Das Kino im Herzen

Was passieren kann, wenn Filme oder Serien unsere Herzen „formatieren“, beschreibe ich in dem Artikel „Das Kino im Herzen“. 

Manche Jugendliche lassen sich von Filmen zeigen, wer sie sind und was ihnen wichtig ist. Diese Beobachtung ist erst einmal neutral gemeint. Es gibt Filme, die pädagogisch wertvoll sind, etwa indem sie die Liebe zu Tieren fördern oder dabei helfen, mit Konflikten konstruktiv umzugehen. Filme werden genau wegen ihrer intensiven Wirkung dafür eingesetzt, bestimmte Vorstellungen über Religion, Familie, Gerechtigkeit, Lebenssinn oder Sexualität zu verstetigen. Sie transportieren gezielte Botschaften, häufig auf fast unmerkliche Weise (manchmal als „Subtexte“ bezeichnet). So nehmen sie Einfluss auf die Art und Weise, wie wir denken, fühlen und handeln. Sie stoßen quasi Verinnerlichungsprozesse an, bei denen die Haltungen filmischer Vorbilder von den Betrachtern übernommen werden.

Mehr dazu hier: www.evangelium21.net.

Mischwesen aus Mensch und Affe

An die Nachrichten von lebenden Chimären aus Mensch und Tier werden wir uns nach dem „Tod Gottes“ und den „Ewigkeitsphantasien des Menschen“ gewöhnen müssen. Der Mensch greift in die Keimbahn ein und argumentiert ausschließlich vom Nutzen her. Das klingt dann so: 

Doch solange derartige Mischwesen nur zwei bis drei Wochen in der Petrischale existieren und nicht von einer Leihmutter ausgetragen werden, besteht die Gefahr ja nicht, dass lebensfähige Chimären unseren Planeten bevölkern.

Ohne hin ist das nicht die Intention der Experimente. Die Forschungsarbeiten mit Mischwesen sollen nach den Vorstellungen der Forscher die Grundlage für eine medizinische Revolution legen. Das Fernziel ist die Gewinnung von menschlichen Organen für die Transplantation. Angesichts des großen Mangels an Spenderorganen ist die Möglichkeit verlockend, dass Organe aus menschlichen Zellen zunächst in Tieren heranreifen, bevor sie dann einem Menschen das Leben retten können.

Schöne neue Welt. Hier mehr: www.welt.de.

Enough about Me

Bianca Hopcraft hat das sehr lesenswerte Buch Enough About Me – Find Lasting Joy In The Age Of Self (dt. „Genug über mich – Vom Finden bleibender Freude in einer Zeit der Selbstzentriertheit“) von Jen Oshman rezensiert. Sie schreibt:

Jeder hat diese Schlagworte sicher schon einmal gehört, gelesen, gedacht und vielleicht auch selbst ausgesprochen: „Glaub an dich selbst! Du packst das! Selbst ist die Frau!“

Das Interessante ist, dass diese Worte normalerweise durchaus positiv und ermutigend gemeint sind und Frauen darin stärken möchten, ihre Träume, Ziele und ihr Lebensglück zu erreichen. Doch die Autorin Jen Oshman konfrontiert in ihrem ersten Buch Enough About Me – Find Lasting Joy In The Age Of Self (dt. „Genug über mich – Vom Finden bleibender Freude in einer Zeit der Selbstzentriertheit“) diese Hoffnung mit der harten Realität: Wir finden nicht das ersehnte Glück, sondern eher das Gegenteil. Sie stellt fest, dass obwohl uns Frauen in der westlichen Kultur heutzutage mehr Möglichkeiten zur Selbstentfaltung offenstehen als vielen Generationen vor uns, wir nicht glücklicher, sondern sogar deprimierter und dem Burnout näher sind als je zuvor.

Warum ist das so? Jen Oshman geht diesem Phänomen nach. In sieben Kapiteln zeigt sie zum einen auf, worin der Trugschluss dieser selbstzentrierten Lebenseinstellung besteht und wie wir in diese Krise hineingekommen sind. Zum anderen erklärt sie, wie das Evangelium der Bibel, das paradoxerweise genau das Gegenteil von Selbstglorifizierung predigt, unsere Rettung ist und uns wirklich bleibende Freude und tiefstes Lebensglück schenkt, die unzerbrechlich sind.

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Für die freie Wissenschaft

An vielen Universitäten ist eine Atmosphäre der Konformität und Intoleranz entstanden – mit Vorschriften zu korrekter Sprache und Auftrittsverboten. Jünger von Genderwissenschaftlerinnen wie der US-Forscherin Judith Butler haben Theorien von struktureller Diskriminierung auch an etlichen deutschen Hochschulen platziert. Nun regt sich langsam Widerspruch.

Die Welt schreibt: 

Lange trauten sich nur wenige, etwas gegen die neuen Vorgaben zu sagen. Viele Lehrende wollten nicht als unmodern, Sexist oder Rassist gelten. Doch es formiert sich eine Gegenbewegung. Ihr gehe es nicht darum, in alte Sprachformen, Denkmuster und Handlungsweisen zurückzufallen, sondern darum, den Diskurs am Leben zu halten. Der Austausch gehöre zum Wesen der Universität – und mache eine Weiterentwicklung der Forschung erst möglich, wird argumentiert.

„Wir wollen, dass alle Fragen wissenschaftlich offen diskutiert werden“, sagt Historiker Rödder. Mit 70 Forscherkollegen hat er im Februar das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit gegründet, das sich „für ein freiheitliches Wissenschaftsklima“ einsetzt. Rund 380 Personen gehören ihm inzwischen an, darunter viele Professoren. „Wir tauschen uns untereinander aus und veranstalten auch öffentliche Seminare“, berichtet Rödder. „Der größte Wert des Netzwerks ist, dass wir überhaupt da sind. Personen, die anderen den Mund verbieten wollen, können mit einer Gegenhaltung rechnen.“

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Der Aufstieg und Triumph des modernen Selbst

Trueman The Rise and Triumpf of the Modern SelfDaniel Vullriede hat das Buch The Rise and Triumph of the Modern Self (dt. Der Aufstieg und Triumph des modernen Selbst) von Carl Trueman gelesen und rezensiert.

Daniel schreibt:

Deutlich wird hier: Wenn man die politische Unterdrückung als Hauptproblem der Gesellschaft ansieht und sie v.a. psychologisch definiert, dann wird das subjektive Gefühl schnell zum Maßstab von Recht und Unrecht. Folglich konnte Marcuse die Einschränkung der liberalen Redefreiheit fordern (!), weil bereits Worte unterdrücken können. Parallel dazu bestimmte die existenzialistische Philosophin und Feministin Simone de Beauvoir die Frage nach der Wahrheit v.a. von der Empirik her, und unterschied zwischen einem biologischen und psychologischen Geschlecht.

Gerade dieser dritte Teil des Buches hat es in sich. Anstatt sich in konstruierten Verbindungen und Argumenten aus zweiter Hand zu verlieren, arbeitet Trueman eng an den Primärquellen. Sich auf die unterschiedlichen Weltbilder, Denkvoraussetzungen und Argumente einzulassen, erfordert einiges an Konzentration und Wendigkeit. Dennoch kommt Trueman seinen Lesern stets entgegen – er wiederholt regelmäßig zentrale Gedanken, unterstreicht die logischen oder historischen Verbindungen und erläutert die praktischen Konsequenzen der jeweiligen Theorie.

Im vierten Teil von The Rise and Triumph of the Modern Self erläutert Trueman, wie die bisher besprochenen Denkrichtungen, Theorien und Umwertungen schließlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Besonders in der Bewegung des Surrealismus ging es darum, dem Irrationalen und Unbewussten künstlerisch Ausdruck zu verleihen, auch auf subversive und erotisierende Weise die traditionellen Normen in der Gesellschaft zu überwinden.

In gewisser Hinsicht leistete der Surrealismus direkte Vorarbeit für die kulturelle Entschärfung der Pornographie. Während eine frühere Generation von Feministinnen darin noch eine klare Unterdrückung von Frauen erkannte, hinterfragt heute fast niemand mehr die moralische Brisanz dahinter. Vom Playboy-Magazin über Fernsehserien wie Game of Thrones bis hin zu Liedern von Ariana Grande – pornographische Anspielungen und Inhalte, Praktiken und Produkte sind längst im kulturellen Mainstream angekommen. Sie ‚helfen‘ den Menschen dabei, ihre Individualität auszudrücken und sich im Hier und Jetzt gut zu fühlen – allerdings ohne die tieferen sozialen, existenziellen und ethischen Folgen und Problematiken bedenken zu müssen.

Bis zu diesem Punkt hat Trueman aufgezeigt, wie das Menschsein seit der Aufklärungsepoche einseitig psychologisch umgedeutet wurde, wie schließlich die Psychologie sexualisiert wurde, und wie die individuelle Sexualität sich immer weiter zu einem politischen Thema entwickelte.

Aber ist Sexualität nicht vielmehr etwas Persönliches und Privates? Ist das ganze Thema nicht vielleicht etwas dramatisiert dargestellt? Dass dies nicht der Fall ist, weist der Autor nach, indem er die Argumentationslinien verschiedener Beschlüsse des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten seit 1992 untersucht, die 2015 zur landesweiten Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe in den USA geführt haben. Der Wortlaut der offiziellen Beschlüsse überrascht tatsächlich und passt zu Truemans ideengeschichtlicher Kulturanalyse.

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Corona und Christus

31fP6DeZh9L SX342 BO1 204 203 200Das zwischenzeitlich vergriffene Buch Corona und Christus von John Piper kann inzwischen wieder bestellt werden. Der Verlag Solid Rock hat das Buch neu aufgelegt und bietet es für günstige 4,98 Euro bei Amazon an. Über das Buch schreibt Solid Rock:

Am 11. Januar 2020 forderte ein neuartiges Corona-Virus (COVID-19) Berichten zufolge sein erstes Opfer in Wuhan, der Hauptstadt der Provinz Hubei in China. Am 11. März 2020 sah sich die Weltgesundheitsorganisation veranlasst, eine weltweite Pandemie ausrufen. Inmitten dieser Angst und Unsicherheit fragt man sich, was Gott gerade tut.In Corona und Christus lädt John Piper Leser ein, sich auf den festen Grund, den Fels Jesus Christus, zu stellen: In Ihm, dem souveränen Gott, finden unsere Seelen Halt. Er fügt, lenkt und regiert alles so, dass seine weisen und guten Pläne für alle Wirklichkeit werden, die ihm vertrauen. Was tut Gott durch Corona? Piper bietet uns sechs biblische Antworten und zeigt, wie Gott in dieser turbulenten Zeit wirkt.

Das Buch kann hier bestellt werden.

Die Fischer

Das kleine Video „Die Fischer“, nicht mehr ganz neu, ist liebevoll gemacht und sehr gut eingesprochen. Vor allem hält es uns den Spiegel vor. Prädikat besonders wertvoll.

VD: IF

Carpe diem

Heinrich Bullinger war ein Reformator der zweiten Generation, der als Nachfolger Zwinglis in Zürich wirkte. Ihn besonders auszeichnende Eigenschaften waren Fleiß, Ausdauer und Disziplin. Und natürlich liebte er das Wort Gottes, die Wissenschaft, seine Familie und die Kirche.

In dem Artikel „Carpe diem“ zeichne ich nach, wie hart der Pastor gearbeitet hat und dass wir noch heute von ihm viel lernen können:

Dabei hat Zwinglis Schüler kein stilles Schriftstellerleben geführt. Familie und Pastorat verlangten von ihm Außergewöhnliches ab. Bullinger wollte seine Familie immer in seiner Nähe haben. Er sorgte deshalb dafür, dass seine Frau Anna und die elf Kinder beim Großmünster, seinem Arbeitsplatz, lebten. Den akribischen Aufzeichnungen im Diarium, eine Art Tagebuch, ist zu entnehmen, dass er nach seiner Berufung zum Antistes der Züricher Kirche von der Predigtlast fast erdrückt worden ist. Bullinger predigte wöchentlich bis 1538 sechs bis acht Mal. Er setzte sich gründlich mit der ganzen Schrift auseinander und legte das gesamte Neue Testament und weite Teile des Alten Testaments aus.

Wie gelang es Heinrich Bullinger, trotz dieser enormen Belastungen so viel zu schreiben?

Ein Schlüssel zum Verständnis dieser Produktivität ist seine Abneigung gegenüber allem Müßiggang. In seiner 1527 verfassten Anweisung zum Studium (Studiorum ratio) hat er, damals noch ein junger Mann, auf Anfrage eines älteren Freundes beschrieben, wie im humanistisch-reformatorischen Geiste studiert wird. Er erklärte: „Der berühmte Plinius Secundus aus Como, der seine Zeit aufs begierigste auskostete, hielt nichts für schlimmer als Zeitverlust, und er sagte, all diejenige Zeit, die nicht für wissenschaftliche Betätigung aufgewendet werde, sei verlorene Zeit.“

Höchstwahrscheinlich kannte Bullinger den Spruch des Plinius (61/62–113/115 n. Chr.) von dem Humanisten Erasmus (1466/67/69–1536). Dieser hat sich gern auf jenen berufen, um seine Schüler zum Fleiß anzustiften. Das Bedauern über verschwendete Zeit ist unter den Gelehrten und Reformatoren des 16. Jahrhunderts ein Gemeinplatz. Der Straßburger Reformator Martin Bucer (1491–1551) sagte über ihre Strebsamkeit: „Sie hassten den Müßiggang und die Kleinigkeiten; vor dem Zeitverlust hatten sie Angst.“

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Die Pflichten der Kinder

Die westliche Kindererziehung funktioniere nicht mehr, sagt die US-Autorin Michaeleen Doucleff. In indigenen Gemeinschaften habe sie herausgefunden, wie Kinder Selbstvertrauen gewinnen. Zum Beispiel dadurch, dass sie selbstverständlich in die Pflichten der Erwachsenen eingebunden werden. Im Gespräch mit Caroline Rosales erklärt sie, warum es falsch ist, Kinder ständig in den Mittelpunkt zu stellen:

Genau das ist der Widerspruch. Dazu kommt, dass wir unsere Kinder ständig völlig übertrieben loben. Während ich mein Buch schrieb, habe ich mich einmal selbst beobachtet und dokumentiert, um festzustellen, wie oft ich meine Tochter am Tag lobe. Das Ergebnis: Ich tat es ständig für die absurdesten Kleinigkeiten. Die Blume, die sie gemalt hatte, zum Beispiel. Aber wenn man auf die Weltgeschichte und andere Kulturen als die westliche schaut, wurden Kinder dort selten in den Mittelpunkt gestellt und schon für die geringste Leistung gelobt. Und so wurden aus ihnen genau die Persönlichkeiten, die wir uns als Eltern wünschen. Genügsame, höfliche Menschen, die sich nicht ständig die Aufmerksamkeit und die Anerkennung der anderen suchen. Ich habe festgestellt, dass die Kinder in den indigenen Gemeinden viel weniger Lob erfahren. Die Eltern dort lächeln oder nicken nur leicht, wenn ihr Kind etwas gut gemacht hat. Seitdem ich das mit Rosie mache, sucht sie wesentlich weniger meine Aufmerksamkeit. Dieses Bedürfnis, sich über Erwachsene zu definieren, ist plötzlich weg.

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Tom Holland: Herrschaft

Bei Evangelium21 wurde Tim Keller Rezension des Buches Herrschaft von Tom Holland veröffentlicht. Darin ist zu lesen:

Grundsätzlich gilt, dass sich die Relevanz von Hollands neuem Buch Herrschaft: Die Entstehung des Westens kaum überschätzen lässt. Holland argumentiert gut lesbar und außerordentlich gut dokumentiert, dass die zentralen Werte und Prioritäten der modernen, westlichen, säkularen Kultur tatsächlich dem Christentum entstammen. Und selbst in der heutigen Zeit, in der der Großteil der gebildeten Schichten das Christentum aufgegeben hat und die Religiosität auch in der Bevölkerung stark rückläufig ist, hat das Christentum einen so anhaltenden und durchdringenden Einfluss, dass wir die Kirche nicht für ihr Versagen verurteilen können, ohne uns dabei auf christliche Lehren und Überzeugungen zu berufen.

In einer langen, aber zugänglichen Darstellung entfaltet Holland einen Grundgedanken, der erstmals von Friedrich Nietzsche (1844–1900) formuliert wurde. Nietzsche sah, wie die Gebildeten Europas dem Christentum den Rücken kehrten und sich als wissenschaftliche Freidenker stilisierten, die angeblich ohne Gott lebten. Allerdings, argumentierte Nietzsche, glaubten sie immer noch an Menschenrechte, die Würde eines jeden Menschen, den Wert der Armen und Schwachen und an die Notwendigkeit, sich um sie zu kümmern und für sie einzutreten. Sie glaubten immer noch, dass Liebe ein großer Wert ist und wir unseren Feinden vergeben sollten. Sie glaubten immer noch an moralische Absolute – dass manche Dinge gut und andere Dinge böse sind – und insbesondere daran, dass es falsch ist, die Machtlosen zu unterdrücken.

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Totalitärer Antirassismus

Judith Sevinç Basad warnt vor neuen Ideologien, die Weiße pauschal als rassistisch brandmarken. Ich stimme ihr nicht in allem zu, was sie so sagt. Aber ihre Kernthese kann ich bejahen. Ich glaube auch, dass die Ideologie der „Social Justice Warriors“ totalitär und „durchheuchelt“ ist. Reale Probleme lösen, ist anspruchsvoller als das verbreiten von Stimmungspolitik.

Sie schreibt:

Aber mit einem Milieu, das nichts mit Foucault und Bourdieu anfangen kann, will sich die Anti-Rassismus-Bewegung nicht wirklich auseinandersetzen. Realpolitik ist ihnen viel zu anstrengend. Leichter ist es, mit dem Finger auf den alten, weißen Mann zu zeigen und dafür viele Likes auf Twitter und Facebook abzuräumen. Es gibt also eine Diskrepanz zwischen realen Problemen und dem abgedrehten Diskurs, den wir momentan führen, der immer mehr ins Rassistische und Reaktionäre abdriftet.

Und:

Ja, die rassistische Struktur, an die die Social Justice Warriors glauben, ist eigentlich wie eine Weltverschwörung. Man geht von der Annahme aus, dass der Kolonialismus als historisches Ereignis so tiefgreifend war, dass er alles beherrscht. Unsere Kultur, unsere Filme, die Art und Weise, wie Politik gemacht wird. Es wird meistens von unbewusstem Rassismus gesprochen, dem wir alle qua Hautfarbe aufsitzen.

Ich habe selbst einmal so ein Anti-Rassismus-Seminar besucht, wie sie momentan massenweise angeboten werden. Das Erste, was uns Weißen da gesagt wurde, war, dass wir alle Rassisten sind. Und dass wir nichts dagegen tun können, als uns in die Hände der Coaches zu begeben. Meiner Meinung nach ist das totalitär.

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Mehr:

Die Klarheit der Schrift bei Johannes Calvin

Alexandre Ganoczy und Stefan Scheld schreiben über die Klarheit der Schrift bei Johannes Calvin (Die Hermeneutik Calvins: geistesgeschichtliche Voraussetzungen und Grundzüge, 1983, S. 96–98):

Weil die Schrift durchsichtig, hell und klar ist, kann es keinen Zweifel an ihrer Wahrheit geben. Die ganze Schrift durchzieht nämlich im Grunde nur ein einziger Skopus bzw. Sinn: Jesus Christus. Das Alte Testament verheißt ihn; im Neuen Testament tritt er direkt in Erscheinung. Dies ist auch der Grund, warum Calvin übereinstimmend mit Bucer sagen kann, die Offenbarung Gottes im Alten und Neuen Bund sei in ihrem Wesen identisch. An der Einfachheit, Deutlichkeit und Klarheit der Epiphanie Gottes zu zweifeln, würde somit dem gesamten Duktus der Wortoffenbarung im Alten und Neuen Bund widersprechen. Gott hat sich in seinem Wort, das er den Urvätern und Propheten mitteilte und das er in Jesus Christus unüberbietbar und unüberhörbar ausspricht, in die Niederungen menschlichen Fleisches begeben. Er paßt sich unserem Verständnisvermögen an und handelt wie ein guter Pädagoge. Um allen Menschen einen Zugang zu seinem Wort zu verschaffen, äußert er sich sowohl in kunstvoller und gehobener Sprache als auch in einfacher und schlichter Rede.

Entsprechend bunt ist das Erscheinungsbild der biblischen Autoren. David, Salomon und Jesaja können als Dichterfürsten gelten, und auch Paulus und Lukas zeichnen sich durch Bildung aus, während sowohl die Propheten Amos, Jeremia, Sacharja als auch die Apostel Petrus, Johannes und Matthäus einfache Menschen waren.

Es kann daher nur ein Vorwand für mangelnde Verständnisbereitschaft sein, wenn behauptet wird, die Schrift sei dunkel oder ein Labyrinth. Calvin gibt zwar zu, daß es einige unklare Stellen in der Schrift gibt, aber diese sollen doch nicht dazu veranlassen, das Wort Gottes pauschal der Unklarheit zu bezichtigen. Gott spricht nämlich niemals ohne Grund und Zweck und enthüllt zu seiner Zeit den Sinn seiner Rede, wenn seine Worte im Herzen bewahrt werden.

Foucaults tunesische Jungen

Wie hier am 29. März berichtet, werden gegen den französischen Philosophen Michel Foucault schwere Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs erhoben. Georg Blume berichtet in der heutigen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT über den Stand der Debatte in Frankreich. Ich kann die Lektüre des Artikel sehr empfehlen. Er zeigt, dass ein Übervater der sexuellen Revolution in ziemlich finstere Machenschaften verstrickt war.

Michel Foucault soll zahlreiche Kinder sexuell missbraucht haben. Der Verdacht rüttelt an dem Denkmal des französischen Philosophen, der die Kulturrevolution der 68er- Generation prägte wie kein anderer. Als Professor am Collège de France in Paris analysierte er in seinem umfangreichen Werk die Machtbeziehungen in der Kirche, der Schule, im Gefängnis und zeigte damit Unterdrückungsmechanismen auf, die vor ihm niemand so genau erkannt hatte. Er unterlegte den 68er-Spruch »Das Private ist politisch!« mit tiefgreifender historischer Empirie und Analyse. Doch nun, 37 Jahre nach seinem Tod, sieht es so aus, als könnte Foucaults Privatleben seinen längst unbestrittenen Weltruf als Philosoph dauerhaft beschädigen. »Es wird schwer sein, den meistzitierten Intellektuellen der Welt auszuradieren; dann bliebe in unseren Bibliotheken der letzten vierzig Jahre nicht mehr viel übrig«, sagt die Pariser Literaturprofessorin Tiphaine Samoyault über Foucault. Das wäre auch gar nicht ihr Ansinnen, sie schätzt das Werk Foucaults. Sie selbst hat eine hochgelobte Biografie über Roland Barthes geschrieben, der Foucaults Freund und Liebhaber gewesen war. Doch will sich Samoyault auch nicht wie viele andere in der Pariser Intellektuellenszene über die neuen Anschuldigungen gegen Foucault hinwegsetzen. »Die Vorwürfe sind glaubwürdig, was Foucaults Ausnutzung der Kinderprostitution in Nordafrika betrifft«, sagt sie, »und der aktuelle Kontext macht diese sogenannten Enthüllungen spektakulär.«

Ist das überraschend? Nein. Viele Insider wussten das schon lange. Auch der neugierige Leser postmoderner Literatur konnte entsprechende Hinweise finden, ohne dafür große Hürden überwinden zu müssen. Bereits 2010 habe ich im Blog geschrieben:

Als Heuchelei empfinde ich es auch, dass in unserer postmodernen Lebenskultur übersehen wird, dass etliche Väter der Postmoderne die »Grenzüberschreitung« erkenntnistheoretisch begründet haben. Verweisen ließe sich hier z.B. auf Marquis de Sade, Georges Bataille oder manche Prominente der 68er-Generation (siehe auch hier). Zitieren möchte ich Michel Foucault, der sich als Übervater der Postmoderne-Debatte theoretisch und praktisch für eine Sexualität »ohne Gesetz« stark machte. In einem späten Gespräch mit Edmund White sagte Foucault (Interview mit Edmund White , 12. Mai 1990, in: James Miller, Die Leidenschaft des Michel Foucault, Kiepenheuer und Witsch 1995, S. 81): „In einem gewissen Sinne habe ich während meines gesamten Lebens versucht, intellektuelle Dinge zu tun, um schöne Knaben anzuziehen.“

Vielleicht kommt ja doch noch etwas Bewegung in die Debatte über die Sexuelle Revolution? Noch einmal. Ich empfehle den Artikel sehr. Zu finden in DIE ZEIT, Nr. 15, 8. April 2021, S. 49.

Gibt es im Kiosk!

Kultureller Selbstmord des Westens

Im Dante-Jahr erscheint in den Niederlanden die „Göttliche Komödie“ ohne die Passagen über Propheten Mohammed. Der Grund: Man möchte die Gefühle von Muslimen nicht unnötig verletzen.

Der Historiker Christophe de Voogd sieht in solchen Werkfälschungen eine Form des „kulturellen Selbstmords“ und kommentiert in der WELT das Ereignis folgendermaßen:

Dabei handelt es sich zunächst um die Unkenntnis, was Literatur bedeutet, die ja einen permanenten Angriff auf Vorurteile darstellt, auf die Bequemlichkeit und das Sich-Abgrenzen gegen andere, denn sie ist per definitionem ja die Öffnung gegenüber allem Möglichen, die imaginäre Überwindung der konzentrischen Kreise, der Conditio humana, der Aneignung, wie man heutzutage sagt, sowohl des Autors als auch des Lesers anderer Schicksale als des eigenen.

Die Unkenntnis des Textes von Dante, der auch eine große Anzahl von Päpsten und Helden in sein Inferno schickt, aber auch Homosexuelle, die also auch eine diesbezügliche Säuberung des Textes verlangen könnten, um nicht verletzt zu werden. Und aus Dante einen frühen Islamophoben zu machen, das dürfte all diejenigen zum Schmunzeln bringen, die die Huldigungen Saladins oder Avérroes in seinem Werk kennen. Hinzu kommt auch noch die allerdings umstrittene Hypothese, dass Dante sich auch von der muslimischen Eschatologie inspirieren ließ.

Mehr, allerdings hinter einer Bezahlschranke: www.welt.de.

Ein Echoraum des puren Irrsinns

Joachim Küpper, Professor für Romanische Philologie und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin, hat in der WELT die Cancel-Culture wuchtig kritisiert. Er fragt auch, wie es soweit kommen konnte. Seine Antwort ist sehr interessant: 

Wie konnte es dazu kommen, dass sich das Territorium der heutigen kulturellen Debatten zu einem Echoraum des puren Irrsinns entwickelt hat? Es gibt politische Megatrends mit langer Vorgeschichte, die hier konditionierend sind. Mit dem Christentum ist der Gedanke universeller Gleichheit in die Welt gekommen – ein Gedanke, der, trotz Nietzsche, für sich genommen zunächst einiges für sich hat. Als im 18. Jahrhundert der Glaube an die wörtliche Wahrheit der Bibel schwand und der industriell produzierte diesseitige Fortschritt einsetzte, wurde die Vorstellung einer Rückkehr ins verlorene Paradies säkular.

Nach einigen Geburtswehen war der Marxismus geboren, 1917 gelang es per Staatsstreich, den Gedanken in die Wirklichkeit zu zwingen. Nach dem von rechtsaußen gestarteten, gründlich gescheiterten Versuch, das kommunistische System mit Waffengewalt zu beseitigen, breitete es sich über die halbe Welt aus. Die Erfolge danach aber blieben mäßig. Es drohte Stagnation. Erst mit Kuba, dann mit diversen Eskapaden auf dem lateinamerikanischen Festland versuchte man, die Revolution von der Peripherie her in die Metropolen zu tragen. Auch das misslang gründlich.

Nach dem Scheitern einer schleichenden kommunistischen Machtergreifung 1973 in Chile stellte der für Internationales zuständige sowjetische Chefideologe Boris Nikolajewitsch Ponomarjow die Diagnose, die Linke könne in entwickelten Gesellschaften die Macht nicht erobern, wenn sie nicht zuvor die Diskurshoheit, vulgo: die Medien und die Universitäten, erobert habe. Theoretisch vorgedacht hatte dies Antonio Gramsci, das heißt eine weniger anrüchige Figur als der Moskauer Ideologieverantwortliche. Dies machte es der westlichen Linken möglich, das Programm der Eroberung des Überbaus, die Inversion des klassischen Marxismus, zu übernehmen.

Mehr hier, allerdings hinter einer Bezahlschranke: www.welt.de. Zu Antonio Gramsci ist hier etwas zu finden: www.evangelium21.net. Zu Antonio Gramsci und den Kulturmarxismus hat Hanniel mal einen Vortrag gehalten, der hier nachgehört werden kann: soundcloud.com.