Nochmal: War Jesus verheiratet?

2012 wurde ein frühchristliches Fragment bekannt, in dem Jesus von „meiner Frau“ spricht. Während einige Wissenschaftler dem Befund gegenüber skeptisch blieben, waren andere begeistert. Vor allem Karen Leigh King hat sehr lang für die Echtheit des Fragments plädiert. Die WELT schrieb 2014:

ls die Religionshistorikerin Karen Leigh King im September 2012 ihre Deutung des Papyrus-Fetzens den in Rom versammelten Kollegen vorstellte, wollten nicht wenige sich gar nicht erst mit dem Inhalt beschäftigen. Der Satz „Jesus sagte zu ihnen, ,meine Frau‘“ schien zu sehr aus dem popkulturellen Universum eines Dan Brown („Sakrileg“) zu stammen, der in seinem Bestseller „Sakrileg“ (2003) die These vertreten hatte, Jesus hätte mit Maria Magdalena Kinder gezeugt, deren Nachfahren noch heute die Erde bevölkerten. Es müsse sich bei dem „Beweisstück“ demnach um eine Fälschung handeln, war der Tenor. Bei weniger kritischen Beobachtern machte der Text dagegen bald als „Evangelium von Jesu Frau“ die Runde.

Den Anhängern der Fälschungstheorie kann Karen King, Inhaberin des renommierten Hollis-Lehrstuhls an der Universität Harvard, jetzt mit guten Argumenten widersprechen. Bei dem Papyrus handelt es sich nicht um eine moderne Fälschung, sondern um ein historisches Dokument. Radiokarbontests hätten eindeutig bewiesen, dass das vier mal 7,5 Zentimeter große Bruchstück zwischen 659 und 859 entstanden ist. Auch Schriftbild und Buchstaben passten zu dieser Datierung.

Inzwischen ist viel Wasser den Bach heruntergelaufen (hier eine Zusammenstellung der Entwicklung). Aber was der Journalist Ariel Sabar 2016 ans Licht gebracht hat, liest sich spannender als ein guter Krimi. Auch wenn es nicht mehr ganz aktuell ist:  Wer wissen möchte, was das Jesuspapyrus mit Deutschland zu tun hat, sollte sich die verrückte Geschichte irgendwie erschließen.

Hier: www.theatlantic.com.

Hier gibt es ein kurzes Video dazu:

Heinrich Heine: Meine Erleuchtung

In der Vorrede zur 2. Auflage der Geschichte der Religion und Philosophie gibt der deutsche Dichter Heinrich Heine Auskunft, wie er zu Gott zurückfand. Er wies neugierige Fragen zu seiner Bekehrung ab,  gibt jedoch eine Antwort, die es in sich hat. Er schrieb 1852 in Paris (zitiert aus: W.R. Brauer, Heinrich Heines Heimkehr zur Gott, 1981, S. 32, das Zitat ist auch hier zu finden):

In der Tat, weder eine Vision, noch eine seraphitische Verzückung, noch eine Stimme vom Himmel, auch kein merkwürdiger Traum oder sonst ein Wunderspuk brachte mich auf den Weg des Heils. Ich verdanke meine Erleuchtung ganz einfach der Lektüre eines Buches. — Eines Buches? Ja, und es ist ein altes, schlichtes Buch, bescheiden wie die Natur, auch natürlich wie diese; ein Buch, das werkeltägig und anspruchslos aussieht, wie die Sonne, die segnend und gütig uns anblickt wie eine alte Großmutter, die auch täglich in dem Buche liest, mit den lieben, bebenden Lippen, und mit der Brille auf der Nase — und dieses Buch heißt auch ganz kurzweg das Buch, die Bibel. Mit Fug und Recht nennt man diese auch die Heilige Schrift; wer seinen Gott verloren hat, der kann ihn in diesem Buche wiederfinden, und wer ihn nie gekannt, dem weht hier entgegen der Odem des göttlichen Wortes.

Heinrich Bullinger: Architekt der Reformation

Hanniel Strebel und ich haben vor einigen Jahren den Reformator Heinrich Bullinger entdeckt und schätzen gelernt. Im Sommer 2019 hat Hanniel in Aidlingen einen einführenden Vortrag zu dem Reformator gehalten. Ausgehend von der These, dass Bullinger eigenständig zur Reformation fand, erläutert er einige große Ereignisse und gibt Einblick in die immensen Produktivität Bullingers. Die Leistungen in seiner 44-jährigen Zeit als Antistes der Zürcher Kirche sind so enorm, dass noch immer an der Erschließung seines Werkes gearbeitet wird. 

Freundlicherweise wurde E21 der Mitschnitt zur Verfügung gestellt und so kann der Vortrag dort nachgehört werden: www.evangelium21.net.

Landesbischof Rentzing tritt zurück

Es ist für mich eine traurige Nachricht. Landesbischof Dr. Rentzing hat heute seinen Rücktritt erklärt. Auf der Seite der Ev.-Lutherischen Landeskirche ist zu lesen:

„Ich bin angetreten mit dem Wunsch, die verschiedenen Positionen innerhalb der Landeskirche wieder einander näher zu bringen. Mein oberstes Ziel war und ist die Einheit der Kirche. Ich muss mit großem Bedauern feststellen, dass die aktuelle Diskussion um meine Person diesem Ziel schadet. Sie ist nicht nur für mich persönlich, sondern auch für die gesamte Kirche derzeit eine Belastung. Um Schaden von meiner Kirche abzuwenden, habe ich mich entschieden, mein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen.

Ich stehe für konservative Positionen und Werte, die ich in einem langen Entwicklungsprozess für mich als richtig erkannt habe. Dabei war die Begegnung mit Jesus Christus und mein Glaube für mich prägend. Der Weg in die Kirche hat mich verändert. Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr.

Nun, die Worte sind erklärungsbedürftig. In einigen Wochen wissen wir mehr.

Weiteres: www.evlks.de.

John Piper: Glaube entsteht nicht aus klugen Vorträgen

Vom 3. bis 6. Oktober veranstaltete die Arche zusammen mit Evangelium21 in Hamburg eine gemeinsame Konferenz. Die Nachrichtenagentur IDEA berichtet darüber: 

Die Bibel spielt bei der Gotteserkenntnis die zentrale Rolle. Glaube entsteht nicht aus klugen Vorträgen, er erwächst aus dem Wort Gottes. Das sagte der US-Theologe und Autor Prof. John Piper (Minneapolis/Bundesstaat Minnesota) bei einer Gemeinschaftstagung des Netzwerkes „Evangelium21“ zusammen mit der „Eckstein-Konferenz“ des Gemeinde- und Missionswerks Arche. Sie fand mit 1.800 Besuchern vom 3. bis 6. Oktober in Hamburg statt. Das Treffen stand unter dem Motto „Sehnsucht nach Gott“.

Wie Piper weiter sagte, dürften Predigten deswegen nicht auf Theologien, Traditionen oder gesellschaftlichen Themen basieren, die man in die Bibel hineinlese. Vielmehr müsse die Bibel selbst durch Auslegung die Theologie prägen. Eine solche Auslegung führe zu einer erfüllenden Freude. „Je mehr wir Gott erkennen, desto mehr Liebe haben wir zu ihm und anderen Menschen“, so Piper. Die Folge sei ein Leben in großer Zufriedenheit. Dadurch werde Gott geehrt.

Mehr: www.idea.de.

Theologiestudium: „Immer muss man sich rechtfertigen“

Mehr und mehr Menschen treten aus der Kirche aus, dagegen steht das Theologiestudium noch relativ gut da. Die Studenten müssen sich allerdings oft bohrende Fragen gefallen lassen und erklären, warum sie ein ziemlich bedeutungsloses Fach studieren. Leon Igel berichtet darüber in seinem FAZ-Blog:

Für immer mehr Menschen spielen Religion und Kirche eine immer geringere Rolle. Die Zahl der Kirchenaustritte ist seit Jahren hoch, allein im letzten Jahr kehrten der evangelischen und katholischen Kirche mehrere Hunderttausend Menschen den Rücken. Bis 2060 werden sich die Mitgliederzahlen halbiert haben, schätzen die Evangelische Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz. Keine Frage, die Kirche als Institution verliert an gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. In dieser Stimmung Theologie zu studieren, mag für viele rückwärtsgewandt erscheinen. Doch das stimmt so nicht: Der Trend der Kirchenaustritte lässt sich nicht auf die wissenschaftliche Disziplin der Theologie übertragen.

Zahlenmäßig ist bei den Studenten das Fach, das sich aus der Innenperspektive mit einer Religion beschäftigt, nach wie vor beliebt – oder gleichbleibend unbeliebt. In den vergangenen zwanzig Jahre sind die Studentenzahlen auf einem konstanten Niveau geblieben, in absoluten Zahlen sogar mit einer leichten Tendenz zum Wachstum. Im Wintersemester 1988/89 studierten nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 20.867 Menschen christliche Theologie und Religionspädagogik, im Wintersemester 2017/18 waren es 21.585. 

Mehr: blogs.faz.net.

Zwei Arten des „Theologischen Liberalismus“

Dan Doriani (Covenant Theological Seminary, Missouri, USA) unterscheidet in seinem Beitrag über den Theologischen Liberalismus zwischen einem feindlichen und einem freundlichen Liberalismus. Der freundliche möchte den Glauben an Gott „retten“, zahlt dafür aber einen hohen Preis.

Jahrhundertelang sind liberale Theologen davon ausgegangen, es sei ihre Aufgabe, das Christentum dem „modernen Menschen“ schmackhaft zu machen. In den meisten Fällen teilt dieser moderne Mensch mit dem Theologen einen sehr ähnlichen Hintergrund und sozialen Status. Das Ziel des liberalen Theologen ist die Rettung des Christentums, die durch das Entfernen der jeweils anstößigsten Lehrsätze bewerkstelligt wird. 

Einmal ist es die Lehre der Sünde, die unakzeptabel ist; ein anderes Mal sind es Wunder; und noch ein anderes Mal ist es die Jungfrauengeburt, die stellvertretende Sühne oder die biblische Sexualmoral. Der Tenor allerdings ist immer derselbe: Um das Christentum glaubwürdig zu machen, müssen gewisse Lehrsätze weichen. 

Die erste Variante, der feindliche Liberalismus, hasst das Christentum und möchte es durch eine bessere Religion ersetzen. Die zweite – um die es in diesem Artikel geht – ist freundlicher. Sie möchte den Glauben retten und seine „kulturellen Verächter“ zurückgewinnen. Leider wird das Christentum in dem Rettungsversuch des freundlichen Liberalen zerstört, da seine Loyalität nicht der Schrift, sondern der Kultur gilt. 

Mehr bei Evangelium21: www.evangelium21.net.

Auf Gottes Einladung antworten

John Stott schreibt in einem Buch Die große Einladung über die Freiheit (Brunnen, 2004, S. 138–139):

Jeder ist auf der Suche nach Ruhe, nach Frieden, nach Freiheit. Und Jesus sagt uns, wo wir sie finden können – indem wir am Kreuz unsere Last abwerfen und indem wir uns der Autorität seiner Lehre unterordnen. Freiheit finden wir in der Tat dadurch, dass wir unsere Last niederlegen; aber wir finden sie ganz bestimmt nicht dadurch, dass wir hinterher auch die Last Christi abwerfen. Das Paradox des christlichen Lebens ist: Unter dem Joch Christi finden wir Ruhe, und in seinem Dienst finden wir Freiheit. Indem wir uns verlieren, finden wir uns selbst, und wenn wir unserer Selbstsucht absterben, fangen wir an zu leben.

Warum also bin ich Christ? Es ist wohl klar geworden, dass es dafür nicht den einen, alles entscheidenden Grund gibt, sondern eher ein Bündel von Gründen. Manche davon haben mit Jesus Christus selbst zu tun – mit den außergewöhnlichen Behauptungen, die er über sich selbst aufstellte und die ich nicht entkräften kann; mit seinem Leiden und seinem Tod, die mir das Problem des Schmerzes erhellen; und mit der Unerbittlichkeit, mit der er, der „himmlische Jagdhund“, mich verfolgte und mich nicht entkommen ließ. Andere Gründe haben mehr mit mir zu tun als mit ihm: Er hilft mir, mich selbst im Paradox meiner menschlichen Natur zu verstehen und Erfüllung für mein grundlegendes menschliches Streben zu finden. Ein weiterer Grund für meine Entscheidung, Christ zu werden, ist die Notwendigkeit, auf Gottes Einladung zu reagieren und zu ihm zu kommen, um Freiheit und Ruhe zu finden.

Um es in einem einzigen Satz zusammenzufassen: Jesus Christus, der von sich sagt, er sei sowohl der Sohn Gottes als auch der Erlöser und Richter der Menschheit, steht nun vor uns und bietet uns Erfüllung, Freiheit und Ruhe an, wenn wir nur zu ihm kommen. Eine solche Einladung von einer solchen Person kann man nicht einfach übergehen. Er wartet geduldig auf unsere Antwort. „U. A. w. g.!“ [Um Antwort wird gebeten!].

Es ist schon viele Jahre her, dass ich Christus damals im Schlafsaal der Schule kniend meine Antwort gegeben habe. Ich habe es nicht bereut. Denn ich habe erfahren, was Lord Reith (der erste Generaldirektor von BBC London) einmal „das Mysterium und die Magie des innewohnenden Christus„ nannte.

Ich frage mich, ob Sie, liebe Leserin und lieber Leser, wohl ebenfalls bereit sind, diesen Schritt zu tun? Wenn ja, dann hilft es Ihnen vielleicht, sich allein irgendwohin zurückzuziehen und das folgende Gebet zu Ihrem eigenen zu machen:

Herr Jesus Christus, ich weiß, dass du schon lange auf verschiedenste Weise auf der Suche nach mir bist. Ich habe gehört, wie du an meine Tür geklopft hast.

Ich glaube, dass deine Behauptungen wahr sind; dass du am Kreuz für meine Sünden gestorben bist, und dass du auferstanden bist und über den Tod triumphiert hast.

Danke für dein liebevolles Angebot der Vergebung, für die Freiheit und für die Erfüllung.

Nun wende ich mich ab von meiner sündigen Selbstsucht.

Ich komme zu dir als meinem Erlöser.

Ich ordne mich dir unter als meinem Herrn. Schenk mir die Kraft, dir für den Rest meines Lebens zu folgen.

Amen.

Die Wohlfühluniversitäten

Stereotypes Denken in sicheren Umgebungen fördert die Komfortidylle. Die Universität als Ort der Wissensproduktion hingegen scheint vorbei zu sein. Zu diesem Schluss kommt die Studie des amerikanischen Philosophieprofessors Steven B. Gerrard.

Marc Neumann stellt sie für die NZZ vor und schreibt: 

In den historischen Verkörperungen bis zum «Consumer College» war die Universität Produzent und Anbieter von Wissen (selbst wenn aufs Christliche, «Gentlemännliche» reduziert). Erschien «Inklusion & Diversität» an der Konsumuniversität als willkommenes Nebenprodukt der Wissensproduktion, ändert sich das am «Comfort College» radikal: Inklusion und Diversität selbst sind Produkt und Dienstleistung der Uni, ihre Markenidentität beruht auf einer behaglichen und komfortablen Erfahrung der studentischen Konsumenten.

Diesen kultischen Wohlfühlglauben stören wissensproduzierende Staubfänger wie Wahrheit, Logos und die Freiheit, Skepsis und kritisches Denken zu äussern, nur noch. Also weg damit, so die studentischen Komfortkunden. Und weil der Kunde König ist, machen die Universitätsleitungen, das Management des «Comfort College», eben brav mit.

Mehr: www.nzz.ch.

Nordkirche

Die Kirche ist eigentlich dafür da, das Evangelium darzureichen. Allerdings sind es andere Themen, die die Amtsträger bewegen. Die Nordkirche hat sich auf ihrer Landessynode vor allem mit dem Klima, der gleichgeschlechtlichen Ehe und Jugend- und Familienfragen befasst. Sie hat dabei etwa entschieden, künftig nicht mehr zwischen Segnung und Trauung zu unterscheiden. Gleichgeschlechtliche Paare werden also auch getraut.

Das überrascht nicht. Diese Salamitaktik ist durchschaubar. Ziel war es immer, die Trauung durchzusetzen. Die Segnung war nur ein Etappensieg.

Allerdings ist noch eine andere Entscheidung gefallen. Und die hat es in sich. Die Ostsee-Zeitung berichtet (entscheidender Passus hervorgehoben):

Der NDR zitierte Wilm mit den Worten: „Der Begriff Segnung wurde immer häufiger als minderwertiger empfunden als eine Trauung.“ Mit dem Wort Trauung werde eine „Gleichberechtigung und die Aufhebung der Diskriminierung“ erreicht. Mit deutlicher Mehrheit gestrichen wurde außerdem laut NDR ein Abschnitt, der es Pastoren ermöglichen sollte, eine Trauung gleichgeschlechtlicher Paare aus Gewissensgründen abzulehnen.

Hier: www.ostsee-zeitung.de.

Wer der Sprache Gewalt antut

Die Schriftstellerin Olga Martynova hat sich in der FAZ (hinter der Bezahlwand) sehr klug zur gendergerechten Spracherziehung geäußert:

Wenn ich von Kulturbeamten unterschriebene Flyer bekomme, wo Dichter*innen und Teilnehmende begrüßt werden, fühle ich mich unter Druck gesetzt. Für mich als jemanden, der in der Sowjetunion aufgewachsen ist, ist das besonders seltsam, eigentlich ein Déjà-vu: Ich als Autorin bekomme absurde sprachliche Empfehlungen von einer Kulturbehörde! Die Ähnlichkeit wird leider dadurch verstärkt, dass ich einige der Verfasser jener Texte privat sagen höre, sie fänden genderangepasste Sprache absurd. Das erinnert wieder an sowjetische Kulturverantwortliche, die eine private Meinung für die Freunde und eine ganz andere öffentliche Position hatten. Hilfe, will man rufen, aber wer kann helfen, und gegen wen? Die aufrichtigen Menschen, die glauben, dass sie auf diese Weise zur Gerechtigkeit beitragen, sollten jedoch eine Regel beachten: Immer, wenn man der Sprache Gewalt antut, verletzt man die Menschlichkeit. Das heißt, es stimmt da etwas nicht.

Es scheint so, als ob Menschen, die sich mit Diktaturen befasst haben oder sogar in ihnen gelebt haben, sensibler auf die behördlichen Eingriffe in die Sprache reagieren.

Menge-Bibel wird neu herausgegeben

Der CLV-Verlag hat für November 2019 eine überrarbeitete Fassung der Menge-Bibel angekündigt. Johannes Otto stellt den Übersetzer Menge für Evangelium21 vor:

Clv menge 2020 256020 1Hermann Menge pflegte schon zu Studienzeiten 14 Stunden täglich zu arbeiten. Dieser Fleiß prägte sein Lebenswerk. In seinem Unterricht entwickelte er neue Lehrmethoden, die den Schülern das Sprachwissen in einer Kombination von Fragen und Antworten vermittelten. Daraus entstanden seine Lehrbücher, die er eigentlich nur zum eigenen Gebrauch verfasste, weil ihm das vorliegende Lehr- und Lernmaterial für seine Schüler unbrauchbar erschien. Menges Werke stießen aber bei Kollegen und dann auch in der Fachwelt auf so große Begeisterung, dass sie bis heute genutzt werden. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Leistungen wurde Menge 1876 der Ehrentitel eines Professors verliehen.

Der pädagogische Erfolg Menges beruhte auch auf seiner Menschlichkeit und seinem großen Einfühlungsvermögen gegenüber seinen Schülern. Er schaffte es immer wieder, Probleme auf unkonventionelle Weise zu lösen und auf die damals übliche „Schulzucht“ zu verzichten. Bei aller Strenge und Disziplin, die seine Arbeit und seinen Unterricht durchzogen, war Menge immer für einen Spaß zu haben. So kam es auch vor, dass Professor Dr. Menge mit seinen Schülern bei einem Bier in einer Kneipe plauderte – was für die damalige Zeit doch recht außergewöhnlich war. Außergewöhnlich war auch, dass der sonst so stille und zurückgezogen lebende Mann sich bei seinem Ärger über die damalige Schulreform sogar mit Kaiser Wilhelm II. anlegte.

Trotz des Arbeitseifers von Hermann Menge zerrten Schulreformen und Schulalltag an dem gesundheitlich angeschlagenen Mann. Außerdem sehnte er sich nach der ruhigen wissenschaftlichen Arbeit an seinem Schreibtisch. Um das Jahr 1900 erbat er sich mit 59 Jahren den Eintritt in den Ruhestand, was durch ein entsprechendes ärztliches Gutachten ermöglicht und bewilligt wurde. Auf der Suche nach einer passenden Wohnstätte für seinen „Lebensabend“ zog Menge zunächst von Wittstock nach Braunschweig und dann nach Bad Harzburg. Beide Städte waren ihm zu laut. Die gesuchte ruhige Arbeitsumgebung fand er schließlich in der Thomasstraße in Goslar, wo er bis zu seinem Heimgang lebte.13 Niemand hätte geahnt, dass hier das eigentliche Lebenswerk des nunmehr etwa 60 Jahre alten Philologen erst beginnen würde.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

Selbstgerechtigkeit passt nicht zur Guten Nachricht

John Stott schreibt in einem Buch Die große Einladung über die Befreiung durch Christus (Brunnen, 2004, S. 126–128):

«Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken» (Matthäus 11,28). Diese Einladung richtet sich ausdrücklich an alle Menschen, auch an uns. Mit der Einladung macht uns Jesus nicht gerade ein Kompliment. Er beschreibt uns als «mühselig und beladen». Offenbar vergleicht er uns mit Ochsen, denen ein schweres Joch den Nacken wund scheuert und die eine schwere, ja erdrückende Last tragen.

Jesus geht also davon aus, dass alle Menschen eine Bürde tragen, und was mich betrifft, so habe ich keinen Zweifel daran, dass seine Diagnose zutrifft. Da sind die Lasten unserer Ängste und Sorgen, unserer Versuchungen, unserer Verantwortung und unserer Einsamkeit. Da ist dieses schreckliche Gefühl, das uns manchmal überfällt, dass das Leben weder Sinn noch Ziel hat. Vor allem aber ist da die Bürde unseres Versagens oder (um das Kind beim Namen zu nennen) unserer Sünden, die Gottes Gericht verdienen. Klagt unser Gewissen uns niemals an wegen einer Schuld? Senken wir niemals den Blick unter einem Gefühl der Scham und der Entfremdung? Haben wir niemals ausgerufen (wie das anglikanische Gebetbuch es vorsieht), dass «die Last unserer Sünden unerträglich» ist, dass wir sie also nicht mehr tragen können?

Wenn uns all diese Lasten fremd sind, dann – fürchte ich – werden wir niemals die Einladung Christi annehmen, zu ihm zu kommen und uns von ihm befreien zu lassen. Es sind die Beladenen, denen er Erquickung verspricht. Wie er an anderer Stelle sagte: «Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken!» (Matthäus 9,12). Wer sich gesund fühlt, wird nicht zum Arzt gehen. So werden wir auch nicht zu Jesus Christus kommen, solange wir nicht die Last unserer Sünde verspüren.

Der erste Schritt, Christ zu werden, ist das demütige Eingeständnis, dass wir Jesus brauchen. Nichts kann uns so sicher vom Reich Gottes fern halten wie unser Stolz und unsere Selbstgerechtigkeit.

Aber was bietet Jesus nun eigentlich an? Er verspricht uns, wenn wir zu ihm kommen, unser Joch leichter zu machen, unsere Last von uns zu nehmen, uns zu befreien und uns zu erquicken.

Märchen für Erwachsene

Claas Relotius nannten manche in der SPIEGEL-Redaktion einen „Jahrhundertjournalisten“.  Über 40 Auszeichnungen hat er erhalten. Er galt unter den Journalisten als Supertalent. Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen hat für die NZZ beschrieben, warum das wirklichkeitsfremde Storytelling so erfolgreich war und wie es schließlich – trotz massiver Widerstände in der Redaktion – von Juan Moreno aufgedeckt wurde.

Es gibt eine grosse, fundamentale Frage, die der Philosoph Immanuel Kant einmal formuliert hat. Was ist der Mensch? Man kann, wenn man das Buch des Journalisten Juan Moreno zu Ende gelesen hat, jenes Mannes, der den «Spiegel»-Fälscher und Branchen-Star Claas Relotius mehr oder minder im Alleingang entlarvte, eine ziemlich düstere Antwort formulieren. Sie lautet: Der Mensch ist das Wesen, das die Lüge liebt, bestätigungssüchtig, gefangen im Kokon der eigenen Vorurteile, von denen er auch dann nicht lassen will, wenn sich die Realität längst laut dagegen sperrt.

Was ist passiert? Juan Moreno, freier Autor des «Spiegels», hat einen der grössten Medienskandale in Deutschland aufgedeckt, Claas Relotius, einen gefeierten, mit Preisen überhäuften Reporter als Hochstapler demaskiert. Und er hat mit seinem neuen Buch, «Tausend Zeilen Lüge», ein Lehrstück verfasst, das von der Manipulationsanfälligkeit des Menschen handelt (und letztlich, aber dazu später, auch von der Möglichkeit, dem Irrtum und der Illusion zu entkommen).

Mehr: www.nzz.ch.

Bankrott des Christentums

Reiner Hank problematisiert den Niedergang des christlichen Glaubens in der westlichen Welt: 

Angesichts der beispiellosen Kirchenaustritte seit fünfzig Jahren bekommt die alte These Max Webers über die Entzauberung der Welt neue Freunde. Robert Barro, ein Harvard-Ökonom, der mit Arbeiten über rationale Erwartungen und die Rolle der Geldpolitik berühmt geworden ist und als Kandidat für den Ökonomie-Nobelpreis gehandelt wird, hat zusammen mit seiner Frau Rachel McCleary, einer Religionswissenschaftlerin, immer schon viel über die Ökonomie des Religiösen geforscht. Jetzt haben die beiden in einem spannend zu lesenden Buch die Summe ihres Nachdenkens vorgelegt („The Wealth of Religions“, Princeton University Press).

Zwei Fragen stehen im Zentrum: Trägt religiöser Glaube zum Wohlstand der Nationen bei? Und: Führt wachsender Wohlstand zu einem Schwund religiöser Praxis und religiösen Glaubens? Letzteres ist die klassische, ebenfalls von Max Weber stammende Säkularisierungsthese, welche von Barro/McCleary rehabilitiert wird. Das bedeutet nicht, dass Religion am Ende ganz aus der Welt verschwände und durch atheistische Rationalität ersetzt würde. Doch seit der religionskritischen Aufklärung haben die Menschen mehr Optionen, wie und woher sie ihrem Leben Sinn geben können. Der Wettbewerb wurde schärfer.

Mehr: www.faz.net.

Papst Franziskus fordert interreligiösen Humanismus

Papst Franziskus lädt dazu auf, einen neuen, interreligiösen Humanismus zu entwicklen. Das wirkt – ehrlich gesagt – sehr hilflos und kommt ganz ohne biblischen Bezug aus.