Grenzen digitalen Lernens

 Durch Corona erleben die Schulen gerade einen Digitalisierungsschub. Was sich dabei bewährt hat und was man zukünftig besser lassen sollte, beschäftigt den Pädagogen Michael Felten beim DLF Kultur. Die Überlegungen sind hörenswert: 

So bringt es kaum etwas, Klassen nur mit Laptops auszustatten, interaktive Lernvideos hingegen können hilfreich sein. Wenn ein Fach oder eine Altersstufe viel geistige Auseinandersetzung erfordert, fällt der IT-Nutzen gering aus. Bei reinem Training zeigen sich aber auch überdurchschnittliche Effekte. Hattie selbst bilanziert, IT verbessere den Unterricht nur, wenn es sich nicht um Ersatz, sondern Ergänzung des pädagogischen Settings handele – und wenn die Vielfalt der Lernarten und die Häufigkeit von Feedback steige.

Beinahe klingt es dialektisch: Digitales Handwerkszeug muss für Schulen selbstverständlich werden. Gleichzeitig erstrahlt die Lehrperson als Zentralfaktor für kindliche Entwicklung. Versäumen wir also nicht, nach der Coronakrise zu fragen, was wir von ihren Notlösungen wirklich behalten wollen. Die Antwort sollte datenbasiert sein – und nicht nur das Bauchgefühl widerspiegeln „Hat doch irgendwie ganz gut hingehauen“. Die CEOs im Silicon Valley jedenfalls bevorzugen für ihre Kinder analoges Lernen.

Hier der Beitrag: 

Theologie des Handelns: Auf der Reise ins Unbekannte

Eine kleine Theologie des Handelns: Makoto Fujimura zeigt, wie wichtig es ist, dadurch zu lernen, dass wir etwas tun. Gefällt mir sehr! 

Bullinger: Milde bei Gott und den Menschen

Heinrich Bullinger hat als Reformator in Zürich auch über die Aufgaben der Richter gepredigt und dabei für die damalige Zeit erstaunliche Dinge gesagt (Schriften III, 2006, S. 377): 

Zudem müssen die Richter Maß halten können und über ein sicheres Unterscheidungsvermögen verfügen, so dass sie schwerwiegende Vergehen auch schwer bestrafen, geringere Vergehen hingegen mit mittelschweren Strafen und geringfügige oder leichte Straftaten gemäßigt ahnden. Bekannt ist das Wort aus dem Gesetz Gottes [Dtn 25,2]: »Nach dem Maß der Schuld soll auch das Maß der Schläge sein.« Dabei soll der Richter auch die Milde zum Zuge kommen lassen. Nicht selten entschuldigt einen Angeklagten sein Geschlecht oder sein Alter. Manchmal wird sein Vergehen auch entschuldigt, wenn man die Begleitumstände nach Gebühr berücksichtigt. Der Richter muss außerdem das bisherige Leben des Angeklagten sorgfältig in Betracht ziehen: War dieses bis dahin ehrlich und rechtschaffen, dann verdient der Angeklagte mehr Milde und Nachsicht, sofern das Vergehen, dessentwegen er in Fesseln gelegt ist, nicht so schwerwiegend ist, dass es keine Milde mehr zulässt. Wahre Gottesfurcht, Gebete zum Herrn und eine sorgfältige, dem Gesetz entsprechende Untersuchung des Vergehens in Tat und Wort sind das beste Richtmaß für den Richter und bestimmen seine Milde oder Strenge. Grundsätzlich findet eine angemessene Milde bei Gott und den Menschen die größte Anerkennung.

Gemeinden, lasst euch nicht durch das Coronavirus spalten

In manchen Kirchengemeinden gibt es derzeit Meinungsverschiedenheiten und so gar Streit im Blick auf die Herausforderungen, welche die Corona–Pandemie mit sich bringen. Brett McCracken ruft Christen dazu auf, eine friedfertige und nuancierte „Gegenkultur“ sichtbar werden zu lassen, die Spaltungen verhindert. Er fragt: 

Wie können Gemeinden in einem solch heiklen und polarisierenden Umfeld „fein und lieblich in Eintracht beisammen sein“ (Ps 133), anstatt sich spalten zu lassen? Es wird nicht einfach sein. Aber durch die Gnade Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes, die uns auf eine Weise verbindet, wie es das Fleisch niemals könnte, besteht für uns die Möglichkeit, eine „Gegenkultur“ zu bilden und zum Vorbild für den Rest der Welt zu sein.

Hier mehr: www.evangelium21.net.

Ob man vor dem Sterben fliehen möge

Martin Luthers Schrift „Ob man vor dem Sterben fliehen möge“, das in der Zeit einer Pest in Wittenberg Rat und Hilfe bieten sollte, erlangt im Angesicht der Coronakrise unerwartete Aktualität. Die Schrift gibt es bei der Glaubensstimme online und bei Sola Gratia Medien als Taschenbuch für 2,90 Euro.

„Auf Klo“ oder die Jugendformate der Öffentlich-Rechtlichen

Sie heißen „Mädelsabende“, „Deutschland 3000“ oder „Auf Klo“ – die Jugendformate der Öffentlich-Rechtlichen auf Instagram und YouTube (ich habe darüber berichtet, z.B. hier oder hier). Sie wollen locker und neugierig wirken – aber die Ideologie dahinter ist fatal, meint Hannah Lühmann in einem bemerkenswert kulturkritischen Kommentar zu den „Aufklärungskanälen“ des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks.

Worum geht es? Die Formate, die auf Jugendliche ausgerichtet sind, sprechen bestimmte Themen an, die sie für sehr wichtig halten, etwa Penisgröße, Prostata, Spermiendichte, Feminismus, Transsexualität usw. Die Sendungen sind meist nach dem gleichen Muster aufgebaut. Ein Jugendlicher stellt fest, „dass es ein Phänomen gibt (Akne, Magersucht, Penisse, Jungfernhäutchen, Häusliche Gewalt, Gewerkschaften, Transsexualität), befragt dann irgendwelche Experten oder sonstige Protagonist*innen (das Gendern ist fester Teil der DNA der meisten dieser Formate) dazu, was man über dieses Phänomen wissen muss, ‚wie es sich anfühlt‘ oder ‚mit welchen Vorurteilen man da konfrontiert ist‘ und bereitet die so gewonnenen ‚Fakten‘ dann spielerisch für ein Publikum auf, das sie dann als Bestandteile seines ‚total aufgeklärten‘ Weltbilds weiterträgt.“ Auf diese Weise sollen dann „Toleranz“ und „Aufklärung“ gestärkt werden. Tatsächlich handelt es sich um naive Propaganda, die durch Rundfunkgebühren finanziert wird.

Hannah Lühmann schreibt:

„Mädelsabende“ & Co wirken, als wollten sie diese These illustrieren: Es begegnet einem eine scheinbar bunte Welt der verschiedensten Phänomene, aber dann wird sie immer nur ins gleiche staunende Abnick-Schema gepresst: „Frauen, die keinen Kinderwunsch haben und sich deswegen die Gebärmutter rausnehmen lassen? Aha! Wow! Das gibt es also auch. Das wusste ich nicht. Ist aber völlig okay. Habe ich wieder total viel gelernt. Danke für euren wertvollen Beitrag.“

Es wirkt, als traute sich niemand mehr zu denken. Die einzige Form, in der Neues zugelassen wird, ist der „Bericht“ des „Betroffenen selbst“, der als einziger kompetent darüber sprechen kann. Das alles ist nun, gesellschaftlich betrachtet, nichts Neues und es ist vielfach kulturkritisch beschrieben worden. Es wäre nur eben wünschenswert, wenn Formate, die den Anspruch haben, die Jugend zu bilden, sich vom Zeitgeist zumindest so weit distanzieren könnten, dass sie etwas anbieten, aus dem man lernen kann, anstatt ideologisch zu verdummen. Es handelt sich beim Beschriebenen natürlich um ein Problem, das massiv etwas mit dem Strukturwandel der Öffentlichkeit und den Medien zu tun hat: Formate sind heute nun mal interaktiv, es geht schon lange nicht mehr um klassische Sender-Empfänger-Modelle, und das ist ja auch richtig und gut.

Leider ist der Artikel hinter einer Bezahlschranke. Hier der Link: www.welt.de.

Ravi Zacharias (1946–2020)

Ravi ZachariasDer Apologet Ravi Zacharias starb am Dienstag, zwei Monate nachdem er bekannt gegeben hatte, dass bei ihm Krebs diagnostiziert worden war. Er wurde 74 Jahre alt. Der beliebte Schriftsteller und christliche Lehrer war durch Ravi Zacharias International Ministries (RZIM) für seine Arbeit bekannt, die sich auf apologetische Argumente für die Existenz Gottes und die Vernünftigkeit des Christentums konzentrierte. In seiner 48-jährigen Karriere predigte er in mehr als 70 Ländern und verfasste mehr als 30 Bücher. Er lehrte Christen, sich mit Skeptikern auseinanderzusetzen, und argumentierte, dass die christliche Weltanschauung robuste Antworten auf die existentiellen Fragen der Menschheit hat.

Hier geht es zur ausführlichen Meldung von CT: www.christianitytoday.com.

Vom Buddhismus zum christlichen Glauben

Barbara Stühlmeyer hat für Die Tagespost das Buch:

  • Tenzin Lahkpa mit Eugene Bach: Auf der Suche nach Erleuchtung fand ich das Licht. Mein Weg von Buddha zu Jesus, Brunnen Verlag, Gießen 2019

gelesen. Die Rezension über das Buch, indem ein buddhistischer Mönch, der zu den Füßen des Dalai Lamas saß, beschreibt, wie er von Jesus Christus gefunden wurde, stimmt neugierig: 

Diese Form der Vernichtung macht Tenzin klar: Er will einen anderen Weg suchen. Einen, der Wahrheit und Leben ist. Aber das ist gar nicht so leicht. Erst als Tenzin mit einer Lungentuberkulose ins Krankenhaus eingeliefert und von einem schwedischen Arzt, der Christ ist, behandelt wird, findet er endlich jemanden, der seine Fragen beantwortet und ihm – ein kostbarer Schatz im chinesisch besetzten Tibet – eine Bibel schenkt.

Tenzin wird, was unter den damaligen medizinischen Bedingungen als höchst unwahrscheinlich galt, geheilt. Und er weiß auch, durch wen. Denn als der Arzt für ihn gebetet hat, spürte der buddhistische Mönch ein lebendiges Licht und hat schließlich eine Christusvision. Er kehrt dennoch in sein Kloster zurück. Denn er will die Wahrheit, die er erkannt hat, die unerwartete Erleuchtung, die so ganz anders ist als das, was er gelernt und gelehrt hat, in einer Debatte mit seinem Lehrer prüfen. Eine mutige Entscheidung. Tenzin weiß, dass sein Glaube an Jesus Christus in seinem Kloster nicht willkommen sein wird.

Tatsächlich wird er nach seinem mutigen Bekenntnis nicht nur selbst brutal zusammengeschlagen, das Haus seiner Mutter wird in Brand gesteckt und sie selbst muss zu Verwandten fliehen. Sein Bruder, ebenfalls Mönch, hilft ihm, zu fliehen und Tenzin beginnt in China sein neues Leben als Untergrundchrist. Das Licht, dass er in Jesus gefunden hat, erhellt seinen Weg. Er findet eine Frau, bekommt zwei Söhne und baut einen medizinischen Dienst auf, mit dem er gegen alle Hoffnung sogar in sein Dorf zurückkehren kann, wo er schließlich seinem alten Lehrer begegnet und ihn heilt.

Mehr: www.die-tagespost.de.

Das Schweigen der Bischöfe

Die evangelischen Bischöfe reden gerade so wie alle anderen. Es ist schön, wenn sie Ärzten danken – aber ist die These von der Strafe Gottes theologisch überholt? Hartmut Löwe, ehemaliger Militärbischof, stellt die richtigen Fragen und deutet Antworten an: 

Luther hat, als die Pest 1525 und 1527 zuerst in Breslau und später auch in Wittenberg wütete, in seiner nicht ausschöpfbaren, noch heute unmittelbar zu uns sprechenden Schrift „Ob man vor dem Sterben fliehen möge“ ganz selbstverständlich und ohne Scheu von einer Strafe Gottes gesprochen. Ist das inzwischen als theologisch überholt zu tadeln?

In, mit und unter allem, was geschieht, will Gott gefunden werden, auch wenn wir nur mühsam oder gar nicht verstehen, was er uns sagen will. Wer jedoch nicht vom Zorn Gottes zu sprechen vermag, verdirbt auch die Rede von Gottes Liebe. Sie wird dann zu einer diffusen Gefühlsduselei, einer nicht belastbaren Allerweltsweisheit ohne konkreten Anhalt in der Lebenserfahrung. Der Lauf der Welt ist auch im Blick auf das, was Gott tut, konkret.

Kulturprotestantische Belanglosigkeiten versagen in der Krise, die über uns gekommen ist. Hier muss theologisch und geistlich tiefer gegraben werden. Vermögen das unsere Kirchenoberen in ihrer Geschäftigkeit noch? Bislang haben wir öffentlich davon nichts gehört.

Mehr: www.faz.net.

Hermeneutisches Cruising

In der Ausgabe 2/2020 von Bibel und Gemeinde (S. 33–40) habe ich eine kleine Kritik der queeren Bibelinterpretation veröffentlicht. Dazu hier kurz einige Anmerkungen:

Heutzutage sind viele Schriftausleger nicht mehr bereit, sich dem Sinngehalt von Bibeltexten unterzuordnen. Meist setzen sie voraus, dass Texte gar keinen objektiven Sinngehalt transportieren. Argumentiert wird wie folgt: „Da wir sowieso nicht verstehen, was ein ursprünglicher Autor, etwa ein David oder Paulus, gemeint hat, müssen wir nach anderen Wegen suchen, um von den antiken Texten zu profitieren. Wir verstehen Bibeltexte nicht, indem wir uns ihnen unterordnen und sie im Sinne ihrer Autoren auslegen. Wir schaffen uns vielmehr in der Begegnung mit den alten Texten neue Wirklichkeiten.“ Das Gewicht verschiebt sich also vom Text auf den Ausleger, dessen Denken wiederum imprägniert ist von seiner sozialen Zugehörigkeit. Nicht das, was der Text objektiv sagt (kein Text sagt etwas objektiv), sondern das, was der Text in uns auslöst, ist entscheidend für das Textverständnis der spätmodernen Bibelausleger. Rob Bell ist zum Beispiel jemand, der so mit der Bibel umgeht.

In der Tradition dieser spätmodernen Bibelauslegung steht auch das sogenannte „Hermeneutische Cruising“. Der Begriff „Cruising“ stammt aus der englischen Seefahrersprache und bedeutet wörtlich „mit dem Schiff kreuzen, herumfahren“. Innerhalb der schwulen Milieus wird er gern benutzt, um die aktive Suche nach einem kurzfristigen Sexpartner zu bezeichnen. Ein „Cruiser“ ist jemand, der zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Auto unterwegs ist, um einen potenziellen Intimpartner zu finden. Dabei achtet er auf zarte schwule Signale und setzt selbst mittels Körpersprache, Kleidung oder Codes Fingerzeige, die von Eingeweihten erkannt werden. Des Öftern endet Cruising mit anonymem Sex, weshalb im homosexuellen Diskurs der Begriff auch als Synonym für den schnellen Sex verwendet wird.

Insofern überrascht es nicht, dass das „Hermeneutische Cruising“ seinen Sitz in der schwulen Bibelauslegung hat. Timothy R. Koch, ein homosexueller Pfarrer und Pionier dieser hermeneutischen Herangehensweise, schreibt:

Ich nenne sie [d. h. die schwule Hermeneutik] hermeneutisches Cruising, weil Cruising der Name ist, mit dem wir den uns eigenen Weg des Erkennens bezeichnen, die uns eigene Sehnsucht nach Begegnung, den uns eigenen Verstand und Instinkt, die uns eigene Art, auf das (bzw. den) zu antworten, was (der) uns anzieht und bewegt. Hermeneutisches Cruising bedeutet, den Frauen und Männern in der Bibel mit derselben Haltung zu begegnen, mit der wir uns einer jeglichen heterogen zusammengesetzten Gruppe nähern würden: in der Erwartung, dass unter diesen Menschen einige Freundinnen und Freunde sein werden, einige Feinde, einige, denen unser Lebensstil egal ist (oder auch die für uns nichts weiter bedeuten) … und einige echt heiße Typen!“ (Timothy R. Koch, „Hermeneutisches Cruising: Homoerotik und die Bibel“, Werkstatt Schwule Theologie, Nr. 3 (10/2000), S. 213–225, hier S. 219)

Diese Weise der Bibelauslegung richtet sich gegen jedes Konzept, das der Bibel immer noch die Vollmacht zugesteht, „Menschsein zu regulieren oder in seiner Eigentlichkeit zu bestimmen und so mein Verhalten und das Verhalten anderer zu normieren“ (T.R. Koch, „Hermeneutisches Cruising“, S. 219). Verworfen wird jeder autoritative Anspruch, der von außen an den Menschen herantritt. Kompetenzzentrum der Auslegung ist das innerseelische Begehren. Die innere Wahrheit entscheidet über die Bedeutung und das Recht, die oder das fremde Wahrheiten für mein Leben haben dürfen. Timothy R. Koch schreibt:

Der hermeneutische Cruiser wird beim Lesen der Bibeltexte seine Augen und Ohren für das offenhalten, was seine Wünsche uns Sehnsüchte anspricht. Er ist immer dabei, „in dem Wald von Texten nach lebenseröffnenden, spannenden Spuren und Begegnungen zu suchen!“(T.R. Koch, „Hermeneutisches Cruising“, S. 219–220). In der Bibel herumcruisen bedeutet, die eigene erotische Erkenntnisfähigkeit und das mir gehörende erotische Wissen in die Begegnung mit den biblischen Schriften einzubringen. „Hermeneutisches Cruising setzt wie jedes Cruising in der wirklichen Welt voraus, dass ich offen bin für neue Möglichkeiten, dass ich dem Aufmerksamkeit schenke, was mir neu vor Augen kommt, meine Neugier erregt oder als vielversprechendes Signal daherkommt – und mich einfach darauf einlasse. (T.R. Koch, „Hermeneutisches Cruising“, S. 219–220).

Ich erläutere das Cruising an zwei Beispielen. Das erste Beispiel stammt von Koch selbst. In seiner Exegese von 2Könige 1,2–8 erkennt er in Elia einen Gott der Ziegen, da sich „geheiligte Homosexuelle zu verschiedensten Zeiten der Geschichte in Ziegenfelle kleideten und zu Medien von Ziegengottheiten wurden“ (T.R. Koch, „Hermeneutisches Cruising“, S. 221). Das zweite Beispiel stammt von der evangelischen Pfarrerin Dr. Kerstin Söderblom, die Jakobs Kampf am Fluss Jabbok queer auslegt (eine Kurzversion dieser Interpretation wurde hier veröffentlicht). Ihr Fazit lautet:

„Vor diesem Hintergrund zeigt sich in dieser biblischen Geschichte ein Gott, der ganz anders ist. Er überschreitet Grenzen und zwingt auch Jakob Grenzen zu überschreiten. Dieser Gott ist nicht männlich, nicht weiblich. Er lässt sich körperlich berühren und berührt selbst. Dadurch sprengt er die dualistisch angeordneten Kategorien von Normalität und Abweichung, Körper und Geist, Subjekt und Objekt. Und als der Morgen anbricht, segnet Gott den Jakob.“

Der Cruiser greift bei seiner Auslegung der Bibel Fragmente und Begriffe auf und entwickelt gefühlige Assoziationsketten, um eigene Begehren und Ziele zu untermauern. Von daher überrascht es nicht, dass der exegetische Ertrag des hermeneutischen Cruisings vor allem das widerspiegelt, was die Herzen der Ausleger bewegt. Es handelt sich um ein Format der Eisegese, bei der etwas in den Text hineingelesen wird, was dort nicht steht. Ich bin geneigt, sogar von Projektionen zu sprechen, da innerpsychischer Inhalte oder Konflikte auf die Texte übertragen werden.

Was diese Herangehensweise besonders tragisch macht, wiegt freilich schwerer als eine verfehlte Textinterpretation. Der Cruiser kann unterm Strich im zu deutenden Text nur das finden, was er sucht. Er erlaubt der Heilige Schrift nämlich nicht mehr, sein eigenes Vorverständnis aufzubrechen. Gott darf nicht mehr reden. Was zählt, ist die „intrinsische Autorität“. Das Ergebnis der Auslegung ist eine Echo der eigenen Seele. Was bleibt, ist Einsamkeit!

Die Ausgabe 2/2020 oder ein Abonnement von Bibel und Gemeinde kann hier bestellt werden: bibelbund.de.

Jede Zelle im menschlichen Körper hat ein Geschlecht

Jede Zelle im menschlichen Körper hat ein Geschlecht, was bedeutet, dass Männer und Frauen bis hinunter auf die zelluläre Ebene verschieden sind. Doch allzu oft ignorieren Forschung, Medizin und die Genderstudies diese Einsicht. Die Ärztin Paula Johnson hat vor einigen Jahren einen Vortrag gehalten, in dem es eigentlich um Depressionen geht. Aber quasi nebenbei erzählt sie, was es für Konsequenzen haben kann, wenn die Unterschiede ignoriert werden.

Interview mit Tim Challies

Tim Challies ist ein Pionier der reformatorischen Bloggerszene. Ursprünglich als reine Plattform für seine Familie entstanden, ist „challies.com“ heute eine wichtige Anlaufstelle für reformatorisch gesonnene Christen. Tabletalk hat mit dem in Toronto lebenden Blogger und Pastor gesprochen und ihn unter anderem danach befragt, welche Bücher ihn besonders beeinflusst haben: 

Obwohl ich in der reformierten Tradition aufgewachsen bin, wurde ich Teil des evangelikalen Mainstreams, nur kurz nachdem ich geheiratet und das Haus meiner Eltern verlassen hatte. Es gibt verschiedene Bücher, die wichtig dabei waren, mir zu zeigen, dass gesunde Lehre wirklich wichtig ist, und die meine Liebe für die reformierte Theologie neu anfachten. John MacArthurs Ashamed of the Gospel deckte auf, dass die Gemeinde, die ich besuchte, von Pragmatismus statt von der Heiligen Schrift angetrieben wurde; James Montgomery Boices Whatever Happened to the Gospel of Grace? zeigte mir die Schönheit der gesunden Lehre, während R.C. Sprouls The Holiness of God meine Augen für das einzigartige Wunder und die Majestät Gottes öffneten. Diese drei Bücher spielten eine zentrale Rolle in meinem Leben; sie waren genau die Bücher, die ich in dieser Zeit meines Lebens brauchte und ich erachte es als Güte des Herrn, dass er mich zu allen drei führte.

Seitdem ist John Owens Overcoming Sin and Temptation ein Buch, zu dem ich immer wieder zurückkehre, so oft ich mit der Sünde ringe, während Jerry Bridgeses The Discipline of Grace mir deutlich gemacht hat, sich selbst ständig das Evangelium zu predigen und dadurch sicherzustellen, dass das Evangelium wirklich wesentlich für meinen Glauben und mein Handeln ist, und nicht nur der äußerliche Anstrich.

Mehr bei Evangelium21: www.evangelium21.net.

 

Bibelsoftware und ihre Grenzen

Bibelprogramme sind nützliche Werkzeuge. Aber sie sind kein Ersatz für die Arbeit des sorgfältigen Übersetzens. Diese These begründet Kevin McFadden in dem Artikel „Bibelsoftware und ihre Grenzen“ sehr gut: 

Hebräisch und Griechisch erst zu lernen und dann frisch zu halten ist harte Arbeit. Es ist für mich ein steter Kampf, sie zu bewahren – besonders die Sprache, die ich nicht unterrichte. Ich versuche, jeden Tag einige Verse zu lesen. Ich organisiere in den Sommerferien eine Lesegruppe, in der man sich Rechenschaft gibt. Auch der Druck, einen Bibeltext zu predigen oder zu lehren, zwingt mich zum Übersetzen. Eine zutreffende und genaue Auslegung eines Textes unter Rückgriff auf die Ursprachen ist immer mühsam erkämpft. Das wird nicht dadurch geleistet, dass man einzelne Wörter nachschlägt, ohne ihren Kontext zu verstehen. Es geschieht durch die langsame und anstrengende Tätigkeit des Übersetzens und Auslegens.

Wenn unser Dienst seine Grundlage im Wort Gottes hat und auf das Evangelium ausgerichtet ist, dann sollten die, welche die Möglichkeit dazu haben, sich der Aufgabe stellen, die biblischen Sprachen zu lernen. Können wir die Bibel und ihre Botschaft verstehen, auch wenn wir kein Hebräisch und Griechisch können? Ja, Gott sei Dank – und ich habe tatsächlich schon viele hervorragende Prediger gehört, die die biblischen Sprachen nicht gelernt hatten.

Mehr: www.evangelium21.net.

Entdeckungsreise durch das Buch der Bücher

Der Onlinekurs „Bibel für alle“ eignet sich jetzt noch besser für die Arbeit in Gruppen. Ab sofort können Teilnehmer innerhalb eines Moduls mithilfe einer modernen Videokonferenz-Software über Kursinhalte sprechen. So macht das Bibelstudium noch mehr Freude.

Online-Bibelkurs in 50 Ländern verbreitet

Das ursprünglich in englischer Sprache herausgegebene Kurspaket ist seit über drei Jahrzehnten erfolgreich im Einsatz. Im Laufe der Jahre sind immer mehr Lernmodule hinzugekommen. Die Lerninhalte werden ständig weiterentwickelt und in andere Sprachen übersetzt. Schon mehr als 50.000 Studierende in über 50 Ländern haben das erste Modul, eine gründliche Einführung in die Bibel, erfolgreich durchgearbeitet.

Den roten Faden entdecken

Die große Stärke des Onlinekurses ist es, dass die Einheit der Bibel, also der rote Faden von der alten bis hin zur neuen Schöpfung, aufgezeigt wird. „Das Verständnis dieses roten Fadens ist für das gewinnbringende Bibelstudium entscheidend“, meint Rene Hamburger, der seit einigen Jahren an der deutschen Ausgabe arbeitet. Es befähigt den Leser, die biblischen Bücher und einzelne Bibelstellen in Gottes fortlaufenden Heilsplan einzuordnen. So ist leichter zu erkennen, dass Jesus Christus die Mitte der Schrift ist. „Dann wird es auch einfacher, das, was die Bibel sagt, in richtiger Weise auf das eigene Leben anzuwenden“ meint Hamburger weiter.

Der Kurs besteht aus sechs Modulen, die aufeinander aufbauen. Die beiden ersten Module sind bereits vollständig verfügbar. Weitere Module werden in den kommenden Monaten freigeschaltet.

Auch in Hauskreisen und Kleingruppen einsetzbar

Obwohl „Bibel für alle“ ursprünglich für Einzelanwender entwickelt worden ist, eignet sich der Kurs ebenfalls für das Studium in Hauskreisen oder sonstigen Kleingruppen. Egal, ob man einzeln oder in der Gruppe unterwegs ist: das Material kann flexibel gemäß dem eigenen Zeitplan durchgearbeitet werden. 

Ob man dabei zuhause oder unterwegs ist, spielt keine große Rolle. Man braucht nur einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone. Die Bibelstellen kann man direkt am Monitor mitlesen. Wer lieber mit Papier arbeitet, darf sich den Kurs gern ausdrucken. Für Nutzer des „Bibel für alle“-Kurses entstehen übrigens in der Einführungsphase keine Kosten. Weitere Informationen zum Kurs und eine Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter der URL: www.bibel-für-alle.net.

Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben?

In der Zeitschrift PERSPEKTIVE mit dem Thema „Vernünftig glauben“ ist mein Artikel „Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben?: Warum ich die Heilige Schrift anders lese als Siegfried Zimmer und die Bibelwissenschaft trotzdem schätze“ erschienen (Ausgabe 3/2020, 19. Jg., S. 32–36). Der Artikel beginnt wie folgt:

In den vergangenen Jahren bin ich mehrfach Leuten begegnet, die ganz begeistert von Worthaus-Konferenzen zurückgekehrt sind. Einige dieser Besucher erklärten mir unverblümt, dass sie die biblizistischen Predigten in ihren Heimatgemeinden leid seien. So wie Peter, dem es schwerfiel, überhaupt noch zuzuhören, wenn ein Bruder auf der Kanzel stand und nur das wiederholte, was jeder Leser sowieso im Bibeltext vorfand. „Bei Siegfried Zimmer habe ich endlich mal was Neues gehört“, schwärmte er. „Der nimmt die Bibel auch sehr ernst. Aber er gräbt tiefer und berücksichtigt die Kultur, in der die Texte entstanden sind. Dieser Mann ist nicht nur ein glänzender Rhetoriker, er legt die Schrift wissenschaftlich und relevant aus“, teilte mir Peter mit einem gewissen Stolz mit. Dann wollte er wissen, was ich von Siegfried Zimmer halte.

Siegfried Zimmer bin ich bis heute nicht persönlich begegnet. Worthaus-Vorträge hatte ich freilich schon gehört. So bestätigte ich, dass Zimmer ein wortgewaltiger Redner ist, der seine Hörer in den Bann zieht und manchmal kräftig gegen andere austeilt. Zu seiner Sicht auf die Heilige Schrift konnte ich auch etwas sagen, denn sein Buch Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben? habe ich gelesen. Also habe ich berichtet, was ich dort entdeckt habe. Einiges davon will ich auf den folgenden Seiten erzählen. Ich weiß, dass ich manchem Leser damit viel abverlange.

Die Ausgabe kann hier bestellt werden: www.cv-perspektive.de.