Papst befürwortet homosexuelle Partnerschaften

Der Papst Franziskus hat einen Preis für unklare Kommunikation verdient. Mit Aussagen, die er in einer am Mittwoch in Rom vorgestellten Dokumentation gemacht hat, setzt er die Katholische Kirche und die Welt allgemein in Erstaunen. Domradio meldet:

In einer Szene sagt er: „Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu leben.“ Sie seien Kinder Gottes. „Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht.“ Betroffene sollten rechtlich abgesichert sein. Dafür habe er sich auch eingesetzt.

Während der Papst schon in früheren Aussagen eine Duldung eingetragener Partnerschaften für Homosexuelle signalisierte, spricht er sich dieses Mal ausdrücklich für eine solche rechtliche Form der Partnerschaft aus. Eine gleichgeschlechtliche Ehe hingegen lehnt er weiterhin ab.

Zuvor hatte er 2010 als Erzbischof von Buenos Aires anlässlich der Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe in seinem Heimatland Argentinien von einem „Schachzug des Teufels“ gesprochen. Die zuvor dort geltende eingetragene Partnerschaft duldete er hingegen.

Was meint Franziskus nun, wenn er von dem Recht spricht, in einer Familie zu leben? Will er damit auch das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partner einfordern? Was genau meint er mit: „Sie sind Kinder Gottes?“.

Klar ist bei allen offenen Fragen, dass sich der Papst von der Auffassung verabschiedet hat, die die von ihm geleiteten Kirche offiziell vertritt. In den „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“ aus dem Jahr 2003 heißt es unter Punkt 11:

Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen. Das Gemeinwohl verlangt, dass die Gesetze die eheliche Gemeinschaft als Fundament der Familie, der Grundzelle der Gesellschaft, anerkennen, fördern und schützen. Die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften oder deren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu einem Modell in der gegenwärtigen Gesellschaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören. Die Kirche kann nicht anders, als diese Werte zu verteidigen, für das Wohl der Menschen und der ganzen Gesellschaft.

Ich gehe mal davon aus, dass in der Katholischen Kirche in den nächsten Wochen viel diskutiert werden wird.

Ingolf Dalferth: Sünde ist „Blindheit für die Quelle des Lebens“

Der Theologe und Religionsphilosoph Ingolf Dalferth wird in einem DLF-Gespräch zu seinem „Sündenbuch“ befragt. Obwohl ich Dalferth in mehreren Punkten nicht folgen kann (ich deute Sünde etwa stärker als Aufstand gegen Gott), empfehle ich das Interview all jenen, die sich mit dem Thema „Sünde“ beschäftigen.

Stark ist Dalferths Kritik am Selbstverwirklichungswahn und dem Transhumanismus:

Oh, ja. Ich meine, das 20. Jahrhundert ist voll von diesen Versuchen. Man versucht, einen neuen, einen besseren, einen effektiveren Menschen zu schaffen. Das waren nicht nur die Versuche in den 20er- und 30er-Jahren in den bekannten Regimen. Das ist in der Gegenwart ganz massiv der Fall, wenn ich ins Silicon Valley blicke. Die Versuche, die Beschränktheiten und Begrenztheiten und Schwächen des Menschen, die vor allem von dort aus gesehen ins seinen körperlichen Bestimmtheiten liegen, führen dazu, dass man die Körperabhängigkeit des Menschen abbauen muss und dafür sich einsetzen sollte, dass es zu einer konstruktiven, produktiven Mensch-Maschine-Vereinigung kommt.

Das sind die transhumanen Entwürfe, die Zukunftsbilder sind, die nicht, wie viele andere Menschenbilder, versuchen, die Vernunft gegenüber dem Körper oder den Körper gegenüber der Vernunft starkzumachen, sondern diese ganze Geschichte so zu überwinden, dass wir aus der Körperlichkeit hinauskommen und mit den Maschinen in eine neue Symbiose begeben. Und warum ist das interessant? Weil das verknüpft wird mit Erwartungen, dass wir zum Beispiel auch das Todesproblem lösen können.

Auch sein Buch ist übrigens eine Fundgrube zum Thema.

  

Der wahre Grund unseres Glaubens

Heinrich Bullinger (Schriften, Bd. 1, 2004, S. 189):

So steht nun der wahre Grund unseres heiligen Glaubens unumstößlich fest: dass das ganze menschliche Geschlecht allein aus dem Erbarmen und der reinen Gnade Gottes durch Jesus Christus errettet, von den Sünden gereinigt und vom Fluch, vom Teufel und von der ewigen Verdammnis befreit wird. Das hatte Paulus im Blick, als er im Brief an die Römer, Kapitel 8, schrieb [vgl. Röm 8,3]: „Gott sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und verurteilte die Sünde im Fleisch durch die Sünde, d. h. durch das Sündopfer und den freiwilligen Tod Christi.“ Und im ersten Brief an die Korinther, Kapitel 1, sagt Paulus [1Kor 3,30f.]: „Christus Jesus ist uns zur Weisheit gemacht worden und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, damit es geschehe, wie geschrieben steht: Wer sich rühmt und tröstet, der rühme und tröste sich des Herrn.“

Bonhoeffer: „Die wahre Kirche stößt auf Grenzen“

Dietrich Bonhoeffer (Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde 1935−1937, Sonderausgabe, Bd. 14, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2015, S. 678–679):

Es muß immer wieder gesagt werden, daß es kein Werk der Barmherzigkeit der Kirche ist, ihre Grenze zu verleugnen. Die wahre Kirche stößt auf Grenzen. Indem sie sie anerkennt, tut sie das Werk der Liebe zu den Menschen, indem sie der Wahrheit die Ehre gibt.

Vom Nutzen des Gehorsams

Ellis Potter schreibt in seinem Buch Drei Weltformeln über Autorität (Drei Weltformeln, 2013, S. 64):

Hierarchie hat nichts mit Ungleichheit von Wert oder Bedeutsamkeit zu tun. In Gott gebietet der Vater und der Sohn gehorcht, und beide sind gleichermaßen Gott. Der Sohn ist kein Gott in Ausbildung, der auf sein Diplom wartet. Er ist kein Junior-Gott, der darauf wartet, sein Reifezeugnis entgegenzunehmen. Er ist vollständig und ewig Gott und er gehorcht. Dieses Gottesbild passt nicht in unsere gegenwärtige Kultur, weil wir denken, dass wir mehr Mensch und lebendiger sind, wenn wir gebieten und weniger Mensch sind, wenn wir gehorchen. Das kann aber nicht stimmen, wenn wir in Gottes Ebenbild geschaffen sind. Zu gehorchen ist genauso göttlich wie zu gebieten. Somit ist gehorchen genauso menschlich wie gebieten. Leider werden Hierarchie und Autorität schrecklich missbraucht und das verursacht großes Leid. Wenn Hierarchie jedoch ein Teil Gottes ist, dann kann sie an sich nicht die Ursache für das Leiden sein. Bob Dylan hat recht, wenn er sagt, du musst jemandem dienen.

Selbstpolitisierung der Kirchen schadet

Immer mehr gefallen sich die Kirchen als politische Akteure mit einer linken Agenda. Besonders in Deutschland. So verraten sie ihre Botschaft, vertiefen die gesellschaftliche Spaltung und werden wohl früher oder später überflüssig. Das meint Alexander Kissler in einem Beitrag für die NZZ:

Bei Franziskus und vielen ökumenischen Geschwistern wird deutlich, woraus die Flucht ins Politische sich letztlich speist: aus Kulturpessimismus. Die politisierende ist auch die panische Kirche, die sich die Gegenwart in düsteren Farben malt. Der Papst fordert einen aktiven, präsenten Staat und «wirksamere Weltorganisationen», damit diese einer «kranken Gesellschaft» und dem «moralischen Zerfall» Einhalt gebieten. Weltliche Akteure sollen einer universalen Moral zum Durchbruch verhelfen. Mehr als eine ideologische Anschubfinanzierung trauen sich die Kirchen nicht zu. Ihren grössten Gegner kennen sie. Ein abgründiger Satz in «Fratelli Tutti» behauptet, radikaler Individualismus sei «das am schwersten zu besiegende Virus». Nicht nur in Corona-Zeiten kann man diese Aussage abgeschmackt finden. Sie wirft ein grelles Licht auf das Grundproblem der Politkirchen: Sie misstrauen dem Menschen.

Noch eine Anmerkung: Möglicherweise meint Franziskus mit Individualismus den Egoismus, der aus dem menschlichen Herzen kommt. Diesem zu misstrauen, gehört zur Berufung der Kirche. Die  kollektivistische Weltordnung, die vom Papst in „Fratelli Tutti“ beschworen wird, kann freilich nicht besser sein als die menschlichen Herzen, die ihn erschaffen. Hier hat Kissler völlig recht: marxistisch inspirierte Utopien werden die Welt alles andere als zum Guten transformieren.

Hier: www.nzz.ch.

Gericht weist LGBT-Antidiskriminierungsklage gegen Fuller Seminary ab

Das ist eine gute Nachricht: Das kalifornische Fuller Seminar kann seine ethischen Standards auf der Grundlage einer Ausnahmeklausel aufrechterhalten. Zwei ehemalige Studenten behaupteten, sie seien 2018 und 2017 aufgrund ihres Geschlechts und ihrer sexuellen Identität entlassen worden und beantragten jeweils 1 Million Dollar Schadensersatz. Das Gericht entschied, dass Fuller als religiöse Organisation das Recht habe, eigene Überzeugungen über die Ehe einzufordern.

CT berichtet:

Diese Woche blockierte der Central District of California eine Klage von Joanna Maxon und Nathan Brittsan, die beide von Fuller entlassen wurden, weil sie sich nicht an die Richtlinie des Seminars zu sexuellen Standards hielten, die besagt, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau besteht und homosexuelles Verhalten verbietet.

Der Becket-Fonds für Religionsfreiheit, der Fuller vertrat, sagt, die Entscheidung des Gerichts – die erste ihrer Art für ein Seminar – stärke den verfassungsmäßigen Schutz für religiöse Institutionen, die religiöse Standards auf ihre Gemeinschaft anwenden wollen.

Mehr: www.christianitytoday.com.

Melanchthon: Deine Herrschaft soll kommen

Philipp Melanchthon schreibt in seinen Loci praecipui theologici (Bd. 2, Leipzig: Ev. Verlagsanstalt, 2020, S. 129) zum „Dein Reich komme“ im „Vaterunser“:

Von der Wirkung der ersten Bitte wird hauptsächlich gesagt: Durch die Verbreitung der Stimme des Evangeliums sollst du auch uns durch deinen Heiligen Geist leiten, mach, dass wir auf dein Wort vertrauen, lass in uns deine Herrschaft beginnen, damit wir Erben deines Reiches werden und du die Herrschaft des Teufels vernichtest, der im Menschengeschlecht fürchterlich wütet und reihum die Menschen antreibt zur epikureischen Verachtung Gottes oder zur Verehrung der Götzenbilder, zu verruchten Morden, Ausschweifungen, Lügen und anderen Tollheiten. Vor diesen Übeln schütze uns, ewiger Vater unseres Herrn Jesus Christus, und leite uns durch deinen Heiligen Geist, wie du gesagt hast: „Ich werde von meinem Geist ausgießen.“

Melanchthon: Es ist widersinnig das Gesetz nicht zu predigen

Philipp Melanchthon schreibt in seinen Loci praecipui theologici (Bd. 2, Leipzig: Ev. Verlagsanstalt, 2020, S. 129):

Und es ist eine gänzlich falsche, widersinnige und verderbliche Vorstellung, sich einzubilden, dass das Gesetz nichts ist oder nicht gepredigt werden darf. Denn es ist deshalb von den Vätern gepredigt und später mit erschütternder Stimme auf dem Berg Sinai enthüllt und unaufhörlich von den Propheten, Christus und den Aposteln wiederholt worden, damit wir wissen, dass es die ewige und unveränderliche Lehre Gottes ist, die den Zorn auf die Sünde deutlich bezeichnet. Wir sollen ebenso wissen, dass alle Menschen in dieser Verdorbenheit der Natur durch dieses Urteil Gottes verdammt worden sind und so dem Gesetz unterstehen. So wie Paulus sage „Wir sind alle beschuldigt, unter der Sünde zu stehen“, das heißt, wir sind verdammt und schuldig vor Gott So wie immer der göttliche Geist Bestand hat, so ist es notwendig, dass das Gesetz immer Bestand hat. Und die Kenntnis dieses Gesetzes bleibt in unserm Gewissen und ist erläutert durch die Stimme Gottes, der Väter, der Propheten, Christi und der Apostel. Deshalb schärft auch Christus das Gesetz so oft ein, wie Matthäus 5, und zwar fügt er eine Erklärung bei, damit wir wissen, dass durch das Gesetz nicht nur die äußeren Vergehen angeklagt werden, sondern auch die inneren Fehler, die Blindheit, der ungerechte Hass, die Flammen des Begehrens usw. Gott will also, dass in der Kirche immer die Stimme dieses Gesetzes ertönt, die den Gehorsam des Herzens verkündet.

Was darf man noch sagen und was besser nicht?

Wer sich – wie ich – für die Themen Meinungsfreiheit, gendergerechte Sprache und Cancle Culture interessiert, sollte 75 Minuten investieren und sich die TV-Sendung Hart aber fair vom 5. Oktober 2020 anschauen. Dort wird – vor allem durch die Redebeiträge von Jürgen von der Lippe, Jan Weiler und Svenja Flaßpöhler – sehr schön belegt, wie durch den „Neusprech“ Scheren in unserem Kopf entstehen. Zugleich wird offenbar, wie blass die Argumente der Lobby für eine gendergerechte Sprache letztlich sind. In dieser Hinsicht haben Stefanie Lohaus und Stephan Anpalagan einen guten Job gemacht.

Hier geht es zur ARD-Sendung „Streit um die Sprache: Was darf man noch sagen und was besser nicht?“ mit Frank Plasberg: www1.wdr.de.

Neue Enzyklika: Universelle Geschwisterlichkeit

Papst Franziskus hat mit der neuen Enzyklika „Fratelli tutti“ eine – theologisch eher blutleere – gesellschaftspolitische Utopie auf die Reise geschickt. Zum ersten Mal nennt ein Papst einen führenden Vertreter der islamischen Religion als Inspirationsquelle für seine Enzyklika: den Großscheich der Al-Azhar-Universität in Kairo.

Thomas Jansen meint:

Das Neue des Schreibens liegt ohnehin nicht in der Kapitalismus-Kritik oder den Willkommenskultur-Appellen. Bemerkenswert ist etwas Anderes: … Es hat große Symbolkraft, dass die Enzyklika in der Wiedergabe einer gemeinsamen Erklärung mündet, die der Papst und der führende sunnitische Gelehrte im Februar 2019 unterzeichnet haben. „Fratelli tutti“ könnte so ein Meilenstein im katholisch-islamischen Dialog werden – wenn die muslimische Seite reagiert.

Zugriff auf den päpstlichen Entwurf der Geschwisterlichkeit gibt es hier: www.vatican.va.

Zehn Gemeindemitglieder, die ich besonders lieben muss

Tim Challies hat einen amüsanten Text für den Gemeindealltag geschrieben. Bestimmte Kategorien von Gemeindegliedern fordern ihn nämlich besonders heraus:

  1. Die Kategorie „Untergang und Finsternis“: Diese Person neigt dazu, sich ständig darüber zu beschweren, was im Gemeindeleben vor sich geht.
  2. Die Kategorie: „Kurz davor, zu gehen“: Dieses Gemeindemitglied droht damit, dass es die Gemeinde wegen der ein oder anderen Angelegenheit verlassen werden müsse.
  3. Die Kategorie „Amateurtheologe“: Diese Person hat entweder ein umfassendes Wissen von Theologie oder glaubt zumindest, es zu haben. Dieses Wissen nutzt sie dann oft, um mit Pastoren zu diskutieren oder sie von ihrer Meinung zu überzeugen.
  4. Die Kategorie „Wusstest du schon?“: Dieses Gemeindemitglied möchte über alles in der Gemeinde „Bescheid wissen“. In Wirklichkeit ist es in jeglichen Klatsch verwickelt und zeigt sich beleidigt, wenn es nicht auf dem neuesten Stand ist.
  5. Die Kategorie „Neuaufmachung“: Diese Person taucht ungefähr alle sechs Monate auf, gibt ihr Leben Jesus ab und verschwindet dann für die nächsten sechs Monate wieder.
  6. Die Kategorie „Anwalt der Gemeindesatzung“: Diese Person kennt die Satzung der Gemeinde in- und auswendig und zitiert sie jedes Mal, wenn ihm etwas nicht gefällt.
  7. Die Kategorie „Onlinepredigten“: Dieses Mitglied schaut sich die Predigten aller anderen online an, um meine dann zu kritisieren.
  8. Die Kategorie „Nostalgie“: Diese Person kennt die Geschichte der Gemeinde in- und auswendig und sieht sich in der Verantwortung, gegen alles Neue anzukämpfen, um die Vergangenheit zu bewahren.
  9. Die Kategorie „Der unversöhnliche Heilige“: Dieser Mensch hat sich vor Jahren über etwas geärgert und weigert sich, es loszulassen. Wenn er darauf angesprochen wird, findet er immer einen geistlich erscheinenden Vorwand, um seinen Groll zu rechtfertigen.
  10. Die Kategorie „Auszeit“: Egal, was man tut, dieses Mitglied weigert sich vehement, in der Gemeinde zu dienen. Es sagt Dinge wie: „Ich habe meine Pflicht bereits in der Vergangenheit erfüllt.“

Mehr hier: www.evangelium21.net.

Kleine Kritik der queeren Bibelinterpretation

Eine gekürzte Version meines Artikel über das „Hermeneutische Cruising“ ist jetzt bei Evangelium21 erschienen:

Der hermeneutische Cruiser wird beim Lesen der Bibeltexte seine Augen und Ohren für das offenhalten, was seine Wünsche und Sehnsüchte anspricht. Er ist immer dabei, „in dem Wald von Texten nach lebenseröffnenden, spannenden Spuren und Begegnungen zu suchen!“. In der Bibel herumcruisen bedeutet, die eigene erotische Erkenntnisfähigkeit und das mir gehörende erotische Wissen in die Begegnung mit den biblischen Schriften einzubringen. „Hermeneutisches Cruising setzt wie jedes Cruising in der wirklichen Welt voraus, dass ich offen bin für neue Möglichkeiten, dass ich dem Aufmerksamkeit schenke, was mir neu vor Augen kommt, meine Neugier erregt oder als vielversprechendes Signal daherkommt – und mich einfach darauf einlasse.“ Es geht nicht um institutionelle Anerkennung oder den Entwurf einer neuen Ethik. „Der einzige ‚vernünftige‘ Grund dafür, dass wir für dieses Cruising Zeit und Energie aufwenden, ist, dass wir Lust haben, es zu tun, und es tun können – und dass es etwas ist, das uns wirklich Spaß macht!“

Diese Herangehensweise führt im Vergleich mit der traditionellen Hermeneutik zu einem Fokussierungswechsel. Die Einsicht, dass das menschliche Herz auf Erleuchtung durch die Schrift und den Geist angewiesen ist, wird auf den Kopf gestellt. Beim Cruising leuchtet die im eigenen Herzen liegende Kraft des Erotischen den Bibeltext aus. Die Bibeltexte werden entmachtet. Ihnen wird nicht mehr zugestanden, das Herz des Auslegers zu durchleuchten, zu ermahnen oder zu trösten. Sie werden vielmehr dazu benutzt, das eigene Begehren zu rechtfertigen und zu stimulieren.

Mehr: www.evangelium21.net.

Glaube und/oder Gefühl?

Nicht wenige Christen sind in der Frage, welche Rolle unsere Gefühle beim Glauben spielen, unsicher. Für die einen scheint der Glaube gar nichts mit Gefühlen zu tun zu haben, andere halten den Glauben hauptsächlich für eine Gefühl der Geborgenheit bei Gott. Die Probleme liegen wohl daran, dass man nicht einfach von einer Ausgewogenheit in dieser Frage sprechen kann, sondern verstehen muss, wie Gott es geordnet hat, dass der Glaube an Christus sich auf unser Leben auswirkt.

Thomas Jeising setzt Wegmarken für einen ausgewogene Sicht:

Wie die Überzeugung, dass wir essen und trinken müssen und das Wissen darüber, was nahrhaft und genießbar ist, kein Hunger und kein Durst sind, so ist der Glaube auch nicht irgendein Gefühl von Wohlsein, Sicherheit oder Geborgenheit. Der Glaube ist das Festhalten und Ergreifen der christlichen Hoffnung, die uns das Evangelium von Jesus Christus schenkt. Er ist eine Überzeugung, dass alle Zusagen des Evangeliums, die uns Gott gemacht hat, wahr und zuverlässig sind (Heb 11,1). Der Glaube baut so auf diese Zusagen, dass aus dem Glauben ein bestimmtes Denken, Wollen, Handeln, Reden und auch Fühlen folgt. Wer der Überzeugung ist, dass Geld Sicherheit und Glück bedeutet, der wird zusehen, dass er mehr davon bekommt, sein Denken und Reden wird davon bestimmt sein. Er wird sich schließlich mit ein paar Tausendern auf dem Bankkonto auch sicherer fühlen und ausgeglichener sein, als wenn ihn nur Nullen oder gar rote Zahlen vom Kontoauszug anstarren. Wer der Überzeugung ist, dass das größte Glück die Kindschaft bei Gott ist, der ist davon erfüllt, will dieses Verhältnis zu Gott pflegen und vertiefen. Und tut das auch, indem er Gottes Wort und Willen verinnerlicht und danach lebt. Er ist traurig über alles, mit dem er Gott und Jesus enttäuscht und fühlt sich dreckig, wenn er sündigt. Er freut sich an der Vergebung und am Gebet. Er fühlt sich sicher, wegen der Zusagen Gottes und findet bei Jesus Frieden. Glaube ist kein Gefühl, kann aber Gefühle machen.

Mehr: bibelbund.de.

Was ist der Mensch?

Lennox Gooding Was ist der MenschIn einer Besprechung des Buches:

  • John Lennox u. David Gooding, Was ist der Mensch? Würde, Möglichkeiten, Freiheit und Bestimmung. Dillenburg: CV, 2020, 388 S., 24,90 Euro.

heißt es:  

Kann die Philosophie der Zukunft noch Antworten auf die großen Fragen der Menschheit geben? Jürgen Habermas misstraut einer optimistischen Auskunft. Im Vorwort seiner 2019 erschienenen Genealogie des nachmetaphysischen Denkens befürchtet der inzwischen 90 Jahre alte Professor, dass die Philosophie „als Fach nur noch mit ihren begriffsanalytischen Fertigkeiten und als die Verwalterin ihrer eigenen Geschichte überlebt“. Die weitergehende Spezialisierung habe diese Wissenschaft wie andere auch ergriffen und so stehe sie in der Gefahr, „den holistischen Bezug auf unser Orientierungsbedürfnis“ preiszugeben.

Eine ähnliche Sorge hat die beiden Autoren David Gooding und John Lennox dazu inspiriert, eine vierbändige Reihe zu verfassen, in der sie sich mit den ganz großen Fragen des Menschseins beschäftigen. Denn obwohl wir immer mehr wüssten, verlören wir grundlegende philosophische Prinzipien zunehmend aus den Augen (vgl. S. 24). Deshalb orientiert sich ihre Buchreihe an den berühmten kantschen Grundfragen: „Was kann ich wissen?“, „Was soll ich tun?“, „Was darf ich hoffen?“ und: „Was ist der Mensch?“.

Mehr hier: www.evangelium21.net.