Biographien

Francis Schaeffer und dekonstruktivistische Spiritualität

Im Jahr 1951 erlebte Francis Schaeffer eine Glaubenskrise, die später als sein „Heuboden‑Erlebnis“ betitelt werden sollte. Nachdem er die inkonsequente christliche Praxis bei den Menschen um ihn herum und in seinem eigenen Leben beobachtet hatte, erklärte Schaeffer, er müsse zu seinem Ausgangspunkt zurückkehren und seine gesamte Position in Bezug auf das Christentum neu überdenken. Er gab an, er sei an den Anfang seines Denkens zurückgekehrt und habe sich durch all seine Überzeugungen in Bezug auf das Christentum hindurchgearbeitet, wobei er zu dem Schluss kam, dass es tatsächlich wahr ist.

Christopher Talbot meint, dass sich aus Schaeffers radikalem Umgang mit seinen Zweifeln einiges für den heutigen Umgang mit der sogenannten „Dekonstruktion“ lernen lässt. In dem Aufsatz „Die Sonne kam raus und das Lied erklang“ zeichnet er die Krise nach und gibt einige hilfreiche Hinweise für die Gegenwart. 

Zitat: 

Schaeffers Krise führte nicht dazu, dass sein Pendel zu einer anderen Art von Christentum oder gar keinem Christentum ausschlug; sondern dazu, dass er sowohl die intellektuelle als auch die geistliche Realität des historischen christlichen Glaubens bejahte. Schaeffer hatte seine eigene spirituelle Krise durchlebt, in der er das Christentum in seiner Gesamtheit überdachte. Er war bereit, es vollständig zu verwerfen. Dennoch überwand er diese Zeit tiefer Zweifel; er brach durch zu einem neu entfachten Eifer für die Wahrhaftigkeit des christlichen Glaubens. Sein eigenes Engagement, seine apologetische Methode und seine Sichtweise auf das Zeugnis der Kirche im 20. Jahrhundert sind Belege eines Menschen, der sich mit Zweifeln auseinandergesetzt hat und sich um diejenigen kümmerte, die selbst mit Zweifeln kämpfen.

Schaeffer bemühte sich nicht um eine Weiterführung der Dekonstruktion, sondern führte sich und diejenigen, denen er diente, in Richtung Rekonstruktion – hin zu einer Sichtweise, die den christlichen Glauben als wahr für das gesamte Leben betrachtet. Er sah das historische Christentum als etwas Ganzheitliches und Absolutes an. Er erlebte tiefe Zweifel und diente konsequent denen, die zweifelten, während er gleichzeitig auf den ewigen, persönlichen Gott hinwies, der tatsächlich da ist. Schaeffer war nicht perfekt und bietet kein makelloses Vorbild. Dennoch verstand er das Christentum als etwas, das man nur entweder vollständig annehmen oder aber vollständig ablehnen kann. Dies spiegelt sich wieder in seiner Apologetik, die eine ganzheitliche Welt- und Lebensanschauung bietet, welche verifiziert und getestet werden kann. Voll Mitgefühl setzte Schaeffer diese überzeugende Apologetik in die Tat um. Schließlich stellte er die wahre christliche Position konsistent klar und versuchte, das wahre Christentum von unnötigem oder schädlichem kulturellen Ballast zu befreien. Durch die konsequente Umsetzung dieser Elemente bietet uns Francis Schaeffer heute eine überzeugende Vision, wie wir Menschen begleiten können, an denen Dekonstruktion und Zweifel nagen – eine Vision, die heute weitsichtiger denn je erscheint. Wenn wir Schaeffers Vorbild folgen, können wir Menschen, die selbst geistliche Zweifel durchleben müssen und daraus hervorgehen, dazu verhelfen, zu sagen: „Allmählich kam die Sonne raus, und das Lied erklang.“

Mehr: www.evangelium21.net.

Elisabeth Elliot: Jahre des Wachsens

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Elisabeth Elliot – Ehefrau von Jim Elliot, Mutter, Glaubensheldin, mutige Missionarin, Buchautorin und eine Ikone des amerikanischen Christentums: Es gibt viele Bezeichnungen, die auf diese Frau zutreffen (vgl. hier).

Auch in Deutschland ist sie vielen evangelikalen Christen ein Begriff und ein Vorbild, wenngleich ihre Person zunehmend in Vergessenheit zu geraten droht. Um dem entgegenzuwirken, schrieb Ellen Vaughn nach Elisabeth Elliots Tod im Jahr 2015 eine Biographie in zwei Teilen. Der erste Band ist nun unter dem Titel Elisabeth Elliot: Jahre des Wachsens (#ad) in deutscher Sprache erschienen.

Anna Tissen hat das Buch gelesen und eine Rezension verfasst. Hier ein Auszug: 

Der zweite Teil bildet den Kern der Biographie und zeichnet Elisabeth Elliots Leben von ihrer Geburt im Dezember 1926 bis zu ihrer Abreise aus Ecuador im Jahr 1963 nach.

Elisabeth „Betty“ Howard wurde in Brüssel als zweites Kind von US-amerikanischen Missionaren geboren, doch schon wenige Monate später zog die Familie zurück in die USA, wo der Vater für die Zeitschrift Sunday School Times arbeitete. Die Eltern achteten sehr auf Ordnung, Disziplin und Bildung, liebten ihre sechs Kinder jedoch von Herzen und sorgten dafür, dass sie eine unbeschwerte Kindheit hatten. Bettys Interesse an der Missionsarbeit wurde früh geweckt, indem die Familie regelmäßig Missionare einlud, doch bevor sie konkrete Schritte in diese Richtung unternehmen konnte, widmete sie sich ihrer Ausbildung.

Mit 14 Jahren besuchte sie ein christliches Internat in Florida und schrieb sich später am Wheaton College ein, wo sie sich für ihre spätere Tätigkeit als Übersetzerin ausbilden ließ und auch ihren ersten Ehemann Jim Elliot kennenlernte. Ihre lange Liebesgeschichte ist unter anderem durch Bettys spätere Bücher gut dokumentiert.

Nach verschiedenen Zwischenstationen reiste Betty 1952 als ledige Missionarin nach Ecuador aus und machte ihre ersten Erfahrungen in der Volksgruppe der Colorados. In dieser Zeit wurden durch verschiedene Ereignisse „Bettys feste Vorstellungen über Gottes Willen zerstört, auf teils schockierende und brutale Weise. Bei den Colorados war sie, vielleicht zum ersten Mal, mit dem monolithischen, undurchdringlichen Geheimnis konfrontiert, das Gottes Wege umgibt“ (S. 159).

Im Herbst 1953 heirateten Jim und Elisabeth Elliot und begannen ihre gemeinsame Arbeit in Puyupungu im Osten von Ecuador. Mehr und mehr fühlten sie und andere befreundete Missionare die Überzeugung, dass Gott sie zu den Waorani rief, einer Volksgruppe, die im Dschungel lebte und Fremden gegenüber sehr feindselig war. Die Kontaktaufnahme zu diesem Volk führte im Januar 1956 zum Tod von Jim und seinen vier Kollegen und ließ Betty als Witwe mit einem kleinen Kind zurück.

Während sie ihre Arbeit in den nächsten Jahren fortführte und sich als Buchautorin einen Namen machte, knüpfte Betty erste Kontakte mit Waorani-Frauen. Schließlich zog sie gemeinsam mit ihrer Tochter Valerie und einer anderen amerikanischen Missionarin, Rachel Saint, in eine Waorani-Siedlung. Es war eine äußerst herausfordernde Zeit für sie, denn „wie Betty im Laufe der nächsten Jahre öfter feststellen sollte, waren Rachel und sie, was ihre Persönlichkeiten, Ansichten und Vorlieben anging, maximal unterschiedlich“ (S. 306). Betty war zwar eine äußerst begabte Linguistin, doch die schwierige Zusammenarbeit mit Rachel führte schlussendlich dazu, dass sie sich im Jahr 1963 dazu entschied, Ecuador zu verlassen und in die USA zurückzukehren.

Mehr: www.evangelium21.net.

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