Emerging Church

Homosexualität: Tony Jones bezieht Stellung

Tony Jones, langjähriger Koordinator (bis 2008) von Emergent Village (U.S.A.) und Mitherausgeber des Emergent Manifesto of Hope, teilte am 20. November 2008 in einem Blogbeitrag mit:

Auf jeden Fall bin ich jetzt der Meinung, dass GLBTQ’s [gemeint sind Homosexuelle (G = gay), Lesben (L = lesbian), Bisexuelle (B = bisexual), Transgender-Leute bzw. Transsexuelle (T = transgender/transsexual) sowie Queer-Leute (Q = queer)] im Einklang mit dem biblischen Christentum leben können (mindestens genauso gut wie jeder von uns das kann!) und dass ihre Monogamie von Kirche und Staat geduldet und gesegnet werden sollte.

Hier geht es zur ganzen Geschichte: blog.beliefnet.com.

»Emerging Church«: Wie geht es weiter?

Dan Kimball resümiert in seinem Blog über die fünf Jahre seit dem Erscheinen seinen Buches: Emerging Church. Zu lesen sind erstaunliche Bekenntnisse wie:

Ich kann inzwischen nicht mehr verteidigen oder gar theologisch erklären, was jetzt gemeinhin als »Emerging Church« bekannt ist, denn es haben sich zu viele signifikant unterschiedliche theologische Ausrichtungen entwickelt. Einigen würde ich hart widersprechen …

Hier der erste von weiteren noch kommenden Beträgen: www.dankimball.com.

Carson spricht über den Einfluss des Postmodernismus auf das Christentum

D.A. Carson referierte in diesem Sommer in Singapore in der St. John-St. Margaret Church über den Einfluss des Postmodernismus auf das Christentum. Mitschnitte der Veranstaltung können als MP3-Dateien herunter geladen werden:

Anmerkung: Ein Download der Dateien kann aufgrund der schlechten Serveranbindung verhältnismäßig lang dauern.

Die Herausforderung der Postmoderne-Diskussion für die Theologie der Gegenwart

Matthias Schnell-Heisch hat 1995 in Tübingen bei Hans Küng und Eberhard Jüngel über das Thema »Die Herausforderung der Postmoderne-Diskussion für die Theologie der Gegenwart« promoviert. Die 1994 eingereichte Arbeit verarbeitet viel Primärliteratur und ist, wie das Inhaltsverzeichnis zeigt, noch frei von Schablonen, die sich seit Mitte der 90er Jahre (Middleton & Walsh, 1995 u. Grenz, 1996) in der amerikanisch-evangelikalen Literatur verfestigt haben.

Schnell-Heisch fasst seine Arbeit wie folgt zusammen:

• Der Erste Hauptteil der Arbeit hat die Aufgabe, die Genese des Begriffs »Postmoderne« innerhalb der verschiedenen Bereiche der Kultur (»Architektur«, »Literaturwissenschaft«, »Philosophie« und »Soziologie») nachzuzeichnen, die wichtigsten Postmoderne-Konzeptionen vorzustellen, die Beziehungslinien zwischen den verschiedenen Sektoren herauszuarbeiten und eine kritische Analyse der einzelnen Positionen vorzunehmen, um erstens einen detaillierten Überblick der Diskussion zu gewinnen und zweitens eine fundierte Grundlage für die theologische Postmoderne-Diskussion zu erarbeiten.

• Der Zweite Hauptteil ist ganz der theologischen Postmoderne-Diskusssion gewidmet. Wie im Ersten Hauptteil sind auch hier Darstellung und Kritik voneinander getrennt: Nach der Darstellung der drei thematischen Schwerpunkte (»Christlicher Glaube im Pluralismus»; »Dekonstruktion», postliberale Theologie, Ästhetisierung der Religion«; »Postmoderne Theologie als ganzheitliche Theologie«), die sich in der theologischen Diskussion herauskristallisieren, schließt sich auch hier in einem vierten Kapitel eine Kritik der theologischen Postmoderne-Diskussion an.

• Im Epilog wird dann der Versuch unternommen, die theologische Postmoderne-Diskussion zu bilanzieren und Prospektiven für die Theologie zu entwickeln. Das Anliegen besteht aber weder darin, die verschiedenen theologischen Konzepte zu synthetisieren, noch darin, eine weitere theologische Postmoderne-Konzeption zu entwickeln. Vielmehr wird hier nach den Chancen und Grenzen der einzelnen Beiträge zur theologischen Postmoderne-Diskussion gefragt und die bleibenden Herausforderungen der Postmoderne-Diskussion für Theologie und Kirche benannt.

Freundlicherweise hat Matthias Schnell-Heisch seine Dissertation inzwischen im Internet publiziert. Sie kann hier in Form von mehreren PDF-Dateien herunter geladen werden: www.schnell-heisch.de.

Das Christentum ist eine emanzipatorische Erzählung

9378968c5f.jpg

Für den Philosophen James K. A. Smith ist die in evangelikalen Kreisen verbreitete Lesart der Lyotardschen Metaerzählung ein Mißverständnis. Eine sorgfältige Untersuchung dessen, was Lyotard zum Metanarrativ geschrieben habe, könne zeigen, dass Lyotards Kritik der großen Erzählungen das Christentum überhaupt nicht treffe. Im Gegenteil: Christen sollten in Lyotard nicht einen Gegner sondern einen Verbündeten sehen. So gibt Smith mit seiner These der »Emerging Church« bedeutende Inspirationen.

In einer kleinen Untersuchung bin ich der Frage nachgegangen, ob sich Smith tatsächlich auf François Lyotard berufen kann. Das Ergebnis überrascht, da der französische Philosoph ausdrücklich das Christentum als große Erzählung bezeichnet und verarbeitet. Lyotard greift auf Albert Camus zurück, ohne ihn ausdrücklich zu nennen. Camus behauptet in Der Mensch in der Revolte, dass der Marxismus eine säkularisierte Figur der christlichen Teleologie ist. Für den Philosophen des Absurden stammt die Geschichtsphilosophie überhaupt aus dem jüdisch-christenlichen Weltbild. »Die Christen haben als erste das menschliche Leben und die Folge der Ereignisse als eine Geschichte angesehen, die sich von einem Ursprung einem Ende entgegen entwickelt und während welcher der Mensch sein Heil gewinnt oder sich seine Strafe verdient. Die Philosophie der Geschichte ist aus einer christlichen Vorstellung entsprungen …« (Camus, Der Mensch in der Revolte, S. 16).

Lyotard kann dieser Geschichte von der Emanzipation des Menschen wenig abgewinnen. »Das im römischen Weltreich zu tragender Bedeutung gekommene christliche Denken versucht nicht von ungefähr, seit Augustin, die Erlösungsverheißung als die Geschichte (großgeschrieben), als große Erzählung, zu verriegeln« (Lyotard & Gruber, Ein Bindestrich zwischen Jüdischem und Christlichem, S. 108). So kann nach Lyotard das Christentum im Sinne von Paulus und Augustin der Menschheit nur Gewalt antun.

Die kleine Untersuchung ist freundlicherweise von Richard McClary ins Amerikanische übersetzt worden und kann hier herunter geladen werden: mbstexte093.pdf. In deutscher Sprache gibt es den Text auch: mbstexte085.pdf.

Korrespondenz zwischen Tony Jones & Collin Hansen

Christianity Today publiziert einen Briefwechsel zwischen Tony Jones und Collin Hansen über reformiertes und emergentes Christsein. Hansen, der für Christianity Today arbeitet, stellt die reformierte Sicht dar und versucht eine inhaltliche Diskussion in Gang zu bringen. Jones, Koordinator des Emergent Village und Mitherausgeber des Buches An Emergent Manifesto of Hope, hat sich allerdings (wieder einmal) für die Beziehungsebene entschieden. Dieses »Hauptsache wir sind nett zueinander und bleiben im Gespräch« kann ja Mal sehr entspannend und erfrischend wirken. Auf die Dauer ist es langweilig, unproduktiv und frustrierend.

Hier die Links auf dies ersten beiden Beiträge des Austausches: Tag 1, Tag 2. Entwickelt sich vielleicht doch noch eine inhaltliche Debatte?

Christus und die Kultur – aus der Sicht von D.A. Carson

D.A. Carson’s Christ and Culture Revisited (Grand Rapids: Eerdmans, 2008) kann jetzt über den Buchhandel bestellt werden. Das Inhaltsverzeichnis und Vorwort zu dem Buch, das an Richard Niebuhr’s Christ & Culture anknüpft, ist als PDF hier abrufbar: www.wtsbooks.com.

Carson’s Auseinandersetzung mit der Emerging Church (original im Jahr 2005 erschienen als: Becoming Conversant with the Emerging Church) soll in wenigen Wochen in einer deutschen Übersetzung bei CLV erscheinen. Vorbestellungen sind möglich: www.amazon.de.

Emerging Church – eine Kartografie

emch_topo1.jpgTypologien für die Emerging Church werden immer wieder Mal vorgeschlagen (z.B. von Scot McKnight o. Mark Driscoll). Michael Patton von Reclaiming the Mind hat vor einigen Tagen zwei ›Landkarten‹ publiziert, die ein sehr geteiltes Echo finden (vgl. die Diskussionen bei Michael Patton, Scot McKnight und dem Emergent Village).

emch-topo2.jpgDie erste Abbildung zeichnet die Bewegung im Spannungsfeld von Konservatismus und Liberalismus. Die zweite Karte illustriert Standpunkte und Wirkungsbereiche konkreter Personen.

Kann man N.T. Wright zur Emerging Church zählen? Ich würden ihn eher als postevangelikalen oder postliberalen Vordenker einordnen.

Ich biete die Abbildungen in einer deutschen Version hier als PDF-Dateien an: emch-topo1.pdf und emch-topo2.pdf.

Erleuchtung durch integrale Spiritualität?

Nicht nur die Theorie der Spiral Dynamics von Don Beck und Chris Cowan genießt in Emerging Church-Kreisen hohes Ansehen, auch Ken Wilber ist mit seiner integralen Spiritualität ein einflussreicher Impulsgeber für namhafte Repräsentanten des emergenten Christentums (z.B. für Brian McLaren und Rob Bell).

Wilbers Arbeiten erinnern stark an eine philosophia perennis, die diejenigen Grundwahrheiten zusammenfassen will, die allen Völkern und Religionen eigen sind. Beim Lesen einiger seiner Texte hatte ich zuweilen den Eindruck, man könnte das »emergente Evangelium« als eine christliche Lesart seiner esoterischen Selbsterlösungslehre auffassen. Kurz: Kann man das »emergente Evangelium« in die evolutionäre Bewusstseinsphilosophie von Wilbers rückübersetzen? (Natürlich gibt es das emergente Evangelium nicht. Ich verwende diesen Namen als unscharfe Metapher.)

Hier ein Zitat aus dem Vortrag »Was ist integrale Spiritualität?« (S. 51–52), indem Ken Wilber eine westlich-christliche Variation der Erleuchtung beschreibt (er hätte auch eine östlich-zen-buddhistische wählen können):

Nehmen Sie eine Erfahrung des subtilen Zustandes von intensivem inneren Licht, begleitet von einem Gefühl von universeller Liebe. Sagen wir, diese Person ist westlich und christlich, so dass der linke untere Quadrant (der auch intensiv daran beteiligt ist, den Kontext für die Interpretationen zu liefern) diese Erfahrung von innerem Licht als Begegnung mit Jesus Christus (oder dem Heiligen Geist) darstellt. Diese Erfahrung des subtilen Bereiches kann auf nahezu jeder Stufe vorkommen – der magischen, mythischen, rationalen, pluralistischen oder integralen – aber in jedem Fall wird sie entsprechend den grundsätzlich begrenzenden Prinzipien der Stufe interpretiert. Deshalb (um einige schnelle und stilisierte Beispiele zu geben) wird auf der magischen Stufe Jesus als personaler Retter erfahren, der auf magische Weise die Welt ändern kann, um all meine Wünsche und Ziele zu erfüllen. Jesus als Magier verwandelt Wasser in Wein und speist 5000 Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen, geht auf dem Wasser (wir sprechen nicht von dem ontologischen Gehalt dieser Interpretationen, wenn es ihn gibt. Jesus kann auf dem Wasser gegangen sein oder nicht, aber auf dieser Stufe ist es das, was mir am meisten bedeutet). Die Stufe ist prä-konventionell und egozentrisch, dieser Jesus liebt daher nur mich. Auf der nächsten, der mythischen Stufe, wird die gleiche Form der subtilen Energie vielleicht interpretiert als Vereinigung mit Jesus, dem Überbringer der Ewigen Wahrheit. Diese Stufe ist absolutistisch in ihrem Glauben, so dass du das Wort entweder genauso glaubst, wie es geschrieben steht, oder du wirst für immer in der Hölle schmoren. Diese Stufe ist auch ethnozentrisch, so dass nur die, die an Jesus Christus als persönlichen Erretter glauben, errettet werden können. Auf der nächsten Stufe, der mental-rationalen, wird Jesus zu einer vermenschlichten Figur, immer noch völlig göttlich und völlig menschlich, aber nun völlig menschlich in einer glaubhafteren Weise, als ein Lehrer der universellen Liebe eines deistischen Gottes (der die Principia Mathematica gelesen hat und weiß, wo die Grenze zu ziehen ist). Weil diese Stufe der Beginn der postkonventionellen und weltzentrischen Stufen ist, ist dies auch die erste Stufe der Entwicklung, die Erlösung durch Jesus Christus finden kann, aber auch erlaubt, dass andere möglicherweise ebenfalls dieselbe Erlösung auf einem anderen Weg finden können.

Der vollständige Vortrag von Ken Wilber kann in einer deutschen Übersetzung hier herunter geladen werden: Ken_Wilber_-_Was_ist_integrale_Spiritualitaet__IF_UEbersetzung.pdf.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner