Entdeckung der Schriftrollen vom Toten Meer: Stellungnahme zur Terra-X-Folge von Alexander Schick

1947 werden nahe der archäologischen Stätte Qumran am Toten Meer im Westjordanland zufällig antike Handschriften in Höhlen entdeckt. Es handelt sich um jüdische Schriften, auch Texte aus der Bibel sind darunter – die ältesten biblischen Zeugnisse, die je gefunden wurden. Die Qumran-Schriftrollen gehören zu den wichtigsten archäologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts. 

Da ZDF hat dazu eine Terra X Folge mit dem Titel „Qumran – die geheimnisvollen Schriftrollen vom Toten Meer“ produziert. Da sich in die Produktion einige Fehler eingeschlichen haben, hat Alexander Schick, Autor des Buches Faszination Qumran, einen Faktencheck veröffentlicht: www.bibelausstellung.de.

Eltern haben ein Recht auf Homeschooling

„Bereits 2007 wurde die Bundesrepublik von den Vereinten Nationen dafür gerügt. Ihre noch aus der NS-Zeit stammende Auslegung der Schulpflicht als Schulzwang sei mit internationalen Abkommen nicht vereinbar. Die Abkommen sähen Alternativen wie Fern- und Hausunterricht vor. Vor allem aber liege die Entscheidung darüber, ob die Kinder zur Schule gehen sollen oder nicht, bei den Eltern – nicht beim Staat“ (Philip Kovce, Die Schulpflicht gehört abgeschafft!, DLF Kultur vom 01.08.2017).

Der Philosoph Sebastian Ostritsch geht aktuell der Frage nach, ob es nicht rechts-konformer und klüger wäre, den Schulzwang aufzugeben. 

In der Tat spricht viel dafür, dass sogenanntes Homeschooling nicht nur in Zeiten des staatlichen Scheiterns, sondern ganz grundsätzlich ein Recht der Eltern ist, das der Staat nicht missachten darf. Dafür spricht auch Artikel 6 Absatz 2 des Grundgesetzes. Dort heißt es: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ Ein erstaunlicher Satz, haben wir es hier doch offenbar mit einer geradezu paradoxen Bezugnahme des positiven Rechts auf etwas zu tun, das ihm als natürliches Recht vorausgeht.

Die Rede vom Naturrecht sorgt in Deutschland in der Regel für hochgezogene Augenbrauen. Zudem dürften viele hierzulande auch der Forderung nach einem staatlichen Recht auf Hausunterricht mit feindseliger Skepsis begegnen. Klingt das alles doch verdächtig nach anarcho-libertären Positionen, wie man sie vor allem aus amerikanischen Diskussionen zu kennen meint. Während aber der Libertarismus eine radikal individualistische Philosophie ist, gilt dies für das Naturrecht in seiner klassischen Form, wie sie etwa Thomas von Aquin ausgearbeitet hat, keineswegs.

Der Grundgedanke des Naturrechts basiert schlicht darauf, dass es bestimmte Neigungen, Tendenzen und Verhaltensweisen gibt, die dem menschlichen Wesen – seiner Natur – zuträglich und andere, die ihm abträglich sind. Zur Natur des Menschen, seinem Wesen, gehören aber eben nicht nur animalische Triebe wie der zur Selbsterhaltung, sondern auch das Streben nach höheren, gemeinschaftlichen Gütern. Dazu zählen insbesondere das Leben in einer Familie sowie die Zugehörigkeit zu einer politischen Gemeinschaft.

Mehr: www.welt.de.

Stilles Gebet als „Gedankenverbrechen”

In Großbritannien wurden mehrere Menschen festgenommen, weil sie „möglicherweise“ gebetet haben. ADF International informiert darüber, dass Vaughan-Spruce still und allein auf der Straße in der Nähe einer lokalen Abtreibungseinrichtung in Birmingham (UK) stand. Nachdem die Polizeibeamten sie fragten, ob sie bete, antwortete sie: „Ich bete möglicherweise in Gedanken.“ Daraufhin durchsuchte die Polizei ihren Körper sowie ihre Haare und führte sie ab. Das Video der Festnahme ging auf Twitter viral (siehe hier).

Ein zweiter Fall fand in Bournemouth (UK) statt. Dort wurde Adam Smith-Connor, der still „für seinen verstorbenen Sohn“ betete, festgenommen. Sowohl Vaughan-Spruce, als auch Smith-Connor handelten im Einklang mit Grundrechten und selbst örtlichen Vorschriften, da sie nur still standen und nicht protestierten.

„Es ist schrecklich und falsch, dass ich durchsucht, verhaftet, verhört und angeklagt wurde, nur weil ich in Gedanken gebetet habe. Zensurzonen sollen Belästigung verbieten. Aber Belästigung ist bereits illegal. Niemand sollte je belästigt werden. Was ich gemacht habe, war das Gegenteil von verletzend – ich habe einfach nur meine Gedankenfreiheit ausgeübt“, sagte Isabel Vaughan-Spruce nach ihrer Verhaftung.

Zensurzonen wie in Birmingham verbieten allen Menschen „Handlungen die als Zustimmung oder Ablehnung“ in Bezug auf Abtreibung wirken könnten. Das schließt auch „Gebet und Beratung“ ein.

Die deutsche Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) kündigte vor kurzem an, sie arbeite „mit Hochdruck“ an ähnlichen Zensurzonen. Dafür wolle sie einen neuen Ordnungswidrigkeitstatbestand schaffen. Schon seit längerem fordern Politiker wie beispielsweise Katja Mast (SPD) die Einschränkung der Versammlungs- und Meinungsfreiheit in der Nähe von Abtreibungseinrichtungen.

„Niemand sollte für seine Gedanken oder Meinungen festgenommen werden. Ganz egal wie man zum Thema Abtreibung steht, wir sollten uns einig sein, dass die Freiheit der eigenen Gedanken unverletzlich ist. Wer stilles Gebet verbietet, klagt Menschen wegen „Gedankenverbrechen“ an. Mit dem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat ist das nicht vereinbar“, stellte Dr. Felix Böllmann, deutscher Rechtsanwalt und Abteilungsleiter bei ADF International, fest.

Ludwig Brühl, Sprecher für ADF International, sagte: „Die Gedanken sind frei und das sollen sie auch bleiben. Wer wissen will, wohin die Pläne der Bundesregierung in Bezug auf Zensurzonen führen, muss auf das Vereinigte Königreich blicken. Zensurzonen verbieten das freie Denken, das freie Reden und das freie Beten. Deswegen haben sie in Deutschland keinen Platz.“

Lara kann’s nicht lassen

VM Howard Lara Webseite Mockup01 1024x1024 2xFür viele Eltern ist es eine große Herausforderung, ihren Kindern beim Umgang mit digitalen Geräten und Medien gute „Erziehungsrichtlinien“ zu geben. Einerseits weiß man, dass diese Geräte ein enormes Suchtpotential haben, andererseits kommen die Kids spätestens dann, wenn sie zur Schule gehen, zwangsläufig mit diesen Spielzeugen in Berührung und sind oft kommunikativ abgeschnitten, wenn sie keinen Zugang haben.

Betsy Childs Howard, Redakteurin bei The Gospel Coalition, hat ein sehr hilfreiches Kinderbuch zu diesem Thema veröffentlicht, das nun auch in deutscher Sprache erschienen ist. Auf einfühlsame Weise zeigt sie, dass die digitalen Welten uns vom Leben im Hier und Jetzt entfremden können, auch wenn sie nicht verwerflich sind. Das Buch ermöglicht Eltern einen guten Einstieg ins Gespräch (ohne Moralkeulen).

Der Verlag schreibt:

Lara kann den Sommer kaum abwarten, denn dann darf sie wie jedes Jahr Oma und Opa auf dem Bauernhof besuchen. Sie freut sich auf ihre Großeltern, die Tiere, das Mitarbeiten in der Scheune und das Spielen mit Cousin Robin und Cousine Pia. Doch dann bekommt Lara ein neues Tablet geschenkt. Obwohl sie sich so lange auf die Zeit auf dem Bauernhof gefreut hat, verbringt sie plötzlich den größten Teil des Tages allein am Bildschirm. Vielen Kindern geht es beim Gebrauch digitaler Medien wie Lara. Diese Geschichte, in kindgerechter Sprache und mit liebevoll gezeichneten Bildern erzählt, erleichtert Eltern und Erziehungsberechtigten den Gesprächseinstieg ins Thema und bietet konkrete Tipps für den Alltag.

Mehr hier: verbum-medien.de.

Rezension: Der Siegeszug des modernen Selbst

Thimo Schnittjer hat eine sehr hilfreiche Rezension zum Buch: Der Siegeszug des modernen Selbst von Carl Trueman für den Bibelbund verfasst. Er schreibt: 

Carl R. Trueman, Historiker und Theologe, hat mit diesem Werk, welches im Jahr 2020 zunächst in Englisch veröffentlicht wurde, eine bedeutende Analyse des modernen Selbst vorgelegt. Das Werk fand weite Verbreitung (vgl. z.B. die ungewöhnlich hohe Bewertungsanzahl bei Amazon) und traf offenbar den Nerv der Zeit. Die Übersetzung ins Deutsche ist aber nicht nur deshalb, sondern gerade wegen der starken Analyse sehr zu begrüßen.

Grundlegend für Truemans Darstellung sind die Forschungserträge des Philosophen Charles Taylor, des Soziologen Philip Rieff und des Ehtikers Alasdair MacIntyre. Von Charles Taylor übernimmt er u.a. die Erkenntnis, dass die westliche Weltsicht die Welt nunmehr als Rohmaterial begreift, „aus dem sich das Individuum Sinn und Bedeutung erschaffen kann“ (S. 47), ganz im Gegensatz zur früheren Sichtweise, wonach die Welt eine Ordnung und einen Sinn habe, die es zu ergründen gelte (sog. Übergang von der mimetischen zur poietischen Sichtweise).

Rieff dagegen beschreibt die Kultur des Menschen mit verschiedenen Typen. Der momentan vorherrschende Menschentyp sei der des „psychologischen Menschen“, der seine Identität „durch die nach innen gerichtete Suche nach persönlichem Glück“ (S. 54) finde. Die (moderne) Sinnstiftung, eigenen Gefühlen und Wünschen Ausdruck zu verleihen, bezeichnet Taylor als expressiven Individualismus. Die therapeutischen Bedürfnisse des Menschen stehen bei dieser Weltsicht im Mittelpunkt.

Diese Weltsicht hat weitreichende und ernstzunehmende Folgen für die Gesellschaft. Traditionelle Moralvorstellungen werden als problematisch angesehen, weil sie den inneren Wünschen im Wege stehen. Auch Meinungs- und Redefreiheit werden als Unterdrückungsmittel verstanden (so z.B. bei Herbert Marcuse), wie sich in der Diskussion um die Wortneuschöpfung „Hassrede“ zeigt. Rieff beschreibt deshalb die aktuelle Situation nicht als Kultur, sondern als Antikultur, die darauf ausgerichtet ist, traditionelle Ordnungen bewusst zu destabilisieren bzw. zu zerstören. Später bezeichnet Trueman sie auch als antihistorisch, weil sie auf verschiedene Art und Weise Gegebenheiten zu vergessen machen sucht (S. 114ff.).

Mehr hier: bibelbund.de.

Blindes Klammern an Kontextualisierung

David Helm beschreibt sehr schön, was passiert, wenn wir die Kontextualisierung zu weit treiben:

Ein blindes Klammern an Kontextualisierung verändert unser Predigen in mindestens drei Bereichen – und niemals zum Besseren. Erstens: Es beeinträchtigt unsere Perspektive beim Studium, sodass der Prediger sich in der Vorbereitung auf sei­ne Predigt mehr mit der Welt als mit Gottes Wort beschäftigt. So etwas bezeichne ich als impressio­nistisches Predigen. Zweitens: Blindes Klammern an Kontextualisierung verändert unseren Gebrauch der Kanzel: Das Wort Gottes soll dabei eher unsere enthusiastischen Pläne und Vorhaben unterstützen als die Pläne Gottes. Das nenne ich berauschtes Predigen. Und drittens: Es verschiebt unsere Sicht von Autorität. Die so „erfri­schende“ und „durch den Geist geführte“ supergeistliche Lesart des Predigers wird maßgeblich für die Wahrheit. Das nenne ich inspiriertes Predigen. So man­che Predigt, die wir als auslegend bezeichnen wür­den, wird dadurch in Wirklichkeit das Ziel verfehlen.

Mehr: www.evangelium21.net.

Andere Argumente gegen das Gendern

Befürworter der „geschlechtergerechte Sprache“ verweisen gern auf Studien, die freilich methodisch anfechtbar sind. Und es gibt noch mehr wissenschaftliche Einwände gegen das Gendern – meint Tobias Kurfer in einem hilfreichen Artikel, den er für DIE WELT geschrieben hat. Der Text enthält zudem einige Literaturhinweise.

Also:

Kontext, Wortart, Numerus (Plural oder Singular), Syntax, relative Häufigkeit von Maskulina und Worten auf „-in“, Stereotype und Weltwissen – das sind laut Forschung nur einige der Faktoren, die mitbestimmen, ob wir die Wörter Bürger, Forscher, Patienten, Demonstranten geschlechtsneutral verstehen oder eher männlich. Der Einfluss des Plurals etwa ist wohl beträchtlich. Eine Studie, die das eindrücklich zeigt, wurde 2012 mit niederländischen und deutschen Muttersprachlern durchgeführt.

Ein Ergebnis der Untersuchung war: Pluralformen generischer Maskulina wurden von den Probanden im Deutschen zu 97 Prozent korrekt verstanden, also geschlechtsneutral. Bei Rollenbezeichnungen wie Schüler, Zuschauer oder Bewohner waren es sogar 99 Prozent. Und die besonders umstrittenen Berufsbezeichnungen wie Ärzte, Politiker, Schauspieler verstanden die Versuchsteilnehmer zu 94 Prozent als neutral. Mit anderen Worten: Niemand denkt wirklich bei einem Satz wie „60,5 Millionen Bürger sind zur Bundestagswahl aufgerufen“ nur an Männer.

Mehr hier (allerdings hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Gemeindegründung im Rhein-Sieg-Kreis

Ich freue mich über ein neues Gemeindegründungsprojekt im Rhein-Sieg-Kreis. Auf der Internetseite zu der Initiative heißt es:

Das biblische Evangelium ist auch im 21. Jahrhundert Gottes Kraft, die an uns wirkt, uns Rettung schenkt und unser Leben verändert. Diese Botschaft erfüllt Christen mit einer tragfähigen Hoffnung sowie überwältigenden Freude an Gott und gehört in das Zentrum aller Gemeindearbeit.

Die Grundüberzeugungen der Reformation sind in unseren Augen unverzichtbar für ein gesundes Gemeindeleben. Ein umfassendes theologisches Bekenntnis braucht aber eine gelebte Gemeinschaft, in der die persönliche und gemeinsame Nachfolge Jesu im Zentrum stehen. Dadurch werden auch nachfolgende Generationen ausgerüstet, selbst Salz und Licht in ihrer gesellschaftlichen Situation zu sein.

Zukunftsgerichtet bedeutet für uns darüberhinaus, dass wir von Anfang an eine gemeindegründende Gemeinde sein wollen. Auf unterschiedlichen Ebenen wollen wir uns mit verschiedenen Organisationen und Gemeinden vernetzen und mit ihnen zusammenarbeiten: Wir freuen uns über die Assoziation mit der Arche Gemeinde in Hamburg. Darüberhinaus werden wir uns sicherlich in der Evangelischen Allianz Rhein-Sieg beteiligen und wir sind freundschaftlich verbunden mit ACTS29 Europe, deren Werte wir teilen. Neue Gemeinden: aus Gottes Wort, durch Gottes Wirken, zu Gottes Ehre. Hier ein orientierungsgebendes Interview mit Michael Wiche, das Pastor Peter Krell von der Hoffnungskirche in Kaiserslautern geführt hat.

Ich danke den Verantwortlichen des Gründungsprojekts für ihren Mut und wünsche Gottes reichen Segen!

Gottes unerschütterlicher Einsatz

Jonathan K. Dodson schreibt in The Unwavering Pastor (2022, S. 18): 

Das Vertrauen eines beharrlichen Pastors kommt nicht von seinen theologischen Kenntnissen, seiner Erfahrung in der Seelsorge oder seinen treuen geistlichen Disziplinen. Unser Vertrauen kommt von Gottes unerschütterlichem Einsatz für sein eigenes Evangelium, damit wir seine Gnade in Christus durch den Geist für die Sünder bewahren, schützen und fördern können. Der dreieinige Gott setzt sich unerschütterlich dafür ein, und deshalb können wir auf seine ständige Gegenwart, seine unerbittliche Vergebung, seine unaufhaltsame Gnade und seine unübertroffene Erlösungskraft zählen. Wenn du das glaubst, dann kannst auch du ein unerschütterlicher Pastor sein.

Alles ist gut

Im Rundbrief eines pietistischen Werkes las ich kürzlich folgende Worte:

„Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut“ (Gen 1,31). Am Ende der Woche blickt Gott zufrieden auf sein Werk. Alles, was er geschaffen hat, befindet er als sehr gut. In der Zeit der babylonischen Gefangenschaft hat dieser Text dem Volk Israel Hoffnung und Halt gegeben. Die Welt mag chaotisch erscheinen. Aber Gott hat alles in der Hand. Er hat alles geschaffen. Und Gott befindet seine Schöpfung für sehr gut. Das gilt auch für uns heute: „Du bist Gottes Geschöpf. Und er befindet dich sehr gut. Mit dieser Perspektive lässt sich anders leben. Aus der Pädagogik wissen wir, dass Zuspruch und Wertschätzung Menschen zum Aufblühen befähigen. Und so dürfen wir zuversichtlich mit dem Rückenwind unseres dreieinigen Gottes in das neue Jahr gehen und uns auf das freuen, was Gott an uns und durch uns bewegt.

Das ist ein in mancherlei Hinsicht bemerkenswerter Text. Einmal wird in Schleiermachscher Manier nicht mehr zwischen der Lage vor und nach dem Sündenfall unterschieden. Die traditionelle Theologie sprach von einem status integritatis vor und einem status corruptionis nach dem Sündenfall. Demnach ist die Welt seit dem Sündenfall verdorben. Schleiermacher hat sich von dieser zeitlichen und kausalen Abfolge verabschiedet und verortet die Sünde im religiösen Bewusstsein des Menschen. Aber immerhin ist für Schleiermacher nicht alles sehr gut. Die Sünde ist wirklich und hemmt das höhere Selbstbewusstsein. Für den Vater der neuzeitlichen Theologie war das Böse von Anfang an in der Welt gegenwärtig und bremst bis auf den heutigen Tag möglichen Geschichtsfortschritt auf dem Weg zum Guten. Eine defizitäre und unbiblische Sichtweise – ohne Zweifel. Aber doch erkennt Schleiermacher an, dass sich Gutes mit Bösem verschränkt. Von einem Mangel an Gutem wird in dem obigen Zitat gar nicht mehr gesprochen. Die Welt mag chaotisch erscheinen, aber eigentlich ist alles sehr gut. Vor allem bist du als Mensch und Christ einfach wunderbar!

Zudem wird das Evangelium durch „Wertschätzungspsychologie“ ersetzt. Das kommt nicht ganz überraschend. Da, wo keine Sünde ist, braucht es ja auch keine Erlösung. Menschliches Lob und Anerkennung reichen aus und lassen den Menschen aufblühen.

Das ist nicht nur tragisch, weil es mit der Welt der Tatsachen nichts zu tun hat. Jeder, der mit offenen Augen durchs Leben geht, sieht, dass die Welt nicht in Ordnung ist. Die Schönheit der Schöpfung ist gebrochen durch Leid, Krankheit, Gewalt, Sünde und Tod. „Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt“ (Röm 8,22). Und wer sein eigenes Herz kennt, weiß ebenfalls, dass nicht alles gut ist und wir zurecht täglich um Vergebung unserer Schuld bitten.

Fatal ist so ein Impuls eben auch, weil an unserem Sündenverständnis das ganze Gewicht der Evangeliumsverkündigung hängt. Wer meint, die Sünde, die uns von Gott trennt, sei nicht real, sondern nur dafür da, Menschen Schuldgefühle einzureden, wird Mühe haben, die Botschaft von der durch Christus ermöglichten Vergebung und Rettung weiterzugeben. Da reicht es aus, den Menschen zu spiegeln, wie wunderbar sie sind.

Der lutherische Theologe Gerhard Ebeling wusste noch sehr genau, wie viel davon abhängt, über Sünde in biblischen Kategorien zu denken und zu predigen. Er schreibt in seiner Dogmatik (Dogmatik des christlichen Glaubens, Bd. 1, S. 362-363):

An dem Thema Sünde hängt das ganze Gewicht dessen, was die Sache des Glaubens von allem unterscheidet, was den Menschen sonst erfüllt und bewegt. Ist es mit der Sünde nichts, so ist es mit allem nichts, wovon die Dogmatik handelt. Und zwar muss man mit aller Entschiedenheit sagen: Dann ist nicht etwa nur alles überflüssig, was im zweiten und dritten Teil der Dogmatik soteriologisch auf die Überwindung der Sünde und ihrer Folgen abzielt. Dann ist vielmehr auch alles hinfällig, was im ersten Teil der Dogmatik über Gott und über die Schöpfung gesagt war. Denn wenn der Mensch nicht Sünder ist –wohlgemerkt: dieser Mensch, der wir selbst sind –, dann ist Gott nicht Gott und die Welt nicht seine Schöpfung. Das klingt überspitzt, ist aber eine sehr schlichte Feststellung: Kann man Gott mit dem Menschen, wie er ist, zusammendenken ohne das Urteil, dass der Mensch Sünder ist, dann ist Gott etwas Nichtiges oder bestenfalls – sollte man richtiger sagen: schlimmstenfalls? – in der Tat ein Geschöpf des Menschen.

Derartige Glaubensimpulse sind gar nicht so selten. Sie verdeutlichen, warum es hin und wieder einen Weckruf braucht. Siehe: dasevangelium.net.

Die Personalisierung des Rechts

Der Blick in die Geschichte zeigt die Schattenseiten des Identitätsdenkens: die Tendenz zur Verdrängung universeller Rechte durch partikulare Ansprüche. Die Auswirkungen an den Unis sind bereits spürbar, meint der Rechtsgeschichtler Peter Oestmann. Er hat den „Dreadlock-Skandal“ um die Sängerin Ronja Maltzahn mal von seinen Studenten überprüfen lassen. Und siehe da:

Die rechtliche Grenze ist aber dann überschritten, wenn der Staat derartige Ansprüche anerkennt. Deswegen prüfte ich genau diesen Fall im ersten juristischen Staatsexamen in zahlreichen, teilweise fiktiven Abwandlungen. Sämtliche Prüflinge hielten die Absage des Konzerts, die Kündigung des Vertrages, den Wegfall der Geschäftsgrundlage, die An­fechtung we­gen Eigenschaftsirrtums und andere dogmatische Konstruktionen für un­problematisch gegeben. Niemand kam auf die Idee, dass es recht­liche Vorgaben für Frisuren überhaupt nicht gibt.

Wenn der moderne Staat nicht wachsam bleibt, droht die Wiederkehr längst überwundener ständischer Strukturen unter dem Deckmantel der Diversität und der Identitäts-Wokeness. Histo­rische Erfahrungen können zwar keine Handlungsanweisungen für gegenwärtige Fragen geben. Alle Beispiele stimmen aber in einem wesentlichen Punkt überein: Sie entstammen Rechtskulturen, in denen die Freiheit des Einzelnen keine Rolle spielte.

Mehr hinter einer Bezahlschranke: www.faz.net.

Wer ich bin, das bestimme ich

Lebensläufe waren über Jahrhunderte geprägt von unabänderlichen Fixpunkten. Die freie Geschlechtswahl, die nun in mehreren Ländern eingefordert oder schon erlaubt wird, stellt dies infrage. Menschen können ihre Biografie erfinden und dann vom Staat beglaubigen lassen. Benedict Neff hat für die NZZ beschrieben, zu was für neuen Problemen das führt und in welche merkwürdigen Verwandlungs-Paradoxien wir uns verstricken:

Wir leben in merkwürdigen Zeiten. Einerseits wird der Mensch zur Majestät seiner Existenz, andererseits zum Sklaven seiner Identität. Denn neben der freien Geschlechtswahl etablieren sich zahlreiche Verwandlungstabus, die vor allem für die Mehrheitsgesellschaft gelten. Wenn Weisse temporär einmal Schwarze oder Indianer sein möchten, wird das nicht mehr gern gesehen. Als unlängst ein Mitglied eines Appenzeller Jodlerchors bei einer «Stobete» die Bühne mit schwarz angemaltem Gesicht, Bastrock und Trommel betrat, eröffnete die zuständige Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Rassendiskriminierung. Die Aktion mag unsensibel gewesen sein, aber ist sie strafrechtlich relevant? Ein rassistisches Motiv war jedenfalls nicht zu erkennen.

Mehr: www.nzz.ch.

VD: LZ

Buchempfehlung für das Buch Der Siegeszug des modernen Selbst

In der Zeitschrift Bekennende Kirche ist eine Buchempfehlung für das Buch Der Siegeszug des modernen Selbst erschienen (Ausgabe 12/2022, Nr. 91, S. 52–54). Trueman wird dort mit folgenden Worten wiedergegeben:

Die Ursprünge dieses Buches liegen in meiner Neugierde. Ich wollte wissen, wie es sein kann, dass folgende Aussage heute stimmig erscheint: Ich bin eine Frau, die im Körper eines Mannes gefangen ist. Mein Großvater starb vor weniger als 30 Jahren, im Jahr 1994. Ich habe wenig Zweifel daran, dass er diesen Satz, wenn er ihm zu Ohren gekommen wäre, als Unsinn abgetan hätte. Heute betrachten viele diese Aussage nicht nur als sinnvoll, sondern als so bedeutsam, dass man als dumm, unmoralisch oder Träger einer irrationalen Phobie dasteht, wenn man sie in irgendeiner Weise hinterfragt oder ablehnt. Dies betrifft nicht nur Studenten, die Hochschulseminare über die Queer-Theorie oder den französischen Poststrukturalismus besucht haben, sondern ganz normale Menschen. […] Kurz gesagt: Um vom durchschnittlichen Denken der Welt meines Großvaters in die Welt von heute zu gelangen, waren allerlei gravierende gedankliche Verschiebungen nötig. Die Geschichte der Verschiebungen – oder besser gesagt ihrer Hintergründe – möchte ich in den folgenden Kapiteln darlegen.

Zentraler Punkt des Buches ist folgendeÜberzeugung: Die sogenannte sexuelle Revolution der letzten sechzig Jahre[…] kann erst dann richtig verstanden werden, wenn man sie im Kontext der umfassenden Veränderungen dessen betrachtet, wie die Gesellschaft den Menschen sieht. Die sexuelle Revolution istsowohl Symptom als auch Ursache fürdie Kultur, die uns heute überall umgibt,von den Sitcoms bis hin zum Parlament.Kurz gesagt ist die sexuelle Revolution einfach ein Ausdruck der größerenRevolution des „Selbst“, die im Westenstattgefunden hat. Erst wenn wir diesen größeren Kontext erkennen, sind wir in der Lage, die Dynamik der Sexualpolitik, die aktuell unsere Kultur beherrscht,wirklich zu begreifen.

Die Ausgabe von Bekennende Kirche kann hier heruntergeladen werden: Bekennende_Kirche_91.pdf.

Augustins Briefe

Das Buch:

  • The Letters of St. Augustine. London: SPCK, 1919, S. 336.

gibt es inzwischen als freien Download.

Enthalten sind folgende Abteilungen:

  1. Letters Prior to His Congregation
  2. Letters on Paganism
  3. Letters on the Doctrine of God
  4. Letters on African Church Divisions
  5. Letters on the Doctrine of Grace
  6. Letters on Biblical Exposition
  7. Letters to S. Jerome
  8. Letters to Women
  9. Letters on the Eucharist
  10. Letters on Diocesan Affairs
  11. Letters of the Closing Years

Hier der Link zur PDF-Datei: letters-of-augustine_sparrow-simpson.pdf.

Franken JuGo

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Zum zweiten Mal finden von Januar bis März die „Franken-JuGo’s“ in Schwabach (Nähe Nürnberg) statt. Auch dieses Jahr werden verschiedene Könige Judas und Gottes Urteil über ihr Leben betrachtet. Das wird dazu herausfordern, sein eigenes Leben aus Gottes Perspektive zu überdenken und verändern zu lassen. Gleichzeitig stehen diese Könige aber auch im Kontrast zu dem einen perfekten König, Jesus Christus, der sein Volk auch heute noch rettet und es wunderbar regiert.

Komm vorbei beim „Franken JuGo“ und lass dich herausfordern, dein Leben unter die vollkommene Herrschaft dieses wahren Königs zu stellen.

Mehr Infos unter: www.franken-jugo.de.

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