Bob The Baptist hat nicht nur einen einladenden Humor, sondern er ist hin und wieder etwas zu kritisch. Jedenfalls sehe ich das so.
Trotzdem trifft er immer wieder wunde Punkte, über die es sich nachzudenken lohnt. Und wenn er im nachfolgenden Video Schwächen oder sogar dunkle Seiten der Bewegung des „Neuen Calvinimus“ benennt, dann bin ich dankbar dafür.
Im Rückblick lässt sich gut erkennen, dass es unter den „Young, Restless, Reformed“-Leuten Fehlentwicklungen gegeben hat und gibt. Oft sind auch hier „Power“ und „Einfluss“ relevante Themen. Wer sich zum Beispiel für das Leben und Werk von Mark Driscoll oder Paul Maxwell interessiert (auch„Manosphere“ oder „Christian Nationalism“), sollte sich das Video von Bob anschauen:
Die im Hintergrund die ganze Sache finanzierenden Milliardäre sind keine Christen und betrachten Religiöse schlicht als lenkbare Masse. Sie finanzieren gleichzeitig Pfingstler und Calvinisten, die ja in zentralen Fragen gegensätzlicher nicht sein könnten. Es geht ihnen dabei NICHT um den Erhalt von Bekenntnissen, sondern am Ende soll alles zu einer Suppe nützlicher Idioten zusammengerührt werden, die am Ende ein flaches Wohlfahrtsevangelium verkünden. Dr. Karl Richard Ziegert beschrieb die Entwicklung offenbar schon Ende der 2010er Jahre in „Die Evangelikalisierung des Pietismus und die Folgen“: Das darin allseits präsente „fundamentalistische Paradigma“ wird von der Wirtschafts-Elite in den USA (wie immer umfänglicher auch inzwischen in Deutschland) mitgetragen, die damit ein machiavellistisches Machtspiel treibt: Religion wird benutzt, um innenpolitische Ziele (Verhinderung eines verschwenderischen Sozialstaates, Erhöhung der Militärausgaben) und außenpolitische Zwecke (Förderung von Mission und „Religionsfreiheit“, weltweite amerikanische Führung und Kontrolle) zu unterstützen und abzusichern. Für den hier in den USA als akademischen Gewährsmann dieser politischen Durchgriffsmentalität dienenden Atheisten Leo Strauss ist alles Religiöse ja ohnehin nur „der Klebstoff, der… Weiterlesen »
Das klingt sehr pauschal. Welche Milliardäre finanzieren welche frommen Dinge?
Liebe Grüße, Ron
Die „katholische“ Gebets-App „Hallow“ wurde ja sogar hier im Blog schon erwähnt, wenn auch nur in Form auf Verweis auf Kritik von fragwürdiger Seite. Die dahinter stehenden Oligarchen sind nicht katholisch, evangelisch-lutherisch, calvinistisch oder sonst irgendwie christlich. Sie sehen die Nutzer der Apps als Verfügungsmasse, die sich durch Beauftragen von Online-Celebrities wie Johannes Hartl oder dem Jesus-Darsteller aus „The Chosen“ nach Lust und Laune manipulieren lässt. Dabei ist den Finanziers letztlich egal, ob jemand Katholik, Mormone oder Zeuge Jehovas ist. Jeder bekommt sein passendes Produkt aus der religiösen Medienindustrie.
Der für Pietisten relevante Information ist, dass genau diese Art vergifteter Brunnen unweigerlich die Lehre verwässert und dass genau solche Apps der Teil der Welt sind, von der sie sich absondern. Genau dort findet man nämlich die Wölfe im Schafspelz. Dabei ist nicht relevant, an welcher Lehre jemand festhalten möchte: Wer dort mitläuft, verliert sie.
Danke. Ich verstehe. Allerdings sehe ich das im Fall von „Hallow“ eher so, dass man mit den Frommen Geld verdient. Ein Abo für rund 9 Euro im Monat ist ja nicht ohne.
Liebe Grüße, Ron
@Kommentator
Sehr gut, nun schlage Dir an die Brust und danke Gott, dass Du
Spass, bestimmt brauchen wir grantel-huberige Kommentare, wie Deine, damit wir nicht Abfallen 😉
LG Joerg
Allerdings sehe ich das im Fall von „Hallow“ eher so, dass man mit den Frommen Geld verdient. Auch darüber schrieb Dr. Ziegert vor ungefähr 20 Jahren: Doch das Geschäftliche ist zugegebenermaßen nicht das Hauptziel der Akteure: Es geht um den entschlossenen Umbau der „Allianz“ in eine von und mit Stiftungen auch finanziell immer stabiler gesicherte Infrastruktur der „Neuen Christlichen Rechten“ in Deutschland und damit um Einfluss auf die Gestaltung der öffentlichen Meinung. Was die evangelischen Warner aus dem pietistischen Umfeld seinerzeit befürchteten, ist allerdings nie eingetreten. Im Gegenteil: Diese Umgestaltung der öffentlichen Meinung im Sinne der Amerikaner ist den hiesigen Protestanten gründlich misslungen, statt dessen setzten sich ab 2015 linksprotestantische Positionen aus dem landeskirchlichen Umfeld auch bei den Freikirchen durch. Nachdem das klar war, wurde dem Evangelikalismus inzwischen der Geldhahn aus Amerika zugedreht. Die einschlägigen Oligarchen sind inzwischen einfach auf den Katholizismus umgeschwenkt: Der amerikanische Papst ist in Rom installiert und beim ZDF wird bereits vor Johannes Hartl als Vertreter… Weiterlesen »
Die stets beschworene Gefahr des „Abfalls“ des pietistischen harten Kerns sehe ich weniger. Es wurde ihm vielmehr einfach unmöglich gemacht, die Glaubenspraxis weiter in der konfessionell bevorzugten Form zu leben, da gut finanzierte theologisch desinteressierte Machtmenschen und ihr laues Gefolge in die Gemeinden geströmt sind und dann alles in ihrem Sinne umgeformt haben.
Das ist mit dem Wegfall der Finanzierung erstmal vorbei. Sehr zum Bedauern der auf eigene Bedeutung und Wichtigkeit bedachten Leiterschaft wird dieser evangelische Pietismus auf eine Größe im Bereich von ein paar Prozent des heutigen schrumpfen. Geht man zum Beispiel beim Evangelikalismus von einer sechsstelligen Anhängerzahl in Deutschland aus, wird wohl höhere vierstellige Schar übrig bleiben. Vielleicht gerade mal die 5000 und 4000 aus der Bibel, die sich dann auf eine zweistellige Zahl Gemeinden verteilen. Der deutliche Überhag an Leitern wird flexibel dem Zeitgeist entsprechend zügig die Konfession wechseln.