The Inspiration Cube

Wenn es möglich ist, den Segen Gottes durch einen starken Glauben zu mehren, dann ist es natürlich nützlich, den Glauben „aufzupumpen“. Es gibt einen nordamerikanischen Prediger, der sich darauf spezialisiert hat: Joel Osteen. Er zeigt uns, wie wir unser Herz mit positiven Gedanken füllen und so ein siegreiches Leben führen. In der Produktbeschreibung für „The Inspiration Cube“ heißt es:

Der tragbare Inspiration Cube bietet Ihnen über 400 ermutigende Audiobotschaften, die von Pastor Joel persönlich ausgewählt wurden! Dieses Audiogerät dient auch als Bluetooth-Lautsprecher mit hochwertigem Klang und optionalem Kopfhöreranschluss.

Ist das Satire? Das hängt von der Perspektive an. Ab 50 US-Dollar bist du dabei.

Hier das Original:

Falls ihr die Kurzbotschaften von Joel irgendwann nicht mehr hören könnt, gibt es übrigens auch eine Lösung.

VD: AG

Westliche Wissenschaft unter Generalverdacht

Andreas Bikfalvi ist Professor für Biomedizin an der Universität Bordeaux und dem Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale in Frankreich. In einem Gastbeitrag für die FAZ beschreibt er, wie die Kritische Rassentheorie inzwischen die freien Naturwissenschaften bedroht (28.07.2021, Nr. 172, S. N4). Demnach finden identitäre Ideologien  immer mehr „Einzug in unsere Gesellschaft und haben bedenkliche Auswirkungen auf alle Aktivitäten des menschlichen Geistes, besonders auf die Wissenschaft und ihre verschiedenen Anwendungsbereiche wie die Medizin und Technik“. Es gibt inzwischen Aktivisten, die die neuzeitlichen Wissenschaften als Errungenschaft der Weißen zerstören wollen.

Bikfalvi schreibt zu Richard Delgado, einem der Väter der Kritischen Rassentheorie: 

Richard Delgado, einer der Begründer der Theorie, und seine Ehefrau und Mitautorin Jean Stefancic nennen als charakteristische Elemente der kritischen Rassentheorie den Antirationalismus, die Anti-Aufklärung, die Ablehnung von Egalität im klassischen Sinne, von Liberalismus und der Neutralität des Rechts, dazukommen Referenzen auf nach eigenen Vorstellungen zu Recht interpretierte Denker wie Gramsci und Derrida sowie die Intersektionalitätstheorie mit ihren schematischen Opferhierarchien. Rassismus wird als gesellschaftlicher Normalzustand behauptet.

Als Grundlage von Wissen gilt nicht die rationale Analyse, sondern die subjektive Erfahrung und der soziale, ethnische und sexuelle Hintergrund eines Sprechers, sein Sprechort. Dazu kommt eine Obsession, jedes wissenschaftliche Faktum als soziales Konstrukt zu bezeichnen, was dazu berechtigen soll, über methodisch erworbenes Wissen nach Belieben hinwegzugehen. Tatsächlich ist eine auf möglichst objektive und gesetzmäßige Erkenntnis von Naturerscheinungen ausgerichtete Naturwissenschaft auf dieser Grundlage nicht zu betreiben.

Man möchte den Autoren nicht den Besuch eines Krankenhauses empfehlen, in dem nach ihren Prämissen gearbeitet wird. Der innere Widerspruch dieser Theorie ist, dass sie zwar einerseits jedes essentialistische Konzept verwirft, am Ende aber selbst auf eine umso stärkere Betonung von Rasse und anderen Identitätsmerkmalen hinausläuft: Rasse ist die Trennlinie zwischen verschiedenen Gruppen.

„Denn wen der Herr liebhat, den züchtigt er“

049John Bunyan schreibt über „Denn wen der Herr liebhat, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt“ (Hebr 12,6):

Darum wisse, dass deine Sünden, die du begangen hast, nachdem du den Geist der Kindschaft empfingst und Gott deinen Vater nennen darfst, als Übertretungen eines Kindes angesehen werden und nicht als Verfehlungen eines Sklaven; und dass alles, was dir aufgrund deiner Sünden widerfährt, ein Erziehungshandeln deines Vaters ist – denn „wo ist ein Kind, das der Vater nicht züchtigt?“ (Hebr 12,7). Achte einmal darauf, dass Gottes Geist zu denen, die unter einer solchen Züchtigung vergessen haben, dies als väterliches Handeln anzusehen, sagt: „Ihr … habt den Trost vergessen, der zu euch redet wie zu Kindern: Mein Sohn, achte nicht gering die Zucht des Herrn und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst!“ (Hebr 12,5; vgl. Spr 3,11-12). Und beachte auch, dass „die Zucht des Herrn“ gegenüber seinen Kindern ein Zeichen der Gnade und Liebe ist, und nicht des Zorns und der Verdammnis; daher gibt es für Gotteskinder keinen Grund mehr, sich vor der Verdammnis zu fürchten. „Denn wen der Herr liebhat, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt“ (Hebr 12,6).

Lass mich noch drei weitere Beispiele nennen, die zeigen sollen, dass Gottes Züchtigung seiner Kinder dazu führen soll, dass wir unser Vertrauen noch fester auf Ihn setzen und dass uns die Beziehung zwischen Ihm als unserem Vater und uns als seinen Kindern noch mehr bewusst wird. Zum Volk Israel sagte Mose, nachdem sie den Felsen ihrer Errettung verachteten (aus 1.Kor 10,4 wissen wird, dass dieser Felsen Christus war): „Wollt ihr so dem HERRN vergelten, törichtes und unweises Volk? Ist er nicht dein Vater, der dich erkauft hat? Er hat dich gemacht und dich bereitet“ (5.Mose 32,6), und dann hält er ihnen die Vergehungen der Vergangenheit vor. Zur Zeit des Propheten Jeremia hatte das Volk Gott die Treue gebrochen und so viel Übles getan wie nur möglich. Da sprach Gott durch den Propheten zu ihnen: „Wirst du mir von jetzt an zurufen: Mein Vater, der Freund meiner Jugend bist du!“ (Jer 3,4). Und durch Samuel sprach Er: „Fürchtet euch nicht! Ihr habt zwar all das Unrecht getan, doch weicht nicht vom HERRN ab, sondern dient dem HERRN von ganzem Herzen“ (1.Sam 12,20). Weiche daher nicht ab von deinem Vertrauen auf den Herrn, darauf, dass du sein Kind bist, dass Er dich in seine Familie adoptiert hat und du seinen Geist der Kindschaft empfangen hast, sodass du keinen Grund mehr hast, die ewige Verdammnis zu fürchten, denn Er hat dir jeden Grund zu dieser Furcht genommen.

Nun sollte aber niemand meinen, er könne ein Leben ohne Regeln und Moral führen, aufgrund der Tatsache, dass wir ein für alle Mal in Christus erlöst sind, Gott seinen Bund niemals brechen und seine Kinder niemals verlassen wird. Denn wer dies tut, der zeigt damit, dass er nicht weiß, was es bedeutet, ein Kind Gottes zu sein. Ein solches Leben bringt nur der Geist Satans hervor, der den Menschen glauben lässt, man könne Böses tun, damit Gutes daraus entsteht. Sollten wir etwa bewusst sündigen, damit die Gnade umso größer wird? Oder sollten wir alle Versuchungen des Lebens voll ausschöpfen, weil seine Gnade uns sicher vor dem ewigen Zorn bewahrt? Niemals! Eine solche Schlussfolgerung ist nur ein Beweis dafür, dass der Geist der Kindschaft und somit auch die wahre Gottesfurcht nicht vorhanden sind. Denn welcher Sohn würde es wagen zu sagen „Ich werde so leben, wie es mir gefällt und mich bemühen, meinem Vater viel Schmerz zu bereiten!“, weil der Vater die Beziehung zu seinem Sohn nicht auflösen kann?

Das Buch Gottesfurcht von John Bunyan, aus dem dieses Zitat stammt (S. 65–67), kann hier bestellt werden: herold-mission.com.

Recovering the Lost Art of Reading

41Onf25nzOL SX322 BO1 204 203 200Waldemar Henschel hat sich das Buch Recovering the Lost Art of Reading: A Quest for the True, the Good, and the Beautiful genauer angeschaut. Sein Fazit:

Die Autoren erreichen mit diesem Buch ihr Ziel, neue Freude am Lesen von Literatur zu wecken. Sie tun dies biblisch begründet und aus einer christlichen Perspektive. Sie vermeiden dabei den Fehler, zwischen „christlicher“ und „säkularer“ Literatur zu trennen. Das Wahre, Gute und Schöne lässt sich nicht nur in Büchern finden, die wir als „christlich“ klassifizieren. Zudem sind viele der heute als „christlich“ bezeichneten Bücher in Sachen künstlerische Qualität (und zu häufig auch in ihrer Theologie) leider mangelhaft, urteilen die Autoren zurecht (vgl. S. 46–48).

Insgesamt liegt hier ein sehr gutes Buch vor, das ein unterschätztes Thema aufgreift. Da eine Übersetzung in die deutsche Sprache kaum erfolgen wird, da das Buch so stark auf die englische Literatur zugeschnitten ist, kann Pastoren und Jugendleitern nur ans Herz gelegt werden, das hier behandelte Problem z.B. in Vorträgen oder Workshops aufzugreifen und die Gemeinden zu unterweisen. Um zuletzt noch einen ganz praktischen Tipp für jeden zu geben: Geh mit der Frage „Hast du in letzter Zeit irgendein gutes Buch gelesen?“ (vgl. S. 15) in das nächste Treffen mit Freunden. Das wird ein guter Anfang sein, um das Gespräch auf gute Bücher zu bringen.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

Christ­lich-bibli­sche Symbo­lik in den weltanschaulichen Debatten

Peter Gauweiler setzt sich in der FAZ (FAZ, 24.07.2021, Nr. 169, S. 11) mit den symbolischen Reflexen in der heutigen Politik auseinander und findet, dass selbst in einer postchristlichen Gesellschaft die christlich-biblische Symbolik noch in vielen Debatten zu finden ist:

Trotz leerer Kirchen­bän­ke blei­ben auch in der Hoch­mo­der­ne welt­an­schau­li­che Ausein­an­der­set­zun­gen fest in christ­lich-bibli­scher Symbo­lik veran­kert. Auf diese phäno­me­na­le Kontin­genz macht aktu­ell der briti­sche Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Tom Holland in seiner Kultur­ge­schich­te des Chris­ten­tums aufmerk­sam: „Herr­schaft – Die Entste­hung des Westens“. Eines seiner verblüf­fends­ten Beispie­le ist die Kontro­ver­se zwischen John Lennon und Paul McCart­ney, die zur Auflö­sung der Beat­les führte. Lennon hatte sich über die christ­li­che Konno­ta­ti­on von McCart­neys „Let It Be“ aufge­regt, weil es mit der Zeile endete: „when I find myself in times of trou­ble, Mother Mary comes to me“ – „wenn es mir schlecht geht, kommt Mutter Maria zu mir“. Lennon in einem Wutan­fall über das Chris­ten­tum: „Es wird verschwin­den und einge­hen. Ich muss mich nicht auf Argu­men­te einlas­sen; ich weiß, dass ich recht habe und dass ich recht behal­ten werde.“ Im Gegen­zug hatte sich Paul über Johns „goody goody stuff“ amüsiert, den „Gutmenschenkram“.

Wer Schwule nicht segnet, riskiert eine Klage

Drei Rechtsgelehrte kommen in einer Analyse zu dem Schluss, dass zumindest die öffentlichrechtlich anerkannten Kirchen in der Schweiz Trauungen oder wenigstens Segnungen von homosexuellen Paaren zulassen sollten. Mehr noch. Ein Pfarrer, der dies verweigert, könnte sich unter Umständen gar strafbar machen. Die NZZ am Sonntag schreibt:

Aufgrund ihres ­speziellen Status seien diese Gemeinschaften nicht nur Grundrechtsträgerinnen, sondern auch Grundrechtsadressatinnen. Und als solche hätten sie auch die Vorgaben von Verfassung und Gesetz zu beachten, zum Beispiel das Diskriminierungsverbot und die neue Rassismusstrafnorm. Diese wurde bekanntlich vom Volk im letzten Jahr erweitert und schützt seither auch Homosexuelle.

Hafner, Zurkinden und Reimann folgern daraus, dass bei diesen Kirchen eine Güterabwägung zwischen ihrer Autonomie und dem Schutz vor Diskriminierung vorgenommen werden muss. Und in ihrer eigenen Abwägung kommen sie dabei zum Schluss: «Es wäre – insbesondere auch angesichts des Verhältnismässigkeitsprinzips – zu fordern, dass Kantonalkirchen beziehungsweise die Kirchgemeinden in theologischer Hinsicht nach Spielräumen suchen, um homosexuellen Paaren Trauungen oder zumindest trauungsähnliche Einsegnungen zu ermöglichen.»

Heikel kann diese Einschätzung vor allem für die Seelsorgenden werden, die im Alltag für die Trauungen zuständig sind. Denn gemäss der neuen Rassismusstrafnorm macht sich strafbar, wer jemandem eine Leistung, die für die Allgemeinheit bestimmt ist, einzig aufgrund der sexuellen Orientierung verweigert. Die drei Autoren argumentieren, eine kirchliche Trauung sei eine solche Leistung, da sie prinzipiell an alle Trauungswilligen der betreffenden Kirche gerichtet sei.

Da kann ich nur hoffen, dass die Kirchen sich gegen diese möglichen Übergriffe des Staates wehren. Übrigens: In der Überschrift heißt es: „Rechtsgelehrte sagen: Staatskirchen sollten homosexuelle Paare trauen“. Ich glaube nicht, dass es in der Schweiz Staatskirchen gibt.

Hier mehr: nzzas.nzz.ch.

Teenager-Mädchen und der Transgender-Wahn

Irreversible Damage CoverTransgender-Aktivisten würden Abigail Shrier in den USA gerne mundtot machen und ihre Schriften verbieten, nur weil sie sagt und begründet, dass nicht jeder vermeintlich transsexuelle Teenager wirklich transsexuell ist.

Das Thema kommt nun auch nach Deutschland. Die Welt schreibt:

Meistens wird die Geschlechtsdysphorie schon im frühen Kindesalter beobachtet. Neuerdings ist es aber so, dass Mädchen in der Pubertät ganz plötzlich – wie aus dem Nichts heraus – glauben, dass sie eigentlich Jungen seien und dass sie Selbstmord begehen müssten, wenn ihnen die Geschlechtsumwandlung verweigert werde. Die Zahlen sind frappierend: In Großbritannien stieg die Zahl der weiblichen Teenager mit Geschlechtsdysphorie innerhalb eines Jahrzehnts um 4400 Prozent, in den Vereinigten Staaten immerhin um 1000 Prozent.

Was ist da los? Abigail Shrier hat eine Vermutung: Für Mädchen, so schreibt sie, sei die Pubertät häufig ein traumatisches Erlebnis. Früher hatten sie immerhin Cliquen, in denen sie das Trauma (keine Brüste, zu große Brüste; nicht schön genug; Angst vor Sex, Lust auf Sex, Zahnspangen, Pickel) gemeinsam durchstehen konnten.

Heutige Teenager erleiden das Trauma in großer Einsamkeit. Und da kommt ihnen per Smartphone das Internet zu Hilfe: Auf YouTube verkünden Vorbilder, sogenannte Influencer, das Pubertätsproblem könne ganz einfach durch eine Geschlechtsumwandlung gelöst werden. Psychotherapeuten bestärken Mädchen in diesem Glauben, statt ihnen die fixe Idee mit sanften Worten auszureden.

Mehr hinter einer Bezahlschranke: www.welt.de.

Der, die, was?

James Der die WasPeter Prock stellt das Buch Der, die, was? für E21 vor:

Erfrischend ist auch der „Aufruf zu einem respektvollen Umgang“ (Kapitel 7 ab S. 147). Ich beobachte nicht selten unter uns Christen, dass wir uns in der Auseinandersetzung mit der Lüge schnell zu hitzigen Diskussionen hinreißen lassen, anstatt von Liebe geprägt zu reagieren. Dadurch aber kommen wir nicht nur nicht ans Ziel, sondern verunglimpfen dabei leider auch das Zeugnis für das Evangelium. So konsequent wir einerseits unsere Kinder schützen müssen, so sehr sind wir andererseits herausgefordert, die Wahrheit in Liebe zu sagen (vgl. Eph 4,15) und Menschen (wie z. B. Lehrer, Politiker etc.) über die Unwahrheit dieser Ideologie zu informieren.

Dieses Buch ist ein Muss für alle Eltern, für Lehrer und für all jene, die sich für die Thematik interessieren oder davon betroffen sind (und das sind leider immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft). Sharon James gelingt es, in einem Buch von nur 172 Seiten auf leicht lesbare Art und Weise doch ziemlich tief in die Materie einzudringen, den Bezug zum Alltag herzustellen und konkrete Handlungsempfehlungen abzugeben.

Zum Schluss noch ein Tipp: Der herausgebende CLV-Verlag ermöglicht sogar den PDF-Download seiner Bücher, so auch von Der, die, was?. Der Preis von 9,90 € sollte uns aber vom Kauf der Printausgabe nicht abhalten.

Hier mehr: www.evangelium21.net.

Das Buch gibt es hier: clv.de.

Der Fall Freud

Ich lese aus beruflichen Gründen derzeit Sigmund Freud und Literatur der Freud-Gegner. Einer der schärftsten Freud-Kritiker ist der Soziologe Han Israëls. Israëls kann mich nicht mit allen Thesen und Argumenten überzeugen. Aber seine Kritik an den Forschungsmethoden Freuds ist schon sehr substantiell. Zum Beispiel zeigt er, dass Freud oft selbst die Versuchsperson war, mit der er seine „Entdeckungen“ begründete (z.B. im Blick auf die Wirkung von Kokain oder den Ödipuskomplex). Wenn man bedenkt, wie wirkmächtig tiefenpsychologische Theorien heute noch sind, stimmt das wirklich nachdenklich.

Hier mal ein Beispiel aus dem Buch Der Fall Freud (1999, S. 125–126):

In den Studien über Hysterie aus dem Jahre 1895 vertraten Freud und Breuer die Ansicht, daß Hysterie meist durch sexuelle Faktoren verursacht werde und sich die Krankheitssymptome beseitigen ließen, wenn es gelinge, die Erinnerung des Patienten an die Situation wachzurufen, in der ein solches Symptom erstmals aufgetreten war. Eine Hysterikerin namens »Anna O.« war die erste Patientin, die – lange vor der Veröffentlichung ihres Falles – von Breuer auf diese Weise behandelt worden war. Ein Jahr nach den Studien über Hysterie, 1896, behauptete Freud dann, die Ursachen hysterischer Symptome lägen sehr viel tiefer, nämlich in unbewußten Erinnerungen an einen sexuellen Mißbrauch in der frühen Kindheit der Patienten, und formulierte damit erstmals seine Verfuhrungstheorie.

Wir sahen in den vorangegangenen Kapiteln, daß Freud sein Plädoyer für die Verabreichung von Kokain bei der Morphiumentwöhnung mit dem Hinweis auf einen therapeutischen Erfolg zu stützen versucht hatte, den es in Wahrheit niemals gegeben hatte. Bei seinen frühen Theorien über Hysterie tat Freud dasselbe: sowohl bei der gemeinsam mit Breuer formulierten Theorie als auch bei der Darstellung seiner Verführungstheorie konnte Freud es nicht lassen, sein Publikum über das erzielte Ausmaß des therapeutischen Erfolges zu beschwindeln.

Hatten er und Breuer 1893 sowie 1895 noch behauptet, ihre neue »kathartische« Methode führe zum sofortigen und endgültigen Verschwinden der hysterischen Symptome, schrieb Freud bei der Vorstellung seiner Verführungstheorie im Jahre 1896, die neue Theorie sei der Einsicht geschuldet, daß sein vorheriger Ansatz in der Mehrzahl der Fälle zu keiner Veränderung in der hysterischen Symptomatik geführt habe. Dieses offenherzige Eingeständnis früheren Scheiterns ist übrigens ein einmaliges Ereignis im Leben Freuds geblieben.

Im Jahre 1896 behauptete Freud, er habe eine stattliche Anzahl hysterischer Patientinnen vollständig heilen können, indem er ihnen vergessene Erinnerungen an frühen sexuellen Mißbrauch ins Bewußtsein zurückgerufen habe. Aus der Privatkorrespondenz jener Zeit geht jedoch hervor, daß Freud sich schmerzlich der Tatsache bewußt war, in Wahrheit noch keine einzige Analyse wirklich erfolgreich abgeschlossen zu haben. Als ihm dies auch anderthalb Jahre nach Veröffentlichung der Verführungstheorie noch nicht gelungen war, verlor er den Glauben an seine Theorie. Öffentlich hat er jedoch niemals zugegeben, bei der Darstellung seiner Verführungstheorie über das Ausmaß des therapeutischen Erfolgs geblufft zu haben.

Ein kurzes Interview mit Han Israëls gibt es übrigens hier: www.juedische-allgemeine.de.

Mein Abschied von Deutschland

Der Schriftsteller Matthias Politycki hält es in Deutschland nicht mehr aus. Vor allem die Cancel Culture und die geschlechtergerechte Sprache machen ihm so zu schaffen, dass er ins Exil nach Wien geht.

Er schreibt (FAZ, 17.07.2021, Nr. 163, S, 16):

Aufgewachsen in den linksgrünen Bio­topen der siebziger Jahre, in denen alles mit allen ausdiskutiert wurde, habe ich Deutschland noch in den Neunzigern, heimgekehrt von dieser oder jener Reise, immer als eines der liberalsten Länder erlebt, in denen man leben konnte. Seit Nine-Eleven, um es an einem plakativen Datum festzumachen, ist jedoch auch bei uns die Intoleranz auf dem Vormarsch, dies freilich im Zeichen der To­leranz. Was unterm Schlagwort der politischen Korrektheit zügig Terrain ge­wann, hatte auch ich zunächst begrüßt, vielleicht weil ich es für linkes Gedankengut hielt. Was inzwischen, zusammengefaßt unterm Begriff Wokeness, unseren gesellschaftlichen Diskurs do­miniert, ist für mich nichts weniger als Pervertierung linken Denkens. Es ist die Herrschaftsform einer Minderheit, die sich anmaßt, gegen den Willen der Mehrheitsgesellschaft die Welt nach ih­rem Bilde neu zu erschaffen. Und dies mit aller Gründlichkeit, ein siebter Tag ist noch längst nicht abzusehen. Deutsch sein heißt, auch eine (ursprünglich) gute Sache so sehr ins Extrem zu treiben, bis sie ein böses Ende nimmt.

Mehr hinter einer Bezahlschranke: www.faz.net.

Seelsorge Aufbaukurs II (November 2021)

Vom 21.–26. November 2021 werden wir in Friedrichshafen am Bodensee einen Aufbaukurs zur „Christozentrischen Seelsorge“ anbieten. Folgende Themen sind geplant:

  • Seelsorge an Jugendlichen (Pfarrer Heinz Bogner)
  • Das seelsorgerische Gespräch (Ron Kubsch)
  • Seelsorge im Angesicht von Krankheit und Tod (Thomas Jeising)
  • Seelsorgerische Begleitung in Leidsituationen (Lilia Stromberger)
  • Wenn’s lange dauert: Anregungen für die Begleitung längerer Seelsorgeprozesse (Lilia Stromberger)

Mehr Informationen und eine Anmeldemöglichkeit gibt es hier: Seelsorge _ November 2021_a.pdf.

Familien mit autistischen Kindern helfen

Lilia Stromberg meint, dass Familien mit autistischen Kindern Ermutigung durch das Evangelium brauchen. In dem Artikel „Familien mit autistischen Kindern helfen“ schreibt sie: 

Jeden autistischen Menschen muss man individuell sehen und kennenlernen. Grundsätzlich gilt, dass man nicht über das autistische Kind spricht, sondern freundlich und interessiert mit dem Kind redet, auch wenn ununterbrochen dieselbe Frage gestellt wird, scheinbar unpassende Aussagen fallen und der Humor anders aufgefasst wird. Man wird erstaunt sein, dass viele autistische Personen gar nicht so unbeholfen im Gespräch sind, wenn man sich die Zeit nimmt, Vertrauen aufzubauen.2 Die Eltern werden gerne einige Informationen dazu geben, wie man ihr Kind erreichen kann und seine Bedürfnisse verstehen lernt. Keinen Blickkontakt zu halten, bedeutet eben nicht Ablehnung. Keine Umarmungen zu mögen, bedeutet nicht Gefühllosigkeit. Körpersprache, Mimik und Wortmelodie vom Gegenüber misszuverstehen, bedeutet nicht Beziehungsunfähigkeit. Insgesamt gilt, dass dieses Erleben „normal“ ist und ein Miteinander selbstverständlich sein sollte. Manchmal ist es sinnvoll, aus dem überfüllten Raum hinauszugehen, damit die autistische Person von den vielen verschiedenen Geräuschen (tickende Uhr, weinende Kinder, Geräusche aus dem Kaffeeautomaten, usw.) nicht überreizt wird und das Gespräch genießen kann. Die Unterhaltung kann dann zu einer tiefen Begegnung werden, wenn man sich von einem womöglich monotonen Tonfall oder sich wiederholenden oder zu direkten Aussagen nicht abschrecken lässt. Es ist bereichernd, wenn explizite Worte mehr zählen als Floskeln und wenn im Gespräch über die Beziehung zu Gott vielleicht Fakten und Details mehr bedeuten als Gefühle. Es ist spannend, wenn man gemeinsam über Tatsachen staunt, manchmal einfach schweigt oder von der Logik des Glaubens spricht, ohne fragen zu müssen: „Wie fühle ich mich? Wie geht es dir oder mir?“

Autistische Menschen haben oft besondere Interessen. Sie sind dementsprechend äußerst bewandert in diesem Gebiet. Das Interesse für ihre Gedankenwelt ermöglicht eine wachsende Beziehung. In der Begleitung eines Teenagers etwa habe ich ehrlich gesagt fast nichts davon verstanden, wie die Gesetze der Physik genau funktionieren. Aber nach den Gesprächen konnte ich nicht anders, als Gott anzubeten, weil der Schöpfer großartig ist und mich seine unglaublichen Ordnungen in ihm zuversichtlich ruhen lassen.

Mehr: www.evangelium21.net.

Kirchen verlieren weiter Mitglieder

Im vergangenen Jahr haben wieder hunderttausende Menschen der Kirche den Rücken gekehrt. Eine Studie der evangelischen Landeskirchen Württemberg und Westfalen gibt Aufschluss darüber, warum sie gehen. Die FAZ schreibt: 

Der wichtigste Grund für den Mitgliederverlust der großen Kirchen ist die Kirchensteuer. Andere Faktoren wie schlechte Erfahrungen mit Geistlichen oder Ärger über politische Einlassungen der Kirchen spielen hingegen kaum eine Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Untersuchung der beiden evangelischen Landeskirchen Württemberg und Westfalen, die der F.A.Z. vorliegt.

Ich wage mal, zu sagen, dass die Steuern Anlass für die Austritte sind, nicht wirklich Gründe. Wem die Kirche wichtig ist, der zahlt gern Steuern. Aber ich vermute, dass sich die Mitglieder von der Kirche entfremden und sich die Kirchen vom Evangelium entfremdet haben. Ich selbst gehöre zu denen, die nicht wegen der Steuern ausgetreten sind. Ich habe mich wegen der bibelkritischen und evangeliumsfreien Lehre aus der Ev. Kirche verabschiedet. 

Mehr: www.faz.net.

Kinder für alle?

Regula Lehmann geht für danieloption.ch der Frage nach, ob es gute Gründe dafür gibt, Kinder möglichst in einer Bio-Familie aufwachsen zu lassen. Die gibt es. Frau Lehmann rät Christen und Gemeinden, kompromisslos an den Grundwahrheiten des Glaubensbekenntnisses festzuhalten. 

Für Kinder ist die Sache klar: “Der Kaiser ist im Hemd” und ohne Papas gibt es keine Babys. Werden sich genügend Menschen finden, die frei heraus Zweifel äussern und Beobachtungen mitteilen? Die dem Wohl von Kindern unbedingten Vortritt gewähren und die Eins nicht zur Zwei umbiegen, wenn der “Mainstream” dies verlangt? Die unbefangen wie Kinder benennen, was seit Urzeiten festgelegt ist und alle gesellschaftlichen Um- und Irrwege überdauern wird? Was aus der Gemeinde Jesu wird, hängt aus meiner Sicht elementar mit der Frage zusammen, ob sie bereit ist, auf dem Fundament ihres gemeinsamen, weltumspannenden Glaubensbekenntnisses zu bleiben. Auf ewige Grundwahrheiten zu setzen und den gesellschaftlichen Brandungswellen standzuhalten, statt sich Trends anzubiedern, die weder Zukunft haben noch Zukunft schaffen. Kindlich und unbeirrbar einzustimmen in das Bekenntnis, das uns als weltweite Kirche verbindet. “Ich glaube. An Gott, den Vater, den Allmächtigen. Den Schöpfer des Himmels und der Erde. An Gott, der den Menschen erschaffen und mit einem Leib ausgestattet hat, der eindeutig und unmittelbar bezeugt, wie es von Anfang an mit Ehe und Familie gedacht ist.”

Keine Frage: Das wird etwas kosten. Aber die Investition lohnt sich! 

Mehr: danieloption.ch.

Grünes Genderdeutsch

Das Wahlprogramm der Grünen ist radikal durchgegendert und ignoriert Rechtschreibregeln. Auch sonst scheint die neue Leitkultur durch. Alleinerziehende heißen nun Ein-Eltern-Familien, dazu gibt es die Mehr-Eltern-Familien und die Zwei-Mütter-Familien. Im Programm heißt es dazu:

Zwei-Mütter-Familien sollen nicht mehr durch das Stiefkindadoptionsverfahren müssen, darum streben wir an, das Abstammungsrecht zu reformieren, sodass die Co-Mutter analog zu Vätern in Ehen zwischen einem Mann und einer Frau automatisch als zweites rechtliches Elternteil gilt. Das Abstammungsrecht muss zudem die Elternschaft von Menschen mit Geschlechtseintrag „divers“ berücksichtigen. Bei Kinderwunsch sollen alle Paare und alleinstehende Frauen die Möglichkeit einer Kostenerstattung für die künstliche Befruchtung erhalten.

Wer wissen will, wie unsere sprachliche Zukunft aussieht, muss das Programm lesen, meint der Linguist Horst Haider Munske in seinem Beitrag für Die Welt:

Die Grünen meinen es ernst mit dem radikalen Gendern. In dem endgültigen, seit wenigen Tagen „lektorierten“ offiziellen Wahlprogramm bekennen sie Farbe. So und nur so wollen sie in der deutschen Sprache Geschlechtergerechtigkeit einführen. Sie scheren sich nicht um die Bedenken des Rats für deutsche Rechtschreibung. Sie fragen nicht nach Lesbarkeit, nach Vorlesbarkeit, nach Verständlichkeit, nach den Regeln der Grammatik und nach der Tradition einer Sprache.

Mehr hinter einer Bezahlschranke: www.welt.de.