu kopieren. Zugleich sollten Christen keine Angst vor Gegenwind haben und geduldig aufzeigen: Unsere Sehnsucht nach einer gerechten Gesellschaft werden auch eine gendergerechte Sprache und ähnliche Ansätze nicht stillen können. Umso mehr dürfen Christen Gott mit ihren Worten ehren, bescheiden die Wahrheit sagen und andere Menschen mutig auf Jesus Christus hinweisen. Denn ihn ihm, dem inkarnierten und verherrlichten Gottessohn höchstpersönlich, hat sich uns die wahre, umfassende Gerechtigkeit offenbart.

Die Institutio schon gelesen?

4143JUclSpL SX338 BO1 204 203 200Peter Lillback nennt 10 Gründe, die dafür sprechen, dass sich Pastoren mit der Institutio Christianae Religionis auseinandersetzen:

  1. Calvins Gaben.
  2. Calvins Ausbildung.
  3. Der historische Moment, indem Calvin auftrat.
  4. Der Zweck, zu dem die Institutio verfasst wurde.
  5. Die Struktur der Institutio.
  6. Die Quellen, die Calvin für die Institutio verwendete.
  7. Die Wirkung und der bleibende Einfluss sowohl der Institutio als auch der Schriften und Dienste Calvins.
  8. Die ausgezeichneten Übersetzungen der Institutio.
  9. Die leicht zugänglichen Umrisse, Indizes und Kommentare zur Unterstützung des Studiums von Calvins opus magnum.
  10. Der Einfluss, den Calvins Theologie in der Institutio auf die Abfassung und Interpretation der reformierten Bekenntnisse hatte.

Hier die Details: credomag.com.

Unterricht in der christlichen Religion - Institutio Christianae Religionis von Johannes Calvin

Preis: EUR 60,00

46 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 51,30

Themelios Vol. 43 (2) 2018

Themelios 43 2 Seite 1Die neue Ausgabe der Zeitschrift Themelios ist online. Folgende Beiträge sind dabei:

  • EDITORIAL: When Revival Comes (D. A. Carson)
  • STRANGE TIMES: The Rolling Stones Will Stop (Daniel Strange)
  • Paul and Gender: A Review Article (Thomas R. Schreiner)
  • Songs of the Seer: The Purpose of Revelation’s Hymns (Robert S. Smith)
  • Have Theologians No Sense of Shame? How the Bible Reconciles Objective and Subjective (Shame Jackson Wu)
  • Apocalypse Now: The Neo-Bultmannian Universalism of David Congdon’s The God Who Saves (Michael McClymond)
  • The Kuyperian Impulse of the Benedict Option (James D. Clark)
  • The Rule of Faith and Biblical Interpretation in Evangelical Theological Interpretation of Scripture (Adriani Milli Rodrigues)
  • Book Reviews

D.A. Carson schreibt in seinem Beitrag über Erweckung:

Sehen Sie davon ab, rein naturalistische Erklärungen [für Erweckungen] anzubieten. Während einer echten Erweckungsbewegung, und sicherlich auch danach, werden sich viele Menschen fragen, was die Umstände waren, die sie herbeigeführt haben. Normalerweise ist es einfach genug, eine Liste zu erstellen: ein Gebetskreis von Brüdern und Schwestern, eine Zeit des spirituellen Niedergangs, die manche Menschen wirklich auf Erneuerung, kulturelle Unruhen und Umwälzungen (in Québec war es „die stille Revolution“) und vieles mehr von dem, was man sich wünscht, herbeisehnen lässt. Normalerweise ist es völlig vernünftig, sich solche Phänomene anzusehen und Gottes Vorsehung in ihnen zu sehen. Dennoch gibt es eine ungesunde Art und Weise, über diese Phänomene zu berichten – eine Art und Weise, die den Eindruck erweckt, dass diese Dinge an sich ausreichen, um eine Erweckung herbeizuführen, eine Art und Weise, die impliziert, wenn man diese Phänomene an anderer Stelle wiederholen könnte, könnte man auch dort eine Erweckung herbeiführen.

Eine kleine Überlegung deutet jedoch darauf hin, dass alle diese begleitenden kulturellen Phänomene ohne Wiederbelebung stattfinden könnten, dass niemand den Beginn der Erweckung auf der Grundlage solcher Phänomene vorausgesagt hat. Gott wird nicht gezähmt werden. Detaillierte Analysen können nur der eigenen Förderung dienen. Die Analysen erwecken den Eindruck, dass wir die Bewegung kontrollieren, obwohl wir das natürlich nie so krass sagen würden. Denken Sie auf jeden Fall über die enorm komplexen Verflechtungen von Geschichte und Kultur nach, erkennen Sie auf jeden Fall die Vorsehung Gottes in ihnen, aber lassen Sie viel Raum für ein einfaches Bekenntnis: „Das ist das Tun des Herrn, und es ist wunderbar in unseren Augen“.

Die Ausgabe kann hier als PDF heruntergeladen werden: Themelios-43-2.pdf.Die Logos-Ausgabe gibt es hier: www.logos.com.

Kultur des Todes (5):„Ich habe abgetrieben. Ich schäme mich nicht“

Eine Studentin wird schwanger, möchte das Kind nicht bekommen. Sie entscheidet sich für eine Abtreibung und erzählt nun dem SPIEGEL, wie es ihr damit ergangen ist. Der SPIEGEL gewährt dieses Forum natürlich liebend gern.

Auch spürte ich den Druck politischer Diskussionen direkt in meinem Privatleben. Der Geburtenrückgang, der demografische Wandel – wie passte das mit meinem Schwangerschaftsabbruch zusammen? Doch auch hier war meine Antwort klar: Nein, die Zukunft der Republik und Europas würde nicht an diesem ungeborenen Kind scheitern. An seiner Nicht-Existenz. An meiner Verweigerung.

Diese Entscheidung gehörte mir allein, genau wie mein Bauch, mein Unterleib und mein Gewissen. Ich allein werde damit bis zum Schluss leben. Ich will mich nicht rechtfertigen, denn ich brauche keine Ausreden. Ich habe mein Urteil gefällt. Schlecht geht es meinem Gewissen nicht.

Zuerst dachte ich: Ein klassischer Fall von Verleugnung und Rationalisierung. Aber ein zweiter Blick auf den Text lässt mich vermuten, dass durch die scheinbar phänomenologische Besinnung nicht nur moralische Entlastung, sondern eine Änderung der Rechtslage beschleunigt werden soll. Alles ist aus der „Ich“-Perspektive heraus beschrieben. An das Kind denkt die Autoren nicht, überhaupt nicht. Sie ist ganz bei sich und bei denen, für die sie eine günstigere Gesetzeslage herbei ersehnt.

Ein positives Rechtsverständnis wird dabei selbstredend vorausgesetzt. Recht ist das „vom Menschen gesetzte Recht“. Etwas anderes gibt es nicht. Nur wer gegen dieses menschliche Recht verstößt, macht sich schuldig. Daher auch die Aussage:

Wer mühselig die Informationsfetzen zusammensucht, um zu verstehen, in welcher Lage man sich befindet, wird mit solchen Begriffen ständig konfrontiert. Sie vermitteln unmissverständlich, dass etwas Nicht-Richtiges passiert. Dass man irgendwo im grauen, schattigen Bereich agiert.

Erwünscht wird die Freiheit zum Töten jenseits eines schattigen Bereiches. Dabei hängt doch Recht und Unrecht in so vielen Dingen gar nicht davon ab, was Menschen darüber denken.

Wie traurig!

Ist jeder Christ ein Theologe?

Wir sind wahrscheinlich damit vertraut, dass es im Raum unserer Gemeinden und Kirchen unterschiedliche Auffassungen über den Nutzen der Theologie gibt. Auf der einen Seite des Spektrums haben wir Leute, die überhaupt nicht wiedergeboren sind, aber Theologie studieren. Sie treten mit dem Anspruch auf, dass nur ein studierter Theologe das Recht habe, theologische Aussagen zu machen. Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es Christen, die die Theologie für ein Werk des Teufels halten. Sie treten in der Regel sendungsbewusst auf und sind sich – so jedenfalls meine Erfahrung – sehr sicher, dass die Beschäftigung mit der Theologie in den allermeisten Fällen den persönlichen Glauben und die Lehre in der Gemeinde beschädige.

Diese unterschiedlichen Auffassungen über den Nutzen der Theologie lassen sich teilweise dadurch erklären, dass diese Gruppen unter Theologie jeweils etwas anderes verstehen. Die studierten Theologen haben die akademische Theologie im Kopf, die Gegner der theologischen Arbeit verbinden mit der Theologie eher liberale Strömungen, haben jedoch eine hohe Meinung von der biblischen Lehre.

Tatsächlich ist es allerdings so, dass jeder Christ in einem gewissen Sinn ein Theologe ist. Es geht gar nicht um die Frage, ob jemand theologische Überzeugungen hat, sondern vielmehr darum, was für theologische Überzeugungen jemand hat. Entweder ist unsere Theologie gut, das heißt schrifttreu. Oder sie ist schlecht, was bedeutet, dass sie Dinge vernachlässigt, die in der Heiligen Schrift offenbart sind, etwas überbetont oder über Dinge hinausgeht, die in der Schrift stehen (oder unsauber darstellt). Insofern ist in einem gewissen Sinne bereits das Kind in der Sonntagsschule ein „Doktor der Theologe“.

Zugleich müssen wir allerdings feststellen, dass es unterschiedliche Personenkreise oder „Maße“ für die Theologie gibt.

Wir haben (1) eine Theologie für alle Jünger, also eine Laientheologie. Ich gebrauche dieses Wort keinesfalls abwertend, sondern gemäß dem Anliegen des allgemeinen Priestertums. Für diejenigen, die glauben, gilt (1Petr 2,9–10):

„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliges Volk, das Volk, das er sich zu eigen machte, damit ihr verkündet die Wohltaten dessen, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. Ihr seid die, die einst kein Volk waren, jetzt aber das Volk Gottes sind, die einst keine Barmherzigkeit erlangten, jetzt aber Barmherzigkeit erlangt haben.“

Ein Christ ist von Gott dazu auserwählt, die Wohltaten seines Herrn „auszurufen“, „zu verkünden“ oder „zu proklamieren“ (griech. ἐξαγγέλλω). Dieser Verkündigungsdienst setzt natürlich voraus, dass die Priester mit dem Evangelium vertraut sind. Gläubige des Neuen Bundes haben nicht nur Gemeinschaft miteinander und feiern das Herrenmahl, sie halten fest an der „Lehre der Apostel“ (Apg 2,42). Christen waren einst Sklaven der Sünde, sind aber jetzt von ganzem Herzen „gehorsam geworden der Gestalt der Lehre“ oder der „Wahrheit“, die ihnen durch die Apostel übergeben wurde (Röm 6,17; 1Petr 1,21).

In diesem Sinne ist jeder Christ Priester und insofern ebenfalls Theologe. Er nimmt das Wort Gottes bereitwillig auf und forscht – wenn möglich täglich –, ob das, was er glaubt, mit der Schrift übereinstimmt (vgl. Apg 17,11). Er verkündigt das Wort sich selbst, aber auch seinen Kindern, geistlichen Geschwistern oder Ungläubigen.

Wir haben (2) eine Theologie für die Diener der Gemeinden. Obwohl alles Christen zur königlichen Priesterschaft gehören, sind einige von ihnen mit Aufgaben betraut, die eine besondere theologische Kompetenz erfordern. Ich denke hierbei nicht an die Lehrer und Hirten, sondern an Mitarbeiter, deren Aufgaben bereits ein tieferes Verständnis für die „göttlichen Dinge“ voraussetzen.

In der Apostelgeschichte wird uns davon berichtet, dass die Apostel nicht mehr genug Zeit für das Wort Gottes und das Gebet hatten, da zu viele praktische Tätigkeiten zu verrichten waren (vgl. Apg 6,1–4). Um diesen Umstand zu ändern, wurden Diakone eingeführt, die die Apostel in ihrem geistlichen Dienst entlasten sollten. Obwohl sich die Diakone vor allem um leibliche Bedürfnisse und praktische Aufgaben kümmerten, achtete die Gemeinde in Jerusalem darauf, dass diese Männer stark im Glauben und vom Heiligen Geist erfüllt waren.

Es trifft zu, dass von den Diakonen im Unterschied zu den Ältesten keine Lehrfähigkeit erwartet wird (s. 1Tim 3,8–13). Dennoch sollen sie das „Geheimnis des Glaubens in einem reinen Gewissen bewahren“ (1Tim 3,9). Den Ausdruck „Geheimnis des Glaubens“ verwendet der Apostel Paulus anderswo zur Bezeichnung des offenbarten Evangeliums (vgl. 1Kor 2,7ff.; Eph 3,3–9; 1Tim 3,16). Gemeint ist also, dass sie das Evangelium verstanden haben, ihm vertrauen und in Übereinstimmung mit ihm leben.

Bei unterschiedlichsten Diensten in den Gemeinden wird mehr erwartet als ein persönlicher Glaube und charakterliche Festigkeit. Ich denke da an Christen, die Gottesdienst leiten, die Kinder schulen oder Hauskreise führen. Solche Mitarbeiter sollten gründlich in der biblischen Lehre geschult sein.

Wir haben (3) eine Theologie für Hirten, Verkündiger und Lehrer der Gemeinden. Wer in der Gemeinde öffentlich unterrichtet, braucht die „Fähigkeit zu lehren“ (vgl. 1Tim 3,2). Von ihm darf erwartet werden, dass er „sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht, damit er imstande ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen“ (Tit 1,9).

Schließlich haben wir (4) eine Theologie für die Lehrer zukünftiger Lehrer. Wir können das einem Rat entnehmen, den Paulus seinem Mitarbeiter Timotheus weitergibt (2Tim 2,2): „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren.“

Ich möchte an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen. Aber sicher ahnen wir, was gemeint ist: Es gibt erfahrene, begabte und hoffentlich bewährte Lehrer, die bei der Zurüstung zukünftiger Lehrer und Prediger helfen.

Es geht hier freilich nicht um unterschiedliche Theologien für unterschiedliche Kreise, sondern um unterschiedliche Maße der Gottesgelehrtheit mit der einen Lehre des Christus. Von Lehrern wird ein höheres Maß der Gottesgelehrtheit erwartet als von Diakonen, die beispielsweise für die Gemeindefinanzen zuständig sind. Obwohl alle Christen in einem Sinne Priester sind, sind nicht alle Lehrer (1Kor 12,29; Eph 4,11).

Noch etwas: Wem Gott viel anvertraut, von dem wird er auch viel erwarten (vgl. Lk 12,48). Einem Menschen, dem viel gegeben wurde, der aber andere zur Sünde verführt, erwartet am Tag des Gerichts eine sehr harte Strafe. Jesus sagt in Mt 18,6: „Wer aber einen dieser Geringen, die an mich glauben, zu Fall bringt, für den wäre es gut, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde.“ Hirten, Pastoren und Lehrer haben deshalb eine besonders große Verantwortung. Deshalb warnt Jakobus (Jak 3,1): „Es sollen nicht viele von euch Lehrer werden, meine Brüder! Denn ihr wisst, dass wir als solche ein noch strengeres Urteil empfangen werden“ (vgl. a. 2Kor 11,15). Wer andere Christen durch falsche Lehren verwirrt, „wird das Urteil tragen, wer er auch sei“ (Gal 5,10).

Interview mit Martyn Lloyd-Jones

Kurz nachdem Martyn Lloyd-Jones 1968 vom Predigerdienst der Westminster Chapel zurücktrat, führte er eine Reihe von Fernsehinterviews. Zwei davon haben überlebt. In diesem Interview wird er von dem berühmten walisischen Schriftsteller Aneirin Talfan Davies befragt.

VD: KV

D.M. Lloyd-Jones "privat": Ein Familienporträt (Biografien) von Christopher Catherwood

Preis: EUR 12,50

1 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 12,50

Die Transgender-Ideologie sorgt für neue Probleme

Simon Marcus hat einen interessanten Artikel über den Zusammenhang zwischen der Transgender-Ideologie und der Krise der seelischen Gesundheit in Großbritannien verfasst. Dazu hat er aktuelle Studien ausgewertet und kommt zu dem Schluss, dass Fragen der Geschlechtsidentität viel zu schnell mit Hormonen und anderen Maßnahmen beantwortet werden. Den tiefer liegenden seelischen Konflikten wird viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.Das hilft den Menschen nicht wirklich weiter, sondern schafft neue Probleme.

Zweifellos hat es in den letzten Jahren einen kulturellen Wandel in der Geschlechterfrage gegeben. Was als Randbemerkung begann, dass es nämlich nur eine Idee ist, ein Junge oder ein Mädchen zu sein, bewegt sich in den Mainstream; heute will sogar die Regierung den Dreijährigen helfen, ihre Geschlechtsidentität zu erforschen und in Frage zu stellen. Dieser Wandel im Denken wird durch das versierte Marketing von Transgender-Wohltätigkeitsorganisationen unterstützt, die emotionale und kraftvolle Geschichten darüber erzählen, wie einfach und befriedigend der Übergang zwischen den Geschlechtern sein kann.

Hier der Artikel: blogs.spectator.co.uk.

Einführung in die christliche Ethik von Wayne Grudem

412PeCGxXOL SX393 BO1 204 203 200Wayne Grudem, Autor der auch in Deutschland bekannten Systematischen Theologie, hat nun seine Christliche Ethik vorgelegt.

John Frame sagt über das Buch:

Die christliche Ethik hat alle Vorzüge der Systematischen Theologie: Bibeltreue, Vollständigkeit, Klarheit, praktische Anwendung und Interaktion mit anderen Autoren. Seine Ermahnungen ermutigen den Leser dazu, den dreieinigen Gott anzubeten.

Hier gibt es einen 70-seitigen Auszug und hier ein ausführliches Inhaltsverzeichnis als PDFs.

An dieser Stelle zudem noch ein kurzes Interview, das der Verleger mit W. Grudem produziert hat.

Christian Ethics: An Introduction to Biblical Moral Reasoning von Wayne Grudem

Preis: EUR 54,47

6 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 54,47

VD: AN

Christliche Künstler: Lasst die Bibel nicht links liegen

Painting 3135875 1280In seinem neuesten Buch A Peculiar Orthodoxy: Reflections on Theology and the Arts verbindet Jeremy Begbie Themen wie Schönheit, natürliche Theologie, göttliche und menschliche Freiheit und die Rolle der Emotionen.

Jennifer Craft hat für CT mit dem Theologen über Kunst gesprochen und dabei ans Licht gebracht, dass es unter Künstlern ein neues Interesse an der reformierten Theologie gibt:

CT: Sie heben den Wert der reformierten Theologie für Gespräche über die Künste hervor. Wie sehen Sie die Art und Weise, wie wir über die Kunst in christlichen Gemeinschaften denken und sie praktizieren?

JB: Es ist schwer, Trends zu erklären. Aber in der immer größer werdenden Auseinandersetzung zwischen Theologie und Kunst gibt es Anzeichen für ein neues Interesse an der reformierten Tradition. Die müde, alte Karikatur des Calvinismus als Anti-Kunst wurde radikal korrigiert. Das Erbe von Schriftstellern wie Hans Rookmaaker, Nicholas Wolterstorff und Calvin Seerveld ist nach wie vor spürbar, und viele finden, dass eine reformierte Sichtweise eine dringend benötigte Frische in alte Debatten bringt. Sein vielleicht wichtigster Beitrag ist die Weigerung, die Grenze zwischen Gott und der Welt zu verwischen. Das bedeutet nicht, Gott als von der Welt geschieden oder gleichgültig zu behandeln. Aber es bedeutet, den Kosmos als geschaffen zu sehen, um Gott in seinen geschaffenen Werken zu preisen – und zu glauben, dass die Künste Gott am stärksten bezeugen, wenn sie nicht versuchen, Gott zu sein. Der Künstler kann die erstaunliche Vielfalt der physischen Welt erforschen, feiern und entwickeln, aber ohne die Welt so zu behandeln, als wäre sie Gott in Verkleidung oder in der Vorstellung, dass der Künstler göttlich ist. Dazu kommt, dass eine reformierte Perspektive jede Sentimentalität meidet – das Kreuz zeigt, dass diese Welt grundsätzlich gut ist, aber verdorben und entstellt. Der von Christus inspirierte Künstler wird zum Beispiel die natürliche Welt als glorreich, aber schmerzhaft lädiert darstellen und auf ihre kulminierende Befreiung in der neuen Schöpfung warten.

Mehr (leider nur im bezahlten Angebot von CT): www.christianitytoday.com.

A Peculiar Orthodoxy: Reflections on Theology and the Arts von Jeremy S. Begbie

Preis: ---

0 gebraucht & neu erhältlich ab

 

Die 10 Kernüberzeugungen des heutigen „progressiven Christentums“

Der Neutestamentler Michael Kruger (RTS, USA) hat auf seinem Blog eine Serie zu den 10 Kernüberzeugungen des „progressiven Christentums“ begonnen. Die „10 Gebote“ überschneiden sich durchaus mit einigen Grundeinsichten des Neo-Evangelikalismus:

  1. Jesus ist mehr ein Vorbild für das Leben als Objekt der Anbetung.
  2. Das Potential der Menschen zu bejahen ist wichtiger als sie an ihre Zerbrochenheit zu erinnern.
  3. Die Versöhnungsarbeit sollte über die kritische Urteilsbildung gestellt werden.
  4. Freundliches Verhalten ist wichtiger als der rechte Glaube.
  5. Zu Fragen einzuladen ist wertvoller als Antworten zu geben.
  6. Die Förderung der persönlichen Suche ist wichtiger als die Einheitlichkeit der Gemeinschaft.
  7. Die Deckung des tatsächlichen Bedarfs ist wichtiger als die Aufrechterhaltung von Institutionen.
  8. Friedensarbeit ist wichtiger als Macht.
  9. Wir sollten uns mehr um Liebe und weniger um Sex kümmern.
  10. Das Leben in dieser Welt ist wichtiger als das zukünftige Leben (die Ewigkeit ist ohnehin Gottes Werk).

Die Ausführungen zu den einzelnen Kernüberzeugungen können auf dem Blog abgerufen werden: www.michaeljkruger.com.

Michael Kruger ist Herausgeber des von mir 2016 empfohlenen Buches A Biblical Theological Introduction to the New Testament: The Gospel Realized (siehe hier, S. 51).

A Biblical-Theological Introduction to the New Testament: The Gospel Realized von

Preis: EUR 29,33

18 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 29,33

VD: DV

Grundgesetzänderung beantragt: Gefühltes Geschlecht soll geschützt werden

Der in Berlin regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) haben für den Senat der Hauptstadt einen Antrag auf den Weg gebracht, demgemäß das Grundgesetz geändert werden soll. In Zukunft soll sich die Verfassung in postmoderner Manier am gerade gefühlten Geschlecht orientieren.

Die BERLINER ZEITUNG meldet:

Zur Begründung schreiben sie, dass sowohl die sexuelle Identität geschützt werden müsse, „als auch das eigene geschlechtliche Selbstverständnis unabhängig davon, ob das empfundene Geschlecht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.“

Der erste Punkt ist sonnenklar: Niemand soll wegen seiner sexuellen Orientierung benachteiligt sein. Das versteht jeder. Der zweiter Punkt ist schwerer zu verstehen. Gemeint ist, dass jeder Menschen selbst entscheiden kann, welches Geschlecht er hat oder zu haben glaubt und dass diese Entscheidung dann für alle andern verbindlich ist.

Konkret sieht das so aus: Ein Mann kann angeben eine Frau zu sein, und eine Frau kann geltend machen, dass sie eigentlich ein Mann ist. Beide können aber auch entscheiden, weder Mann noch Frau zu sein sondern irgendetwas anderes. Sie können entscheiden, keinem der beiden Geschlechter anzugehören, sondern einem dritten, das noch nicht definiert ist.

Mehr: www.bz-berlin.de.

Bedford-Strohm und der Zeitgeist

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, predigte am letzten Wochenende zum Männersonntag im Westerwald über den Ersten Thessalonicherbrief. Die RHEINZEITUNG berichtet (Nr. 168, 23. Juni 2018, S. 21):

Der vielleicht wichtigste Satz in den Worten aus dem Thessalonicherbrief sei die Ermahnung zum richtigen Umgang mit den Geistern, auch den Zeitgeistern: „Prüft aber alles und das Gute behaltet.“ Zeitgeister seien nicht in sich etwas Schlechtes. „Sondern nur die Zeitgeister, die von den lebensfreundlichen Orientierungen Gottes wegführen. Etwa die Vergötzung des Geldes. Oder der Kult des Starken, wie er im nationalsozialistischen Menschenbild seinen Ausdruck fand. Oder ein nationalistischer Zeitgeist, der schon in der Vergangenheit so viel Unheil angerichtet hat.“

Es gebe aber auch den Punkt, dass Christen etwas als „Zeitgeist“ zurückgewiesen hätten, was sich am Ende als ihre ureigene biblisch gegründete Sache erwiesen habe. „Die Menschenrechte sind so ein Beispiel. Sie mussten gegen die Kirchen erkämpft werden.“ Bedford-Strohm persönlich glaubt, dass man Ähnliches auch irgendwann in der Zukunft über „den Umgang der Kirchen mit dem Thema Homosexualität sagen wird. Man, wird nicht mehr verstehen, warum wir als Kirchen aufgrund einiger weniger Bibelstellen so lange daran festgehalten haben, dass Homosexualität Sünde sei.“

Es ist schon erstaunlich, wie leichtherzig hier ein Bibeltext dafür benutzt wird, die eigenen Anliegen zu transportieren. Zweifelsohne können Reichtum oder Nationenstolz zum Götzen werden. Aber der Autor des Thessalonicherbriefes hat an andere Dinge gedacht, als das zitierte Schreiben verfasst wurde.

Interessanterweise findet sich die Aufforderung zur Prüfung des Guten ausgerechnet im Kontext von Ermahnungen zum heiligen Leben angesichts des kommenden Gerichtstages („… denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht“, 5,2). Der Apostel ermahnt etwa zu fairem Handel unter Glaubensgeschwistern (4,6), (recht antimarxistisch) zur fleißigen Arbeit (4,11), Wachsamkeit und Nüchternheit (5,5), Frieden untereinander (5, 12) oder auch zur Zurechtweisung von Unordentlichen (o. Faulen, 5,14). Und er spricht ausdrücklich die Sexualethik an, die Bedford-Strohm für obsolet erklärt:

Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen … Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt.