Theologie

Gendersprache aus christlicher Sicht

Gendersprache ist auf dem Vormarsch: Immer mehr Behörden, Medien, Politiker schreiben oder sprechen in sogenannter „geschlechtergerechter Sprache“. Was steckt hinter dem Phänomen? Ist gendern gefährlich? Und wie gehen wir als Christen damit um? Thomas Jeising, Schriftleiter des Bibelbunds, beschäftigt sich intensiver mit solchen Fragen. Pastor Matthias Mockler hat mit ihm über das Gendern gesprochen.

Peter Hahne: „Vergessen, dass wir Gott vergessen haben“

Am 1. Oktober erhielt Peter Hahne die Doktor-Ehrenwürde der STH Basel (Schweiz). Der frühere ZDF-Journalist hielt bei der Eröffnungsfeier des neuen Studienjahres der STH die Festrede zum Thema „Holt Gott zurück in die Politik“. Das Schweizer Portal Livenet hat Auszüge aus der Rede veröffentlicht: 

Zurzeit erlebten wir «die Umwertung und Umwälzung aller Werte», weil wir «Mass und Mitte» verloren hätten. Wer aber Gott verloren habe, brauche Ersatz: «die Surrogate, die Placebos, die Ersatzreligionen». Ernst Jünger habe darum scharfsinnig festgestellt: «Die leeren Altäre werden von Dämonen bewohnt.» Mit Gott indes «erhalten (im doppelten Wortsinn) wir all die Eigenschaften, die mit ihm biblisch verbunden sind: Wahrheit, Freiheit, Frieden, Gewissheit, Gebote, Gemeinschaft, den Guten Hirten, das Brot und das Wasser des Lebens».

Deshalb dürften Christen «nicht von einem Allerweltsgott» reden, «der für intellektuell Schwache obendrein noch gleichgesetzt wird mit Allah, Buddha oder wer weiss wem», sondern sie müssten wieder von Jesus reden. Hahne sprach in diesem Zusammenhang vom «tödlichen Virus der Jesus-Demenz» in vielen Gemeinden.

Schliesslich erzählte der Fernsehkorrespondent von seinem letzten Interview mit dem früheren SPD-Vorsitzenden Hans Jochen Vogel vor dessen 90. Geburtstag: «Ob er Angst habe vor dem Tod, wollte ich wissen. ‚Nein, seit ich Jesus kenne, nicht mehr‘. Wow! Was er denn in seinem langen Politiker-Leben bereue? ‚Dass ich Jesus erst so spät kennengelernt habe. Denn ich hätte vieles anders gemacht‘.»

Am Schluss des Interviews habe Hans-Jochen Vogel dann zu ihm gesagt: «Das sicherste und wichtigste Datum der Zukunft ist das Jüngste Gericht. Wir werden alle einmal Rechenschaft ablegen müssen vor dem ewigen Gott.» Das sei «forensische Eschatologie in Reinkultur», so Hahne: «Am Ende stehen wir vor dem Gericht Gottes.»

Mehr: old.livenet.ch.

Die neue Sichtweise vom „Selbst“

VM Trueman DerSiegeszugDesModernenSelbst Webseite01 1080xWorum geht es in dem Buch Der Siegeszug des modernen Selbst: Kulturelle Amnesie, expressiver Individualismus und der Weg zur sexuellen Revolution, das im November 2022 beim Verbum Medien-Verlag erscheinen wird? Es geht um eine neue Sichtweise auf das „Selbst“. Sexualität ist demnach das, was den Menschen im Tiefsten ausmacht. Von daher bekommt Sex im persönlichen Leben und in den öffentlichen Diskursen eine so große Aufmerksamkeit. Die Frage der Identität ist aufs Engste mit der Sexualität verknüpft. Warum und auf welche Weise es so gekommen ist, wird in diesem Buch gründlich untersucht.

Carl Trueman schreibt (Der Siegeszug des modernen Selbst, 2022, S. 43):

Wie in der Einleitung erwähnt, ist der Grundgedanke dieses Buches, dass
die sexuelle Revolution mit ihren verschiedenen Ausdrucksformen in der
modernen Gesellschaft nicht isoliert betrachtet werden darf. Vielmehr
ist sie die konkrete und vielleicht offensichtlichste gesellschaftliche
Manifestation einer viel tieferen und umfassenderen Revolution. Es geht
um die Sicht auf das Individuum, das Selbst. Während Sex heute oft als
schlichte Freizeitaktivität hingestellt wird, soll Sexualität der Kern dessen
sein, was es bedeutet, als authentischer Mensch zu leben. Das ist
ein tiefgreifender Anspruch, der wohl beispiellos in der Geschichte ist.

Simulierte Liebe

Erich Fromm, der sich übrigens mit seinem ehemaligen Kollegen bei der Frankfurter Schule, Herbert Marcuse, zutiefst zerstritten hatte, schrieb einmal über den „Beziehungsbetrieb“ der Moderne/Spätmoderne (Jeffries, Grand Hotel Abrund, 2019, S. 354):

Wir leben in einem Zeitalter von Wegwerf-Lovern, in dem ausgeklügelte sexuelle Lust die Unvorhersehbarkeit der Liebe verdrängt hat, in dem die Suche nach Liebe etwas Ähnliches geworden ist wie Shoppen, und in dem wir von der Liebe verlangen, was wir auch von unseren anderen Einkäufen erwarten – Neuheit, Abwechslung, Verfügbarkeit.

Die Evangelische Kirche in Deutschland ist voll auf diesen Zug der redundanten Beziehungsethik aufgesprungen. Die Lust, das Vergnügen, der Konsum, das sexuelle Abenteuer gehen aus ihrer Sicht völlig in Ordnung. Zwei Beispiele: Das Portal der Kirche feiert einen Pfarrer, der nebenberuflich im Gemeindesaal als Drag-Queen auftritt und die Kundschaft dabei von der Jugendgruppe bewirten lässt. Einfach super! Und Pastor Max besucht den Dominus André, der seit neun Jahren in der Rotlichtszene „Sexarbeit“ leistet und ist – wie vorhersehbar – von seinem engagierten Einsatz begeistert. Es sei sehr wichtig, immer noch vorhandene Vorurteile abzubauen. Alle sexuellen Spielarten, egal ob SM oder Blümchensex, sind für Max völlig legitim. Es sei wichtig, dass wir darüber reden. 

Wie billig, durchschaubar und oberflächlich das alles ist, können uns sogar die linken Soziologen und Philosophen der Frankfurter Schule vor Augen malen. Es ist im Grunde der Versuch, auf dem Markt zu bleiben. Die Kirche will den Anschluss nicht verlieren und dockt an die Wünsche und Begehren der Menschen an.

Aber die Kirche schafft sich dabei ab. Gott hat seinem Volk die Möglichkeit eröffnet, tiefer zu schauen. Der Heilige Geist wurde nicht gesandt, um Sünde zu feiern oder zu propagieren. Der Heilige Geist ist gekommen, damit er die Welt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht überführt (vgl. Joh 16,8). In einer Kirche, die Gesetz und Evangelium verwirft, zieht sich Gottes Geist zurück und überlässt die Menschen „den Begierden ihrer Herzen“ (vgl. Röm 1,24). 

Warum ich meine Meinung über Thomas von Aquin geändert habe

Scott Clark erzählt in einem Beitrag für das Journal Credo, dass er durch den Einfluss von Cornelius Van Til und Francis Schaeffer große Vorbehalte gegenüber Thomas von Aquin entwickelt hatte. Bei der Lektüre klassischer reformierter Theologen fiel ihm dann freilich auf, dass sie Thomas durchaus schätzten. Daher änderte auch Clark seine Meinung über den größten Theologen des Mittelalters.

Er schreibt:

Als ich in den Jahren 1980/81 durch Francis Schaffer und Cornelius Van Til damit begann, das reformierte Glaubensbekenntnis für mich zu entdecken, hatte ich eine ziemlich starke Voreingenommenheit gegenüber Thomas, den ich selbst nie gelesen hatte. Ich kannte ihn nur als den römisch-katholischen Theologen par excellence. Von Van Til kannte ich Thomas nur als „den großen Meister der Scholastik“, und ich schloss daraus, dass „Scholastik“ ein Code für Rationalismus war, d.h. dafür, dass man der Vernunft die Position eines Lehrers (magister) statt der eines Dieners (ancilla) zubilligte. Ich hatte den Eindruck, dass Thomas von Aristoteles vereinnahmt worden war. Tatsächlich wurde mir der Eindruck vermittelt, dass Thomas die Quelle für vieles war, was das Christentum krank macht. In einer Tour de Force springt Van Til von Aristoteles über Aquin zu Immanuel Kant (1724–1804). Die beiden wichtigsten Dinge, die ich aus meinen kurzen frühen Begegnungen mit Thomas mitnahm (mea culpa), waren, dass er versuchte, die Existenz Gottes auf „fünf Wegen“ zu beweisen (ST, 1a.2, Art. 3), und dass er einen „Natur-Gnaden-Dualismus“ lehrte.

Als ich begann, die orthodoxen reformierten Autoren selbst zu lesen, war ich jedoch überrascht, wie positiv sie Thomas gegenüber eingestellt waren. Das stellte mich vor die Wahl: entweder die neo-calvinistische Darstellung unseres Verhältnisses zu Thomas (und anderen) oder der klassische reformierte Ansatz. Nachdem ich mich eingehender mit Thomas beschäftigt hatte, entschied ich mich schließlich für Letzteres.

Falls sich jemand fragt, wie ich zu dieser Frage (und vielleicht auch der „Debatte“ zwischen Westminster Philadelphia und California) stehe: Ich kann Scott Clark gut verstehen und ermutige dazu, Thomas mal aus erster Hand zu lesen. Im Bereich der Gotteslehre wünsche ich mir, noch viel von Thomas zu lernen. Ich habe auch nichts gegen sauberes methodisches Vorgehen im Bereich von Theologie und Philosophie. Es ist schade, dass die Protestanten die Teleologie so vernachlässigt haben. Aquin war ein Genie. Zugleich bin und bleibe ich möglicherweise Thomas gegenüber kritischer als Clark, nicht nur im Blick auf einzelne Lehrpunkte wie Eucharistie oder Erwählung, sondern auch in Bezug auf sehr grundsätzliche Fragen wie Offenbarungslehre, Epistemologie und Soteriologie. So genau weiß ich das allerdings nicht, da ich Clark zu diesen Themen weder gelesen noch gehört habe. 

Hier der Artikel: credomag.com.

Ein Designer entdeckt das Evangelium

Becket Cook war ein äußerst erfolgreicher, homosexueller Set-Designer in der Mode-Industrie Hollywoods. Er arbeitete mit Stars und Supermodels wie Claudia Schiffer und Natalie Portman zusammen, bereiste die Welt für Fotoshootings im Auftrag von Vogue, Harper’s Bazaar usw. Er besuchte die großen Preisverleihungen sowie die Hauspartys von Paris Hilton und Prince. Im Sommer schwamm er in Drew Barrymores Pool.

Ein Jahrzehnt später hat Cook jenes Leben hinter sich gelassen – ohne es zu vermissen. Er fand Jesus. Besser gesagt: Jesus Christus fand ihn. Hier das spannende Interview mit Cock, das Brett McCracken geführt hat: www.evangelium21.net.

Einsteigen mit Logos 9 Basic

Deutsch Basic 315

Die Bibel-Software Logos ist enorm leistungsfähig, aber natürlich recht teuer, wenn man eine große Bibliothek aufbaut. Bevor man einsteigt, sollte man sich das also gut überlegen. Der Hersteller hat daher ein kleines Paket geschnürt, mit dem man die Software kennenlernen und austesten kann. Logos Basic ist eine kostenlose Logos-Version mit vielen einzigartigen Funktionen zum Bibellesen. In diesem Paket gibt es übrigens die beliebten Videos vom BibleProject (Deutsch). Außerdem legt Faithlife einen Gutschein drauf, mit dem eine erste zusätzliche Bibel für unter 5€ erworben werden kann.

Mehr Infos hier: de.logos.com.

Kevin DeYoung: Was dem Schweigen folgt

Kevin DeYoung skizziert im kürzlich erschienenen Artikel „From silence to complexification to capitulation“ einen Stimmungswechsel unter den Evangelikalen in den USA im Blick auf brennende sexualethische Fragen. Er schreibt:

Ich stimme nicht oft mit David Gushee überein, dem liberalen christlichen Ethiker, dessen „kämpferische Auseinandersetzungen“ nach seiner eigenen Beschreibung „Themen wie Klimawandel, Folter, LGBTQ-Integration und weiße Vorherrschaft“ umfassen. Allerdings sprach er vor Jahren eine unbequeme Wahrheit aus, als er feststellte, dass es bei LGBTQ-Themen keinen Mittelweg gibt. Er sagte: „Neutralität ist keine Option. Ebenso wenig wie eine höfliche Halbakzeptanz. Und auch nicht, das Thema zu vermeiden. Wie sehr du dich auch verstecken magst, das Thema wird dich finden.

Nach DeYoung wird das Schweigen in sexualethischen Fragen langsam durch eine Haltung verdrängt, in der vor allem jene zur Rechenschaft gezogen werden, die an der biblischen Position festhalten.

In der nächsten Phase ist die Verdrossenheit gegenüber denjenigen, die auf die Sünde hinweisen, größer als gegenüber denjenigen, die die Sünde begehen. Dies ist oft ein verräterisches Zeichen dafür, dass ein Gesinnungswandel bereits stattgefunden hat. Die evangelikale Leiterpersönlichkeit mag immer noch damit prahlen, dass sie ein „Konservativer“ ist, aber es sind zugleich nur noch die Konservativen, die stören. Die ganze Sympathie wendet sich nun der revisionistischen Seite zu. Es gibt viel Geduld für den „sexuellen Kämpfer“ und nichts als Verachtung für diejenigen, die von Sünde, Gericht und der Notwendigkeit zur Umkehr sprechen. Auf dem Weg dorthin entwickelt sich ein Kanon innerhalb eines Kanons. Hier rühmen sich die Führer damit, dass sie „Rote-Buchstaben-Christen“ sind. Jesus wird gegen Paulus ausgespielt. Das Alte Testament wird als (zumindest) irrelevant und wahrscheinlich als unheilvoll abgetan beiseite geschoben.

Mehr hier: wng.org.

Monika Hausammann: Politische Korrektheit

Monika Hausammann, Autorin des Buches Die große Verkehrung (vgl. die Rezension von Hanniel hier), hat auf KC Impulsapéro 2022 in Bern einen Vortrag zum Thema „Politische Korrektheit – Fabrik des richtigen Denkens“ gehalten, den ich gern empfehle:

Eine Mitschrift des Vortrags gibt es hier: Politische_Korrektheit_Fabrik_des_neuen_Denkens_Hausamann.pdf.

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