Alle Dinge sind relativ

Während der Vorbereitungen für einen Vortrag zum Thema „Francis Schaeffer: Apologet zur Ehre Gottes“, bald zu halten auf der Bibelbund-Konferenz 2018 in Rehe (allerdings nicht, wie geplant, am Samstag, sondern am Montag), habe ich wieder einige Texte von Schaeffer gelesen. Es ist schon erstaunlich, wie klar er Probleme auf den Punkt gebracht hat, mit denen wir noch heute zu kämpfen haben.

Ein Beispiel:

Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der alle Dinge relativ sind und in der der letztgültige Wert in dem besteht, was das Individuum oder die Gesellschaft „glücklich“ macht oder was einem gerade ein momentanes Wohlgefühl vermittelt. Nicht nur der hedonistische junge Mensch tut das, was ihm gerade gefällt, sondern die Gesellschaft als Ganzes verhält sich so. Dies hat viele Aspekte, einer davon besteht in dem Zusammenbruch jeglicher Stabilität innerhalb der Gesellschaft.

Nichts steht fest, es gibt keine letztgültigen Normen; es zählt nur, was einen „glücklich“ macht. Dies gilt sogar für das menschliche Leben. Die Titelgeschichte der Newsweek vom 11. Januar 1982 bestand aus einem sechs- oder siebenseitigen Artikel, der überzeugend darstellte, daß das menschliche Leben mit der Empfängnis beginnt. Jeder Student der Biologie hätte dies alles schon längst wissen sollen. Wenn man dann die Seiten umblättert, stößt man auf den nächsten Artikel mit der Überschrift: „Aber ist es schon eine Person?“ Die Schlußfolgerung dieser Seite lautet: „Das Problem besteht nicht darin zu entscheiden, wann wirkliches menschliches Leben beginnt, sondern darin, wann der Wert dieses Lebens andere Überlegungen verdrängt, wie z. B. die Gesundheit oder sogar das Glück der Mutter.“ Der erschreckende Satzteil besteht in „oder sogar das Glück“.

Also kann und wird selbst anerkanntes menschliches Leben um des Glücks einer anderen Person willen beendet. Ohne feste Werte ist nur mein eigenes oder das momentane Glück der Gesellschaft von Bedeutung … Es wird natürlich zunehmend akzeptiert, daß ein neugeborenes Baby immer dann, wenn es eine Familie oder die Gesellschaft vermutlich unglücklich macht, sterben darf. Sie brauchen bloß den Fernseher anzuschalten, so kommt es zunehmend wie eine Flut über Sie.

Generation der Lustlosen

Der jungen Generation in Deutschland geht es einerseits glänzend. Es gibt  attraktive Ausbildungsmöglichkeiten oder Jobperspektiven und natürlich unglaublich fasziniernde Freizeitangebote. Sie erhalten mehr Aufmerksamkeit als wahrscheinlich jemals zuvor junge Leute sie bekommen haben. Trotzdem muss man, wie Göttinger Wissenschaftler herausfanden, seit 2005 einen Anstieg von Depressionen um 76 Prozent im Segment der 18- und 25-Jährigen verzeichnen. Jeder sechste Studierende quält sich mit Gefühlen von Hoffnungs- und Lustlosigkeit, Resignation und innerer Leere.

Woran das liegt, danach fragt die Psychotherapeutin Astrid von Friesen. Einige Antworten mögen überraschen. Nicht nur die Smartphones spielen eine Rolle, sondern auch die oft instabilen Familienverhältnisse:

Liegt es am früh einsetzenden gesellschaftlichen, durch die Eltern transportierten Leistungsdruck, der viele in die Universitäten drängt, obwohl sie zur Theorie wenig befähigt sind? Liegt es an den prekären Arbeitsverhältnissen, die Ohnmachtsgefühle evozieren und zermürben? Tiefenpsychologisch lässt sich Folgendes konstatieren: Das Trauma von hässlichen Scheidungen ebenso wie das vom Vaterverlust. Wenn zudem Eltern, besonders alleinerziehende, den eigenen Entwicklungsschritt weder des emotionalen, finanziellen noch des putztechnischen Loslassens bewältigen, kann eine hermetische Abwehr aus Bequemlichkeit und Anspruchsdenken entstehen. Fällt der vor allem durch gute Väterlichkeit geprägte gesunde Ehrgeiz aus, wird die emotionale Unterversorgung durch passiv-aggressive Dauerausbeutung der Eltern als „Muttersöhnchen“ oder „Prinzessin“ sowie durch Leistungsverweigerung beantwortet.

Hier der volle DLF-Beitrag:

 

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Gab es ein einheitliches palästinensisches Judentum?

Aus: Der neue Paulus: Handreichung zur „Neuen Paulusperspektive“, S. 42–43):

Obwohl die Kritik am Zerrbild des Judentums zu begrüßen ist, hat sich inzwischen gezeigt, dass Sanders seine Quellen einseitig gewählt und über-systematisiert sowie polemisch ausgewertet hat. Während Sanders das Gemeinsame des Judentums in Palästina betont (Common Judaism), sind die religiösen und sozialen Unterschiede zwischen den jüdischen Gruppen weniger klar präsentiert worden. Martin Hengel und Roland Deines schreiben etwa, dass Sanders’ Darstellung des Judentums nur eine Außenansicht ist. „In Palästina haben die Menschen die beachtlichen Unterschiede und Spannungen“ damals viel deutlicher zur Kenntnis genommen. Der jung verstorbene Friedrich Avemarie hat nachgewiesen, dass die rabbinische Soteriologie nicht nur als Gnadenlehre verstanden werden kann, wie das Sanders behauptet. Vielmehr gab es innerhalb des palästinensischen Judentums divergierende Gnadenlehren. Sowohl Billerbeck als auch Sanders haben die Texte jeweils einem soteriologischen Prinzip untergeordnet. Nach Avemarie lassen sich jedoch Werkgerechtigkeit und Bundesnomismus in der frührabbinischen Literatur gleichrangig und nebeneinander nachweisen. Aus etlichen jüdischen Texten geht zudem hervor, dass die soteriologische Bedeutung des Gesetzes und ihrer Erfüllung höher eingeschätzt wird, als Sanders meint. Selbst wenn es stimmt, dass die Tora nicht gegeben wurde, um in den Bund hineinzugelangen, bleibt ja die Frage nach dem Heil. Es ist dem Volk nämlich nicht gelungen, das Gesetz zu halten; und so droht bei einem Gericht nach den Werken eben doch die Verurteilung. Der eben schon erwähnte John Barclay zeigt im zweiten Kapitel seines großen Paulusbuches, dass in etlichen jüdischen Texten (er untersucht fünf Überlieferungen akribisch) etwas zu finden ist, was sich „sehr deutlich von Sanders’ Bild des ‚Bundesnomismus‘ unterscheidet“. Der Neutestamentler Jörg Frey schreibt zu Sanders Sicht des Judentums:

„Methodisch führt die Abstraktion auf Grundstrukturen zu einer Einebnung der je spezifischen Differenzen, zu einem vermeintlich einheitlichen Judentum hinter den Texten, das mit der historischen Wirklichkeit nicht mehr übereinstimmt. Neuere Untersuchungen zeigen, dass das Judentum jener Zeit in seiner Zuordnung von Tora und Heil vielfältiger und weniger schematisch war, als Sanders zugesteht.“

Die Kategorien des rabbinischen Judentums sind also weitaus flüssiger, als wie sich die Vertreter der NPP es sich wünschen.

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Heideggers Universitätskritik

Ich habe mehrfach darüber berichtet, dass der Wissenschaftsbetrieb an den Universitäten teilweise sehr „glattgebügelt“ worden ist. Besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften wird die Suche nach Wahrheit zugunsten der „Diversität“ vernachlässigt (vgl. hier). Wir haben inzwischen eine politisch korrekte Monokultur im Forschungsbetrieb. Anstatt Wahrheitsansprüche zu prüfen, suchen Studierende Aussagen ihrer Professoren, die emotional verletzen könnten. Lehrende und Kommilitonen werden in den USA wegen sogenannter „Mikroaggressionen“ inzwischen sogar denunziert.

In diesem Zusammenhang viel mir eine Aussage auf, die Peter Trawny in seinem frischen Heidegger-Buch zur Universitätskritik des Freiburger Philosophen gemacht hat (Heidegger Fragmente, 2018, S. 51):

Heidegger und die „Forschung“? Wer kann sich ernsthaft Heideggers Vorlesungen übers „faktische Leben“ oder über „Hölderlins ‚Ister‘“ an einer aktuellen Universität vorstellen?

Daher hat Heideggers Universitätskritik einen Punkt. Was, „wenn die Universität selbst keine Möglichkeit mehr bietet, einen Raum der Gefährlichkeit des eigentlichen Denkens freizugeben“? Gefahr meint hier intellektuelles Risiko, Lust zum Experiment, zum Abwegigen, zum Randständigen, philosophische Kreativität, Abstand zu den konformistischen Techniken, die nicht nur die Studierenden, sondern die Dozierenden selbst langweilen.

Ein paar Jahre später hat sich Heideggers Betroffenheit kanalisiert. „Lange Vermutetes“ bestätige sich „immer deutlicher durch die Organisation der Wissenschaften aus der Organisation ihrer Probleme“. Die Wissenschaften seien „während der letzten hundert Jahre auf das sichere Geleise ihres technischen Wesens gekommen“. Noch einmal der Hinweis auf die Gefahr-Reduzierung und Verharmlosung, d. h. auf die Unterdrückung improvisatorischer Spontaneität zugunsten bräsiger Forschungsprojekte („sichere Geleise“), die es im Philosophieren ohnehin nicht gibt.

Heidegger-Fragmente: Eine philosophische Biographie von Peter Trawny

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John Frame im Gespräch

Matthew Barrett hat kürzlich mit John Frame über sein Leben und seine kürzlich erschienene Biographie gesprochen. Hier der Podcast:

 

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Von der Gebetslosigkeit in den Gemeinden

John Onwuchekwa schreibt über das Gebet:

Ich habe in den letzten zehn Jahren in zwei Gemeinden pastoral gearbeitet. Ich war in Netzwerken, Organisationen, Seminaren, Kollektiven und anderen christlichen Gruppen tätig. Ich habe mit visionären Leitern zusammengesessen, die Gemeinden haben, die mit großartigen Strategien vorangehen. Ich habe auch mit Leitern zusammengesessen, die nicht besonders visionär sind und die Gemeinden mit schlechten Strategien betreuen. Ich habe mit begabten Menschen gearbeitet, mit Menschen mit durchschnittlichen Gaben und Menschen mit eher wenigen Gaben oder Fähigkeiten. Ich habe mit attraktiven Kirchen, Missionskirchen, Megakirchen, mittleren Kirchen und mageren Kirchen zusammengearbeitet.

Aus meiner Erfahrung heraus habe ich gelernt, dass diese Unterscheidungen nicht die wichtigsten sind, sondern unwesentlich und sekundär. Wenn ich eine Grenze ziehen müsste, um zwei Kategorien von Kirchen zu schaffen, würde sie sich nicht an diesen Unterschieden entlang ziehen. Ich habe gelernt, zwischen Kirchen die beten und solchen, die nicht beten, zu unterscheiden. Die Verpflichtung einer Gemeinde zum Gebet ist einer der wichtigsten Faktoren im Blick auf ihre Wirksamkeit im Dienst. Das Gebet ist Sauerstoff für den Christen. Es unterstützt uns. Daraus folgt, dass das Gebet eine Quelle des Lebens für jede Gemeinschaft von Christen sein muss.

Mehr: credomag.com.

Calvins Kommentar zum Römerbrief

Hier gibt es Johannes Calvins Kommentar zum Römerbrief:

Fake News in den Wissenschaften

James Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose haben sich den Spass erlaubt, bei angesehenen Wissenschaftsjournalen Aufsätze mit völlig unsinnigen Thesen einzureichen. So behaupten die Autoren etwa in einem Forschungsprojekt, dass es in Hundeparks besonders oft zu sexuellen Übergriffen zwischen Hunden komme. Der eigene anthropozentrische Erkenntnishorizont habe es zunächst erschwert, diese Übergriffe zu identifizieren. Letztlich sei es aber gelungen, zu zeigen, dass diese Parks eine Vergewaltigungskultur fördern. Etliche der eingereichten Projekte wurden akzeptiert und in den Fachzeitschriften veröffentlicht.

Die drei eher linkslastigen Akademiker wollten mit dem Experiment zeigen, dass die Wissenschaften rund um Feminismus, Rassismus, Sexualität, Gender oder die Kulturwissenschaften besonders leicht korrumpiert werden können. Es reiche dafür aus, gewisse (postmoderne) Erwartungshaltungen zu bedienen. Setzten sich Autoren beispielsweise für Frauen- oder Minderheitenrechte ein, stiegen die Chancen auf Veröffentlichung. Ergebnisse, die hingegen diesen Erwartungen nicht entsprechen, würden herausgefiltert. Mit Wissenschaft habe das wenig zu tun. Doch so ein korrupter Forschungsbetrieb, der von den Medien auch noch dankbar aufgenommen und popularisiert würde, entwickle eine starke politische und kulturelle Prägekraft.

Die publizierten Aufsätze gibt es mit weiteren Hintergrundinformation hier. WJS hat über das Experiment berichtet. Siehe zum Thema auch den Beitrag „Evidenzparadogma“.

Und nun unbedingt dieses lustige Video genießen:

Eleganter Unsinn. Wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften mißbrauchen von Alan Sokal, Jean Bricmont

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Auch Politiker können sich irren

Recep Tayyip Erdogan hat die Eröffnung der großen Moschee in Köln-Ehrenfeld als Bühne für sich benutzt. Politiker zeigten sich überrascht und enttäuscht. Allen voran der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der sich vor rund 10 Jahren vehement für den Bau der Moschee ins Zeug gelegt hatte.

Musste er wirklich überrascht sein? Als der jüdische Schriftsteller Ralph Giordano vor 10 Jahren auf das Problempotential der Ditib aufmerksam machte und – wie wir im Nachhinein festellen können – in vielen Punkten schlicht und einfach richtig lag, fiel dem damaligen Integrationsminister Armin Laschet nichts anderes ein, als den Juden Giordano in die rechte Ecke zu stellen.

Laschet hätte lieber auf die Argumente Giordanos hören sollen. Die Kölnerin Hildegard Stausberg, die beim Einkaufen hin und wieder mit Giordano klönen konnte, erinnerte im Februar 2017 in DER WELT an den 2014 verstorbenen Schriftsteller:

Auch zeigt sich immer klarer, dass enge strukturelle Verflechtungen zwischen Ditib und den türkischen Generalkonsulaten einen direkten Zugriff Ankaras hier in Deutschland ermöglichen. Was für ein Horrorszenario: Moscheen in Deutschland als servile Unterstützungszentren für die Machtfantasien eines Recep Tayyip Erdogan. Musste das alles so kommen? Mussten wir so blauäugig sein?

Giordano hat das Problempotenzial mit schonungsloser Weitsicht prognostiziert. Schon Mitte 2006 sagte er in Richtung Ditib, es gebe in den islamischen Verbänden in Deutschland Funktionäre, „die den liberalen Rahmen und die Toleranz der freiheitlichen Verfassung nutzen, um totalitäre Ansichten von Staat und Religion in ihren Enklaven durchzusetzen“.

Hier mehr: www.welt.de.

3 Fragen für Alistair Begg

Alistair Begg hat drei Fragen zu seinem Dienst beantwortet. Die erste Frage lautet: „Was ist Ihre Methode der Predigtvorbereitung?“.

Die Antwort:

Wann immer ich gebeten werde, meine eigene Vorbereitungsmethode zusammenzufassen, erwähne ich die folgenden Punkte, die ich von einem alten Pfarrer gelernt habe, als ich noch Theologiestudent war. Fünf Schritte oder Hinweise, die ich gerne im Hinterkopf behalte: Denke dich leer, lese dich voll, schreibe dich klar, bete dich heiß und sei du selbst, aber predige dich nicht selbst.

Diese Hinweise helfen mir, mich von Anfang bis Ende zu konzentrieren. Abgesehen von der wesentlichen Ermächtigung des Heiligen Geistes, ist dieser eine Aspekt der Predigtvorbereitung am engsten mit der Redegewandtheit und der Wirkung bei der Präsentation verbunden ist: Die Freiheit auf der Kanzel hängt von einer sorgfältigen Organisation des Textstudiums ab. Ein guter Lehrer macht den Weg frei, erklärt den Weg und geht dann auf dem Weg.

Die anderen Antworten gibts hier: equip.sbts.edu.

Offenbarung: Klar oder unklar?

Mit „Weiterglauben“ hat Thorsten Dietz von der Hochschule Tabor ein Buch zu zentralen Fragen des christlichen Glaubens veröffentlicht. Er will mit dem Projekt den Horizont seiner Leser aus evangelikaler Engstirnigkeit herausführen.

Gelungen ist ihm das nicht. Ich habe bereits auf eine Rezension zum Buch von Thomas Jeising aufmerksam gemacht, die Schwächen von „Weiterglauben“ aufdeckt (siehe hier). Thomas Lauterbach hat in der empfehlenswerten Zeitschrift PERSPEKTIVE ebenfalls eine Besprechung veröffentlicht (erschienen in der Ausgabe 05/2018, www.cv-perspektive.de) und geht dort besonders auf das Offenbarungsverständnis des Autors ein.

Er schreibt:

Auch wenn wir einen angemessenen Umgang mit Zweifeln in unseren Gemeinden anstreben sollen – „Seid barmherzig mit denen, die ins Zweifeln gekommen sind!“ (Jud 22) – wird Zweifel in Gottes Wort nie als Wert in sich gesehen oder als Tugend beschrieben. Vielmehr soll Zweifel überwunden werden und zu neuem Vertrauen zu Gott führen. Und zwar zu einem Gott, wie er sich selbst offenbart, nicht, wie wir ihn gerne hätten. Weil sich Gott offenbart, können wir ihn kennen und mit diesem unvergleichlichen Gott leben. Wir sind nicht im Unklaren über sein Erbarmen, seine unermessliche Gnade und die Vergebung, die er hoffnungslosen Rebellen und Sündern in Jesus zukommen lässt (1Tim 1,12-13). Weil wir all dies wissen, können wir dankbar in das Lob von Paulus einstimmen: „Ihm, der mit seiner ´unerschöpflichen` Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen“ (Eph 3,20-21).

Hier die vollständige Rezension (mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Redaktion): Perspektive 05 _ Lautberbach Rez Dietz.pdf.

Diversität zählt mehr als Wahrheit

Axel Meyer, Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz, beklagt in einem Beitrag für die NZZ die postmoderne Bildungskultur an den amerikanischen Universitäten. Besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften habe man die Suche nach Wahrheit mehr oder weniger aufgegeben. Was zählt, ist die „Diversität“.

Laut Poststrukturalismus – verkürzt auch Postmodernismus genannt – gibt es nicht eine Wahrheit, sondern viele Wahrheiten, die sich in einem Machtspiel durchsetzen oder nicht. In einigen besonders politisierten Fachbereichen, die sich mit Gender, Afrika oder anderen identitätspolitischen Themen befassen, gelten die Wahrheit und die wissenschaftliche Methode als von dem Patriarchat oktroyierte Konzepte. Der weisse Mann – da wird unverhohlen rassistisch argumentiert, als ob alle weissen Männer identisch dächten und tickten – ist der Feind, den es zu bekämpfen gilt.

Das neue Mantra in den Geisteswissenschaften heisst Diversität. Dabei wird ausgeblendet, wie rassistisch Diversitätsdenken per se sein kann, denn seit wann ist es denn wieder in Ordnung, Menschen nach Hautfarbe einzuteilen? Als ob alle Afrikaner gleich wären oder alle Hispanics gleich dächten. Man sagt, dass man mehr Diversity wolle, allerdings nur in Hautfarbe, aber nicht in Meinungen oder Fähigkeiten oder Talenten.

Obwohl Meyer in der Bewertung von Obama meines Erachtens irrt, kann ich den Artikel sehr empfehlen: www.nzz.ch.

Soziale Gerechtigkeit

Diejenigen, die mit der reformierten Szene in den USA vertraut sind, haben wahrscheinlich die Diskussion um die Erklärung zur „Sozialen Gerechtigkeit“ verfolgt. Leute wie John MacArthur oder James White haben ein Statement zur „Sozialen Frage“ veröffentlicht. Andere haben sich von dem Statement distanziert, da es über das Ziel hinausschieße. Die Tatsache, dass der Begriff „Soziale Gerechtigkeit“ kulturmarxistisch aufgeladen sei, bedeute nicht – so ihre Auffassung –, dass es keine sozialen Probleme gebe. Andere, wie etwa Kevin DeYoung, nehmen eine vermittelnde Position ein.

Zu jenen, die sich von der Erklärung distanziert haben, gehört Al Mohler. In einer „Q&A“-Sitzung hat er ausführlich zur Diskussion Stellung genommen. Im Geiste der Augustinischen Theologie äußert er sich zu McArthurs oder Tim Kellers Sichtweisen. Ich stimme übrigens Mohler in wesentlichen Punkten zu.

Hier der Mitschnitt (ich empfehle besonders die Ausführungen ab Minute 24:00):

DCTB-Tagung Norddeutschland: Glaube in stürmischen Zeiten

Die Bibelkritik hat die Verkündigung des Evangeliums enorm geschwächt. Viele Prediger glauben nicht mehr an die Kraft des göttlichen Wortes und verkündigen deshalb ihre eigenen Gedanken und zielen auf Weltverbesserung, Lebenshilfe und billigen Trost ab. Sogar in christlichen Kreisen wird der Zweifel inzwischen zelebriert. Nur verhältnismäßig wenige Verkündiger glauben noch daran, dass Gottes Wort vertrauenswürdig ist und die Verkündigung des Evangeliums zu den vorrangigen Aufgaben der Gemeinden gehört.

Muss das so sein? In mehreren Vorträgen auf der DCTB-Tagung in Norddeutschland werde ich für die damit verbundenen Probleme sensibilisieren und dazu ermutigen, trotz Gegenwinds in Kirche und Gesellschaft an der Guten Nachricht festzuhalten. Das Evangelium von Jesus Christus trägt, auch in stürmischen Zeiten.

Die Tagung wir in der Zeit vom 26. Oktober bis 28. Oktober im Geistliches Rüstzentrum in Krelingen veranstaltet. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten sind hier zu finden: 2018_ndt_flyer_digital-1.pdf.

D.F. Wallace und T.S. Eliot

Vor 10 Jahren nahm sich David Foster Wallace, der wohl bekannteste Diagnostiker der postmodernen Kultur, das Leben. Warren Cole Smith hat für CT einen rührenden Rückblick verfasst und dabei Gemeinsamkeiten zwischen Wallece und T.S. Eliot ausgemacht:

Tatsächlich, bei aller postmodernen Glaubwürdigkeit auf der Straße, beim Drogenkonsum und bei der selbst offenbarten sexuellen Promiskuität von Wallace (zumindest bis er sich Anfang der 40er Jahre niederließ und heiratete), wurde Wallace letztlich zu einem Old-School-Moralisten, zu einem Künstler, der für die Postmoderne das war, was T.S. Eliot für die Moderne war: ein Schriftsteller, der vom Brunnen des Zeitgeistes trank, um es als Warnung an andere wieder auszuspucken.

Eliot und Wallace waren sich noch in anderer Hinsicht ähnlich. Sie waren beide Söhne des Mittleren Westens, deren Eltern anspruchsvoll waren und hohe Erwartungen stellten. Beide erlebten früh im Leben literarischen Erfolg und beide spürten die Last dieses frühen Erfolgs. Beide sahen sich mit Krisen der Berufung und Depressionen konfrontiert. Beide wurden zu Stimmen ihrer Generation.

Wallace las und lehrte Eliot. Besonders bewegt war er von The Waste Land, einer Elegie der westlichen Kultur, die als eines von Eliots Meisterwerken gilt. Genau wie Wallace’s Werk ist das Gedicht bekannt dafür, anspielend, abstrus und voller ungewöhnlicher Fußnoten zu sein.

Mehr hier: www.christianitytoday.com.

Unendlicher Spaß von David Foster Wallace

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Kritik an „Ehe für alle“ wird Fall für den Presserat

Der österreichische Journalist Martin Leidenfrost hatte sich erlaubt, in einem bissigen Kommentar den politischen Einfluss der Schwulen und Lesben zu hinterfragen. So schrieb er:

Der Nationalrat ist hier mit einem Herzstück der herrschenden Ideologie konfrontiert. Wo Gläubige früher durch die Straßen zogen, um den Leib Christi zu verehren, beten sie jetzt in Latex gepresste Männerärsche an. Die Gay-Pride-Parade ist die Fronleichnamsprozession des frühen 21. Jahrhunderts. Der propagandistische Aufwand ist gewaltig: Filmindustrie und Medien massieren uns mit homosexuellen Rührdramen, die Privilegierung einer im Westen wohlsituierten Minderheit wird als „Ehe für alle“ verkauft, Andersdenkende werden an Schandpfähle gebunden. Aus einer lustigen Travestie ist eine todernste Staatsdoktrin geworden.

Was passiert? Leidenfrost wird mit dem Vorwurf konfrontiert, ein Tabu gebrochen zu haben und der Fall landet nun vor dem Presserat in Österreich.

Kurz: Diejenigen, die sich auf die Fahnen schrieben, im Namen von Toleranz, Aufklärung und Fortschritt möglichst alle Tabus zu brechen, wollen die Kritik an ihnen lieb gewordenen Überzeugungen und Rechten verbieten. Immunisierung.