Harte Fragen für Rebecca McLaughlin

Rebecca McLaughlin beantwortet gern kritische Einwände zum Christlichen Glauben auf verständnisvolle und klarer Weises. In ihren Büchern gibt sie ehrliche Antworten auf viele brennende Fragen unserer Zeit. Am 11. Oktober 2022 werden zwei von Rebeccas Bücher in der FeG München-Mitte um 18.30 Uhr durch den Verlag cvmd vorgestellt. Rebecca selbst wird via Zoom zugeschaltet sein.

Das Buch gibt es hier: www.cb-buchshop.de.

Die neue Sichtweise vom „Selbst“

VM Trueman DerSiegeszugDesModernenSelbst Webseite01 1080xWorum geht es in dem Buch Der Siegeszug des modernen Selbst: Kulturelle Amnesie, expressiver Individualismus und der Weg zur sexuellen Revolution, das im November 2022 beim Verbum Medien-Verlag erscheinen wird? Es geht um eine neue Sichtweise auf das „Selbst“. Sexualität ist demnach das, was den Menschen im Tiefsten ausmacht. Von daher bekommt Sex im persönlichen Leben und in den öffentlichen Diskursen eine so große Aufmerksamkeit. Die Frage der Identität ist aufs Engste mit der Sexualität verknüpft. Warum und auf welche Weise es so gekommen ist, wird in diesem Buch gründlich untersucht.

Carl Trueman schreibt (Der Siegeszug des modernen Selbst, 2022, S. 43):

Wie in der Einleitung erwähnt, ist der Grundgedanke dieses Buches, dass
die sexuelle Revolution mit ihren verschiedenen Ausdrucksformen in der
modernen Gesellschaft nicht isoliert betrachtet werden darf. Vielmehr
ist sie die konkrete und vielleicht offensichtlichste gesellschaftliche
Manifestation einer viel tieferen und umfassenderen Revolution. Es geht
um die Sicht auf das Individuum, das Selbst. Während Sex heute oft als
schlichte Freizeitaktivität hingestellt wird, soll Sexualität der Kern dessen
sein, was es bedeutet, als authentischer Mensch zu leben. Das ist
ein tiefgreifender Anspruch, der wohl beispiellos in der Geschichte ist.

Treibjagt auf Wirtschaftsjuristin

Die FAZ berichtet darüber, wie an einer deutschen Universität eine Juniorprofessorin verdrängt wurde, weil sie der Meinung war, dass es wichtig sei, an der körperlichen Unterscheidung von Männern und Frauen festzuhalten. Linke Gruppen haben ihr Transphobie vorgeworfen. Die Universitätsleitung schaute zu.

Wie geräuschlos solche Auseinandersetzungen verlaufen können, zeigt der Fall der Wirtschaftsjuristin Alessandra Asteriti, der bislang unterhalb der öffentlichen Aufmerksamkeitsschwelle blieb. Asteriti, die an der Universität Lüneburg als Juniorprofessorin Wirtschaftsrecht lehrte, hatte 2019 auf Twitter einen längeren Thread darüber geschrieben, warum die körperliche Unterscheidung von Männern und Frauen im internationalen Recht wichtig sei, nämlich deshalb, weil Ausbeutung, Unterdrückung oder Benachteiligung von Frauen sonst nicht darstellbar wären. Die Tweetfolge löste einen Empörungssturm in LGBTQ-Kreisen aus und fügte Asteritis wissenschaftlicher Laufbahn nach eigener Darstellung empfindlichen Schaden zu. 

Thomas Thiel schreibt im Artikel: „Bis heute wird darüber gestritten, ob es die vielzitierte Cancel Culture an deutschen Universitäten überhaupt gibt. Angesichts von mehr als fünfzig durch das ‚Netzwerk Wissenschaftsfreiheit‘ dokumentierten Fällen in den vergangenen zehn Jahren ist das erstaunlich.“

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

VD: TJ

Simulierte Liebe

Erich Fromm, der sich übrigens mit seinem ehemaligen Kollegen bei der Frankfurter Schule, Herbert Marcuse, zutiefst zerstritten hatte, schrieb einmal über den „Beziehungsbetrieb“ der Moderne/Spätmoderne (Jeffries, Grand Hotel Abrund, 2019, S. 354):

Wir leben in einem Zeitalter von Wegwerf-Lovern, in dem ausgeklügelte sexuelle Lust die Unvorhersehbarkeit der Liebe verdrängt hat, in dem die Suche nach Liebe etwas Ähnliches geworden ist wie Shoppen, und in dem wir von der Liebe verlangen, was wir auch von unseren anderen Einkäufen erwarten – Neuheit, Abwechslung, Verfügbarkeit.

Die Evangelische Kirche in Deutschland ist voll auf diesen Zug der redundanten Beziehungsethik aufgesprungen. Die Lust, das Vergnügen, der Konsum, das sexuelle Abenteuer gehen aus ihrer Sicht völlig in Ordnung. Zwei Beispiele: Das Portal der Kirche feiert einen Pfarrer, der nebenberuflich im Gemeindesaal als Drag-Queen auftritt und die Kundschaft dabei von der Jugendgruppe bewirten lässt. Einfach super! Und Pastor Max besucht den Dominus André, der seit neun Jahren in der Rotlichtszene „Sexarbeit“ leistet und ist – wie vorhersehbar – von seinem engagierten Einsatz begeistert. Es sei sehr wichtig, immer noch vorhandene Vorurteile abzubauen. Alle sexuellen Spielarten, egal ob SM oder Blümchensex, sind für Max völlig legitim. Es sei wichtig, dass wir darüber reden. 

Wie billig, durchschaubar und oberflächlich das alles ist, können uns sogar die linken Soziologen und Philosophen der Frankfurter Schule vor Augen malen. Es ist im Grunde der Versuch, auf dem Markt zu bleiben. Die Kirche will den Anschluss nicht verlieren und dockt an die Wünsche und Begehren der Menschen an.

Aber die Kirche schafft sich dabei ab. Gott hat seinem Volk die Möglichkeit eröffnet, tiefer zu schauen. Der Heilige Geist wurde nicht gesandt, um Sünde zu feiern oder zu propagieren. Der Heilige Geist ist gekommen, damit er die Welt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht überführt (vgl. Joh 16,8). In einer Kirche, die Gesetz und Evangelium verwirft, zieht sich Gottes Geist zurück und überlässt die Menschen „den Begierden ihrer Herzen“ (vgl. Röm 1,24). 

Warum ich meine Meinung über Thomas von Aquin geändert habe

Scott Clark erzählt in einem Beitrag für das Journal Credo, dass er durch den Einfluss von Cornelius Van Til und Francis Schaeffer große Vorbehalte gegenüber Thomas von Aquin entwickelt hatte. Bei der Lektüre klassischer reformierter Theologen fiel ihm dann freilich auf, dass sie Thomas durchaus schätzten. Daher änderte auch Clark seine Meinung über den größten Theologen des Mittelalters.

Er schreibt:

Als ich in den Jahren 1980/81 durch Francis Schaffer und Cornelius Van Til damit begann, das reformierte Glaubensbekenntnis für mich zu entdecken, hatte ich eine ziemlich starke Voreingenommenheit gegenüber Thomas, den ich selbst nie gelesen hatte. Ich kannte ihn nur als den römisch-katholischen Theologen par excellence. Von Van Til kannte ich Thomas nur als „den großen Meister der Scholastik“, und ich schloss daraus, dass „Scholastik“ ein Code für Rationalismus war, d.h. dafür, dass man der Vernunft die Position eines Lehrers (magister) statt der eines Dieners (ancilla) zubilligte. Ich hatte den Eindruck, dass Thomas von Aristoteles vereinnahmt worden war. Tatsächlich wurde mir der Eindruck vermittelt, dass Thomas die Quelle für vieles war, was das Christentum krank macht. In einer Tour de Force springt Van Til von Aristoteles über Aquin zu Immanuel Kant (1724–1804). Die beiden wichtigsten Dinge, die ich aus meinen kurzen frühen Begegnungen mit Thomas mitnahm (mea culpa), waren, dass er versuchte, die Existenz Gottes auf „fünf Wegen“ zu beweisen (ST, 1a.2, Art. 3), und dass er einen „Natur-Gnaden-Dualismus“ lehrte.

Als ich begann, die orthodoxen reformierten Autoren selbst zu lesen, war ich jedoch überrascht, wie positiv sie Thomas gegenüber eingestellt waren. Das stellte mich vor die Wahl: entweder die neo-calvinistische Darstellung unseres Verhältnisses zu Thomas (und anderen) oder der klassische reformierte Ansatz. Nachdem ich mich eingehender mit Thomas beschäftigt hatte, entschied ich mich schließlich für Letzteres.

Falls sich jemand fragt, wie ich zu dieser Frage (und vielleicht auch der „Debatte“ zwischen Westminster Philadelphia und California) stehe: Ich kann Scott Clark gut verstehen und ermutige dazu, Thomas mal aus erster Hand zu lesen. Im Bereich der Gotteslehre wünsche ich mir, noch viel von Thomas zu lernen. Ich habe auch nichts gegen sauberes methodisches Vorgehen im Bereich von Theologie und Philosophie. Es ist schade, dass die Protestanten die Teleologie so vernachlässigt haben. Aquin war ein Genie. Zugleich bin und bleibe ich möglicherweise Thomas gegenüber kritischer als Clark, nicht nur im Blick auf einzelne Lehrpunkte wie Eucharistie oder Erwählung, sondern auch in Bezug auf sehr grundsätzliche Fragen wie Offenbarungslehre, Epistemologie und Soteriologie. So genau weiß ich das allerdings nicht, da ich Clark zu diesen Themen weder gelesen noch gehört habe. 

Hier der Artikel: credomag.com.

Sind Hirnscans nur Kaffeesatzleserei?

Mit Hirnscans glaubte man, Menschen quasi beim Denken zusehen zu können. Dafür nutzt man funktionelle MRT-Bilduntersuchungen, die sichtbar machen, welche Regionen im Gehirn gerade aktiv sind. Mit solchen Verfahren wollte man sogar demonstrieren, dass politische Einstellungen auf neurologische und biologische Verwurzelungen zurückgeführt werden können (vgl. hier). Seit Jahren stehend diese Verfahren und die von ihnen abgeleiteten Thesen in der Kritik. Stephan Schleim hat sich die Mühe gemacht, mal den Stand der Dinge in Sachen Hirnscans zusammenzufassen. Er schreibt:  

Fassen wir zusammen: Schon 1930 dachte man, mit der EEG Gedanken lesen oder psychische Störungen diagnostizieren zu können. Bis in die 1990er stellte man hohe Erwartungen an PET und SPECT. Dann kam die fMRT. Als man damit zunehmend auf der Stelle trat, kam das “Gedankenlesen” (multivariate Analyse). Dann hieß es, man brauche Netzwerkanalysen.

Jetzt stellte sich heraus, dass all die Studien – von denen man inzwischen abertausende in den Datenbanken hat – statistisch gesehen gar nicht replizierbar sein können. Dann also Tausende Versuchspersonen messen, pro Experiment. Um winzige Effekte zu finden. Vom Abklatsch eines Abklatschs. Dazu KI in den Kochtopf. Und plötzlich passiert – Magie? War das mit dem “Voodoo” in der Hirnforschung vor rund einer Dekade doch nicht so daneben?

Dabei muss man konstatieren, dass von den seit 90 bis fast 200 Jahren gemachten Versprechen nichts realisiert wurde: keine echten Gehirnschreibmaschinen, kein Gedankenlesen, keine Diagnose psychischer Störungen im Hirnscanner, ja noch nicht einmal zuverlässige Lügendetektoren!

Die Gesellschaft hat viel Geduld mit den Neurowissenschaftlern, wenn der Geldhahn so lange offenbleibt. Übrigens ist die Diagnose psychischer Störungen meiner Argumentation zufolge mit dem Hirnscanner schlicht unmöglich. Dafür sprechen nicht nur theoretische Argumente, sondern inzwischen fast 200 Jahre Wissenschaftsgeschichte.

Mehr: scilogs.spektrum.de.

Krim: Menschenrechtsverletzungen nach russischem Recht

Auf dem Territorium der von Russland besetzten Krim werden alle Menschenrechte, einschließlich des Rechts auf Religions- bzw. Glaubensfreiheit massiv eingeschränkt. Das heißt, die in Russland geltenden Gesetze und Einschränkungen werden auch auf der Halbinsel Krim angewandt. Das meldete das Forum 18 am 23. September 2022.

Seit der russischen Invasion im Jahr 2014 kam es demnach wiederholt zu Razzien, religiöse Literatur wurde beschlagnahmt, religiöse Leiter aus dem Ausland, die auf Einladung auf der Krim weilten, wurden ausgewiesen, Mietverträge für Gottesdienststätten einseitig aufgelöst und die Rückgabe von während der Ära der Sowjetunion beschlagnahmten Gottesdienststätten behindert. Mehrere Gottesdienststätten wurden durch die Behörden geschlossen. Es wurden wiederholt Geldstrafen gegen Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaft verhängt, die Gottesdienste oder Versammlungen ohne staatliche Erlaubnis geleitet hatten. Einige Muslime und Zeugen Jehovas wurden zu langjährigen Kerkerstrafen verurteilt.

Nach der Besetzung der Krim mussten sich alle Religionsgemeinschaften nach russischem Recht neu registrieren lassen. Von den 1.156 Gemeinschaften, die nach ukrainischem Recht legalen Status hatten, konnten bis zum von den russischen Behörden gesetzten Termin 1. Januar 2016 nur etwa 400 die Registrierung nach russischem Recht erlangen.

Vertreter der Zivilgesellschaft und Mitglieder zahlreicher Religionsgemeinschaft zögern aus Furcht vor möglichen staatlichen Repressionen Russlands, offen über Themen zu sprechen, die als Kritik an der Besetzung der Krim interpretiert werden könnten. Aleksandr Sedov von der nunmehr verbotenen Menschenrechtsgruppe der Krim merkte gegenüber Forum 18 an, dass die von der russischen Besatzungsmacht wegen der Ausübung der Religions- bzw. Glaubensfreiheit verhängten Strafen internationale Menschenrechtsnormen verletzen. Die Menschenrechtsgruppe wurde am 4. Mai 2022 von der russischen Generalstaatsanwaltschaft zur „unerwünschten Organisation“ erklärt. Dadurch macht sich jede Person, die sich vor an den Aktivitäten der Gruppe beteiligt, strafbar und kann sogar zu einer Haftstrafe verurteilt werden.

In seinem Bericht über die Menschenrechtslage in der Ukraine während des Zeitraums 1. August 2020 bis 31. Januar 2021 verurteilte das Büro des Hochkommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen (OHCHR) die unrechtmäßige Anwendung des Rechts der Russischen Föderation in dem besetzten Gebiet. Zu vergleichbaren Menschenrechtsverletzungen kommt es auch in den nur von Russland anerkannten „Volksrepubliken“ Lugansk und Donezk.

VD: Arbeitskreis Religionsfreiheit der ÖEA 

Theodor Adorno: Der Geist des Konformismus

Der späte Theodor Adorno war im Blick auf die sich formierende Neue Linke durchaus auch kritisch. Er ärgerte sich über den Aktionismus und schrieb in seinem Aufsatz „Marginalien zu Theorie und Praxis“ aus dem Jahr 1969, dass einem Studenten sein Zimmer verwüstet worden sei, weil er lieber gearbeitet habe, als sich an den Studentenprotesten zu beteiligen (vgl. Stuart Jeffries, Grand Hotel Abrund, 2019, S. 11). Adorno sah sogar, dass Nazis und Neue Linke ähnliche Persönlichkeitstypen angezogen bzw. hervorgebracht haben (Stuart Jeffries, Grand Hotel Abrund, 2019, S. 12):

Frappierend an Adornos kritischem Denken im Jahr 1969 ist nun allerdings, dass er den autoritären Persönlichkeitstypus, der sich im Hitlerregime entfaltete, und den damit einhergehenden Geist des Konformismus als quicklebendigen Wiedergänger in der Neuen Linken und in der Studentenbewegung diagnostizierte. Beide gerierten sich als antiautoritäre Bewegungen, reproduzierten dabei jedoch gleichzeitig die repressiven Strukturen, die sie angeblich überwinden wollten. „Die am heftigsten protestieren«, so Adorno, „gleichen den autoritätsgebundenen Charakteren in der Abwehr von Introspektion“ [Anm.: im Sinne, sie verweigerten sich der Auseinandersetzung mit sich selbst].

Ein Designer entdeckt das Evangelium

Becket Cook war ein äußerst erfolgreicher, homosexueller Set-Designer in der Mode-Industrie Hollywoods. Er arbeitete mit Stars und Supermodels wie Claudia Schiffer und Natalie Portman zusammen, bereiste die Welt für Fotoshootings im Auftrag von Vogue, Harper’s Bazaar usw. Er besuchte die großen Preisverleihungen sowie die Hauspartys von Paris Hilton und Prince. Im Sommer schwamm er in Drew Barrymores Pool.

Ein Jahrzehnt später hat Cook jenes Leben hinter sich gelassen – ohne es zu vermissen. Er fand Jesus. Besser gesagt: Jesus Christus fand ihn. Hier das spannende Interview mit Cock, das Brett McCracken geführt hat: www.evangelium21.net.

Einsteigen mit Logos 9 Basic

Deutsch Basic 315

Die Bibel-Software Logos ist enorm leistungsfähig, aber natürlich recht teuer, wenn man eine große Bibliothek aufbaut. Bevor man einsteigt, sollte man sich das also gut überlegen. Der Hersteller hat daher ein kleines Paket geschnürt, mit dem man die Software kennenlernen und austesten kann. Logos Basic ist eine kostenlose Logos-Version mit vielen einzigartigen Funktionen zum Bibellesen. In diesem Paket gibt es übrigens die beliebten Videos vom BibleProject (Deutsch). Außerdem legt Faithlife einen Gutschein drauf, mit dem eine erste zusätzliche Bibel für unter 5€ erworben werden kann.

Mehr Infos hier: de.logos.com.

Eckstein-Konferenz 2022: Kurs halten

Am 30. September 2022 beginnt die Eckstein-Konferenz in der Arche-Gemeinde in Hamburg. Pastor Jeff Purswell (Sovereign Grace Church of Louisville, USA) ist einer der diesjährigen Sprecher. Neben Mark Prater sprechen Christian Wegert, Wolfgang Wegert und Andy Mertin.

Hier gibt es weitere Einblicke in das Thema und eine Möglichkeit zur Anmeldung: ecksteinkonferenz.de.

Kevin DeYoung: Was dem Schweigen folgt

Kevin DeYoung skizziert im kürzlich erschienenen Artikel „From silence to complexification to capitulation“ einen Stimmungswechsel unter den Evangelikalen in den USA im Blick auf brennende sexualethische Fragen. Er schreibt:

Ich stimme nicht oft mit David Gushee überein, dem liberalen christlichen Ethiker, dessen „kämpferische Auseinandersetzungen“ nach seiner eigenen Beschreibung „Themen wie Klimawandel, Folter, LGBTQ-Integration und weiße Vorherrschaft“ umfassen. Allerdings sprach er vor Jahren eine unbequeme Wahrheit aus, als er feststellte, dass es bei LGBTQ-Themen keinen Mittelweg gibt. Er sagte: „Neutralität ist keine Option. Ebenso wenig wie eine höfliche Halbakzeptanz. Und auch nicht, das Thema zu vermeiden. Wie sehr du dich auch verstecken magst, das Thema wird dich finden.

Nach DeYoung wird das Schweigen in sexualethischen Fragen langsam durch eine Haltung verdrängt, in der vor allem jene zur Rechenschaft gezogen werden, die an der biblischen Position festhalten.

In der nächsten Phase ist die Verdrossenheit gegenüber denjenigen, die auf die Sünde hinweisen, größer als gegenüber denjenigen, die die Sünde begehen. Dies ist oft ein verräterisches Zeichen dafür, dass ein Gesinnungswandel bereits stattgefunden hat. Die evangelikale Leiterpersönlichkeit mag immer noch damit prahlen, dass sie ein „Konservativer“ ist, aber es sind zugleich nur noch die Konservativen, die stören. Die ganze Sympathie wendet sich nun der revisionistischen Seite zu. Es gibt viel Geduld für den „sexuellen Kämpfer“ und nichts als Verachtung für diejenigen, die von Sünde, Gericht und der Notwendigkeit zur Umkehr sprechen. Auf dem Weg dorthin entwickelt sich ein Kanon innerhalb eines Kanons. Hier rühmen sich die Führer damit, dass sie „Rote-Buchstaben-Christen“ sind. Jesus wird gegen Paulus ausgespielt. Das Alte Testament wird als (zumindest) irrelevant und wahrscheinlich als unheilvoll abgetan beiseite geschoben.

Mehr hier: wng.org.

Ein großer Irrtum der Gendersprachbewegung

Der Linguist Tim Hirschberg hat für die Zeitschrift DIE WELT einen fundamentalen Irrtum der Gendersprachbewegung herausgestellt. Typographische Sonderzeichen wie das Sternchen oder der Doppelpunkt sollen laut Vertretern einer geschlechtergerechten Sprache bildliche Vorstellungen in uns hervorrufen. Liest man das, was die Ratgeber für Gendersprache sagen, „könnte man glauben, wir projizierten uns gegenseitig eine Art Diashow ins Hirn, wenn wir uns unterhalten oder schriftlich miteinander kommunizieren. Doch das ist eine ausgesprochen naive Vorstellung. Die Fokussierung auf die mentalen Bilder, die Sprache angeblich heraufbeschwört, bedeutet eines der größten und vielleicht auch folgenreichsten Missverständnisse des Gender-Diskurses.“

Hirschberg schreibt weiter: 

Es gibt eine lange philosophische Tradition – an vorderster Stelle ist Gottlob Frege zu nennen – die überzeugend darlegt, warum (mentale) Bilder für die Sprache eher unwichtig sind. Schon der Volksmund weiß, wer Zugang zur Gedankenwelt anderer hat, ist ein Gedankenleser und kein -seher. In diesem Sinne stellt sich sprachliche Bedeutung nicht als etwas Bildliches, sondern als etwas Abstrakt-Logisches dar – im Fachjargon spricht man von Propositionen.

Freges Begründung hob auf die großen individuellen Unterschiede ab, die bei den an die Sprache gekoppelten Vorstellungen zu beobachten sind. Manche assoziieren mit dem Wort „Liebe“ das Bild händchenhaltender Zweisamkeit, andere wiederum das eines biochemischen Hormoncocktails. Hätten solche Vorstellungen eine maßgebliche Funktion in der Sprache, müsste Kommunikation jämmerlich scheitern, denn alle wären in ihrer privaten Semantik gefangen.

Der Versuch, durch Sprache gewisse bildliche Vorstellungen in den Köpfen zu wecken, erinnert Hirschberg an die Arbeitsweisen von Werbeagenturen: 

Der Versuch, Angemessenheit oder gar Gerechtigkeit in visuellen Darstellungen zu suchen, hat bisweilen etwas Verzweifeltes. Davon zeugen die grafischen Illustrationen in vielen Broschüren, die für das Ziel der politischen Korrektheit alle möglichen Hauttöne, Leibesformen und Lebensstile in eine Abbildung hineinquetschen. Trotz der Anstrengungen bleibt stets eine Gruppe außen vor, seien es die Alten, Hässlichen usw. Der offensichtliche Anspruch, Diversität abzubilden, macht diesen Mangel dabei erst so richtig deutlich.

Wenn sich jemand gar zu sehr für bildliche Assoziationen interessiert, sollte einen das stutzig machen. Dann befinden wir uns nämlich im Metier der Werbetreibenden, und die wollen nicht die Welt verbessern, sondern ein Image konstruieren und pflegen. Das Gendersternchen folgt der Werbelogik und seine Einführung sorgt für die Reklamisierung der Sprache. Kein Wunder also, dass Wirtschaftsunternehmen so schnell auf diesen Zug aufgesprungen sind.

Mehr hinter einer Bezahlschranke: www.welt.de.

Ortsgemeinde entdecken & leben

Das Netzwerk Evangelium21 wird am 11. November erstmals auch in Unna eine E21-Regionalkonferenz anbieten. Matthias Lohmann, Rudi Tissen und Daniel Knoll sprechen zu dem Thema „Gottes Idee von Ortsgemeinde entdecken & leben“. Evangelium21 teilt mit:

Hast du nicht auch das Gefühl, dass die Wichtigkeit und Relevanz der Ortsgemeinde selbst für bekennende Christen abgenommen hat? Ob wir es wollen oder nicht – die Corona-Krise hat ihre Spuren hinterlassen: Christen verzichten viel schneller darauf, ihrem Gott (gemeinsam mit ihren Brüdern und Schwestern) zu begegnen. Der „virtuelle“ Gottesdienst wird dem Gottesdienst vor Ort vorgezogen, verbindlich gelebte Mitgliedschaft als optional gesehen.

Es ist an der Zeit, den Wert, die Bedeutung und die Schönheit der Ortsgemeinde wieder neu zu entdecken. Collin Hansen und Jonathan Leeman schreiben in ihrem Buch Gemeinde wiederentdecken: „Gemeinde [ist] der Ort, von dem Jesus sagt, dass er dort in besonderer Weise gegenwärtig ist.“ Es ist der Ort, „wo der Himmel die Erde berührt“ (S. 15). Das klingt dir zu übertrieben? Dann hör mal auf das, was Paulus in Epheser 3,10 über die Gemeinde schreibt: „damit jetzt den Gewalten und Mächten in der Himmelswelt durch die Gemeinde die mannigfaltige Weisheit Gottes zu erkennen gegeben werde.“ Ob du es glaubst oder nicht: Das will Gott auch durch die Ortsgemeinde tun, zu der du gehörst. Er will durch sie seine Herrlichkeit zum Erstrahlen bringen. Ist das nicht genial?

Damit die Herrlichkeit unseres Königs in unseren Ortsgemeinden sichtbar wird, müssen wir aber eines tun: Wir müssen Gottes Idee für Ortsgemeinde in seinem Wort immer wieder neu entdecken und hingegeben leben. Genau dazu will dich die Tageskonferenz, die für den 12.11.2022 in der EFG Unna geplant ist, motivieren.

Mehr Informationen und eine Anmeldemöglichkeit gibt es hier: www.evangelium21.net.

Monika Hausammann: Politische Korrektheit

Monika Hausammann, Autorin des Buches Die große Verkehrung (vgl. die Rezension von Hanniel hier), hat auf KC Impulsapéro 2022 in Bern einen Vortrag zum Thema „Politische Korrektheit – Fabrik des richtigen Denkens“ gehalten, den ich gern empfehle:

Eine Mitschrift des Vortrags gibt es hier: Politische_Korrektheit_Fabrik_des_neuen_Denkens_Hausamann.pdf.

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