Eklat um Kopftuchkonferenz an der Uni in Frankfurt

„Eigentlich sollten Universitäten Orte der freien Rede und des freien Denkens sein, doch das scheint zunehmend schwierig zu sein“, heißt es in einem Artikel von Heike Schmoll über eine Konferenz zum Thema „Das islamische Kopftuch“. Frankfurter Studenten kämpfen im Netz gegen die Veranstaltung und fordern die Absetzung der Ethnologin Susanne Schröter. Sie setzen Kritik am Kopftuch mit Rassismus gleich.

Nur gut, dass sich die Präsidentin der Universität hinter Frau Schröter und die divers besetzte Konferenz stellt.

„Äußerungen wie ,Schröter_raus‘ stehen außerhalb jeglichen sowohl wissenschaftlichen als auch demokratischen Diskurses. Sie sind daher inakzeptabel. Solche Äußerungen haben nichts mit den Qualitätsansprüchen eines akademischen Diskurses zu tun und sind allen, die sich als Mitglieder unserer Universität bezeichnen, unwürdig. Ich kann nur dazu aufrufen, verunglimpfende, beleidigende und hetzerische Kommentare weiterhin bei Instagram und gegebenenfalls anderen derartigen Plattformen zu melden“, so die Präsidentin. „Eine Hochschule ist ein Ort des wissenschaftlichen Diskurses. Ein solcher Diskurs findet auf der Grundlage der Freiheit der Wissenschaft statt. Forderungen nach einem Ausschluss von der Hochschule stehen dem entgegen“, teilte das Hessische Ministerium für Soziales und Integration der F.A.Z. mit. Grundlagen der argumentativen Auseinandersetzung seien das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und die Freiheit der Wissenschaft, so das Ministerium.

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Der Ausbruch aus Schablonen

Der Artikel ist m.W. schon etwas älter. Aber ich möchte noch einmal Thomas Wolf zitieren:

Man stelle sich nur vor, in einer Talkshow zum Thema Kitas würde ein Grüner nicht nur über die Selbstverwirklichung der Eltern reden, sondern auch das Bedürfnis der Kinder, in einem behüteten Zuhause aufzuwachsen, thematisieren. Ein Genosse würde nicht nur die Steuerhinterziehung anprangern, sondern auch über die horrenden Sätze bei der Erbschaftsteuer sprechen, die Familienunternehmen beim Eigentümerwechsel zu schaffen machen. Oder – statt gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass starke Schultern mehr zu tragen hätten als schwache – über die Wachstumseffekte eines einheitlichen, niedrigen Steuersatzes reflektieren.

Stattdessen legen sich politisch korrekte Phrasen wie Mehltau übers Land. Medienwissenschaftler Norbert Bolz zieht ein ernüchterndes Fazit: „Der Jammer der deutschen Situation ist der, dass ausgerechnet die Linken zu den großen Tabumächten geworden sind. Also die, die früher Aufklärung betrieben haben, die früher gekämpft haben für freie Meinung – überhaupt für Freiheit: Das sind die großen Tabumächte unserer Zeit.“

Wo es einst um die Utopie von einer Welt ohne Repressionen ging, herrscht heute eine Atmosphäre der Unterstellung und Verdächtigung, der Anpasserei und des Duckmäusertums, gegen die der angebliche Mief der 50er-Jahre wie Frischluft anmutet. Peter Sloterdijk bilanziert: „Wir haben uns – unter dem Deckmantel der Redefreiheit und der unbehinderten Meinungsäußerung – in einem System der Unterwürfigkeit, (. . .) der organisierten sprachlichen und gedanklichen Feigheit eingerichtet, das praktisch das ganze soziale Feld von oben bis unten paralysiert.“ Kein Wunder, dass der Mann als politisch unkorrekt gilt.

Wenn der Glaube stärker ist als die Wahrheit

Pünktlich zur Osterzeit wurden in Deutschland allerlei gönnerhafte Artikel über den Glauben der Christen veröffentlicht. Franz Alt, der 20 Jahre lang das Politmagazin REPORT moderierte, behauptete in der DER WELT, dass wahrscheinlich in keinem Buch der Welt so viele „Fake News“ stehen wie in der Bibel. DER SPIEGEL demonstriert anhand von Berichten, dass sich immer mehr Katholiken und Protestanten mit den überkommenen Glaubensinhalten schwer tun: „Wer glaubt denn sowas?“

Weitaus aufschlussreicher war für mich allerdings ein Gespräch, das mit einer prominenten Vertreterin des liberalen Protestantismus geführt wurde. Nicholas Kristof hat für die NEW YORK TIMES die Theologin Serene Jones vom Union Theological Seminary interviewt. Das UTS ist eine besondere Einrichtung. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Seminar, das übrigens einen presbyterianischen Ursprung hat und an dem Dietrich Bonhoeffer für ein Jahr Stipendiat war, zu einem führenden Zentrum des liberalen Christentums in den Vereinigten Staaten. So kann es kaum überraschen, dass Pfarrerin Jones dort zur Rektorin berufen wurde, denn sie war Vorsitzende des Universitätsprogramms für Frauen-, Gender- und Sexualitätsstudien an der Yale University und ist eine würdige Vertreterin des liberalen Christentums.

In dem Interview bezieht Prof. Jones zu vielen zentralen Fragen des christlichen Glaubens Stellung. Ich fasse ihre Antworten zu bestimmten Schlagwörtern zusammen:

1. Die Auferstehung: „Diejenigen, die behaupten zu wissen, ob es passiert ist oder nicht, machen sich selbst etwas vor. Aber dieses leere Grab symbolisiert, dass die ultimative Liebe in unserem Leben nicht gekreuzigt und getötet werden kann … Für Christen, für die die physische Auferstehung zu einer Art Obsession wird, scheint mir das ein ziemlich wackeliger Glaube zu sein. Was wäre, wenn morgen jemand die Leiche Jesu noch im Grab gefunden hätte? Würde das dann bedeuten, dass das Christentum eine Lüge war? Nein, der Glaube ist stärker als das.“

2. Sühne: „Kreuzigung ist nichts, was Gott von oben inszeniert. Die allgegenwärtige Idee eines missbrauchenden Gottvaters, der sein eigenes Kind ans Kreuz schickt, damit Gott den Menschen vergeben kann, ist verrückt. Für mich ist das Kreuz eine Verkörperung unseres menschlichen Hasses. Aber was an Ostern passiert, ist der Triumph der Liebe inmitten des Leidens. Ist das nicht Grund zur Hoffnung?“

3. Gottes Allmacht: „Ich bete nicht ein allmächtiges, allkontrollierendes, allmächtiges, allwissendes Wesen an. Das ist eine Erfindung der römischen Rechtstheorie und der griechischen Mythologie. Das ist nicht der Gott des Osterfestes. Der Ostergott ist verwundbar und mit der Welt auf tiefe Weise verbunden, die nicht darin besteht, die Welt zu manipulieren, sondern uns ständig zu Liebe, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit einzuladen.“

4. Wunder (Jungfrauengeburt): „Ich finde die jungfräuliche Geburt eine bizarre Behauptung. Es hat nichts mit der Botschaft Jesu zu tun. Die jungfräuliche Geburt wird nur dann wichtig, wenn man eine Theologie hat, in der Sexualität als sündhaft angesehen wird. Es fördert auch diese Vorstellung, dass der reine, unberührte weibliche Körper der beste Körper ist, und diese Idee hat zu Jahrhunderten der Unterdrückung von Frauen geführt.“

5. Gebet: „Ich glaube nicht an einen Gott, der sich wegen des Gebets entscheiden würde, den Krebs deiner Mutter zu heilen, aber nicht die Mutter deines nicht betenden Nachbarn. Wir können Gott nicht so beeinflussen.“

6. Tod: „Ich weiß es nicht! Es könnte etwas sein, es könnte nichts sein. Mein Glaube ist nicht an eine göttliche Verheißung über das Leben nach dem Tod gebunden. Menschen, die sich in diesem Leben gut benehmen, nur um ein Jenseits zu erreichen, das ist ein Glaube, der von einem egoistischen Motiv getrieben wird: „Ich werde gut sein, damit Gott mich mit einem Bonbonstab namens Himmel belohnen würde?“ Für mich wird das Leben in der Liebe von der einfachen Tatsache bestimmt, dass die Liebe wahr ist. Und ich bin mir absolut sicher, dass es nach unserem Tod keine Gruppe von designierten schlechten Menschen gibt, die in der Hölle verbrannt werden sollen. Das gibt es nicht.“

7. Emergentes Christentum: „Das Christentum befindet sich an einem gewissen Wendepunkt, … Dieses Ringen mit dem Klimawandel und das Ringen mit dem Ausmaß der Gewalt in unserer Welt, das Ringen mit dem Autoritarismus und dem hartnäckigen Charakter der Geschlechterunterdrückung – es zwingt Gemeinschaften in allen Religionen zu sagen: „Etwas stimmt hier nicht“. Es ist eine spirituelle Krise. Viele nicht-religiöse Menschen spüren das auch. Wir brauchen einen neuen Weg, um darüber nachzudenken, was es bedeutet, ein Mensch zu sein und was der Sinn unseres Lebens ist. Für mich fühlt sich dieser Moment apokalyptisch an, als ob etwas Neues darum kämpft, geboren zu werden … Heute fühle ich diesen spirituellen Boden um uns herum, der wieder zittert. Die Strukturen der Religion, wie wir sie kennen, sind bankrott gegangen und brechen zusammen. Was wird dabei herauskommen? Das ist es, was unsere Kinder und die Kinder unserer Kinder sich vorstellen und bauen müssen.

Eigentlich ist nichts neu an diesen Ideen. Etliche sind uralt und längst im breiten Spektrum derjenigen angekommen, die sich zum lebendigen Kern des Christentums zählen (denken wir nur an Brian McLaren, Rob Bell oder Tony Jones). Bemerkenswert ist für mich, dass die Überzeugungen von Serene Jones an keinem der genannten Punkte mehr originär christlich sind. All das, was sie sagt, kann man als Nichtchrist auch sagen. Wahrscheinlich kann man es besser sagen. Diese Religion der Mitmenschlichkeit mag für manche attraktiv erscheinen. Ich finde sie bedauernswert. Hier ist nichts, worauf ich hoffen könnte.

Noch etwas fällt mir auf: Bei bestimmten Themen ist von Dekonstruktion und Skepsis nichts mehr zu spüren. Fest steht etwa: Gott hat mit der Kreuzigung nichts zu tun; der allmächtige Gott ist eine Erfindung der griechischen Mythologie und des römischen Rechtssystems; die Hölle gibt es nicht.

Eine letzte Beobachtung sei erwähnt: Für die Pfarrerin Jones lautet das Evangelium: Menschen benehmen sich in diesem Leben gut, um ein Jenseits zu erreichen. Irgendwie muss es ja so sein, denn Jesus kann für sie nicht Gottes Sohn sein, der mit seinem Sühneopfer die Rechtfertigung aus Glauben ermöglicht. Aber ist es nicht traurig, wenn eine Botschafterin der Kirche selbst keine Ahnung davon hat, was das Evangelium ist? Ein Glaube, der den Menschen sich selbst überlässt, wird keine Berge versetzen, sondern Menschen ins Unglück zerren.

Hier das vollständige Interview: www.nytimes.com.

Francis Schaeffer: Den Lauf der Geschichte ändern

Hier eine Rede von Francis Schaeffer, die er an Studenten der Liberty University am 23. Januar 1981 gerichtet hat. Er erläutert hier viele Grundeinsichten seiner Apologetik. Vor allem warnt er davor, sich von „Geist der Welt“ leiten zu lassen.

Anspruchslose Predigten

Gewiss ist das intellektuell anspruchsvolle Predigen kein Selbstzweck. Vor allem soll das Wort Gottes mit dem wunderbaren Evangelium durch die Predigt ausgelegt werden. Dennoch halte ich Aspekte der Kritik, die Béatrice Acklin Zimmermann in einem NZZ-Gastkommentar formuliert hat, für berechtigt. Viele Predigten, die heute zu hören sind, erinnern an die Trivialisierung und Infantilisierung, die auch in anderen Bereichen der Gesellschaft seit vielen Jahren wahrzunehmen sind, etwa in der Politik oder im TV-Angebot. Zimmermann schreibt:

Spaemann, der sich als Intellektueller mit christlicher Verortung und scharfsinniger Kritiker des Zeitgeistes in den öffentlichen Diskurs einbrachte, konstatierte einen zunehmenden intellektuellen Substanzverlust in der Kirche.

Auch der evangelische Theologe Friedrich Wilhelm Graf, der sich zur Gruppe der Religionsintellektuellen zählt, beklagt eine zunehmende Eventisierung der Gottesdienste und beobachtet vielfältige Tendenzen der Trivialisierung und Infantilisierung der christlichen Freiheitsbotschaft. Laut Graf hängt die Erosion der Kirchen nicht zuletzt mit der zunehmenden Sprachlosigkeit vieler Theologen und Theologinnen zusammen, die in ihren Predigten auffällig oft den Psychojargon bedienen, ein Betroffenheitspathos zelebrieren und vor allem moralisieren würden: «Moralisieren ist nämlich eine intellektuell relativ anspruchslose Veranstaltung.»

Auch wenn man Graf nicht in all seinen Kritikpunkten beipflichten mag, so lässt es sich nicht beschönigen: Den Kirchen gelingt es immer weniger, ein intellektuell anspruchsvolles Publikum anzusprechen und zu überzeugen. Viele Intellektuelle haben den Eindruck, dass in den oftmals mit Anekdoten angereicherten, spirituell vernebelten und dem Zeitgeist angedienten Predigten elementare Spannungen und Widersprüche des Lebens kaum noch eine Rolle spielen und für die entscheidenden «letzten Fragen» kein Platz mehr bleibt. 

Mehr: www.nzz.ch.

Die Sühnewirkung des Todes Jesu

In der Paulusforschung herrscht seit längerem die Annahme vor, dass der Apostel Paulus keine in sich konsistente Lehre vom Endgericht vertrete, sondern je nach Kontext auf unterschiedliche, einander teilweise widersprechende Motive zurückgegriffen habe. Christian Stettler zeigt durch die Analyse von allen paulinischen Gerichtstexten mit Hilfe der kognitiven Frame-Semantik, dass Paulus nicht von unterschiedlichen oder gar widersprüchlichen „Gerichtskonzeptionen“, sondern von einer in sich konsistenten Gerichtserwartung ausging. Zudem vertieft der Autor die gewonnenen Erkenntnisse durch weitere exegetische Analysen, welche sich kritisch mit Ergebnissen der konfessionellen Paulusexegese und der Neuen Paulusperspektive auseinandersetzen und zu einer differenzierteren Sicht führen.

In seinem Fazit schreibt der Christian Stettler über das Gericht nach den Werken bei den Christusgläubigen unter anderem:

Paulus hat also die Sühnewirkung des Todes Jesu offensichtlich nicht nur auf Sünden vor der Taufe, sondern auch auf die Sünden von Christen bezogen. Wo Sünde nach der Bekehrung vorkommt, kann ein Christ nicht aufgrund seines noch so weitgehenden Liebeswerkes gerechtfertigt werden, sondern ist weiterhin auf die Vergebung Christi angewiesen. Im Blick auf die Rechtfertigung gilt ohnehin das ganze Leben einer Person als Einheit und wird nicht in die Zeit vor und die Zeit nach der Bekehrung aufgeteilt. Abgesehen von Jesus (2Kor 5,21) gibt es niemand, der sein ganzes Leben über ohne Sünde geblieben ist (vgl. Röm 3,9-20). Rechtfertigung selbst durch einen vollkommenen Gehorsam nach der Bekehrung ist dadurch ohnehin ausgeschlossen.

Nach Paulus sind die Glaubenden dem Gericht nach den Werken nicht enthoben, vielmehr sind sie denselben Maßstäben unterworfen wie die übrige Menschheit. Was sie jedoch von nicht an Jesus glaubenden Menschen unterscheidet, ist zweierlei: erstens, dass ihre Sünden vergeben sind, auch die, die nach ihrer Taufe geschahen, sofern sie nicht im sündigen Verhalten verharrt, sondern darüber Buße getan haben, und zweitens, dass sie mit dem Heiligen Geist, der Kraft der neuen Schöpfung, begabt sind, durch den sie ein Gott wohlgefälliges Leben führen können. Beides, Vergebung und Geist, haben sie aus Gottes Gnade empfangen, aufgrund ihres Glaubens an den gekreuzigten und auferstandenen Gottessohn. Also ist auch das neue Handeln aus dem Geist eine Wirkung des Auferstandenen, eine Wirkung der Gnade. Das neue Handeln ist ganz die Verantwortung des Menschen und zugleich ganz die Wirkung Gottes (vgl. Phil 2,12f.).

Es ist deshalb kein Widerspruch, sondern Ausdruck des typisch frühjüdischen aspekthaften Denkens des Paulus, dass nach Paulus die Rettung und Rechtfertigung im Endgericht einerseits ganz Geschenk, ganz „Gnade“ ist und denen gilt, die glauben, und andererseits Paulus dennoch die Gabe des ewigen Lebens im Endgericht auch als eine Antwort auf das Werk der Christen, auf ihren Glaubensgehorsam, ja als „Lohn“ bezeichnen kann.

Für die Untersuchung:

  • Stettler, Christian, Das Endgericht bei Paulus: Framesemantische und exegetische Studien zur paulinischen Eschatologie und Soterologie, WUNT, Band 371, Mohr Siebeck, 2017, 415 S.

wurde dem Autor der Johann-Tobias-Beck-Preis 2018 verliehen.

Joan Bakewell interviewt Martyn Lloyd-Jones

Im April 2016 informierte ich hier im TheoBlog darüber, dass ein Interview zwischen Joan Bakewell und Dr. Martyn Lloyd-Jones über die Plattform YouTube zugänglich gemacht worden ist. Inzwischen ist das Gespräch aus dem Jahr 1970 übersetzt worden und kann hier in deutscher Sprache nachgehört werden (vielen Dank an die Übersetzer und Sprecher):

Schwächt Achtsamkeit die moralische Urteilskraft?

Während die aus dem Schmalspur-Buddismus importierte Kultur der Achtsamkeit weiter in christliche Kreise einzieht (hier ein aktuelles Beispiel), mehren sich außerhalb der Wellness-Zirkel kritische Stimmen. Mark Siemons verweist heute in der FAZ Online auf eine aktuelle Studie, die die Annahme prüft, dass Meditation und Achtsamkeit eine individualistische und elitäre Kultur fördern. Die These, dass Achtsamkeitsübungen eine abschwächende Wirkung auf moralische Urteilskraft und Handlungen haben, lässt sich – so viel kann man sagen – nicht einfach von der Hand weisen. Siemons fragt sogar: „Hilft die Achtsamkeit womöglich auch dem Bösen dabei, seine dunklen Geschäfte stressfreier, gelassener und von Gewissensbissen unangefochtener zu betreiben?“

Im „European Journal of Social Psychology“ erschien kürzlich ein Aufsatz, der einem überraschenden Verdacht nachging: Schwächt die „Achtsamkeit“, diese auch über Wellnesszirkel hinaus in westlichen Gesellschaften so weit verbreitete Meditationsübung, deren wohlklingender Name Sensibilität, Umweltbewusstsein und Empathie auf unbestimmte Weise zu einer Art Super-Ethik zusammenfasst, schwächt eben diese Achtsamkeit in Wirklichkeit das moralische Empfinden? Die Hypothese von Simon Schindler, Marc-André Reinhard (beide Kassel) und Stefan Pfattheicher (Aarhus) fußt darauf, dass es bei der aus dem Buddhismus abgeleiteten Meditationsform um eine „nicht urteilende“ Konzentration auf die Erfahrung jedes einzelnen Augenblicks geht. Hat diese Art Entleerung nun nicht nur die in vielen Studien belegte Wirkung, von Stress und anderen destruktiven Emotionen zu befreien, sondern auch von Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen, selbst wenn diese durchaus angebracht wären?

Hier der Beitrag (allerdings hinter der Bezahlschranke): www.faz.net.

E21-Regionalkonferenz Süd: Im Gespräch mit M. Lohmann und A. Reindl

In der Zeit vom 31. Mai bis 1. Juni 2019 veranstaltet Evangelium21 zusammen mit der Freien Evangelischen Gemeinde München Mitte die Regionalkonferenz Süd zum Thema „zweifeln und glauben“. Der Hauptreferent Vaughan Roberts wird in seinen Vorträgen über das Buch Habakuk sprechen. Matthias Lohmann und Alexander Reindl werden ebenfalls Vorträge halten.

Ich hatte die Gelegenheit mit Matthias und Alexander über die Konferenz zu sprechen.

Hier gibt es das Interview:

Die Konferenz wendet sich vor allem an Prediger, Älteste, Gemeindemitarbeiter sowie alle Männer und Frauen, die sich für das Thema interessieren. Weitere Informationen zur Konferenz können diesem Flyer entnommen werden. Sie sind herzlich eingeladen und können sich hier anmelden!

„Die Hölle erwartet euch“

Ist schon interessant: Wenn Greta Thunberg mit der „Klimahölle“ droht, jubeln Politiker und Medien. Droht ein 30-Jähriger Sportler Homosexuellen, Alkoholikern, Dieben und Atheisten mit der Hölle, ist das Ende seiner Karriere eingeläutet:

Grund für den angedrohten Rauswurf fünf Monate vor der WM in Japan sind verschiedene Botschaften Folaus in sozialen Netzwerken. Darin verkündete der streng religiöse Folau unter anderem, dass auf Homosexuelle die Hölle warte. Der 73-fache Nationalspieler ist für die New South Wales Waratahs in der Liga Super Rugby aktiv.

„Izzy“ Folau hatte am Mittwoch auf seinem Instagram-Konto eine Botschaft veröffentlicht, in der es an die Adresse von „Trinkern, Homosexuellen, Ehebrechern“ heißt: „Die Hölle wartet auf Euch.“

Man muss die Art, wie „Izzy“ Folau kommuniziert, nicht feiern (die Hölle wartet ja auch auf Fromme und Bürgerliche, die an sich selbst glauben und dem alleinigen Retter nicht vertrauen). Warum aber darf Folau nicht sagen, was er denkt? Greta müssen wir ja auch aushalten.

Oh, oh, jetzt wird’s Kommentare geben.

Mehr: www.faz.net.

Die Dreieinigkeit Gottes und die Auferstehung

Prof. D. Blair Smith (RTS, Charlotte, NC) hat einen guten Aufsatz zum Thema „Wie uns die Lehre vom einen Gott in drei Personen zu einem tieferen Verständnis der Auferstehung führt“ publiziert. Darin heißt es über die zwei Zusicherungen, die für die Glaubenden mit der Auferstehung einhergehen: 

Augustins theologische Überlegungen führten uns zum Heiligen Geist als die Liebe, die uns mit dem Sohn verbindet und dadurch auch mit dem Vater. Das füllt nun auch die Lücke, die von Römer 8,11 noch offen ist. Denn das vollständige Bild des Paulus von der Auferstehung stellt nicht nur die Verbindung der drei göttlichen Personen mit dem Ereignis der Auferstehung dar, sondern zeichnet auch den Glaubenden in das Bild ein als vom Heiligen Geist erfüllt. Zwei Dinge folgen für uns aus der trinitarischen Gestalt der Auferstehung von Christus: Erstens wird uns unsere eigene körperliche Auferstehung damit zugesichert und zweitens wird uns die gegenwärtige Gemeinschaft mit der Dreieinigkeit durch die gnädige Einheit mit Christus angeboten. Derselbe Geist vom Vater, der den Körper des Sohnes von seinem Tod in der Geschichte auferweckt hat, wird auch unsere Körper in gleicher Weise erwecken. Die Auferstehung des Christus ist die Zusicherung und das Vorbild für unsere zukünftige Auferstehung (1. Johannes 3,1-2). Aber die Auferstehung ist nicht nur ein zukünftiges Ereignis für die Glaubenden. Sie ist auch eine gegenwärtige Realität.

Die gegenwärtige Realität unseres Auferstehungslebens in Christus ist, was die Gebete von Paulus befeuert (vgl. Eph 1,15- 23) und ihn dazu bringt, die trinitarischen Dimensionen des christlichen Lebens auszuloten. In Epheser 2 sieht Paulus zum Beispiel unsere Einheit mit Christus in der Liebe des Vaters wurzeln (Vers 4). Diese unverzichtbare Auferstehungs-Einheit hat die „neue Schöpfung“ in den Heiligen bewirkt (2Kor 5,17; 1Pet 1,3). Aufgrund dessen können wir befähigt durch den Heiligen Geist ein auf Gott ausgerichtetes Leben in Gerechtigkeit leben, an dem unser himmlischer Vater Gefallen hat. Es sind keine vollkommenen Leben, die wir führen. Die Bibel ist erfrischend realistisch, wenn es um die Versuchungen geht, die uns treffen und die dringende Notwendigkeit mit ihnen zu kämpfen. Genauso wie Jesus dem Tod gegenüberstand vor seiner siegreichen Auferstehung, so ist unser christliches Leben gekennzeichnet von kleinen Toden: Sünde, Sorgen und Leiden. Aber weil Christus vom Tod auferstanden ist und uns den Geist gegeben hat, ist unser Leben noch stärker gekennzeichnet von kleinen Auferstehungen (Röm 6,1-11).

 In deutscher Sprache kann er hier angerufen werden: BGDL122.pdf.

Gott ohne Leidenschaften

Klassische Bekenntnisse beschreiben Gott als leidenschaftslos, was mit der Unveränderlichkeit Gottes zusammenhängt. So sagt etwa das Westminster Bekenntnis in Artikel 2.1:

Es ist nur ein einziger, lebendiger und wahrer Gott, der unendlich in Wesen und Vollkommenheit ist, ganz reiner Geist, unsichtbare, ohne Körper, Körperteile und Leidenschaften … [engl. without passions]

Viele moderne Theologen behaupten, dass die traditionelle Sichtweise der göttlichen Unveränderlichkeit durch die griechische Philosophie inspiriert worden und somit vom Zeugnis der Schrift über den wahren Gott abgewichen sei. Craig A. Carter etwa, stand lange unter dem Einfluss von Karl Barth, John Howard Yoder, Mirosalav Volf oder Stanley Grenz (und damit auch unter dem Einfluss von Jürgen Moltmann). In der Gotteslehre der Revisionisten wird (grob gesprochen) die Beziehung als grundlegend für die Natur Gottes als Dreieinigkeit angesehen, indem die drei Personen als Einzelpersonen mit eigenem Willen betrachtet werden, die wie eine Familie zusammenarbeiten.

Als Carter begann, die Kirchväter gründlich zu studieren, führte das zu der für ihn überraschenden Einsicht, dass der klassische Theismus den Schriftbefund deutlich klarer repräsentiert als die Gotteslehre der Revisionisten.

In dem Buch, das ich gerade beende, verteidige ich den klassischen Theismus als die wahre Lehre der Schrift. Ich versuche, ebenfalls zu erklären, warum die Theologie des 20. Jahrhunderts dies nicht tat. Ich glaube, es hat mit einem massiven Wandel der Metaphysik in der Moderne zu tun, von der theologischen Metaphysik, die durch die nizänische Lehre Gottes hervorgerufen wurde, hin zu einer neo-paganen Metaphysik des philosophischen Naturalismus, die die Moderne dominierte. Der heute so verbreitete neue Soziale Trinitarismus und Relationale Theismus ist ein Versuch, die christliche Gotteslehre so zu revidieren, dass sie in die naturalistische Metaphysik passt, die in der Spätmoderne nach Kant und Hegel weit ausgebreitet hat.

Als ich über dieses Problem nachdachte, kam ich zu dem Schluss, dass die Revisionisten des zwanzigsten Jahrhunderts, die den klassischen Theismus einer solchen vernichtenden Kritik unterwarfen, selbst in fragwürdige, modernistische, metaphysische Annahmen verwickelt waren und Gefahr liefen, den Kontakt zur orthodoxen Tradition und den biblischen Wurzeln dieser Tradition zu verlieren. Es war ziemlich ironisch, denn der typische Zug der Revisionisten war, die Schrift zu benutzen, um die Tradition zu widerlegen und zu revidieren. Aber es begann für mich so auszusehen, als ob die moderne Hermeneutik von bestimmten philosophischen Annahmen gesteuert würde, die sich aus der postkantischen und hegelschen Metaphysik ableiten. Die Revisionisten befürworteten die „Hellenisierungsarbeit“, wonach die Kirchenväter in die Falle traten, die griechische Philosophie in die Schrift hinein zu lesen und damit den „reinen“ hebräischen Gedanken der Bibel zu verfälschen. Aber es scheint mir, dass die modernen Kritiker selbst die kantische und hegelsche Metaphysik benutzten, um die Bibel weitaus mehr zu interpretieren, als die Väter den Gedanken an Platon und Aristoteles dafür genutzt hatten.

Wir dürfen auf das Buch von Carter sehr gespannt sein. Sein vollständiger Artikel und viele andere hilfreiche Beiträge über die Leidenschaftslosigkeit Gottes sind in der aktuellen Ausgabe des Magazins CREDO zu finden: credomag.com.

HTA-Kommentare für Logos

Die Tage von Theodor Zahn oder Adolf Schlatter sind schließlich lange vorbei. Mit dem Erscheinen der Historisch-Theologischen Auslegung (HTA) hat sich das allerdings geändert. Diese Kommentarreihe zum Neuen Testament wird nun auch bei Logos verfügbar und soll in diesem Beitrag vorgestellt werden. Im Logos-Blog ist zu lesen:

Die Idee zur Veröffentlichung der HTA-Reihe geht auf die Facharbeitsgruppe Neues Testament des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT) zurück. Herausgegeben wird sie von einem vierköpfigen Team: Gerhard Maier (ehemaliger evangelischer Landesbischof von Baden-Württemberg), Rainer Riesner (emeritierter Professor für Neues Testament der TU Dortmund), Heinz-Werner Neudorfer (ehemaliger Dekan der evangelischen Landeskirche in Marbach am Neckar) und Eckhard J. Schnabel (Professor für Neues Testament am Gordon-Conwell Theological Seminary). 2004 erschien der erste Band. Bis heute sind insgesamt 14 Bände erschienen.

Der Aufbau der Historisch Theologischen Auslegung
Die Kommentare sind zwar von unterschiedlichen Autoren verfasst worden, folgen aber einem ähnlichen Aufbau. In der Einleitung wird die Entstehungsgeschichte des Buches beleuchtet. Darüber hinaus werden Aufbau und theologische Anliegen diskutiert. Im Anschluss daran folgt die Auslegung der einzelnen Abschnitte des Buches. Diese erfolgt in vier Abschnitten, die von den Herausgebern wie folgt zusammengefasst werden:

In Abschnitt I wird eine präzise und wortgetreue Übersetzung der neutestamentlichen Texte geboten.

In Abschnitt II finden sich Bemerkungen zum Kontext, zum Aufbau, zur literarischen Form oder Gattung sowie zum theologischen Hintergrund des jeweiligen Abschnitts.

Abschnitt III bietet eine gründliche Vers-für-Vers-Exegese.

Abschnitt IV ist als Zusammenfassung zu verstehen, in der auch die Wirkungsgeschichte der Verse verfolgt sowie ein Brückenschlag in die Gegenwart und die praktische Anwendung gegeben wird.

Die Historisch Theologische Auslegung (13 Bde.) ist noch für wenige Wochen zum Sonderpreis von 329,99$ vorbestellbar: de.logos.com.

Die erstaunliche Renaissance des Sozialismus

Rainer Zitelmann hat für die NZZ das sehr empfehlenswerte Buch Socialism: The Failed Idea That Never Dies von Kristian Niemietz vorgestellt.

Der totgesagte Sozialismus ist so lebendig wie schon lange nicht mehr – jedenfalls unter jungen Leuten, die sein historisches Scheitern nicht miterlebt haben. Denn Sozialismus meint ja Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität, und wer wollte schon etwas dagegen einzuwenden haben? Laut einer Umfrage des Gallup-Institutes haben 51 Prozent der jungen Amerikaner eine positive Sicht des Begriffs Sozialismus, aber nur 45 Prozent sehen den Kapitalismus in günstigem Licht. Nicht nur Bernie Sanders, auch andere demokratische Bewerber für das Präsidentschaftsamt bekennen sich zur sozialistischen Gesellschaftsordnung, zu dieser Idee eines planwirtschaftlichen Kollektivismus, die aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Auch in europäischen Ländern erlebt der Sozialismus eine für manche überraschende Renaissance. Der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn bezeichnet sich selbst stolz als Sozialisten. In Deutschland wurde im vergangenen Jahr der 200. Geburtstag von Karl Marx enthusiastisch gefeiert, in seiner Geburtsstadt Trier wurde ein überlebensgrosses Monument des kommunistischen Vordenkers aufgestellt. In Berlin wird derzeit ein Volksbegehren initiiert, das auf eine Enteignung privater Immobiliengesellschaften zielt, die mehr als 3000 Wohnungen besitzen, und der Vorsitzende der SPD-Jugendorganisation, Kevin Kühnert, fragte bereits herausfordernd, wer einem Menschen das Recht gebe, mehr als 20 Wohnungen zu besitzen.

In den letzten hundert Jahren gab es mehr als zwei Dutzend Versuche, eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen, von der Sowjetunion über das maoistische China bis nach Venezuela. Alle von ihnen haben in unterschiedlichem Maße versagt. Aber, so die Anhänger des Sozialismus, nur, weil keines dieser Experimente „realer Sozialismus“ war.  Niemietz erklärt das Phänomen mit dem Hinweis darauf, dass Sozialismus in drei Phasen auftritt. In einer ersten Phase sind Intellektuelle weltweit begeistert und preisen das System in höchsten Tönen. Das galt selbst für Massenmörder wie Stalin oder Mao.

Auf die Phase des Enthusiasmus, so zeigt Niemietz, folgt stets eine zweite Phase der Ernüchterung: Das System und seine «Errungenschaften» werden zwar noch verteidigt, aber nicht mehr unkritisch unterstützt. Mängel werden zugegeben, aber gerne dem Wirken von kapitalistischen Saboteuren, ausländischen Kräften oder als Ergebnis des Boykotts durch den «US-Imperialismus» dargestellt. Schliesslich folgt die dritte Phase, in der bestritten wird, dass es sich überhaupt um eine Form des Sozialismus gehandelt habe.

Hier der Artikel: www.nzz.ch.

Wenn Kinder auf der Strecke bleiben

Reden wir über Vereinbarkeit von Familie und Karriere, geht es meist um Elternwünsche und den Druck im Job. Was aber brauchen die Kinder? Mehr Zeit mit Mama und Papa vielleicht? Ein guter FAZ-Beitrag von Julia Schaaf über die Grenzen einer vergesellschaftlichten Erziehung:

Sabine Andresen ist Kindheitsforscherin. Seit vielen Jahren untersucht die Professorin an der Universität Frankfurt am Main das Wohlergehen von Kindern, und dafür spricht sie auch mit Jungen und Mädchen direkt. Im Rahmen der Kinderstudien des Hilfswerks World Vision zum Beispiel fragt sie Kinder, ob ihre Eltern genügend Zeit für sie haben. Ergebnis: Sofern ein Elternteil nicht oder nur in Teilzeit arbeitet, ist die überwältigende Mehrheit der Sechs- bis Elfjährigen zufrieden. Wenn Mütter und Väter beide Vollzeit machen, finden Kinder häufiger, dass die gemeinsame Zeit nicht reicht.

Offenbar stehen wir vor einem Dilemma: „Was gut ist für das Kind, ist nicht immer gut für die Befreiung aus traditionellen Rollen von Müttern und Vätern“, sagt Andresen. Und: „Vielleicht neigen wir im Moment dazu zu tabuisieren, dass Kinder es womöglich nicht so toll finden, den ganzen Tag außerhalb von zu Hause betreut zu werden.“ Kein Wunder, dass die Professorin so vorsichtig formuliert. Noch immer müssen sich Mütter – und nur Mütter! –, die Vollzeit arbeiten, vor Teilzeitfrauen und konservativen Männern permanent für ihr Lebensmodell rechtfertigen.

Mehr: www.faz.net.

Ungeliebter Stern

In Behörden und Politik wird die gendergerechte Sprache immer häufiger angewandt. Neue Umfragen ergeben allerdings, dass sich die Mehrheit der Deutschen von dem Neusprech regelrecht belästigt fühlt.

Heiko Schmoll schreibt in ihrem Artikel „Gendersprache: Ungeliebter Stern“ (www.faz.net, jedoch hinter der Bezahlschranke) unter anderem:

„Die meisten Menschen wollen nicht von einer fanatischen Minderheit in Universitäten und Rathäusern gezwungen werden, in einer verunstalteten, mit unaussprechbaren Sternchen dekorierten und sogar falschen Sprache zu sprechen“, sagte die Schriftstellerin Monika Maron zu den Ergebnissen der Umfrage. Anfang März hatte Maron zusammen mit dem Ökonomen Walter Krämer, dem Journalisten Wolf Schneider und dem früheren Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus einen Aufruf zum Widerstand gegen die Auswüchse der sogenannten geschlechterneutralen Sprache veröffentlicht.

Darin heißt es, die gendergerechte Sprache beruhe auf einem Generalirrtum, wonach zwischen natürlichem und grammatischem Geschlecht ein fester Zusammenhang bestehe. Den gebe es aber nicht, wie man an „der Löwe, die Giraffe, das Pferd“ sehen könne. Es störe ja auch niemanden, dass sich alles Weibliche von dem Wort „das Weib“ ableite. Außerdem erzeuge die Gendersprache eine Fülle lächerlicher Sprachgebilde, sei nicht konsequent durchzuhalten und außerdem kein Beitrag zur Besserstellung der Frau in der Gesellschaft.