Elisabeth Elliot

Elisabeth Elliot: Jahre des Wachsens

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Elisabeth Elliot – Ehefrau von Jim Elliot, Mutter, Glaubensheldin, mutige Missionarin, Buchautorin und eine Ikone des amerikanischen Christentums: Es gibt viele Bezeichnungen, die auf diese Frau zutreffen (vgl. hier).

Auch in Deutschland ist sie vielen evangelikalen Christen ein Begriff und ein Vorbild, wenngleich ihre Person zunehmend in Vergessenheit zu geraten droht. Um dem entgegenzuwirken, schrieb Ellen Vaughn nach Elisabeth Elliots Tod im Jahr 2015 eine Biographie in zwei Teilen. Der erste Band ist nun unter dem Titel Elisabeth Elliot: Jahre des Wachsens (#ad) in deutscher Sprache erschienen.

Anna Tissen hat das Buch gelesen und eine Rezension verfasst. Hier ein Auszug: 

Der zweite Teil bildet den Kern der Biographie und zeichnet Elisabeth Elliots Leben von ihrer Geburt im Dezember 1926 bis zu ihrer Abreise aus Ecuador im Jahr 1963 nach.

Elisabeth „Betty“ Howard wurde in Brüssel als zweites Kind von US-amerikanischen Missionaren geboren, doch schon wenige Monate später zog die Familie zurück in die USA, wo der Vater für die Zeitschrift Sunday School Times arbeitete. Die Eltern achteten sehr auf Ordnung, Disziplin und Bildung, liebten ihre sechs Kinder jedoch von Herzen und sorgten dafür, dass sie eine unbeschwerte Kindheit hatten. Bettys Interesse an der Missionsarbeit wurde früh geweckt, indem die Familie regelmäßig Missionare einlud, doch bevor sie konkrete Schritte in diese Richtung unternehmen konnte, widmete sie sich ihrer Ausbildung.

Mit 14 Jahren besuchte sie ein christliches Internat in Florida und schrieb sich später am Wheaton College ein, wo sie sich für ihre spätere Tätigkeit als Übersetzerin ausbilden ließ und auch ihren ersten Ehemann Jim Elliot kennenlernte. Ihre lange Liebesgeschichte ist unter anderem durch Bettys spätere Bücher gut dokumentiert.

Nach verschiedenen Zwischenstationen reiste Betty 1952 als ledige Missionarin nach Ecuador aus und machte ihre ersten Erfahrungen in der Volksgruppe der Colorados. In dieser Zeit wurden durch verschiedene Ereignisse „Bettys feste Vorstellungen über Gottes Willen zerstört, auf teils schockierende und brutale Weise. Bei den Colorados war sie, vielleicht zum ersten Mal, mit dem monolithischen, undurchdringlichen Geheimnis konfrontiert, das Gottes Wege umgibt“ (S. 159).

Im Herbst 1953 heirateten Jim und Elisabeth Elliot und begannen ihre gemeinsame Arbeit in Puyupungu im Osten von Ecuador. Mehr und mehr fühlten sie und andere befreundete Missionare die Überzeugung, dass Gott sie zu den Waorani rief, einer Volksgruppe, die im Dschungel lebte und Fremden gegenüber sehr feindselig war. Die Kontaktaufnahme zu diesem Volk führte im Januar 1956 zum Tod von Jim und seinen vier Kollegen und ließ Betty als Witwe mit einem kleinen Kind zurück.

Während sie ihre Arbeit in den nächsten Jahren fortführte und sich als Buchautorin einen Namen machte, knüpfte Betty erste Kontakte mit Waorani-Frauen. Schließlich zog sie gemeinsam mit ihrer Tochter Valerie und einer anderen amerikanischen Missionarin, Rachel Saint, in eine Waorani-Siedlung. Es war eine äußerst herausfordernde Zeit für sie, denn „wie Betty im Laufe der nächsten Jahre öfter feststellen sollte, waren Rachel und sie, was ihre Persönlichkeiten, Ansichten und Vorlieben anging, maximal unterschiedlich“ (S. 306). Betty war zwar eine äußerst begabte Linguistin, doch die schwierige Zusammenarbeit mit Rachel führte schlussendlich dazu, dass sie sich im Jahr 1963 dazu entschied, Ecuador zu verlassen und in die USA zurückzukehren.

Mehr: www.evangelium21.net.

Elisabeth Elliots dritte Ehe

Die Missionarin und Autorin Elisabeth Elliot (1926–2015) ist für viele Christen (auch) in Deutschland eine wertvolle Ratgeberin geworden. Sie hat zum Beispiel erzählt, wie lange sie auf ihre Ehe mit Jim wartete. Fünf Jahre dauert es, bis Jim Elliot den Eindruck hatte, Gott erlaube ihm, Elisabeth zu heiraten. Fünf quälend lange Jahre. Literarisch verarbeitet in dem Buch Eine harte Liebe (#ad).

Zusammen mit ihrem Mann Jim arbeitete Elisabeth später als Missionarin im östlichen Teil von Ecuador. Und auch dort hat Gott ihr und ihrem Mann sehr viel abverlangt. Im Januar 1956 wurden Jim und vier weitere Missionare von Huaorani-Indianern ermordet.

Elisabeth missionierte weiter und hat viele anrührende Bücher geschrieben. Ihre Leser spürten die Tiefe, lernten von ihrem Gottvertrauen – und ahnte etwas von dem Schmerz, der sie begleitete.

Was ich nicht wusste und möglicherweise auch viele ihrer Leser bisher nicht erfahren haben: Die dritte Ehe von Elisabeth verlief sehr unglücklich. In zwei neuen Biographien wird davon berichtet.

Liz Charlotte Grant, die sich inzwischen von ihrer evangelikalen Herkunft distanziert, hat in einem Artikel die Biographien vorgestellt und dabei auch ihre Ehe mit Lars Gren beschrieben. Ehemänner finden hier ihr Anti-Vorbild.

Einige Auszüge:

Die Biografin Ellen Vaughn beschreibt die Logik von Elliots dritter Ehe folgendermaßen: „Ich konnte … Elisabeths verständliche Einsamkeit, ihr tiefes Bedürfnis nach Bestätigung, ihren körperlichen Hunger, ihre Müdigkeit und ihren Wunsch, ‚beschützt‘ zu werden, sehen, die sie allmählich und heimtückisch, Schritt für Schritt, in eine schwierige dritte Ehe führten, die sie für den Rest ihres langen Lebens einschränkte und kontrollierte.“ Elliot „tauschte … Freiheit gegen Sicherheit. Sie wurde zu einem Menschen, dessen höchster Wert der Wunsch war, sich sicher zu fühlen.“ Leider hatte Gren keine Sicherheit zu bieten, und seine Anwesenheit verschlimmerte Elliots Schmerz nur noch.

Beide Biographen beschreiben eine dramatische Einschränkung von Elliots Freiheit, nachdem sie das dritte Mal geheiratet hatte. Gren bestimmte, wann sie eine Tasse Tee trank, ein Bad nahm und wann sie schlief. Er kontrollierte häufig den Kilometerzähler ihres Autos und vergewisserte sich, dass sie keine ungeplanten Stopps eingelegt hatte. Er kontrollierte das Thermostat im Haus. Er belauschte ihre Telefongespräche und hatte das letzte Wort darüber, ob sie ihre Freunde besuchte, wobei er Einladungen für sie oft in letzter Minute ablehnte. Wenn er wütend auf seine Frau war, weigerte er sich tagelang, mit ihr zu sprechen. Und am schmerzlichsten für Elliot war, dass Gren „ihr willkürlich den Zugang zu ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und ihren Enkelkindern, die sie über alles liebte, verwehrte“, schreibt Vaughn.

Die Manipulationen verschlimmerten sich, als Elliots Ehemann die Leitung der „Elisabeth-Elliott-Industry“ übernahm, wie Austen es in einem Interview bezeichnete. Austen schreibt: „Er stellte sie auf dem Podium vor, justierte ihr Mikrofon, verwaltete den Büchertisch und sorgte dafür, dass sie aß. Er entschied, wann sie sich ausruhte, wann sie arbeitete und wann sie sich unterhielt … er tadelte sie für Fehler beim Sprechen … und kritisierte sogar ihre Körperhaltung.“ Gren hielt einen zermürbenden Redeplan für die introvertierte Elliot aufrecht, die oft Alpträume vom öffentlichen Reden hatte und sich in ihren späteren Jahren lieber aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hätte. Sie fügte sich jedoch den unerbittlichen Erwartungen von Gren, und so wuchs ihr Einfluss (zu ihrem Leidwesen) weiter.

Noch lange nach ihrer Alzheimer-Diagnose in den 1990er Jahren hielt Elliot wegen Gren eine Vielzahl von Vorträgen – selbst nachdem sie die Fähigkeit zu sprechen verloren hatte. Mindestens einmal ließ Gren sie lächelnd auf der Bühne sitzen, während er ein Band mit einer Rede abspielte, die sie Jahre zuvor aufgenommen hatte. Erst als ein Arzt das Ende ihrer Reise anordnete, wurde sie von den Zumutungen ihres Mannes erlöst.

Mehr: therevealer.org. Siehe auch den Artikel „Elisabeth Elliot und die tröstliche Souveränität Gottes“ von Miriam Münch.

VD: NP

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