Totalschaden für die Orthographie

Die FAZ gab 2007 dem öffentlichen Druck nach und passte ihre Rechtschreibung der Rechtschreibreform aus dem Jahre 1996 an. Inzwischen ist die Reform 20 Jahre alt und in der FAZ ist Folgendes zu lesen (Heike Schmoll, „Totalschaden für die Orthographie“, Ausgabe vom 10.08.2016, Nr. 185, S. 8):

Zwanzig Jahre nach der Einführung der Rechtschreibreform hat sich die Anzahl der Orthographiefehler selbst bei Gymnasiasten vervielfacht.

Die Rechtschreibreform aus dem Jahre 1996 sei „ein Flop“ resümierte Grund [gemeint ist der ehemalige Lehrerausbildung Uwe Grund; Anm. R.K.], der mehrere Studien zur Rechtschreibreform auswertete und auf einschlägige Daten aus Leistungsvergleichen zurückgreifen konnte.

Offenbar hat die Rechtschreibreform also nicht nur die Fehlerquote erhöht, sondern ihr selbst vorgegebenes Ziel der „Vereinfachung“ des Schreibens völlig verfehlt. „Sie hat in das historisch gewachsene orthographische Regelwerk eingegriffen, ohne den damit verknüpften Anspruch einzulösen“, schreibt Grund.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus, selbst bis vor kurzem Deutschlehrer und Schulleiter eines bayerischen Gymnasiums, sieht sich durch Grunds Studie in seiner Einschätzung der Rechtschreibreform bestätigt. Kraus, dem schon die „Erleichterungspädagogik“ der Reformer zuwider ist, verweist darauf, dass nicht nur die Schreib- und Lesbarkeit von Texten gelitten hat, sondern auch das semantische Differenzierungsvermögen. Die Ausdrucksvielfalt habe sich deutlich reduziert, sagt Kraus im Gespräch mit dieser Zeitung. „Alles in allem waren die Nutznießer der Rechtschreibreform außer ein paar Karrieristen nur die Verlage, allen voran Bertelsmann, Duden und einige Schulbuchverlage.“ … Er sieht deshalb die einzige Lösung in einer Rückkehr zur Schreibung von 1996. Das allerdings wird ganz gewiss nicht geschehen, denn dann müssten die Kultusminister, die fahrlässig und ahnungslos eine Rechtschreibreform beschlossen, öffentlich ihren Fehler rückgängig machen.