Ein letztes Gespräch über letzte Dinge

Friedrich Wilhelm Graf (lehrte früher evangelische Theologie an der LMU in München) beschreibt in der FAZ sein letztes Gespräch mit Jürgen Habermas (FAZ, 16.03.26, Nr. 63, S. 11). Hier ein Auszug: 

Starnberg, 5. Januar. Nach dem üblichen Mittagessen beim Italiener in Söcking sprachen wir mehrere Stunden lang miteinander. Zunächst ging es, wie schon so oft, um Religion und Christentum. In einem kurzen Beitrag zur Festschrift für seinen Schüler Thomas Schmid, den wenige Tage zuvor gestorbenen Frankfurter katholischen Theologen und Religionsphilosophen, hatte er neuerlich darauf insistiert, dass eine nur schwache, rein symbolische Transzendenz des Einzelnen den starken Hoffnungspotentialen der alten christlichen Eschatologie nicht gerecht werde. Eine liberaltheologische Formel wie „Kein Mensch geht im Vorhandenen auf“ drohe die Substanz des Christlichen preiszugeben.

Aber Jürgen Habermas wusste auch, wie voraussetzungsreich und schwierig es unter postmetaphysischen Reflexionsbedingungen ist, alte Glaubensgehalte in einer intersubjektiv kommunikablen, also rationalen Sprache zu vergegenwärtigen. Dass ein Übersetzer in beiden Sprachwelten zu Hause sein müsse, es aber nicht mehr allzu viele religionssensible Vernunftdeuter gebe, räumte er ein. Er beschwor elementare Rettungsgewissheit und erinnerte gern an Gershom Scholem. Dessen Beerdigung im Februar 1982 in Jerusalem sei die berührendste, irgendwie schönste gewesen, an der er je teilgenommen habe. Vor Särgen, am offenen Grab sei ihm die heilsame Kraft von Kult und religiösem Ritus deutlich geworden.

Kirchen verlieren 1,2 Millionen Mitglieder in einem Jahr

Der Abwärtstrend setzt sich unvermindert fort: Zahlreiche Mitglieder verlassen die evangelische und die katholische Kirche. Die Zahl der Taufen kann die Zahl der Sterbefälle und Austritte bei Weitem nicht ausgleichen. DIE WELT meldet:

Die aus den am Montag von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten vorläufigen Zahlen hervorgeht, zählten sie Ende 2025 zusammen noch 36,6 Millionen Mitglieder. Das waren rund 1,2 Millionen Menschen weniger als im Jahr zuvor.

Der evangelischen Kirche gehörten demnach noch 17,4 Millionen Menschen an (2024: 18 Millionen), der katholischen Kirche 19,2 Millionen Menschen (2024: 19,8 Millionen). Die Zahlen zeigen, dass der Trend nach unten unvermindert fortschreitet.

So meldet die EKD, dass der Mitgliederrückgang wie im Vorjahr 3,2 Prozent betrug. Auch bei den Detailzahlen zeigt sich eine kontinuierliche Entwicklung: 350.000 Menschen traten aus einer der 20 evangelischen Landeskirchen aus, rund 5000 mehr als im Vorjahr. 330.000 Mitglieder starben, rund 5000 weniger als 2024. Weiterhin kann die geringere Zahl an Taufen (105.000) und Aufnahmen (16.000) den Verlust nicht aufwiegen.

Hier: www.welt.de.

Das ewige Gefühl, dass es nicht reicht

Kevin DeYoung schreibt in dem Buch Christsein schafft eh keiner (Verbum Medien, 2026, S. 88, #ad) über die Hartnäckigkeit von Schuldgefühlen (er beruft sich dabei auf „The Strange Persistence of Guilt“ von Wilfred M. McClay): 

McClay stellt fest, dass Schuld trotz aller Bemühungen von Nietzsche und Freud nicht ausgerottet werden konnte. Nietzsche glaubte, dass der Mensch durch den„Tod“ Gottes keine Schuldgefühle mehr mit sich herumtragen würde, während Freud versuchte, Schuld von ihrer moralischen Komponente zu befreien, indem er sie zur subjektiven und emotionalen Pathologie erklärte. Aber heute, mitten im 21. Jahrhundert, müssen wir feststellen, dass Nietzsches aggressiver Säkularismus und Freuds therapeutische Revolution das quälende Gefühl nicht überwinden konnten, das die meisten von uns mit sich tragen. Es ist ein Gefühl, dass wir nicht genug tun und dass das, was wir tun, nicht gut genug ist.

Jürgen Habermas (1929–2026)

Jürgen Habermas, einer der einflussreichsten Philosophen Deutschlands im 20. Jahrhundert, ist heute verstorben. Sein Verlag meldet

Jürgen Habermas ist am 14. März 2026 in Starnberg verstorben.

1929 in Düsseldorf geboren, gilt Habermas als bedeutendster Philosoph und Soziologe Deutschlands. Von 1949 bis 1954 studierte er in Göttingen, Zürich und Bonn die Fächer Philosophie, Geschichte, Psychologie, Deutsche Literatur und Ökonomie. Er lehrte unter anderem an den Universitäten Heidelberg und Frankfurt am Main sowie der University of California in Berkeley und war Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg. Mit seinem Werk Erkenntnis und Interesse wurde 1973 die Reihe suhrkamp taschenbuch wissenschaft begründet, die seither Klassiker der Theorie mit innovativen Publikationen verschiedener Wissenschaftsbereiche verbindet.

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten und Abhandlungen erhielt Habermas zahlreiche Auszeichnungen und Preise, unter anderem den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels im Jahr 2001. 2019 legte Habermas einen Doppelband vor: In seinem opus magnum Auch eine Geschichte der Philosophie zeichnet er die sukzessive Säkularisierung der Philosophie und die zeitgenössischen Transformationen in Wissenschaft, Recht, Politik und Gesellschaft nach. Zuletzt erschien im Herbst 2024 der Band »Es musste etwas besser werden …«. In Gesprächen mit Stefan Müller-Doohm und Roman Yos erzählte Habermas darin von dem Entstehungsprozess seines Werks, prägenden kollegialen Begegnungen und von den Umständen, unter denen sein philosophisches Denken sich entwickelte.

Es sieht fast so aus, als ob seine Kritik der profillosen kirchlichen Verkündigung eine seiner letzten öffentlichen Verlautbarungen war. Habermas hatte im Vorwort eines Buches gesagt, dass unklare Theologien die Grundlagen des Glaubens infrage stellten. Die Kirchen sollten daher weiterhin die Transzendenz betonen (vgl. hier).

Habermas, der nach dem, was wir wissen, nicht fromm geworden ist (kein Gott führt uns zur Wahrheit und Moral), hatte das christliche Evangelium gut verstanden und in seiner Philosophiegeschichte treffend zusammengefasst. Ich gebe hier nochmals wieder, was ich im Dezember 2019 von ihm zitiert hatte. Habermas schreibt: 

Im Mittelpunkt steht der bahnbrechende Gedanke, dass Gott mit dem stellvertretenden Opfer seines Sohnes der tätigen, aber aus eigener Kraft ohnmächtigen Reue der sündigen Menschheit zuvorkommt: »Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.« (Röm 5,8) Die Notwendigkeit für dieses unverdiente »Zuvorkommen« Gottes ergibt sich aus dem Umstand, dass die Menschen zu tief in Sünde verstrickt waren – viel zu tief, um auf Vergebung hoffen zu können, wenn Gott nur eine gerechte Abwägung ihrer eigenen Leistungen vornehmen würde. Es ist der in der Bibel selbst beschriebene heillose Verlauf der Geschichte des jüdischen Volkes, die den Juden Paulus in die prophetischen Worte einstimmen lässt: »Es gibt keinen, der gerecht ist, auch nicht einen; es gibt keinen Verständigen, keinen, der Gott sucht. Alle sind abtrünnig geworden, alle miteinander taugen nichts. Es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen Einzigen.« (Röm 3,10–12) Die von der adamitischen Erbsünde gezeichnete, in Sünde verstrickte Menschheit ist auch dort, wo sie unter dem Gesetz lebt, so schwach, dass sie der Vergebung aus Gnade bedarf. Während das Alte Testament Gehorsam gegenüber den mosaischen Gesetzen verlangt, überfordern die weiterreichenden Grundsätze der christlichen Liebesethik, das heißt Feindesliebe und unbedingte Vergebungsbereitschaft, die menschlichen Kräfte erst recht. Selbst der religiöse Virtuose versagt vor ihnen und ist auf die Gnade Gottes angewiesen. Daher konnte die Menschheit nur durch die Selbsthingabe Gottes gerettet werden, und darin besteht die Verheißung des Kreuzestodes: »Umsonst werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus.« (Röm 3,24) Wenn aber die gnadenbedürftigen Menschen derart »unter der Herrschaft der Sünde stehen« (Röm 3,9), muss sich auch das Verhältnis von Gesetzesgehorsam und Glaubenstreue verändern. »Glaubensgerechtigkeit«, und das ist die allein durch den Glauben an den gnädigen Gott zu erhoffende Rechtfertigung, erhält absoluten Vorrang vor der Werkgerechtigkeit. Und damit verändert sich auch der Heilsweg selbst: »Dass aber durch das Gesetz niemand vor Gott gerecht gemacht wird, ist offenkundig; denn: Der aus Glauben Gerechte wird leben.« (Gal 3,11)

Habermas’ Leben und Werk werden in einer arte-Dokumentation – von der gegenderten Sprache abgesehen – gut skizziert. Sie kann hier abgerufen werden: www.arte.tv.

„Gesellschaftliche Zeitbombe“

Alle sind auf einmal überrascht: Fast jeder zweite Muslim in Deutschland unter 40 Jahren weist einer aktuellen Studie zufolge Affinität zu islamistischen Einstellungen auf.

Ich glaube, es wird jetzt ein paar Talkshows zu dem Thema geben und dann geht das einfach so weiter. Bekannt ist nämlich dieser Trend seit vielen Jahren und es ist so gut wie nichts passiert. Ganz im Gegenteil. Wer diese Zeitbombe thematisiert hat, wurde als islamophob hingestellt. Es ist gar nicht so lange her, dass ein ranghoher SPD-Politiker dafür plädiert hat, den Kampf gegen Islamfeindlichkeit in der Verfassung zu verankern

Ich zitiere aus einem aktuellen WELT-Beitrag: 

Nach der Veröffentlichung einer aktuellen Studie, wonach fast jeder zweite Muslim in Deutschland unter 40 Jahren Affinität zu islamistischen Einstellungen aufweist, zeigen sich Politiker und Experten entsetzt. FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sagte der „Bild“-Zeitung, er sehe in den Ergebnissen eine „gesellschaftliche Zeitbombe“. „Die Politik des naiven Wegsehens hat diese Entwicklung begünstigt. Die Naivität muss aufhören“, sagte er. Er fordert ein Kopftuchverbot im Staatsdienst sowie an Schulen für Kinder unter 14 Jahren.

Manuel Ostermann, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft erklärte, Extremisten würden „eine fatale politische Korrektheit, Ignoranz und Tabuisierung, also unsere Schwäche“ ausnutzen. „Überall sehen wir Islamisten, die ihre verfassungsfeindliche Machtstruktur ausbreiten, selbstbewusster werden und den Rechtsstaat provozierend herausfordern.“

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) betonte, dass das Grundgesetz sowie das Strafrecht keine Scharia kennen. „Wir müssen damit rechnen, dass es im Gewand von Religion und Multikulti zunehmend gezielte Provokationen gegen Recht und Gesetz geben wird, denen unsere Sicherheitsbehörden schon im Keim offensiv und robust begegnen müssen“, erklärte er.

Mehr: www.welt.de.

Jesus als sittlich-religiöses Genie

Als ich vor rund 14 Jahren hier H. Richard Niebuhr zitierte, wusste ich noch nicht, dass sein Buch The Kingdom of God in Amerika (1937) im Jahr 1948 von Richard M. Honig in deutscher Sprache herausgegeben wurde. Inzwischen besitze ich das Buch und zitiere seine berühmte Beschreibung der liberalen Theologie im Kontext: 

Niebuhr schreibt (Der Gedanke des Gottesreichs im amerikanischen Christentum, New York: Church World Service, S. 140):

Da eine Versöhnung mit dem göttlichen Souverän nicht nötig erschien, war die Herrschaft Christi, gemäß der neuen Auffassung, an keine revolutionären Ereignisse in der Geschichte oder in dem Leben der Menschen geknüpft. Christus der Erlöser wurde zu Jesus, dem Lehrer und sittlich religiösen Genie, in dem die religiösen Fähigkeiten der Menschheit zur vollen Entfaltung gekommen waren. Darüber hinaus erschien die durchgreifende Umwälzung des inneren Lebens, für die der dynamische Protestantismus und die Erweckung gekämpft hatten, einem Liberalismus unnötig, der sich nicht allein der Gleichstellung dieser Umwälzung mit einer automatisch einsetzenden Bekehrung, sondern auch der Auffassung widersetzte, daß das Leben lasterhaft geworden war. Wenn er von einer Erneuerung sprach, hatte er nicht so sehr die Wiederherstellung der Gesundheit in einem erkrankten Körper als vielmehr die Beseitigung angehäuften Schuttes von überlieferten Glaubenssätzen oder überkommenen Sitten im Sinn. Evolution, Wachstum, Entwicklung, Kultur des religiösen Lebens, Pflege freundschaftlicher Gefühle, die Verbreitung menschenfreundlicher Ideale und der Fortschritt der Zivilisation traten an die Stelle der christlichen Revolution.

In ähnlicher Weise wurde die Vorstellung vom kommenden Reich ihres zwiefachen Charakters entkleidet. Man sah in diesem Reich die Erfüllung einer Verheißung, ohne daß ein göttliches Gericht in Erscheinung trat. Man unterstellte, daß es sich aus der Gegenwart entwickelte, sodaß keine große Krise erforderlich sei, die zwischen dem Gnadenzustand und dem der Herrlichkeit vermitteln müsse. In seiner einseitigen Auffassung vom Fortschritt, bei dem nur vom Wachstum des Weizens, nicht aber von dem Wuchern des Unkrauts, nur von dem Einsammeln des Kornes, nicht aber vom Verbrennen der Spreu die Rede war, erwies sich dieser Liberalismus in der Tat als naiv optimistisch.

Ein Gott ohne Zorn leitete Menschen ohne Sünde in ein Reich ohne Gericht durch die Vermittlung eines Christus ohne Kreuz.

Helft einander

Die Gemeinde ist unter anderem dafür da, dass wir uns einander dabei helfen, auf dem rechten Weg zu bleiben:

Christen sind Menschen, die untereinander „wahrhaftig in der Liebe“ sind (Eph 4,15). Das bedeutet, dass wir einander so sehr lieben, dass wir ehrlich über unsere Kämpfe sprechen und uns so umeinander kümmern, dass wir anderen in ihren Kämpfen beistehen. Wir gehen einander nach und sprechen über unangenehme Lebensbereiche, in denen wir sündigen, weil wir wissen, dass Isolation der Feind der Reinheit und Dunkelheit der Nährboden für Sünde ist.

„Authentisch“ zu sein ist jedoch kein Selbstzweck. Satan freut sich, wenn Menschen offen über ihre Sünden sprechen – solange sie keine Schritte in Richtung Buße unternehmen. Es gibt eine Heuchelei, die sich den Schein der Ernsthaftigkeit gibt, wobei sogar Tränen beim Bekennen einer Sünde vergossen werden können, ohne dass echte Schritte zur Veränderung gegangen werden. Wir müssen gesunde Beziehungen aufbauen, in denen wir uns gegenseitig barmherzig zu Ehrlichkeit und Buße anspornen.

Baust du bewusst intensive Beziehungen auf, in denen du göttliche Ermutigung, Bekenntnis und Zurechtweisung gibst und empfängst?

Mehr: www.evangelium21.net.

Francis Schaeffer: Moment für Moment auf Gottes Verheißungen vertrauen

Bruce A. Little beschreibt in dem Buch Why Truth Matters (DeWard Publishing, 2026, #ad), dass Francis Schaeffer am Ende seines Lebens sehr darüber besorgt war, dass Christen 

Bruce A. Little schreibt (S. 70–71): 

Als Schaeffer den Anhang A für die fünfbändige Ausgabe seiner Werke von 1982 verfasste, äußerte er eine Sorge, die er in den 1980er Jahren hatte – nämlich dass Christen versuchen würden, wahre Geistlichkeit als mechanische Formel zu leben. Schaeffer betonte jedoch wiederholt, dass wahre Spiritualität in der vollen Realität des Todes und der Auferstehung Christi gelebt wird. Es ist Leben, keine Formel. Dies, so Schaeffer, sei das Herzstück von L’Abri. Wahre Geistlichkeit bedeutet, die Realität des Todes und der Auferstehung Christi zu leben, damit der Christ in der Neuheit des Lebens wandeln kann. Es ist keine einmalige Verpflichtung. Diese Art zu leben bedeutet, von Moment zu Moment auf Gottes Verheißung zu vertrauen, dass wir mit Christus gekreuzigt worden sind und das Leben der Auferstehung erhalten haben, um in der Gegenwart zu leben.

Schaeffer verwies auf Texte wie Römer 6,1–12, um zu erklären, dass wahre Geistlichkeit keine ferne Realität in „dem zukünftigen Millennium oder der Ewigkeit“ ist; das ist etwas anderes. Jetzt können wir „in der Neuheit des Lebens wandeln“. Durch das Bekenntnis zu Christus wird der Geist des Menschen lebendig gemacht und das wiederhergestellt, was durch den Sündenfall verloren gegangen war. Wie sieht das in der täglichen Praxis aus? Schaeffer antwortete entschieden: „Zunächst einmal bedeutet es ganz sicher Folgendes: In unseren Gedanken und in unserem Leben sollen wir jetzt so leben, als wären wir bereits gestorben, im Himmel gewesen und als Auferstandene zurückgekehrt.” Er spricht hier nicht von einer physischen Erfahrung, sondern von einer geistlichen Realität, etwas, das im Bereich des Geistes geschieht, zu dem Christen gehören, ob sie es nun erkennen oder nicht.

Das Wort „geistlich“ bedeutet nicht, dass es nicht real ist, denn in gewisser Weise ist es realer als der Stuhl, auf dem ich gerade sitze. Schaeffer erklärte: „Wir, die wir jetzt die ‚Bürgschaft‘ des Heiligen Geistes haben und somit aufgrund der Realität des vollbrachten Werkes Christi Zugang haben – nicht in der Theorie, sondern in der Realität – zur Kraft des gekreuzigten, auferstandenen, verherrlichten Christus durch die Vermittlung des Heiligen Geistes.“ So wie man durch den Glauben errettet wird, so kommt auch wahre Geistlichkeit durch den Glauben; es ist ein momentanes Vertrauen in das Kreuz und die Auferstehung Christi, das nun für den Christen gilt. Es geschieht durch den Glauben und unabhängig von Werken, wie Schaeffer klarstellte: „Wahre Geistlichkeit wird nicht durch unsere eigene Kraft erreicht. Das „Wie“ der Art von Leben, von der wir gesprochen haben, das wahre christliche Leben, die wahre Spiritualität, steht in Römer 6,11: „So achtet auch ihr euch selbst (da ist der Glaube, dann der negative Aspekt) als tot für die Sünde (aber dann der positive Aspekt), aber lebendig für Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ Das ist das „Wie“, und es gibt kein anderes.“

Francis Schaeffer: Warum Wahrheit wichtig ist

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Bruce A. Little hat ein kleines Buch über Francis Schaeffer veröffentlicht. Why Truth Matters (DeWard Publishing, 2026, #ad) stellt sein einflussreiches Wirken vor und unterstreicht dessen Überzeugung, dass wahre Geistlichkeit ein Leben im Glauben ist, das jeden Augenblick von dem unfehlbaren Wort Gottes geprägt und geleitet wird. Ohne Vertrauen auf die objektive Offenbarung in der Heiligen Schrift läuft das christliche Leben Gefahr, die Orientierung vor Gott und in der Welt zu verlieren.

Ich werde ab heute einige Zitate aus dem gut lesbaren Buch veröffentlichen. Ich beginne mit einigen Ausführungen zu Geistliches Leben – Was ist das? (Haus der Bibel, 1975, #ad), ein Buch, dass für Schaeffer sehr wichtig war.

Bruce A. Little schreibt (S. 68–69): 

In Geistliches Leben – Was ist das? verdeutlichte Schaeffer die Grundlage dessen, was er als wahre Geistlichkeit bezeichnete – nämlich das christliche Leben. Er schrieb:

„Die Realität, im Glauben zu leben, als wären wir bereits gestorben, im Glauben in offener Gemeinschaft mit Gott zu leben und dann in die äußere Welt zurückzukehren, als wären wir bereits von den Toten auferstanden – das ist keine einmalige Angelegenheit, sondern eine Frage des Glaubens von Augenblick zu Augenblick und des Lebens von Augenblick zu Augenblick. Der Glaube von heute Morgen reicht für heute Mittag nicht aus. … Gott sei Dank für die Realität, für die wir geschaffen wurden, eine Kommunikation mit Gott selbst von Moment zu Moment. Wir sollten in der Tat dankbar sein, denn die Qualität von Augenblick zu Augenblick bringt das Ganze auf die Größe, die wir haben, so wie Gott uns geschaffen hat.“

Wie Jesus uns sagt, sollen wir um unser tägliches Brot beten, nicht um unser monatliches Brot So wie das Manna im Alten Testament, das am Montag gegeben wurde, für den Dienstag nicht ausreichen würde, so reicht der Glaube von heute Morgen nicht für heute Abend aus.

Über die Beziehung zwischen Rechtfertigung und wahrer Geistlichkeit sagte Schaeffer:

„Lassen Sie mich wiederholen: Der einzige Unterschied in der Praxis besteht darin, dass die Rechtfertigung ein für alle Mal geschieht, während das christliche Leben von Augenblick zu Augenblick gelebt wird. Das christliche Leben besteht darin, von Moment zu Moment nach dem gleichen Prinzip und auf die gleiche Weise zu handeln, wie ich im Moment meiner Rechtfertigung gehandelt habe.“

Später erklärte er: „Wenn wir also an Gottes Verheißungen glauben, wenden wir sie an – die gegenwärtige Bedeutung des Werkes Christi für den Christen – für und in diesem einen Moment – einen Moment nach dem anderen. Wenn man das nur erkennen kann, ändert sich alles.“

Existentiell gesehen wirkt wahre Spiritualität von Augenblick zu Augenblick, da der Christ aus dem Glauben an die Wahrheit der Gegenwart Gottes in ihm lebt, die durch den Glauben an das vollendete Werk Christi ermöglicht wird. Das habe ich einmal geglaubt, aber im Laufe der Jahre verlor diese Realität langsam ihren Platz in meinem Leben. Ich bin Schaeffer dankbar, dass er mich zu dieser grundlegenden Wahrheit des Christentums zurückgebracht hat.

Die verweigerte Verantwortung

Wir leben in einer Zeit, in der Verantwortung oft durch Verweigerung ersetzt wird, meint Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele. Ich stimme hier zu:

Wenn die Keimzelle der Gesellschaft, die Familie, so weit unterminiert wird, dass man die damit verbundene Verantwortung nur noch auf Zeit zu übernehmen bereit ist – nämlich für die Zeit ohne Gegenwind – und die damit verbundenen Verpflichtungen relativiert werden; wenn es sich die Großen in der Wirtschaft immer umfassender richten können, während es für die Kleinen immer härter wird; wenn Unternehmen verstärkt auf Zeitgeist und Compliance setzen statt auf echte Werte und eigene Haltung; wenn in der Politik immer mehr das Unrecht des Stärkeren salonfähig wird und das Recht zum Instrument der Mächtigen gerät, statt deren Macht zu beschränken; wenn Toleranz gefordert, aber nicht gezeigt wird; wenn Religion vom Bekenntnis zum Lippenbekenntnis degeneriert.

Wenn all das möglich ist – und genau das geschieht gerade –, dann leben wir im Zeitalter der Verantwortungsverweigerung. Diese Kultur der Verantwortungsverweigerung drückt sich besonders in Schuldverschiebung, in der Relativierung von Normen und Regeln sowie in folgenlosem Machtgebrauch und konsequenzlosem Machtmissbrauch aus. All das führt zu einem Vertrauensverlust, der Staat, Politik, Institutionen und sogar die Wissenschaft betrifft – zur Erosion von Recht, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Die Polarisierung der Gesellschaft ist eine unvermeidliche Folge, und genau diese erleben wir tagtäglich.

Mehr: www.die-tagespost.de.

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