Die verweigerte Verantwortung

Wir leben in einer Zeit, in der Verantwortung oft durch Verweigerung ersetzt wird, meint Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele. Ich stimme hier zu:

Wenn die Keimzelle der Gesellschaft, die Familie, so weit unterminiert wird, dass man die damit verbundene Verantwortung nur noch auf Zeit zu übernehmen bereit ist – nämlich für die Zeit ohne Gegenwind – und die damit verbundenen Verpflichtungen relativiert werden; wenn es sich die Großen in der Wirtschaft immer umfassender richten können, während es für die Kleinen immer härter wird; wenn Unternehmen verstärkt auf Zeitgeist und Compliance setzen statt auf echte Werte und eigene Haltung; wenn in der Politik immer mehr das Unrecht des Stärkeren salonfähig wird und das Recht zum Instrument der Mächtigen gerät, statt deren Macht zu beschränken; wenn Toleranz gefordert, aber nicht gezeigt wird; wenn Religion vom Bekenntnis zum Lippenbekenntnis degeneriert.

Wenn all das möglich ist – und genau das geschieht gerade –, dann leben wir im Zeitalter der Verantwortungsverweigerung. Diese Kultur der Verantwortungsverweigerung drückt sich besonders in Schuldverschiebung, in der Relativierung von Normen und Regeln sowie in folgenlosem Machtgebrauch und konsequenzlosem Machtmissbrauch aus. All das führt zu einem Vertrauensverlust, der Staat, Politik, Institutionen und sogar die Wissenschaft betrifft – zur Erosion von Recht, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Die Polarisierung der Gesellschaft ist eine unvermeidliche Folge, und genau diese erleben wir tagtäglich.

Mehr: www.die-tagespost.de.

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6 Kommentare
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24 Tage vor

Welcher Christ kennt überhaupt diese Bibelaussage

Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen“, Epheser 2,10 und damit seine Verantwortung vor Jesus Christus?

Stephan
24 Tage vor

Christen kennen Eph 2,10 wie folgt:
HFA 2015: „Was wir jetzt sind, ist allein Gottes Werk. Er hat uns durch Jesus Christus dazu geschaffen, das zu tun, was gut und richtig ist. Genau das hat er für unser Leben vorbereitet.“
NGÜ 2012: „Denn was wir sind, ist Gottes Werk; er hat uns durch Jesus Christus dazu geschaffen, das zu tun, was gut und richtig ist.“ 
Schlachter: „Denn wir sind sein Werk, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“

Allen Übersetzungen ist gleich, dass der Christ durch Gott in den guten Werken wandelt, nicht durch eigenen Antrieb und eigenes Wollen. Schließlich retten uns nicht die eigenen guten Werke, sondern nur Jesus Christus. Eine Selbsterlösung gibt es nicht.

Matze
24 Tage vor

Nach meiner Beobachtung geht es hier um etwas anderes wie Eph 2,10.In unserer Kultur war in der Moderne richtig oder falsch ein wichtiger Teil des Lebens unabhängig ob Christ oder nicht. Für Fehler hat man Verantwortung übernommen. Seit der Postmoderne ist das aber anders und ich überzeichne etwas. Man redet von anderen Sichtweisen oder Herausforderungen. Mit Benennung von Fehlern würde ja man die andere Person angreifen. Das führt logischerweise dazu, dass Verantwortung entweder nicht übernommen oder hin- und hergeschoben wird.Zeigt zum Beispiel daran, dass die Effektivität in der deutschen Industrie seit Jahren zurückgeht.

Stephan
24 Tage vor

@Matze Sehe ich auch so bzgl. Eph 2,10. Mein Einwand bezog sich auf dessen Fehlinterpretation. Im Artikel gefällt mir besonders dieser Satz „…wenn Unternehmen verstärkt auf Zeitgeist und Compliance setzen statt auf echte Werte und eigene Haltung…“. Wir leben im Zeitalter der Verantwortungsabwehr. Ich bekomme das insbesondere bei mir im Arbeitsleben mit, für manche Leute gibt es nichts Schlimmeres, als wenn ein Fehler bei ihnen festgemacht werden könnte. Getreu dem Motto „Wer keine Fehler macht hat auch nichts zu befürchten“. Da wird ein beträchtlicher Anteil der Arbeitsleistung darauf verschwendet Verantwortung abzuschieben oder soweit auf mehrere Stellen zu verteilen, dass man die Verantwortung für Fehler an keiner Person oder Personengruppe mehr festmachen kann. Damit hat man aber auch kaum eine Chance aus Fehlern zu lernen. Hat man früher nach Moral und Gewissen Entscheidungen getroffen, sind an deren Stelle Compliance-Regeln getreten. Hält man sich an die, dann kann einem keiner einen Vorwurf machen, höchstens an die Leitung, dass die Compliance-Regelung nicht ausreichend… Weiterlesen »

Matze
24 Tage vor

@Stephan
Danke für Deine tolle Darstellung. Noch zwei Ergänzungen:
– Compliance wird als Werte verkauft
– Es getrauen sich fast keine Vorgesetzten mehr einzufordern, dass etwas so und so gemacht werden muss. Man macht ein tolles IT Programm, das die Prozessschritte kompliziert einfordert anstatt einer mal auf die Hinterfüsse steht und gesagt wird jetzt gebt mal Gas. Oder ein Vorgesetzter hat in einer Präsentation Forderungen von der KI schreiben lassen; nun sagt er ständig: das sag nicht ich, das sagt die KI und nicht “ ich will das so“ Auch der Vorgesetzte geht kein Risiko mehr ein, denn er will ja nicht scheitern und sich dann korrigieren oder gar entschuldigen müssen.

Kommentator
23 Tage vor

Da ist wieder, der deutsche Katholizismus, der über seine eigenen Publikationsorgane die Zustände beklagt, die er höchstselbst herbeigeführt hat. Ein Österreicher führt einen in seinem Land seit 1919 abgeschafften Adelstitel und möchte ernstgenommen werden.

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass dieses Varietétheater in den Himmel kommt…

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