Juni 2011

Trägerschicht der Trivialmoral

Reinhard Bingener, der übrigens Theologie in Halle, Chicago und München studierte, hat für die FAZ den Evangelischen Kirchentag in Dresden kommentiert. Darin heißt es:

In der Tendenz hat sich hier in der evangelischen Kirche, auch auf Kirchentagen, in den vergangenen Jahren bereits vieles verbessert. Manches, was über den Protestantismus verbreitet wird, ist mittlerweile Klischee. Was manche Theologen allerdings auf den Podien von Kirchentagen noch immer von sich geben, das ist – man kann es nicht anders sagen – grotesk.

Und wenn der Eindruck nicht täuscht, sind es häufig Pfarrer aus dem Milieu der Beauftragten für Umwelt, Frauen, Ökumene, Entwicklung und so weiter. Diese führen zwar nicht selten einen Doktoren- oder Professorentitel, kennen aber Grundunterscheidungen reformatorischer Theologie entweder nicht oder erachten sie für belanglos. Mitglieder dieser Funktionärsschicht haben allerdings reichlich Zeit, sich abseits der Gemeindearbeit völlig resonanzfrei in ihren engen Subkulturen zu tummeln sowie in allerlei Gremien, an denen der gewöhnliche Gemeindepastor schon wegen Arbeitsüberlastung nicht teilnehmen könnte, ihre Pfründe zu verteidigen.

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Gott ist nicht einfach die Liebe

Emil Brunner schreibt in seinem Werk Der Mittler über die Liebe Gottes (Tübingen: Mohr Siebeck, 1927):

Gott ist nicht einfach die Liebe. Gottes Wesen soll nicht mit einem einzigen Wort ausgesagt werden können. Der Vater geht nicht in den Sohn über, wie das Vorläufige in das Definitive übergeht. Der dunkle Hintergrund hinter der Gestalt des Sohnes darf nicht verschwinden, sonst verfallen wir im Glauben einer falschen Sicherheit. Aus der certitudo wird die securitas. Wir sollen es als das große unergründliche Wollen Gottes und niemals als Selbstverständlichkeit wissen, daß Gott die Liebe ist. Gott liebt wen er lieben will. Von seiner Liebe wissen, heißt sich erwählt wissen. Gott hört auch in der Liebe nicht auf, der freie Herr zu sein. Daß wir hier nicht an die Stelle der Bewegung den Ruhezustand, das platte, selbstverständliche Sosein setzen, das ist das andere entscheidend wichtige Anliegen, das die Trinitätslehre zum Ausdruck bringt. Gott ist der Vater und der Sohn. Wir sollen an Gott als die Liebe glauben, das heißt, wir sollen die Einheit in der Zweiheit, als die im Glauben stets neu zu überwindende Zweiheit haben. Gott ist nicht einfach die Liebe, er bestimmt sich als Liebe. Liebe ist sein Wille, nicht seine Natur, ob auch sein ewiger Wille. Als seine Natur aber müssen wir, auch in Christus, seine majestätische Souveränität und Heiligkeit verehren. Dieses Doppelte muß in der Bewegung bleiben: Gott ist die Liebe; aber auch: Gott ist die Liebe.

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