Bücher

Jesus – unsere Hoffnung

Parzany Hoffnung.

Wer kennt es nicht? Das Buch Jesus – unser Schicksal. Der Autor Wilhelm Busch (1897–1966) war evangelischer Pfarrer und Jugendpastor der Bekennenden Kirche in Essen. Er wurde besonders durch seine Jugendarbeit und die klare evangelistische Verkündigung bekannt. Das 1949 erstmals veröffentlichte Busch enthält viele seiner Ansprachen und Erfahrungen aus der Arbeit mit Jugendlichen. Es gehört zur Kategorie der evangelistischen Literatur und eignete sich gut dafür, es an Leute zu verschenken, die Fragen zum christlichen Glauben haben oder denen man wünscht, dass sie über Glaubensfragen nachdenken. 

Allerdings ist Jesus – unser Schicksal etwas in die Jahre gekommen. Themen wie Tod, Angst, Schuld oder Hoffnung werden oft anhand von Kriegserlebnissen oder Begegnungen mit Soldaten erläutert. Einerseits unterstreichen solche Erfahrungen aus einer sehr dunklen Zeit die Dringlichkeit des Glaubens, andererseits ist es für heutige Leser nicht so einfach, Zugang zu finden.

Das ist ein Grund dafür, weshalb wir als Verlag Verbum Medien Pfarrer Parzany darum gebeten haben, das Buch Jesus unsere Hoffnung zu schreiben. Ulrich Parzany kannte Wilhelm Busch sehr gut. Er ist 1955 durch die Jugendarbeit im Weigle-Haus unter der Leitung von Busch zum Glauben gekommen und hat später mit ihm zusammengearbeitet und wurde schließlich sogar sein Nachfolger. Von Wilhelm Busch hat er gelernt, kühn „das Wort zu reden ohne Scheu“ (Phil 1,14).

So locker und authentisch, wie Pfarrer Buch das Evangelium in Jesus – unser Schicksal ausgebotschaftet hat, so spricht Ulrich Parzany in Jesus unsere Hoffnung über den Glauben. Er legt leicht zugänglich kurze Bibeltexte aus, die Antworten auf die großen Menschheitsfragen geben.

Das gesellschaftliche Klima ist heute allerdings ein anderes als nach dem Krieg. Wir leben in einer Zeit, die trotz Wohlstand von großer Verunsicherung geprägt ist. Deshalb schreibt Ulrich Parzany auf eine Weise, die skeptischen Lesern hilft, Vertrauen zu fassen, vom Zweifeln zum Staunen zu kommen und zu erkennen: Jesus Christus ist die Hoffnung der Welt.

So haben wir mit Jesus unsere Hoffnung wieder ein Buch, das wir mit Freude und begleitet durch unsere Fürbitte an Menschen weitergeben können, von denen wir uns wünschen, dass sie erkennen, wer Jesus ist, und dass sie ihm vertrauen.

Das Buch kostet 6,90 Euro. Wenn man es im Verteilpaket mit 20 Exemplaren kauft, kostet es nur 3,90 Euro.

Hier kann Jesus unsere Hoffnung bestellt werden: verbum-medien.de.

Der narzisstische Film

Lars Henrik Gass hat mit Objektverlust: Film in der narzisstischen Gesellschaft (Berlin: XS-Verlag 2025) einen viel beachteten Essay über den Film in einer narzisstischen Gesellschaft geschrieben. Seine These: Mit der Dominanz der sozialen Medien und Streamingdiensten verändert sich auch der zeitgenössische Kinofilm allmählich zu einem Produkt einer neuartigen sozialen Kybernetik. Diese entspricht einem radikal veränderten Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft. Der Blick neuer Filme richtet sich nicht mehr neugierig oder aus Erkenntnisinteresse auf eine äußere Wirklichkeit, sondern auf einen Fundus überlieferter Bilder, denen ihre historische und gesellschaftliche Bedeutung genommen wurde. Kurz gesagt: Der postmoderne Film ist zur Propaganda einer Welt ohne Außen geworden.

Andreas Scheiner hat das Buch für die NZZ vorgestellt. Ein Auszug: 

Am Anfang des Kinos stand das Staunen. Der neuartige Apparat erlaubte es den Menschen, mit Neugierde auf die Wirklichkeit zu schauen. Filme beförderten „die gesellschaftliche Teilhabe und eine universalistische Sicht auf die Welt“, wie der Filmtheoretiker festhält. Heute befördern die Filme vor allem noch den Narzissmus des Einzelnen.Wir leben in einer selbstverliebten Gesellschaft, in der laut Gass „die mitunter schmerzliche, fremdartige Begegnung mit dem Anderen, Neuen, Nichtidentischen“ keinen Platz mehr habe. Der Narzissmus „will nur noch erfahren und haben, was er kennt“. Und so sehen die Filme dann auch aus.Sie richten sich an Menschen, die 20 Franken im Monat für Netflix ausgeben. Oder ähnlich viel für ein Kinobillett. „Die Mittelschichten betrachten sich in diesen Filmen selbst“, schreibt Gass. Allerdings „nicht im Sinne einer womöglich kritischen Darstellung der materiellen Bedingungen ihrer Existenz“.

Exemplarisch sind für ihn die Filme von Ruben Östlund („Triangle of Sadness“) und Paolo Sorrentino („Parthenope“), aber auch eine Serie wie „The White Lotus“ liesse sich anführen: Diese Stoffe vertreten eine „vulgäre Kapitalismuskritik samt eingebauter Verstehanleitung“. Dem Anschein nach werden soziale Missstände offengelegt, „über die man selbst natürlich erhaben ist dank einem hypersensiblen Mindset“.Alles ist nur noch PoseAber diese Produktionen interessieren sich nicht für eine Rea lität, sondern sie „inszenieren Geschmack“. Gass, der sich auch über das gutbürgerliche Arthouse-Kino von Joachim Trier, Wes Anderson oder Mia Hansen-Löve auslässt, kritisiert zu Recht, dass im typischen Gegenwartsfilm alles zur Pose wird, „die man umstandslos einnehmen kann, zur Ausstattung – ohne Entwicklung, ohne Komplexität, ohne Widersprüche“.

Lars Henrik Gass nennt es den narzisstischen Film. Dieser bildet eine Gesellschaft ab, die immer seltener ins Kino geht, aber ihr Selbstbild auch im Film wiederfinden möchte. Auf Netflix muss sie nicht lange suchen. Der narzisstische Film, fasst Gass zusammen, sei „eine Art All-inclusive-Angebot für den Mittelstand als Zielgruppe, der hier sein Zeitporträt erhält, sein Epos“.

Wird es irgendwann wieder besser? Die grosse Chance für das Kino ist ausgerechnet seine grösste Bedrohung: die KI. Paradoxerweise wird die Technik durch die Technik obsolet: Weil es immer weniger Mittel braucht, um Filme zu machen. Man muss nicht James Cameron heissen und mehrere hundert Millionen Dollar aufwenden, um „Avatar“ in die Länge zu ziehen. In naher Zukunft kann praktisch jeder auf Pandora drehen und Geschichten von blauen humanoiden Mondbewohnern erzählen. Womit sich dann kein Mensch mehr dafür interessieren wird.Blockbuster werden ihre Anziehungskraft verlieren. Denn selbst an noch so spektakulären Bildern hat sich das Publikum irgendwann sattgesehen. Was sich nicht erschöpft, sind die Geschichten. Solche, die sich keine KI ausdenken kann. Und die sich nicht darum drehen, was ohnehin jeder schon kennt, sondern die das eigene Weltbild herausfordern. Wenn es so kommt, dann kommt die beste Zeit für das Kino erst noch.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.nzz.ch.

Remaking the World

Heindrikje Kuhs stellt das hochinteressante und zugleich kurzweilige Buch Remaking the World von Andrew Wilson vor.

Ein Auszug: 

Andrew Wilsons Buch überzeugt nicht nur durch seine zentrale These, sondern auch durch Stil, Substanz und Relevanz. Drei Aspekte stechen dabei besonders hervor:

  • Die enthaltenen Geschichten sind schlichtweg hochinteressant. Man begegnet außergewöhnlichen Persönlichkeiten und Gruppen, erfährt von großartigen Erfindungen und spannenden Ideen. Beim Lesen fragt man sich immer wieder verblüfft: Das ist auch 1776 passiert?
  • Wilsons Stil ist kurzweilig, clever und lädt nicht selten zum Schmunzeln ein. Seine sorgfältige Recherche merkt man dem Buch an.
  • Christen sollen die Zeit und Kultur, in der sie leben, bestmöglich verstehen – nicht nur, um treu zu leben, sondern vor allem, um andere Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Genau auf dieses Ziel läuft das Buch erfreulicherweise hinaus.

Mehr: www.evangelium21.net.

Der Europäer große Schuldlust

Die Kritik postkolonialer Theoretiker am westlichen Kolonialismus blendet den langen Strang imperialer Geschichte gewöhnlich aus. Daraus entstehen verzerrte Geschichtsbilder, die neue Machtgelüste bedienen, meint Heiko Heinisch in seinem Gastbeitrag für die FAZ. Der Historiker schreibt darin:

In Werken postkolonialer Theorie, nicht zu verwechseln mit historischer Forschung zur Kolonialgeschichte, ist heute indessen eine manische Fixiertheit auf Europa augenfällig, ein Eurozentrismus, der den langen Strang imperialer Geschichte der Menschheit ausblendet. In dieser Darstellung wird Europa zum alleinigen Subjekt der Geschichte, während alle anderen Völker und Regionen zu bloßen Objekten europäischen Handelns degradiert werden. Genährt wird eine Weltsicht, die von der Annahme ausgeht, alle Übel dieser Welt – Kolonialismus, Imperialismus, Rassismus, Sklaverei, Sexismus, ja jegliche Form von Unterdrückung und Ausbeutung – seien erst durch den Westen und das „westliche Denken“ erzeugt worden, gemäß der leitenden Annahme, der europäische Kolonialismus wirke bis heute fort und halte die Völker der Welt in Knechtschaft.

So schreibt etwa Achille Mbembe, einer der Stars der postkolonialen Theorie, in seinem Buch „On the Postcolony“, es gebe für afrikanische Gesellschaften seit dem fünfzehnten Jahrhundert keine „distinktive Geschichtlichkeit“ mehr, die nicht von europäischer Vorherrschaft geprägt sei. Keine Erwähnung findet, dass bereits vor dem fünfzehnten Jahrhundert außerafrikanische Mächte die Entwicklung Afrikas maßgeblich prägten: seit dem siebten Jahrhundert die arabischen, später die osmanischen Eroberer. An anderer Stelle beschreibt Mbembe den Monotheismus als Ursache von Eroberungen. Es geht allein um das Christentum, das, so Mbembe, auf der Vorstellung der Weltherrschaft „sowohl in der Zeit als auch im Raum“ basiere, sich das Eigentumsrecht auf die ganze Welt zugeschrieben und daraus das Recht auf Eroberung abgeleitet habe. In diesem Kontext, so folgert er, müssten die Kreuzzüge neu interpretiert werden.

Das Geschichtsbild maßgeblicher Vertreter postkolonialer Theorien, das einem Aktivismus den Boden bereitet, an dessen Ende der Westen selbst und damit der Weg der Aufklärung und Demokratisierung europäischer Gesellschaften abgewickelt werden soll, ist übrigens ganz im Sinne jener Mächte, die, wie Russland, China oder die Türkei die eigene Geschichte verklären und ihren weltpolitischen Aufstieg längst eingeleitet haben. Ein Ende des Westens aber wird keine von Gewalt und Krieg befreite Menschheit bedeuten, vielmehr werden ihm Imperien folgen, die mit Grundrechten und Rechtsstaatlichkeit vermutlich wenig anfangen können.

Mehr: www.faz.net. Der dazugehörige Buch Postkoloniale Mythen: Auf den Spuren eines modischen Narrativs von Heiko Heinisch gibt es hier (#ad).

Kathryn Butler: Zwischen Leben und Tod

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Christoph Jung hat das Buch einer Ärztin gelesen, das sich fundiert mit den oft unklaren Grenzen zwischen Leben und Tod in der Intensivmedizin auseinandersetzt. Fazit:

Kathryn Butler gelingt mit dem Buch das, was sie sich vorgenommen hat. Sie stellt sich der Herausforderung, ein unangenehmes, aber zweifellos dringendes Thema klar und allgemeinverständlich zu erläutern. Inmitten eines medizinisch-technisch-ethischen Dickichts sorgt sie mit klaren, biblisch orientierten Prinzipien und ihrer intensivmedizinischen Erfahrung für notwendige Orientierung. Manche Situationen bleiben auch nach Lektüre des Buches ethisch schwierig und Betroffene werden in konkreten Fällen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen. Das ändert jedoch nichts daran, dass das Buch nicht nur für Seelsorger oder Pastoren, sondern letztlich für alle interessierten Christen eine wertvolle Entscheidungshilfe bietet.

Mehr: www.evangelium21.net.

Ulrich Parzany: Das Buch Begründung des Glaubens hat mir entscheidend geholfen

Pfarrer Ulrich Parzany hat das Buch Begründung des Glaubens von Herman Ridderbos schon in den 60er Jahren gelesen. Dass es jetzt neu (und endlich in einer vollständigen Ausgabe) erschienen ist, kommentiert er in einer Rezension Folgendermaßen:

Als Theologiestudent hatte ich mich mit der radikalen Bibelkritik Rudolf Bultmanns und seiner Schüler auseinanderzusetzen. Die Autorität der Bibel wurde durch die Infragestellung der historischen Zuverlässigkeit der biblischen Berichte und durch Bezweiflung des neutestamentlichen Kanons als Wort Gottes untergraben. Damals, 1963, erschien das Buch des niederländischen Theologen, Herman Ridderbos, Begründung des Glaubens – Heilsgeschichte und Heilige Schrift, R. Brockhaus Verlag Wuppertal. Dieses Buch hat mir entscheidend geholfen. Ich hüte es bis heute in meiner Bücherei.

Mit großer Freude begrüße ich, dass der Verlag VERBUM MEDIEN dieses Buch jetzt neu aufgelegt hat [siehe hier]. Herman Ridderbos (1908–2007) war Professor für Neues Testament an der Theologischen Hochschule in Kampen, Niederlande.

In der Einleitung schreibt Ridderbos: „Die Theologie sieht sich immer wieder vor die Frage nach der Autorität der Heiligen Schrift gestellt. Die meisten Theologen unserer Zeit antworten darauf, dass die Heilige Schrift an sich keine göttliche Autorität besitze und dass diese nur ihrem Inhalt zukomme. Das Kennzeichnende an dieser Auffassung ist nicht, dass sie jede Offenbarung schlechthin leugnet, wohl aber, dass sie einen prinzipiellen Unterschied zwischen Offenbarung und Heiliger Schrift macht. Die Bibel ist demnach nur menschliche Urkunde als Beschreibung göttlicher Offenbarung oder, wie man gegenwärtig zu sagen pflegt, ihr menschliches Zeugnis. … Der Schrift an sich komme keine Offenbarungsqualität zu.“ (S.15f)

Ridderbos vertritt und begründet seine Gegenthese: „Die Heilige Schrift hat eine Geschichte. Sie ist ein Produkt von Gottes Offenbarungshandeln in der Heilsgeschichte. … Die Bedeutung der Bibel und das Wesen ihrer Autorität können also nur dann richtig verstanden werden, wenn man die Schrift eng mit der Heilsgeschichte verbindet…. Die vorliegende Arbeit bemüht sich daher nicht darum, den Glauben auf einen anderen Grund als den der Bibel zu stellen, sie möchte nur das Wesen der Heilsgeschichte näher ergründen, oder anders ausgedrückt: den Zusammenhang zwischen Heilsgeschichte und Heiliger Schrift aufdecken.“ (S.21f)

Mehr: www.bibelundbekenntnis.de.

Wege zur Liebe?

Der zweite Band der sogenannten Transformativen Ethik von Thorsten Dietz und Tobias Faix ist soeben unter dem Titel „Wege zur Liebe“ erschienen. Es geht darin – und damit ist schon der Begriff „Liebe“ zeitgeistig gefüllt – um Sexualität.

Nachdem ich die Buchbesprechung von Ulrich Parzany gelesen habe, musste ich schmunzelnd an eine Rezension von Friedrich Schleiermacher aus dem Jahre 1799 denken. Der wagte es, tatsächlich über Immanuel Kants Anthropologie zu sagen, dass diese vortrefflich als „Negation aller Anthropologie“ zu lesen sei. Ich glaube, wir sollten die Transformative Ethik als die Negation aller biblischen Ethik lesen (wenn wir sie denn überhaupt lesen).

Ulrich Parzany schreibt:

Das Bild von Karte und Gebiet ist für die Autoren in ihren ethischen Überlegungen leitend. Die Bibel ist die alte Landkarte. Unsere heutige Welt ist das Gebiet. Die Wege, die in der alten Karte eingezeichnet sind, gibt es leider heute nicht mehr. Wege, die wir durchs heutige Gebiet suchen, kann man in der veralteten Karte nicht finden. Also spielen die Gebote Gottes keine maßgebende Rolle. Gebotsethik ist für die Autoren etwas ganz Schlimmes. Keine Spur von Nachdenken darüber, dass und wie Jesus die Gebote Gottes in der Bergpredigt oder in Johannes 15,10 („Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe“) oder im Gespräch mit dem reichen jungen Mann (Mat 19,16-19) bestätigt.

Die Autoren orientieren sich dagegen an Judith Butler, deren Gender-Ideologie sie heftig verteidigen, und anderen Ratgebern, die fast jedes sexuelle Verhalten rechtfertigen oder empfehlen. Vorehelich, außerehelich, hetero, homo, queer, polyamorös.

Welche Rolle spielt die Bibel in diesem Buch? Ihre Aussagen werden von den Autoren auf die Prinzipien Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit geschrumpft. Diese Prinzipien werden, wenn die Autoren es für nötig halten, auch kritisch gegen konkrete biblische Aussagen angewandt. Unter Berufung auf das Liebesgebot werden in der kirchlichen Argumentation ja schon länger konkrete Gebote Gottes für ungültig erklärt. Gegen den Gebrauch der Bibel als Wort Gottes und Maßstab für Glauben und Leben wird in diesem Buch durchgehend polemisiert.

Was schon im ersten Band behauptet wurde, wird im zweiten konsequent ausgeführt: Die neuzeitlichen Transformationen in Verständnis und Verhalten hinsichtlich Gender und Sexualität werden als Wirken Gottes in der Geschichte bewertet. Ihnen wird quasi eine Offenbarungsqualität zugesprochen. Sie werden deshalb als maßgebend angesehen.

Die Selbstbestimmung des Menschen ist Grunddogma für sexuelles Verhalten. Der wichtigste ethische Maßstab ist Einvernehmlichkeit. Wenn die gewährleistet ist, kann auch Polyamorie positiv bewertet werden. Die Auffassung, sexuelle Intimität sei der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau vorbehalten, wird als Zumutung abgelehnt. Nach Auffassung der Autoren ist die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare christlich geboten, ihre Ablehnung nicht akzeptabel.

Mehr: www.bibelundbekenntnis.de.

Was verband Adorno und Gehlen?

Wie kam es in den sechziger Jahren zu einer Nähe zwischen dem Linken Theodor W. Adorno und dem Rechten Arnold Gehlen? Thomas Wagner spürt in seinem Buch Abenteuer der Moderne der merkwürdigen Nähe der beiden Denker nach. Mark Siemons hat es für die FAZ gelesen und hervorragend besprochen.  

Unter anderem schreibt er: 

Das Buch steckt voller produktiv verwirrender Anekdoten, und es ist mit zahlreichen Vor- und Rückblenden so geschickt montiert und flüssig geschrieben, dass man von der ersten bis zur letzten Seite mit nicht nachlassender Neugier auf die nächste Volte gespannt bleibt. Etwa wenn Wagner die Kalte-Kriegs-Atmosphäre innerhalb des doch eigentlich als neomarxistisch geltenden Instituts für Sozialforschung schildert, wo sich Adorno demonstrativ vom „Galimathias“ des dialektischen Materialismus in der DDR absetzte. 1958 klagte Horkheimer bei Adorno einmal über einen „studentischen Propagandisten“, der am Institut „nur den Geschäften der Herren im Osten Vorschub“ leiste – gemeint war niemand anderes als der junge Habermas. In den frühen Fünfzigerjahren war das Institut sogar an der Vorbereitung der Wiederbewaffnung Westdeutschlands beteiligt; es erarbeitete eine Studie über die Auswahl demokratisch gesinnter Offiziere für die zu gründende Bundeswehr. Das Institut nahm da nur insofern Rücksicht auf seinen linken Ruf, als es das Projekt geheim hielt.

Schon die Ostberliner Szene, mit der das Buch beginnt, weckt die höchsten Erwartungen: Der marxistische Philosoph Wolfgang Harich und Manfred Wekwerth, Chefregisseur des Berliner Ensemble, hören da im Sommer 1965 atemlos die Aufzeichnung eines der Radiogespräche Adornos mit Gehlen. Die Pointe ist, dass die beiden auf der Seite des konservativen Gehlen und nicht der des Neomarxisten Adorno sind. Stabile Institutionen seien wichtig, damit die Einzelnen nicht entgleisen, während Emanzipierung der Individuen vom Institutionellen abzulehnen sei. Harich, so erfahren wir, war da schon lange Gehlen-Fan: In den Fünfzigerjahren hatte er noch darauf gehofft, dass Gehlen sich dem Kommunismus anschließt und ihm Bücher von Marx, Engels, Lenin, Stalin, Lucacs und Bloch geschickt. Er wollte ihn sogar dazu bewegen, einen Lehrstuhl in Ostberlin anzunehmen. Und Bertolt Brecht erhielt noch kurz vor seinem Tod von Harich Gehlens Buch „Urmensch und Spätkultur“, wo Brechts „Stilprinzip der Verfremdung“ lobend erwähnt wurde.

Mehr: www.faz.net.

Herman Ridderbos: Die Begründung des Glaubens

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Die gerade erschienene Neuauflage des Buches Begründung des Glaubens (Verbum Medien, 2025) des Neutestamentlers Herman Ridderbos erschien erstmalig 1955 als Heilsgeschiedenis en Heilige Schrift van het Nieuwe Testament. Es folgten drei englischsprachige Auflagen mit dem Titel Redemptive History and the New Testament Scriptures in einem presbyterianischen Verlag. Sowohl die niederländische als auch die englischen Ausgaben enthalten einen zweiten Teil über die Autorität des Neuen Testaments, der in der deutschen Ausgabe von 1963 leider fehlt. Bei der Neuauflage haben wir daher nicht nur die alte Übersetzung an einigen Stellen erheblich überarbeitet, sondern auch den bisher fehlenden zweiten Teil über die Autorität des Neuen Testaments übersetzt und eingefügt.

Worum geht es in diesem Buch?

Ridderbos geht es in Begründung des Glaubens nicht – wie man aufgrund des Titels vermuten könnte – um die Verteidigung der christlichen Religion. Er erörtert vielmehr die Frage, mit welchem Recht der christliche Glaube Offenbarungswahrheit in Anspruch nimmt. Er diskutiert die Bedeutung der Schrift, ihre Kanonizität und die Eigenart ihrer Autorität.

Für den Leser ist es hilfreich, zu wissen, dass die Arbeit in einer Zeit entstand, in der es sehr verbreitet war, den biblischen Schriften lediglich einen menschlichen Zeugnischarakter zuzugestehen (vgl. z.B. Karl Barth o. Emil Brunner). Demnach komme der Bibel selbst keine Offenbarungsqualität zu, da sie nur ein menschliches und damit gebrechliches Zeugnis der göttlichen Offenbarung sei. Aus diesem Grund stand der kritischen Arbeit am „Schriftzeugnis“ nichts im Weg, was folglich die Kanonkritik und allgemein die historisch-kritische Forschung am Neuen Testament rechtfertigte und beflügelte.

Herman Ridderbos greift die vielfältigen damit zusammenhängenden Fragestellungen auf und legt schließlich eine eigenständige Antwort vor. Er vertritt die Auffassung, dass die Autorität des Kanons weder in der Anerkennung des Kanons durch die Kirche noch in der Erfahrung des Gläubigen mit dem Kanon liegt. Jeder Versuch, die Autorität des Kanons mit anderen Mitteln als dem Kanon selbst zu begründen, öffnet nach Ridderbos einer subjektivistischen und willkürlichen Argumentation Tür und Tor. Ebendeswegen ist für Ridderbos der neutestamentliche Kanon selbst die Offenbarung Gottes für sein Volk, da er die verbindliche schriftliche Verkündigung der Worte und Taten Gottes in Christus darstellt, die durch die göttlich beauftragten Apostel kundgetan wurden. Als solcher gehört der Kanon zum Heilshandeln Gottes in der Geschichte und erhält genau hierdurch seine bindende Autorität.

Das klingt dann so: 

Zunächst erscheint es etwas gewaltsam, eine Verbindung zwischen Heilsgeschichte und neutestamentlichem Kanon herstellen zu wollen. Es ist ja nirgendwo im Neuen Testament von einem Kanon als abgeschlossener Einheit von Schriften die Rede. An keiner Stelle hören wir von einem Auftrag, bestimmte Schriften zusammenzustellen, die der Kirche auf ihrem Weg durch die Geschichte als Richtschnur dienen sollen. Der Kanon ist – so scheint es jedenfalls – dem Heilshandeln Gottes in Jesus Christus a posteriori hinzugefügt. Er kam erst dann zum Zuge, als die großen Heilstaten Gottes, die Fleischwerdung Jesu Christi, seine Auferstehung, die Himmelfahrt, die Ausgießung des Heiligen Geistes schon längst der Vergangenheit angehörten. So betrachtet ist es nicht verwunderlich, dass sich die gegenwärtige Literatur – die auf den historischen Charakter der neutestamentlichen Offenbarung so starken Nachdruck legt – so wenig mit der Bedeutung beschäftigt, die das Neue Testament als literarische Größe in diesem Heilshandeln einnimmt. Es scheint wirklich so, als ob die Heilige Schrift des Neuen Testaments erst nach der großen Offenbarungszeit auftrete und sie deswegen in der Kirchengeschichte behandelt und dementsprechend beurteilt werden müsse. Doch ist dies nur zum Teil wahr. Gewiss gehört die Festlegung des Kanons als abgeschlossene Einheit von 27 Büchern zur Kirchengeschichte. Die Frage ist aber, ob das auch ob das auch vom Kanon in qualitativem Sinne gilt; genauer gesagt: ob dasjenige, was die Kirche veranlasst hat, einen schriftlichen und geschlossenen Kanon als Norm des Glaubens anzuerkennen, seinen Grund nur in der Geschichte der Kirche selbst oder auch in der Heilsgeschichte findet. Es geht hierbei nicht um das Wort „Kanon“, das im Neuen Testament nur wenige Male vorkommt und dort in sehr allgemeiner Form. Es geht um die sachliche Autorität, die den in den Kanon aufgenommenen Schriften von Anfang an in der Kirche zuerkannt wurde und die dann auch – vor allem im Westen – den kirchlichen Gebrauch des Namens „Kanon“ im Sinne von „Maßstab, Regel, Norm für Glaube und Leben“ bestimmt hat.

Von dieser Autorität gilt, dass sie ihren Ursprung im Herzen der Heilsgeschichte hat. Es ist die Tat Jesu Christi selbst, die hierin sichtbar wird, und das nicht allein deswegen, weil er als der Gesandte des Vaters und als der Sohn Gottes Träger göttlicher Vollmacht war und man daher sagen kann, dass Gott sich in Christus der Welt gegenüber als Kanon erwiesen hat. Tatsächlich hat Christus zur Mitteilung und Überlieferung dessen, was in der „Fülle der Zeit“ geschehen ist, was gesehen und gehört wurde, die formale Autoritätsinstanz geschaffen, auf die sich Ursprung und Maßstab des Evangeliums für alle Zukunft gründet.

Das Buch kostet 12,90 € und kann bei Verbum Medien oder überall im Buchhandel bestellt werden.

Wofür es sich zu kämpfen lohnt

Pastor Matthias Mockler hat für IDEA das Buch Wofür es sich zu kämpfen lohnt – und wofür nicht: Ein Plädoyer für theologische Triage von Gavin Ortlund rezensiert. Hier ein Auszug:

Der Streit um Lehrmeinungen ist heute bei vielen Christen verpönt. Sie sagen: „Das spaltet nur und schadet der Einheit, die Jesus für uns will!“ Gleichzeitig gibt es auch Christen, die sehr streitlustig sind. Selbst Randthemen der Bibel machen sie zu grundlegenden Bekenntnisfragen. In seinem Buch „Wofür es sich zu kämpfen lohnt – und wofür nicht“ zeigt der US-Pastor Gavin Ortlund einen besseren Weg: Streit ist erlaubt und manchmal sogar nötig. Die Frage ist allerdings: Für welche Themen kämpfen wir – und mit welcher Haltung tun wir es? Dabei ist Ortlund nicht auf Streit aus. Eines seiner Hauptanliegen ist es, unnütze Spaltungen unter Christen zu verhindern. Die theologische Zersplitterung schade der Kirche und schwäche sie in ihrer Mission. Und doch gibt es Themen, die sind so zentral, dass Kompromisse einer echten geistlichen Einheit schaden.

Anhand vieler Beispiele und persönlicher Zeugnisse hilft Ortlund dem Leser, wichtige Lehrmeinungen von weniger wichtigen zu unterscheiden. Diejenigen, die ungern streiten, bringt er zum Nachdenken: Gibt es theologische Fragen, in denen ich mich klarer positionieren müsste? Denen, die zu viel streiten, hält Ortlund den Spiegel vor: Wenn dir Gottes Wort so wichtig ist, wie hältst du es dann mit seinem Ruf zur Liebe und Einheit in der Gemeinde?

Mehr: www.idea.de.

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