Pädagogik

Das Ende der bedürfnisorientierten Erziehung?

Der Bildungspsychologe Marcus Hassel ist davon überzeugt, dass die sogenannte bedürfnisorientierte Erziehung von Kindern Verhaltensauffälligkeiten eher fördert. Zwischen den Zeilen kann man heraushören, dass eine Erziehung, die sich vorwiegend an der Bedürftigkeit orientiert, Menschen nicht auf Wirklichkeit vorbereitet. Die Laissez-faire-Pädagogik oder die Reformpädagogik einschließlich der Inklusionsagenda haben ihre Versprechen nicht eingelöst.

Ein Zitat: 

Ich hatte vor zwei Wochen eine Fortbildung für Grundschullehrkräfte, da kam hinterher eine Lehrerin zu mir und sagte, ich sei ja Entwicklungspsychologe und sie hätte mit ihrem dreijährigen Sohn solche Probleme. Er würde immer nur treten und kratzen. In der Erziehungsberatung habe man ihr gesagt, sie müsse klare Regeln setzen und das Kind dann auch mal festhalten, so lange, bis es sich beruhigt hat und dann mit ihm sprechen. So was wollte sie aber nicht machen. Und da habe ich ihr gesagt, als Grundschullehrerin müsste sie doch eigentlich wissen, dass man von Anfang an Regeln setzen und sanktionieren müsste, wenn diese nicht eingehalten werden. Meine Sorge ist, dass die Kita-Philosophie, die letztlich die Laissez-faire-Philosophie der 70er-Jahre repräsentiert, in die Grundschule schwappt, und das hilft unserem Bildungssystem und den Kindern überhaupt nicht.

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Bildschirmzeit verändert Konzentrationsfähigkeit von Kindern

Kinder verbringen heute mehr Zeit mit Smartphones, Tablets und Co. als früher (als ich meinen ersten Computer gekauft habe, war ich schon über 20 Jahre alt). Viele Eltern fragen sich, welche Auswirkungen die Bildschirmmedien auf die Entwicklung ihrer Kinder haben. Die Psychologin Tanja Poulain hat genau das in einer Studie untersucht. Die Ergebnisse sollten Eltern kennen.

Hier Auszüge aus einem Interview, das sie der WELT gegeben hat:

Die meisten Kinder und Jugendlichen nutzen heute zu oft elektronische Medien. Dass ihre Aufmerksamkeitsleistung dadurch sinkt, ist nur ein Effekt. Mehrere Studien haben gezeigt, dass ein höherer Gebrauch solcher Medien auch mit geringerem Wohlbefinden, schlechterem Schlaf oder schlechteren Schulleistungen einhergeht. Was hier was bedingt ist nicht ganz klar. So könnte es umgekehrt auch sein, dass Kinder, die sich ohnehin schlecht konzentrieren können oder denen es nicht gut geht, eher besonders oft elektronische Medien nutzen. Trotzdem ist davon auszugehen, dass das Reduzieren der Bildschirmzeit zumindest nicht schädlich wäre.

Oft reflektieren Eltern dabei die eigene Mediennutzung. Meist sind sie nicht viel besser als ihre Kinder. Auch die Mutter oder der Vater würden die Zeit, in denen sie Bildschirmmedien nutzen, dann verbindlich einschränken. Einige Kinder würden sicherlich sagen, es wäre schön, wenn meine Eltern weniger vor dem Tablet oder Smartphone hängen und wir mehr zusammen machen. Eine einfache Regel wäre: Beim Familienessen schaut niemand aufs Handy.

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Ganztages-Krippe in der Kritik

Unter der Leitung der Bildungswissenschaftlerin Veronika Verbeek kritisiert der Aufruf „Kita-Kindeswohl-im-Blick“ die von oben gewünschte Ganztagsbetreuung von Kleinkindern. Behauptet wird, dass die unter Dreijährige Schaden nehmen, wenn sie acht Stunden am Tag in der Kita sind? 

Diese Kritik hat nun Fachverbände auf den Plan gerufen, die den Leuten hinter „Kita-Kindeswohl-im-Blick“ unterstellen, Unsicherheit schüren und rechte Strömungen  fördern zu wollen. Zitat aus einer Stellungnahme der Alice Salomon Hochschule Berlin

Fehldarstellungen des Aufrufs begünstigen rechte Strömungen, schüren Unsicherheit bei Eltern und Pädagog_innen

Mehrere wissenschaftliche Fachverbände der frühen Kindheit kritisieren den Aufruf „Kita-Kindeswohl-im-Blick“ eines nicht näher benannten Aktionsbündnisses, vertreten von Veronika Verbeek, scharf. Der Aufruf nutzt verkürzte, irreführende, wissenschaftlich unhaltbare und falsche Darstellungen, die Verunsicherung bei Fachkräften und Eltern schüren. „In der Begleitung von Kitas erleben wir, wie pädagogische Teams auf wissenschaftlicher Basis qualitätsvolle Kita-Praxis gestalten und sich weiterentwickeln – unbelegte Pauschalkritik wie der Aufruf von Frau Verbeek verunsichert Eltern, entwertet die Arbeit der Fachkräfte und behindert eine konstruktive Weiterentwicklung der frühen Bildung“, sagt Anne-Katrin Pietra, 2. Vorsitzende des Bundesnetzwerks Fortbildung und Beratung in der Frühpädagogik e.V.. Durch pauschalisierende Kritik an Krippenbesuchen und der undifferenzierten Forderung nach „mehr Anleitung von Kindern“ in Kindertageseinrichtungen bietet er rechten Strömungen eine Plattform für autoritäre Pädagogik.

Die im Aufruf geäußerten Positionen, die sich auf Verbeeks problematisches Buch „Die neue Kindheitspädagogik“ stützen, stellen einen nicht haltbaren Rückschritt dar und untergraben die seit über zwei Jahrzehnten etablierte wissenschaftliche Expertise und reflektierte Vielfalt in der Pädagogik der frühen Kindheit im deutschsprachigen Raum.

Hannah Lühmann warnt in der WELT vor einer ideologischen verstellten Diskussion. Es gibt sehr wohl starke Gründe dafür, dass Kleinkinder zu Hause betreut werden. Wer Pädagogen, die das Kinderkrippen-Modell für problematisch halten, einfach in die rechte Ecke schiebt, macht es sich viel zu einfach. Zitat:

Natürlich macht das Angst. Wer sich als Frühbetreuung in Anspruch nehmendes Elternteil in die Untiefen der Internetrecherche begibt, bekommt schnell Puls. Denn es sind keineswegs nur auf alternativen Irrwegen herumgeisternde Waldorfmütter und Tradwives, die den modernen Lebensentwurf der Doppelverdienerfamilie infragestellen. Die schmerzhaft relevante Frage, ob es Kindern unter drei Jahren schadet, einen großen Teil ihres Tages in Betreuungseinrichtungen zu verbringen, ist, so scheint es, nicht eindeutig zu beantworten.

Wer sich ein wenig mit der Materie beschäftigen will, dem sei die Lektüre der sogenannten NICHD-Studie aus den frühen 1990ern angeraten. Auch die Internetseite der jeglicher reaktionärer Bestrebungen unverdächtigen Gesellschaft für frühkindliche Bildung ist hoch aufschlussreich. Bezieht man unvoreingenommen alle Forschung ein, die es zu diesem Thema gibt, erscheint es unausweichlich, anzuerkennen: Die umfangreiche außerfamiliäre Betreuung von unter Dreijährigen ist zumindest ein Unterfangen mit Risiken. In der immer häufiger stattfindenden Variante, bei der Kinder von ihren berufstätigen Eltern um 8 Uhr in die Kita gebracht und erst um 17 wieder Uhr abgeholt werden, scheint sie besonders problematisch. 

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Worüber redet die Evangelische Theologie?

Eve-Maria Becker (Universität Münster) nutzt die Diskussion um eine Vereinfachung des Theologiestudiums (vgl. hier), um zu fragen, worauf sich die Expertise evangelischer Theologen in Zukunft gründen möchte, wenn das exegetische Studium der Heiligen Schrift zurückgefahren werden soll (FAZ, 01.10.2025, Nr. 228, S. N3):

Aus Sicht der Bibelwissenschaften verdecken die gegenwärtigen Diskussionen um das Studienformat den inneren Kern der Kontroverse. Denn in der Sache geht es weniger um Studienmodelle als um die Frage, was künftig vom Studium der Evangelischen Theologie fachlich zu erwarten ist. Worauf soll sich die Expertise Evangelischer Theologen gründen? Auf welches Text- und Lesespektrum sollen ihre hermeneutischen Deutungskompetenzen so gerichtet sein, dass sie zum brennenden Thema des Gottes- und Glaubensverlustes oder zur Zukunft von christusglaubenden Gemeinschaften in gesellschaftlichen Minoritätssituationen sachgerecht Auskunft geben können? Diese und andere Herausforderungen sind wie kaum irgendwo sonst in den Texten der biblischen Literatur deutlich benannt und vorgeprägt. Der vertiefte Blick in die Bibel und ihre Ausleger wie Origenes, Hieronymus, Augustinus, Luther oder Schleiermacher führt in die Gegenwart theologischen Denkens und Arbeitens.

 

„Die Krippenlüge“

Junge Familien, die ihre Kinder noch selbst erziehen oder erst nach dem 3. Lebensjahr in den Kindergarten schicken, geraten oft unter Druck. Dabei gibt es sehr starke Gründe dafür, Kinder nicht zu früh in die Fremdbetreuung zu entlassen. Die Psychologin und ehemalige Kita-Leiterin Anke Ballmann schildert für DIE WELT die drastischen Zustände in der Betreuungskrise. Besonders für Kleinkinder drohten dadurch langfristige Entwicklungsstörungen.

Hier zwei Zitate:

Anke Ballmann fährt gerade im Großraum München von Kita zu Kita und nimmt im Auftrag des bayerischen Sozialministeriums Prüfungen für Quereinsteigerinnen ab, die sich im Schnellverfahren zur pädagogischen Fachkraft ausbilden lassen. In den vergangenen 20 Jahren hat sie als Ausbilderin die Tagesabläufe in mehreren Hundert Kitas verfolgt. Qualitativ gute Kitas seien leider die Ausnahme, schreibt sie in ihrem Buch „Die Krippenlüge“ und fordert, Eltern besser aufzuklären darüber, was besonders eine frühkindliche Betreuung von Kindern unter schlechten Bedingungen anrichten kann.

Erst im dritten Lebensjahr beginnen Kinder, Beziehungen zu Gleichaltrigen zu entwickeln. Vorher spielen sie eher nebeneinander – Parallelspiel–, lernen dabei aber schon durch Beobachtung. Richtiges Miteinander-Spielen, Aushandeln, Teilen und Konfliktlösen entwickelt sich erst im Vorschulalter. Das heißt: Der viel zitierte Sozialisationsvorteil einer sehr frühen Krippenbetreuung ist ein Mythos. Für die soziale Kompetenz ist entscheidend, dass ein Kind zunächst ausreichend Sicherheit, Sprache und Selbstregulation entwickelt.

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Strenge als Ausdruck von Liebe

Katharine Birbalsingh gilt als Großbritanniens strengste Direktorin. Ihre Schüler aus dem Problemviertel sind allerdings heute Elite. Wie kann das gelingen. Mit Geradlinigkeit und Disziplin.

Ich zitiere (DIE ZEIT, 03.07.2025, Nr. 28, S. 31):

Die Michaela School ist keine dieser teuren privaten Anstalten mit Kricketplatz, Schwimmhalle oder neogotischen Speisesälen, wie es sie in England häufig gibt. Die rund 700 Schülerinnen und Schüler sind in einem hässlichen sechsstöckigen Zweckbau-Brocken in Wembley untergebracht. Der Bezirk ist einer der ärmsten Stadtteile der britischen Hauptstadt. Weniger als ein Drittel seiner Einwohner sind in Großbritannien geboren. Der asphaltierte und hoch umzäunte Pausenhof ist ein ehemaliger Parkplatz, daneben verläuft eine Bahntrasse.

Was man über die Schule auch noch wissen muss: Sie war in den vergangenen drei Jahren eine der erfolgreichsten Großbritanniens. Laut dem Fortschrittsindex, den die britische Schulaufsichtsbehörde Ofsted ermittelt, erreichen die MichaelaAbsolventen den größten Leistungszuwachs in der Altersgruppe der elf- bis sechzehnjährigen Schülerinnen und Schüler. Zuletzt schafften es 80 Prozent von ihnen an eine britische Elite-Universität.

Wie macht die Schule das? In Birbalsinghs Büro begrüßt Russell Crowe den Besucher mit einer Antwort in drei Worten. Direkt neben dem Schreibtisch der Direktorin steht ein Pappaufsteller des Schauspielers als Gladiator aus dem gleichnamigen Film. Darauf ist ein Schriftzug angebracht: »Hold the line.« Die Stellung halten, damit meint Birbalsingh, dass Lehrkräfte oder Eltern niemals einknicken dürften vor den Kindern. Nie dürften sie in den einfachen Ausweg flüchten oder falsche Nachsicht üben. »Wenn ein Kind dich mit großen Augen anschaut, möchte man ihm natürlich am liebsten seine Wünsche erfüllen. Aber wenn man das andauernd tut, dann werden aus diesen Kindern Erwachsene, die man nicht mehr so nett findet.« Erwachsene, meint sie damit, die glauben, auf alles einen Anspruch zu haben, egal, was sie dazu beitragen. Nach Birbalsinghs Ansicht äußert sich in Strenge vor allem deswegen Liebe, weil sie zu Chancengerechtigkeit führe. »Wir haben hier viele Kinder aus Verhältnissen, in denen es zu Hause keine Bücher gibt, wo beim Essen nicht über Politik gesprochen wird oder man sonntags nicht ins Museum geht. Die Kinder sind also allein auf die Schule angewiesen, um das zu lernen, was sie für ein erfolgreiches Leben brauchen.« Wenn Lehrer ihnen das nicht böten, aus Angst, zu viel von ihnen zu erwarten, dann schadeten sie genau damit am Ende den Kindern.

Bildungsverfall an den Hochschulen

Frau Prof. Gülbay-Peischard beklagt die fehlende Leistungsbereitschaft an den Hochschulen. Die Wertschätzung von Bildung gehe selbst im universitären Umfeld verloren. Was sie besonders ärgert: Studenten schämen sich nicht dafür, ihre Hausarbeiten von künstlicher Intelligenz schreiben zu lassen. 

Ein paar Zitate: 

Ich würde niemandem Dummheit unterstellen. Aber ein großer Teil der Studenten ist tatsächlich unambitioniert. Aus meiner Sicht wird eine Bildungschance vertan, wenn Bildung nicht als Zweck des Studiums begriffen wird, sondern es nur darum geht, so schnell wie möglich durch diesen Parcours durchzukommen. Wenn ich auf Instagram lese, dass Studenten sich gegenseitig KIs empfehlen, mit denen die Hausarbeiten geschrieben werden, dann kann ich nur sagen: Leute, ihr verkennt den Zweck einer Hausarbeit. Natürlich geht es einerseits darum, einen Schein zu machen. Aber vor allem geht es darum, sich die Skills zu erarbeiten, die mit einer erfolgreichen Hausarbeit einhergehen: Recherchieren eines unbekannten Themas, das Strukturieren eines eigenen Vortrags und Zeitmanagement. All das fällt weg, wenn ich die KI etwas schreiben lasse. Und das fehlt den Absolventen dann im Beruf.

Tatsächlich an einer gewissen Bereitschaft, sich Stress und Leistung auszusetzen, den inneren Schweinehund zu überwinden. Viele lassen sich viel zu leicht ablenken. Es gibt Sachen, die machen wir nicht gerne. Aber es wird nicht besser, wenn wir sie aufschieben. Dieses Durchhaltevermögen fehlt vielen Studenten. Manche überschätzen sich zudem gnadenlos selbst.

Und in der Schule kommt noch dazu, dass Eltern dies geradezu fördern, indem sie jede schlechte Note kritisieren und bekämpfen, statt dem Kind zu sagen: Na ja, wenn du eine Fünf bekommen hast, hast du offensichtlich nicht genug gelernt. Stattdessen werden die Lehrer angegangen und im Zweifel sogar über das Schulamt Druck gemacht. Warum sollten Lehrer sich das antun?

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Die Illusion einer digitalen Schule

Deutschland will bis 2030 Milliarden in die Digitalisierung von Schulen investieren. Doch ausgerechnet Vorreiter Dänemark lässt am Sinn der Offensive zweifeln. Denn Auswertungen zeigen, dass der bedingungslose Digital-Kurs längst nicht den erhofften Erfolg gebracht hat. Im Gegenteil. Felix Seifert berichtet:

Denn: Beispiele wie Dänemark zeigten, dass die elektronische Ausstattung nicht automatisch zu tiefgreifenderem Themenverständnis – und damit besseren Schülern – führe. „Die elektronischen Tools sind oft nicht dazu geeignet, Themen tiefgehender zu reflektieren. Es ist etwa ein riesiger qualitativer Unterschied, ob ich eine WhatsApp-Nachricht tippe oder einen kohärenten längeren Text verfasse.“

Studien der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) bestätigen das: Die Wissenschaftler stellten dort mittels Gehirnscans fest, dass etwa das Schreiben per Hand eine höhere geistige Aktivität auslöst als bloßes Tippen am Computer. Renkls Urteil: „Es muss ein Nutzungskonzept für die digitalen Medien geben. Dann kann ihr Einsatz eine sinnvolle Ergänzung sein. Wir sollten uns aber immer fragen: gibt es wirklich einen benennbaren Vorteil?“

Wie sich das auf die Strategie bei den Bildungsausgaben auswirken kann, zeigt etwa das Beispiel Harvard. Der Elite-Universität im US-Bundesstaat Massachusetts steht zusammengerechnet jedes Jahr ein Vermögen von 31 Milliarden Dollar (etwa 27 Milliarden Euro) aus Spendengeldern zur Verfügung. Und bis dato setzte die Universität trotzdem weiterhin auch auf Kreidetafeln und ausgedrucktes Unterrichtsmaterial.

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Disziplin – Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts

Markus Depner hat das Buch Disziplin – Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts gelesen und für E21 vorgestellt. Hier ein Auszug:

Das leicht verständliche Buch gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil befasst sich ganz allgemein mit der Disziplin aus einer übergeordneten Perspektive. Die historische Entwicklung dieser Kompetenz wird geschildert, die Werte, die zur Disziplin gehören, werden näher ausgeführt und Disziplin wird als Grundstein für einen erfolgreichen Lebenspfad thematisiert. Dabei war spannend zu sehen, wie es dazu kommen konnte, dass Disziplin in der Gesellschaft einen schlechten Ruf hat und eher in die „Schmuddelecke“ der Erziehung geraten ist.

Der zweite Teil betrachtet Disziplin dann in verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel in der Resilienzentwicklung, im Gesundheitswesen oder auch in Bezug auf Effizienz. Insbesondere thematisieren die Autorinnen hier die Bedeutung von Fleiß, Stärke, Mut, der Bereitschaft sich anzustrengen, Willenskraft und den Umgang mit Rückschlägen. Sie stellen den Vorteil und die Notwendigkeit der Disziplin in den verschiedensten Bereichen so überzeugend dar, dass es mich wundern würde, wenn Eltern, Lehrkräfte oder Pädagogen Disziplin nicht als eine der entscheidenden Kompetenzen für Kinder ansehen würden.

Teil drei fokussiert dann verstärkt darauf, wie Disziplin in positiver Weise in unserem Leben integriert werden kann. Die Autorinnen zeigen auf, wie Disziplin erlernt werden und inwiefern die Pädagogik Anregungen aus dem Leistungssport aufnehmen kann, um diese Kompetenz Kindern und Jugendlichen zu vermitteln. In jedem Kapitel sind auch Reflexionsfragen, Praxisbeispiele, Tipps und Einladungen zu einer Schreibaufgabe eingeflochten, sodass man genügend Anregungen dafür findet, das Buch gewinnbringend durchzuarbeiten.

Mehr: www.evangelium21.net.

Teuer erkaufte Ruhe

Immer öfter bekommen schon Kleinkinder ein Smartphone in die Hand. Doch Experten warnen vor der Ruhigstellung durch Bildschirme.

Wo früher noch Kinderbücher, Kuscheltiere und Kartenspiele zum Einsatz kamen, greifen viele Eltern heute zu einem Trick, den die moderne Technologie ihnen seit ein paar Jahren ermöglicht: zur Smartphone-Hypnose.

Die Situationen sind beliebig austauschbar. Ein Besuch im Restaurant, das Warten an einer Bushaltestelle, eine längere Reise mit dem Auto oder ähnliches – immer häufiger haben schon die Allerkleinsten ein Handy in der Hand. Margarete Bolten von der Uniklinik in Basel ist Psychologin und leitet eine Sprechstunde für Säuglinge und Kleinkinder. Sie beobachtet den Hypnose-Trick auch bei sich im Wartezimmer. „Ich sehe das auch hier bei uns in der Klinik, dass Eltern teilweise eintreten mit ihrem Kind und nichts dabei haben. Kein Spiel, keine Spielsachen, kein Buch, gar nichts, einfach nur das Gerät. Damit werden dann teilweise sechs Monate alte Kinder beim Warten bespaßt.“

„Wenn ich vergleiche, was ich früher als Kind konsumiert habe und was die Kinder heute konsumieren, dann ist das diametral beschleunigt“ – so beschreibt Prof. Dr. Christian Montag die Situation. Er ist Professor für Molekulare Psychologie an der TU Darmstadt und forscht seit Jahren zu Medienkonsum und Pädagogik bei Kindern und Jugendlichen.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

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