Tim Keller

Wie Tim Keller sein Leben in seinen letzten Jahren neu ordnete

Michael Keller beschreibt in The Stories We Live By (2016, #ad), wie sein Vater sein Leben nach der Krebsdiagnose neu geordnet hatte: 

Wenn Gott deine größte Liebe ist, kannst du deine Arbeit lieben und deine Familie lieben – in dem Glauben, dass Erfolg und Misserfolg in beiden Bereichen von Bedeutung sind –, aber keine dieser Lieben wird dich zerstören, denn dein Wert wurzelt in Gottes Liebe, nicht in dem, was bei der Arbeit oder in deiner Familie geschieht. Du kannst deine Arbeit wertschätzen und dich um deine Familie kümmern, ohne von ihnen zu verlangen, dass sie dich heilen oder dir einen ultimativen Sinn geben.

Woran erkennst du, ob deine Liebe aus dem Gleichgewicht geraten ist? Drei Fragen decken deine Prioritäten auf. Erstens: Was bereitet dir im Leben die größte Unruhe? Die Dinge, die dir den Frieden rauben, verraten oft, worauf du dich für deine Sicherheit verlässt. Zweitens: Wohin wandern deine Gedanken, wenn sie abschweifen? Deine Tagträume offenbaren deine Sehnsüchte. Worüber du fantasierst, verrät, von welchen Dingen du glaubst, dass sie dich glücklich machen. Und drittens: Wofür gibst du am großzügigsten Geld aus? Kontoauszüge lügen nicht. Wohin du dein verfügbares Einkommen fließen lässt, weist oft auf die Dinge hin, von denen du glaubst, dass sie dir Leben schenken. Wenn du dir diese Fragen stellst, kannst du die Bereiche erkennen, in denen deine Liebesbeziehungen aus dem Gleichgewicht geraten sind.

Ich habe diese Neuordnung im Leben meines Vaters während seiner letzten Krankheitsjahre beobachtet. Als der Krebs deutlich machte, dass seine Tage gezählt waren, änderten sich seine Gewohnheiten. Er war sowohl weniger getrieben als auch fokussierter. Die Dinge, die ihm am meisten am Herzen lagen – die Zeit mit meiner Mutter, das Fertigstellen wichtiger Projekte und die Verbindung zu seinen Söhnen –, genoss er mehr denn je, auch wenn seine Zeit für alles andere immer knapper wurde. Er strahlte eine Leichtigkeit aus, die ich erst jetzt benennen kann: Er brauchte keines seiner Bestrebungen mehr, um sich vollständig zu fühlen. Er war in diesen letzten Jahren kein Mann, der gelernt hatte, weniger zu lieben; er war ein Mann, der gelernt hatte, seine Liebe in die richtige Reihenfolge zu bringen.

Was bedeutet es, „Gott mehr als alles andere zu lieben“? Man kann nicht einfach einen Schalter umlegen oder diesen Satz wiederholen, um das zu erreichen. Man kann sein Herz auch nicht durch Schuldgefühle, Geschrei oder Befehle dazu zwingen. Was man braucht, ist eine Erfahrung, die das Herz in ihren Bann zieht und die Liebe neu ordnet.

Wie können wir das erreichen? Papa verwies auf Johannes 6,27–35: „Jesus sagt nicht: ‚Ich werde euch das Brot des Lebens geben‘, als wäre er ein Austeuerer geistlicher Wohltaten. Er behauptet, das Brot des Lebens zu sein.“ Was bedeutet das? Wenn wir Brot essen, stirbt das Korn, damit wir leben.

Das ist die Logik des stellvertretenden Opfers. Jesus bietet uns keine geistlichen Produkte an; er bietet uns sich selbst an. Am Kreuz hat Jesus wahrhaftig sein eigenes Glück um unseretwillen beiseitegeschoben. Warum? In Hebräer 12,2 heißt es, es sei „um der Freude willen, die ihm in Aussicht gestellt war“. Was ist seine Freude und sein Glück? Das sind du und ich. Er hat dich und mich zu seinem Glück gemacht. Er hat den Verlust, den Schmerz und den Tod auf sich genommen, die wir verdienen, weil wir uns in jeder Hinsicht auf unser eigenes Glück statt auf das Glück anderer konzentrieren – damit wir das Glück haben können, das ihm zusteht.

Quelle: www.christianitytoday.com.

John Stott: Das Gebet

Im Jahr 2006 predigte John Stott in der Redeemer Presbyterian Church (New York) über Epheser 2,18, wo steht: „Denn durch ihn haben wir beide durch einen Geist den Zugang zum Vater.“ Das Thema der Predigt war also das Gebet.

Ich empfehle die Aufzeichnung nicht nur wegen der Predigt, sondern auch aufgrund der einleitenden Worte durch den Hauptpastor der Gemeinde. Dort bekennt sich Tim Keller zum Einfluss John Stotts auf sein eigenes Leben und das seiner Frau Kathy. Zudem erläutert er, welche Bedeutung John Stott für das evangelikale Christentum in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte.

Sollte jemand nicht wissen, wer John Stott ist, kann er sich über die Buchbesprechung zu Stott on the Christian Life einen ersten Eindruck verschaffen.

Die B.E.F.-Strategie

Matt Smethurs schreibt in Timothy Keller über den geistlichen Kampf gehen Sünde/Götzen (2025, S. 60–62):

In einem Teil der Predigt „The Freedom of Service“ (dt. „Von der Freiheit, zu dienen“) aus dem Jahr 1994 stellt Keller eine praktische Strategie zur Zerstörung von Götzen vor. Während Ungläubige die Wahrheit in Lüge verkehren (vgl. Röm 1,25), müssen Christen lernen, diesen Instinkt umzukehren: Lüge muss gegen Wahrheit eingetauscht werden. Um den Griff eines Götzen zu lockern, schlägt Keller ein Akronym vor: B.E.F.

Zuallererst benennen wir das Problem. Wir schauen unter die Oberfläche unseres Herzens – wo der Gottesersatz lauert – und erkennen an, dass dort falsche Anbetung stattfindet. Warum ist das der erste Schritt? Weil wir nicht niederreißen können, was wir nicht diagnostiziert haben. Keller betont:

„An einer psychologischen Analyse ist nichts auszusetzen, solange man am Ende zu einer theologischen Analyse übergeht – und Klartext redet. Gib der Sache einen Namen. Gesteh ein, warum sie dir so wichtig ist. Gib zu, dass du nur deshalb glücklich bist, weil du deine Erlösung in Jesus kompromittierst. Du sagst: ‚Jesus ist ja ganz nett, aber um glücklich zu sein, brauche ich auch noch diese andere Sache.’“

Dann müssen wir den Götzen entlarven. Wie Eva sah, dass vom verbotenen Baum „gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte“ (1 Mose 3,6), so verführen uns die Götzen – weshalb wir sie entlarven und ihre echte Gefahr aufdecken müssen. Die Götzen in deinem Leben sind Sklavenhändler, die sich als Abolitionisten verkleiden. Es kommt ein Punkt, an dem du einem Götzen in die Augen sehen und zu ihm sagen musst: „Ich weiß, wer du bist. Du hast deine Hände schon seit Jahren um meinen Hals gelegt. Du kommandierst mich schon seit Jahren herum. Du hältst mich seit Jahren an der Leine. Damit ist jetzt Schluss!“ Kurz: Wir müssen Götzen als das sehen (und verabscheuen), was sie sind: Möchtegerngötter.

Und schließlich freuen wir uns. Wir meinen, Götzen würden uns Freude schenken, aber in Wahrheit sind sie Freudenräuber. Sich von einem erschaffenen Ding zu erhoffen, was nur Gott geben kann, ist ein viel begangener Pfad zur Traurigkeit. Gott allein ist groß genug, um das Gewicht unserer tiefsten Hoffnungen und Ängste zu tragen. Das bedeutet, dass wir unser Herz darauf ausrichten müssen, an Gott – dem wahren Gott – mehr Freude zu haben als an den rivalisierenden Göttern. Wir müssen, so Keller, unser Herz dazu erziehen, von einem Götzen aufzuschauen und zu sagen: „Jesus, du bist derjenige, der mich rechtfertigt, nicht dieses Ding hier. Du bist mein Frieden, nicht jene Sache dort. Du bist mein Meister, nicht das dort drüben. Du bist mein Retter und nichts anderes.“ Das ist keine kalte oder klinische Übung; es geht um Gottes allmächtige Liebe. „Gibt es einen Menschen, der dir wirklich wichtig ist, und sich in jemanden verliebt hat, der ihn nicht gut behandelt?“, fragt Keller. „So sieht Gott dich. Er sieht dich in den Armen der Götzen.“ Kein Wunder, dass Gott in der Bibel oft als eifersüchtig beschrieben wird. Er liebt uns zu sehr, um nicht eifersüchtig zu sein. Seine Eifersucht ist keine Unsicherheit; sie schützt uns vor dem, was uns niemals erfüllen wird. In dem Maße, in dem dein Herz in Gottes eifersüchtiger Liebe ruht (mehr noch: in ihr schwelgt), wird der eiserne Griff deiner Götzen schwächer werden.

Tim Kellers pastorale Integrität

 

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Philipp Bartholomä schreibt in seinem Vorwort zum Buch Timothy Keller über das Leben als Christ über die pastorale Integrität von Keller (Matt Smethhurst, Timothy Keller über das Leben als Christ, 2025, S. 7–14, hier S. 12–13): 

„Die meisten Probleme sind die Folge einer mangelnden Ausrichtung am Evangelium. Fehlentwicklungen in der Gemeinde und sündige Strukturen in unserem Leben sind letztlich darauf zurückzuführen, dass wir die Auswirkungen des Evangeliums zu wenig durchdenken und das Evangelium nicht gründlich genug begreifen und annehmen. Oder positiv gesagt: Das Evangelium verändert unser Herz, unser Denken und unsere Haltung zu absolut allem. Wenn in einer Gemeinde das Evangelium in seiner Fülle ausgelegt und umgesetzt wird, dann wird hier eine einzigartige attraktive Verbindung von moralischer Haltung und Verständnis für andere entstehen.“ Kellers evangeliumszentrierte Theologie ist ein wichtiges Erbe, das wir dankbar und bleibend bewahren sollten. Denn nur durch eine konsequente Ausrichtung am Evangelium entstehen geistlich gesunde und missionarisch wirksame Gemeinden. Pastorale Integrität Schließlich kommt es nicht von ungefähr, dass Matt Smethurst seine Synthese der theologischen Grundüberzeugungen Tim Kellers mit einem Verweis auf dessen Integrität beendet. Keller „begehrte für sich keine großen Dinge“ (der 45,5), er machte nie viel Aufhebens um sich selbst. Seine beeindruckende Erfolgsgeschichte wurde nicht von diskreditierenden Skandalen geschmälert. Im Unterschied zu manch anderen Pastoren großer Megachurches baute Keller keine persönliche Plattform für sich. Er wollte auch nicht seine eigene Marke bewerben. Obwohl er die größeren kirchlichen Zusammenhänge strategisch im Blick hatte und sich in verschiedenen überregionalen Initiativen engagierte, verstand sich Keller immer zuerst als Pastor einer lokalen Kirche. Bis zu seinem 55. Lebensjahr machte er nur durch vereinzelte Publikationen auf sich aufmerksam. Den Großteil seiner Bücher veröffentlichte Keller erst nach Jahrzehnten treuer, pastoraler Arbeit, also auf dem glaubwürdigen Fundament eines sichtbaren track records. Alles, was Keller über das christliche Leben lehrte, wurde beständig und demütig im Alltag seines Gemeindedienstes auf Tauglichkeit geprüft. Seine gewachsene Social-Media-Reichweite nutzte er nicht für Selfie-durchtränkte Selbstdarstellung. Vielmehr wollte er seine Follower auf gute Inhalte hinweisen. Auch der vor Jahren vollzogene Nachfolgeprozess innerhalb der Redeemer Presbyterian Church und die damit verbundene Weitergabe von Verantwortung und Macht an die nächste Generation von Pastoren zeugt von Kellers uneigennützigem Charakter und davon, dass ihm das bleibende Wohl seiner Gemeinde wichtiger war als sein „eigenes Reich“. Aus der Ferne kann man das nur als vorbildlich betrachten. Sowohl Kellers enge Mitarbeiter, Freunde und Kollegen, die ihn gut kannten, als auch Mitglieder seiner Gemeinde bemerkten in den Tagen nach seinem Tod unisono, dass es keine Diskrepanz gab zwischen seiner Lehre, seinem öffentlichen Auftreten und dem Mann, den sie privat erlebten. Sie beschreiben Keller als demütig, aufrichtig und zugänglich. Freundlichkeit, Güte und Herzlichkeit zeichneten ihn aus. Er war weder distanziert noch unnahbar und trotz seiner internationalen Reputation – so bezeugten es viele – einfach „einer von uns“.

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Timothy Keller: Über das Leben als Christ

 

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Velimir Milenković stellt in einer Rezension ein neues Buch über Tim Keller vor: 

Das Buch ist keine Biographie – Smethurst nimmt nur selten Bezug auf Kellers Leben und Erfahrungen. Es ist vielmehr ein Destillat von Kellers Theologie zu den grundlegenden Themen des Glaubenslebens. Dabei lässt Smethurst Keller häufig selbst zu Wort kommen; der Band ist durchzogen von Zitaten aus Predigten, Büchern, Artikeln und Interviews aus fast fünfzig Jahren. Smethurst arbeitet dabei äußerst gewissenhaft und belegt sämtliche Zitate im umfangreichen Endnoten-Teil.

Die beeindruckende Vielfalt an Themen, zu denen Tim Keller fesselnd gepredigt und wegweisende Bücher veröffentlicht hat, erfordert notwendigerweise eine Auswahl. In seinem Werk konzentriert sich Smethurst auf die grundlegenden Aspekte des alltäglichen christlichen Lebens. Die acht Themen des Buches umfassen die Zentralität von Jesus in der Bibel, Sünde, Gnade, Freundschaft, Arbeit, gerechtes Leben, Gebet und Leid. Smethurst widmet jedem dieser acht Themen ein eigenes Kapitel von durchschnittlich etwa 20 Seiten Länge. Im Vorwort vergleicht er sein Projekt mit einem „Best-of“-Album, das die größten Hits einer Band auf einer einzigen Scheibe zusammenbringt. Und genau so liest sich dieser Band: Wer mit Kellers Predigten vertraut ist, wird beim Lesen sofort die charakteristischen Themen, Argumente, Beispiele und Illustrationen wiedererkennen, die Keller in seinem unverkennbar gesprächsnahen Stil vorgetragen hat.

Matt Smethurst ist weder „Fanboy“ noch Kritiker Kellers, und das ist gut so. Er schafft es mühelos, die geistlichen Schätze aus Kellers Werk herauszustellen, ohne dabei den Menschen Tim Keller zu idealisieren. Smethurst ist wohltuend objektiv und trotzdem voller Dankbarkeit und Wertschätzung Keller gegenüber. 

Mehr: www.evangelium21.net.

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Tim Keller: Richter

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Das Buch der Richter im Alten Testament steckt voller Gewalt und bietet Bibellesern keinen einfachen Zugang. Deshalb lassen wir es in unserem Bibelstudium gern außen vor. Dabei passt das biblische Buch so gut in unsere Zeit: „Jeder tat, was ihn recht dünkte“. In diesem neuen Kommentar der Reihe „Die Bibel erklärt“ hilft Tim Keller uns, die Bedeutung der Erzählungen über die fragwürdigen Helden zu verstehen. Er zeigt, wie das wiederholte Versagen der Richter uns auf den wahren Helden Jesus hinweist und wie das unser Herz und unser Leben verändern kann. Neben dem Kommentar ist ein Arbeitsheft für Gruppen und Leiter erhältlich, um das Buch in einer Kleingruppe zu studieren.

Hier gibt es eine Leseprobe: VM-Keller-RichterKommentar-Inhalt-Leseprobe.pdf. Und hier noch ein dazugehöriges Arbeitsheft. Zusammen lassen sich diese Materialien hervorragend in Hauskreisen etc. einsetzen. 

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Tim Keller: Richter

Richter Keller.

Das Buch der Richter erinnert an die heutige Zeit. Die Zusammenfassung des Buches könnte lauten: „In jenen Tagen gab es keinen König in Israel; jeder tat, was in seinen Augen recht war“ (Ri 21,25; a. 19,24; 17,6).

Leider wird über das Buch wenig gesprochen – etwa in Predigten oder Hauskreisen. Das mag unter anderem daran liegen, dass es voller Gewalt „steckt“ und Bibellesern keinen leichten Zugang bietet. Der bei Verbum Medien neu erschienene Kommentar in der Reihe „Die Bibel erklärt“ erleichtert es, sich dem Buch mit Unterstützung zu nähern. Tim Keller hilft mit seiner Auslegung, die Bedeutung der Erzählungen von den zweifelhaften Helden zu verstehen. Er zeigt, wie das wiederholte Scheitern der Richter uns auf den wahren Helden Jesus hinweist und wie dies unser Herz und unser Leben verändern kann. Neben dem Kommentar gibt es ein Arbeitsbuch für Gruppen und Leiter, um das Buch in Kleingruppen zu erarbeiten.

Hier eine Leseprobe.

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